Oliver Hilmes: Berlin 1936

Berlin im August 1936. Die Olympischen Spiele rücken die Stadt ins Zentrum der Weltöffentlichkeit. Die Nazi-Diktatur schaltet in den Pausenmodus, zumindest nach außen. Die Bundestagswahl am 24. September 2017 ist ein passender Anlass, sich die minutiös durchdachte Strategie der Nazis nochmals vor Augen zu führen.

9783827500595_CoverSamstag, 1. August 1936. Bericht des Reichswetterdienstes für Berlin:

Stark wolkig und zeitweise bedeckt mit Regenfällen. Mäßige Südwest- bis Westwinde. Etwas kühler: 19 Grad.

Berlin hat sich für die Olympischen Spiele herausgeputzt. Schließlich will man sich den Gästen und den Medien in aller Welt von der besten Seite zeigen. Das Nazi-Regime will nichts dem Zufall überlassen. Die “Juden verboten”-Schilder sind verschwunden, in Clubs und Restaurants gibt man sich vorübergehend wieder weltoffen. Gleichzeitig entsteht vor den Toren der Stadt das Konzentrationslager Sachsenhausen.

Nie wieder Nazis!

Oliver Hilmes beschreibt in Berlin 1936 ganz nüchtern und distanziert die Wahrnehmungen der unterschiedlichsten Protagonisten. Alteingesessene Berliner, Besucher der Olympischen Spiele, Parteimitglieder, Verfolgte. Und genau das hat mich an diesem Buch unglaublich fasziniert. Wie perfekt die Nazis das Ereignis für ihre Propaganda missbraucht haben.

Für mich hat es die Kaltschnäuzigkeit und die perfide Inszenierung dieses Regimes perfekt auf den Punkt gebracht und der Zeitpunkt, dieses Buch zu empfehlen, könnte nicht besser passen. Am 24.09.2017 wählen wir einen neuen Bundestag und ich wünsche mir, dass sich alle wirklich Gedanken darüber machen, wem sie zum Einzug verhelfen. Niemals möchte ich in einer Gesellschaft leben, in der Menschen aufgrund ihres Glaubens, der Menschen, die sie lieben oder warum auch immer, verfolgt und ausgegrenzt werden.

Ich möchte mir keine Gedanken machen müssen, was ich sagen darf und was nicht. Mir nicht vorschreiben lassen, wen ich mögen darf und wen nicht. Und vor allem möchte ich mir nicht irgendwann selbst vorwerfen müssen, ich hätte nichts dagegen unternommen.

Gebt extremen Rechten keine Stimme im Bundestag. Niemals!

Oliver Hilmes

Oliver Hilmes, 1971 geboren, studierte Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris und Potsdam. Er wurde in Zeitgeschichte promoviert und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker. Seine Bücher über widersprüchliche und faszinierende Frauen „Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Mahler-Werfel“ (2004) und „Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner“ (2007) wurden zu Bestsellern. Zuletzt erschienen „Liszt. Biographie eines Superstars” (2011) und „Ludwig II. Der unzeitgemäße König” (2013).

Buchinfo: Berlin 1936 von Oliver Hilmes, erschienen bei Siedler, Mai 2016, 340 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-8275-0059-5, danke für das Leseexemplar.

Herbarium – 100 Kräuter, Geschichte, Wirkung, Verwendung

Traditionelle Kräuter treffen auf modernes Design. Das Ergebnis: Herbarium von Caz Hildebrand. Altes Kräuterwissen neu verpackt.

HerbariumWoran denkt ihr bei dem Begriff Herbarium? An hölzerne Blumenpressen, die lieblich duftene Blüten zu seidenzarten, fast transparenten Kunstwerken pressen. An getrocknete Pflanzen, von der Blütenspitze bis zum Wurzelende fein säuberlich auf weißen Blättern arrangiert und mit transparenter Folie konserviert wurden? An alte Bücher, in denen mit feinsten Strichen jedes Detail festgehalten und beschrieben wurde?

Ja? Dann geht es euch wie mir. Ich hätte an vieles gedacht, aber nicht an moderne, kreative Designer. Umso neugieriger war ich auf Herbarium von Caz Hildebrand.

