Hilkje Hänel: Letzter Ausweg Tempelhof

Was bringt eine Mutter dazu, erst ihr eigenes Kind und dann sich selbst zu töten? Diese Frage stellt sich das Team um die Polizistin Alexandra Gode, als sie im Auffanglager für Geflüchtet auf dem Tempelhofer Feld vor den Leichen stehen. Doch was sie sehen, ist erst die Spitze des Eisberges.

Noch liegt Hauptkommissarin Alexandra Gode im Krankenhaus. Sie wurde entführt, brutal gefoltert und ist nur knapp dem Tod entkommen. Kaum aus dem Koma erwacht, hält sie nichts mehr im Bett. Sie will aufklären, wer ihr das angetan hat. Auch wenn sie dazu tief in ihre Vergangenheit eintauchen muss.

Es sieht aus wie Selbstmord

Halbherzig und gegen den Willen ihres Vorgesetzten steigt sie in einen mysteriösen Fall ein, der die Kolleginnen und Kollegen gerade beschäftigt. Im Auffanglager am Tempelhofer Feld hat eine Geflüchtete erst ihre Tochter und dann sich selbst umgebracht. Eigentlich kein Fall für Alexandra und ihren Kollegen Markus Lepke. Wäre da nicht eine weitere Kindstötung, für die es kein klares Motiv gibt.

Und dann ist da noch das merkwürdig intensive Interesse des Innensenators für den Fall. Wieso interessieren sich plötzlich so viele wichtige Männer Berlins für das Schicksal geflüchteter Frauen und Kinder. Wobei, interessieren sie sich wirklich dafür oder wollen sie nur unter allen Umständen, dass der Fall geschlossen wird. Je mehr sie sich bemühen, den Mantel des Schweigens über die Vorfälle zu ziehen, umso neugieriger werden Alexandra und Markus. Und decken dabei Abgründe auf.

Pflichtlektüre für mehr Menschlichkeit

Hilkje Hänel hat mit Letzter Ausweg Tempelhof einen sehr düsteren, zu Herzen gehenden Krimi abgeliefert, der zur Pflichtlektüre werden sollte, wenn es um ein menschenwürdiges Miteinander geht. Aktueller könnte der Bezug nicht sein, was zu Beginn jedes Kapitels durch Auszüge aus der Tagespresse noch eindrücklich verdeutlicht wird. Wir alle kennen die meisten Schlagzeilen, die sie aufführt.

Und wir kennen auch die Schlagzeilen, die sich um die Auffanglager für geflüchtete Menschen drehen. Schlagzeilen über Willkür und Rechtslastigkeit des Wachpersonals. Schlagzeilen über überzogene Gewaltanwendung. Gemunkel über Zwangsprostitution und Kinderhandel. Schlagzeilen, die schnell wieder durch andere Themen verdrängt und vergessen werden. Letzter Ausweg Tempelhof hilft gegen das Vergessen und ist dabei trotzdem spannend.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Hilkje Hänel

Hilkje Charlotte Hänel, geboren 1987, hat ihr Psychologiestudium nach nur 14 Tagen abgebrochen und stattdessen begonnen, Texte fürs Theater zu schreiben. Später hat sie Englische Literatur und Philosophie in Göttingen, Berlin, Sheffield und Boston studiert. Heute lebt sie wieder in Berlin. Mit ihrem Kriminalroman »Engel der Erlösung« hat sie die Reihe um die junge Berliner Hauptkommissarin Alexandra Gode begonnen.

Buchinfo: Letzter Ausweg Tempelhof von Hilkje Hänel, erschienen bei Goldmann, 15. April 2019, 352 Seiten, ISBN: 978-3-442-48608-3. Danke für das Leseexemplar.

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Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

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