Uwe Laub: Dürre

November 2022. Alex Baumgart hat nach einem durchfeierten Abend eine geniale Idee. Wäre es nicht sehr viel effektiver, wenn jeder und jede Einzelne direkt für die Konsequenzen seines Handelns verantwortlich wäre?

Duerre von Uwe Laub

Diejenigen, die nachhaltig leben, würden entlastet. Die, die sich darum nicht kümmern, müssten unmittelbar die Konsequenzen tragen. Von seiner Idee besessen, macht er sich noch in der gleichen Nacht an die Programmierung einer App, die genau das überwachen soll.

Jahre später. Dürren gehören in Deutschland längst zum Alltag. Und wenn es mal regnet, kann der knochentrockene Boden das Wasser nicht aufnehmen. Überschwemmungen vernichten die letzten Reste an Getreide und Gemüse. Große Agrarbetriebe wurden verstaatlicht, die Besitzer enteignet, die Erträge streng überwacht. Trotzdem reicht die Nahrung längst nicht mehr für alle. Sämtliche Kontingente der EU werden nach dem CO2-Ausstoß der Mitgliedsländer verteilt. Das Land mit dem kleinsten Fußabdruck bekommt den größten Batzen.

Aequitas hat alle im Griff

Kontrolliert wird das alles durch Aequitas, die App, die Alex Baumgart Jahre zuvor programmiert und der Europäische Gemeinschaft als Lösung für die Probleme des Klimawandels präsentiert hat. Längst ist sie zur Pflicht für alle Bürgerinnen und Bürger geworden und überwacht jeden einzelnen Schritt. Für die Einhaltung wurde eine neue Überwachungsbehörde eingerichtet, die Verstöße unbarmherzig ahndet.

Doch kein Kontrollsystem kann je so gut sein, dass es nicht Menschen gibt, die damit Schindluder treiben. Ganz egal ob Privatperson oder Behördenmitglieder. Und natürlich treibt auch die Korruption umso mehr Blüten, je strenger die Kontrollen werden.

Wie weit werden Menschen gehen, um sich Vorteile zu verschaffen?

Coole Idee! Oder vielleicht doch nicht?

Während ich anfangs noch dachte: Coole Idee! Soll doch jede und jeder selbst gekniffen sein, der meint, sie oder ihn geht die Veränderung unserer Umwelt nichts an, wurde ich mir von Seite zu Seite unsicherer, ob ich eine Lösung wie Aequitas wirklich gut finden würde. Mir wurde aber auch klar, dass die Tatsache, was ICH gerne möchte, in Zukunft von Jahr zu Jahr weniger relevant werden wird. Wenn sich unsere Welt weiter in diesem Tempo verändert, werden rigorose Maßnahmen nicht zu vermeiden sein. Fast bin ich ein bisschen froh, dass ich keine 20 mehr bin. Aber nur fast.

Vielleicht sollte man Dürre von Uwe Laub zur Pflichtlektüre für alle in meiner Altersklasse und älter machen. Also für die, die den Unterschied zwischen Wetter und Klima immer noch nicht verstanden haben. Für die, den rumnölen, dass doch erst China, Indien und wer weiß was, was unternehmen sollen. Nur um selbst weiter schön bequem einkuscheln zu können. Hat ja noch immer geklappt. Ob es für unsere Kinder und Enkel noch bequem sein wird, ist unwichtig. Ok, ich rede mich in Rage. Das wird dem spannenden Buch nicht gerecht. Denn Uwe Laub hat wieder einen faszinierenden Thriller geschrieben, der Realität und Fiktion perfekt verknüpft. Und der das Potenzial zum Wachrütteln hat.

Lest es! Jetzt!

Uwe Laub

Uwe Laub wurde 1971 in Rumänien geboren. Er war zwei Jahre alt, als seine Eltern mit ihm nach Deutschland zurückkehrten. Laub arbeitete mehrere Jahre im Pharma-Außendienst, seit 2010 führt er sein eigenes Unternehmen. Seine Liebe gilt dem Schreiben. Für seine Wissenschafts-Thriller recherchiert er intensiv zu Themen der Ökologie und Umwelt. Laub lebt in München und Fort Myers, USA.

Buchinfo: Dürre von Uwe Laub, erschienen bei Heyne, 13. September 2021, 464 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-453-44118-7. Danke für das Leseexemplar.

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