Frédéric Lenormand: Schöner sterben in Paris

Paris 1914. Kommissar Raymond Février hat seine Einberufung erhalten. Längst ist klar, dass in den Schützengräben nur Tod und Verstümmelung warten. Wenig verlockende Aussichten. Aus Kommissar Raymond wird Madame Loulou, eine beherzte Privatdetektivin.

Paris befindet sich im Ausnahmezustand. Die kampffähigen Männer werden eingezogen, die Frauen übernehmen alle möglichen Alltagsarbeiten und werden immer präsenter im Stadtbild. Als Kommissar Février seinen Einberufungsbefehl in den Händen hält, ist guter Rat teuer. Auf keinen Fall will der gewiefte Ermittler als Kanonenfutter enden. Kreative Ideen sind gefragt.

Einige Tage später. Cecily Barnett, Juniorchefin der Privatdetektei Barnett, braucht dringend Hilfe, will sie die Agentur ihres Vaters am Leben erhalten. Seit er eingezogen wurde, laufen die Geschäfte schlecht. Ihr als Frau trauen die Kunden nicht zu, verschwundene Hunde oder Katzen wiederzufinden oder Ehepartner beim Fremdgehen zu stellen. Kein Wunder, zweifelt die junge Cecily doch selbst daran, dass sie das schaffen kann.

Madame Loulou ermittelt

Die Lösung scheint Madame Loulou Chandeleur zu sein, die plötzlich im Wartezimmer der Detektei auftaucht. Und tatsächlich kann die pragmatische Loulou Cecily überzeugen, mit ihr gemeinsam die Agentur wieder zu eröffnen. Ganz zufällig bringt Madame Loulou auch gleich den ersten Auftrag mit einer perfekten Auftraggeberin mit: Einer reichen Adeligen, die alles tun würde, um das Leben ihres Sohnes zu retten. Cecily und Loulou nehmen die Spur der Erpresser auf und geraten dabei ins Visier skrupelloser Gangster.

Ich war sehr neugierig auf Schöner sterben in Paris von Frédéric Lenormand. Das Spiel mit den Geschlechtern konnte eigentlich nur amüsant sein. War es auch tatsächlich. Wenn Madame Loulou feststellt, dass es nicht so leicht ist, mit schmalen Stiefelchen und Korsett die Verfolgung von Flüchtigen aufzunehmen. Oder sich unverhohlener Anzüglichkeiten erwehren zu müssen, obwohl man dem Gegenüber nicht den geringsten Anlass zu einer Annäherung geboten hat.

Irgendwas hat mir gefehlt

Auch der Erpressungsfall mit seinen überraschenden Wendungen, den die beiden Damen erfolgreich aufklären, ist durchaus interessant. Trotzdem hat mich das Buch nicht so richtig gepackt, ohne dass ich sagen könnte, weshalb. Das Tempo hätte für meinen Geschmack etwas höher sein können, aber das war auch schon das Einzige.

Schöner sterben in Paris ist ein amüsanter Krimi aus der Zeit des ersten Weltkriegs. Und vielleicht ein Aha-Moment für den ein der anderen männlichen Leser, der dank Madame Loulou einen Blick hinter die Kulissen des weiblichen Geschlechts werfen kann.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.|

Frédéric Lenormand

Frédéric Lenormand wurde 1964 in Paris geboren und studierte Politik. Seit 1988 hat er zahlreiche historische Kriminalromanreihen veröffentlicht, bei denen mal Voltaire, mal ein chinesischer Richter die Hauptrolle spielt. Er wurde u. a. mit dem renommierten Prix Arsène Lupin du roman policier 2011 ausgezeichnet.

Übersetzung: Jörn Pinnow

Buchinfo: Schöner sterben in Paris von Frédéric Lenormand, erschienen bei Dumont, 19.08.2019, 304 Seiten, € 10,00, ISBN 978-3-8321-8378-3. Danke für das Leseexemplar.

