Carla Freieck: So viele Jahre

Thea ist Anfang Fünfzig, als ihr Leben vollends aus den Fugen gerät. Seit Jahren plagen sie Alpträume und Migräneattacken und werfen Schatten auf ihr glückliches Familienleben. Als sie beschließt, ihr Situation zu ändern, ahnt sie nicht, worauf sie sich einlässt.

So viele JahreThea Brandner ist eine glücklich, eine erfolgreiche Frau. Seit dreißig Jahren ist sie mit Andreas, ihrem attraktiven und fürsorglichen Traummann, verheiratet. Ihr beiden Kinder, Nora und Ben, stehen mehr oder weniger auf eigenen Beinen und leben ihr eigenes Leben. Frida, Noras Tochter und die bislang einzige Enkelin, ist ein Sonnenschein. Mindestens zweimal wöchentlich telefoniert sie mit ihrer Mutter, besucht sie regelmäßig. Die kreative Ader, die Thea von ihrem Vater geerbt hat, lebt sie halbtags in einem Architekturbüro aus.

Die perfekte, praktische und organisierte Thea, das ist das Bild, das ihre Familie, ihre Freunde und Bekannten, ihre Kollegen und die Nachbarschaft sehen. Das Bild, das sie selbst so gerne von sich gesehen hat und auf das sie stolz war. Dabei ahnt sie schon seit langem, dass sie längst nicht so stark ist, dass etwas in ihr gärt. Greifbarer Beleg dafür sind die immer häufiger wiederkehrenden Alpträume, die ihr den Schlaf rauben, und die zunehmenden Migräneattacken.

Plötzlich ist der Kontakt zu dir selbst weg

Von Tag zu Tag fühlt Thea sich leerer, reagiert unzufrieden und aggressiv, um sich dann wieder Vorwürfe zu machen, dass sie nicht mehr perfekt funktioniert, Dinge vergisst, unkonzentriert ist. Ein Teufelskreis, in dem sie feststeckt.

Als Johann in ihr Leben tritt und ihr eindeutige Avancen macht, scheint sich das Blatt zu wenden. Thea blüht auf, findet wieder Freude am Leben. Auch wenn sie permanent gegen ihr schlechtes Gewissen kämpfen muss, lässt sie sich auf eine prickelnde Affäre ein. Sie ahnt nicht, dass es die gestohlenen, leidenschaftlichen Stunden mit Johann sein werden, die sie an den Rand des Abgrundes bringen werden. Und dass es gleichzeitig diese Stunden sein werden, die Licht in die Geheimnisse ihrer Kindheit bringen.

So viele Jahre von Carla Freieck hat mich sehr bewegt. Lange Zeit hat Thea das gelebt, was immer noch als Idealbild der Frau gilt: Familie, Haus, Hof und Job fest im Griff. Dabei selbst anspruchslos und aufopfernd. Egal, was im Hintergrund passiert, wie leer sie sich selbst fühlt.

Depression, die (zu oft) totgeschwiegene Krankheit

Und Carla Freieck zeigt auch, dass der Weg zur psychologischen Hilfe längst noch nicht so selbstverständlich ist, wie er sein sollte. Wer sich ein Bein bricht, lässt es ganz selbstverständlich eingipsen und präsentiert seine Einschränkung. Bei psychischen Belastungen ist es anders. Sie werden immer noch totgeschwiegen, als Makel oder Schwäche empfunden. Dabei handelt es sich meist um schwerwiegende Erkrankungen, deren Ursachen nicht selten schon sehr sehr lange zurück liegen.

Auch damals war es die Angst vor der Meinung der anderen, das Ansehen nach außen, das unsere Eltern und Großeltern die Ereignisse unter den Teppich kehren ließen. Weil sie selbst es nicht anders kennenlernten. Weil sie selbst in ihrer Rolle gefangen waren, die Augen vor dem Schlimmsten verschließen mussten, um zu überleben. Trauma und Depression, das waren noch keine gängigen Begriffe.

