Marc Elsberg: Gier

Sparpakete, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise – die Welt leidet unter den Folgen der Digitalisierung. Zeit, dass sich das Volk zu Wehr setzt und um mehr Gerechtigkeit kämpft. Marc Elsberg hat mit Gier wieder Szenarien konsequent weiter gedacht und spannend verpackt.

GIERWie weit wuerdest du gehen von Marc ElsbergBerlin. Bei einem Sondergipfel treffen sich die Reichen und Einflussreichen der Welt, um die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten abzuwenden. Oder zumindest für sich selbst den größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen.

Vor dem Veranstaltungsgelände organisiert sich der Widerstand. Die Menschen haben es satt, von einer Wirtschaftskrise in die andere getrieben zu werden. Ein Leben zu leben, das zunehmend weniger Sicherheit bietet. Aus aller Welt sind sie angereist, um ihre Meinung zu äußern.

Wohlstand für alle ist möglich

Auch der renommierte Nobelpreisträger Herbert Thompson hat sich seine Gedanken gemacht, wie sich die Zukunft entwickeln kann. Dabei ist er auf einen Fehler in den Grundlagen gängiger Wirtschaftsanalysen gestoßen und hat eine Formel gefunden, die Wohlstand für alle ermöglicht. Ein Wohlstand der dann automatisch mit Machtverlust der “Führungselite” einhergehen würde.

Thompson überlebt den Tag nicht. Seinen Vortrag wird er nicht mehr halten können. Aber sichert das die Macht der Tagungsteilnehmerinnen?

Mit Gier hat Marc Elsberg genau das getan, was er am besten kann: Früh das Potenzial neuer Bewegungen erkennen, intensiv und sauber recherchieren und den “worst case” als Thriller aufarbeiten.

Weltweite Entwicklungen, gut recherchiert

Zero, Blackout, Helix, ich habe alle Vorgänger von Gier gelesen und mehr oder weniger gut gefunden. Blackout hat mich dazu gebracht, mir einen kleinen Notvorrat im Keller anzulegen, sollte es zu einem längerfristigen Stromausfall kommen. Sehr stilecht übrigens, denn als ich im Drogeriemarkt feuchte Toilettentücher, Klopapier, Müllbeutel und so weiter in meinen Einkaufswagen gepackt habe, fiel mit einem dramatischen “Plopp” der Strom aus. Der ganze Laden nur noch schummrig erhellt durch die Notbeleuchtung. Tatsächlich war nur in dem kleinen Einkaufsgebiet der Strom weg. Überall sonst war alles in Ordnung. Ich fühlte mich überwacht. Woher wussten “die”, dass ich vorsorgen wollte?!

Richtig beeindruckt hat mich Helix, unter anderem, weil sich die Bevölkerung kaum für so was wie CRISPR, die neue Wunderwaffe der Gentechnik, interessiert.

Im Vergleich dazu ist Gier von Marc Elsberg deutlich schwächer. Zwar klopft das hier Beschriebene auch schon lange an die Tür, aber mir hat das Tempo gefehlt. Die Überraschung. Gelegentlich war mir nach Anschubsen zumute. Womit ich die Story als solche nicht herunterreden möchte. Weltweit eskalieren Konflikte und lassen unser Leben und unseren Wohlstand immer unsicherer werden. Und an den Verschwörungen und der Kaltschnäuzigkeit derer, die in unserer Welt die Strippen ziehen, zweifele ich auch keine Minute. Trotzdem hat mich Gier nicht wie gewohnt gepackt.

Marc Elsberg

Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg sowie Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard«. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Mit seinen internationalen Bestsellern BLACKOUT, ZERO und HELIX etablierte er sich auch als Meister des Science-Thrillers. BLACKOUT und ZERO wurden von »Bild der Wissenschaft« als Wissensbuch des Jahres in der Rubrik Unterhaltung ausgezeichnet und machten ihn zu einem gefragten Gesprächspartner von Politik und Wirtschaft.

Buchinfo: Gier von Marc Elsberg, erschienen bei Blanvalet, 25.02.2019, 448 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, €24,00, ISBN 978-3-7645-0632-2. Danke für das Leseexemplar.

