Uwe Wilhelm: Die 7 Kreise der Hölle

Endlich kann Staatsanwältin Helena Faber aufatmen. Dionysos ist tot. Der schwierigste Fall ihrer Karriere liegt hinter ihr. Dass sie mit dieser Annahme falsch liegt, wird Helena Faber klar, als ihre beiden Töchter vor ihren Augen entführt werden. Um sie zu retten, setzt die Staatsanwältin nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Die sieben Kreise der Hoelle von Uwe WilhelmEndlich hat sich Helena Faber so weit von ihrem letzten Fall erholt, dass sie mit Familie und Freunden ihre Rückkehr in den Alltag feiern kann. Die einzigen, die bei Tisch noch fehlen, sind ihre beiden Töchter. Haben sie wieder einmal beim Spielen die Zeit vergessen?

“Du bist Kunst”

Helena macht sich auf die Suche und sieht gerade noch, wie beide Mädchen einem Transporter folgen, der um die Ecke biegt. Alarmiert nimmt sie die Verfolgung auf. Zu Fuß. Als der Wagen anhält, kann sie zwar aufholen, muss aber hilflos mit ansehen, wie beide in den Laderaum einsteigen. Sofort gewinnt das Auto wieder an Fahrt und entkommt mit seiner wertvollen Fracht. Was Helena bleibt, sind Kennzeichen, Automarke und der Schriftzug “Du bist Kunst”.

Reicht das aus um die Kinder zu retten? Hängt die Entführung mit dem Kinderschänderring zusammen, der durch ihre Arbeit aufgeflogen ist? Helena Faber ahnt, dass ihr nicht viel Zeit bleiben wird, ihre Töchter zu finden. Und dass sie es mit einem mächtigen Gegner zu tun hat.

Auch Band zwei der Reihe fesselt

Nach Die 7 Farben des Blutes ist Die 7 Kreise der Hölle das zweite Buch aus der Helena Faber Reihe von Uwe Wilhelm, das ich lese. Und wieder war ich begeistert. Als Drehbuchautor ist er es offensichtlich gewohnt, schnelle Storys zu entwerfen. Es fällt mir schwer, seine Bücher wieder aus der Hand zu legen.

Manche Szenen ließen mich zwar an amerikanische Actionfilme denken:

  • wer stört, wird abgeknallt
  • Konsequenzen hat das nicht
  • Helena als Staatsanwältin und ihr Mann Robert, Polizist, setzen sich konsequent über alle Regeln hinweg (was man vielleicht auch automatisch tut, wenn es um die Kinder geht)

Aber wirklichen Abbruch hat das meinem Lesevergnügen nicht getan.

Manchmal könnte ich kotzen

Fassungslos machte mich wieder die Kaltschnäuzigkeit, mit der manche Menschen mit anderen Menschen, insbesondere Kindern, umgehen. Auch wenn oder gerade weil ich weiß, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder, Kleinkinder oder gar Babys in manchen Kreisen kein Tabu sind. Ebenso wie die Versteigerung selbiger zur “freien Nutzung”.

Wenn ich mir vorstelle, ich weiß, dass dieses Schicksal für meine Kinder erwartet, wenn ich sie nicht rechtzeitig finde, könnte ich kotzen. Dieses Gefühl beim Lesen zu vermitteln, hat Uwe Wilhelm mit Die 7 Kreise der Hölle meisterhaft geschafft.

Deshalb die klare Leseempfehlung, zumindest für alle nicht ganz so zart besaiteten Seelen.

Uwe Wilhelm

Uwe Wilhelm, geboren 1957 in Hanau, hat Germanistik und Schauspiel studiert. Seit 1987 arbeitet er als Autor für Drehbücher, Theaterstücke und Sachbücher. Er hat mehr als 120 Drehbücher u.a. für Bernd Eichinger, Katja von Garnier und Til Schweiger verfasst. Uwe Wilhelm ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Die 7 Kreise der Hölle von Uwe Wilhelm, erschienen bei blanvalet, 21.05.2018, 448 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0345-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Ule Hansen: Neuntöter

Berlin, Potsdamer Platz. Beim Klettern in einem Baugerüst macht ein Junge einen grausamen Fund. An den Gerüststangen hängen drei silbrig glänzende Kokons. Drei Menschen, von Kopf bis Fuß in Panzertape gewickelt. Emma Carow macht sich auf die Jagd nach dem Täter.

Neuntoeter von Ule HansenWas ist das für ein Mensch, der so kaltschnäuzig ist, seine Opfer an einem der belebtesten Plätze Berlins aufwendig zu installieren?

