Ule Hansen: Blutbuche

Bei der polnischen Polizei gehen verstörende Briefe ein: “Bitte helft mir! Er sagt, er reißt mich in Stücke.”, heißt es da in deutscher Sprache. Alle Schreiben sind verbunden mit der Aufforderung, sie umgehend auf der Polizei-Website zu veröffentlichen, wenn die Absenderinnen nicht sterben sollen. Ein Gutachten der Berliner Fallanalystin Emma Carow sorgt für eine überraschende Wendung. Können die Frauen rechtzeitig gerettet werden?

Blutbuche von Ule Hansen
Blutbuche von Ule Hansen

Emma Carow ist Fallanalystin bei der Berliner Polizei. Ihre Spezialität sind Serientäter. Niemand versetzt sich so schnell in das Denken und Handeln dieser Monster wie Emma. Aus gutem Grund, wurde sie doch selbst bereits zum Opfer eines solchen Psychopathen. Ein Trauma, das sie bis in die Gegenwart verfolgt. Das ihr Vertrauen in Menschen nachhaltig zerstört und sie zur eigenbrötlerischen Einzelgängerin hat werden lassen.

Ausgerechnet als sie im Begriff ist, sich von ihren Altlasten zu befreien, soll Emma der polnischen Kripo dabei helfen, einen Kidnapper zu stellen, der offensichtlich deutsche Prostituierte aus Berlin nach Polen verschleppt und sie dort unter erniedrigenden Bedingungen in einem Hundekäfig gefangen hält. Zumindest lassen die Briefe, die er der Polizei zukommen lässt, das vermuten. Emma Carow soll im Rahmen einer Amtshilfe ihre Einschätzung zu diesen Schriftstücken abgeben. Sind sie echt, sind die Frauen wirklich in Gefahr? Und warum lässt der Entführer es zu, dass die Briefe die Polizei erreichen?

Fesselndes Katz- und Maus-Spiel

Blutbuche von Ule Hansen hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich mag Charaktere wie Emma Carow. Scheue, introvertierte und dabei hochintelligente, sensible und mutige Menschen. Auch das psychologische Katz- und Maus-Spiel zwischen Täter und Ermittlerin ist faszinierend. Zwar hatte ich recht früh eine Ahnung, wer die Frauen verschleppt haben könnte, aber die kluge Dramaturgie der Story hat mich immer wieder auf jede neue Spur mitgenommen. Astrid Ule und Eric T. Hansen verstehen ihr Handwerk.

Vielleicht ist das verstörende, perverse Vorgehen des Entführers ja einer der exzentrischen Halloweenpartys (siehe Vita) geschuldet, jedenfalls wundere ich mich immer wieder, wie man sich in so kranke Hirne wie das des Täters hineindenken kann. Und ich bin froh, dass es Menschen gibt, die das können, sonst hätte ich nicht so viel geniales Thrillervergnügen!

Blutbuche bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Aber Vorsicht, nichts für Zartbesaitete! Man braucht übrigens Band eins der Emma Carow Reihe nicht gelesen zu haben, um sich in Band zwei einzufinden. Mir hat es aber Lust auf mehr gemacht.

Ule Hansen

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt.

Buchinfo: Blutbuche von Ule Hansen, erschienen bei Heyne, 21.05.2018, 480 Seiten, Klappenbroschur, 17,00 €, ISBN: 978-3-453-43805-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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