Candice Fox: Eden

Wer öfter auf leselustich.com stöbert, weiß: Ich liebe Krimis und noch mehr richtig dunkle Thriller. Cody Mcfadyen, Sebastian Fitzek und seit Hades auch Candice Fox. Genau wie FcFadyens Der Menschenmacher, hatte mich Hades sofort in den Bann gezogen. Deshalb habe ich gespannt auf Eden, Teil zwei der Trilogie von Candice Fox gewartet. Und kaum war das Buch da, war alles andere auf Priorität zwei zurückgestuft.

edenWährend Hades ausführlich schildert, wie Eden und ihr Bruder Eric zu dem wurden, was sie sind, beleuchtet Eden die Vergangenheit von Heinrich Hades Archer. Als Kind verlassen, sieht er die einzige Überlebenschance in der Kriminalität. Unter dem Schutz von “Bär”, seinem Gönner, entwickelt der kleine Heinrich ungeahnte Talente, die ihn zu dem werden lassen, was er heute ist: Das kriminelle Mastermind von Sidney. Eine Vergangenheit, die Eden und Eric das Leben gerettet hat. Und eine Vergangenheit, die Heinrich Archer jetzt einholt. Denn Hades hat einen Stalker.

Detective Bennett im Einsatz für das Böse

Ausgerechnet Detective Frank Bennett, Edens Kollege bei der Mordkommission, soll Hades’ Verfolger in die Schranken weisen. Leichter gesagt als getan, denn der junge Mann ist nicht so leicht zu beeindrucken. Er will das Schicksal seiner Tante aufklären und das ist untrennbar mit Hades verbunden. Frank muss zu ungewöhnlichen Mittel greifen, um seine Aufgabe zu erfüllen.

Ungewöhnliche Wege geht währenddessen auch Eden. Undercover verdingt sie sich auf einer Farm im australischen Outback. Hier will sie einem vermeintlichen Serienkiller das Handwerk legen und gerät selbst in Bedrängnis. Nur knapp kann sie einem Anschlag entgehen.

Gefesselt von Eden

Eden – das sind drei parallel Handlungsstränge. Wobei zwei davon für mich sehr schnell nebensächlich wurden, denn die Geschichte des Heinrich Hades Archer dominiert eindeutig. Zumindest bei mir. Candice Fox hat mich zum zweiten Mal innerhalb von Minuten ganz tief in ihre Parallelwelt aus Gewalt und Hass hineingezogen. Ich fürchte, ich bin ihr verfallen! Fall, Teil drei der Trilogie, ist für mich ein Muss!

Ganz klare Leseempfehlung für Fans düsterer und vielschichtiger Thriller!

Candice Fox

Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Hades ist der erste Teil einer Trilogie, Eden der zweite und Fall folgt in den nächsten Monaten.

Buchinfo: Eden von Candice Fox, erschienen bei Suhrkamp, 12.09.2016, 476 Seiten, Klappenbroschur, € 15,95, ISBN: 978-3-518-46714-5. Natürlich auch als eBook erhältlich. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Elisabeth Zumkehr: Vegetarisch unterwegs im Markgräflerland

In meinem letzten Beitrag habe ich euch mit der wilden Waldküche bekannt gemacht. Ein Buch, das so viele Erinnerung wachgerufen hat. Deshalb bleibe ich den Kochbüchern noch eine weitere Runde treu und beweise euch, dass deftige Hausmannskost und vegetarische Küche sich nicht widersprechen. 

vegetarisch-unterwegs-im-markgraeflerland-elisabeth-zumkehr-20752„Ach was?“, werden jetzt die Vegetarier und Veganerinnen unter uns ironisch denken. Aber ist es nicht ein häufiges Argument? „Früher hat man auch nicht vegetarisch und so…“ „Zu deftiger Hausmannskost gehört ein gutes Stück Fleisch.“

Früher war mehr Lametta!

