Susanne Saygin: Feinde

Köln. Can und Simone von der Mordkommission werden zu einem mysteriösen Leichenfund gerufen. Die Spur führt ins Roma-Milieu. Zumindest auf den ersten Blick. Aber die Drahtzieher haben noch viel mehr Leichen im Keller. Ein politisch brisanter Wettlauf mit der Zeit beginnt.

9783453438897_CoverDer Tag fängt für die Polizisten Can und Simone gut an. Vor dem Wertstoffhof wurden zwei Tote gefunden, mit Paketband zu einer obszönen Inszenierung verbunden.

Schnell führen die Ermittlungen zum bulgarischen “Arbeiterstrich”, Menschen, die – häufig mit unklarem Bleibestatus – händeringend nach jeder Arbeit greifen. Tag für Tag.

Lohndumping, Zwangsprostitution, Gewalt

In der Stadt ist längst eine Dumpinglohn-Szene entstanden. Rumänen, Bulgaren, viele Sinti und Roma, die in Köln auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien hoffen und dafür Armut, Verachtung und Einschüchterung erdulden. In Zusammenhang mit dieser Szene fallen immer wieder die gleichen Namen prominenter Kölner. Anhaben konnte man ihnen bisher nichts. Offensichtlich haben sie in der Stadt einflussreiche Freunde.

Doch Can lässt sich nicht abschütteln. Entgegen aller Anweisungen und Drohungen macht er sich auf die Suche nach Beweisen und geht damit ein hohes Risiko ein, das ihn nicht nur seinen Job sondern auch sein Leben kosten kann.

Ein tiefer Blick in menschenverachtende Netzwerke

Vermutlich hat jede und jeder von uns schon mal etwas vom sogenannten Arbeitsstrich gehört oder eine Reportage dazu gesehen. Gleiches gilt für die Zwangsprostitution von Kindern und Erwachsenen. Auch die Tatsache, dass die Opfer dieser Ausbeutung in den ärmsten Ländern rekrutiert, dass ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben gnadenlos ausgenutzt werden, dürfte nicht neu sein.

Susanne Saygin hat all diese Informationsbrocken nach mehrjähriger Recherche zu einem beeindruckenden und beängstigenden Bild verwoben. Zwar betont Susanne Saygin, dass Handlungen und Personen frei erfunden sind und dass sie kein Sachbuch geschrieben hat, aber vieles aus Feinde kann ich mir erschreckend problemlos genau so vorstellen. Auch, dass prominente Verbrecher politisch gedeckt werden.

Diese Realität macht Angst

Feinde von Susanne Saygin hat mich abwechselnd traurig und wütend gemacht. Die Story hat mich frustriert und mir Angst gemacht. Weil sie so realistisch ist, weil sie Abgründe zeigt, für die ich mich im Alltag blind stellen kann, wenn ich es möchte. In diesem Buch werden sie so grell ausgeleuchtet, dass die Leserinnen und Leser sich ihnen stellen müssen. Was ich sehr gut und sehr wichtig finde, was aber empfindsame Gemüter vielleicht überfordern könnte.

Dafür bekommt Feinde von Susanne Saygin eine absolute Leseempfehlung von mir, auch wenn ich gegen Ende etwas irritiert war. Die Beziehung zwischen Can und Isa, seiner Mitbewohnerin wird erst sehr spät aufgerollt und das an einer Stelle, wo es den “Lauf” der Story für mein Empfinden unterbrochen hat.

Susanne Saygin

Susanne Saygin, geboren 1967, aufgewachsen im Rheinland, Geschichtsstudium in Köln und Cambridge, Promotion in Oxford. Danach Tätigkeit im akademischen Projektmanagement und in der freien Wirtschaft (u.a. im Umfeld der ersten deutschen Bundesliga). Die Autorin mit deutsch-türkischen Wurzeln hatte ihren Lebensmittelpunkt knapp zwanzig Jahre lang in Köln. Seit 2010 lebt und arbeitet sie in Berlin. Für ihren Debütroman »Feinde« hat die Autorin über fünf Jahre lang recherchiert.

