Slow Food: Ahle Wurscht, Bio-Käse und schwäbischer Whisky

Vom 11. bis 14. April hieß es auf den Fildern in Stuttgart wieder: Tore auf für die Frühlingsmessen und damit für das dritte Blogger-Treffen anlässlich der Slow Food Messe. Knapp 40 wissensdurstige Bloggerinnen und Blogger genossen einen Tag mit spannenden Hintergrundinformationen rund um den Markt des guten Geschmacks.

Slow, Food, Messe, Stuttgart
Viel los auf der Slow Food Messe. (Bild: Messe Stuttgart)

Bereits zum dritten Mal trafen sich Bloggerinnen und Blogger auf dem Markt des guten Geschmacks, um hinter die Kulissen der Slow Food Bewegung und ihrer Anhänger zu blicken. Damit das problemlos gelang, hat sich das Presseteam einiges einfallen lassen.

Details zu Messe

Den Auftakt machte die offizielle Begrüßung und ein paar Zahlen zu Messe allgemein:

433 Aussteller, 67 davon aus dem Ausland präsentieren ihren Besuchern auf 15.000 Quadratmetern regionale, saubere und fair gehandelte Produkte. Zum ersten Mal gab es sogar eine Warteliste für Aussteller.

Ergänzt wurden diese Zahlen noch durch Details zur Slow Food Bewegung und schon ging es los zum Rundgang über die sehr gut besuchte Messe. Mit rund 40 Bloggerinnen und Blogger war das so ähnlich, als wolle man einen Sack Flöhe hüten. Zwischendurch gingen immer mal wieder welche verloren aber am Ende fand man sich doch wieder.

Ahle Wurscht von der Wurstmanufaktur Rohde

Ahle Wurscht, also Alte Wurst, klingt ja erst mal nicht so lecker. Spontan könnten einem Gammelfleischskandale und vergessene Plastikpäckchen im Kühlschrank einfallen. Dass diese Assoziation völlig falsch ist, davon überzeugt uns Dieter Rohde, Inhaber der Wurstmanufaktur Rohde und Mitglied des Fördervereins Nordhessische Ahle Wurscht e.V., in kürzester Zeit.

Slow, Food, Messe, Stuttgart
Ahle Wurscht, von Meister Rohde persönlich kredenzt. (CC-BY-NC-SA)

Authentisch handwerklich, das ist die Philosophie der Wurstmanufaktur Rohde. Gemeint ist damit:

  • Alle Arbeitsschritte in der Fertigung laufen völlig transparent ab. Was verarbeitet wird, stammt von ausgewählten Partnerbetrieben. Alle sind persönlich bekannt. Anonyme Fleisch-Zukäufe gibt es nicht.
  • Es kommen keine gentechnisch veränderten Vorprodukte zum Einsatz.
  • Warmverarbeitung konserviert den Geschmack. Die Wurst wird unmittelbar nach der Schlachtung produziert. Dadurch bleibt das Muskel-Eiweiß  unverbunden und kann mehr Wasser zwischen den Molekülen speichern. Das wiederum gewährleistet eine gleichmäßige Fetteinlagerung und sorgt für einen aromatischen Geschmack. Bindemittel wie Nitrate und Citrate werden überflüssig.
  • Keine unnötigen Zusatzstoffe. Durch die Verwendung geschmacklich hochwertigen Fleisches sind Geschmacksverstärker überflüssig. Die Verwendung von normalem Haushaltszucker verlängert den Reifeprozess zwar,  lässt dadurch aber der Ahle Wurscht die Zeit zum Reifen.
  • Individuelle Würzmischungen geben der Rohde-Wurst ihren ganz eigenen Geschmack weit weg von den industriellen Einheitswürzmischungen.

Bei der anschließenden Verkostung überzeugte die Wurst auf ganzer Länge.  So kenne ich das von früher. Lecker!

Und da sich traditionelle Handwerkskunst und moderner Vertrieb nicht ausschließen müssen, kann man die leckere Wurst von Rohde auch im Online-Shop beziehen.

Alles Bio-Käse oder was?

