Karen Sander: Wenn ich tot bin

Als Susan McFarlands 9-jährigen Tochter Madelin spurlos verschwindet, bricht für sie eine Welt zusammen. Zehn Jahre später hat sie sich wieder so etwas wie Normalität erarbeitet. Plötzlich steht Madelin vor der Tür. Das Drama geht in die nächste Runde.

Susan McFarland ist verheiratet. Harper, ihre Tochter, ist acht Jahre alt. Wer sie nicht kennt, ahnt nicht, welche schwere Bürde die besonnene Frau mit sich herumträgt. Zehn Jahre ist es her, dass Sie Madelin, ihre erste Tochter, verloren hat. Von einem Tag auf den anderen war sie plötzlich weg. Trotz intensivster Suche wurde nie eine Spur von ihr gefunden. Eine Situation, mit der Eltern vermutlich nie ihren Frieden schließen können. Auch dann nicht, wenn eigentlich keine Chance mehr bestehen kann, dass das Kind noch lebt.

Zehn Jahre später steht Madelin plötzlich wieder vor Susan. Eine junge Frau hat sie orientierungslos auf der Straße gefunden und sie zu der Adresse gebracht, die sie vor sich hin gemurmelt hat. Wieder zieht es Susan den Boden unter den Füßen weg. Ist die junge Frau wirklich ihre kleine Madelin? Kann sie sie in die Arme schließen, ohne ein böses Erwachen? Susan schaltet die Polizei ein.

Wie oft kann eine Mutter innerlich sterben?

Doch bevor abschließend geklärt werden kann, ob es sich wirklich um die verschollene Madelin handelt, ist das Mädchen erneut spurlos verschwunden. Und als wäre das nicht schon genug, liegt Susans Mann schwer verletzt in der Küche. Was ist passiert? Hat Madelin auf ihn eingestochen? Hat er womöglich etwas mit ihrer Entführung zu tun?

Harper, die Einzige, die die Antwort darauf kennen könnte, ist zutiefst verstört und spricht kein Wort mehr. Detective Sergeant Kate Fincher setzt alles daran, Madelin zu finden und den Fall aufzuklären.

Überraschender Showdown

Wenn ich tot bin von Karen Sanders hat mich in seinen Bann gezogen und ziemlich schnell verwirrt. Es dauert, bis der Grund für das Verwirrspiel klar wird, aber die Lektüre ist bis dahin nie langweilig. Im Gegenteil. Ich habe munter spekuliert, mich auf clever ausgelegte Fährten locken lassen und beim Showdown den Atem angehalten.

Ich lege euch Wenn ich tot bin von Karen Sanders definitiv ans Herz. Ein spannender Thriller mit überraschender Wendung.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Karen Sander

Karen Sander arbeitete viele Jahre als Übersetzerin und unterrichtete an der Universität, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt mit ihrem Mann im Rheinland und hat über die britische Thriller-Autorin Val McDermid promoviert. Unter ihrem wahren Namen Sabine Klewe hat sie bereits zahlreiche Krimis und Thriller geschrieben, bei rororo erscheint außerdem ihre Reihe um Kommissar Georg Stadler und die Psychologin Liz Montario.

Buchinfo: Wenn ich tot bin von Karen Sander, erschienen bei rororo, 18.06.2019, 288 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-499-29159-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Karsten Dusse: Achtsam morden

Anwalt Björn Diemel muss zum Achtsamkeits-Coach. Sein Work-Life-Balance wiederherstellen. Ordnet seine Frau an. Brav folgt Björn Anweisung. Mit unerwarteten Konsequenzen für seine Kunden.

Björn Diemel ist erfolgreicher Anwalt. Und er ist der Bäh-Anwalt der Kanzlei, denn gleich sein erster Kunde ist Clanoberhaupt eines großen Verbrechersyndikats. Ein Kunde, der zwar sehr viel Geld einbringt, mit dem man sich als renommierte Kanzlei nach außen aber nicht schmücken möchte. Deshalb wird Björn auch nie Partner werden. Bäh-Anwälte werden keine Partner.