Buchinfo: Feinde von Susanne Saygin, erschienen bei Heyne, 10.09.2018, 352 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-453-43889-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Delphine de Vigan: Loyalitäten

Der zwölfjährige Théo ist selbstständig, fürsorglich und ein guter Schüler. Also alles prima? Nicht ganz. Denn Théo ist durch sein Bestreben, perfekt zu funktionieren, permanent überfordert. Entspannung sucht er im Alkohol.

LoyalitätenThéos Eltern sind geschieden, seine Mutter ist mit der Situation unglücklich und überfordert. Der Zwölfjährige hat früh gelernt, nicht aufzufallen, die Mutter nicht noch zusätzlich zu belasten. Im Gegenteil.

Fürsorglich achtet er darauf, keinen Anlass zum Streit zu geben. Selbst dann nicht, wenn er nach dem Wochenende von seinem Vater zurück kommt und die Mutter seinen Geruch nicht ertragen kann, so sehr ist sie verletzt.

Der Vater hat sich aufgegeben. Geht nicht mehr aus dem Haus, trinkt. Théo bemüht sich um Normalität, kauft ein, wäscht, macht die Betten.

Théo zahlt einen hohen Preis

Auch in der Schule verhält er sich still, ist ein guter Schüler. Doch nach und nach verändert er sich. Wird verschlossener, abwesender. Seine Lehrerin Hélène macht sich Sorgen um den Jungen stößt aber auf taube Ohren.

Nur Mathis, Théos einziger Freund, kennt sein Geheimnis. Théo trinkt und versucht so, seine innere Leere zu füllen. Doch wem soll sich Mathis anvertrauen? Kann er überhaupt seinen einzigen Freund verraten?

Schaut genau hin. Bitte!

Loyalitäten von Delphine de Vigan hat mich sehr bewegt. Viel zu oft verlangen wir unseren Kindern so viel ab, drängen sie in die Rolle Erwachsener. Vor allem dann, wenn der Partner oder die Partnerin stirbt, eine Beziehung zerbricht und wir den Streit vor den Kindern austragen. Sie wollen uns gefallen und alles richtig machen und gehen dabei selbst zugrunde. Häufig leise, still und so lange unbemerkt, bis es zu spät ist. Bis sie sich selbst verletzen, Zuflucht in Alkohol oder Drogen nehmen oder, als finale Lösung, ihrem Leben ein Ende setzen.

Delphine de Vigan zeigt aber auch, wie schwer es ist, Zugang zu leidenden Kindern und Jugendlichen zu finden und welche Hürden überwunden werden müssen. Sei es das Nicht-sehen-sollen oder Nicht-sehen-können der Angehörigen oder der juristische Dschungel. Und wie viele grundsätzlich hilfsbereite und aufmerksame Menschen aufgeben, weil sie am Ende ihrer eigenen Kraft ankommen.

Loyalitäten von Delphine de Vigan bekommt von mir ein großes Plus und eine klare Leseempfehlung. Egal, ob der Leser oder die Leserin mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, oder nicht.

Delphine de Vigan

Delphine de Vigan, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Bei DuMont erschien 2017 ihr Debütroman ›Tage ohne Hunger‹. Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.

Übersetzung: Doris Heinemann

Buchinfo: Loyalitäten von Delphine de Vigan, erschienen bei DUMONT, 13.09.2018, 176 Seiten, gebunden mit Lesebändchen, € 20,00, ISBN 978-3-8321-8359-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Hanna Caspian: Gut Greifenau – Abendglanz

Hinterpommern im Mai 2013. Gut Greifenau steckt mitten im Umbruch. Der alte Patron ist tot, sein Sohn übernimmt formal die Verantwortung für Land und Leute. In Wahrheit verwaltet jedoch Konstantin, sein ältester Sohn, das Gut. Und Konstantin ist offen für Veränderungen. In vielerlei Hinsicht.

Gut GreifenauMai 2013. Konstantin, ältester Sohn des Grafen von Adolphis von Auwitz-Aarhayn, sieht endlich seine Chance gekommen, das Gut zu reformieren. Er will Maschinen anschaffen, um die schwere Feldarbeit zu erleichtern und vorzubeugen, sollte es wirklich zu dem viel diskutierten Krieg kommen. Denn dann würden viele der Pächter zu den Waffen gerufen und niemand könnte die Felder bewirtschaften.

