Candice Fox: Fall

In Sydney ist Jagdsaison. Den Opfern, durchtrainierte, attraktive Joggerinnen, ist eines gemeinsam: Ihr Gesicht wurde brutal zertrümmert. Während alle Welt nach dem ominösen Parkmörder sucht, glaubt Eden Archer von der Mordkommission an eine Frau als Täterin und macht sich auf ihre Art an die Arbeit.

FallWas habe ich ihn herbeigesehnt, Band drei der Trilogie um Eden Archer und Frank Bennett. Band eins, Hades, hat mich sofort gefesselt. Klar, dass ich Teil zwei, Eden, lesen musste. Und wieder war ich begeistert. Unglaublich wie selbstverständlich Candice Fox das Böse skizziert und dafür sorgt, dass man Mörder verstehen und ihr Taten nachvollziehen kann.

Gegen den Keim des Bösen kommst du nicht an

Mit Fall, dem letzten Band der Trilogie, geht Candice Fox einen Schritt weiter. Widerfährt einem jungen Menschen wirklich Schlimmes, geht etwas in ihm unwiederbringlich kaputt. Die Hemmschwelle, andere Menschen sich in den Abgrund zu ziehen, sinkt. Das Leuchten in den Augen erlischt, wie Hades Archer es beschreibt.

So geht es Tara, die von ihrer coolen, attraktiven Mutter so lange gedemütigt wurde, bis sie ihr Leben in die eigene Hand genommen hat. Mit verhängnisvollen Konsequenzen. So ging es Amy, die mit ansehen musste, wie ihre Schwester die Eltern tötete. Doch während Amy einen Beschützer findet, der sie vor dem letzten Schritt bewahrt, zahlt Tara ihre dunkle Vergangenheit mit dem Leben und reißt dabei noch weitere Unschuldige mit sich.

Und kaum denkst du, das war’s jetzt, hat Candice Fox die nächste Überraschung parat

Auch wenn ich Fall als schwächsten der drei Thriller um Eden Archer und Frank Bennett empfunden habe, ist er immer noch hervorragend. Spannend bis zur letzten Seite auch wenn sich ziemlich früh abzeichnet, wer die Joggerinnen auf dem Gewissen hat. Candice Fox’ Gespür für unerwartete Wendungen an der exakt passenden Stelle tut das keinen Abbruch. Sie hat es wieder geschafft, mich so tief in ihren Bann zu ziehen, dass ich froh über das lange Wochenende war, an dem ich das Buch nicht so schnell aus der Hand legen musste.

Liebe Candice Fox, sag, dass das nicht das Ende war!

Im Gegensatz zu Hades und Eden war mir das Ende von Fall aber zu abrupt. Zu viele neue Wege wurden angedeutet, die nach Fortsetzung schreien und ich möchte wetten, dass Candice Fox sie wieder aufgreifen wird. Und seid euch sicher: Ich werde jeden Band davon lesen!

Fall bekommt also von mir eine ganz klare Leseempfehlung! Allerdings würde ich allen Interessierten die gesamte Trilogie ans Herz legen. Aber Vorsicht! Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt, dass ihr ab Band eins angefixt sein werdet!

Candice Fox

Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Für den ersten und zweiten Teil ihrer Trilogie, Hades und Eden, wurde sie 2014 und 2015 mit dem Ned Kelly Award ausgezeichnet.

Buchinfo: Fall von Candice Eden, erschienen bei Suhrkamp, 10.04.2017, 470 Seiten, Klappenbroschur, 15,95, ISBN: 978-3-518-46765-7

Benjamin Bidder: Generation Putin

Wie sieht eigentlich die Generation Putin aus? Also die Generation, die mit Putin aufgewachsen ist? Gibt es sie überhaupt, oder ist sie überhaupt oder ist nur ebenso ein verzweifelter Versuch, einer ganzen Generation einen Stempel aufzudrücken, wie wir es zum Beispiel mit der Generation Y tun? Benjamin Bidder hat mit jungen Russinnen und Russen gesprochen.

