Jonas Winter: Murder Park

Zodiac Island vor der Ostküste der USA ist oder richtiger war ein beliebter Freizeitpark. Das ändert sich schlagartig, als ein Serienmörder drei junge Frauen grausam ermordet. Zwanzig Jahre später soll dieses Grauen erneut zahlreiche Gäste auf die Insel locken. Aus Zodiac Island wird Murder Park, eine skrupelloses Freizeitangebot, das mit den Ängsten der Besucher spielt.

Zwanzig Jahre ist es her, dass Jeffrey Bohner auf Zodiac Island sein Unwesen trieb. Drei bestialische Morde an jungen Frauen machen aus dem beliebten Freizeitpark einen Ort des Grauens.

Du kannst nicht entkommen

Murder Park von Jonas WinnerPassend zum Jubiläum soll Zodiac Island jetzt wieder zur Besucherattraktion sorgen. Doch für das Prickeln im Bauch sorgen dieses Mal weder Geisterbahn noch Riesenrad. Zahlungskräftige Kunden sollen auf Murder Park am eigenen Leib erfahren, was echtes Grauen ist. Denn auf der Insel wütet wieder ein Killer. Keiner kann dem anderen trauen und die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen.

Zwischen Fassungslosigkeit und wohligem Grusel

Wie kommt man auf die Idee, in seinem Kopf ein Szenario wie Murder Park entstehen zu lassen? Ein Spiel mit dem archaischsten aller Gefühle, der nackten Todesangst? Jonas Winner wird es uns nicht verraten, aber er hat es so gut durchdacht, dass es mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Hin und her gerissen zwischen Fassungslosigkeit und wohligem Grusel habe ich mitgefiebert. Habe mich auf falsche Fährten locken lassen, war mir sicher, den Mörder zu kennen und musste dann doch wieder feststellen: Das war die falsche Fährte!

Terror, Bomben, Murder Park?

Was mich aber am meisten überrascht hat, war, dass ich mir den Erfolg eines solchen Konzeptes vorstellen kann. In Zeiten wo auch in unserer westlichen Welt Terror und Bomben wieder an der Tagesordnung sind, stumpfen Menschen so schnell ab, dass sie den immer neuen Kick brauchen. Was vor wenigen Monaten noch tagelang die Kommentarspalten der Medien gefüllt hat, ist fast schon zur Randnotiz verkommen.

Der Tod ist überwältigend nah

Eine Umgebung, in der durch die entsprechenden Exponate gleich mehrere Serienkiller omnipräsent zu sein scheinen, in der man nicht ausweichen kann und nicht weiß, wem man noch vertrauen kann, kann sich der Thrill wieder einstellen, den manche Menschen brauchen. Der besondere Kick gegen die Langeweile des Alltags. Egal was es kostet.

Das Grauen als Geschäftsmodell? Kann funktionieren.

Murder Park hat mich fasziniert. Eben weil mich die Story dazu gebracht hat, nachzudenken ob ein solcher “Freizeitpark” seine Liebhaber finden könnte. Aber noch mehr, weil ich zu dem Schluss gekommen bin: Ja, das könnte er.

Fasziniert haben mich auch die vielen Wendungen. Ich war mir so oft sicher, die Lösung gefunden zu haben und jedes Mal lag ich wieder falsch. Geschwächelt hat dabei nur der Schluss. Im Vergleich zum Thriller insgesamt war der recht schwach. Aber vielleicht geht das auch nicht anders, wenn man gedanklich so lange so “perverse” Spielchen spielt. Die Rückkehr in den Alltag ist dann vermutlich einfach ernüchternd.

Jonas Winter

Jonas Winner wuchs in Berlin, Rom und den USA auf, Studium in Deutschland und Frankreich. Nach seiner Promotion über Spieltheorie arbeitete er zehn Jahre lang als Fernsehjournalist, danach folgten Drehbücher fürs deutsche Fernsehen und Romane. Mit dem Self-Publishing-Erfolg »Berlin Gothic« gelang Winner der Durchbruch als Spannungsautor.