Wie in adeligen Kreisen zu dieser Zeit üblich, stößt jede Änderung auf Unverständnis und Abwehr, egal ob im wirtschaftlichen oder im gesellschaftlichen Umfeld. Als sich Konstantin in die junge Lehrerin Rebecca Kurscheidt verliebt, ist ihm klar, dass er bei seiner Familie auf Widerstand stoßen wird. Seine Eltern werden der Verbindung mit einer Bürgerlichen niemals zustimmen. Zu sehr ist man dem alten Standesdünkel verhaftet. Kann Konstantin seine Liebe leben, oder machen ihm die gesellschaftlichen Regeln und der Krieg einen Strich durch die Rechnung?

Bin ich hier richtig?

Die ersten Seiten von Gut Greifenau – Abendglanz ließen mich zweifeln, ob ich mich für das richtige Buch entschieden habe. Der Auftakt der dreiteiligen Familiensaga fängt für mein Empfinden etwas behäbig an und ich war kurz davor, das Buch zur Seite zu legen.

Aber dann kam Rebecca Kurscheidt ins Spiel, eine junge, moderne Berlinerin, die hochmotiviert als Dorflehrerin ins pommersche Hinterland zieht. Rebecca ist überzeugte Sozialdemokratin und merkt sehr schnell, dass sie diese Überzeugung in der “Dorf-Idylle” nur sehr vorsichtig ausleben kann.

Es gibt immer noch viel zu tun

Immer wieder musste ich mir bewusst machen, dass das Gesellschaftsportrait eine Zeit beschreibt, die gerade mal gut 100 Jahre zurückliegt. Unvorstellbar, was Frauen vor drei bis vier Generationen noch alles verwehrt war, wie ungleich die Behandlung von Jungen und Mädchen war. Und dass immer noch viel Arbeit vor uns liegt.

Ich bin gespannt, wie es mit der Liebe der Kinder von Gut Greifenau weitergeht und freue mich auf Band zwei der Familiensaga Gut Greifenau – Nachtfeuer, der im Dezember 2018 erscheint.

Hanna Caspian

Hanna Caspian ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihren gefühlvollen und spannungsgeladenen Familiensagas beleuchtet sie bevorzugt fast vergessene Themen deutscher Geschichte.

Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften, Sprachen und Politikwissenschaft in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Zuletzt war sie Anzeigenleiterin und Projektmanagerin in einem Fachverlag. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

Buchinfo: Gut Greifenau – Abendglanz von Hanna Caspian, erschienen bei Knaur, 02.11.2018, 560 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-426-52150-2. Danke für das Leseexemplar.

Nicole Neubauer: Scherbennacht

Brütend heißer Sommer in München. Ein Polizistenmord erschüttert die Münchner Mordkommission. Der erfahrene Drogenfahnder Leo Thalhammer wurde mit seiner eigenen Dienstwaffe erschossen. Die Kommissare Waechter und Brandl ermitteln und stoßen auf eine Mauer des Schweigens innerhalb der eigenen Reihen. War Thalhammer wirklich einem großen Skandal auf der Spur?

Scherbennacht von Nicole NeubauerErmittlungen in den eigenen Reihen sind für Polizisten immer eine besondere Herausforderung. Ausgerechnet Kommissar Waechters Team wird mit den Ermittlungen zum Mord an Drogenfahnder Leo Thalhammer gerufen. Er wurde tot in seinem Wagen aufgefunden. Erschossen mit seiner eigenen Dienstwaffe. War Thalhammer in der Drogenszene jemandem auf die Füße getreten und wurde dafür bestraft?

Wurde Thalhammer hingerichtet?

Oder gibt es andere Motive. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, der Drogenfahnder sei einem großen Skandal auf der Spur gewesen. Und tatsächlich scheint er ein Doppelleben geführt zu haben. Waechter und sein Team nehmen die Fährte auf und geraten damit selbst ins Visier der Täter. Die Spuren führen immer wieder in die eigenen Reihen und stellen die Ermittler damit vor die Frage, wem sie überhaupt noch trauen können.

Eines vorweg, Scherbennacht ist der dritte Teil der Kommissar Waechter Reihe. Man muss die vorherigen Bände nicht gelesen haben, um sich schnell die aktuelle Story einzufinden. Allerdings hilft es, um den ein oder anderen Hinweis und die Eigenheiten der Charaktere Waechter und Brandl zu verstehen.