Im Grunde könnte Björn mit seiner Situation zufrieden sein. Sein Kunde sorgt für viel Arbeit und damit für gutes Geld. Den ein oder anderen Bonus gibt es noch obendrauf, wenn die Hintergründe gar so zwielichtig sind. Finanziell geht es Familie Diemel, Björn, seiner Frau Katharina und seiner vergötterten Tochter Emily gut.

Ab zum Achtsamkeits-Coach

Aber der Preis für diesen Wohlstand ist hoch. Katharina und Emily sehen Björn kaum noch. Selbst spät am Abend oder am Wochenende erwartet das Clanoberhaupt sofortige Erreichbarkeit. Katharina zieht die Reißleine und verdonnert ihren Mann zu mehr Gelassenheit und mehr Zeit für die Familie. Er soll zum Achtsamkeits-Coach oder sie verlässt ihn. Natürlich mit Emily! Sicherheitshalber macht sie gleich Nägel mit Köpfen und vereinbart für Björn einen Termin bei dem Therapeuten Joschka Breitner.

Und tatsächlich verändern Breitners Ratschläge für ein achtsames Leben Björns Alltag nachhaltig. Bewusst atmend und sorgfältig auf seine Emily-Zeitinseln achtend, räumt Björn aus dem Weg, was ihn nervt. Konsequent und todsicher!

Achtsam über Leichen gehen

Ich liebe schwarzen Humor und davon gibt es bei Karsten Dusse reichlich. Völlig emotionslos geht er über Leichen und das sehr kreativ. Beim Lesen dachte ich des Öfteren: “Warum grinse ich eigentlich gerade. Hier wird jemand auf ziemlich brutale Weise aus dem Weg geräumt.” Und grinste weiter. Herrlich.

Achtsamkeit ist ja seit einigen Jahren in aller Munde. allerdings wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Konzept so auszulegen, wie Anwalt Björn Diemel es in Achtsam Morden tut. Aber vielleicht sollte ich das nochmal durchdenken. Es scheint ja zielführend zu sein. Und ein bisschen Schwund ist eh immer. 😀

Wer Sinn für bösen Humor hat, wird Achtsam Morden von Karsten Dusse lieben! Alle anderen atmen bewusst und tief durch und lesen das Buch dann trotzdem.

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Karsten Dusse

Karsten Dusse ist Rechtsanwalt und seit Jahren als Autor für Fernsehformate tätig. Seine Arbeit wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet sowie für den Grimmepreis nominiert. Achtsam morden ist sein erster Roman.

Buchinfo: Achtsam morden von Karsten Dusse, erschienen bei Heyne, 10. Juni 2019, 416 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN: 978-3-453-43968-9. Danke für das Leseexemplar.

Sophie Kendrick: Mein Tod in deinen Augen

Seit einem Überfall ist Kunsttherapeutin Jennifer erblindet. Körperliche Ursachen gibt es dafür nicht, der Schock reichte aus. Trotzdem lässt sie sich auf eine Reise an die Ostsee ein, um einem bekannten Kinderpsychologen bei seinem Fall zu helfen. Für Jennifer wird es eine dramatische Reise in ihre Vergangenheit.

Jennifer ist auf dem Weg an die Ostsee. Wer sie im Zug sieht, Kopfhörer in den Ohren, das Smartphone in der Hand, glaubt nicht, dass sie stark eingeschränkt ist. Denn nach dem Überfall durch einen Stalker hat Jennifer ihr Sehvermögen verloren. Nur langsam kämpft sie sich wieder zurück ins Leben. Deshalb hat sie auch die Einladung des Kinderpsychologen Gideon an die Ostsee angenommen. Vielleicht kann sie ihm ja trotz ihrer Erblindung bei einem besonders brisanten Fall helfen.

Jennifer auf der Fahrt ins Glück?

Und tatsächlich scheint diese Reise für Jennifer eine Fahrt ins Glück zu werden, denn im Zug trifft sie auf den charmanten Computerspezialisten Marc, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Da Marc ebenfalls nach Rügen unterwegs ist, beschließen Sie, in Kontakt zu bleiben.