Kommen wir erst zu den Gemeinsamkeiten mit einem klassischen Herbarium. Wie gewohnt beginnt auch Caz Hildebrand mit

  • der Herleitung des lateinischen Namens
  • die Herkunft
  • die Standortanforderungen
  • der Wirkungsweise
  • dem Anwendungsbereich
Kräuterkunde 2.0

Anders als herkömmlich Herbarien verpackt die Autorin diese Informationen aber zeitgemäß. So erklärt sie die Giftigkeit der Schneeglöckchen am Beispiel der TV-Serie Breaking Bad, in der der Chemielehrer Walt den kleinen Brock vergiftet, um den Drogenbaron Gustavo Fring zu treffen.

Auch der Einsatz in der Küche wird nicht vernachlässigt und macht das Buch zu einer echten Fundgrube der kreativen Küche.

Mit Herbarium von Caz Hildebrand eine Pflanze zu bestimmen, wird hingegen nur schwer gelingen. Dazu ist die Bebilderung dann doch zu künstlerisch. Aber mal ehrlich, heute macht man das sowieso mit dem Smartphone.

Ich finde, mit Herbarium hat es ein wirklich schönes und spannendes neues Buch in meine Wohnung geschafft, in dem ich gerne Blättern und mich inspirieren lassen werde.

Von mir also ein klares “Daumen hoch”!.

Caz Hildebrand

Caz Hildebrand ist Creative Partner bei Here Design. Sie gestaltete u. a. Kochbuch-Bestseller von Nigella Lawson und Yotam Ottolenghi.

Übersetzung: Heinrich Degen

Bildquelle: Illustrationen © Here Design, Druck DUMONT

Buchinfo: Herbarium von Caz Hildebrand, erschienen bei DUMONT, 19.09.2017, 224 Seiten, 100 farbige Abbildungen, bedruckter und geprägter Einband mit Farbschnitt, farbigem Vorsatz und Lesebändchen, € 30,00, ISBN 978-3-8321-9927-2, Danke für das schöne Leseexemplar

Hans-Hennes Hess: Grillwetter – Anwalt Fickel ermittelt

Anwalt Fickel hat die Ruhe weg. Bis es seiner thüringischen Rostbratwurst an die Pelle gehen soll. Plötzlich häufen sich die Leichen im beschaulichen Meiningen. Doch Fickel bleibt dem Mörder auf der Spur.

9783832163761Das Thüringer Traditionsunternehmen Krautwurst Wurstspezialitäten steht vor dem Aus. Dann verschwindet kurz vor der rettenden Aktion, Krautwurst will mit der längsten Bratwurst der Welt von sich reden machen, auch noch der Insolvenzverwalter. Hat er sich mit dem erwirkten Kredit aus dem Staub gemacht? Oder hat ihn Schlachter Menschner mit seinem Schweinespalter erschlagen?

Regionale Krimis sind seit einigen Jahren im Trend. Nach den ersten Erfolgstiteln sprossen sie plötzlich überall wie Pilze aus dem Boden. Und seien wir ehrlich, mancher davon ist so seicht, dass er auch unter der Erde hätte bleiben können.

Es geht um die Wurst

Grillwetter von Hans-Hennes Hess steht hingegen da wie aus dem Ei gepellt. Kaum ein Klischee der ländlichen Region, das nicht bedient wird:

  • Vetternwirtschaft
  • Sich gegenseitig Hörner aufsetzen
  • In Fettnäpfe treten
  • Heimatverbundenheit
  • “Bauernschläue”
  • Torschlusspanik

Und natürlich viel Humor. Freiwillig oder unfreiwillig.

Ohne zu Spoilern würde ich allerdings empfehlen, beim Lesen keine Bratwurst zu essen. Nur vorsichtshalber.

HHH – nichts für Zartbesaitete

Und sehr zart besaitete Charaktere könnten an der ein oder anderen Stelle leicht pikiert sein. Immerhin nimmt uns Hans-Henner Hess (HHH) mit in ein sehr rustikale Milieu.

Ich habe mich amüsiert.