Doch, früher hat man sehr wohl vegetarisch und so… Denn früher wurde weniger Fleisch gegessen als heute. Auf den Tisch kam, was der Garten zu bieten hatte und wenn geschlachtet wurde, gab es Fleisch. Das merkt man auch den Gerichten an, die Elisabeth Zumkehr in Vegetarisch unterwegs im Markgräflerland gesammelt hat.

Der Graupen-Erbsen-Eintopf köchelt gerade in meiner Küche vor sich hin. Ich kenne ihn in den unterschiedlichsten Gemüsevariationen noch von früher. Was gerade Saison hatte wurde mit sättigenden Graupen zu einem amtlichen Eintopf gekocht.

Im Winter wurden rote Bete eingelegt, zu Ostern gab es Eier in Senfsoße mit Reis oder Kartoffeln. Pellkartoffeln mit Quark haben so manche Kartoffelernte abgeschlossen. Als Variante auch gerne im „Kartoffelfeuer“, also dem Feuer aus dem verdorrten Grün der Pflanzen, geröstete Kartoffeln mit Quark.

Ohne Hack hat auch Geschmack

Ok, die Wirsingrollen waren bei uns mit Hackfleisch gefüllt, aber sie schmecken auch vermutlich auch mit der Kartoffelfüllung, die Elisabeth Zumkehr in Vegetarisch unterwegs im Markgräflerland vorschlägt prima. Ich werde es testen. Die passende Zeit für frischen Wirsing ist ja gerade.

Nun habe ich ja bislang überwiegend Gerichte aufgezählt, die sowieso gut ohne Fleisch auskommen, aber dabei belässt es Elisabeth Zumkehr nicht. Sie bietet auch leckere Alternativen an, die zum Nachkochen reizen. Zumindest mich!

  • Linsen-Kartoffel-Aufstrich
  • Vegetarische Leberwurst
  • Grünkernfrikadellen
  • Linsenfrikadellen
Und was ist mit Süßkram im Markgräflerland?

Für die Süßschnäbel ist Vegetarisch unterwegs im Markgräflerland ein echter Volltreffer.

  • Hüsinger Kuchen (ob der wohl was mit Sascha zu tun hat?)
  • Fastnachtsküchli
  • Dampfnudeln mit Weinsoße (auch lecker mit Apfel- oder Zwetschgenmus!)
  • Kirschküchle
  • Bratäpfel mit Vanillesoße
  • Süße Kürbiscreme
  • Arme Ritter
  • Scharfe Früchtchen mit Schoko-Avocado-Mousse
  • Süßer Erdbeer-Rhabarber-Auflauf

Lecker!

Abgerundet wird der Streichzug durch das Markgräflerland durch zahlreiche Impressionen von Land und Leuten und einem kleinen Führer durch Gasthöfe und Restaurants, die ihr Gäste auch vegetarisch verwöhnen wollen.

Tolles Buch, tolle Rezepte, tolle Bilder

Vegetarisch unterwegs im Markgräflerland hat sich bei mir sofort einen Platz im Bücherregal erobert und wird in den nächsten Wochen auch klar Einfluss auf meinen Speiseplan nehmen. Und das nicht nur, weil die vielen leckeren Fotos Lust auf mehr machen, sondern weil, wie bereits in Wilde Waldküche, viele Erinnerungen an meine Kindheit geweckt wurden. Deshalb ein dickes fettes JA zu diesem außergewöhnlichen Buch.

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In den Rebbergen bieten die dunklen Färbertrauben ein wunderschönes Farbenspiel (Quelle: Werbegemeinschaft MarkgräflerLand GmbH)

 

Elisabeth Zumkehr

Elisabeth Zumkehrs große Leidenschaft ist das Kochen und Backen. Besonders gerne probiert sie neue, kreative Gerichte aus, doch auch die typischen Gerichte aus ihrer Heimat – dem Markgräflerland – dürfen auf ihrem Speiseplan nicht fehlen. Sie legt dabei sehr viel Wert auf eine gesunde Ernährung mit frischen Zutaten. Neben dem Kochen und Backen liebt sie es das Markgräflerland über die vielen Wanderwege zu erkunden.