Ebenso traditionell geht es an der Käsetheke zu, zumindest bei der Bio-Käserei Zurwies, die von Lissy Holzinger und ihrem Vater Anton geleitet wird. Am Rande von Wangen im Allgäu werden täglich einige Tausend Liter Biomilch in Emmentaler-Qualität von Biobauern (Bioland und Demeter) aus dem Umland zum Zurwieser, zum gepfefferten Ärschle und zu Antons Liebe rot verarbeitet. Artgerechte Haltung und der absolute Verzicht auf Düngemittel sorgen für gutes Futter – im Sommer auf der Weide, im Winter über Heufütterung – und beste Milchqualität. Ein Zukauf von Futter ist nur in Ausnahmefällen in Bioqualität mit Zustimmung der Käserei gestattet. Damit es nicht nur den Kühen sondern auch ihren Bauern gut geht, bekommen sie neben dem reinen Milchpreis Qualitätszuschläge.

Slow, Food, Messe Stuttgart
Alles Käse, aber megalecker!

Seit über 100 Jahren wird in Zurwies gekäst, seit 1990 durch die Käsermeister Anton Holzinger und Richard Kurzweil. Sie bauten das vorhandene Käsereilokal für die Produktion verschiedener Weichkäse um. 2006 stieg Anton Holzingers Tochter Luise in die Geschäftführung mit ein und leitet das Unternehmen heute gemeinsam mit ihrem Vater.

16 Mitarbeiter machen 7 Tage die Woche ganz schön viel Käse

Wer sich selbst ansehen möchte, was die 16 Mitarbeiter Leckeres aus der Milch, die täglich – auch sonn und feiertags –  direkt bei den Bauern abgeholt wird, zaubern, kann ihnen gerne auf die Finger schauen. Die Produktion ist transparent und für Besucher durch ein großes Fenster einsehbar. Am meisten zu sehen gibt es gehen zehn Uhr am Morgen.

Und natürlich kann man sich dann im Hofladen gleich versorgen und den heimischen Kühlschrank mit Spitzenkäse und leckerstem Joghurt füllen. Wir haben beides testen dürfen. Es lohnt sich!

Online gibt es das gepfefferte Ärschle, Antons Liebe rot oder den Zurwieser natürlich auch.

Suebisch Whisky und mehr

Kurz erwähnen möchte ich auch noch den Schwäbischen Whisky. Dass es ihn gibt, wusste ich. Noch zu meiner Tübinger Zeit habe ich mich mal daran versucht und war wenig überzeugt. Umso verblüffter war ich, als ich den eigenen Stand dafür auf der Messe – nach langer Suche – fand.

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Die Schwaben brennen Whisky – und das nicht mal schlecht. (Lizenz: CC-BY-NC-SA)

Überwältigt von der Auswahl ging ich nach dem Etikett. Und da „Suebisch“ so ähnlich klingt wie „hübsch“, habe ich spontan danach gegriffen. Ich muss sagen, es wird mal wieder Zeit für eine schwäbische Whisky Verkostung. Da scheint sich in den letzten Jahren einiges getan zu haben.

Mehr von der Slow Food Messe:
Slow Food oder wie man auf den richtig guten Geschmack kommt

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Slow Food oder wie man auf den richtig guten Geschmack kommt

Wissen was man isst und woher es kommt, dieser Philosophie verschreibt sich die Slow Food Bewegung weltweit. Die Non Profit Organisation war auch 2013 wieder ein wesentlicher Bestandteil der Stuttgarter Frühjahrsmessen. Vom 11. bis zum 14. April begrüßten 433 Aussteller auf 15.000 Quadratmetern unzählige kulinarisch interessierte Besucher und konnten mit ihren Produkten überzeugen.

Slow, Food, Messe, StuttgartAntibiotika im Geflügel, falsch deklarierte Eier, Schimmel in der Milch und auf der Tiefkühl-Lasagne will ich gar nicht erst rumreiten. Die Zahl der Lebensmittelskandale wäschst scheinbar von Jahr zu Jahr. Vermutlich liegt diese Wahrnehmung aber eher daran, dass sich die Informationen über eine Aufdeckung schneller verbreiten.

Wer sich vor diesen – teilweise sehr ekligen – Vorfällen schützen will, muss selbst aktiv werden. Die Vegetarier- und Veganerszene nimmt deutlich an Fahrt auf, umgeht damit aber im Wesentlichen nur die Fleischskandale.

