Benjamin Melzer: Endlich Ben

Yvonne kommt 1987 in der kernigen, ehrlichen Handwerkerfamilie Melzer in Recklinghausen zur Welt. Von klein auf sind ihr Kleidchen, Haarbänder und dieser ganze Mädchenkram ein Graus. Erst 18 Jahre später wird der Familie klar, warum das so ist.

Benjamin wird als Yvonne geboren. Schon im Kindergarten stellt sie sich als Max vor. Rüschen, Bänder, Kleidchen, Spitzenkrägelchen sind ihr verhasst. Sehr zum Ärger seines Vaters, der sich ein süßes, hübsches, kleines Mädchen wünscht. Die Mutter hingegen ahnt instinktiv, dass ihre Tochter “anders” ist und unterstützt, wo es geht. Sie zwingt das Kind nicht in Rüschenkleidchen, stellt sich immer schützend vor es, wenn blöde Sprüche aus der Familie kommen.

In der Pubertät fühlt sich Yvonne ganz selbstverständlich zu Frauen hingezogen. Mit ihnen macht sie auch ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Gleichzeitig leidet sie massiv unter ihren wachsenden Brüsten, hasst ihren immer weiblicher werdenden Körper. Dafür gibt sie sogar ihren heißgeliebten Leistungssport auf.

Ich bin transgender

Doch erst mit 18 versteht sie wirklich, warum sie sich so falsch in ihrem Körper fühlt. Im Fernsehen sieht Yvonne einen Bericht über einen Transmann und weiß endlich: Sie ist transgender. Zufällig im falschen, dem weiblichen, Körper zur Welt gekommen, in ihrem Fühlen und Denken aber eindeutig männlich. Das ist die Geburtsstunde von Benjamin.

Gemeinsam mit seiner Familie macht er sich auf den langen Weg der Geschlechtsangleichung. Er will endlich Inneres und Äußeres in Einklang bringen. Ein Weg mit vielen Schmerzen, mit Hoffnungen und Bangen und mit Enttäuschungen. Ein Weg, an dessen Ende für Ben das absolute Glück steht.

Es ist ein Mensch!

Eigentlich habe ich mich bisher wenig mit dem Thema Transgender und Geschlechtsangleichung befasst. Aus einem einfachen Grund: Für mich soll jeder Mensch sein Leben so leben, wie er oder sie es möchte. Entweder mag ich diesen Menschen, oder ich mag ihn nicht. Und wenn Yvonne irgendwann Benjamin ist oder Benjamin Yvonne und damit glücklicher ist, dann freue ich mich mit daran, dass ein Mensch wieder ein Stückchen glücklicher ist. Vielleicht hat mich genau deshalb Endlich Ben im Eden-Newsletter so angesprochen. Keine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema sondern das, was ein Mensch auf dem Weg zu seinem Körper durchgemacht hat.

Und tatsächlich ja Benjamin Melzer mit seiner “Ruhrpott-Schnauze” mir den Zugang beim Lesen mega leicht gemacht. Schnodderig erzählt er von seiner Kindheit. Trotzdem spürt man seine Verletzlichkeit und seine Verletztheit in jedem Satz.

Es gab nur zwei Kleinigkeiten, die mich an Endlich Ben gestört haben:

  • Dass Benjamin seinen Arbeitgeber so ausdrücklich erwähnt. Diese Art von aufdringlicher Werbung mochte ich nicht. Sollte Benjamin irgendwann nicht mehr mit dieser Firma zusammenarbeiten, bleibt sie durch dieses Buch trotzdem immer mit ihm verbunden.
  • Die Beschwerde, dass er zu oft auf “Transmann” reduziert werde. Spätestens dann, wenn ich ein Buch über meine Geschlechtsangleichung schreibe und hoffe “dass es viral geht”, grenzüberschreitend ein Erfolg und möglichst auch verfilmt wird, darf ich mich darüber nicht mehr wundern.

Aber das sind Kleinigkeiten, die dem eigentlichen Inhalt dieses wichtigen Buches keinen Abbruch tun. Kauft es, lest es und geht noch sorgsamer mit euren Mitmenschen um.

Benjamin Melzer

Benjamin »Ben« Melzer wurde 1987 als Yvonne Melzer in Recklinghausen geboren. Mit 23 Jahren beginnt er seinen geschlechtsangleichenden Weg. Er arbeitet weltweit als Model, ist Fitness-Coach und Transgender-Aktivist. Als Model war er der erste Transmann auf dem Cover des Lifestyle-Magazins »Men’s Health«.

Alexandra Brosowski

Alexandra Brosowski ist Autorin, SchreibCoach und Journalistin und ist seit 25 Jahren im Schreiben zu Hau

Buchinfo: Endlich Ben von Benjamin Melzer, erschienen bei Eden Books, 06. März 2020, Paperback, 240 Seiten, € 17,95, ISBN 978-3-95910-252-0.

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