Diese Frage muss sich Emma Carow, Fallanalystin stellen. Ihr Aufgabe ist es, in den Kopf des Täters zu kriechen und ein möglichst genaues Profil seiner Beweggründe zu erstellen.

Schnell ahnt sie, dass es sich unmöglich um einen Einzeltäter handeln kann.

Morde als Gruppen-Event

Aber wie bringt man eine Gruppe dazu, Menschen einzufangen, in lebende Mumien zu verwandeln, um sie dann irgendwo aufzuhängen und elendig verhungern zu lassen? Welche Macht, welche Druckmittel muss der Anführer haben, damit das funktioniert? Ist das wirklich vorstellbar? Selbst in ihrem eigenen Team stößt sie mit ihrer Analyse auf Zweifler. Also ermittelt sie auf eigene Faust und bringt sich damit in Lebensgefahr.

Neuntöter ist mein zweites Buch von Ule Hansen. Nachdem ich Blutbuche, ein weiterer Thriller des Autorenduos, gelesen hatte, war ich von Emma Carow begeistert. Eine eigenbrötlerische, verschlossene, junge Frau, die so viel Schweres hat erleben müssen, gefällt mir. Schweres, das Fluch und Segen zugleich ist.

Einerseits haben ihre eigenen Erfahrungen sie zur perfekten Fallanalystin werden lassen, sie kann den Tätern förmlich in die Köpfe kriechen. Andererseits haben sie Emma misstrauisch gegen alle Zuwendung werden lassen und ihren Instinkt, wem sie vertrauen soll und wem nicht, empfindlich gestört. In Neuntöter bezahlt sie ihre Neugier deshalb beinahe mit dem Leben.

Emma Carow, eine schräge Heldin

Neuntöter, nach Blutbuche der zweite Thriller von Ule Hansen, den ich der Hand hatte, wird sicher nicht das letzte Buch des Autorenduos sein, das ich lese.

Falls ich euch jetzt angesteckt habe und ihr neugierig auf Emma Carow seid, fangt mit Neuntöter an. Dann wisst ihr, worum es geht, wenn in Blutbuche zurück geblickt wird. Kein Muss, aber auch kein Fehler.

Astrid Ule und Eric T. Hansen

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt.

Buchinfo: Neuntöter von Ule Hansen, erschienen bei HEYNE, 12.02.2018, 496 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-42185-1

Andreas Gruber: Die Engelsmühle

Wien. Eine Reihe brutaler Morde beunruhigt die Stadt. Eigentlich wollte sich Privatdetektiv Peter Hogart nicht einmischen, aber sein neuer Auftrag scheint irgendwie mit den Morden zusammen zu hängen. Hogart muss sich leider einmischen.

Die Engelsmuehle von Andreas GruberPrivatdetektiv Peter Hogart hat einen neuen Auftrag. Im Archiv einer Klinik ist ein Brand ausgebrochen und hat sowohl die analogen als auch alle digitalen Aufzeichnungen und hochwertige technische Ausrüstung zerstört. Für einen großen Versicherungsgesellschaft soll Peter Hogart klären, ob Brandstiftung wirklich ausgeschlossen werden kann.

Ist Hogarts Bruder ein Mörder?

Ausgerechnet jetzt bittet Kurt, Hogarts Bruder, dringend um Hilfe. Bei den Ermittlungen im Mordfall Dr. Abel Ostrovsky ist er in den Fokus der Polizei geraten. Und tatsächlich war Kurt Hogart vermutlich der letzte, der mit dem Opfer gesprochen hat. Jetzt muss das Duo die Polizei überzeugen, dass er dennoch nichts mit dem Mord zu tun hat.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Die Engelsmühle ist mein zweites Buch aus der Peter Hogart Reihe. Und wie schon bei Die schwarze Dame war mir recht früh ziemlich sicher, den wesentlichen Punkt im Spiel der Hauptverdächtigen zu erkennen. Was mir aber wieder nicht gelang, war, das warum zu durchschauen. Deshalb blieb auch Die Engelsmühle bis zur letzten Seite spannend.

Ein Meister der speziellen Szenarien

Was mir weniger gefallen hat, war die zwanghaft herbei geschriebene Verquickung der Fälle auf allen möglichen Ebenen. Da wäre für meinen Geschmack weniger mehr gewesen.

Trotzdem bekommt bekommt Die Engelsmühle von mir eine Leseempfehlung, weil Andreas Gruber es meisterhaft versteht, sehr spezielle Szenarien zu entwerfen, die einfach fesseln.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Er hat bereits mehrere äußerst erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und Romane verfasst.