  • Über die Naivität von Anwalt Fickel, seines Zeichens der Mann zwischen Liebe, Mord und Rostbratwurst.
  • Über die amourösen Verwicklungen auf allen Ebenen.
  • Über die teils humorigen Fußnoten.
  • Grillwetter von Hans-Henner Hess liest sich lecker!
Hans-Hennes Hess

Hans-Henner Hess verbrachte seine Jugend im Schatten der Berliner Mauer mit Tagträumen, Nachtwandeln sowie dem Züchten von winterharten Zierkakteen. Als nach Einführung des Westgelds wichtige Absatzmärkte wegbrachen, sah er sich gezwungen, einen ehrlichen Beruf zu erlernen, und entschied sich irrtümlich für die Juristerei. Beim Verfassen seitenlanger Schriftsätze gewann er Gefallen am Fabulieren und schulte kurzerhand um auf TV-Autor. Seine Erfahrungen im Justizalltag sowie eine angeborene Affinität zu Thüringer Klößen verarbeitet er in der bei DuMont erscheinenden Krimireihe um den relaxten Meininger Anwalt Fickel. Bislang erschienen ›Herrentag‹ (2013), ›Der Bobmörder‹ (2014) und ›Das Schlossgespinst‹ (2016).

Buchinfo: Grillwetter von Hans-Hennes Hess, erschienen bei DUMONT, 22.08.2017, 352 Seiten, € 10,00, ISBN 978-3-8321-6376-1, danke für das Leseexemplar.

Christian V. Ditfurth: Giftflut

Europa befindet sich im Krieg. Anschlag folgt auf Anschlag. Dass sie zusammenhängen, ist offensichtlich. Doch wer steckt dahinter? Auf unorthodoxe Art und Weise nimmt Kriminalkommissar Eugen de Bodt die Ermittlungen auf. Findet er die Verantwortlichen, ehe Europa im Chaos versinkt?

Giftflut von Christian DitfurthIn Berlin wird der Leiter der Wasserwerke tot in seiner Badewanne aufgefunden. Fast zeitgleich sind weite Teile der Stadt kurzzeitig ohne Wasser. Fremde haben sich Zutritt verschafft und die Haupthähne abgedreht.

Vier Tage später. Spätabends in Berlin. Ein dumpfer Schlag ist zu hören. Dann vibriert der Boden. Wie bei einem Erdbeben. Kurz darauf zerreißt Sirenengeheul die abendliche Stille. De Bodt folgt den Einsatzwagen. Die Oberbaumstraße ist gesperrt, alles voller Blinklichter. Polizei, Feuerwehr, Ambulanzen. Von der Oberbaumbrücke ist nur noch ein Gewirr aus Steinen und Metall zu sehen. Dazwischen bunte Flecken. Die U1 und unzählige Autos, die sich gerade auf der Brücke befanden, als sie von irgendwem gesprengt wurde.

Die Rache der Inselstaaten?

Es folgen weitere Anschläge. In Berlin, in London, in Paris. Alle haben mit Wasser zu tun und alle fordern unzählige Todesopfer. Die Börsenkurse rauschen in den Keller, die Menschen sind verunsichert, die Politik sucht händeringend nach Erklärungen.

Klar ist: Wer diese Verbrechen begangen hat, verfügt über unendliche finanzielle Ressourcen. Und er arbeitet nur mit Profis. Was die Gruppe der Verursacher sehr stark eingeschränkt. Kriminalkommissar Eugen de Bodt nimmt mit seinem Team die Spur auf und schreckt dabei – wie üblich – vor unorthodoxen Methoden nicht zurück.

Giftflut ist das zweite Buch von Christian v. Ditfurth, das ich lese. Und wie bei Zwei Sekunden bin ich wieder begeistert.

Ich mag Storys, die mit kurzen Sätzen und direkter, schnörkelloser Sprache erzählt werden. Sie sorgen für Tempo und Spannung, was für mich einen harten Thriller ausmacht.