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Christian v. Ditfurth: Ultimatum

Deutschland im Herbst 2019. Terroristen entführen den Mann der deutschen Kanzlerin. Kurz darauf verschwindet die Frau des französischen Präsidenten spurlos. Die Forderung der Entführer in beiden Fällen: Deutschland soll die Schulden der südlichen EU-Länder übernehmen. Noch ehe die Regierungen eine Entscheidung fällen können, gehen neue Forderungen ein.

Im Kanzleramt herrscht der Ausnahmezustand. Professor Süß, der Gatte der Kanzlerin wurde entführt. Die Forderung: Deutschland soll die Schulden von Italien übernehmen und einen Schwerverbrecher freilassen, der als perfekter Stratege gilt.

Kurze Zeit später in Paris. Die Frau des Präsidenten verschwindet ebenfalls spurlos. Auch hier werden Forderungen gestellt. Deutschland soll jetzt nicht nur die Schulden Italiens übernehmen, sondern aller südeuropäischen Länder. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Rettet Kommissar de Bodt Deutschland?

Wie schon beim letzten Angriff auf die Regierung, beschließt die Kanzlerin, Hauptkommissar Eugen de Bodt als Externen zu ihrem Beraterstab hinzuzuziehen. Sein Rat: Die Kanzlerin soll auf die Forderungen nicht eingehen. Wenn sie es tut, wird ihr Mann sterben, denn die Erpresser gehen nicht davon aus, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Ihnen geht es darum, Unfrieden zu stiften. Wie zu erwarten, stößt de Bodts Handlungsempfehlung im Ministerstab auf Entrüstung, doch erneut schlägt sich die Kanzlerin auf seine Seite.

Da geht die nächste Drohung ein. Ein deutsches Atomkraftwerk soll in die Luft fliegen. Für Eugen de Bodt und sein Team beginnt ein Rennen mit der Zeit. Und die Hoffnung, dass sie mit ihren Vermutungen richtig liegen.

Was weiß der Autor, was ich nicht weiß?!

Wieder perfekt recherchiert und so gut weitergesponnen, dass ich mir nicht sicher bin, ob das Ende von Ultimatum fiktiv ist oder ob Christian v. Ditfurth nur mehr weiß, als ich. Jedenfalls bin ich einige Tage mit einem mulmigen Gefühl durch die Gegend gelaufen, weil auch ich von hochintelligenten, perfekt organisierten, finanziell potenten Drahtziehern ausgehe, die für die Entwicklungen der letzten Jahre verantwortlich sind.

Dieses flaue Gefühl im Magen habe ich nicht zum ersten Mal nach der Lektüre von Ditfurths Büchern. Ursache dafür ist die sehr enge Orientierung der Story an der Zeitgeschichte. Auch ohne Namen zu nennen, weiß ich beim Lesen genau, wer gemeint ist und bei dem ein oder anderen Seitenhieb konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verbergen.

Klar gibt es auch Schwächen, zum Beispiel was die Folgen des Atomunfalls angeht, aber dennoch ist Ultimatum von Christian v. Ditfurth ein sehr intelligenter Thriller, der ob seines Bezuges zur Zeitgeschicht auf ganz spezielle Art unter die Haut geht.

Erneut ein klares Daumen hoch für Christian v. Ditfurth! Inhaltlich und stilistisch kein Alltagsbrei.

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Christian v. Ditfurth

Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in Berlin und in der Bretagne. Neben Sachbüchern und Thrillern wie »Der 21. Juli« und »Das Moskau-Spiel« hat er Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht; zuletzt »Böse Schatten«. Seit 2014 ermittelt Eugen de Bodt erfolgreich – sein zweiter Fall »Zwei Sekunden« wurde mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet, zuletzt erschien »Schattenmänner«.

Buchinfo: Ultimatum von Christian v. Ditfurth, erschienen bei C. Bertelsmann, 26.08.2019, 448 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-570-10342-5. Danke für das Leseexemplar.

Paul McNeive: Resistent

In New York häufen sich Erkrankungen, die nicht auf die üblichen Antibiotika ansprechen. Die Behörden suchen mit Hochdruck nach der Infektionsquelle. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass Detective John Wyse der Ursache auf die Spur kommt und die verheerende Epidemie stoppen kann.