Bei Gideon angekommen, entwickelt sich die Situation völlig anders, als erwartet. Tatsächlich handelt es sich bei dem Fall, zu dem der Kinderpsychologe sie hinzugezogen hat, um ein offensichtlich schwer traumatisiertes Kind. Der Haken daran: Gideon weiß nicht, um wen es sich handelt. Ihre gemeinsamen Recherchen bringen Jennifer in Lebensgefahr. Und näher an ihre eigene Vergangenheit, als sie sich je hätte vorstellen können.

Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick hielt mich gefangen. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. Anfangs war ich etwas genervt von dieser perfekt funktionierenden blinden Frau, doch das hat sich bald erledigt und am liebsten hätte ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt.

Bis zur letzten Seite spannend

Ich war mir relativ früh sicher, wer der Bösewicht in Kendricks Story ist. Allerdings konnte ich mir die Zusammenhänge überhaupt nicht erklären und kam deshalb regelmäßig wieder ins Grübeln. Genau das hat die Spannung bei mir hoch gehalten. Und ganz ehrlich, auf die “Auflösung” wäre ich nie gekommen. Die war absolut nicht vorhersehbar. Aber lest am besten selbst!

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Sophie Kendrick

Sophie Kendrick lebte in verschiedenen europäischen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wo sie englische Literatur studierte und über die Schwestern Brontë forschte. Sie arbeitete in einer Agentur für Buchprojekte und als Ghostwriterin, bevor sie ihren ersten eigenen Roman schrieb.

Buchinfo: Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick, erschienen bei rororo, 19.02.2019, 336 Seiten, ISBN: 978-3-499-29160-9, € 10,00. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Stina Jackson: Dunkelsommer

Als Lelles Tochter Lina spurlos verschwindet, bricht für den Lehrer eine Welt zusammen. Drei Jahre lang durchstreift er jeden Sommer Nacht für Nacht die Gegend in der Hoffnung, das Mädchen doch noch zu finden. Dann verschwindet ein weiteres Mädchen, das Lina sehr ähnlich sieht. Lelle glaubt nicht an einen Zufall.

Dunkelsommer von Stina Jackson

Die Mitternachtssonne erleuchtet den Asphalt vor Lelles Auto. Wieder hat er einen abgelegenen Hof durchsucht. Voller Hoffnung jede Tür geöffnet und sie enttäuscht wieder geschlossen, wenn Lina, seine vor drei Jahren verschwundene Tochter, nicht dahinter war. Auch wenn kaum noch wer daran glaubt, das Mädchen je wiederzufinden, kann Lelle die Suche nicht beenden. Schuldgefühle treiben ihn an. Hätte er so lange gewartet, bis seine Tochter in den Bus eingestiegen war, würde sie vielleicht heute noch friedlich daheim schlafen. Glaubt er. Wirft er sich vor.

Zur gleichen Zeit nicht weit entfernt. Die siebzehnjährige Meja zieht mit ihrer Mutter Silje auf dem heruntergekommenen Hof von Torbjörn ein. Beide haben sich über das Internet kennengelernt und Silje nutzt jetzt die Chance, einen neuen Versorger für sich und Ihre Tochter zu finden. Alleine kann und will die manisch-depressive, alkoholkranke Frau nicht für ihren Unterhalt sorgen.

Meja wünscht sich Sicherheit

Schnell entwickelt sich Torbjörn zu einer Art Ersatzvater für Meja. Endlich kann er sich um ein Kind kümmern. So lange hat er sich das gewünscht. Doch Meja traut dem Frieden nicht. Schon zu oft hat sie gehofft, endlich zur Ruhe kommen zu dürfen, ein Zuhause zu haben. Sein zu dürfen, wie andere Kinder. Als Silje in einem manischen Schub ihre Medikamente wegwirft, weiß Meja, dass es wieder so weit ist. Die Lage wird sich sukzessive zuspitzen und über kurz oder lang werden sie wieder ihre Sachen packen und weiterwandern müssen. In ihrer Verzweiflung flieht sie zu Carl-Johan und seiner Familie. In ihn hat sie sich Hals über Kopf verliebt und hier wird sie mit offenen Armen aufgenommen.