Leider hat sich das bis heute nur bedingt geändert. Die Hilfe der Psychiatrie oder Psychotherapie zu suchen, wird noch immer viel zu oft als Schwäche gewertet. Dabei ist es der härteste Weg, den man gehen kann. Sich der Vergangenheit zu stellen, in Verletzungen nochmals ganz tief einzutauchen, das ist kein Spaziergang. Das ist harte Arbeit. Und es ist der einzige Weg, der wirklich final hilft.

Am Beispiel der Thea Brandner schildert Carla Freieck diesen Weg sehr eindringlich und ehrlich. Wir brauchen viel mehr dieser offenen Schilderungen. So lange, bis eine Depression so akzeptiert ist wie ein gebrochenes Bein!

Von mir eine entschiedene Leseempfehlung.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Carla Freieck

Carla Freieck ist vielseitig. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, war sie unter anderem als Sekretärin eines Bürgermeisters und im journalistischen Bereich tätig. Sie liebt Pferde, hat ein Faible für italienische Weine und interessiert sich für Architektur. In ihrer Freizeit ist sie mit Anfang fünfzig außerdem begeisterte Oma und Hobbygärtnerin. Mit ihrem Mann lebt Carla Freieck seit vielen Jahren in der Nähe von Limburg.

Buchinfo: So viele Jahre von Carla Freieck, erschienen bei DIANA, 12.11.2018, 368 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-453-35941-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Hanna Caspian: Gut Greifenau – Morgenröte

1918 in Deutschland. Endlich ist der Frieden in Sicht. Doch auf Gut Greifenau folgt ein Schicksalsschlag dem nächsten. Wird Konstantin das Gut retten können? Oder ist der Verkauf und damit das Ende der von Auwitz-Aarhayns unausweichlich?

Gut Greifenau MorgenröteJanuar 1918. Auf Greifenau glaubt außer Gräfin Feodora niemand mehr an einen deutschen Sieg im ersten Weltkrieg. Umsturzmeldungen machen die Runde. In Russland wurde der Zar getötet, die Adligen enteignet. Ihr Land soll ans Volk verteilt werden. Während der Adel in Deutschland bangt, hofft das Volk auf ähnliche Veränderungen. Auf mehr Freiheit, auf eigenes Land für die Pächter.

Doch noch ist es nicht so weit. Unverändert werden junge Männer in den Krieg geschickt. Die Listen der Gefallenen werden länger und länger. Längst schützt eine körperliche Einschränkung nicht mehr vor der Einberufung. Auch Alexander, der jüngste Sohn der Grafenfamilie muss an die Front.

Katharina auf der Flucht

Einzig Katharina bleibt von den ehemals fünf Kindern im Schloss. Dabei ist sie die Einzige, die sich sehnlichst möglichst weit weg wünscht. Doch nach ihrem ersten Fluchtversuch lässt Gräfin Feodora sie nicht mehr aus den Augen. Schließlich ist ihre Verheiratung mit Ludwig von Preußen, dem Neffen des Kaisers, die einzige Hoffnung, das hoch verschuldete Gut noch vor dem Ruin retten zu können. Mit einer sorgfältig geplanten List gelingt es Katharina, ihrem Kerker zu entkommen. Voller Hoffnung auf ein besseres Leben macht sie sich alleine auf den Weg nach Potsdam. Zu Julius, ihrer großen Liebe. Einem bürgerlichen Industriellensohn.

Hätte mir jemand auf den ersten Seiten von Band eins der Greifenau Trilogie gesagt, dass ich für Band drei alles stehen und liegen lassen würde, hätte ich ihm oder ihr den Vogel gezeigt.