Nach einer Lehre zur Fleischfachverkäuferin hat sie schon früh eine Familie gegründet und ist Mutter zweier nun erwachsener Töchter. Lange Zeit war sie im kreativen Bereich mit dem Fertigen von Teddybären tätig. Mittlerweile 49 Jahre alt und zur Vegetarierin geworden, kocht sie nun schon seit vielen Jahren in der Narayana-/ Unimedica-Küche.

Buchinfo: Vegetarisch unterwegs im Markgräflerland von Elisabeth Zumkehr, erschienen bei Unimedica, 2016, 336 Seiten, gebunden, € 24,80, ISBN: 978-3-946566-04-5

 

Linda Louis: Wilde Waldküche

Es lässt sich nicht leugnen, der Herbst ist da! So richtig bewusst wurde mir das gestern auf dem Heimweg von meiner Friseurin. Die Strecke führt durch mehrere Waldstücke und fast handtellergroße Pilze haben mich daran erinnert, dass ich euch längst ein tolles Buch vom Hädecke Verlag vorstellen wollte: Wilde Waldküche von Linda Louis.

wilde-waldkucheIch erinnere mich noch gut, wie ich als Kind und auch noch als Teenager mit meiner Großtante im Spätsommer auf der Suche nach wilden Brombeeren durch den Wald gestreift bin. Erbeutet haben wir nicht nur saftige Beeren sondern auch unzählige Schrammen durch die Dornen. Aber der Geschmack der köstlich-fruchtigen Marmelade hat später alles wett gemacht. Gleiches gilt für den Holunder, nur ohne Schrammen. Dafür aber mit einer blau verspritzen Küche, bis die Dolden zu herbem Saft für leckeres Holundergelee verarbeitet war.

Heute wandelt meine Nichte auf diesen alten Pfaden. Im Frühjahr, wenn der Bärlauch den Wald satt grün färbt. Und überraschend viele Bekannte sammeln Pilze.

Dabei hält der Wald noch viel mehr bereit:

  • Brennnessel und Knoblauchrauke
  • Walderdbeeren und Waldmeister
  • Hagebutte und Haselnuss
  • Birke und Esskastanie
  • Wildkirsche und Walnuss
  • Rotkappen und Pfifferlinge

Linda Louis zeigt, wie, wann und wo man die Schätze des Waldes findet, wie man sie richtig erntet und zu man die Beute verarbeiten kann.

  • Exotische Frühlingsrollen mit Knoblauchrauke setzen die Frische der Produkte lecker in Szene
  • Hagebutten wandern in den Waldketchup
  • Junge Fichtentriebe werden zu Sirup  und Robinienblüten zu Likör verarbeitet
  • Und die heimischen Pilze landen in Suppen, Aufstrichen oder Aufläufen

Ein wirklich tolles Buch, das zeigt, wie viel unsere Natur zu bieten hat. Aber auch, was wir verlernt haben, zu nutzen.

Ich empfehle es allen, die sich intensiv mit einer sinnvollen Ernährung auseinandersetzen, denn wenn man in der Waldküche „einkauft“, gibt es die Bewegung als Kalorienausgleich frei Haus dazu.

Linda Louis

Seit vielen Jahren sammelt Linda Louis Wildpflanzen in den Wäldern ihrer französischen Heimat. An den Wochenenden streift sie durch den Forst, der weit entfernt von städtischen Gebieten oder bewirtschafteten Agrarflächen Bäume, Sträucher, Kräuter, Blumen und Pilze bietet, die eine wilde Küche im wahrsten Sinne des Wortes erlauben.

Buchinfo: Wilde Waldküche von Linda Louis, erschienen bei Hädecke, 320 Seiten, gebunden, € 29,90, ISBN 978-3-7750-0628-6

 

Max Zadow: Mordkater plus Gewinnspiel

Ich mag ja Überraschungen. Kürzlich hatte ich wieder eine im Briefkasten. Ein großer, brauner, ganz normaler Umschlag. Kein Absender. Inhalt von außen tastbar: Ziemlich sicher zwei Bücher.