Themen, die die Welt aktuell bewegen

Auch mit der Themenwahl hat Christian v. Ditfurth mit Giftflut bei mir einen Volltreffer gelandet. Wie schon bei Zwei Sekunden ist sie top aktuell:

  • Klimawandel
  • Terrorismus
  • Bankenkrise
  • Korruption
  • Flüchtlingsbewegungen

Alle Szenarien, die v. Ditfurth in Giftflut skizziert, sind vorstellbar aber nicht vorhersehbar. Ich konnte mich problemlos darauf einlassen und mitgrübeln. Trotzdem war mir Kommissar de Bodt immer eine Nasenspitze voraus. Er ist eben doch der bessere Ermittler von uns beiden. 😉

Und dass mir seine unorthodoxe Arbeitsweise und sein unangepasster Charakter gefällt, wundert vermutlich keinen der mich kennt.

Kaufen, lesen, sich über die Welt Gedanken machen

Ich empfehle Giftflut von Christian v. Ditfurth allen, die auf temporeiche, detailliert erzählte und real vorstellbare Thriller stehen und freue mich schon auf sein nächstes Buch. Mir fallen da noch einige aktuelle Themen ein, die man auf diese Art an politisch uninteressierte Menschen bringen können.

Christian v. Ditfurth

Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in Berlin und in der Bretagne. Er hat zahlreiche Sachbücher geschrieben, zuletzt Deutsche Geschichte für Dummies. Neben Thrillern wie Der 21. Juli und Das Moskau-Spiel hat er Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht, die auch in den USA, in England, Australien, Frankreich, Spanien und Israel veröffentlicht wurden. Bei carl’s books erschien zuletzt »Zwei Sekunden. Kommissar de Bodts zweiter Fall«.

Buchinfo: Giftflut von Christian v. Ditfurth, erschienen bei carl’s books, 04.September 2017, 480 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, 15.00 Euro, ISBN: 978-3-570-58565-8, vielen Dank für das Leseexemplar.

Susanne Friedrich: Butterbrot und Liebe

Hannah liebt ihren Job. Zielstrebig und mit viel Ehrgeiz hat sie ihre Marketingagentur aufgebaut und zum Lebensinhalt gemacht. Für die Liebe hat sie keine Zeit. Hinter Christoph liegt ein Leben als Workaholic. Mit seinem Café Butterbrot und Liebe lebt er jetzt seinen Traum. Bis Hannah sein Leben auf den Kopf stellt.

unnamed (1)Als Hannah und Christoph aufeinandertreffen, sprühen sofort die Funken. Alles könnte wunderbar sein, wäre da nicht Hannahs extreme Bindungsangst und die Tatsache, dass Christoph zwölf Jahre jünger ist als sie selbst. Das kann nicht gutgehen, also serviert sie Christoph nach einer kurzen Affäre eiskalt wieder ab.

Mit Tipps und Tricks zur großen Liebe

Doch Hannah hat nicht mit der Hartnäckigkeit des Butterbrot-Gastronomen gerechnet. Für ihn ist sie die große Liebe. Christoph beschließt, um sie zu kämpfen. Dabei stehen ihm seine Freunde und seine Mutter mit Tipps und Tricks zur Seite. Kann die geballte Liebes-Offensive Hannahs zu Eis erstarrtes Herz erwärmen?

Susanne Friedrich nimmt sich in Butterbrot und Liebe zwei wichtige Themen vor:

  • die Kraft bedingungsloser Freundschaft
  • Frau liebt jüngeren Mann

Wer weiß, dass er Menschen hinter sich hat, die einen ohne wenn und aber auffangen, lässt sich viel leichter auf neue und ungewisse Situationen ein, auch auf die Liebe. Gleichzeitig zeigt Butterbrot und Liebe wie wichtig es ist, mit schlimmen Lebenserfahrungen wirklich abzuschließen. Sie holen uns sonst ständig wieder ein und hindern uns am Glücklichsein.

Locker, leichte Urlaubslektüre

Locker und leicht und leider auch sehr vorhersehbar bringt Susanne Friedrich ihren Lesern diese Themen nahe. Dabei geht sie nicht sehr in die Tiefe, so dass sich Butterbrot und Liebe hervorragend als leichte, unkomplizierte Urlaubs- oder Schlechtwetter-unter-der-Decke-mit-einem-Tee-Lektüre eignet.