Slow Food – Ernährung mit Tradition

Einen völlig anderen und in meinen Augen sinnvolleren Weg wählt die Slow Food Bewegung. „Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben.“, so das Statement von Carlo Petrini, dem Gründer von Slow Food.

Gegründet wurde die Non-Profit-Organisation 1989 als Gegenpol zu Fast Food und Fast Life. Ziel war und ist es, die Menschen wieder stärker für lokale Traditionen und für ihre Ernährungsgewohnheiten zu sensibilisieren. Slow Food setzt sich aber auch für biologische Vielfalt ein So entstand 1996 die „Arche des Geschmackes“ mit dem Auftrag, „fast vergessene traditionelle Lebensmittel, die in Gefahr sind, völlig zu verschwinden, zu katalogisieren und bekanntzumachen, nach dem Motto: Essen, was man retten will. Denn was nicht gegessen wird, wird nicht nachgefragt, kann also nicht verkauft werden und wird deshalb nicht hergestellt.“

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Wenn es um guten Geschmack geht, darf natürlich auch ein guter Tropfen nicht fehlen. Wer es noch nicht wusste: Die Schwaben können auch Whisky. (Lizenz: CC-BY-NC-SA)
Die Arche ist leider noch lange nicht voll

Zu den aktuell über 1000 „Passagieren“ der Arche gehören unter anderem:

  • das Filder-Spitzkraut: Obwohl es vom Geschmack den runden Kohlköpfen überlegen ist, ist es wegen seiner Form schwieriger zu verarbeiten.
  • die Bamberger Hörnla: Viele kennen sicher die leckeren Mini-Kartoffeln. Leider fallen sie wegen ihrer geringen Größe durch die automatisierten Erntemaschinen und sind deshalb für die Industrie uninteressant
  • der Weißlacker-Käse: Er kommt nur im Allgäu vor
  • die nordhessische Ahle Wurscht: Sie wird nach alter traditioneller Fleischerhandwerkskunst hergestellt und ist ohne Zusatzstoffe Monate haltbar.

Aber die Slow Food Organisation will nicht nur lokale Traditionen bewahren, sie will auch Erzeuger und Händler zusammen bringen. Auf den Stuttgarter Frühjahrsmessen 2013 konnten 433 Aussteller – so viele, wie noch nie zuvor – die Chance nutzen ihre Produkte auf 15.000 Quadratmetern einem breiten Publikum zu präsentieren. Wiederholungstäter unter den Besuchern erkannte man übrigens unschwer an den mitgebrachten Körben oder fahrbaren Einkaufswägelchen, die auf dem Heimweg randvoll Genuss waren.

Empfehlenswerte Produkte vom Blogger-Rundgang:
Slow Food: Ahle Wurscht, Bio-Käse und schwäbischer Whisky

Soko im Einsatz: Der Fall Mirco und andere

Der Fall Mirco war der Fall seines Lebens. Bis zu 70 Mann stark war die Sonderkommission, die Kriminalhauptkommissar Ingo Thiel zur Verfügung stand, um einen der spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte zu lösen: Den kaltblütigen Mord an dem zehnjährigen Jungen Mirco.

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Ein Blick hinter die Kulissen der Soko Mirco (Bild: ullsteinbuchverlage.de)

Mit der Schilderung dieses und zweiter weiterer Fälle seiner Karriere will Ingo Thiel Einblick in den wirklichen Alltag einer Sonderkommission gewähren. Wie aufwändig sie in der Realität funktioniert, welche Methoden zum Einsatz kommen und in welch mühevoller Kleinarbeit der Tathergang rekonstruiert wird – von der ersten Spur bis zum Geständnis. Eine Arbeit von Monaten oder gar Jahren und nicht von 45 Minuten, wie uns das Fernsehen vorgaukelt.

Ich war neugierig

Ich gestehe, ich war aus einem ganz bestimmten Grund neugierig auf dieses Buch. Und dieser Grund hatte nichts mit den wahren Kriminalgeschichten zu tun. Vielmehr habe ich schon einige Bücher geschrieben, die Mitarbeiter der Polizei, Kripo, Gerichtsmedizin geschrieben haben. Alle wollten zeigen, wie spannend die Wahrheit ist und wie doof die Fernsehserien. Und bei allen ist es im Großen und Ganzen schief gegangen. Schlechter und langweiliger Schreibstil verdarb mir schnell die Lust am Lesen. Die Selbstbeweihräucherung war für die Story als solche komplett überflüssig und Verwaltungsdetails wurden in einer Breite beklatscht, die arg an meinen Nerven zehrte.