Hiroshima, 6. August 1945. Auf einem Spielplatz stößt Saina Yohoto zwei ihrer drei Kinder auf den Schaukeln an. Nicht hoch genug kann es den kleinen gehen. Dann plötzlich der Schock. Das jüngste Kind, der fünfjährige Tsan rutscht unter der Sitzsicherung hindurch und stürzt schwer auf den Betonboden. Als Saina nach vorne rennt um den Kleinen zu trösten, wird sie von einem gleißenden Licht erfasst, dem rasch ein warmer, dann immer heißer werdender Wind folgt. Als ein Feuerball über den Platz fegt, wirft Saina sich schützend über ihren Jüngsten.

Rache, die über Leichen geht

Manhattan. Gegenwart. Ein alter Mann wird in seiner Fabrikhalle ermordet. Weder seine Familie noch die Polizei hat eine Idee, was die Ursache dafür sein könnte. Niemand wollte ihm bisher etwas Böses. Gegen einen Mord im Affekt, vielleicht durch Drogensüchtige auf der Suche nach Geld, spricht der gezielte Kopfschuss und die Tatsache, dass nichts gestohlen wurde.

Und tatsächlich hat der alte Mann nichts verbrochen. Sein Tod war einfach nur Mittel zum Zweck für einen perfiden, über Jahrzehnte hinaus geplanten Angriff auf die Vereinigten Staaten. Ein Plan, der Tausende Tote fordern und das Land in eine tiefe Krise stürzen soll.

Der Plan ist durchaus realistisch

Ich liebe Thriller, die mit realen geschichtlichen Begebenheiten spielen. Und ich bin immer wieder fassungslos, auf welch perverse Plots manche Autoren und Autorinnen kommen. Sie spielen virtuos mit aktuellen Bedrohungen und sorgen so für das flaue Gefühl im Magen ihrer Leserinnen. Tatsächlich kann ich mir das beschriebene Szenario vorstellen. Eigentlich ist der Plan perfekt, wenn auch nur mit großen Aufwand umsetzbar. Zum Glück!

Gewünscht hätte ich mir einen strafferen Schreibstil. Mehr Tempo. Das hätte die innere Unruhe beim Lesen nochmal verstärkt und Resistent von Paul McNeive noch spannender gemacht.

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Paul McNeive

Paul McNeive verlor im Alter von 20 Jahren beide Beine. Die Erfahrungen mit Antibiotika während seines Genesungsprozesses bilden die Grundlage für die Idee zu «Resistent». McNeive arbeitete bereits als Immobilienmakler und als Motivationstrainer und schreibt für den Irish Independent. Er ist der erste Hubschrauberpilot ohne Beine und setzt sich als Botschafter der Douglas Bader Foundation für Amputationspatienten ein. Nebenbei komponiert und singt er.

Übersetzung: Axel Merz

Buchinfo: Resistent von Paul McNeive, erschienen bei rororo, 18.06.2019, 480 Seiten, € 11,00, ISBN: 978-3-499-27617-0. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Hilkje Hänel: Letzter Ausweg Tempelhof

Was bringt eine Mutter dazu, erst ihr eigenes Kind und dann sich selbst zu töten? Diese Frage stellt sich das Team um die Polizistin Alexandra Gode, als sie im Auffanglager für Geflüchtet auf dem Tempelhofer Feld vor den Leichen stehen. Doch was sie sehen, ist erst die Spitze des Eisberges.

Noch liegt Hauptkommissarin Alexandra Gode im Krankenhaus. Sie wurde entführt, brutal gefoltert und ist nur knapp dem Tod entkommen. Kaum aus dem Koma erwacht, hält sie nichts mehr im Bett. Sie will aufklären, wer ihr das angetan hat. Auch wenn sie dazu tief in ihre Vergangenheit eintauchen muss.

Es sieht aus wie Selbstmord

Halbherzig und gegen den Willen ihres Vorgesetzten steigt sie in einen mysteriösen Fall ein, der die Kolleginnen und Kollegen gerade beschäftigt. Im Auffanglager am Tempelhofer Feld hat eine Geflüchtete erst ihre Tochter und dann sich selbst umgebracht. Eigentlich kein Fall für Alexandra und ihren Kollegen Markus Lepke. Wäre da nicht eine weitere Kindstötung, für die es kein klares Motiv gibt.