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Nariman Hammouti-Reinke: Ich diene Deutschland

In den letzten Monaten machte die Bundeswehr überwiegend durch Skandale auf sich aufmerksam. Neonazis und unnötige Quälereien in der Truppe, nicht funktionierendes Material. Nariman Hammouti-Reinke nimmt dazu Stellung und schildert als Soldatin ihre Sicht der Dinge.

Ich diene DeutschlandNariman Hammouti-Reinke ist Berufssoldatin und kämpft mit aller Entschlossenheit gegen Rassismus und für die Vielfalt unserer Gesellschaft. Sie will dieses Land und seine Demokratie gegen Angriffe von außen verteidigen. Wenn es sein muss, auch mit ihrem Leben. Für sie ist das selbstverständlich. Für viele Beobachter noch lange nicht. Denn Nariman Hammouti-Reinke ist Muslima mit marokkanischen Wurzeln.

Eigentlich scheint sie prädestiniert um über die Missstände, mit denen die Bundeswehr in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten ist, zu berichten. Genau deshalb hat mich “Ich diene Deutschland” angesprochen.

Nariman Hammouti-Reinke liebt ihr Heimatland

Was ich bekommen habe, ist leider etwas völlig anderes. Nariman Hammouti-Reinke liebt ihr Heimatland. Sie ist stolz, ihm zu dienen. Auch wenn dazu gehört, nicht immer alles hinterfragen zu können, einfach den Anweisungen zu folgen. Auch wenn man sie nicht richtig findet.

Als geborene „warum-Fragerin“ könnte ich mich schon alleine wegen des letzten Grundes nicht in der Bundeswehr zurechtfinden. Und stolz auf mein Land? Ich lebe gerne in Deutschland und finde, dass es uns hier sehr gut geht. Aber ich weiß nicht, ob ich gut damit umgehen könnte, wenn jemand sein Leben verlieren würde, um meinen Wohlstand zu schützen. Deshalb kann ich selbst mit diesem “stolz auf mein Land” wenig anfangen. Und ja, es ist mir klar, dass sich das aus der Sicherheit heraus gut sagen lässt.

Es gibt zwar Missstände, aber…

Zwar geht Nariman Hammouti-Reinke auf die Missstände in der Bundeswehr ein, Rassismus, übertriebene Brutalität gegenüber Soldatinnen und Soldaten, marode Ausrüstung und ein Verwaltungsüberhang, und beschönigt die auch nicht. Und sie hat recht, das ist nicht der Alltag, das sind Ausnahmen. Für meinen Geschmack aber zu viele Ausnahmen, denen man ganz entschieden entgegenwirken muss. Die ich nicht tolerieren kann und die durch die von Nariman Hammouti-Reinke beschworene Kameradschaft noch verstärkt werden können. Wenn es darauf ankommt, schützt jeder den anderen oder die andere. Im Guten wie im Schlechten.

Viel Zeit widmet Nariman Hammouti-Reinke den religiösen Minderheiten in der Bundeswehr und hier hat sie meine volle Unterstützung. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum man Essen nicht so zubereiten kann, dass es alle essen können. Egal ob Allesesserin oder Veganer, Muslima, Jude oder Katholik. Zumindest im Alltag sollte es da keinerlei Probleme geben. Selbst im Einsatz müsste das möglich sein.

Wo bleibt die Seelsorge für alle?

Schwierig scheint auch die religiöse Versorgung zu sein. Katholische und evangelische Seelsorger sind selbstverständlich. Wie ich kürzlich im Radio hörte, sollen sich Soldaten und Soldatinnen jüdischen Glaubens künftig auch an einen Rabbiner wenden können. Nicht versorgt sind jedoch Muslime.

Ich selbst bin nicht religiös und schon vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten. Aber ich kann mir vorstellen, dass sich viele mit ähnlicher Einstellung anders entscheiden, wenn es um gefährliche Einsätze oder schlimme Erlebnisse geht. Da kann ein Seelsorger der passenden Religion sicher Erleichterung bringen.

