Serum: Wenn ein harmloses Medikament zur Waffe wird

James Dwyer, Geschäftsführer des internationalen Pharmakonzerns Lenox, wird in seiner Wohnung aufgefunden – ermordet. Der amerikanische Präsident tritt überraschend zurück. Beides innerhalb von nur 24 Stunden. Mike Acela, Dwyers engster Vertrauter und ehemaliger FBI-Agent, stößt auf eine Substanz, die zum Bruch zwischen der Regierung und Lenox geführt hat. In falschen Händen könnte sie die gesamte Weltordnung zerstören. Wem kann Mike trauen – und wie viel Zeit bleibt ihm noch?

Mitten in der Nacht wird Mike Acela aus dem Schlaf gerissen. Ein Angestellter hat James Dwyer, Mikes Arbeitgeber, tot aufgefunden. Alles deutet darauf hin, dass sich der angesehene Pharmaboss umgebracht hat. Für Mike Acela, Dwyers Sicherheitschef, unvorstellbar. Selbstmord passt nicht zu dem mächtigen, aber einsamen Mann, der sich immer unerschrocken jeder Gefahr gestellt hat. Für Mike steht fest, dass jemand die Finger im Spiel haben muss.

Wurde Dwyer ermordet?

Eine genaue Inspektion des Tatortes bestätigt seine Vermutung: Dwyer wurde ermordet. Mike findet ein unbekanntes Medikament, das den Tod verursacht haben könnte. Das Unangenehme daran: Das Mittel stammt aus einer Lenox-Forschungsreihe. Mike lässt es vorsichtshalber verschwinden, ehe er die Polizei über den Tod informiert.

In den darauffolgenden Wochen sterben weitere, einflussreiche Männer. Der US-Präsident tritt völlig überraschen zurück, Börsenkurse fallen in den Keller. Und alles scheint irgendwie mit einem großen Regierungsauftrag für Lenox zusammenzuhängen. Kann Mike Acela die Rätsel lösen?

“Serum” ist ein spannender Thriller um eine Droge, die es ermöglicht, die Gedanken und Pläne anderer Menschen zu “lesen”. Wer sie besitzt, hat sowohl geschäftlich als auch militärisch eine gewaltige Waffe in der Hand, mit der er das Schicksal der Welt lenken kann. Kein Wunder, dass nicht nur die Regierung hinter dem Mittel her ist.

Leseempfehlung: Spannende Thrillerunterhaltung.

Autorenporträt
R. Scott Reiss ist erfolgreicher Autor und lebt in New York. Der ehemalige Journalist hat bereits mehrere Thriller veröffentlicht; außerdem schreibt er regelmäßig Sachbücher und arbeitet als Drehbuchautor.

Buchinfo
Serum von R. Scott Reiss, erschienen bei Ullstein, Juni 2011, 464 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-548-28217-6

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Die zehnte Kammer enthält den Schlüssel zum ewigen Leben

Ein Brand in einem Kloster in Südfrankreich bringt ein geheimnisvolles Manuskript ans Tageslicht. Fasziniert folgt der Archäologe Luc Simard der darin enthaltenen Wegbeschreibung und stößt auf ein weit verzweigtes Höhlensystem. Aufwändige und sehr alte Höhlenmalereien verzieren die Wände. Doch die größte Überraschung erwartet ihn in der letzten, der zehnten Kammer.

Ruac – ein kleiner Ort in Südfrankreich. Angestaubter Charme, Bewohner, die fest zusammenhalten und sich gegen Eindringlinge abschotten. Nichts deutet darauf hin, dass sie ein finsteres Geheimnis hüten. Bis bei einem Brand im nahegelegenen Kloster ein geheimnisvolles Manuskript aus dem 14. Jahrhundert auftaucht. Schnell merkt hinzugezogene Restaurator Hugo, dass das Buch weitaus wertvoller ist, als anfangs vermutet. Er zieht den renommierten Archäologen Luc Simard hinzu.