Vielleicht hat Ingo Thiel diese Bücher auch gelesen und sich deshalb gleich einen Profi fürs Schreiben dazu geholt. Auch wenn ich den Stil manchmal etwas kindlich fand – ob das Absicht ist oder nicht, weiß ich nicht – liest sich Soko im Einsatz deutlich besser als die Vorgänger, die ich in den Händen hatte.

Ein Buch zum Mitfühlen

Es war ohne Weiteres möglich, emotionale Reaktionen – etwa das Handy, das durch die Gegend fliegt, als es endlich vorwärts geht – nachzuvollziehen. Auch der Respekt, den die Ermittler vor Mircos Eltern hatten, die wegen ihrer anderen Kinder alle Kraft zusammennehmen mussten, war “spürbar”. Ebenso wie die besondere Belastung, die sich breit macht, wenn die Opfer Kinder sind. Das lässt niemanden kalt.

Sehr interessant war das Spiel mit der Presse. Immer dann, wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit abgeflacht ist – im Fall Mirco wurde immerhin 145 Tage ermittelt – warf man ihr ein neues Bröckchen zu, das sofort verarbeitet wurde. Gewalt gegen Kinder bringt eben garantierte Quote.

Massendatensammlung und Vorratsdatenspeicherung?

Ebenso interessant aber auch erschreckend waren die Aktionen zur Massendatensammlung. Die Vorstellung, dass alle Fahrzeuge auf einer bestimmten Strecke “einfach so” geblitzt werden, damit man anhand der Kennzeichen auswerten kann, wer zu welcher Zeit regelmäßig diesen Weg fährt, ist irgendwie beängstigend. Auch die Auswertung aller Handy-Ortungsdaten innerhalb des Gebietes sorgt bei mir für ein ungutes Gefühl im Bauch. Ich weiß aber auch, dass ich das anders sehen würde, wäre mein Kind plötzlich verschwunden oder würde mir selbst etwas zustoßen. Zum Thema prophylaktische Überwachung und Vorratsdatenspeicherung habe ich mir bislang immer noch keine abschließende Meinung bilden können. Dazu verstehe ich beide Seiten zu gut.

Bei den beiden weiteren Fällen handelt es sich zum einen um einen sogenannten “Cold Case”, also einen Fall, der schon lange Jahre zurück liegt und eher zufällig durch einen neuen Hinweis aufgedeckt wird. Zum anderen um einen Serienmörder, der sein Gewissen bei einem Geistlichen erleichterte. Durch dessen Schweigen kommt es zu weiteren Morden.

Lesenswert

Alles in allem ist “Soko im Einsatz” ein Buch, das ich zügig gelesen habe. Nicht spektakulär aber durchaus spannend. Und in der Kooperation aus dem Leiter der Mordkommission im Kommissariat für Tötungsdelikte und einem professionellen Autor um Längen besser als seine Vorgänger, die ich gelesen habe.

Autorenportrait: Der Kriminalhauptkommissar
Ingo Thiel, 48, ist seit über zwei Jahrzehnten als Kriminalhauptkommissar in der Abteilung 11 für Tötungsdelikte in Mönchengladbach tätig und kann eine Aufklärungsquote von 100% bei Fällen vorweisen, an deren Ermittlung er von Anfang an beteiligt war. Er hat zwei Kinder, ist verheiratet und lebt in der Nähe von Mönchengladbach.

Und sein Autor
Bertram Job, 53, hat die Kriminalfälle von Ingo Thiel aufgeschrieben. Er ist Buchautor und Journalist und hat unter anderem für das SZ-Magazin,Geo und Die ZeitGesellschaftsreportagen verfasst.

 

Buchinfo: Soko im Einsatz von Ingo Thiel und Bertram Job, erschienen bei Ullstein extra, November 2012, 224 Seiten, € 14,99, ISBN 978-3-86493-012-6

 

Bräuche zu Ostern: Wie feiert die Welt?