Generation Putin von Benjamin Bidder
Generation Putin von Benjamin Bidder

Wie vielen “Generationen” wurden bereits Bücher gewidmet? Teils ironische, teils wissenschaftliche Betrachtungen. Spontan fallen mir ein:

  • Generation Golf
  • Generation Doof
  • Generation Beziehungsunfähig
  • Generation Y
  • Generation Z
  • Generation What

Und bei allen, die ich bislang gelesen habe, war ich spätestens anschließend der Meinung: Diese Generation gibt es nicht. Sie ist genauso heterogen wie alle anderen Generationen. Entsprechend habe ich Benjamin Bidders Generation Putin mit einem gewissen Vorbehalt in die Hand genommen und es dann mit von Seite zu Seite wachsendem Interesse zu verschlingen.

DIE Generation gibt es nicht

Eines vorweg: Auch Bidder beweist: DIE Generation gibt es nicht. Trotzdem sind die

Gespräche mit den unterschiedlichsten Charakteren spannend und für mich sehr aufschlussreich.

  • Da ist Marat, den ein unstillbares Fernweh hat und sich nur über den Dächern Moskaus frei fühlt.
  • Diana ist Patriotin. Die WM In Sotschi ist ihre große Hoffnung, der Welt ein Russland zu präsentieren, wie sie es sieht.
  • Alexander sitzt im Rollstuhl. Stück für Stück erkämpft er sich seine Freiheit, in einem Land, in dem Menschen mit Behinderung bisher möglichst unsichtbar bleiben sollten.
  • Lena, die Patriotin aus Smolensk, hat für mehr Freiheit kein Verständnis. Sie findet, dass zu viel Einmischung durch das Volk schlecht ist: “Es gibt Präsidenten und es gibt Hausmeister.”
  • Ganz anders denkt Wera, die Oppositionelle. Sie hofft auf eine Revolution, weiß aber auch, dass das nicht einfach werden wird.
  • Tschetschenin Taissa aus Grosny sucht nach ihrer Bestimmung, nach einem Ort, an dem ihr niemand sagt, was sie darf oder nicht.

Je nach Sozialisierung und Region, ob Stadt- oder Landbewohner, ob politisch interessiert oder nicht, junge Russen und Russinnen sind genauso wenig homogen wie in anderen Nationen. Gemeinsam ist ihnen allen, dass Putin sie politisch auf ihrem bisherigen Werdegang begleitet hat. Und gemeinsam ist ihnen auch, dass sich ihre Welt Stück für Stück verändert, öffnet. Einigen macht das Angst, vielen bereitet das große Hoffnung. Sie hoffen auf die Anerkennung anderer Länder für ihr Russland. Auf freie Entfaltung, Offenheit und Transparenz.

Menschen mit Behinderung werden sichtbar

Und darauf, sich nicht mehr verstecken zu müssen, wie Alexander, der Rollstuhlfahrer. Menschen mit Behinderung waren in der russischen Gesellschaft lange Zeit nicht vorgesehen. Sie wurden weggesperrt, am Stadtrand hinter dicken Mauern verborgen. Auch Alexander wohnt in einer solchen “Bewahranstalt”, doch er will raus, will seine eigene Wohnung, will selbst entscheiden, was er einkauft und was er isst. Und tatsächlich wird er inzwischen gehört. Eine Ministerin hat es gewagt, sich für Menschen mit Behinderung stark zu machen. Alexander kann hoffen.

Spannende Einblicke

Generation Putin ist ein spannendes Buch. Ausgesucht habe ich es mir, weil ich beruflich immer wieder mit Themen aus und um Russland zu tun habe. Und weil ich das Bedürfnis nach einem tieferen Einblick in das aktuelle Geschehen haben möchte. Den habe ich nur bedingt bekommen, so zumindest mein Gefühl. Mehr Platz für die Stimmen der jungen Leute beziehungsweise eine stärkere Trennung zwischen deren Meinung und der des Autors hätte dem Buch vermutlich gut getan. Aber das ist mein persönlicher Eindruck.

Insgesamt war Generation Putin von Benjamin Bidder für mich eine Bereicherung und ich empfehle das Buch deshalb gerne weiter.