MordskaterAn und für sich keine Seltenheit, aber im Normalfall anders verpackt und mit Absender. Ich war neugierig.

In der Wohnung angekommen, wurde der Umschlag sofort aufgerissen. Immer noch nicht schlauer. Jedes Buch, inzwischen war ich mir selbst da nicht mehr ganz sicher, einzeln in weißes Kopierpapier gewickelt. So kam noch kein Buch vom Verlag.

Vorsicht: Cat Content!

Papier von Paket eins abgerissen. Grinsen im Gesicht. Elvis, der Mordskater, schaut mir entgegen. Letztes Jahr im Herbst bin ich ihm zum Opfer gefallen und habe den “Butzelmann” mit viel Genuss verschlungen. Ein bisschen habe ich mich dafür geschämt. Katzenbücher… so weit ist es mit mir schon gekommen. Trotzdem bin ich heimlich, still und leise immer mal wieder über die Facebookseite von Max Zadow, dem Autor, geschlichen, um zu sehen, wann Nachschub kommt. Jetzt hatte ich ihn in den Händen. Einfach so und gleich in doppelter Ausfertigung. Den doppelten Elvis quasi.

Aber warum gleich zwei Exemplare? Weiß der Autor, dass ich manchmal etwas schusselig bin und Dinge verlege? Wenn ja, wer hat es ihm verraten? Oder hat er gleich Hundert selbst gekauft und weiß nun nicht wohin damit?

Eins für mich, eins für Dich

Alles falsch. Max Zadow dachte sich: Wenn ihr das Buch gefällt, kennt sie vielleicht noch jemanden, dem es gefallen könnte. Also hat er beide Bücher mit einer persönlichen Widmung* versehen. Meines personalisiert, deines neutral. Schließlich weiß er nicht, wer du bist. Und ich weiß es auch noch nicht.

Ehe ich dir verrate, wie du den Mordskater für dich gewinnen kannst, gibt es einen kleinen Einblick in die neuesten Abenteuer des kleinen Glückskaters.

Glücklich aber unfruchtbar

Dreifarbige Katzen, schwarz-weiß-rot, nennt man im Volksmund Glückskatzen. Und meist sind es auch wirklich Katzen. Dreifarbige Kater sind äußerst selten und fast immer unfruchtbar. Ein Wissen, das männliche Besitzer vielleicht nicht so ganz einfach verschmerzen können. Aber so ist es nun mal. Entweder Rarität oder fruchtbar. Was Elvis im Grunde aber völlig egal sein kann. Er soll eh keine Babys…. Aber lassen wir das.

Wie schon in Elvis hat das Gebäude verlassen, spielen Herr und Frau Dr. Hiller, die Balkon-Nazis von nebenan, wieder eine tragende oder vielmehr dramatische Rolle. Ihr Graupapagei Goethe ist in seinem Käfig aufs Brutalste gemeuchelt worden. Klar, dass Dr. Hiller Elvis die Schuld in die Schuhe schieben will. Aber nicht mit Max und seiner Freundin Laura. Wozu ist diese schließlich Staatsanwältin?

Goethe ist tot

Eine spannende und amüsante Jagd nach dem Täter beginnt. Die heimliche Obduktion des Mordopfers bringt schließlich Licht ins Dunkel und wie in jedem guten Krimi, ist am Ende alles ganz anders, als ursprünglich vermutet.

Eines der Highlights auch in diesem wieder: Jupp Boor, der Kölsche Hausmeister, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Kölsch eben**. Und natürlich Kevin, sein Klingonenkater.

Auch das zweite Buch von Max Zadow habe ich wieder mit sattem Grinsen im Gesicht gelesen. Allerdings fand es ich es nicht ganz so locker flockig wie das Erstlingswerk. Und Kartoffelgabeln werde ich lange Zeit nicht mehr wertfrei betrachten können. Zum Glück verwende ich keine.