Und dann ist da noch das merkwürdig intensive Interesse des Innensenators für den Fall. Wieso interessieren sich plötzlich so viele wichtige Männer Berlins für das Schicksal geflüchteter Frauen und Kinder. Wobei, interessieren sie sich wirklich dafür oder wollen sie nur unter allen Umständen, dass der Fall geschlossen wird. Je mehr sie sich bemühen, den Mantel des Schweigens über die Vorfälle zu ziehen, umso neugieriger werden Alexandra und Markus. Und decken dabei Abgründe auf.

Pflichtlektüre für mehr Menschlichkeit

Hilkje Hänel hat mit Letzter Ausweg Tempelhof einen sehr düsteren, zu Herzen gehenden Krimi abgeliefert, der zur Pflichtlektüre werden sollte, wenn es um ein menschenwürdiges Miteinander geht. Aktueller könnte der Bezug nicht sein, was zu Beginn jedes Kapitels durch Auszüge aus der Tagespresse noch eindrücklich verdeutlicht wird. Wir alle kennen die meisten Schlagzeilen, die sie aufführt.

Und wir kennen auch die Schlagzeilen, die sich um die Auffanglager für geflüchtete Menschen drehen. Schlagzeilen über Willkür und Rechtslastigkeit des Wachpersonals. Schlagzeilen über überzogene Gewaltanwendung. Gemunkel über Zwangsprostitution und Kinderhandel. Schlagzeilen, die schnell wieder durch andere Themen verdrängt und vergessen werden. Letzter Ausweg Tempelhof hilft gegen das Vergessen und ist dabei trotzdem spannend.

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Hilkje Hänel

Hilkje Charlotte Hänel, geboren 1987, hat ihr Psychologiestudium nach nur 14 Tagen abgebrochen und stattdessen begonnen, Texte fürs Theater zu schreiben. Später hat sie Englische Literatur und Philosophie in Göttingen, Berlin, Sheffield und Boston studiert. Heute lebt sie wieder in Berlin. Mit ihrem Kriminalroman »Engel der Erlösung« hat sie die Reihe um die junge Berliner Hauptkommissarin Alexandra Gode begonnen.

Buchinfo: Letzter Ausweg Tempelhof von Hilkje Hänel, erschienen bei Goldmann, 15. April 2019, 352 Seiten, ISBN: 978-3-442-48608-3. Danke für das Leseexemplar.

Karen Sander: Wenn ich tot bin

Als Susan McFarlands 9-jährigen Tochter Madelin spurlos verschwindet, bricht für sie eine Welt zusammen. Zehn Jahre später hat sie sich wieder so etwas wie Normalität erarbeitet. Plötzlich steht Madelin vor der Tür. Das Drama geht in die nächste Runde.

Susan McFarland ist verheiratet. Harper, ihre Tochter, ist acht Jahre alt. Wer sie nicht kennt, ahnt nicht, welche schwere Bürde die besonnene Frau mit sich herumträgt. Zehn Jahre ist es her, dass Sie Madelin, ihre erste Tochter, verloren hat. Von einem Tag auf den anderen war sie plötzlich weg. Trotz intensivster Suche wurde nie eine Spur von ihr gefunden. Eine Situation, mit der Eltern vermutlich nie ihren Frieden schließen können. Auch dann nicht, wenn eigentlich keine Chance mehr bestehen kann, dass das Kind noch lebt.

Zehn Jahre später steht Madelin plötzlich wieder vor Susan. Eine junge Frau hat sie orientierungslos auf der Straße gefunden und sie zu der Adresse gebracht, die sie vor sich hin gemurmelt hat. Wieder zieht es Susan den Boden unter den Füßen weg. Ist die junge Frau wirklich ihre kleine Madelin? Kann sie sie in die Arme schließen, ohne ein böses Erwachen? Susan schaltet die Polizei ein.

Wie oft kann eine Mutter innerlich sterben?