Simard sieht sich vor seinem großen Durchbruch

Simard ist fasziniert. Mehr noch als der Text beeindrucken ihn die realitätsnahen Illustrationen.Sie erinnern an bekannte Höhlenmalereien, sind aber im Gegensatz zu diesen mehrfarbig. Simard ahnt, dass er einen Schatz in seinen Händen hält, der ihm den großen Durchbruch als Wissenschaftler bringen wird. Gemeinsam mit Hugo macht er sich auf den Weg, die im Manuskript beschriebene Höhle zu suchen. Was sie finden, übertrifft alle ihre Erwartungen.

Doch ihre Aktivitäten rufen ungeahnte Kräfte auf den Plan. Die Forschungsarbeiten werden von mysteriösen Todesfällen begleitet. Irgendwem scheint scheint jedes Mittel recht zu sein, um das Geheimnis der Höhlen zu bewahren

Die zehnte Kammer nimmt uns mit auf eine Reise durch die Jahrhunderte. Zwar verläuft der eigentliche Handlungsstrang in der Gegenwart, da aber diejenigen, die das Geheimnis der Höhlen kennen, die Zeit und damit das Altern überwunden haben, wechselt die Story häufig in die Vergangenheit. Diese Ausflüge sind spannend und informativ umgesetzt.

Das Geheimnis des ewigen Lebens

Faszinierend daran: man kann sich vorstellen, dass Menschen tatsächlich zum Äußersten greifen würden, wenn sie das Geheimnis des ewigen Lebens für sich gelöst hätten und es unter allen Umständen bewahren möchten. Und je länger sie gegen die Offenlegung kämpfen, umso erfahrener und brutaler werden sie in ihrem Vorgehen.

Die zehnte Kammer: Ein spannender und nicht alltäglicher Thriller.

Dr. Glenn Cooper
Der Harvard-Absolvent Dr. Glenn Cooper studierte Archäologie und Medizin. Heute leitet er ein Biotechnik-Unternehmen in Massachusetts. Außerdem ist er als Drehbuchautor und Filmproduzent aktiv.

Buchinfo
“Die zehnte Kammer” von Glenn Cooper, erschienen bei Rowohlt, Juli 2011, 448 Seiten, €9,99, ISBN 978-3-499-25617-2

Florian Schroeder: Offen für alles und nicht ganz dicht

Kinder ja, aber bloß nicht jetzt. Zusammenwohnen gerne, aber bitte mit getrennten Schlafzimmern. Fünf-Gänge-Menü und Traumfigur. Florian Schroeder geht hart ins Gericht mit einer Generation, die alles und nichts gleichzeitig will. Humorvoll beschreibt er das Leben zwischen Facebook und Starbucks.

Och nö, nicht schon wieder eine Entscheidung!

Wir sind unglaublich mobil, ungeheuer flexibel und unfassbar kreativ und bekommen doch nichts auf die Reihe. Mit viel Humor und Selbstironie wirbt Florian Schroeder um Verständnis für Geschichten, die das Leben schreibt. Geschichten der 30-Jährigen, der 40-Jährigen und der 50-Jährigen. Geschichten, die unabhängig sind vom Alter. Denn dieser Generation ist vor allem eines gemeinsam: Sie hat sich entschieden, sich nicht mehr entscheiden zu wollen. Alles oder nichts war gestern. Heute heißt das Motto: Alles und nichts. Mit Vollgas im Leerlauf, aber Hauptsache Spaß dabei.

Für alle, die es eilig haben, fasst Schroeder im Vorspann das Geschehen schon mal zusammen: “Wenn du unter 39 Jahre alt bist, wirst du dich und deine Altersgenossen nach der Lektüre besser verstanden haben. Wenn Sie älter als 39 sind, werden Sie am Schluss Ihre Kinder, Neffen, Nichten, Halbschwestern, Halbbrüder und anderes Patchwork-Gesocks besser verstehen. Also ab zur Kasse und kaufen gehen.”

Generation Youporn to go?