Skurrile Charaktere, ungewöhnliche Methoden

Diese sind alles andere als glatt gebügelt. Hier ermitteln richtige Originale mit reichlich Ecken und Kanten. Dass sie sich dabei nicht immer an den Dienstweg halten, versteht sich bei der Beschreibung eigentlich von selbst. Vermutlich gelingt es ihnen genau deshalb, den Fall aufzuklären, denn so kann ihnen innerhalb der eigenen Reihen niemand dazwischenfunken.

Und natürlich sorgen solche Charaktere für den nötigen Spaß beim Lesen. Durch ein Schmunzeln zwischendurch wird kein Krimi weniger spannend.

Von mir bekommt Scherbennacht von Nicole Neubauer deshalb eine Leseempfehlung!

Nicole Neubauer

Nicole Neubauer ist 1972 in Ingolstadt geboren und studierte englische Literaturwissenschaft und Jura in München und London. Nach zehn Jahren in einer Wirtschaftskanzlei arbeitet sie freiberuflich als Autorin, Rechtsanwältin und Lektorin. Sie ist Mitglied der »Mörderischen Schwestern e.V.« und der »Autorinnenvereinigung e.V.«.

Nicole Neubauer lebt mit ihrer Familie in München im Herzen Schwabings.

Buchinfo: Scherbennacht von Nicole Neubauer, erschienen bei blanvalet, 18.09.2018, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0451-0. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Silke Knäpper: Das Lieben der anderen

Eine Nacht im März. Helen ist auf dem Heimweg, als ihr vor dem Nachbarhaus eine Frau vor die Füße fällt. Unfähig die Polizei zu informieren, eilt sie heim und beobachtet vom Fenster aus einen Mann, der aus dem Nachbarhaus läuft, auf die Tote zugeht und dann davoneilt. In Helen reift ein grausamer Plan.

COV_KNAEPPER_ANDEREN_LHelen ist zutiefst unzufrieden mit ihrem Leben. Sie mag weder ihren hageren, flachbrüstigen Körper, noch ihr Leben ohne Höhen und Tiefen.

Nicht einmal das heiß ersehnte Baby hatte sich in diesem Körper einnisten und heranwachsen wollen. Robert, ihr Freund, hatte sie deshalb auch verlassen.

Sie hat alles, was ich nicht habe

Und dann lag da diese Frau. Auf den ersten Blick hat Helen erkannt, dass die Fremde alles hatte, wonach sie sich ihr Leben lang sehnte. Ein erfülltes und aufregendes Leben. Einen Mann, elegant und mit geschmeidigen Bewegungen, den sie mit Sicherheit sofort wiedererkennen würde.

In Helen reift ein Plan. Sie würde diesem Mann seine Frau ersetzen. Sie würde in ihr altes Leben schlüpfen und dafür sorgen, dass er ohne sie nicht mehr sein wollte und konnte. Minutiös organisiert sie ihr weiteres Vorgehen und wird zum ganz persönlichen Albtraum ihres Opfers.

Zweifellos im Wahn

Die Liebe der anderen von Silke Knäpper ist ein sehr besonderes Buch, das weit tiefer geht, als alles, was ich bislang zum Thema Stalking gelesen habe. Silke Knäpper lässt uns tief in die Seele einer Frau schauen, die unendlich unzufrieden und einsam ist. Sie nimmt uns mit auf die Reise dieses Menschen in den Wahn, eine andere werden zu wollen. Das Leben und die Position eines toten Menschen einnehmen zu wollen. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne die geringsten Zweifel, dass der Partner dieser Toten diesen Rollentausch akzeptieren wird. In der sicheren Überzeugung, dass dann alle Probleme gelöst sind. Dass ihr Leben endlich erfüllt und glücklich sein wird.

Als Außenstehende blickt man fassungslos auf den Verlauf, den Helens Plan nimmt. Mit welcher Nüchternheit sie Schritt für Schritt plant. Wie alles in ihren Augen völlig logisch aussieht. Und schüttelt dann den Kopf, weil man sich vergegenwärtigen muss, dass Helen die Menschen in ihrer Umgebung als Marionetten sehen muss, die ganz selbstverständlich ihrer Logik folgen müssen. Was sie natürlich nicht tun. Schließlich handelt es sich um eigenständig denkende Menschen mit ihren ganz eigenen Plänen und Vorstellungen.