Als sich Lelles und Mejas Wege kreuzen, geraten die Dinge in Bewegung. Und außer Kontrolle.

Wenn das Kind plötzlich verschwindet

Die Vorstellung, dass das eigene Kind von heute auf morgen spurlos verschwindet, ist wohl so ziemlich das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Nicht zu wissen, ob die Tochter oder der Sohn noch lebt, ob man sie oder ihn je finden wird, ist grausam. Wenn man sich dann auch noch fragt, ob man die Situation hätte vermeiden können, wenn man dies oder jenes anders gemacht hätte, kann einen Menschen in den Wahnsinn treiben. Viele Paare überstehen diese Zeit nicht gemeinsam.

Aber es gibt auch andere Situationen, die das Familienleben auf eine Zerreißprobe stellen können. Davon kann Meja aus Dunkelsommer von Stina Jackson ein Lied singen. Kinder sollten in einem geschützten und unbeschwerten Umfeld aufwachsen dürfen und sollten sich nicht um Mutter oder Vater kümmern müssen, weil die oder der sich der Verantwortung entzieht. Das lässt sie vor der Zeit altern und nimmt ihnen Sicherheit und Vertrauen.

Ausgezeichnet als bester schwedischer Spannungsroman?

Stina Jackson verwebt beide Szenarien zu einer düsteren Story, die für meinen Geschmack deutlich zu viele Längen hat. Auch wenn ich gegen Ende froh war, dass ich das Buch nicht früher zur Seite gelegt habe, denn das war wirklich überraschend. Und es war brutal, also nicht unbedingt für zarte Seelen geeignet. Trotzdem hätte ich mir von einem Buch, das den Titel “Ausgezeichnet als bester schwedischer Spannungsroman” mehr erwartet. Mehr Spannung, mehr Tempo.

Da aber Geschmäcker unterschiedlich sind, hilft vielleicht nur: Selber lesen!

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Stina Jackson

Stina Jackson stammt aus Skellefteå in Nordschweden. Vor mehr als einem Jahrzehnt zog sie nach Denver, Colorado. Hier schrieb sie auch ihren Debütroman »Dunkelsommer», mit dem sie sich sofort als aufstrebender neuer Stern am Himmel der nordischen Spannung etablierte.

Buchinfo: Dunkelsommer von Stina Jackson, erschienen bei Goldmann, 22. Juli 2019, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-442-20578-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Julia Corbin: Nadelherz

Tessa war über ein Jahr in den Händen eines perversen Entführers. Ihr Befreiung bezahlten zwei andere Frauen mit dem Leben. Jetzt ist sie wieder daheim und hüllt sich in Schweigen. Das Grauen kehrt zurück, als ihr ein Unbekannter ein Paket schickt. Der Inhalt: Ein mit Nadeln gespicktes menschliches Herz.

Seit Tessa den Fängen ihres sadistischen Peinigers entkommen ist, gleicht ihre Wohnung einer Festung. Fenster und Türen sind verriegelt, die Wohnung kameraüberwacht. Ein intensiver Selbstverteidigungskurs soll ihr helfen, sich nach der langen Gefangenschaft in einem Keller auf der Schwäbischen Alb wie frei zu fühlen. Wie fragil ihr Schutzwall ist, spürt Tessa, als sie ein grausiges Paket erhält. Der Inhalt: Ein menschliches Herz, das mit Nadeln gespickt ist.

Eine blutige Inszenierung

Es dauert nicht lange bis die zugehörige Leiche gefunden wird. Ein Frauenkörper mit unzähligen Schnittwunden, aufgespießt auf Stangen, im geöffneten Brustkorb fehlt das Herz. Als wäre das nicht genug, leuchtet die Leiche auch noch in einem schwachen Grün. Kommissarin Alexis Hall und ihre Kollegen stehen vor einem Rätsel. Von Karen Hellstern, der Kriminalbiologin, erhoffen sie sich die Aufklärung des Phänomens.