Buchinfo: Die Engelsmühle von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 16.04.2018, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48123-1

Alyson Richman: Abschied in Prag

Lenka und Josef treffen sich in den 1930-er Jahren in Prag zum ersten Mal. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Als die Kriegsgefahr steigt, beschließen sie zu heiraten. Nichts soll sie trennen. Doch es kommt anders. Der Krieg nimmt auf ihre Liebe keine Rücksicht. Erst sechzig Jahre später sehen sie sich wieder.

Abschied in Prag von Alyson RichmanLenka studiert in Prag an der Kunstakademie. Als sie Josef, den Bruder ihrer Studienkollegin Veruska, kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch die Repressalien gegen jüdische Familien, Josef und Lenka sind Juden, nehmen von Tag zu Tag zu und machen Lenkas Herz schwer.

1939. Die Nazi-Herrschaft lässt sich auch in Prag nicht mehr leugnen. Trotz oder gerade wegen des nahenden Krieges beschließen Lenka und Josef, der Welt zu zeigen, dass sie für immer zusammengehören. Sie heiraten.

Zur gleichen Zeit. Josefs Vater sucht auf dem Schwarzmarkt Visa für Amerika. Er will sich und seine Familie vor den Nazis in Sicherheit bringen. Verzweifelt versucht Josef, ihn zu überzeugen, auch Lenkas Familie mit den entsprechenden Papieren zu versorgen. Vergebens.

Der Krieg trennt das junge Paar. Während Josef sich in Amerika als Arzt niederlässt, überlebt Lenka nur knapp das Lager Theresienstadt. Jeder denkt, der andere sei tot.

Nach sechzig Jahren treffen Sie sich per Zufall in New York wieder.

Eine bezaubernde, eine brutale Liebesgeschichte

Abschied in Prag von Alyson Richman ist ein bezauberndes Buch. Durch die konsequente Trennung der Erzählperspektiven von Lenka und Josef hat mich das Schicksal der beiden Menschen tief berührt. Aber es hat mir auch gezeigt, dass man die Hoffnung niemals aufgeben sollte. Dass es sich immer lohnt, für das zu kämpfen, was einem wirklich wichtig ist.

Alyson Richman kommt bei ihrem Buch völlig ohne Schuldzuweisungen und übertriebene Rührseligkeit aus. Genau das macht Abschied von Prag so authentisch.

Meine Empfehlung: Kaufen, lesen und mit Lenka und Josef von der großen Liebe träumen.

Alyson Richman

Die amerikanische Bestsellerautorin Alyson Richman hat bereits mehrere Romane verfasst, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Zuletzt erschien Ein italienischer Garten im Diana Verlag. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern auf Long Island, New York.

Buchinfo: Abschied in Prag von Alyson Richman, erschienen bei Diana, 11.12.2017, 384 Seiten, €10,99, ISBN: 978-3-453-35959-8

Andrea Gunkler: Frag deine Katze

Von Katzen können wir viel lernen. Sie nutzen perfekt die Gunst der Stunde für ihre Bedürfnisse. Angelehnt an diese außergewöhnliche Fähigkeit hat Andrea Gunkler in Frag deine Katze Tipps für unseren Alltag gesammelt. Tipps für mehr Entspannung und Eigenständigkeit.

fragdeine katzeWer mit einer Katze unter einem Dach lebt, weiß es: Katzen genießen ihr Leben und zwar ganz und gar vorsätzlich und geplant. Mach einfach immer das beste aus jedem Moment, so könnte ihre Devise lauten.

Ich finde es zum Beispiel faszinierend, wenn nach trüben Wintertagen wieder die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster scheinen. Die Katze macht es sich auf der Rücklehne der Couch gemütlich und rückt alle halbe Stunde ein Stück nach vorne, der Sonne folgend.

Oder wie schnell sie kapiert hat, dass es mit dem Handtuch, das im Hochsommer unter dem Schreibtisch liegt, etwas auf sich haben muss. Ich habe darin ein Kühlakku eingewickelt und stelle die Füße darauf. Kaum war ich einkaufen, war die Kühlung gekapert. Von der Katze. Mal lag sie mit dem Bauch darauf, mal mit dem Rücken daran und mal nur mit den Füßchen. Wie es ihr eben gerade gut tut.

Hol dir, was du brauchst

Und wenn das Wetter so richtig doof ist, verpennt man mal eben einen Tag. Egal, ob es Streicheleinheiten,ein Plätzchen an der Sonne oder jemanden zum Spielen ist, Katzen holen sich, was sie brauchen.

Ok, zugegeben, so einfach können wir Menschen uns das meist nicht machen. Aber seien wir doch mal ehrlich, die ersten Sonnenstrahlen des Jahres könnten wir auch ausgiebig genießen. Und sei es nur für zwanzig Minuten.