Buchinfo: Murder Park von Jonas Winter, erschienen bei Heyne, 13.06.2017, 416 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, € 12,99, ISBN: 978-3-453-42176-9

Kathy Reichs: Totengeld

Eine junge Frau wird tot im Straßengraben gefunden. Entsorgt wie ein altes Möbelstück. Auf ihrem Körper finden sich Reifenspuren. Szenenwechsel: Forensikerin Tempe Brennan exhumiert in Afghanistan die Leichen zweier Männer, die bei einem Angriff erschossen worden sind. Der Tat verdächtigt wird ein amerikanischer Soldat. Wie Tempe Brennan beide Fälle löst und wie sie zusammenhängen, erklärt Kathy Reichs in “Totengeld”.

Kathy Reichs, TotengeldWer überfährt absichtlich ein junges Mädchen und wirft es dann einfach so in die Bahnböschung? Diese Frage lässt Tempe Brennan nicht los, auch wenn sie als Forensikerin für den Fall eigentlich überhaupt nicht zuständig ist. Vielleicht deshalb, weil es für ihre Kollegen nur eine weitere drogensüchtige Prostituierte ist, die sich mit den falschen Leuten eingelassen hat.Tempe setzt sich in den Kopf, die Identität der Toten aufzuklären und sie ihren Eltern zurück zu geben.

Mal eben schnell nach Afghanistan

Einen Plan, den sie erst einmal zurückstellen muss, denn ihre fachliche Expertise wird in Afghanistan gebraucht.Sie soll die Unschuld eines US-Soldaten, dem vorgeworfen wird, zwei Bewohner eines afghanischen Dorfes erschossen zu haben. Hinterrücks, als sie bereits auf der Flucht waren. Mit gemischten Gefühlen macht sie sich an die Exhumierung der beiden Toten.

Eines muss man Kathy Reichs lassen: In “Totengeld” ist ganz schön viel los. Eine junge Frau, die zwangsprostituiert wurde. Mumifizierte Hunde, die untersucht werden müssen. Mal eben ein Trip nach Afghanistan, um zwei tote Moslems zu exhumieren. Ein Raketenangriff, der den Plan fast zunichte macht. Das Zusammentreffen von Tempe und ihrer Tochter, die als Soldatin just an dem Stützpunkt stationiert ist, an dem Tempe unterbracht ist. Ein Foto, das ihr unbemerkt zugesteckt wird und das zur Lösung im Fall des jungen Mädchens beiträgt. Und ich bin mir sicher, ich habe noch ein paar Feinheiten vergessen. Außerdem will ich ja nicht spoilern.

Zu viel gewollt?

Obwohl jede Story für sich interessant war, war mir der Versuch, alles auf Teufel komm raus in ein Buch zu packen, zu gezwungen. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass Kathy Reichs grundsätzlich gut schreibt.

Deshalb bekommt “Totengeld” von mir nur eine mittelmäßige Bewertung. Ich schließe aber nicht aus, dass eingefleischte Tempe Brennan Fans das anders sehen. Immerhin ist “Totengeld” ja bereits der 16. Band der Tempe Brennan Reihe.

Kathy Reichs

Kathy Reichs, geboren in Chicago, lebt in Charlotte und Montreal. Sie ist Professorin für Soziologie und Anthropologie und unter anderem als forensische Anthropologin für gerichtsmedizinische Institute in Quebec und North Carolina tätig. Ihre Romane erreichen regelmäßig Spitzenplätze auf internationalen und deutschen Bestsellerlisten und wurden in 30 Sprachen übersetzt. Tempe Brennan ermittelt auch in der von Reichs mitkreierten und -produzierten Fernsehserie „Bones – Die Knochenjägerin“.

Übersetzer
Klaus Berr, geb. 1957 in Schongau, Studium der Germanistik und Anglistik in München, einjähriger Aufenthalt in Wales als „Assistant Teacher“, ist der Übersetzer von u.a. Lawrence Ferlinghetti, Tony Parsons, William Owen Roberts, Will Self.

Buchinfo: Totengeld von Kathy Reichs, erschienen bei Heyne, Juli 2015, Taschenbuch, 464 Seiten, 9,99 €, ISBN: 978-3-453-43794-4