Da ich Tendenz zur Sprachfetischistin habe, haben mich einige misslungene Redewendungen ziemlich irritiert, zum Beispiel den Zoll fordern statt den Tribut fordern. Insgesamt hätte ich mir ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht. Aber die meisten LeserInnen wird das vermutlich nicht stören und sie werden sicher viel Spaß mit der netten Liebesgeschichte haben.

Susanne Friedrich

Genieße die kleinen Dinge des Lebens – sie machen das Leben großartig. Susanne Friedrichs Leitspruch.

1965 wurde sie als Kind deutscher Eltern in Indien geboren. Weitere Lebensstationen in Singapur, London, Paris und Sankt Petersburg, Russland, folgten. Reisen prägten sie und schenkten ihr vier Sprachen, genau wie unzählige Eindrücke und Erinnerungen.

Gesammelt hat sie das Erlebte zu Beginn durch die Linse ihrer Kamera. Bilder erzählen Geschichten. Später wechselte sie von der Linse zum Stift. Zeit, Geschichten zu erzählen – immer mit der nötigen Prise Humor und einem dicken Augenzwinkern.

Buchinfo: Butterbrot und Liebe von Susanne Friedrich, erschienen bei tredition, 11.07.2017, 269 Seiten, € 11,99, ISBN: 978-3-7439-4188-5. Danke für das Leseexemplar.

Nicecream – und Eiskrem ist gesund

Obst essen ist gesund. Ich weiß das. Deshalb kaufe ich regelmäßig welches, das dann so lange rumliegt, bis es nur noch für die Biotonne taugt. Dabei hasse ich es, Lebensmittel zu vergeuden. Dank Nicecream muss sich die Tonne jetzt wieder mit Schalen und Kernen begnügen.

Vor einigen Wochen hat mir eine Freundin von „Nicecream“ vorgeschwärmt. Das sei die gesunde Art Eis zu essen und ganz nebenbei die perfekte Lösung, überlagerte Bananen los zu werden.

Banane, einfrieren, Nicecream
Die beste Zeit schon hinter sich? Von wegen! Für Nicecream sind sie genau richtig.

Zugegeben, ich war skeptisch. Bestimmt wieder was mit Chia und Superfood und Grünzeug, dessen Chlorophyl ich nicht brauche. Aber es war heiß, meine Lust auf Eis groß und sooo schlecht haben sich die Rezepte nicht gelesen. Außerdem lagen wieder Bananen rum. Eine Mango, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hatte, auch. Also Bananen geschält, in scheiben geschnitten und eingefroten!

Ab unters Messer mit den gefrorenen Bananen

Stunden später. Die Bananenscheiben waren gefroren, die Mango geschält, vom Stein geschnitten und gewürfelt. Der Mixer stand bereit. Auf sonstigen Schnickschnack hatte ich irgendwie keine Lust. Mein Gaumen sagte mir, weniger ist mehr. Banane plus Mango plus einen Spritzer frische Zitrone, das ist perfekt bei dem heißen Wetter. Also ab in den Mixer und rund geht’s.

Das Ergebnis hat mich geschmacklich auf Anhieb begeistert. Frischer, intensiver Fruchtgeschmack, durch die pürierte, gefrorene Banane wunderbar cremig. Das würde mein Lieblingsdessert werden. Oder ein Abendessen an heißen Tagen. Allerdings würde ich noch etwas an der Konsistenz arbeiten müssen. Die konnte etwas kompakter sein.

Bananenscheiben und Obst 1:1 einfrieren

Die Lösung war schnell gefunden. Ok, es war ein Zufallsfund, denn im Gefrierfach hatte ich noch Erdbeeren. Auch gekauft und dann doch nicht gleich verarbeitet. Wie so oft. Doch zurück zur Konsistenz. Warum nur die Bananen einfrieren? Warum nicht die zweite oder dritte Obstkomponente auch gefroren verwenden?

Was soll ich sagen?! Es war die perfekte Lösung! Zwar war das Mixen etwas mühsamer, aber auch das habe ich inzwischen im Griff. Kurz anmixen, ganz leicht antauen lassen, fertigmixen.

