Triest zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Inspettore Gaetano Lamprecht wird zu einer grausam zugerichteten Leiche gerufen. Schnell gerät der Mann, der sie gefunden hat, ins Visier des Ermittlers.

Der junge, sportliche Gaetano Lamprecht sollte eine juristische Karriere machen, so der Wunsch des Vaters. Doch schnell stellte Gaetano fest, dass ein “handfesterer Beruf” eher zu ihm passt. Er entscheidet sich für eine Karriere bei der Polizei. Sehr zum Unmut des Vaters, der ihn deshalb ohne sein Wissen fürs Militär meldet. Als Gaetano den Bescheid des Militärs bekommt, er habe sich freiwillig für den Militärdienst gemeldet, kann er nur vermuten, wer das Schreiben in seinem Namen verschickt hat.
Doch vorerst ist er in der Polizeidienststelle unabkömmlich. Dafür verantwortlich ist ein grausamer Mord an einer älteren Frau, den er als verantwortlicher Inspettore aufklären soll. Der Sohn ihrer besten Freundin hatte die übel zugerichtete Leiche am frühen Morgen gefunden. Durch sein auffälliges Verhalten – offensichtlich ist der notorische Spieler plötzlich zu viel Geld gekommen – gerät er schnell ins Visier des Inspettores.
Wohlhabend mit eigenem Haus – und das als Frau
Doch das ist nicht die einzige Auffälligkeit im Zusammenhang mit dem Mord. Die Ermordete lebte mit ihrer Tochter in ihrem eigenen Haus. Selbst gekauft, nicht geerbt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine absolute Seltenheit bei Frauen. Auch der Haushalt ist auffallend gut ausgestattet. An Geld scheint es nicht zu fehlen, obwohl das Mordopfer weder berufstätig noch verheiratet war.
Im Laufe der Ermittlungen stößt Inspettore Lambrecht auf immer mehr Ungereimtheiten und auf ein sorgsam gehütetes Geheimnis. Lastet auf der Familie wirklich ein Fluch?
Interessante geschichtliche Details
In Die Geister von Triest die Region nimmt Christian Klinger mit in die bewegte Zeit des frühen 20. Jahrhunderts. Gerade in der kulturellen Vielfalt Triests sorgt der Krieg für Spannungen und viele Schwierigkeiten. Christian Klinger beleuchtet die politischen Hintergründe sehr gut verständlich.
Auch auf die Rolle der Frauen zu dieser Zeit geht er gleich aus mehreren Blickwinkeln ein. Um arbeiten zu dürfen, brauchten sie die Zustimmung des Vaters oder des Ehemannes. Verschwand der “Versorger”, verloren sie meist auch ihr Dach über dem Kopf. Kurzum: Für sie gab es keinen Ausweg aus ihrer Abhängigkeit.
Umso überraschender ist die Vita des Mordopfers, was mich schnell neugierig gemacht hat. Im weiteren Verlauf hätte ich gerne eine etwas straffere Story gehabt, aber jeder Autor und jede Autorin hat eben ihren eigenen Stil. Trotz dieses “Mankos” fand ich den Krimi spannend und habe ihn gerne gelesen.
Christian Klinger
Christian Klinger, geboren 1966 in Wien, Studium der Rechtswissenschaften. Seit 2017 Zweitwohnsitz in Triest. Er veröffentlichte zahlreiche Krimis und Beiträge in Anthologien, erhielt den Luitpolt-Stern-Förderungspreis und war auf der Auswahlliste des Agatha-Christie-Krimipreises (2011). Im Picus Verlag erschienen der Roman “Die Liebenden von der Piazza Oberdan”, der historische Kriminalroman “Ein Giro in Triest” sowie Gaetano Lamprechts zweiter Fall “Die Geister von Triest” (2023).
Buchinfo: Die Geister von Triest von Christian Klinger, erschienen bei Picus, August 2023, 320 Seiten, gebunden, € 20,00, 978-3-7117-2122-8. Danke für das Leseexemplar.

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