Nicht überzeugt

Mir fällt es sehr schwer, für dieses Buch ein finales Urteil abzugeben. Einerseits ist es wichtig, sich näher über der Bundeswehr zu beschäftigen, wenn man die Missstände beurteilen will. Andererseits war meine Erwartungshaltung eine völlig andere und mir ging die ständige Forderung nach Toleranz und Verständnis der Autorin für ihre Leistungen für Deutschland gewaltig auf die Nerven. Ich kann auch mit dem ausgeprägten Obrigkeitsdenken nichts anfangen. Aber jeder wie er will. Meins ist es nicht.

Der einzige Aspekt, den ich völlig nachvollziehen konnte, war die Bereitstellung von Freiräumen für alle Glaubensrichtungen. In meinen Augen ein berechtigter Anspruch dem mehr Öffentlichkeit zuteil werden sollte. Aber dafür müsste der Titel anders lauten, klarer auf dieses Ziel hinweisen.

Wer sich wirklich für das Innenleben der Bundeswehr interessiert, findet vielleicht auch andere Bücher, die den Schwerpunkt anders legen.

Nariman Hammouti-Reinke

Nariman Hammouti-Reinke wurde 1979 als Kind marokkanischer Eltern bei Hannover geboren. Sie ist seit 2005 bei der Bundeswehr, war zwei Mal im Afghanistan-Einsatz und ist heute Leutnant zur See. Als Vorsitzende des Vereins Deutscher.Soldat.e.V in der «Kommission für Migration und Teilhabe des Niedersächsischen Landtags» engagiert sie sich sehr aktiv für eine moderne Integrationspolitik in Deutschland.

Buchinfo: Ich diene Deutschland von Nariman Hammouti-Reinke, erschienen bei rororo, 22.01.2019, 256 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-499-63396-6, € 14,99

Yvonne Schwegler/July Sjöberg: Eiskalt weggewischt

Das Kind geht ins Ausland! Unvorstellbar für ihre Mutter Elvira Schäufele. Hätte das Mädle denn nicht im Ländle studieren können? Muss es Heidelberg, die Kurpfalz, sein?! Kein Wunder, dass es hier nur Schwierigkeiten auf sie warten. Aber nicht mit Frau Schäufele. Die räumt auf.

eiskalt weggewischtFrau Schäufele erfüllt jedes Klischee, das man einer Schwäbin zuschreiben kann:

  • sie begluckt ihre erwachsene Tochter Jessica
  • sie ist der Inbegriff von pingelig
  • sie hat einen Putzfimmel
  • sie hat eine “Schwertgosch”

Also verkauft sie das Haus und zieht ihrer Tochter hinterher. Ausgerechnet in Heidelberg muss Jessica studieren. In der Kurpfalz. Praktisch im Ausland. Da kommt das Mädchen doch überhaupt nicht alleine zurecht. Es muss doch jemand nach der Wäsche schauen und nach der Wohnung. Sie musste ja unbedingt eine eigene Wohnung haben. Und wer soll für das Töchterlein kochen? Wo sie doch so einen Stress in der Uni hat. Nein, alleine kann sie das nicht.

Schwäbisch-Kurpfälzerische Connection

Als Jessicas Professor tot aufgefunden wird, gerät die Studentin ins Visier der Polizei. Dass beide ein Verhältnis hatten, macht sie nicht unverdächtiger. Zum Glück weiß Theres Fugger Rat. Sie Reinigungskraft bei der Polizeidirektion Heidelberg und damit Elviras Vorgesetzte. Und ganz nebenbei ist Theres auch noch die Tante des leitenden Kommissars.

Elvira Schäufele beschließt, Theres’ Herkunft, sie ist KURPFÄLZERIN!, und ihre seltsame Aufmachung zu ignorieren und mit ihr zusammen Jessica vor dem drohenden Gefängnis zu retten.

Kittelschürzig trifft resolut

Regionale Krimis erleben seit einigen Jahren einen Höhenflug. Dabei gerät oft aus dem Fokus, dass nicht alles, was mit Dialekt und regionalen Klischees daher kommt, auch automatisch witzig und/oder spannend ist.