Inzwischen dürfte das Osterlamm geschlachtet, die Ostereier verdrückt und die Schoko Osterhasen vernascht sei. Doch wie ist das eigentlich in anderen Ländern? Gelten da die gleichen Bräuche zu Ostern oder herrschen ganz andere Sitten?

Bräuche, Ostern
Schnee an Ostern? Ja und?! (Lizenz: BY-NC-SA)
Bräuche zu Ostern: Amerika

Auch hier ist Ostern ein traditionelles Familienfest. Allerdings haben es Arbeitnehmer weniger gut als in vielen anderen Ländern. Karfreitag entfällt aber in der Regel. Eines der Highlights ist die große Osterparade in New York mit ihren legendären Umzugswagen und Blaskapellen. Und natürlich das Ostereierrollen im Garten des Weißen Hauses in Washington. Am Ostermontag, 01. April – übrigens kein Feiertag – findet es zum 135. Mal statt. Tausende Kinder rollen dann hartgekochte Eier mit einem Löffel einen kleinen Hügel hinab. Als Geschenk bekommen sie ein von Michel und Barack Obama signiertes Holzei als Andenken.

Bräuche zu Ostern: Finnland

Schlägereien sind zu Ostern in Finnland an der Tagesordnung. Allerdings in sehr moderatem Maße. Freunde und Bekannte schlagen sich mit Birkenruten leicht auf den Rücken und symbolisieren so die Palmwedel, mit denen Christus bei seiner Kreuzigung empfangen wurde.

Aber auch der heidnische Hintergrund wir bedient. Mit allem, was kracht und scheppert, laufen die Kinder durchs Dorf und machen richtig viel Lärm. So vertreiben sie den Winter und machen Platz für den Frühling.

Bräuche zu Ostern: Frankreich

Bei unseren französischen Nachbarn schweigen von Gründonnerstag bis Karsamstag die Kirchenglocken. Damit soll der Tod Jesus‘ symbolisch betrauert werden. Ich kenne das auch aus meiner ursprünglichen Heimat, dem Saarland. Morgens, mittags und abends liefen die Messdiener mit Holzratschen durchs Dorf, um den Gläubigen eine ungefähre Orientierung zu geben. Klar, wäre das im Zeitalter der Uhren und Handys nicht mehr nötig, aber Tradition verpflichtet. Wenn ich mich richtig erinnere, fanden die Jungs und Mädels das auch immer sehr cool.

Übrigens ist in Frankreich auch das Glockenläuten dafür verantwortlich, dass es Ostereier gibt. Denn die Glocken gehen von Donnerstag bis Samstag nach Rom, um für den Papst zu läuten. Auf dem Rückweg bringen sie dann die Ostereier mit. So erzählt man es zumindest den Kindern.

Bräuche zu Ostern: Irland

Bei den streng katholischen Iren geht es teils ruhig, teils lustig zu. Einen großen Stellenwert haben natürlich die Gottesdienste. Aber auch getanzt wird. Und zwar bei Wettbewerben auf offener Straße.

Am Ostersonntag wird mit der Heringsbeerdigung die Fastenzeit offiziell zu Grabe getragen. Früher gehörte der Arme-Leute-Fisch 40 Tage lang zur Hauptmahlzeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag. Es darf wieder geschlemmt werden. Übrigens wird die Beerdigung häufig vom Metzger vor Ort organisiert. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Bräuche zu Ostern: Norwegen

Richtig krachen lassen es die Norweger. Fast eine ganze Woche wird da gefeiert. Kein Wunder verbringen viele Familien die Zeit dann mit Skilaufen. Lohnt sich ja. Angeblich haben die Ausflüge in den Schnee eine lange Tradition. Laut einer alten Volkssage soll ein geistig etwas schwaches Licht eines Stammes beim Rückzug der Eiszeit den Gletschern hinterher gelaufen und so schließlich in Norwegen gelandet sein. Damit wäre der erste Norweger nicht gerade der Hellste gewesen und zahlreiche seiner Nachfolger ahmen ihn heute noch nach, indem sie vor dem Frühling davonlaufen und dem Schnee folgen.

Nun ja, Norweger im Norden Deutschlands haben es da dieses Jahr zumindest nicht weit. Der Schnee hält sich dort ja besonders hartnäckig.

