Andreas Eschbach: NSA

Weimar 1942. Die Programmiererin Helena arbeitet beim Nationalen-Sicherheits-Amt (NSA). Schnell wird die begabte junge Frau für Spezialprojekte herangezogen. Wie gefährlich ihre Arbeit für Menschen ist, versteht sie erst, als ihre Freunde ins Visier der Nazis geraten.

Helena wächst in einem behüteten Umfeld auf. Der Wunsch ihrer Eltern, die Tochter in den Fußstapfen ihres Vaters zu sehen – Helena soll Medizin studieren – geht nicht auf. Nichts ist ihr verhasster als das. Wäre sie doch dadurch auch künftig permanent unter elterlicher Kontrolle. Erst als sie ihre Liebe für die Mathematik und dadurch für das Programmieren entdeckt, sieht sie ihren Weg vor sich.

Bei einem Programmierwettbewerb für Jugendliche hinterlässt Helena so nachhaltigen Eindruck, dass sie nach ihrer Abschlussprüfung umgehend ein Angebot vom Nationalen-Sicherheits-Amt der Nazis bekommt. Dort soll sie als “Programmstrickerin”, also als Programmiererin anfangen. Ein klassischer Frauenberuf. Begeistert arbeitet sie sich in ihre neue Tätigkeit ein, fasziniert von den technischen Möglichkeiten, die ihr eröffnen. Erst nach und nach erkennt sie, dass ihre Arbeit Menschenleben vernichten soll und auch ihre große Liebe in Lebensgefahr bringt.

Hätten die Nazis IT gehabt…

Ich habe schon vieles von Andreas Eschbach gelesen, aber so verstörend wie NSA war noch keines seiner Bücher. Was wäre gewesen, wenn die Nazis damals bereits Computer, Smartphones, bargeldlose Zahlungsmittel hätten einsetzen können? Wenn sie fast unbegrenzte Rechnerkapazitäten und Abfragemöglichkeiten eingesetzt hätten. Wenn Sie die Bewegungen und Aktivitäten der Bürger hätten lückenlos nachvollziehen können. Wären dann noch mehr Menschen getötet worden?

2018 kam NSA als Hardcover in den Handel. Einen perfekteren Veröffentlichungstermin hätte man nicht finden können. Die neue Rechte war mehr laut als stark, wollte aber die Weltherrschaft an sich reißen. Andreas Eschbachs NSA motiviert reflektierte Menschen, sich gegen diese Bewegung zu stellen. Denn heute könnten Diktatoren alle Tools nutzen, die in seinem Buch beschrieben werden. Die Technik dazu gehört längst zu unserem Alltag.

Nichts für Menschen mit Verfolgungswahn

Jetzt, im Frühjahr 2020, NSA ist gerade als Taschenbuch erschienen, kämpfen wir gegen Corona. Wir müssen zum Wohle aller vorübergehend auf Teile unserer gewohnten Freiheit verzichten. Sollen zum Schutz vor Infektionen möglichst bargeldlos zahlen und einer App vertrauen, die die Regierung für uns bauen lässt. Die Verschwörungstheoretiker laufen Sturm, auch ohne NSA gelesen zu haben. Und Menschen mit Verfolgungswahn würde die Lektüre vermutlich nachhaltig verstören.

Aber ernsthaft, NSA von Andreas Eschbach ist ein wichtiges und spezielles Buch. Es sensibilisiert für die Gefahren, die heute von einer Diktatur ausgehen würden. Ihre Macht wäre ungleich größer als “damals”. Das dürfen wir nicht zulassen!

Ach ja, und wer einfach mit einer exzellenten Verflechtung aus Geschichte und Gegenwart unterhalten werden möchte, kann NSA von Andreas Eschbach natürlich auch ganz unpolitisch genießen!

Für mich das bislang beste Buch, das ich von Andreas Eschbach gelesen habe. Es spielt perfekt mit den subtilen Ängsten unserer Gesellschaft und sorgte damit bei mir für Grusel.

Andreas Eschbach

Andreas Eschbach, geboren am 15.09.1959 in Ulm, ist verheiratet, hat einen Sohn und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr.

Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis 1996 war er geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma.

Als Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung „für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs“ schrieb er seinen ersten Roman „Die Haarteppichknüpfer“, der 1995 erschien und für den er 1996 den „Literaturpreis des Science-Fiction-Clubs Deutschland“ erhielt. Bekannt wurde er vor allem durch den Thriller „Das Jesus-Video“ (1998), der im Jahr 1999 drei literarische Preise gewann und zum Taschenbuchbestseller wurde. ProSieben verfilmte den Roman, der erstmals im Dezember 2002 ausgestrahlt wurde und Rekordeinschaltquoten bescherte. Mit „Eine Billion Dollar“, „Der Nobelpreis“ und zuletzt „Ausgebrannt“ stieg er endgültig in die Riege der deutschen Top-Thriller-Autoren auf.

Nach über 25 Jahren in Stuttgart lebt Andreas Eschbach mit seiner Familie jetzt seit 2003 als freier Schriftsteller in der Bretagne.

Buchinfo: NSA von Andreas Eschbach, erschienen bei Bastei-Lübbe, 28.02.2020, 796 Seiten, € 12,90, ISBN: 978-3-404-17900-8

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