Eiskalt weggewischt hat mich jedoch über weite Strecken amüsiert. Großen Anteil daran hat der Charakter der Elvira Schäufele. Vom ersten Augenblick hatte ich das Bild der kittelschürzigen, ständig leicht verkniffen schauenden Schwäbin im mittleren Alter vor Augen. Vermutlich ein Zeichen dafür, dass ich als Zugezogene (vor etwa 25 Jahren) immer noch nicht integriert bin.

Auch die resoluten Theres Fugger kann ich mir so gut vorstellen. Egal, ob sie ihren Neffen blamiert oder nicht, die Theres sagt dem Kommissar wo es lang geht.

Bei diesem Klamauk bleibt natürlich die Spannung auf der Strecke. Aber die erwartet bei einem “Putzfrauen-Krimi” vermutlich auch niemand wirklich.

Yvonne Schwegler

Yvonne Schwegler wurde 1973 geboren. Sie arbeitet seit ihrem Studium (Geschichte und Politologie) für die Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembrg. Sie ist Autorin mehrerer Kriminalstücke und -spiele. Außerdem hat sie als Co-Autorin eine Sammlung geschichtlicher Anekdoten zu Heidelberg (Mit ganz viel Herz) verfasst.

July Sjöberg

Juliy Sjöberg wurde 1966 geboren. Sie hat einen Magister in Kunstgeschichte und Volkswirtschaftslehre, entwickelt und inszeniert historische Veranstaltungen, unter anderem für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die Halbschwedin hat ihre Kindheit in Schwaben verbracht. Bereits seit der Schulzeit lebt sie als Wahlkurpfälzerin in der Umgebung des romantischen Heidelbergs.

Buchinfo: Eiskalt weggewischt von Yvonne Schwegler und July Sjöberg, erschienen bei Pfefferkorn, 14.03.2019, 284 Seiten, Taschenbuch, € 9,99, ISBN 9783944160276. Danke für das Leseexemplar.

Früher war alles anders, auch die Osterhasen

Letzte Nacht habe ich vielleicht einen Müll geträumt. Vom Wäsche aufhängen. So richtig mit Holzklammern und so. Irgendwas Weiches, Flauschiges. Keine Ahnung, was das war. Und Wäscheklammern habe ich schon seit Jahren keine mehr.

Na ja, manchmal träumt man eben so einen Quatsch.

Jedenfalls wünsche ich euch allen schöne, sonnige und entspannte Ostertage!

Genießt sie.

Hertzberg/François: Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot

Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot? Sowas kann nicht schmecken, oder? Als Liebhaberin von selbstgebackenem Brot, bevorzugt Roggen-Sauerteig-Brot, war ich in und her gerissen und musste es einfach probieren. Und es hat sich gelohnt. Ich war sehr positiv überrascht.

Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mein eigenes Brot zu backen. Ahnungslos, wie ich war, habe ich gleich mit Sauerteigbroten begonnen und nicht mit so “einfachem Hefekram”. Und was soll ich sagen? Gleich der erste Versuch hat prima geklappt und mich vermutlich für den Rest meines Lebens für Industriebrot verdorben hat. Klar braucht ein gutes Brot seine Zeit, aber die meiste davon arbeitet es ja ohne mich.

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Glutenfreies Brot war für mich eine neue Herausforderung. Ich kann mich nicht erinnern, es jemals probiert zu haben, war also komplett offen. Was ich darüber gehört hatte, war aber nicht berauschend.

Die Mischung macht’s

Tatsächlich stellte sich nur die Beschaffung der Zutaten als Herausforderung dar. Hertzberg und François arbeiten mit zwei unterschiedlichen Mehlmischungen. Einer hellen und einer Vollkornmischung. Je nach Brotart werden beide in unterschiedlichen Verhältnissen kombiniert.

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Die Zutaten sind da. Es kann losgehen.

Ich habe mich nur für die helle Variante entschieden. Reismehl und gemahlene Flohsamenschalen waren einfach zu bekommen. Kartoffelstärke sowieso. Schwieriger war es mit Sorghum-Mehl und Tapiokastärke, also die Stärke aus der Maniokwurzel, die man übrigens auch durch Maisstärke ersetzen kann. Das war aber auch schon die einzige Schwierigkeit.