Benjamin Bidder

Benjamin Bidder, geboren 1981, hat Volkswirtschaftslehre in Bonn, Mannheim und Sankt Petersburg studiert. Er ist Absolvent der studienbegleitenden Journalistenausbildung des Institutes zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), u.a. mit Stationen bei der Märkischen Oderzeitung und der Financial Times Deutschland. Benjamin Bidder ist seit 2009 beim SPIEGEL, zunächst als Redakteur im Politik-Ressort von SPIEGEL ONLINE. Von 2009 bis 2016 war er Moskau-Korrespondent. Im September 2016 kehrte er in die Redaktion von SPIEGEL ONLINE zurück. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Hamburg.

Buchinfo: Generation Putin von Benjamin Bidder, erschienen bei DVA, September 2016, 336 Seiten, Klappenbroschur, € 16,99, ISBN: 978-3-421-04744-1

Max Bentow: Das Dornenkind

Drei Leichen, in deren Haut geheimnisvolle Botschaften eingeritzt sind, geben der Mordkommission Rätsel auf. Als Ermittler Nils Trojan einen merkwürdigen Anruf einer jungen Frau bekommt, spitzt sich die Lage zu. Ist der Federmann wirklich zurückgekehrt?

Das Dornenkind von Max BentowDer Federmann ist tot, dessen ist sich der Berliner Kommissar Nils Trojan sicher. Der Federmann, das perverse Scheusal, das junge Frauen tötet, ihnen ihre langen blonden Haare abschneidet um sich daraus einen Mantel zu knüpfen. Ein Widersacher, der Trojan noch Jahre nach ihrer letzten Auseinandersetzung in seinen Träumen heimsucht. Er muss tot sein, er kann seine schweren Verletzungen nicht überlebt haben. Das versucht sich Trojan bei jedem neuen Leichenfund einzureden, denn die Auffindesituation der Opfer erinnert fatal an den Federmann.

Ist der Federmann wirklich zurück?

Ein mysteriöser Anruf wirft ihn völlig aus der Bahn. Die junge Frau behauptet, Wendy, die Tochter des Federmanns zu sein. Und sie ist sich sicher: Ihr Vater lebt. Gemeinsam mit Trojan will sie ihm endgültig das Handwerk legen. Doch kann Trojan ihr wirklich glauben?

Das Dornenkind von Max Bentow und ich, das war aus unerklärlichen Gründen keine Liebe auf den ersten Blick. Etwas, was mir bei der Auswahl von Thrillern sehr selten passiert. Als das Buch vor gut einem Jahr im Briefkasten lag, fand ich auch nach mehreren Anläufen keinen Zugang. Und trotzdem hat es mich nicht in Ruhe gelassen, ich habe es nicht ungelesen ins Regal gestellt, sondern bei den ungelesenen deponiert.

Liebe auf den zweiten Blick, aber dafür umso heftiger

Kürzlich hatte ich es wieder in der Hand und sieh an, da war sie, die Lust es nochmals zu wagen. Was war ich froh, dass ich Urlaub hatte! Am liebsten hätte ich Das Dornenkind nämlich nicht mehr aus der Hand gelegt.

Max Bentow hält die Spannung durchgehend hoch und sorgt immer wieder für unerwartete Wendungen. Bis zum Schluss kann man über Wendys wahre Beweggründe und ihre Glaubhaftigkeit zur spekulieren. Trotzdem spürt man auf jeder Seite das aufziehende Unheil. Man kann sich nicht entziehen.

Große Thrillerkunst eben!

Max Bentow

Max Bentow wurde in Berlin geboren. Nach seinem Schauspielstudium war er an verschiedenen Bühnen als Schauspieler tätig. Für seine Arbeit als Dramatiker wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Mit den bisher erschienenen Kriminalromanen um den Berliner Kommissar Nils Trojan gelang Max Bentow ein großer Erfolg, alle Bücher standen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Buchinfo: Dornenkind von Max Bentow, erschienen bei Goldmann, 2015, 448 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-442-20432-8. Danke für das Leseexemplar.

Greser& Lenz: Made in Germany – 2016 war doch witzig?!