Trotzdem bin ich jetzt schon gespannt, wie es mit Elvis, Lisa und Max weitergeht. Ich vermute mal, in der nächsten Folge wird ein Bernhardiner eine nicht unwichtige Rolle spielen. Woher ich das weiß? Lest doch selbst nach!

Und jetzt bist du dran

Wie bereits oben erwähnt, hat mir Max Zadow zwei Exemplare von Mordskater zukommen lassen. Eines davon ist schon für dich signiert.

Und so kommt es zu dir:

  • Hinterlasse ab sofort bis spätestens 17.07.2016 unter diesem Blogpost einen Kommentar.
  • Beantworte darin die folgende Frage: Was war deine spannendste/witzigste/dramatischste Geschichte mit (d)einer Katze? Vielleicht inspirierst du ja Max Zadow damit zu seinem nächsten Buch?!
  • Verlost wird  ein signiertes Exemplar des o.g. Buches. Danke dafür an den Autor.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 20.07.2016.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail- und Versandadresse werden von mir ausschließlich zum Versand des Buches verwendet.
  • Gib keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Viel Glück und viel Spaß mit Elvis!

* gut, dass der Buchdruck erfunden worden ist und wir auf Manuskripte verzichten können😉
** keine Sorge, es gibt ein umfassendes Glossar für alle Nichtkölner.

Max Zadow

Max Zadow, geboren 1986, hat Geographie studiert und lebt in der Nähe von Köln. Seit Sommer 2012 ist er eher unfreiwilliger Katzenbesitzer. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Kater und Autor ist der allabendliche Spaziergang Pflichtprogramm für die beiden Herren.

Buchinfo: Mordskater von Max Zadow, erschienen bei Ullstein, 17.06.2016, 224 Seiten, € 9,99, ISBN-13 978-3-548-28670-9. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Rudolf – Der Kaffee aus Schorndorf

Ich gestehe: Ein Morgen ohne meine heißgeliebte Latte Macchiato ist ein schlechter Morgen. Ehe das Notebook aufgeklappt wird, muss der erste Schluck genüsslich geschlürft sein. Das ist der große Luxus, den man als Cloudworkerin von daheim aus arbeitet.

Foto 1Mein Vollautomat mahlt die frisch geröstete Bohne meiner Wahl im perfekten Mahlgrad und der für mich passenden Stärke. Die Milch für die Latte Macchiato wird frisch aufgeschäumt. Dann fließt der Kaffee langsam auf auf den fluffigen Schaum und hinterlässt ein appetitliches Muster auf der Oberfläche (ok, das ist gelogen, ich bin keine Barista, aber es klingt lecker). Langsam bilden sich die typischen drei Schichten aus:

  • warme Milche
  • leckerer Kaffee
  • reichlich luftiger Milchschaum

Als überzeugter Fan regionaler Produkte bin ich im Winter 2015 über den Kaffee der Firma Rudolf in Schorndorf gestolpert. Klar können auch die in unseren Breiten keinen Kaffee anbauen, aber sie rösten ihn besonders schonend im Langzeitröstverfahren. Dann wird jede Bohne doppelt handverlesen. Eine Arbeit, die ich mir vor einigen Tagen anschauen konnte.

Die Guten in Töpfchen, die Schlechten in Kröpfchen

In atemberaubender Geschwindigkeit wandern die frisch gerösteten Bohnen über ein Band und genauso flink sortiert Herr Rudolf kleine Steinchen und zu schwach oder zu stark geröstete Bohnen aus. Wichtig dabei: Gleichbleibendes Licht. An einem wolkigen Tag wie bei meinem Besuch muss der Arbeitsraum abgedunkelt und mit künstlichem Licht gearbeitet werden, um gleichbleibende Qualität zu garantieren.