Die Mischung war schnell hergestellt. Ich habe übrigens mit den kleinen Mengen begonnen und diese erst sehr gut vermischt. Danach kam mit dem Reismehl die Hauptkomponente darunter. So habe ich eine wirklich gute Durchmischung erreicht.

Hertzberg und François stellen die Mischungen immer in großen Mengen her und haben so einen Vorrat, mit dem sie schnell starten können. Mein Tipp: Testet mit einer kleineren Menge – ich habe von Mischung eins nur die Hälfte genommen – und wenn es euch schmeckt, plant im zweiten Ansatz mit größeren Mengen. Das lohnt auf jeden Fall. Schon allein wegen der Beschaffung der Zutaten.

Fertig in drei, zwei, eins

Salz, Wasser und Hefe dazu – ich persönlich mag lieber frische Hefe und habe auf das knappe Kilo Mehlmischung gut einen halben Würfel genommen – und den Rest macht der Teig praktisch selbst.

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Der Teig ist sehr schön aufgegangen. Zum Glück reichte die Schüssel aus.

Nach zwei Stunden abgedeckt in der warmen Küche hat sich der Teig ordentlich aufgeplustert, der Ofen inklusive Backstein (siehe dazu die ausführlichen Hinweise im Buch) ist vorgeheizt. Der Teig darf jetzt nicht geknetet werden. Erstens macht die Luft, die durch die Hefegärung entstanden ist, das Brot locker. Zweitens wollen und bekommen wir ja kein Gluten, was sich bei “normalen” Mehlen durch das Kneten entwickelt und für Lockerung des Backwerks sorgt. Also habe ich einfach etwa ein Drittel des Teiges vorsichtig zu einem Brotlaib geformt und ab damit in den Ofen. Der Rest wandert in einer Dose mit Deckel in den Kühlschrank.

Dieser “Reserveteig” ist das eigentliche Geheimnis des glutenfreien Fünf-Minuten-Brotes. Er hält sich gut zehn Tage im Kühlschrank und kann täglich entnommen und verbacken werden. Allerdings muss er vor dem Backen eine Stunde gehen und auf Temperatur kommen.

Sieht aus wie gutes Brot, schmeckt wie gutes Brot

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Der „Erstling“ ist im Ofen. Ich bin gespannt.

Nach 45 Minuten Backzeit, kommt mein Erstlingswerk aus dem Ofen. Es ist knusprig, riecht lecker und die Einschnitte auf der Oberfläche sind schön auseinander gegangen. Das mit dem Ofentrieb, dem Aufgehen des Teiges im Ofen, hat also auch geklappt.

Während Hertzberg und François empfehlen, das Brot mindestens zwei bis drei Stunden auskühlen zu lassen, damit sich die Struktur bildet, habe ich das natürlich nicht geschafft. Noch warmes Brot ist einfach zu verlockend. Und tatsächlich muss ich sagen, ich fand es sehr sehr lecker. Lauwarm schmeckte es ähnlich wie frisches französisches Baguette. Nur deutlich kompakter in der Struktur.

Nach dem Abkühlen fand ich die Kruste zwar knusprig, aber auch sehr fest. Beim nächsten Test werde ich, wie bei meinen glutenhaltigen Broten, nach zehn bis fünfzehn Minuten die Temperatur etwas herunter drehen.

Auch die Konsistenz beim Kauen ist für “Normalbrotesserinnen” etwas ungewohnt. Bröseliger ist vielleicht das richtige Wort. Aber das ist wirklich nur Gewohnheit. Und der Geschmack zählt. Der war gut.

Sieben Tage später

Eine Woche später kam die zweite Charge aus dem Kühlschrank in den Ofen. Dieses Mal als Brötchen mit kürzerer Backzeit. Wieder vorsichtig ohne Kneten geformt und ab damit auf den vorgeheizten Backstein.

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Antipasti mit glutenfreien Brötchen. Noch lauwarm. Ich konnte nicht widerstehen.