2016 war ein seltsames Jahr. Rückwirkend sind bei den meisten von uns wohl primär die unschönen Ereignisse hängen geblieben:

  • bildschirmfoto-2017-02-26-um-19-43-24Grenze dicht oder nicht
  • Deutschland hat nen rechten Rand
  • Papers aus Panama, sowas war noch nie da
  • Aus Schmähkritik wird große Politik
  • Ist der Trump wirklich so plump?
  • Petry und Meuthen wollen den Kanzlerstuhl erbeuten
  • Pokémon Go – So, so, so

Ich könnte noch eine Weile weitermachen, aber ich fürchte, meine Reimkünste werden nicht besser.

Made in Germany – Nichts für Weicheier

Wesentlich kreativer sind die Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz mit den Themen des Jahres umgegangen. Mit spitzer Feder und messerscharfen Pointen nehmen sie die kleinen und großen Aufreger ins Visier. Und wie es sich für Zeichner von Ruhm und Ehre gehört, gehen sie dabei nicht gerade zimperlich mit ihrem Gegenüber um.

Der Erfolg gibt den beiden recht. Seit 1996 findet man ihre Karikaturen regelmäßig in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Davor konnten sie ihren schwarzen Humor beim Satiremagazin Titanic ausleben.

Humor nach meinem Geschmack

Ein Humor, der sich sehr gut mit meinem eigenen deckt. Kein Wunder also, dass ich mich köstlich amüsiert habe. Einerseits weil manche Ereignisse einfach im Rückblick noch lächerlicher wirken, als sie es eh schon waren. Andererseits weil schwarzer Humor für mich ein Weg ist, Bedrohliches nicht zu nahe an mich heran zu lassen.

Meine Lieblingskarikatur ist übrigens „Der Wutgärtner von Schwerin“. Warum? Das müsst ihr selbst herausfinden. 😀 Lohnt sich. Versprochen!

Achim Greser und Heribert Lenz

Achim Greser und Heribert Lenz lernten sich beim Grafikstudium an der Fachhochschule Würzburg kennen. Seit 1996 zeichnen sie regelmäßig für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Made in Germany ist das zwölfte „Jahrbuch“ der beiden Karikaturisten. Wie die Vorgänger enthält es die besten Karikaturen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Jasper von Altenbockum, dem Innenpolitikchef der F.A.Z, sorgt mit kurzen Kommentaren für den gesellschaftspolitischen Kontext.

Buchinfo: Made in Germany von Achim Greser und Heribert Lenz, erschienen bei Frankfurter Allgemeine Buch, Dezember 2016, gebunden, 182 Seiten, € 17,90, ISBN 978-3-95601-176-4 Vielen Dank für das Leseexemplar.

Ulrike Schweikert: Die Astrologin

Sibyllas Leben ist glücklich wie nie. Bei ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter hat die Hebamme endlich die Liebe und Ruhe gefunden, die sie so lange hat vermissen müssen. Alles könnte gut sein, wäre da nicht ihre dunklen Ahnungen, die ihr die Angstschauer über den Rücken jagen.

Die Astrologin von Ulrike SchweikertDie Hebamme Sibylla hat das zweite Gesicht. Immer wieder wird sie von wüsten Träumen überwältigt, die ihr in ihrer Klarheit die Unbeschwertheit rauben. Dabei wäre sie so gerne einfach nur glücklich mit ihrer kleinen Familie. Doch auch dieses Glück sieht sie bedroht. Und sie behält Recht, denn nur kurze Zeit später wird ihr geliebter Peter von marodierenden Söldnern getötet und Helena, ihre achtjährige Tochter verschleppt.

Nach dem Verlust ihrer Familie hält Sibylla nichts mehr im beschaulichen Leonberg. Sie will sich mit dem Verlust ihrer Tochter nicht abfinden und macht sich auf die Suche. Ein gefährliches Unterfangen für eine alleinstehende Frau. Bis sie in Kommandant von Waldstein, besser bekannt als der große Feldherr Wallenstein, einen starken Fürsprecher findet. Ihre Seelen scheinen miteinander verbunden. Als seine Beraterin und Astrologin begleitet sie ihn fortan auf allen seinen Feldzügen. Doch so klar sie sein blutiges Schicksal auch voraussieht, verhindern kann sie es nicht.