Schroeder beschreibt eine Generation, die nicht mal einen einheitlichen Namen hat. Nennen wir sie “Irgendwas-mit-Medien”, “Generation Praktikum”, “Generation Casting”, “Generation Fernbeziehung”, “Generation Youporn” oder “Generation 2.0”. Eine Generation, die ständig auf dem Sprung ist, ihren Kaffe to go trinkt und sich weigert, erwachsen zu werden. Man ist offen für alles – und nicht ganz dicht.

Wer “Offen für ALLES” liest, wird sich amüsieren. Entweder über Freunde oder Verwandte, die er perfekt beschrieben findet. Oder über sich selbst – was natürlich ein gerütteltes Maß an Selbstironie voraussetzt. Florian Schroeder macht Spaß und sorgt für Lesegenuss.

Florian Schroeder (Jahrgang 1979) studierte Philosophie und Germanistik in Freiburg, 2006 zog es den Kabarettisten in die Hauptstadt. Längst ist Florian Schroeder einem breiten Publikum bekannt: Er ist regelmäßiger Gast in Sendungen wie ZDF «Neues aus der Anstalt», Sat 1 «Genial Daneben», BR «Ottis Schlachthof», WDR «Mitternachtsspitzen» und «TV Total». In seinem Bühnenprogramm «Du willst es doch auch! » begeistert er bundesweit die Zuschauer mit einer Mischung aus Parodien, politischem Kabarett und intelligentem Nonsens. Die ersten kabarettistischen Schritte machte er bereits auf dem Schulhof, sein TV Debüt hatte er als 13-jähriger in der Harald Schmidt Show. Sein weiterer Weg führte ihn über Radiomoderationen bei SWR3 schließlich auf die Bühne. In seinem ersten Buch zeichnet Florian Schroeder ein feines Portrait seiner Generation, die alle Möglichkeiten hat, aber keine Wahl. Mit Schroeder bekommt sie endlich eine Stimme – persönlich, pointiert, witzig, böse. Mehr über den Autor erfahren Sie unter: www.florian-schroeder.com

Buchinfo: Offen für alles von Florian Schroeder, erschienen bei rororo, Juli 2011, 240 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-499-62736-1

Der frühe Vogel kann mich mal

Wer sich morgens lieber nochmal im Bett umdreht, wenn der Wecker klingelt, statt gut gelaunt unter die Dusche zu springen, gehört vermutlich zu den “Eulen”. Eulen laufen erst nachmittags zur Höchstform auf. Dafür sind sie bis in die Nacht hinein fit. Für sie ist eine Gesellschaft, die auf die “Lerchen”, also die Frühaufsteher, ausgerichtet ist, eine Quälerei. Doch wie lässt sich der Zwiespalt lösen?

Presslufthammer am Morgen bringt Kummer und Sorgen

Sie beißen vor Wut in die Kissen, wenn morgens um acht auf der Straße der Presslufthammer loslegt. Prüfungen versemmeln sie, weil sie in aller Herrgottsfrühe angesetzt sind. Und von den Kollegen hören sie sich ständig blöde Sprüche an, weil sie sich regelmäßig in der letzten Minute zu den morgendlichen Besprechungen schleppen. Spätaufsteher haben es in einer Welt, die von 08:00 bis 17:00 Uhr tickt, nicht einfach. Weil keiner sieht, dass sie am Abend, wenn die Lerchen längst daheim sind, noch fit und produktiv sind, wird ihre Leistung misstrauisch oft beäugt.

Bettina Hennig, selbst bekennende Eule, prangert die Missstände für Langschläfer ausführlich an. Dabei tut sie bis zur Mitte des Buches genau das, was sie den Frühaufstehern vorhält: Sie macht die Lerchen nieder und erklärt die Eulen zu den besseren Menschen. Ein Ansatz, der wenig zielführend sein dürfte. Zum Glück folgen in der zweiten Hälfte noch sinnvolle Ansätze, wie sich Eulen in der Lerchenwelt zurechtfinden können, wenn es denn gar nicht anders geht. Gute Tipps für passende Jobs mit den zugehörigen Kontaktadressen fehlen nicht.