Auf meine Frage, wie lange man braucht, bis man beim Sortieren eine solche Geschwindigkeit erreicht, schmunzelt Herr Rudolf

Ich habe den Beruf richtig gelernt und mache das jetzt seit rund 45 Jahren…

Beim Zusehen genieße ich einen der besten Espressi, die ich seit langer Zeit getrunken habe. So richtig voll und rund im Mund. Samtig, schwer zu beschreiben. Da kratzt nichts, da ist keine bittere Note, keine Säure. Einfach nur guter Espresso. Und das von der Hausmarke, also eigentlich ein Allrounder für den Vollautomaten. Den nehme ich auf jeden Fall mit. Er sollte perfekt sein, wenn Besuch kommt. Stark genug für meine Latte Macchiato, weich und vollmundig genug für die klassische Tasse Kaffee.

Foto 3

 

 

In meinen Einkaufskorb wandert auch ein Espresso Oro Nero, ein feiner, kräftiger Espresso mit sehr dunkler Röstung. Darauf bin ich auch schon sehr gespannt.

Die Auswahl ist groß

Wer in die schlichte Halle kommt, die neben der Produktion auch dem Verkauf auch die Fertigung beherbergt, sollte sich vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen. Schlichte Ausstattung bedeutet in diesem Fall die Reduktion auf das Maximum. Das Maximum an gutem Geschmack.

Hier ein Überlick:

  • Arabica: Aus Zentralamerika und Ostafrika, absoluter Spitzenkaffee ohne Säure
  • Schorndorfer Kaffee: Milder Filterkaffee ohne Säure, harmonisch und weich
  • Exquisit: Rudolfs bester Filterkaffee, sehr fein, elegant und weich, feiner Arabica
  • Café Creme: Kräftiger, würziger Kaffee für Vollautomaten und Filter, Arabica und Robusta
  • Schümli: Feiner, milder Einsteiger für den Vollautomaten, Arabica und Robusta
  • Hausmarke: Allrounder für den Vollautomaten, dunkle Röstung, feine Schoko-Note
  • Spezialmischung: Milder, feiner Filterkaffee, Arabica und Robusta
  • Mexiko: Kräftiger, würziger Filterkaffee mit leichter Hasenussnote, Arabica aus Mexico, Honduras und Ostafrika
  • Entcoff: Sehr weich und mild
  • Italienischer Espresso: Typisch italienisch, sehr kräftig
  • Espresso Oro: kräftigster Espresso für DEN Espressoliebhaber, leicht herb, Geschmack nach Bitterschokolade
  • Espresso Oro Nero: feiner, kräftiger Espresso, fein abgestimmt aus Arabica und Robusta
  • Maragogype: auch Elefanten- oder Riesenbohne, mild, samtig, nussig im Geschmack
  • Jamaica Blue Mountains: Sehr edler, voller Geschmack, weicher Charakter mit feinem Schokoduft

Saisonal gibt es auch noch kleine Extras, z.B. Rudolfs Weihnachtsmischung, die ich letztes Jahr verschenkt habe. Auch fair gehandelte Produkte werden angeboten.

Ein tiefer Blick in die Kaffeewelt

Ab 20 Personen kann man sich von Gerhard Rudolf auch ganz individuell in die Geheimnisse der Kaffeewelt einführen lassen. Oder man wartet einfach auf die Umstellung der Uhr auf die Winter- bzw. Sommerzeit. Dann ist bei Kaffee Rudolf Tag der offenen Tür und man kann einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Übrigens, die Rösterei Rudolf gehört zu den wenigen verbliebenen Unternehmen, die noch selbst rösten. Nicht nur für den eigenen Verkauf, sondern auch für diverse Kaffeehändler, die zwar ihre individuelle Hausmarken verkaufen, aber eben nicht selbst rösten.

Wer jetzt Lust auf guten Kaffee aus dem Remstal bekommen hat, der kann entweder Montag bis Freitag von 07:30 Uhr bis 18:00 Uhr, samstags von 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr beim Röstereiverkauf vorbei kommen, im Online-Shop bestellen oder sich in den regionalen Supermärkten umsehen.