Bräuche zu Ostern: Philippinen

Hardcore geht es auf den Philippinen zur Sache. Wenn die Glocken den Ostermorgen einläuten, heben die Eltern ihre kleinen Kinder am Kopf hoch. Dadurch sollen sie besser wachsen. Mich würde interessieren, wie viele Kinder bei der Aktion fallen und sich bleibende Schäden zuziehen.

Das ist allerdings noch der harmlose Teil. Spannend wird es bei denjenigen Gläubigen, die die Kreuzigungsszene live nachstellen. Erst lassen sie sich auspeitschen, bis das Blut den Rücken hinunter läuft. Dann wird ihnen ein Kreuz auf den Rücken geschnallt, das sie stundenlang barfuß durch die Hitze schleppen. Und am Ende lassen sie sich tatsächlich ans Kreuz nageln. Inzwischen werden diese Prozessionen alljährlich zum riesigen Medienspektakel.

Wer’s braucht?!

Bräuche zu Ostern: Schweden

Traditionell geht es auch in Schweden zu. Wobei Ostern hier eher ein stilles Fest ist, an dem bis vor wenigen Jahren sogar die Kinos geschlossen waren. Geschmückt wird mit Birkenzweigen. Für die Kinder hat das Fest gewisse Ähnlichkeit mit Halloween. Als „Osterweiber“ verkleidet ziehen sie von Haus zu Haus und verteilen „Osterbriefe“. Mit etwas Glück gibt es dafür dann Bonbons oder Geld. Die Ostereier bringt übrigens das Osterküken.

Zum Glück gibt es bei uns in Deutschland nur das Tanzverbot an Karfreitag. Wer weiß, welche Kriege es sonst in manchen Familien gäbe, wenn alle Vergnügungsveranstaltungen geschlossen wären ;-).

Mehr zum Thema Ostern:

Warum ist dieses Jahr eigentlich so früh Ostern?

Warum ist dieses Jahr so früh Ostern?

An Ostern feiern die Christen die Auferstehung Jesus‘ von den Toten. Es ist damit der höchste Feiertag im Kirchenjahr. Aber wenn das Fest so wichtig ist, wieso hat es dann keinen festen Termin, so wie zum Beispiel Weihnachten?

Ostern, Datum, Schnee
Schnee an Ostern? Ja und?! (Lizenz: BY-NC-SA)

Vermutlich liegt es an den vielen Beschwerden, es sei doch schon Ostern, warum es dann immer noch schneien würde, dass ich das Bedürfnis habe, ganz oberlehrerhaft zu antworten: Ach Kinder, das ist doch nicht ungewöhnlich! Schließlich ist Ostern dieses Jahr so früh, wie es viel früher kaum geht. Denn Ostern ist ein beweglicher Feiertag, der sich nach den Mondphasen richtet.

Die Kirche geht Ostern nach dem Mond

Was? Kirche und Mondphasen? Ist das nicht so ein bisschen wie Inquisition und Hexen? Wie Jorge und Jorge?

Mag sein. Die Diskussion, ob Ostern auf die germanische Frühlingsgöttin Ostara und damit auf eine heidnische Entsprechung zurückzuführen ist, konnte schließlich nie abschließend geklärt werden.

Vermutlich war es aber Erzbischof Athanasius, der 325 nach Christus auf dem Konzil zu Nicäa den Ostersonntag auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond legte. Damit kann der Termin um bis zu 34 Tage schwanken. Eine Mondphase beträgt 28 Tage. Dazu kommen noch bis zu sechs Wochentage, bis wieder Sonntag ist. Da der Frühlingsanfang auf den 21. März festgelegt, kann sich das Osterfest zwischen dem 22. März und dem 25. April bewegen. Das sind fast fünf Woche, in denen wettertechnisch viel passieren kann. Sollte es am 25. April immer noch schneien, dann können wir meckern.

Frühlingsanfang ist nicht gleich Frühlingsanfang

Übrigens feiern die orthodoxen Christen Ostern nicht nach dem gregorianischen sondern nach dem julianischen Kalender. Damit beginnt der Frühling bei ihnen zwar auch am 21. März, aber eben 13 Tage später. Entsprechend weichen auch die Termine für Ostern und die davon abhängigen Kirchenfeste wie Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam.