Liebe Autorin, ich hab‘ da einen Wunsch

Jetzt sage ich: Hanna Caspian, ich warte auf “Gut Greifenau – The next Generation”! Ein derart glattes Happy End kann nicht der Schlusspunkt sein. Zumal der nächste Krieg ja schon seine Schatten voraus wirft. Und wir in diesem Jahr 70 Jahre Bundesrepublik Deutschland feiern. Stehen die Manuskripte für die nächsten Bände schon? Für wann soll ich Lesezeit einplanen? 🙂

Ich denke, dass ich die Greifenau Trilogie empfehle, brauche ich jetzt nicht mehr extra zu betonen. Die drei Bücher geben kurzweilige Geschichtsnachhilfe, falls jemand Kaufsargumente braucht. Hat also nichts mit reiner Unterhaltung zu tun, die haben zu wollen. Lässt sich prima mit Fortbildung argumentieren. 😉

Wie auch schon bei Band zwei betont, gilt auch hier: Die Story ist schwer zu verstehen, wenn man die Vorgänger nicht gelesen hat. Eine Zusammenfassung zu Beginn ist nicht inklusive.

Hanna Caspian

Hanna Caspian ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihren gefühlvollen und spannungsgeladenen Familiensagas beleuchtet sie bevorzugt fast vergessene Themen deutscher Geschichte.

Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften, Sprachen und Politikwissenschaft in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Zuletzt war sie Anzeigenleiterin und Projektmanagerin in einem Fachverlag. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

Buchinfo: Gut Greifenau – Morgenröte von Hanna Caspian, erschienen bei KNAUR, 01.03.2019, Band 3 der Gut Greifenau Trilogie, 576 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-426-52152-6. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Alex Pohl: Eisige Tage

Leipzig im Winter. Kommissarin Hanna Seiler und ihr Kollege Milo Novic werden zu einem Mordfall gerufen. Was auf den ersten Blick wenig spektakulär aussieht, zieht das Ermittlerteam tief in die Abgründe von Menschenhandel und Pädophilie.

Eisige TageAm Elster-Saale-Kanal wird ein Mann erschossen in seinem Auto aufgefunden. Die Waffe: eine alte, russische Makarow. Der Tote war in der Vergangenheit als Anwalt für die Russenmafia aktiv. Ist er hier in Ungnade gefallen? Aber was hat es dann mit den Fotos leichtbekleideter, minderjähriger Mädchen in eindeutigen Posen auf sich, die in seinem Nachlass gefunden werden? Eines der Mädchen wurde erst wenigen Tagen zuvor vermisst gemeldet.

Kann die Russenmafia helfen?

Hanna Seiler beschließt, ihre Kontakte zu Iwanow, dem Chef der Russenmafia, zu nutzen, um schnellstmöglich Licht ins Dunkel zu bringen. Doch was sie erfahren, macht den Fall nur noch komplizierter. Und verwirrt Milo Novic, der spürt, dass Iwanow und Seiler ein ganz besonderes Verhältnis zueinander haben.

Eisige Tage von Alex Pohl ist ein klug konstruierter Krimi, der die Aufmerksamkeit seiner Leserinnen und Leser fordert. Im Wechsel zwischen Rückblick und Gegenwart erzählt er nicht nur eine Geschichte, sondern mindestens zwei. Denn nicht nur der Mord bleibt bis kurz vor Schluss mysteriös, auch im Leben von Milo Novic scheint es dunkle Geheimnisse zu geben, von denen seine Kollegin nichts weiß.

Mich haben diese Wechsel in den beiden Erzählsträngen nur ganz zu Beginn kurz irritiert.

Auch die Ermittlungen im eigentlichen Mordfall verlaufen nicht streng chronologisch. Ab und an musste ich kurz zurückblättern und nach dem Datum schauen, mit dem jeder neue Gedankengang startet. Das fand ich aber nicht schlimm.

Verstörend emotionslos

Schlimm sind die Hintergründe der Geschichte. Auf welche perfide Art und Weise das Vertrauen junger Mädchen oder kleiner Jungs erschlichen wird, um sie dann an reiche, skrupellose Russen zu verschachern, ist erschreckend. Wie aussichtslos muss die Lage der Menschen sein, die sowas unterstützen und sich daran beteiligen? Oder wie emotionslos müssen sie sein?