Ich verspreche: Es lohnt sich!

Candice Fox: Hades

Marcus und Morgan sollten sterben. Sie waren “nur” ein Kollateralschaden, den Hades Archer, das kriminelle Mastermind von Sidney, ausbügeln sollte. Zwanzig Jahre später tauchen sie als Eric und Eden wieder auf der Bildfläche auf. Als Cops. Cops mit dem gewissen Extra.

HadesHades Archer ist die graue Eminenz der australischen Unterwelt. Auf seiner privaten Mülldeponie verschwindet nicht nur der Wohlstandsmüll der Umgebung. Sie ist auch das Ziel zwielichtiger Gestalten, die die “Opfer” ihrer Aktivitäten auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen wollen. Gegen entsprechende Bezahlung kümmert sich Hades darum. Und er macht seinen Job so gut, dass ihm die Polizei nichts nachweisen kann. Mörder, Vergewaltiger, Kinderschänder sind von heute auf morgen wie vom Erdboden verschluckt.

Hades vernichtet das Böse

An einem regnerischen Abend legt ihm ein Unbekannter ein blutiges Bündel vor die Füße. Der Größe nach kann es sich nur um ein Kind handeln. Er habe gehört, dass Hades Spuren verwischen könne. Sicher könne er doch auch ihm helfen. Ein Überfall sei aus dem Ruder gelaufen, der Kollege haben die Eltern, stadtbekannte Millionäre, in Panik erschossen. Die beiden Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, hätten sie erst an Pädophile verkaufen wollen, dann aber eingesehen, dass das wegen der Prominenz der Eltern vermutlich nicht klappen würde. Also hätten sie die Kinder erschlagen. Hades solle sie nun “entsorgen”.

Als er sieht, dass das Bündel sich noch bewegt, greift Hades tatsächlich ein. Allerdings anders, als der kleine Ganove es sich erhofft hat. Die Müllkippe wird das letzte sein, was er in seinem Leben sieht.

Wenn man Mörder versteht

Es gibt Bücher, die packen mich von der allerersten Seite. Hades von Candice Fox gehört ganz eindeutig dazu. Gerne hätte ich es bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand gelegt, aber ich musste mich gedulden und wurde auf ganzer Länge belohnt.

Bücher, in denen mehrere Handlungsstränge von Anfang bis Ende parallel laufen, sind eigentlich nicht so mein Ding. In diesem Fall war das anders. Die drei Hauptstränge waren von Anfang an so transparent, dass ich bei keinem Perspektivwechsel grübeln musste, wo ich gerade bin. Candice Fox hat die Übergänge sehr fließend eingebaut.

Aber sie hat noch etwas anderes erreicht. Etwas, was mir bislang erst zwei- oder dreimal passiert ist. Sie hat erreicht, dass ich mich in Eden hineinversetzen, ihr Verhalten verstehen konnte. Selbst dann noch, wenn es darum geht, einen Menschen zu töten.

Diese Bücher hatten alle eines gemeinsam: Sie haben die Entwicklung der Protagonisten sehr schonungslos geschildert. Mit aller Härte, aber auch mit aller Verunsicherung und Verletzlichkeit. Und sie lassen mich immer verwirrt zurück. Wie kann ich Selbstjustiz und eiskalten Mord nachvollziehbar finden? Ganz einfach, weil Autoren wie Candice Fox in Hades es hervorragend verstehen, Emotionen wertfrei zu transportieren.

Ich bin angefixt

Candice Fox hat mich angefixt. Ich bin super neugierig auf die Fortsetzung der Hades-Trilogie. “Eden”, Teil zwei, erscheint im September 2016 ebenfalls bei Suhrkamp. Teil drei, “Fall”, ist für Frühjahr 2017 angekündigt.

Edit: Inzwischen ist „Eden“ erschienen und ich habe das Buch „inhaliert“! Meine Meinung dazu gibt es natürlich hier im Blog.

Candice Fox

Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Hades ist der erste Teil einer Trilogie, Eden und Fall folgen in den nächsten Monaten.