Auch sie fielen noch lauwarm meinem Hunger zum Opfer. Und sie waren lecker. Die Woche Parkzeit im Kühlen hatte keinen negativen Einfluss auf den Teig. Perfekt also für alle, die regelmäßig frisches, glutenfreies Brot haben möchten.

Gute Auswahl, tolle Anleitungen, üppige Bebilderung

Hertzberg und François haben ein tolles Buch erarbeitet. Nach einer Einführung in die glutenfreie Welt folgen sorgfältige Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die auch Backanfängern den schnelle Start ermöglichen.

Zu vielen Zutaten werden Alternativen vorgeschlagen, falls die Originale nicht auffindbar sind. Aber auch der Hinweis, was nicht ersetzt werden darf, fehlt nicht.

Neben den unterschiedlichen Broten steht auch anderes Backwerk auf dem Plan, Süßes und Herzhaftes. Damit habe ich mich allerdings nicht näher beschäftigt.

Entgegen der Empfehlung war ich bei den Mengenangaben nicht hundertprozentig strikt, größere Abweichungen würde ich aber nicht empfehlen. Ich würde beim nächsten Ansatz etwas mehr Wasser nehmen und mit nassen Händen die Oberfläche der Teiglinge “abwischen”. Dann wäre vermutlich die Bräunung auch besser. Und wie schon gesagt, ich werde die Temperatur nach zehn bis fünfzehn etwas absenken und nach der dritten und letzten Charge berichten, ob das Ergebnis mehr nach meinem Geschmack ist.

Und für alle, die Roggensauerteige kennen: Der glutenfreie Brotteig lässt sich spielend von den Händen abwaschen :D. Ihr wisst, wovon ich rede?!

Eine Investition, die sich lohnt

Ich denke, dass sich die Investition in Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot von Hertzberg und François sich auf jeden Fall für alle lohnt, die trotz Unverträglichkeit Lust auf leckeres, frisches Brot und Gebäck haben. Mit den klaren, detaillierten Anleitungen und der aufwendigen Bebilderung sollte dem nichts im Weg stehen.

Jeff Hertzberg

Jeff Hertzberg MD ist Allgemeinmediziner mit über 20 Jahren Berufserfahrung als Arzt, Autor und Berater. Er wuchs mit New Yorker Pizza auf und versuchte jahrelang einen Teig zu entwickeln, der so praktisch ist, dass er jeden Tag zu Pizza, Fladenbroten und Brotlaiben verarbeitet werden kann. In Wahrheit wollte er aber bloß lernen, wie man Pizzateig hoch in die Luft wirft. Sein persönliches Hobby – das Backen und eine gesunde Lebensweise – brachten ihn dazu, die beliebten Rezepte aus seinem Bestseller Artisan Bread in Five Minutes a Day an glutenfreie Zutaten anzupassen.

Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Minneapolis.

Zoë François

Zoë François ist Bäckerin und Konditormeisterin. Sie absolvierte ihre Ausbildung am renommierten Culinary Institute of America. Neben dem Verfassen von Bestseller-Kochbüchern kreiert sie köstliche Desserts. Ihre Rezepte präsentiert sie in ihrem Blog zoebakes.com, beim TV-Sender Cooking Channel, bei General Mills und in vielen US-Magazinen, doch im Innersten ist sie eine Pizzaiola.

Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Minneapolis. Die Autoren lernten sich 2003 beim Musikunterricht ihrer Kinder kennen und haben gemeinsam Selbstgebackenes Brot in fünf Minuten am Tag und Healthy Bread in Five Minutes a Day verfasst.

Buchinfo: Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot von Jeff Hertzberg und Zoe Francois, erschienen bei Unimedica, 15.März 2019, 316 Seiten, gebunden mit Lesezeichen, € 29,80, ISBN 978-3-96257-069-9. Danke für das Leseexemplar.

Wer sich vegan ernährt, findet übrigens bei Leselustich auch zahlreiche Anregungen!