Egal, wie oft ich Krimis, Thriller oder Sachbücher zu dieser Thematik lese, ich bin immer wieder fassungslos. Fassungslos, wie viele Menschen wegschauen und schweigen. Fassungslos, wie sehr viele Kinder leiden müssen.

Eisige Tage von Alex Pohl hat mich gefesselt aber nicht verschlungen. Von mir gibt es dennoch eine Leseempfehlung für die komplexe Story.

Alex Pohl

Alex Pohl hatte jede Menge Jobs, bevor er mit seinen Bestsellern das große Publikum eroberte. Heute erreichen seine unter dem Pseudonym L.C. Frey verfassten Thriller regelmäßig Auflagen in sechsstelliger Höhe. Nun tritt Alex Pohl zum ersten Mal unter seinem Klarnamen als Autor in Erscheinung: »Eisige Tage« ist der Auftakt einer neuen Krimireihe rund um den Tatort Leipzig – seiner Heimatstadt.

Buchinfo: Eisige Tage von Alex Pohl, erschienen bei Penguin, 11. Februar 2019, Taschenbuch mit Klappenbroschur, 432 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-328-10323-3

Kristine Bilkau: Eine Liebe, in Gedanken

Hamburg, 1964. Für Antonia und Edgar ist es Liebe auf den ersten Blick. Sie wollen gemeinsam in die Zukunft gehen. Doch die entwickelt sich für das Paar anders als erwartet. Fünfzig Jahre später löst Antonias Tochter den Nachlass ihrer Mutter auf und stellt fest, wie wenig sie über diese Frau wusste.

Hamburg in den frühen Sechzigern. Der Krieg ist vorbei, im Land geht es aufwärts. Die jungen Leute wollen leben, ihre Zukunft gestalten, frei sein. Als sich Antonia und Edgar zufällig begegnen, spüren sie sofort die besondere Magie, die zwischen ihnen herrscht. Schnell ist klar, sie wollen den weiteren Weg gemeinsam gehen.

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Doch ihre Generation ist auch ein Sicherheitsdenken tief verhaftet. Antonia plant ihre berufliche Karriere, was endlich auch Frauen möglich ist. Edgar ist in seinem Beruf unzufrieden, will sich weiterentwickeln, seiner Frau etwas bieten können. Ein Auslandsaufenthalt scheint da genau das Richtige zu sein. In Hongkong soll er eine neue Niederlassung der Firma aufbauen. Was wie die Chance ihres Lebens aussieht, entwickelt sich für Antonia und Edgar zum Fiasko.

Fünfzig Jahre später, nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter, beschließt ihre Tochter, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Wann und warum genau haben sich Antonia und Edgar verloren? Weiß Edgar, wie sich das Leben ihrer Mutter entwickelt hat. Weiß er, dass sie tot ist? Hat er sie gar längst vergessen? Sie wird ihn mit all diesen Fragen konfrontieren.

Ein unglaublich liebevolles Buch

Es gibt Bücher, die eigentlich traurig sind, zum Beispiel weil zwei Liebende ihr Leben nicht miteinander verbringen können. Und es gibt solche, die Mut machen, gerade weil zwei Menschen ihre Liebe nicht leben können. Zu letzteren gehört für mich Eine Liebe, in Gedanken.

Ohne jeden Kitsch erzählt Kristina Bilkau die Geschichte von Antonia und Edgar. Lässt uns teilhaben an dem Bangen und Hoffen. Und an der liebevollen Aufarbeitung der Vergangenheit durch Antonias Tochter.

Mich beeindrucken die Geschichten junger Frauen aus den Fünfzigern oder Sechzigern des letzten Jahrhunderts. Frauen, die stark sein mussten, weil ihnen noch unzählige Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Sich diesen zu stellen und ihren eigenen Weg zu gehen, war mutig und nicht sehr angesehen, entsprachen sie damit doch nicht dem gängigen Familienmodell der damaligen Zeit.