Hochspannende Geschichtsstunden

Eigentlich mag ich allzu ausführliche Schlachtengemälde in historischen Romanen nicht. Eigentlich. Aber so, wie Ulrike Schweikert sie umgesetzt hat, finde ich ihr aktuellstes Werk “Die Astrologin” ausgesprochen gelungen und konnte es tatsächlich kaum aus der Hand legen.

Das liegt zum einen am historisch korrekten Bezug, zum anderen daran, dass sie viel Zeit in die Beschreibung der Emotionen, der Verzweiflung und den Mut der Kämpfenden investiert hat. Als Leserin kann ich mitfühlen, wie sehr General Wallenstein um Frieden bemüht ist. Nur Religionsfreiheit kann dauerhafte Ruhe ins Land bringen, dessen ist er sich sicher. Und dieser Wunsch verbindet ihn mit Sibylla. Deren unablässige Suche nach ihrer verschollenen Tochter und die tragische Ehe Wallensteins geraten dabei völlig in den Hintergrund. Ulrike Schweikert beschränkt sich nicht auf die altbekannte Story der starken Frau in einer Zeit, in der Frauen keine wesentliche Rolle spielen.

Bildhaft, anschaulich und bewegend

Für mich war es die spannendste “Nachhilfe” in Geschichte, die ich je hatte. Bildhaft, anschaulich und bewegend. Ein wahrhaft opulentes Werk, was Ulrike Schweikert da mit Die Astrologin geschaffen hat. Deshalb von mir eine hundertprozentige Leseempfehlung.

Ulrike Schweikert

Ulrike Schweikert ist in Schwäbisch Hall geboren und aufgewachsen. Nach einer Banklehre studierte sie Geologie und Journalismus und begann, nebenher an ihrem ersten historischen Roman zu arbeiten. Seit ihrem fulminanten Romandebüt Die Tochter des Salzsieders ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen historischer Romane und begeistert ihre Leserinnen und Leser immer wieder mit faszinierenden Geschichten und lebensnahen Heldinnen. Ulrike Schweikert lebt und schreibt in der Nähe von Stuttgart.

Buchinfo: Die Astrologin von Ulrike Schweikert, erschienen bei blanvalet, 17.10.2016, 603 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-7645-0399-4 Vielen Dank für das Leseexemplar.

Miroslav Nemec: Die Toten von der Falkneralm

Ein Kommissar-Darsteller spielt in seinem ersten eigenen Buch einen Kommissar-Darsteller, der ungewollt in eine Mordserie stolpert und den Fall letztendlich aufklärt. Unsinn? Nein, das erste Buch von Miroslav Nemec und gerade wegen der etwas kruden Story durchaus amüsant.

9783813507027_coverFür alle Tatort Fans: Ivo Batic ist jetzt auch Autor! Ja, ihr habt richtig gelesen. Miroslav Nemec, den meisten vermutlich bekannt als Ivo Batic vom Tatort München, weitet sein Portfolio weiter aus und geht unter die Autoren. Hauptcharakter seines Buches Die Toten von der Falkneralm ist, na wer wohl: Miroslav Nemec. Wobei, eher Ivo Batic, denn so ganz können seine “Mitspieler” beide Personen oder Rollen nicht voneinander trennen.

Doch fangen wir von vorne an. Miroslav Nemec hat ein Engagement auf der Falkneralm, einem Berghotel, das nur über eine Seilbahn zu erreichen ist. Nemec soll aus einem Krimi lesen, mit den Gästen über “Mord in Fiktion und Wirklichkeit” diskutieren und ihnen ein “Mörderisches Wochenende” bescheren.

Alles klingt nach einem entspannten Wochenende, bis ein Sturm über die Falkneralm hinweg fegt. Zurück bleiben drei Tote, die auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind und ein Kommissar-Darsteller, der ganz real ermitteln muss.

Eine Persiflage auf den Starkult?!

Ein Kommissar-Darsteller wird für eine Lesung engagiert. Die Teilnehmer, überwiegend Fans der Fernsehfigur, haben Schwierigkeiten, zwischen der Person des Darstellers und seiner Filmfigur zu unterscheiden. Und prompt gibt es Tote. Alles kein Problem, denn schließlich hat man den erfahrenen Kriminalisten im Haus.

