Schwäbisch-hällisches Landschwein: Die Rettung einer alten Rasse #PlaceToBW

Ein Exportschlager aus Baden-Württemberg und längst kein Geheimtipp mehr: Fleisch der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Die Devise: bio, regio, fair. Die Kunden: Sterne-Restaurants in ganz Deutschland, die das Fleisch der schwäbisch-hällischen Schweine zu schätzen wissen.

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Ganz schön neugierig, die Schweine, (Foto: Johannes Schlörb)

Vorne und hinten schwarz, in der Mitte weiß. Was ist das? Richtig! Ein schwäbisch-hällisches Landschwein. Rar waren sie zwischenzeitlich geworden, die extravagant gefärbten Tiere und dass sie überhaupt noch existieren, ist dem Engagement einiger Bauern in der Region Hohenlohe zu verdanken. Denn die genügsamen, langsam wachsenden Sattelschweinrasse war aus der Mode gekommen. Die Kunden wollten helles, mageres Fleisch, das sich in industrieller Mast und Verarbeitung wesentlich schneller und preiswerter zu “produzieren” war.

Alte Rasse statt Industriemast

Rudolf Bühler, Vorkämpfer für ökologische Landwirtschaft, ist Vorstand der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, eines Zusammenschlusses von heute 1500 Hohenloher Landwirten und wesentlich am Überleben der alten Landrasse beteiligt. In den als stur bekannten Hohenloher Bauern fand er schnell Mitstreiter, die von “Industriefleisch” gar nichts hielten. Sie blieben der robusten und gutmütigen Rasse treu und bauten die Zucht wieder neu auf und aus.

1988 gründeten sie die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) w.V., einen wirtschaftlichen Verein als Selbsthilfeorganisation von Bauern für Bauern. Ziel: Landschweine nach strengen Richtlinien gut zu halten, um gesundes und schmackhaftes und fair bezahltes Fleisch zu erzeugen.

Mit Erfolg. Denn die mehr als 1500 bäuerliche Familienbetrieb, die Mitglied der BESH sind, halten nicht nur Schweine, sondern auch Rinder, Schafe oder Ziegen. Fleisch das sowohl in die deutschen Sterneküchen als auch in eine zunehmende Zahl von Privathaushalten Einzug gehalten hat.

Und das zu Recht, wie wir auf unserer Fahrt durch die Region Hohenlohe selbst testen konnten. Denn am Vortag waren wir, also das Team der #PlaceToBW Tour, bereits in den Genuss von Eichelmastfleisch der Schwäbisch-Hällischen g.g.A. (geschützte geografische Angabe). Und die standen bzw. lagen bei unserem Besuch auf dem Hirschhof von Kurt und Beate Memmler in Frankenhardt vor uns. Quicklebendig und saufaul. Am schattigen Waldrand ihrer 1,2 Hektar großen Eichelmastweide lagen alle 27 gemütlich im Matsch und waren auch nicht mit einem Eimer voller frischer Eicheln zu locken. Warum auch. Nur wegen ein paar Touris? Da muss schon mehr geboten werden. Als ich gelockt habe – ohne Eicheln, nur mit sanft säuselnder Stimme – kamen sie dann. Ob es an meinem natürlichen Charme oder meiner angenehmen Stimme lag, sei mal dahin gestellt.

Wenn Schweine Ball spielen

Aber es gab ja auch noch die “normalen” schwäbisch-hällischen Landschweine. Die mit Stall, Auslauf und eigenem Fußball. Auch hier lag ein Teil der Tiere dicht an dicht im schattigen Matsch und grunzte genüsslich vor sich hin. Andere wühlten mit dem Rüssel geschäftig im Stroh. Keine Spur von Angst vor den neun Leuten, die da plötzlich rumturnten, Fotos machten und den Hofbesitzern Löcher in den Bauch fragten.

Ein Bild, das bei mir Erinnerungen weckte. Mein Großonkel hatte auch noch Schweine, als ich ein Kind war. Immer zwei oder drei Stück, weil Schweine Gesellschaft brauchen. Sie waren in einem großen Stall mit dick eingestreutem Boden untergebracht und steckten oft bis zu den Ohren im frischen Stroh, das sie geschäftig von rechts nach links schoben. Ging man auf sie zu, kamen sie neugierig angelaufen, um zu sehen, ob es vielleicht eine leckere Kartoffel oder einen Apfel abzustauben gab.

Trotz aller Bewegung und Quirligkeit kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Tiere geschlachtet wurden. Eine Sache, die ich als Kind überhaupt nicht mochte, die ich aber verstand. Damals kam der Metzger noch ins Haus. Geschlachtet wurde im Hof. Das hatte weniger den Hintergrund, den Tieren möglichst wenig Stress zu bereiten, sondern lag meist daran, dass die Nebenerwerbsbauern keine Möglichkeit hatten, ihre Tiere zu transportieren.

Auch bei den schwäbisch-hällischen Schweinen achtet man auf kurze Wege und vertraute Personen in der Nähe, wenn es zum Schlachten geht. Das hat natürlich nicht nur das Ziel, das Tier zu schonen. Auch die Fleischqualität ist besser, je stressärmer das Tier bis zum Schluss gelebt hat.