Sabine Zehnder: Master of Desaster

Wieder mal läuft nichts nach Plan. Schon wieder! Das kennen wir vermutlich alle. Aber wir gehen unterschiedlich damit um. Sabine Zehnder teilt mit uns ihre persönlichen Tricks, Niederlagen in Erfahrungen für die Zukunft umzuwandeln. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger!

Master of DesasterSabine Zehnder ist Diplom-Informatikerin und Coach. Und noch einiges mehr, was sie auf ihrem Weg durchs Leben “mitgenommen” hat. Dieser Weg war, wie bei so vielen von uns, alles andere als gerade. Oft musste sie die Richtung neu justieren. Prüfen, ob das, was ihr Ziel war, immer noch zu ihr passt.

Das “schlaue Buch” weiß den Weg

Ihr wichtigstes Utensil dabei ist das “schlaue Buch”. Hier werden alle Gedanken, Ideen, Unsicherheiten, Bedenken festgehalten und der Kopf bleibt frei für die wichtigen Dinge des Alltags. Trotzdem geht nichts verloren.

Deshalb empfiehlt Sabine Zehnder auch, sich ein solches Buch, sei es eine Kladde, ein Spiralblock, ein Ringbuch, zusammen mit Master of Desaster zur Hand zu nehmen und gleich alles zu notieren, was einem zu den jeweiligen Punkten einfällt. Ja, sie meint wirklich Papier und Stift und von Hand notieren. Und ich kann es nachvollziehen. Bei mir bleiben Dinge, die ich von Hand auf Papier notiere, besser hängen als die getippten. Obwohl ich am Bildschirm arbeite.

Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitermachen

Ich hasse diese klassischen Ratgeber, die mir sagen:

  • Mach dies, dann wird das passieren.
  • Lass dies und du wirst das erreichen.
  • Mir standardisierte Listen präsentieren.
  • Die vorgeben, die Weisheit gepachtet zu haben

All das macht Sabine Zehnder nicht. Sie erklärt einfach, wie sie vorgeht. Wie sie ihre Probleme und Unzufriedenheiten analysiert und so ihr Leben immer wieder neu justiert. Und zu justieren gab es bei ihr genug. Doch statt sich treiben zu lassen, hat die Autorin beschlossen, die Zügel in die Hand zunehmen und Liste um Liste erstellt. Was stört sie? Was kann sie kurzfristig ändern? Woran muss langfristig gearbeitet werden?

Manche Listen werden durch die Vergabe von Punkten ausgewertet – das Leben lässt sich berechnen, ist Sabine Zehnders Credo – andere dienen dazu, Überlegungen festzuhalten ohne dass sie untergehen.

Danke für dieses Buch

Ich bin begeistert und, liebe Sabine Zehnder, ich werde das Buch wohl tatsächlich ein zweites Mal lesen. Mit einem schönen Notizbuch bewaffnet, das zu meinem ständiger Begleiter wird. Denn ich gehöre zu den Menschen, die ihre Pläne sehr lange im Kopf hin und her schieben, bis sie wirklich rund sind. Und das kostet eben Speicherplatz und sorgt ab und an für unruhige Nächte.

Danke für den tiefen Einblick, den du (ich hoffe, das Du ist in Ordnung, Sie würde sich so falsch anfühlen) deinen Leserinnen und Lesern mit Master of Desaster in dein Leben gestattest. Und für die Denkanstöße, die allen eine Hilfe sein werden, die die schnellen Veränderungen unserer Zeit schätzen und für ihre eigenen Pläne zu nutzen wissen.

Danke dafür.

Sabine Zehnder

Sabine Zehnder ist der Master of Desaster. Die Diplom-Informatikerin ist Spezialistin dafür, schwierige Projekte aufzuräumen – in der IT-Branche. Doch schnell erkannte sie, dass das, was bei Bits und Bytes funktioniert, auch im wirklichen Leben hilfreich ist. Und so ist die IT-Beraterin auch noch zum Coach geworden und zeigt, wie man das tägliche Chaos – das Leben – eigenständig und unkonventionell managt.

