Jan Beck: Die Nacht

Stell dir vor, du sitzt an deinem Notebook. Plötzlich erscheint auf deinem Bildschirm eine bizarre Szene und du wirst aufgefordert, dich an einem Spiel zu beteiligen, von dem Menschenleben abhängen. Du kannst die Einblendung nicht wegklicken. Was tust du?

Die Nacht Wirst du morgen noch leben von Jan Beck

Die letzten Wochen waren für Hanna Dauerstress. Sie muss abschalten, den Kopf frei bekommen. Der Rat ihres Vaters, ein vielbeschäftiger Vorstand eines Pharmaunternehmens, scheint genau richtig gewesen zu sein. Seit drei Wochen wandert sie jetzt schon an der Mosel entlang und fühlt sich so frei wie schon lange nicht mehr. Als sie in ein Gewitter gerät, sucht sie Schutz in einem Wäldchen.

Das ist das Letzte, woran sie sich erinnern kann, als sie nackt und kahlgeschoren in einem engen Glaszylinder wieder zu sich kommt. Hanna kann sich kaum bewegen, so schmal ist die Röhre. Die Muskulatur ist durch die unnatürliche Haltung und die kühle Luft, die von oben auf ihren Nacken und ihre Schultern bläst, längst völlig verspannt. Nur unter Schmerzen kann sie den Kopf nach links und rechts drehen. Doch was sie dabei sieht, lässt sie nur noch mehr erstarren: Sie ist nicht allein. In dem düsteren Raum gibt es noch vier weitere dieser Röhren und in jeder steckt ein Mensch. Drei Frauen und ein Mann. Alle nackt. Alle kahl geschoren wie Hanna selbst.

Spielst du mit?

Henning Mahler ist Straßenbahnfahrer. Den ganzen Tag muss er sich mit meckernden Fahrgästen abgeben, die die Sitze bekleckern, ihre Kinder nicht im Griff haben und denen nichts recht zu machen ist. Wenn er nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt, geht es gleich weiter mit Forderungen und Genörgel. Seit die Zwillinge auf der Welt sind, ist seine Frau Maja ständig überfordert. Von Zweisamkeit keine Spur. Trotz seines Vollzeitjobs kommen sie gerade so über die Runden. Der größte Teil seines Gehalts geht für die Miete drauf. Geld für einen Babysitter, der ihnen die Kinder mal ein paar Stunden abnehmen könnte, bleibt da nicht übrig. Auch jetzt schläft Maja schon.

Mit einer labbrigen Tiefkühlpizza setzt sich Henning nach seiner Spätschicht vor sein Notebook, flüchtet sich in Serien oder Games. Manchmal auch in einen Porno. Aber in dieser Nacht ist alles anders. Plötzlich erscheint auf dem Bildschirm ein Wolfskopf. Darunter steht: DIE NACHT. Was Henning auch versucht, er kann die Einblendung nicht wegklicken. Dann startet ein Countdown und bei Null erscheint ein Mann auf dem Bildschirm. Er ist stark übergewichtig, splitterfasernackt, kahlgeschoren und steht in einer Glasröhre, in die er gerade eben noch passt. Im Hintergrund kann Henning weitere Röhren erahnen. Ein großes Pendel schwingt langsam zwischen den Röhren hin und her. Ehe Henning noch groß grübeln kann, was es damit auf sich hat, wird er aufgefordert, sich an einem Spiel zu beteiligen. Ein Spiel um Leben und Tod.

Für Europols Topermittlerin und Leiterin der Sondereinheit für Serienverbrechen, Inga Björk und den Ex-Polizisten Christian Brand beginnt der Wettlauf gegen die Zeit. Können sie das perverse Spiel noch rechtzeitig stoppen?

Bizarre Spannung pur

Die Nacht von Jan Beck ist Spannung pur. Wie so oft bei besonders schrägen Thriller-Ideen frage ich mich mal wieder, wie man auf solche Plots kommt. Denn das skizzierte Szenario ist zweifelsohne krank. Andererseits bin ich natürlich froh, dass es Menschen gibt, die sich solche speziellen Geschichten ausdenken. Bei mir darf es ja gerne etwas durchgeknallter und blutiger sein. Thriller halt und keine Romantikschmonzette. Kein Wunder also, dass mich Jan Beck wieder gepackt hat. Auch wenn ich wohl in nächster Zeit kein Fleisch mehr kochen werde. Ich möchte keine Bilder heraufbeschwören. 😉

Lest einfach selbst, was sich der Autor so alles zusammengereimt hat. Aber bitte nur, wenn es für euch auch etwas derber sein darf. Für zarte Gemüter könnte es eins drüber sein.

Wer wissen möchte, was Super-Recognizerin Inga Björk und Ex-Cobra-Einsatzkraft Christian Brand zusammengebracht hat, sollte Das Spiel von Jan Beck lesen. Ein weiterer schräger Thriller, der aber keine Voraussetzung ist, um Die Nacht zu verstehen.

Jan Beck

Jan Beck, 1975 geboren, ist das Pseudonym eines erfolgreichen deutschsprachigen Autors. Bevor er sich dem Schreiben widmete, arbeitete Jan Beck als Jurist. In seinem rasanten Thrillerdebüt »Das Spiel« lässt Beck seine Leser tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken. Wenn Jan Beck nicht gerade schreibt, verbringt er seine Zeit in der Natur, besonders gerne im Wald.

Buchinfo: Die Nacht von Jan Beck, erschienen bei Penguin, 26. Juli 2021, 464 Seiten, Klappenbroschur, ISBN: 978-3-328-10667-8, € 15,00. Danke für das Leseexemplar.

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