Wenn Fleisch, dann mit Bedacht wählen

Ich persönlich esse seit einiger Zeit sehr bewusst nur noch sehr wenig Fleisch, weil ich die “industrielle Produktion” – zur Erinnerung, wir reden hier von Lebewesen – nicht mehr unterstützen will. Und wenn ich welches esse, dann achte ich darauf, wo es herkommt. Mit den Anforderungen der Bäuerlichen Erzeugermeinschaft Schwäbisch Hall an die Haltung der Tiere könnte ich mich anfreunden. Jetzt muss ich nur noch in Erfahrung bringen, wo ich in der Nähe ab und zu Produkte der BESH kaufen kann. Zwar gibt es auch einen Online-Shop, aber das lohnt bei meinen wirklich kleinen Mengen nicht.

Vielen Dank für die interessante Führung. Ich fand sie saugut!

Der Hirschhof in Frankenhardt mit seinen schwäbisch-hällischen Schweinen war eine Station der #PlaceToBW Genusstour vom 07. bis 09. Oktober 2014.

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen.

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Elisabeth Herrmann: Das Dorf der Mörder

Im Berliner Tierpark geschieht ein grausamer Mord. Ein Mann wird – vermutlich bei lebendigem Leibe – von Pekaris, einer Schweineart, gefressen. Eine Schuldige ist schnell gefasst. Zu schnell, wie Sanela Beara, eine junge Streifenpolizistin, die zufällig als Erste am Tatort ist, glaubt. Sie lässt nicht locker, ermittelt auf eigene Verantwortung in einem fast verlassenen Dorf in Brandenburg. Und löst dabei das Rätsel, das die Bewohner für immer verborgen halten wollten.

Cover: Goldmann Verlag
Cover: Goldmann Verlag

Eine grausame Meldung versetzt die Berliner Polizei in Alarm. Am hellichten Tag werden im Gehege der Pekaris, einer Schweineart mit dolchartig ausgeprägten Eckzähnen, tauchen Leichenteile auf. Ausgerechnet eine Kindergartengruppe wurde Zeuge, wie die Tiere an einer menschlichen Hand genagt haben.

Was haben die Kinder gesehen?

Die junge Polizistin Sanela Beara trifft als erste am Tatort ein. Sie führt die Kinder aus der Gefahrenzone und versucht, behutsam in Erfahrung zu bringen, was sie gesehen haben. Da sei ein seltsamer Clown gewesen, der ihnen einen Luftballon gegeben habe. Und es sei nicht der gleiche gewesen, der weiter vorne im Park Kunststücke vorführen würde.

Weiter kann Sanela nicht in sie dringen. Sie muss sich gemeinsam mit ihren Kollegen um weitere Zeugen und die Bergung der Leichenteile kümmern.

Schnell wird der Öffentlichkeit mit Charlie Rubin eine Schuldige präsentiert. Die zurückgezogen lebende Frau hat im Tierpark Mäuse und Ratten für Raubvögel und andere Fleischfresser gezüchtet und eignet sich schon alleine wegen ihres Jobs als willkommene Beute für die Masse. Zudem hat sie Sanela hinterrücks überfallen und niedergeschlagen, als diese dem Tathergang auf die Spur zu kommen schien.

Doch nicht nur Sanela zweifelt an der Schuld der Frau. Auch der Psychologe, der ihre Schuldfähigkeit prüfen soll, hat Bedenken. Als sich Charlie Rubin umbringt, eskaliert die Situation. Unabhängig voneinander machen sich beide auf eigene Faust auf, die Hintergründe des bizarren Mordes zu erforschen. In einem Dorf in Brandenburg stoßen sie eine unvorstellbar grausame Vergangenheit.

Faszinierend und beklemmend gleichermaßen

Nach „Zeugin der Toten“ das zweite Buch von Elisabeth Herrmann, das mich unwiderstehlich in seinen Bann gezogen hat. Von Anfang an hatte ich als Leserin das Gefühl, in die Story hineingezogen zu werden. Und bis zum Ende ließ mich die dunkle Wolke, die zu einem guten Thriller gehört, nicht los. Das meine ich absolut positiv. Ein guter Thriller muss fesseln.

So bizarr die Auflösung der Story auch ist, sie ist leider vorstellbar. Immer wieder erschüttern ähnlich grausame Familiengeschichten wie die von Charlie Rubin die Öffentlichkeit und immer wieder wundert man sich, wieso diese Dramen niemandem in der Nachbarschaft aufgefallen sind.

Das Dorf der Mörder – eine klare Leseempfehlung von mir! Aber Vorsicht: nichts für sehr sanfte Gemüter.

Elisabeth Herrmann

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman „Das Kindermädchen“ ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau mit Jan Josef Liefers vom ZDF, „Zeugin der Toten“ mit Anna Loos in der Hauptrolle. Für dieses Buch erhielt sie den Radio-Bremen- Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Elisabeth Herrmann lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Buchinfo: Das Dorf der Mörder von Elisabeth Herrmann, erschienen bei Goldmann, Februar 2013, 480 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-442-31325-9