Doch bevor abschließend geklärt werden kann, ob es sich wirklich um die verschollene Madelin handelt, ist das Mädchen erneut spurlos verschwunden. Und als wäre das nicht schon genug, liegt Susans Mann schwer verletzt in der Küche. Was ist passiert? Hat Madelin auf ihn eingestochen? Hat er womöglich etwas mit ihrer Entführung zu tun?

Harper, die Einzige, die die Antwort darauf kennen könnte, ist zutiefst verstört und spricht kein Wort mehr. Detective Sergeant Kate Fincher setzt alles daran, Madelin zu finden und den Fall aufzuklären.

Überraschender Showdown

Wenn ich tot bin von Karen Sanders hat mich in seinen Bann gezogen und ziemlich schnell verwirrt. Es dauert, bis der Grund für das Verwirrspiel klar wird, aber die Lektüre ist bis dahin nie langweilig. Im Gegenteil. Ich habe munter spekuliert, mich auf clever ausgelegte Fährten locken lassen und beim Showdown den Atem angehalten.

Ich lege euch Wenn ich tot bin von Karen Sanders definitiv ans Herz. Ein spannender Thriller mit überraschender Wendung.

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Karen Sander

Karen Sander arbeitete viele Jahre als Übersetzerin und unterrichtete an der Universität, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt mit ihrem Mann im Rheinland und hat über die britische Thriller-Autorin Val McDermid promoviert. Unter ihrem wahren Namen Sabine Klewe hat sie bereits zahlreiche Krimis und Thriller geschrieben, bei rororo erscheint außerdem ihre Reihe um Kommissar Georg Stadler und die Psychologin Liz Montario.

Buchinfo: Wenn ich tot bin von Karen Sander, erschienen bei rororo, 18.06.2019, 288 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-499-29159-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Karsten Dusse: Achtsam morden

Anwalt Björn Diemel muss zum Achtsamkeits-Coach. Sein Work-Life-Balance wiederherstellen. Ordnet seine Frau an. Brav folgt Björn Anweisung. Mit unerwarteten Konsequenzen für seine Kunden.

Björn Diemel ist erfolgreicher Anwalt. Und er ist der Bäh-Anwalt der Kanzlei, denn gleich sein erster Kunde ist Clanoberhaupt eines großen Verbrechersyndikats. Ein Kunde, der zwar sehr viel Geld einbringt, mit dem man sich als renommierte Kanzlei nach außen aber nicht schmücken möchte. Deshalb wird Björn auch nie Partner werden. Bäh-Anwälte werden keine Partner.

Im Grunde könnte Björn mit seiner Situation zufrieden sein. Sein Kunde sorgt für viel Arbeit und damit für gutes Geld. Den ein oder anderen Bonus gibt es noch obendrauf, wenn die Hintergründe gar so zwielichtig sind. Finanziell geht es Familie Diemel, Björn, seiner Frau Katharina und seiner vergötterten Tochter Emily gut.

Ab zum Achtsamkeits-Coach

Aber der Preis für diesen Wohlstand ist hoch. Katharina und Emily sehen Björn kaum noch. Selbst spät am Abend oder am Wochenende erwartet das Clanoberhaupt sofortige Erreichbarkeit. Katharina zieht die Reißleine und verdonnert ihren Mann zu mehr Gelassenheit und mehr Zeit für die Familie. Er soll zum Achtsamkeits-Coach oder sie verlässt ihn. Natürlich mit Emily! Sicherheitshalber macht sie gleich Nägel mit Köpfen und vereinbart für Björn einen Termin bei dem Therapeuten Joschka Breitner.

Und tatsächlich verändern Breitners Ratschläge für ein achtsames Leben Björns Alltag nachhaltig. Bewusst atmend und sorgfältig auf seine Emily-Zeitinseln achtend, räumt Björn aus dem Weg, was ihn nervt. Konsequent und todsicher!

Achtsam über Leichen gehen

Ich liebe schwarzen Humor und davon gibt es bei Karsten Dusse reichlich. Völlig emotionslos geht er über Leichen und das sehr kreativ. Beim Lesen dachte ich des Öfteren: “Warum grinse ich eigentlich gerade. Hier wird jemand auf ziemlich brutale Weise aus dem Weg geräumt.” Und grinste weiter. Herrlich.