Zwischen Krimi und Wahnsinn

Als Helen realisiert, dass sich die Dinge nicht so entwickeln werden, wie sie es in ihrer kranken Seele plant, wird sie zur Gefahr.

Die Liebe der anderen von Silke Knäpper ist ein wirklich wirklich tolles Buch. Ein bisschen Krimi aber ganz viel Psychologie und Wahnsinn. Dabei ganz leise, ohne große Erschütterungen und mit umso mehr Tiefgang. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Silke Knäpper

1967 in Ulm geboren, studierte Romanistik, Germanistik und Anglistik in Wien, Freiburg und Köln.

Nach Lehrtätigkeiten in Saint-Cloud bei Paris und in London kehrte sie 2001 nach Neu-Ulm zurück, wo sie heute als Lehrerin an einem Gymnasium unterrichtet. Für eine Passage aus der Erzählung »Egal, wo man aufwacht« erhielt sie eine erste Auszeichnung beim Irseer Pegasus.

Bei Klöpfer & Meyer erschien 2012 ihr Roman »Im November blüht kein Raps«: »Ein eigen-sinniger Roman«, so Karl-Heinz Ott, »ein Debüt, das heraussticht«.

Buchinfo: Das Lieben der anderen von Silke Knäpper, erschienen bei Klöpfer&Meyer, August 2018, 236 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 22,00, ISBN 978-3-86351-474-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Jill McGown: Mord im alten Pfarrhaus

Heiligabend im englischen Byford. Der Pfarrer besucht heimlich eine junge Frau. Seine Tochter wird von ihrem Ehemann verprügelt und ihre Mutter gesteht einen Mord, den sie nicht begangen hat. Also alles sehr besinnlich. Chiefinspector Lloyd und Sergeant Hill ermitteln.

Mord im alten PfarrhausRechtzeitig zu Weihnachten versinkt das Dörfchen Byford im Schnee. Doch der dichte weiße Schleier kann nicht verbergen, dass es in dem romantischen Dörfchen alles andere als beschaulich zugeht. Vor dem tief verschneiten Pfarrhaus blinkt das Blaulicht der Polizei mit der Weihnachtsbeleuchtung um die Wette. Ausgerechnet an Heiligabend wurde ein Mann ermordet. Für Chiefinspector Lloyd und Sergeant Hill kommt der Fall nicht ungelegen, können sie doch dadurch einem trostlosen Weihnachtsfest entfliehen.

Die Pfarrersfrau war’s! Oder doch nicht?

Die Ermittlungen gestalten sich unerwartet schwierig. Niemand weiß etwas, keiner hat etwas gesehen und wenn doch, passen die gesammelten Informationen hinten und vorne nicht zusammen. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Die Pfarrersfrau gesteht den Mord. Gleich in zwei Versionen. Eine schöne Bescherung!

Eines vorweg für alle Weihnachtshasserinnen und -hasser: Auch wenn Mord im alten Pfarrhaus mit “Ein Weihnachtskrimi” untertitelt ist, ist der einzige Bezug zum Fest der Todestag des Opfers. Ihr könnt also ohne Angst vor Feiertagsdepressionen lesen.

Nichts ist wie es scheint

Jill McGown verwebt geschickt die mysteriösen Vorgänge im Pfarrhaus mit der tiefen Glaubenskrise des Pfarrers und der Liebeskrise zwischen Lloyd und Hill. Nichts ist so einfach wie es scheint und die Ermittlungen geraten mehr als einmal aufs Glatteis.

Dennoch schafft es die Autorin, die Spannung bis zum Ende zu halten und macht das Buch zu einer klaren Leseempfehlung.

Jill McGown

Jill McGown, 1947 im schottischen Campbeltown geboren, arbeitete als Sekretärin, bevor sie sich ganz der Spannungsliteratur verschrieb. Ihre Kriminalromane wurden von Presse und Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen. Jill McGown starb 2007 im englischen Kettering.