Es gibt keine Guten und keine Bösen

Auch wenn mir der Stil des Buches überhaupt nicht gefallen hat – ich mochte es noch nie, wenn man sich genau so verhält, wie man es selbst bei anderen bemängelt, hat es mich dazu gebracht, die ein oder andere berufliche Situation neu zu überdenken.

Für den Unternehmenserfolg ist es ganz klar sinnvoll, Mitarbeiter dann arbeiten zu lassen, wenn sie auf ihrem körperlichen und geistigen Höhepunkt sind. Hier ist sowohl die Toleranz der Vorgesetzten als auch der Kollegen untereinander gefordert. Denn schließlich heißt es für beide Seiten, Rücksicht zu nehmen, damit es mit der Zusammenarbeit klappt.

Bettina Hennig
arbeitet tagsüber für einen großen Hamburger Verlag und nachts an ihrer Doktorarbeit. Sie hasst es, früh aufzustehen, und verteidigt ihre morgendliche Bettruhe mit Ohropax und Schlafbrille.

Buchinfo
“Der frühe Vogel kann mich mal” von Bettina Hennig, erschienen bei Ullstein, August 2011, 224 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-548-37353-9

Ursula Neeb: Das Geheimnis der Totenmagd

In der Nach von Allerseelen 1509 beobachtet der Frankfurter Totengräber Heinrich Sahl ein dunkles Ritual auf dem Friedhof. Am Morgen danach findet er im Beinhaus die Leiche einer jungen Frau. Doch keiner glaubt dem als Trunkenbold verrufenen Mann seine Geschichte. Er wird festgenommen und soll hingerichtet werden. Für seine Tochter Katharina beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Sie sucht den wahren Mörder und gerät immer tiefer in den Sog einer Bruderschaft, die “Meister Tod” verehrt.

Waren Teufelsanbeter am Werk?

Was liegt näher, als einen Totengräber des Totenkults zu beschuldigen? Dieser Meinung ist zumindest der Inquisitor, der das Werk von Teufelsanbetern aufklären soll, die auf bizarre Weise eine jungen Frau getötet haben. Die Einzige, die zu dem Verurteilten hält, ist seine Tochter, die Totenmagd Katharina. Als sie die Tote wäscht, fallen ihr Verletzungen auf, die sie wenige Wochen zuvor bei einer anderen jungen Toten gesehen hat. Treibt etwas ein Serienmörder in der Stadt sein Unwesen?

Doch niemand schenkt ihr Aufmerksamkeit. Für die Obrigkeit ist längst ein Schuldiger gefunden und das ist das einzige, was zählt. Erst als Katharina Anna, die Schwester der Toten, kennenlernt, stößt sie auf offene Ohren. Über alle Standesgrenzen hinweg freunden sich die geächtete Totenmagd und die angesehene Patriziertochter an. Sie setzen alles daran, die wahren Mörder zu finden und geraten dabei selbst in große Gefahr. Denn eine tödliche Bruderschaft setzt alles daran, dass ihre dunklen Machenschaften nicht ans Licht kommen. Können Katharina und Anna verhindern, dass weitere junge Frauen in den Sog der Bruderschaft geraten?

Solide, historische Leselust

“Das Geheimnis der Totenmagd” ist solide, historische Leselust. Auch wenn das Schema vertraut ist – engagierte junge Frau nimmt allen Mut zusammen und klärt in einer Männergesellschaft ein Verbrechen auf – ist Ursula Neeb ein spannender Roman gelungen. Bis zur letzten Seite bleibt viel Zeitraum für Spekulationen, wer der wirklich Schuldige ist.

Von mir eine klare Leseempfehlung.

Ursula Neeb hat Geschichte studiert. Aus der eigentlich geplanten Doktorarbeit entstand später ihr erster Roman Die Siechenmagd. Sie arbeitete beim Deutschen Filmmuseum und bei der FAZ. Heute lebt sie als Autorin mit ihren beiden Hunden in Seelenberg im Taunus.

Buchinfo: Das Geheimnis der Totenmagd von Ursula Neeb, erschienen bei Ullstein, Juli 2011, 432 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-548-28281-7