Hera Lind: Die Frau zwischen den Welten

Ella wächst nach dem Krieg als Tochter einer Deutschen und eines Tschechoslowaken in der Tschechoslowakei auf. Als die Revolutionsgarden ihren Vater brutal erschlagen, trifft die ganze Härte der Nachkriegszeit das junge Mädchen mit den deutschen Wurzeln.

Die Frau zwischen den Welten von Hera Lind

Prag 1945. Die 12-jährige Ella verlebt eine einigermaßen unbeschwerte Kindheit bei ihrer Großmutter in einer deutschen Kolonie in der Tschechoslowakei. Als die Kämpfe in Prag zum Kriegsende immer heftiger wurden, hatte ihr Vater sie aufs Land gebracht. Er selbst blieb mit Ellas hochschwangerer Mutter zurück.

Nach Kriegsende ist auch Ella in Gefahr. Schließlich ist ihre Mutter eine Deutsche und damit ein Feind. Die Ohnmacht der Tschechoslowaken wandelt sich in grenzenlosen Hass auf alles Deutsche und damit auch auf Ellas Vater, der eine Deutsche geheiratet hat. Dass das schon vor dem Krieg war, interessiert niemanden. Dass Ella fließend zweisprachig aufgewachsen ist und als Kind sowieso unschuldig, interessiert niemanden. Sie ist der “deutsche Bastard” und wird von ihren Mitschüler:innen gequält und gehänselt.

Als der Vater von Milizionären brutal zusammengeschlagen und anschließend von der Staatssicherheit verhaftet wird, muss Ella zurück zu Mutter und dem inzwischen geborenen Säugling. Ab sofort übernimmt das junge Mädchen die Verantwortung für die Familie. Und sie hofft, dass der Vater bald zurück sein wird. Doch das ist nicht der Fall. Er hat die Misshandlungen der Milizionäre und der Staatssicherheit nicht überlebt. Ab sofort geht Ella durch die Hölle, ist auf sich allein gestellt. Erst als sie den jüdischen Arzt Milan Berner kennenlernt, wendet sich das Blatt für sie. Milan ist ihre große Liebe.

Haben die vielen Korrekturschleifen die Atmosphäre zerstört?

Im Nachspann erklärt Hera Lind, wie es zu Die Frau zwischen den Welten kam. Seit einigen Jahren orientieren sich ihre Bücher ja nur noch an wahren Geschichten. Die kleine – und natürlich auch die große – Ella Berner gibt es wirklich. Lange hat es gedauert, bis sie ihr Glück finden durfte und unfassbar brutal war ihr Leben. Als Nachlass für ihren Enkel hat sie dieses Leben aufgeschrieben. Ein langer Brief, der ihn erreichen soll, wenn er erwachsen ist. Ein Brief, der auch Hera Lind erreicht hat und bei ihr erst mal in Vergessenheit geriet.

Erst 2019 gerät das Projekt wieder in den Fokus und jetzt geht es Schlag auf Schlag. Hera Lind schreibt nach eigener Aussage wie im Rausch. Und scheitert dann an der ehemaligen Lehrerin Ella Berner, die gnadenlos redigiert und keine Schnörkel zulässt. Für mein Empfinden ist damit auch die Nähe, die Emotionalität zur Protagonistin etwas verloren gegangen.

Unabhängig davon ist Die Frau zwischen den Welten eine sehr bewegende Geschichte der Nachkriegszeit. Eine Geschichte, die vermutlich nicht mal so selten war und eindringlich zeigt, wie brutal und skrupellos Menschen sein können.

Hera Lind

Hera Lind studierte Germanistik, Musik und Theologie und war Sängerin, bevor sie mit zahlreichen Romanen sensationellen Erfolg hatte. Seit einigen Jahren schreibt sie ausschließlich Tatsachenromane, ein Genre, das zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Mit diesen Romanen erobert sie immer wieder die SPIEGEL-Bestsellerliste. Zuletzt stieg “Die Hölle war der Preis” direkt auf Platz 1 ein, gefolgt von “Die Frau zwischen den Welten” auf Platz 2. Hera Lind lebt mit ihrer Familie in Salzburg.

Buchinfo: Die Frau zwischen den Welten von Hera Lind, erschienen bei Diana, 14.12.2020, 432 Seiten Klappenbroschur, € 10,99, ISBN: 978-3-453-29227-7. Danke für das Leseexemplar.

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