Intuition, Achtsamkeit, Hingabe

Andrea Gunkler hat die Spur aufgenommen, bringt uns die Wunderkräfte der Katzen näher und zeigt uns, wie einfach es ist, diese Kräfte in sich selbst zu aktivieren. Zu jedem Themenschwerpunkt gibt es kleine, leicht umzusetzende Übungsaufgaben.

Dazu kommen noch einfache Yoga-Übungen, die für Anfänger ohne weiteres umsetzbar sind. Denn auch beim Yoga gilt: Gehe nur so weit, wie es die gut tut.

Und zwischendurch unterhält uns Andrea Gunkler mit kleinen Anekdoten besonderer Katzen.

Auf den ersten Blick unterschätzt

Ich gebe es zu, Frag deine Katze habe ich auf den ersten Blick unterschätzt. Das lag sicher auch an der kleinformatigen Aufmachung. Aber das Buch hat es in sich, so wie seine Hauptakteure, die Katzen.

Meistens habe ich abends im Bett vor dem Einschlafen gelesen, was sich als perfektes Timing erwiesen hat. Denn so konnte ich einige Entspannungsübungen gleich testen. Ich sage nur so viel: Ich habe traumhaft geschlafen. 😉

Deshalb empfehle ich Frag deine Katze allen denen, die nicht so leicht loslassen können. Die denken, sie müssen sich immer unter Kontrolle haben und funktionieren ohne anzuecken. Damit habt ihr auch ein schönes Geschenk für Katzenfans, die gerade etwas durchhängen.

Und natürlich empfehle ich es allen Katzenmenschen, die manchmal neidisch auf ihr Fellknäuel schauen und denken: Boah, will ich auch können!

Andrea Gunkler

Andrea Gunkler ist Jahrgang 1967. Sie liebt das Schreiben, seit in der ersten Klasse die Schwunghefte ausgeteilt wurden. Seit 2009 schreibt sie nach Jahren des Fachtexteverfassens auch literarische Texte. Sie ist Mitglied der 42erAutoren e.V., schreibt Beiträge für den Blog des Vereins und für die Zeitschrift der selfpublisher. Sie lebt mit Mann und Katze in einem Dorf bei Bad Hersfeld.

Buchinfo: Frag deine Katze von Andrea Gunkler, erschienen bei mvgverlag, April 2018, 208 Seiten, gebunden, € 14,99, ISBN: 978-3-86882-928-0. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Übrigens, wer Bücherregale hat und seinem schnurrenden Vierbeiner eine große Freude machen will, dem empfehle ich meine Katzentreppe im Bücherregal.

Jan-Christoph Nüse: Operation Bird Dog

Deutschland 1948. Reichsmark und Rentenmark sind zur Farce verkommen. Ihre Kaufkraft sinkt von Tag zu Tag. Der Schwarzmarkt boomt. Die Währungsreform soll den Verfall stoppen und das Land wieder geschäftsfähig machen. Doch nicht alles läuft wie geplant.

Operation Bird DogWeihnachten 1948. Sanitäter finden den 14-jährigen Carl Wrede bewusstlos im Wohnzimmer. Daneben seine Eltern, beide tot. Alles sieht nach Selbstmord aus. Aber was soll den erfolgreichen Bankier Dr. Victor Wrede dazu bewogen haben? Nur wenige Monate zuvor war er doch maßgeblich an der Umsetzung der Währungsreform beteiligt.

Zehn Jahre später beschließt Carl, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Von Anfang an hat er einen Selbstmord seiner Eltern bezweifelt. Wegbegleiter seines Vaters, darunter der renommierte Journalist Jennings, raten ihm ab. Doch Carl lässt sich nicht aufhalten und stößt auf einen Sumpf aus Korruption, Einschüchterung und Gewalt, der unzählige Alt-Nazis zu neuem Reichtum verholfen hat.

Geschichte kann so spannend sein

Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse verbindet geschickt reale Vergangenheit und Fantasie. Damit lud er mich ein, mich eingehender mit diesem Teil deutscher Geschichte zu befassen. So wirklich detailliert habe ich mich mit der Währungsreform nie auseinander gesetzt.

Allerdings kannte ich noch einiges aus den Erzählungen meiner Großeltern und war deshalb von den unsauberen Verwicklungen im Hintergrund nur teilweise überrascht. Die Skrupellosigkeit mit der sich verdeckt lebende Nazis bereichert und unbehelligt neuen Wohlstand “erarbeitet” haben, hat mich dennoch überrascht. Auch die Art und Weise, wie an der Meinung der Bevölkerung vorbei agiert wurde, ist heute nur noch schwer nachvollziehbar.