Buchinfo: Hades von Candice Fox, erschienen bei Suhrkamp, Mai 2016, 341 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-518-46673-5. Auch als eBook erhältlich. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Petra Durst-Benning: Kräuter der Provinz

Theresa liebt ihr Maierhofen, idyllisch gelegen mitten in grünen Wiesen und sanften Hügeln. Trotzdem macht Sie sich als Bürgermeisterin sorgen um ihr Dorf. Die jungen Leute ziehen in die Stadt, Läden schließen. Es gibt einfach zu wenig attraktive Arbeitsplätze. Und auch touristisch ist Maierhofen nicht so außergewöhnlich, dass der Ort davon leben könnte. Das muss sich ändern.

Kräuter der ProvinzTherese ist als Wirtin der Goldenen Rose eine Instanz im malerisch gelegenen Maierhofen. Freundlich, hilfsbereit und engagiert. Aber sie ist auch die Bürgermeisterin und in dieser Funktion alles andere als glücklich was die Entwicklung des Dorfes angeht.

Maierhofen ist nicht attraktiv genug für interessante und interessierte Arbeitgeber und gesellschaftlich ist auch nicht viel geboten. Zumindest nichts, was die jungen Leute davon abhalten würde, ihr Glück in der Stadt zu suchen.

Maierhofen stirbt

Sie braucht sich nur in ihrem eigenen Gasthaus umzusehen, schon hat sie vor Augen, wie sehr die Zeit in Maierhofen stehen geblieben ist. Überall leuchtet ihr noch der 70er Jahre Schick entgegen. Es hilft alles nicht, eine Lösung muss her!

Therese wäre nicht Therese, wenn sie sich nicht zu helfen wüsste. Ein Marktetingprofi muss her. Jemand, der Maierhofen so richtig gut ins rechte Licht setzt.. Auch wenn Therese keine Ahnung hat, wie sie den Auftrag finanzieren soll, die Kassen von Maierhofen sind leer.

Wie so oft in scheinbar ausweglosen Situationen hilft der Zufall auf die Sprünge. Thereses ehemalige Mitschülerin ist eine gefeierte Fachfrau für Imagekampagnen. Sie muss helfen!

Maierhofen ist überall

Mit Maierhofen hat sich Petra Durst-Benning ein Dorf ausgewählt, das überall in Deutschland sein könnte. Läden schließen, Kneipen machen dicht. Senioren wissen nicht mehr, wo sie einkaufen sollen. Junge Leute ziehen den attraktiven Arbeitsplätzen hinterher.

Dabei hat fast jeder Ort seinen ganz eigenen Liebreiz. Seine Besonderheiten, die es hervorzuheben gilt. Maierhofen und seine Bewohner schaffen das auf eine ganz individuelle Art und Weise. So, dass jeder sich und seine Stärken einbringen und Besucher verzaubern kann.

Überall ist Hoffnung

Petra Durst-Benning zeichnet mit “Kräuter der Provinz” ein liebesvolles Portrait eines schwäbischen Dorfes, das sich mit Kreativität, Mut und Engagement aus der Verödungsmisere zieht. Eventuell eine Blaupause für den ein oder anderen Ort? Eine Anregung auf jeden Fall.

Ich habe mich ein bisschen in Maierhofen und seine Einwohner verliebt. Und das liegt nicht nur an den verlockenden Rezepten, die Petra Durst-Benning gleich mitliefert.

Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning wurde 1965 in Baden-Württemberg geboren. Seit über zwanzig Jahren schreibt sie historische und zeitgenössische Romane. Fast all ihre Bücher sind SPIEGEL-Bestseller und wurden in verschiedenen Sprachen übersetzt. In Amerika ist Petra Durst-Benning ebenfalls eine gefeierte Bestsellerautorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Hunden südlich von Stuttgart auf dem Land.

Buchinfo: Kräuter der Provinz von Petra Durst-Benning, erschienen bei blanvalet, September 2016, 509 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0011-6