Während das Team noch dabei ist, sich einen ersten Überblick zu verschaffen, wird die zweite Leiche gemeldet. Wieder die gleiche Inszenierung. Ein grünlich leuchtendes, makabres Kunstwerk. Zur gleichen Zeit bekommt Tessa erneut ein Paket mit blutigem Inhalt. Alexis Hall ahnt, dass die Zeit knapp wird. Mit Hochdruck sucht sie nach Fehlern bei der Aufklärung von Tessas Entführung. Hatte der Täter einen Komplizen? Oder hat der Medienrummel um die Befreiung einen Nachahmer auf den Plan gerufen?

Schon wieder mitten ins Herz!

Nadelherz ist das dritte Buch von Julia Corbin, das mich fesselt. Thriller dürfen für mich ja durchaus blutig sein. Julia Corbin trifft mit ihren Büchern bei mir ins Schwarze, weil sie nicht nur für den notwendigen Thrill sorgen, sondern auch meine naturwissenschaftlich geprägt Seele streicheln.

Ich freue mich jetzt schon auf Fortsetzung!

Übrigens, auch wenn die Geschichte um Alexis Hall und Karen Hellstern fortgeschrieben wird, muss man nicht die Vorgänger gelesen haben, um das aktuelle Buch flüssig lesen zu können.

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Julia Corbin

Julia Corbin, geboren 1980, studierte Biologie in Heidelberg. Die Arbeit als Biologin inspiriert sie zu ihren Thrillern um das erfolgreiche Ermittlerteam Hall & Hellstern. Ihre Leidenschaft für Nervenkitzel lebt die Autorin nicht nur in ihren Büchern, sondern auch bei Sportarten wie Kite- und Windsurfen oder Extrem-Hindernisläufen aus. Sie wohnt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn und gibt Kurse in Kreativem Schreiben.

Buchinfo: Nadelherz von Julia Corbin, erschienen bei DIANA, 10. Juni 2019, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35988-8

Prof. Dr. Achim Gruber: Das Kuscheltierdrama

Dackellähme, Bandscheibenvorfall, Atemnot, Blindheit, dauerhaft entzündetes Augen und stark verkürzte Lebensdauer, um den Menschen zu gefallen, müssen Haustiere viel Leid ertragen. Professor Dr. Achim Gruber, Tierpathologe an der Freien Universität in Berlin, gibt uns einen Einblick in das stille Leiden unserer Haustiere.

Eines der ersten Bilder, das sich mir im Bezug auf angezüchtetes Tierleid eingeprägt hat, war der Schäferhund. Schön war die stark abfallende Hinterhand. Dass damit ein hohes Risiko für Arthrose und Bandscheibenvorfälle einher ging, sickerte nur langsam durch. Inzwischen hat man zum Glück auf das Problem reagiert und in vielen Ländern gegengesteuert. Leider noch nicht in allen, was es einer speziellen Klientel ermöglicht, sich ihre Qualzuchten im Ausland zu besorgen.

Der Todeskuss für Chinchilla und Kaninchen

Als Tierpathologe sieht Professor Gruber noch mehr. Da ist das Chinchilla-Mädchen, das sterben musste, weil seine Besitzerin ihm den Todeskuss gab. Sie litt akut an Lippenherpes, den sie ahnungslos auf das kleine Tier übertrug. Ein Erreger, der für Chinchillas und auch für Kaninchen tödlich ist.

Neu war mir zum Beispiel auch das Merlesyndrom, eine Fellfärbung, die aktuell sehr in Mode ist und mit Fehlentwicklungen von Augen und Ohren einher geht. Und mit einer stark verkürzten Lebensdauer.

Zwischenzeitlich haben sich sogar Spezialpraxen etabliert, die die angezüchteten Probleme für viel Geld soweit beheben, dass die Tiere überhaupt lebensfähig sind. Häufige Kunden sind hier die Brachyzephalen, also die kurznasigen Hunde und Katzen wie Mops, Bulldogge, Perserkatzen. Diese Tiere haben in der Regel nicht nur massive Atemprobleme, durch die unverhältnismäßig großen Köpfe sind auch normale Geburten oft ein Risiko.