Eine Liebe, in Gedanken von Kristina Bilkau ist ein wunderschönes Buch, das ich allen ans Herz lege, die sich für die Nachkriegszeit und der Rolle der Frau darin interessieren.

Kristina Bilkau

Kristine Bilkau, 1974 geboren, studierte Geschichte und Amerikanistik. Ihr erster Roman „Die Glücklichen“ fand ein begeistertes Medienecho, wurde mit dem Franz-Tumler-Preis, dem Klaus-Michael-Kühne-Preis und dem Hamburger Förderpreis für Literatur ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Buchinfo: Eine Liebe, in Gedanken von Kristine Bilkau, erschienen bei Luchterhand, März 2018, 256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 20,00, ISBN: 978-3-630-87518-7

Lorenz Stassen: Blutacker

Für Nicholas Meller entwickelt sich alles nach Wunsch. Nachdem der junge Anwalt in einem spektakulären Prozess um den sogenannten Angstmörder viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, kann er sich vor Aufträgen solventer Kunden kaum noch retten. Doch schnell lernt er auch die Schattenseiten seiner Karriere kennen.

blutackerNicholas Meller ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Noch vor wenigen Monaten musste der junge Anwalt um jeden Mandanten ringen, jetzt laufen sie ihm die Tür seiner schicken neuen Kanzlei ein. Dem Medienrummel um seinen letzten Fall sei Dank.

Auch privat hat sich viel getan. Mit Nina, seiner ehemaligen Referentin lebt er jetzt in einer luxuriösen Wohnung. Nina kann ohne finanzielle Sorgen ihr Studium vorantreiben, die gemeinsame Zeit genießen beide.

Mit dem Geld kommt die Gefahr

Das alles ändert sich schlagartig, als Hauptkommissar Rongen plötzlich vor der Tür steht. Ein Paketbote wurde brutal ermordet, ein einziges Paket entwendet. Der Empfänger: Rechtsanwalt Nicholas Meller. Im Gegensatz zur Polizei nimmt Nicholas die Sache vorerst auf die leichte Schulter. Doch das ändert sich bald. So langsam dämmern ihm die Risiken, die mit seiner neuen Popularität einher gehen. Kann er für Nina und sich rechtzeitig die Reißleine ziehen?

Blutacker – wie im wahren Leben

Lorenz Stassen verschafft seinen Lesern mit Blutacker einen spannenden Einblick in die Welt von Macht, Gier und Korruption. Und wie leicht man sich davon gefangen nehmen lässt, wenn man sich neu und arglos in diesem Umfeld bewegt.

Erst nach und nach wird klar, wie schnell dieses Geflecht aus Skrupellosigkeit und Egoismus zur Lebensgefahr werden kann. Ein Geflecht, das sehr realistisch geschildert wird und in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist und viele Entscheidungen, die uns alle betreffen, beeinflusst. Eine traurige aber wohl realistische Wahrheit.

Von mir bekommt Blutacker von Lorenz Stassen deshalb eine Leseempfehlung.

Lorenz Stassen

Lorenz Stassen, geboren 1969, wuchs in Solingen auf und wurde zunächst Chemielaborant. Er wechselte ins Film- und Fernsehgeschäft und arbeitet seit 1997 als freischaffender Drehbuchautor, u. a. für »Alarm für Cobra 11« und »Soko Köln / Soko Stuttgart«. »Angstmörder« ist sein erster Roman. Lorenz Stassen lebt in Köln.