Und natürlich für die Narren unter uns nicht zu vergessen: Auch Fasching hängt mit den ersten Frühlingsvollmond zusammen! Schließlich liegt zwischen Aschermittwoch und Karfreitag die 40-tägige Fastenzeit.

Also: Ostereier im Schnee zu suchen ist unangenehm aber keine Seltenheit. Und erst recht kein Anlass für neue Verschwörungs- oder Klimawandeltheorien. Doof sind nur die Autofahrer dran, die sich bezüglich ihrer Winterreifen auf die „von O bis O“-Regel halten. Denn von Oktober bis Ostern ist halt doch eine sehr flexible Angabe.

Wie sieht es eigentlich in anderen Ländern mit den Osterbräuchen aus? Mehr dazu am Ostermontag.

Ferdis russischer Apfelkuchen

Man nehme Äpfel, Rosinen, Rum, Zimt, Zucker, Eier, Butter, Mehl, Haselnüsse und gehackte Bitterschokolade, rühre alles zusammen und fertig ist er, der russische Apfelkuchen, mit dem mein ehemaliger Kollege Ferdi uns immer zu seinem Geburtstag verwöhnt hat. Da Ferdi ein so lieber Mensch und der Kuchen so lecker war, muss das Rezept in meinen „Erinnerungsblog„.

Saftiger kann ein Rührkuchen kaum sein

Wer wirklich saftige Rührkuchen mag, wird Ferdis russischen Apfelkuchen lieben. Auch wenn  oder gerade weil die Zutatenliste für einen Apfelkuchen recht umfangreich und nicht Standard ist.

Die Zutaten:

  • 250 g Butter
  • 250 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker (ich nehme lieber „richtige“ Vanille oder Vanille-Back von Schwartau)
  • 4 Eier
  • 250 g Mehl
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 200 g gemahlene Haselnüsse
  • 100 g gehackte dunkle Schokolade (oder Schokotröpfchen) alternativ 2 El guten Backkakao (kein Nesquick oder Kaba). Ich finde das Geschmackserlebnis mit Schokoladenstückchen „spannender“
  • 4-5 Äpfel (Boskop)
  • 75 g Rosinen (Rosinenhasser lassen sie einfach weg und parfümieren die Äpfel mit etwas Rum)
  • Rum (es geht auch ohne, aber der Rum passt schon gut)
  • Zimt
Kuchen, Apfel
Ferdis russischer Apfelkuchen – super saftig und lecker. (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA)
Los geht’s

Möglichst am Abend vorher die Rosinen in ein kleines Schraubglas geben und mit Rum begießen, bis sie fast bedeckt sind. Immer mal wieder schütteln, damit sich alle Früchte vollsaugen können.

Die Zubereitung:

  • Äpfel schälen, Kerngehäuse entfernen und klein schneiden. Zum Backen geht für mich nichts über den Boskop, einen etwas derben Apfel, der beim Kochen und Backen herrlich mürbe wird und ordentlich Geschmack bringt. Ich kaufe sie im Hofladen, also ohne „genormte Euro-Größe“. Die unterscheidet sich beim Boskop  je nach Erntejahr beträchtlich. Gemeint sind fünf Äpfel zirka durchschnittlicher Größe, aber solange ihr noch mehr Teig habt, als Äpfel, kommt es auf etwas mehr oder weniger nicht an.
  • Äpfel mit etwas (wenig) Zucker und Zimt bestreuen, gut mischen
  • Rumrosinen mit dem Rest Rum hinzugeben, gut mischen
  • Äpfel zur Seite stellen und bis zum „Einsatz“ ziehen lassen
  • Zucker, Eier und Vanille dick schaumig rühren
  • geschmolzene Butter einrühren
  • Mehl, Backpulver und Haselnüsse mischen und löffelweise unterrühren
  • gehackte Schokolade untermischen
  • Apfel-Rosinen-Rum-Mischung inklusive noch vorhandener Flüssigkeit einarbeiten
  • Springform einfetten und vor allem am Boden mit etwas Weizengrieß oder Semmelbrösel bestreuen.
  • Teig gleichmäßig in der Form verteilen und bei 180° C 60 bis 70 Minuten backen. Die Holzstäbchenprobe gibt Auskunft, wann der Kuchen raus kann.