Deshalb danke ich Jan-Christoph Nüse für diesen Krimi, der nicht nur für Carl Wrede, die Hauptperson des Buches, Licht in das Dunkel eines spannenden Teils unserer Vergangenheit bringt. Operation Bird Dog lohnt sich wirklich.

Jan-Christoph Nüse

Jan-Christoph Nüse wurde 1958 in Dortmund geboren, ging in Würzburg zur Grundschule und studierte Sozialwissenschaften, Germanistik und Politikwissenschaften in Bochum und Hagen. Er arbeitet als Redakteur und Reporter beim Fernsehsender Phoenix in Bonn und Brüssel. Für seine Berichterstattung über Wirtschaft und Politik wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er hat einen Sohn und lebt seit zehn Jahren wieder in seiner Heimatstadt Dortmund. Operation Bird Dog ist sein erster Kriminalroman.

Buchinfo: Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse, erschienen bei Gmeiner, März 2018, 420 Seiten, Klappenbroschur Premium, € 15,00, ISBN 978-3-8392-2283-6. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Cilla und Rolf Börjlind: Schlaflied

Gemeinsam mit ihrem Schützling, der jungen Folami aus Nigeria, versteckt sich die obdachlose Muriel in einer Hütte im Wald von Smaland. Sie will Folami helfen, ihre Brüder, die sie auf der Flucht verloren hat, wiederzufinden. Aber damit sind nicht alle einverstanden. Ein Wettrennen um Leben und Tod beginnt.

Schlaflied von Cilla BoerjlindIm Wald von Smaland wird die grausam zugerichtete Leiche eines Jungen gefunden. Die Polizei vermutet einen einen Pädophilenring, der die Notlage der zahlreichen jungen Menschen, die aus Syrien, Afghanistan, Nigeria und vielen anderen Ländern nach Schweden geflüchtet sind, ausnutzt und die Jugendlichen anschließend im Wald entsorgt.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Polizisten Tom Stilton nimmt Ermittlerin Olivia Rönning die Spur auf. Wichtige Hinweise bekommen sie dabei von Muriel, einer obdachlosen Drogenkranken, die zu Stilton Vertrauen gefasst hat. Sie hat Folami, die aus Nigeria geflohen ist und in Schweden ihre Brüder sucht, unter ihre Fittiche genommen.

Ausgerechnet Folamis Brüder bringen die Polizei auf die richtige Spur. Diese führt nach Rumänien und zu einem perfekt organisierten Organhändlerring.

Wie die Ärmsten der Armen ausgebeutet werden

Mit Schlaflied haben Cilla und Rolf Börjlind einen Krimi abgeliefert, der ans Herz geht. Immer wieder liest man von unbegleiteten Jugendlichen, die auf der Flucht nach Europa verschwinden. Häufig wird dabei über Kinderhändlerringe spekuliert. Aber auch über organisierte Organhändlerringe wird immer wieder berichtet. Für sie sind junge, verzweifelte Menschen leichte Opfer.

Insofern greifen die Autoren ein sehr aktuelles Thema auf, das sie spannend und gleichzeitig bewegend umgesetzt haben. Begeistert haben mich vor allem die kantigen Charaktere. Eine gelungene Abwechslung zu vielen weichgespülten Protagonisten in anderen Büchern. Gewünscht hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Drive. Vor allem die Entwicklung in Rumänien war mir etwas langatmig. Aber das ist eine Kleinigkeit.

Von mir bekommt Schlaflied von Cilla und Rolf Börjlind eine Leseempfehlung und ich werde mich gerne wieder in neue Abenteuer mit Tom Stilton und Olivia Rönning stürzen.

Cilla und Rolf Börjlind

Cilla und Rolf Börjlind gelten als Schwedens wichtigste und bekannteste Drehbuchautoren. Sie sind unter anderem verantwortlich für zahlreiche Martin-Beck-Folgen sowie für die viel gepriesene Arne-Dahl-Serie. Ihr Markenzeichen sind starke Charaktere und eine stringente Handlung. Die Romane um die junge Polizistin Olivia Rönning und den ehemaligen Kriminalkommissar Tom Stilton wurden in 30 Länder verkauft und erfolgreich verfilmt. Die Serie läuft mit hohen Einschaltquoten auch im deutschen Fernsehen.

Buchinfo: Schlaflied von Cilla und Rolf Börjlind, erschienen bei btb, Februar 2017, 576 Seiten, € 15,00, ISBN: 978-3-442-75716-9