Buchinfo: Blutacker von Lorenz Stassen, erschienen bei Heyne, 12.11.2018, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 12,99, ISBN 978-3-453-43944-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Lincoln Child: Der Luna-Effekt

Ein scharrendes Geräusch, ein fauliger Geruch. Das ist das Letzte, was David Palmer in der hellen Vollmondnacht wahrnimmt. Wenig später wird seine brutal zerfetzte Leiche am Fuß des Desolation Mountain gefunden. Und sie bleibe nicht die letzte. Ein Fall für den Enigmatologen Jeremy Logan?

luna-effektJeremy Logan hat es in die abgelegenen Wälder der kanadischen Provinz verschlagen. Hier erhofft er sich die nötige Ruhe, um sein Buch zu Ende bringen zu können. Doch sein Ruf als Experte für Enigmatologie, der Erforschung unerklärlicher Phänomene eilt ihm voraus.

Als nach einer Vollmondnacht die völlig zerfetzte Leiche eines Wanderers in den Wäldern gefunden wird, hofft man auf Logans Hilfe. Denn der Mann ist nicht das einzige Opfer. Und alle wurden bei Vollmond getötet. Widerstrebend stimmt Jeremy Logan zu, eine kurze Einschätzung der Situation aus seiner Sicht abzugeben. In die weiteren Ermittlungen will er sich nicht hineinziehen lassen.

Was fremd ist, macht Angst

Vorsichtig hört er sich im Dorf um. Dort sind die Schuldigen bereits gefunden: Ein Familienclan, der seit Jahrzehnten völlig zurückgezogen im Wald lebt und nach Möglichkeiten jeden Kontakt zu den Dorfbewohnern vermeidet. Doch Logan ist nicht überzeugt. Was hat es mit dem Forschungsinstitut auf der versteckten Waldlichtung auf sich?

Beim nächsten Vollmond wird ein weiterer Mensch bestialisch ermordet. Ein Mensch, den Jeremy Logan gekannt und geschätzt hat. Jetzt kann er sich den Nachforschungen nicht mehr entziehen. Er muss dem Gefühl unsäglicher Gewalt, das er im Wald hatte, nachgehen und bringt sich dabei selbst in Lebensgefahr.

Ob das was für mich ist?

Zugegeben, ich habe gezweifelt, ob Der Luna-Effekt das richtige Buch für mich ist. Beschrieben wird es als Science-Mystery-Thriller. Science ist definitiv meins, aber Mystery? Eher nicht. Mit entsprechenden Vorbehalten begann ich zu lesen. Und war sehr sehr angetan! Ein wirklich spannender Thriller. Etwas spooky aber das wiederum so gut wissenschaftlich verpackt, dass es für mich als, ursprünglich mal, Biochemikerin durchaus irgendwie vorstellbar.

Spannend fand ich auch die Herangehensweise von Jeremy Logan an die Ermittlungen. Als Empath hat er immer wieder seine Fähigkeit, Gefühle anderer intensiv aufgreifen zu können, betont und genutzt. Ich selbst halte viel von “Bauchgefühl” und konnte deshalb auch hier gut mitgehen.

Und die Story als solche ist eindeutig spannend und stellenweise etwas gruselig.

Von mit gibt es deshalb eine Empfehlung für Der Luna-Effekt von Lincoln Child.

Lincoln Child

Lincoln Child studierte Literatur und arbeitete viele Jahre als Lektor bei St. Martin’s Press. Gemeinsam mit seinem Freund Douglas Preston schrieb er mehrere Romane, die ein Millionenpublikum begeisterten. Auch mit seinen Soloprojekten „Wächter der Tiefe“, „Nullpunkt“, „Hüter des Todes“ und „Frequenz“ feierte Child große Erfolge. Er lebt mit Frau und Tochter in New Jersey.

Übersetzung: Axel Merz

Buchinfo: Der Luna-Effekt von Lincoln Child, erschienen bei Wunderlich, 18.12.2018, 320 Seiten, gebunden, € 19,95, ISBN: 978-3-8052-0018-9. Danke für das Leseexemplar.