Zum Glück steuern auch hier die ersten Länder gegen. Gerade erst hat Niederlande die Mopszucht verboten. Hoffen wir, dass das auch bei uns zum Umdenken führt.

Tauben zur Hochzeit? Bitte nicht!

Es müssen aber nicht immer Zuchtperversionen sein, die unsere tierischen Mitbewohner quälen. Oft reicht auch der Wunsch der Halter nach Anerkennung. Ein gute Beispiel dafür sind Taubenzüchter, die mit ihren Tieren an Flug-Wettbewerben teilnehmen oder Tiere für Hochzeiten “vermieten”. Hier wird die Monogamie und Treue der Tiere hemmungslos ausgenutzt. Tauben gehen lebenslange Partnerschaften ein. Trennt man die Paare, zum Beispiel weil ein Partner einen Preis als schnellste “Langstreckenfliegerin” gewinnen soll, macht man sich den Instinkt der Tiere zunutze, schnellstmöglich wieder vereint zu sein. Die Tiere verausgaben sich rücksichtslos, um heim zu kommen. Übrigens auch zu ihrem Nachwuchs, denn auch der Mutter- bzw. Elterninstinkt wird hemmungslos für solche Ziele ausgenutzt.

Bücher wie Das Kuscheltierdrama von Professor Dr. Achim Gruber sollte es sehr viel mehr geben. Vielleicht sollten sie auch Bestandteil des Lehrplans in Schulen sein, denn ich denke, manch ein Halter oder eine Halterin macht sich überhaupt nicht bewusst, was sie ihrem tierischen Mitbewohner antun.

Auch wenn man dem Schreibstil anmerkt, dass Schreiben für Professor Gruber nicht die erste Priorität hat, hat mich das Buch sehr berührt und gleichzeitig informiert. Ich denke, er könnte noch sehr viel mehr berichten und Tier und Halter vor Leid bewahren.

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Achim Gruber

Prof. Dr. Achim Gruber, Jahrgang 1966, leitet das Institut für Tierpathologie, ist Forschungsdekan des Fachbereichs Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin und der einzige aktive Tiermediziner der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er hat mehr als 300 Fachpublikationen veröffentlicht und ist Mitherausgeber der beiden Standardwerke zur Haustierpathologie. »Das Kuscheltierdrama« ist sein erstes populäres Sachbuch. Achim Gruber ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Zur Familie gehört auch ein Mischlingshund aus dem Tierheim.

Buchinfo: Das Kuscheltierdrama von Achim Gruber, erschienen bei Droemer, März 2019, 312 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 19,99, ISBN: 978-3-426-27781-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Sylvia Schaab: Es geht auch ohne Plastik

Plastik ist praktisch. Keine Frage. Aber es ist eben leider auch sehr langlebig und zerfällt unter Witterungseinflüssen langsam aber sicher bis zu seinem kleinsten Baustein, der uns dann als Mikroplastik ewig erhalten bleibt. Es liegt an uns, dies zu ändern. Sylvia Schaab zeigt in Es geht auch ohne Plastik wie es an vielen Stellen ganz einfach anders geht.

Praktische Tipps statt erhobenem Zeigefinger

Seien wir ehrlich, wir haben es an vielen Stellen in der Hand, wie viel Abfall wir produzieren und was davon dauerhaft unsere Umwelt belasten wird. Wir müssen uns nur beim Einkauf überall da, wo es geht, ganz bewusst gegen langlebige, schwer oder nicht recyclebare und gesundheitlich problematische Stoffe entscheiden. Auch wenn die in der Vergangenheit das Allheilmittel im Alltag zu sein schienen.