Buchinfo: Master of Desaster von Sabine Zehnder, erschienen bei BusinessVillage, November 2018, 208 Seiten, € 19,95, ISBN 978-3-86980-440-8

Michael Tsokos: Abgeschlagen

In einem Kieler Park werden zwei bizarr inszenierte Leichen gefunden. Bei der Obduktion kommt es zum Eklat zwischen Rechtsmediziner Paul Herzfeld und seinem Vorgesetzten Professor Schneider. Dass der Fall eine viel größere Tragweite hat, als ursprünglich vermutet, erfährt Herzfeld wenig später am eigenen Leib.

AbgeschlagenKiel im Winter. Es ist ein eiskalter Morgen, als Rechtsmediziner Paul Herzfeld in den Brook, einen Kieler Park, gerufen wird. Was sich ihm bietet, ist mehr als bizarr. In einem Zelt umklammert eine nackte männliche Leiche einen Arm. Vor dem Zelt stehen zwei große Rollkoffer. In ihnen weitere Leichenteile.Von einer Tatwaffe keine Spur. Die Obduktion soll schnellstmöglich Licht ins Dunkel bringen.

Getötet und postmortal zerstückelt

Stunden später im Sektionssaal der Rechtsmedizin. Dottore Lucia Tattoli, eine Rechtsmedizinerin aus Italien, die gerade bei Paul Herzfeld hospitiert, unterstützt ihn bei der Arbeit. Schnell ist klar, dass die Leiche aus den beiden Koffern, eine junge Frau, postmortal zerstückelt wurde. Aber woran ist sie gestorben?

Gleiches gilt für den Mann aus dem Zelt. Auch bei ihm lässt sich nach der Leichenschau keine eindeutigen Angaben machen. Herzfeld hofft auf die Toxikologie und gerät prompt mit seinem Vorgesetzten in Konfrontation. Denn Professor Schneider ist sich sicher, sowohl den Toten als auch die Tatwaffe zu kennen.

Als besagte Waffe tatsächlich plötzlich unweit des Leichenfundortes auftaucht, kann Paul Herzfeld sein Misstrauen nicht mehr zur Seite wischen. Gemeinsam mit Dottore Tattoli ermittelt er auf eigene Faust.

Michael Tsokos gehört zu den Besten!

Ich liebe Thriller. Und ja, es darf dabei auch ruhig blutig zugehen. Und es darf bizarr sein. Naheliegend also, dass ich Bücher von Michael Tsokos mag. Egal ob als alleiniger Autor oder in Kombination mit zum Beispiel Sebastian Fitzek. Zusammen übrigens auch bei Lesungen ein geniales Duo. Es lohnt sich, mal eine zu genießen. Zwei Verrückte auf einer Bühne. 😉 Aber sorry, Sebastian Fitzek, ich persönlich finde Michael Tsokos noch etwas cooler.

Doch zurück zu Abgeschlagen von Michael Tsokos. Ich habe das Buch quasi eingesaugt und die Fachkompetenz des Autors genossen. Sie ist meist Garant für temporeiche Storys, nicht nur im Thriller-Bereich. Indem er zwei weitere Morde aus seinem Arbeitsleben in die Geschichte integrierte, hat er mich ins Grübeln gebracht, wie denn die Zusammenhänge zur Hauptstory aussehen könnten.

Die Art und Weise, wie perfide und skrupellos der wirkliche Mörder sein Vorgehen plant, hat mich sprachlos gemacht und mich wieder mal vor die Frage gestellt: Was geht eigentlich in Menschen vor, die solche Storys erfinden?! 🙂

Abgeschlagen von Michael Tsokos ist einfach geil. Kaufen, lesen, staunen. Und dann nach Abgeschnitten von Fitzek/Tsokos greifen. Lohnt sich auch. Habe ich schon vor längerer Zeit für euch getestet.

So und jetzt muss ich mir die andere true-crime-Reihe von Dr. Tsokos, die Fred Abel Reihe, näher ansehen. Vielleicht berichte ich ja. Mal sehen.

Michael Tsokos

Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.

Buchinfo: Abgeschlagen von Michael Tsokos, erschienen bei KNAUR, 1. März 2019, 416 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-426-52438-1. Vielen Dank für das Leseexemplar.