Vor dem Stürzen mindestens 30 Minuten ruhen lassen, sonst reißt der Kuchen schnell mal, wenn irgendwo ein Apfelstückchen festklebt. Für meinen Geschmack ist der Kuchen am zweiten Tag besser, weil dann die Aromen Zeit hatten, sich zu „mischen“.

Wer mag, kann den abgekühlten Kuchen auch noch mit Schokolade überziehen. Mir persönlich wird das aber zu süß und zu mächtig.

Aber bitte mit Sahne?

Ferdis Apfelkuchen kann wahlweise in flacher Tortenform – dann wird der Schokoladenüberzug einfach – oder mit Einsatz gebacken werden. Habe ich zwar selbst noch nicht probiert, aber ich glaube, ein wenig frisch geschlagene, ungesüßte Sahne passt prima zu diesem Kuchen.

Zum Schluss noch eine typische Ferdi-Anmerkung im O-Ton: „Tscha, eigentlich ist das ein Kuchen, der überhaupt nicht misslingen kann. Selbst in quasi matschiger Konsistenz überzeugt der Geschmack.“

In diesem Sinne, ran an den Mixer!

Digital Detox: Wenn „Offline“ zum Luxus wird

„Always on“, das war das Credo der vergangenen Jahre, wenn man Erfolg haben wollte. Dabei wissen wir längt, dass diese Verfügbarkeit rund um die Uhr, immer und überall, seine Schattenseiten hat. Das Westin Dublin in Irland leitet mit „Digital Detox“ jetzt den digitalen Entzug ein.

Irland, digital
In Irland wird der Handysucht jetzt der Krieg erklärt. (Foto: The Westin Dublin)
Survival Kit statt Handy und Tablet

Im luxuriösen fünf Sterne Hotel „The Westin Dublin“ hat man sich jetzt auf den digitalen Entzug spezialisiert. Wer das Paket „Digital Detox“ bucht, gibt beim Check in alle seine mobilen Endgeräte am Empfang ab und hat bis zum Checkout keinen Zugriff mehr darauf.

Damit die Gäste in ihrer Verzweiflung nicht die Tapete von den Wänden kratzen, hat man sich im Hotel natürlich einiges einfallen lassen.

Irland, digital
Himmlich schlafen gehört beim Entzug natürlich dazu. (Foto: The Westin Dublin)

Das spezielle digitale „Entgiftungspaket“ enthält:

  • himmlische Nächte im Westin Heavenly Bed
  • Frühstück im Bett (wer will, darf natürlich auch in den Speisesaal)
  • eine genussvolle Massage auf dem Zimmer (wahlweise Ganzkörper, Nacken, Hand und Fuß oder Reflexzonen)
  • einen Safe, in dem die digitalen Schätze sicher und unerreichbar verwahrt sind
  • ein Survival Paket für die besonders harten Momente
Tausche Handy gegen Survival Kit

Für manche, vor allem für diejenigen, die das Handy auch beim Essen mit Freunden noch auf den Tisch legen um nichts zu verpassen,  werden die Digital Detox Tage bestimmt sehr hart. Doch keine Sorge, auch für euch ist gesorgt.

Unter dem Motto „zurück zur Natur“ hält das Survival Paket vieles, was ihr wahrscheinlich schon lange nicht mehr in den Händen hattet:

  • Information zu Dublin und der Umgebung auf PAPIER
  • eine GEDRUCKTE Wanderkarte
  • eine richtige, GEDRUCKTE Zeitung
  • eine Entspannungs-Duftkerze
  • ein Baumpflanz-Set to go. So werden die Bäume, die für die Druckerzeugnisse sterben mussten, daheim wieder aufgeforstet

Buchen kann man das Ganze ab 175 Euro pro Nacht im The Westin Dublin und auch wenn der Aufenthalt als Entzug daher kommt, wird die Krankenkasse vermutlich in diesem Fall keinen Zuschuss zahlen. 😉

Übrigens, zu diesem Beitrag  angeregt wurde ich durch einen Hinweis der irischen Pressestelle. Für die Veröffentlichung wurde ich weder bezahlt noch sonstwie vergütet. Mich hat einfach die Idee als solche inspiriert.