Meine bisherige Lieblingskombination ist übrigens Banane mit Heidelbeere. Das Mengenverhältnis etwa eins zu eins. Und sonst nichts dazu. Keine Nüsse, kein Schokolade, keinen Schnickschnack. Wobei ich nicht ausschließe, dass auch sowas mal mit in den Topf wandert. Aber für den Sommer finde ich Obst pur perfekt.

Übrigens friere ich inzwischen gleich gemischte Früchte ein. Das macht die Arbeit noch einfacher. Probier’s doch mal.

Vegan, allergenfrei, kindertauglich

Positiver Nebeneffekt: Diese Eiskrem ist vegan. vegetarisch, laktosefrei, ohne künstlichen Zuckerzusatz und selbst Allergien können individuell berücksichtigt werden, Ganz nebenbei bekommt man mit Nicecream ziemlich sicher auch Obst in unwillige Kinder.

 

Ariel Levy – Gegen alle Regeln

Ariel Levy hat alles erreicht, wovon sie je träumte. Sie ist angesehene Journalistin, liebt ihren Beruf. Verheiratet ist sie mit ihrer großen Liebe Lucy und bald kommt ihr Baby zur Welt. Alles scheint perfekt bis sie ihr Kind verliert.

978-3-426-21430-5_Druck (1)Ariel Levy scheint alles zu gelingen. Mit Hartnäckigkeit, Können und Mut sichert sie sich einen Job als Journalistin beim New Yorker. In Lucy findet sie ihre große Liebe, das Zusammenleben scheint einfach perfekt. Bis der Wunsch nach einem Kind immer größer wird. Doch auch dafür findet sie scheinbar spielend die Lösung: Ein reicher Freund von Ariel und Lucy unterstützt ihren Plan. Alles scheint perfekt.

Auf zur letzten großen Reise

Überzeugt davon, dass nichts sie aufhalten kann, stimmt Ariel einer Recherchereise in die Mongolei zu. Alle raten ihr ab, im fünften Schwangerschaftsmonat solle sie vorsichtig sein und sich schonen. Ariel wischt alle Bedenken beiseite und startet zu ihrer letzten großen Reportage in die Mongolei. Als sie kurz nach ihrer Ankunft ihr Kind verliert, stürzt ihre Welt in sich zusammen.

Selten habe ich ein so offenes und ehrliches Buch gelesen wie Gegen alle Regeln. Ariel Levy hat alle ihre Trauer und Einsamkeit, ihre Wut und ihren maßlosen Schmerz in dieses Buch gepackt. Dabei klagt sie nicht an, macht keine Vorwürfe sondern versucht “nur”, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Denn mit dem Kind hat sich auch ihre Ehepartnerin und ihr Zuhause verloren.

In ihrer Fixierung, endlich Mutter zu werden, hat sie zu lange weggesehen. Wollte nicht wahrhaben, dass Lucy ein Alkoholproblem hatte und längst nicht mehr in der Lage war, ihre Firma zu führen. Schulden sind aufgelaufen, das Haus ist nicht mehr zu halten. Ihr Leben ist explodiert.

So zerbrechlich sind unsere Träume

In Gegen alle Regeln schildert Ariel Levy sehr eindringlich und gut geschrieben, wie zerbrechlich unsere Träume von der Zukunft sind. Wie bereitwillig wir die Augen vor Dingen verschließen, die diesen Träumen gefährlich werden können.

Es ist mir schwer gefallen, dieses Buch aus den Händen zu legen, denn Ariel Levy hat mit ihrem Schreibstil bei mir den richtigen Nerv getroffen. Ich wünsche ihr für die Zukunft alles erdenklich Gute!

Ariel Levy

Ariel Levy wurde 1974 in Larchmont, New York geboren und arbeitet seit vielen Jahren als preisgekrönte Journalistin für das renommierte Kulturmagazin The New Yorker. Ihre Reportage Thanksgiving in Mongolia wurde mit dem National Magazine Award for Essays and Criticism ausgezeichnet. Diese persönliche Geschichte diente als Grundlage für das vorliegende Buch, das international für Aufsehen sorgte.

Buchinfo: Gegen alle Regeln von Ariel Levy, erschienen bei Knaur, 21.08.2017, 240 Seiten, Hardcover, € 19,99, ISBN: 978-3-426-21430-5. Danke für das Leseexemplar.