Übersetzung: Barbara Först

Buchinfo: Mord im alten Pfarrhaus von Jill McGown, erschienen bei DUMONT, 13.09.2018, 318 Seiten, gebunden, € 18,00, ISBN 978-3-8321-9884-8. Danke für das Leseexemplar.

Julia Corbin: Die Bestimmung des Bösen

In einem Waldstück bei Mannheim werden zwei tote Frauen aufgefunden. Die Leichen sind sehr entstellt und wurden vom Mörder bizarr inszeniert. Und sie sind erst der Auftakt einer unfassbar brutalen Mordserie. Kommissarin Alexis Hall arbeitet gegen die Zeit. Kann sie den Mörder stoppen?

Die Bestimmung des Boesen von Julia CorbinKriminalkommissarin Alexis Hall weiß, wenn das Handy sonntags in aller Frühe klingelt, bedeutet das nichts Gutes. “Ich bin in zehn Minuten bei dir. Keine Stöckelschuhe, es wird matschig”, ruft ihr Kollege Oliver Zagorny gut gelaunt ins Telefon und legt auf.

Als sie kurze Zeit später gemeinsam die Reißinsel bei Mannheim erreichen, ist der Matsch das kleinste Übel, das sie erwartet. Unter einem Baum sind zwei Frauenleichen bizarr arrangiert: Nackt bis auf den Slip, die Beine ineinander verschränkt, die Köpfe aneinander gelehnt.

Maden und Puppen sollen die Lösung bringen

Offensichtlich waren die Leichen bereits einige Tage den Kräften der Natur ausgesetzt. In Augen, Mundhöhle und Nase tummeln sich unzählige Maden. Besonders schlimm sind die Hälse der beiden Frauen zugerichtet. Auch hier waren die offenen Wunden ein willkommenes Fressen für allerlei Getier.

Ein Fall für Kriminalbiologin Karen Hellstern, die sich auf die Besiedelung von Leichen durch Aasfresser spezialisiert hat. Akribisch sammelt sie Tiere in allen Entwicklungsstadien ein und wertet ihren Fund unter Hochdruck aus. Tatsächlich findet sie erste Hinweise auf den Tatort, denn der ist eindeutig ein anderer als die jeweiligen Auffindeorte.

Doch dann ändert der Täter scheinbar sein Vorgehen und stürzt Kommissarin Alexis Hall damit in eine tiefe Krise. Offensichtlich weiß er um ihr gut gehütetes Geheimnis.

Julia Corbin hat mich gleich zweimal gepackt

Die Bestimmung des Bösen habe ich verschlungen, kaum dass sie im Haus war. Aber irgendwie habe ich die Rezension vergessen. Letzte Woche habe ich diese nachholen wollen und etwas hin und her geblättert. Und was soll ich sagen: Ich habe es nochmal lesen müssen. Weil dieses Buch so spannend ist. Und überraschenderweise hat es auch wieder einen aktuellen Bezug.

Ich habe mit Alexis Hall mitgelitten, um ihren Kater gebangt, an ihr gezweifelt. Ich stand gefühlt neben Karen Hellstern und habe DNA isoliert, wie in meiner Studienzeit. Ich habe mit den Opfern mitgelitten, die von ihrem Peiniger maßlos kaltblütig gequält wurden. Und ich war mir bis zum Ende nicht sicher, wer dieser Peiniger ist.

Mit Die Bestimmung des Bösen hat Julia Corbin einen Thriller abgeliefert, der diesen Namen wirklich verdient. Von mit ein klares Daumen hoch!

Julia Corbin

Julia Corbin, geboren 1980, studierte Biologie in Heidelberg. Die Arbeit als Biologin inspirierte sie auch zu ihren Thrillern „Die Bestimmung des Bösen“ und „Das Gift der Wahrheit“ mit dem Team Hall & Hellstern. Ihre Leidenschaft für Nervenkitzel lebt die Autorin nicht nur in ihren Büchern, sondern auch bei Sportarten wie Kite- und Windsurfen oder Extrem-Hindernisläufen aus. Sie wohnt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn und gibt Kurse in Kreativem Schreiben.

Buchinfo: Die Bestimmung des Bösen von Julia Corbin, erschienen bei DIANA, Mai 2017, 416 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35934-5. Vielen Dank für das Leseexemplar.Die Bestimmung des Boesen von Julia Corbin