Sabine Thiesler: Der Keller

In der Toscana verschwinden mehrere junge Frauen spurlos. Da sie aus unterschiedlichen Ländern und Regionen stammen und die grenzübergreifenden Ermittlungen sehr schwerfällig sind, fällt zunächst nicht auf, dass es bei ihrem Verschwinden Gemeinsamkeiten gibt. Das ändert sich schlagartig, als Commissario Neris Sohn im prunkvollen Palazzo Scarpaccini heiratet.

Der Keller von Sabine ThieslerHannahs Welt ist in Ordnung. Sie liebt Heiko, auch wenn der gerade wegen seines Examens äußerst dünnhäutig ist, und freut sich auf die Geburt ihres gemeinsamen Babys. Einziger Wermutstropfen ist die Krankheit ihrer Mutter. Seit Jahren leidet sie unter schweren Depressionen. Ein Grund, weshalb ihre Eltern in die sonnige Toscana gezogen sind.

Als ihre Mutter eine erneute Krise hat, fliegt die hochschwangere Hannah trotz ihrer großen Flugangst zu ihren Eltern. Sie will den Vater unterstützen, der Mutter Kraft geben. Doch der Flug startet holprig. Mit Verzögerung landen sie spätabends in Italien. Nach anfänglichem Zögern nimmt sie das Angebot ihres Sitznachbarn Daniele Scarpaccini, sie in seinem Wagen mitzunehmen, an. Die Nacht soll sie gemeinsam mit ihm und seiner Frau in deren Palazzo in den Bergen verbringen. Am nächsten Morgen wird Daniele sie dann zu ihren Eltern bringen.

Traumhochzeit im Palazzo

Monate später. Gabriele Neri möchte ihren Mann, Commissare Donato Neri, mit einem ganz besonderen Geschenk zum sechzigsten Geburtstag überraschen. Ein Kurztrip nach Florenz mit zwei Übernachtungen in einem traumhaften Palazzo scheint genau das Richtige zu sein. Der Preis ist angemessen, ein luxuriöses Dinner inklusive. Nach anfänglichem Zögern ist Neri begeistert. Er kennt den Besitzer des Palazzos, Conte Daniele Skarpaccini, aus beruflichen Ermittlungen und schätzt ihn sehr.

Beeindruckt durch die Schönheit und den Luxus des Palazzos beschließen die Neris, diesen ihrem Sohn und seiner Verlobten als Location für die ihre bevorstehende Hochzeit vorzuschlagen. Und tatsächlich machen die Scarpaccinis ihnen ein sensationell günstiges Angebot. Dem schönsten Tag im Leben des verliebten Paares scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Bis die glückliche Braut plötzlich verschwunden ist.

Grandios Grauenhaft

Mit Der Keller hat Sabine Thiesler es geschafft, mich ab den ersten Seiten gefangen zu nehmen. Hannahs Unruhe, allen Seiten gerecht zu werden, ihrem Vater, ihrer kranken Mutter, ihrem prüfungsgestressten Mann, ihrem ungeboren Kind, ist so lebendig geschildert, dass ich Heiko, Sabines Mann, am liebsten den Kopf zurecht gerückt hätte. So egoistisch, wie er sich gleich auf den ersten Seiten verhält.

Ihre Verunsicherung, als sie sich trotz ihrer massiven Flugangst für eine Reise zu ihrer Mutter entscheidet. Ihre Flugangst und die Erleichterung darüber, dass ihr Sitznachbar sie ablenkt und ihr ihre Ängste nimmt. Alles konnte ich mitfühlen.

Etwas langatmig fand ich hingegen die Geschichte von Daniel Hollberg, dem späteren Conte Daniele Scarpaccini. Zwar ist seine familiäre Situation für die Entwicklung der Story wichtig, aber etwas flotter hätte es sein können.

Ein weiterer Strang, der für mein Empfinden nicht so richtig in die tolle, oder wie Sabine Thiesler selbst sagt, bizarre Geschichte eingewoben ist, ist das Verschwinden der Künstlerin Martina. Auch sie verschwindet spurlos aber scheinbar wird sie von niemandem vermisst.

Bizarr und ein bisschen pervers

Aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Insgesamt hat mich Sabine Thiesler mit Der Keller ganz und gar begeistert. Kauft es, lest es. Zumindest dann, wenn ihr nicht allzu zart besaitet seid. Denn zwischendurch wird es sehr brutal. Und ein bisschen pervers irgendwie. :D. Aber ich mag das ja.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Sabine Thiesler

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman »Der Kindersammler« stand sie monatelang auf den Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern »Hexenkind«, »Die Totengräberin«, »Der Menschenräuber«, »Nachtprinzessin«, »Bewusstlos«, »Versunken«, »Und draußen stirbt ein Vogel«, »Nachts in meinem Haus« und zuletzt: »Zeckenbiss«.

Buchinfo: Der Keller von Sabine Thiesler, erschienen bei Heyne, 23. September 2019, 480 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 20,00, ISBN: 978-3-453-27148-7. Danke für das Leseexemplar.

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