Achtsamkeit ist ja seit einigen Jahren in aller Munde. allerdings wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Konzept so auszulegen, wie Anwalt Björn Diemel es in Achtsam Morden tut. Aber vielleicht sollte ich das nochmal durchdenken. Es scheint ja zielführend zu sein. Und ein bisschen Schwund ist eh immer. 😀

Wer Sinn für bösen Humor hat, wird Achtsam Morden von Karsten Dusse lieben! Alle anderen atmen bewusst und tief durch und lesen das Buch dann trotzdem.

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Karsten Dusse

Karsten Dusse ist Rechtsanwalt und seit Jahren als Autor für Fernsehformate tätig. Seine Arbeit wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet sowie für den Grimmepreis nominiert. Achtsam morden ist sein erster Roman.

Buchinfo: Achtsam morden von Karsten Dusse, erschienen bei Heyne, 10. Juni 2019, 416 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN: 978-3-453-43968-9. Danke für das Leseexemplar.

Sophie Kendrick: Mein Tod in deinen Augen

Seit einem Überfall ist Kunsttherapeutin Jennifer erblindet. Körperliche Ursachen gibt es dafür nicht, der Schock reichte aus. Trotzdem lässt sie sich auf eine Reise an die Ostsee ein, um einem bekannten Kinderpsychologen bei seinem Fall zu helfen. Für Jennifer wird es eine dramatische Reise in ihre Vergangenheit.

Jennifer ist auf dem Weg an die Ostsee. Wer sie im Zug sieht, Kopfhörer in den Ohren, das Smartphone in der Hand, glaubt nicht, dass sie stark eingeschränkt ist. Denn nach dem Überfall durch einen Stalker hat Jennifer ihr Sehvermögen verloren. Nur langsam kämpft sie sich wieder zurück ins Leben. Deshalb hat sie auch die Einladung des Kinderpsychologen Gideon an die Ostsee angenommen. Vielleicht kann sie ihm ja trotz ihrer Erblindung bei einem besonders brisanten Fall helfen.

Jennifer auf der Fahrt ins Glück?

Und tatsächlich scheint diese Reise für Jennifer eine Fahrt ins Glück zu werden, denn im Zug trifft sie auf den charmanten Computerspezialisten Marc, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Da Marc ebenfalls nach Rügen unterwegs ist, beschließen Sie, in Kontakt zu bleiben.

Bei Gideon angekommen, entwickelt sich die Situation völlig anders, als erwartet. Tatsächlich handelt es sich bei dem Fall, zu dem der Kinderpsychologe sie hinzugezogen hat, um ein offensichtlich schwer traumatisiertes Kind. Der Haken daran: Gideon weiß nicht, um wen es sich handelt. Ihre gemeinsamen Recherchen bringen Jennifer in Lebensgefahr. Und näher an ihre eigene Vergangenheit, als sie sich je hätte vorstellen können.

Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick hielt mich gefangen. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. Anfangs war ich etwas genervt von dieser perfekt funktionierenden blinden Frau, doch das hat sich bald erledigt und am liebsten hätte ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt.

Bis zur letzten Seite spannend

Ich war mir relativ früh sicher, wer der Bösewicht in Kendricks Story ist. Allerdings konnte ich mir die Zusammenhänge überhaupt nicht erklären und kam deshalb regelmäßig wieder ins Grübeln. Genau das hat die Spannung bei mir hoch gehalten. Und ganz ehrlich, auf die “Auflösung” wäre ich nie gekommen. Die war absolut nicht vorhersehbar. Aber lest am besten selbst!

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Sophie Kendrick

Sophie Kendrick lebte in verschiedenen europäischen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wo sie englische Literatur studierte und über die Schwestern Brontë forschte. Sie arbeitete in einer Agentur für Buchprojekte und als Ghostwriterin, bevor sie ihren ersten eigenen Roman schrieb.

Buchinfo: Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick, erschienen bei rororo, 19.02.2019, 336 Seiten, ISBN: 978-3-499-29160-9, € 10,00. Vielen Dank für das Leseexemplar.