Das bedeutet natürlich nicht, alles, was Kunststoff im Haus ist, wegzuwerfen. Das wäre sinnlose Verschwendung. Aber wir sollten beim Neukauf darauf achten, was wir uns ins Haus holen:

  • Messer gibt es auch mit Holz- oder Metallgriff
  • Schneidbretter aus Holz sind weniger anfällig für Bakterien als Kunststoffbretter
  • Putzeimer und Kehrgarnituren gibt es auch aus emailliertem Blech, ist schwerer aber auch schöner
  • Brotdosen aus Edelstahl sind leicht und stabil

um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Zum Einkauf den Korb oder die eigene Tasche mitzunehmen, wurde vor wenigen Jahren noch als Zumutung empfunden. Seit die Plastiktüten Geld kosten, sehe ich überwiegend Menschen, die ihre eigenen Behältnisse mitbringen.

Tausendsassa Wäschenetz

In vielen Läden gibt es inzwischen einigermaßen transparente Beutel, in die ich Obst, Gemüse, Brot, Brötchen packen kann. Leider fehlen vielerorts noch die offenen Paprika, Tomaten, Orangen dazu. Die sind dann in Folie oder Netze gezwängt. Oder ihr nehmt Wäschenetze, wie ich das teilweise mache. Das wandert sowieso regelmäßig in die Wäsche. Wer nähtechnisch geschickt ist, kann sich die Beutel auch selbst nähen, zum Beispiel aus alten Gardinen. Auch das eine Anregung von Sylvia Schaab.

Generell ist die Autorin nicht dogmatisch. Sie will nicht bekehren sondern informieren. Deshalb startet sie mit einer ausführlichen Beschreibung der unterschiedlichsten Kunststoffe, erläutert ihre Vor- und Nachteile und gegebenenfalls die gesundheitliche Bedenklichkeit.

Für alle Situationen rund um Haus und Garten zeigt sie Alternativen auf. Dabei unterscheidet sie zwischen Lösungen für:

  • Eilige
  • Motivierte
  • Selbermacher

Die Eiligen verweist sie zum Beispiel auf Milchprodukte aus Gläsern, die Motivierten auf Abfüllstationen beim Bauern und den Selbermacherinnen gibt sie Rezepte an die Hand, wie aus Sahne, Joghurt beziehungsweise Zitrone mit einem Schraubglas und etwas Zeit Sauerrahm oder Crème fraîche wird. Zusätzlich gibt es noch Upcycling-Tipps.

Jetzt in die 30-Tage-Challenge starten

Und zum Abschluss wartet die 30-Tage-Challenge auf die ganze Familie. Für folgende Bereiche hat Sylvia Schaab Listen für mehr Nachhaltigkeit im Alltag vorbereitet:

  1. Bewusstsein schärfen – Dinge besorgen
  2. Küche / Haushalt
  3. Bad / Kosmetik
  4. Wohnung / Kinderzimmer / Büro
  5. Kleidung / Abschluss

Es geht auch ohne Plastik von Sylvia Schaab ist ein tolles Buch mit vielen sofort umsetzbaren Praxistipps statt erhobenem Zeigefinger. Die Sorte Ratgeber, die ich mag. Hier habe ich auch endlich die Lösung für feste Seife in meinem Bad gefunden. Bislang habe ich mich ja immer an der Seifenbrühe gestört, die ich früher, als das Seifenstück Alltag war, schon gehasst habe. Man lege die Seife auf die Borsten einer Holz- oder Kokosbürste. Ist die Seife trocken, kann man die eingeseifte Bürste gleich nutzen, um Waschbecken, Badewanne oder was auch immer zu reinigen.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Sylvia Schaab

Sylvia Schaab, Autorin und Journalistin für nachhaltige Verbraucherthemen, lebt mit Mann und drei Kindern in Augsburg – und seit mehr als drei Jahren nahezu plastikfrei. Darüber schreibt sie in ihrem Blog „Grüner wird’s (n)immer“. Sie engagiert sich in diversen Netzwerken und Vereinen für umweltpolitische Themen, hält Vorträge und gibt Workshops. Außerdem verhilft sie zukunftsweisenden, regional verwurzelten Unternehmen und Organisationen zu mehr Öffentlichkeit.

Buchinfo: Es geht auch ohne Plastik von Sylvia Schaab, erschienen bei Goldmann, 20. Mai 2019, 288 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, € 12,00, ISBN: 978-3-442-22280-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.