Hanna Caspian: Gut Greifenau – Nachtfeuer

Pommern, August 1914. Der erste Weltkrieg beginnt. Auch für die von Auwitz-Aarhayns auf Gut Greifenau ändert sich vieles. Wie werden sich die zarten Bande zwischen dem jungen Graf Konstantin und der Dorflehrerin Rebecca entwickeln? Und kann Katharina von Auwitz-Aarhayn der Ehe mit dem verhassten Ludwig von Preußen entgehen? Band zwei der Gut Greifenau Reihe von Hanna Caspian lässt uns hinter die Kulissen blicken.

gut greifenau nachtfeuerLangsam aber sicher machen sich die Vorboten des ersten Weltkrieges auch im pommerschen Hinterland bemerkbar. Züge fahren nicht mehr planmäßig, weil sie für den Truppentransport gebraucht werden. Luxusgüter sind nur schwer zu beschaffen. Aber noch leidet niemand Hunger. Alle glauben sie der Propaganda, dass im Herbst schon wieder alles vorbei sei, der Sieg sicher.

Das Märchen vom Blitzkrieg

Doch der Herbst wird zum Winter, der Winter zum Frühjahr. Immer mehr junge Männer aus dem Dorf werden eingezogen. Auch Konstantin, der älteste Sohn der Grafenfamilie muss die Kontrolle über das Gut an seinen Vater abgeben und zum Einsatz an die Front. Nur mit viel Glück überlebt er einen Bombenangriff und wird schwer verletzt ins Lazarett gebracht.

Dorflehrerin Rebecca versucht derweil, die Ernährung im Dorf zu sichern. Im Gutspark und der Orangerie will sie Gemüse anbauen, unterstützt unter anderem von Katharina, der jüngsten Tochter der von Auwitz-Aarhayns. Sehr zum Missfallen der Gräfin, die das Ende des Krieges herbeisehnt, damit sie endlich Katharinas Hochzeit mit Ludwig von Preußen organisieren kann. Egal, ob Katharina das möchte oder nicht. Doch das Mädchen schmiedet längst Pläne, wie sie diesem Schicksal entkommen will.

Ob sie aufgehen? Das wird uns Band drei sagen.

Es bleibt spannend

Wie im Krieg üblich, gehen auch in Band zwei der Greifenau Reihe die Uhren langsamer. Hanna Caspian beschreibt dramatische Kriegsszenen und die zunehmenden Probleme bei der Versorgung der Landbevölkerung ziemlich ausführlich. Für mich hätte dieser Teil etwas straffer sein können. Dafür hätte ich mir mehr über die Veränderungen, die diese Zeit für die Frauen brachte, gewünscht. Um ihre Kinder zu ernähren, während die Männer im Krieg sind, müssen viele in den Fabriken arbeiten. Eine Situation, die noch wenige Monate zuvor unvorstellbar war.

Aber im Fokus der Story steht nun mal das Leben auf dem Gut und in dem Dorf Greifenau. Und hier finden sich reichlich bewegende Schicksale, die mich als Leserin mitfiebern lassen. Wird Rebecca ihrem Glück trauen? Kann Katharina das Leben führen, von dem sie träumt? Wie werden sich die Dinge für Albert Sonntag entwickeln?

Ich bin sehr gespannt und freue mich auf Band drei.

Hinweis: Ich kann nicht empfehlen, die Gut Greifenau Reihe mit Band zwei zu starten. Nur sehr wenige Erzählstränge werden aus Band eins kurz rekapituliert und erst dann weiterentwickelt. Damit fehlt viel Vorwissen, das der Story ihre Intensität verleiht.

Hanna Caspian

Hanna Caspian ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihren gefühlvollen und spannungsgeladenen Familiensagas beleuchtet sie bevorzugt fast vergessene Themen deutscher Geschichte.

Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften, Sprachen und Politikwissenschaft in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Zuletzt war sie Anzeigenleiterin und Projektmanagerin in einem Fachverlag. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

Buchinfo: Gut Greifenau – Nachtfeuer von Hanna Caspian, Band 2 der Gut Greifenau Saga, erschienen bei KNAUR, 27.12.2018, 560 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-426-52151-9, vielen Dank für das Leseexemplar.