So sehr Nemec auch versucht, auf den Irrtum hinzuweisen, er ist und bleibt die Koryphäe in Sachen unnatürliche Todesfälle. Und tatsächlich zweifelt er die Ergebnisse der ortsansässigen Ermittler an. Zu schnell geben diese sich mit der Diagnose “Verkettung unglücklicher Unfälle” zufrieden. Nemec ermittelt auf eigene Faust.

Amüsantes Rollenspiel

Ein Kommissar, der keiner ist, spielt in seinem ersten eigenen Buch einen Kommissar, der keiner ist, der letzten Endes aber doch das Verbrechen aufklärt.

Alles verstanden? Prima!

Dann habe ich Die Toten von der Falkneralm in einem Satz zusammengefasst. Das heißt aber nicht, dass Miroslav Nemec’ Erstlingswerk als Autor einfallslos sei. Ich fand es sehr amüsant und gelungen. Irgendwie komplett nachvollziehbar. Auch wenn Nemec als Künstler ein Multitalent ist, für mich ist er eben Ivo Batic. 25 Jahre Tatort gehen an niemandem spurlos vorbei, erst recht nicht, wenn das Münchner Duo zu meinen Favoriten zählt. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich in so einem Fall reagiert hätte. Vielleicht hätte ich den Autor auch als Mord-Fachmann gesehen.

Stilistisch hätte ich mir manchmal eine geübtere Schreibe gewünscht. Aber wäre das Buch dann noch so authentisch und amüsant gewesen? Ich bezweifele es.

Wer Batic liebt, für den ist Die Toten von der Falkneralm von Miroslav Nemec mit Sicherheit eine gelungene Überraschung.

Miroslav Nemec

Miroslav Nemec, geboren 1954 in Zagreb, aufgewachsen in Freilassing, spielt seit 1991 im „Tatort“ den aus Kroatien stammenden Münchner Kommissar Ivo Batic. Der Schauspieler begann seine Laufbahn am Theater (u. a. Münchner Residenztheater) und steht seit Ende der 80er Jahre in verschiedenen Rollen vor der Kamera. Auch als Musiker ist er aktiv, u.a. mit der Miro Nemec Band. Miroslav Nemec wohnt mit seiner Familie in München.

Buchinfo: Die Toten von der Falkneralm von Miroslav Nemec, erschienen bei KNAUS, August 2016, 255 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-8135-0702-7

 

Esther Blum: Paleo Power für Frauen

Ist Paleo eigentlich noch in? Oder schon wieder out? Egal, jedenfalls orientiert sich diese Ernährungsform an der Altsteinzeit. Vermutet man. Denn so genau weiß man ja nicht, was damals auf den Teller kam. Esther Blum verspricht jedenfalls, dass mit der gluten- und laktosefreien Ernährung jede Frau überflüssige Pfunde verlieren und sich rundum fit und gesund fühlen kann.

9783442175222_coverEine Diät nur für Frauen, ist das nicht normal? Wenn man sich in den einschlägigen Medien umschaut, wurden Diäten doch sowieso nur für Frauen erfunden. „In nur einer Woche zur Bikini-Figur“ heißt es da. „In nur einer Woche zur Badehosenfigur“ habe ich noch nie gelesen, kann es aber auch nicht ausschließen, weil weder Bild der Frau noch Bild des Mannes oder wie die aus dem Boden sprießenden Männermagazine heißen. Übrigens, wenn wir bei dem Thema sind: Lest ihr die auch nur beim Friseur oder beim Zahnarzt, liebe Männer?

Aber ich schweife ab. Es geht um die Paleo-Diät für Frauen mit der wir gesund, schnell und dauerhaft abnehmen können. Klingt ja nicht schlecht, haben wir aber auch schon öfter mal gehört. So geht es auch der Autorin. Sie hasst das Wort Diät, weil sie keine kennt, die wirklich nachhaltig ist. Ihre Empfehlung:

Wir verpassen allen Diätkonzepten einen kräftigen Tritt und ernähren uns endlich auf die Weise, auf die der menschliche Körper seit Urzeiten programmiert ist! Denn das ist das ganze Geheimnis.

Konkret bedeutet das bei Frau Blum:

  • Phase 1 – Detox
  • Phase 2 – Reset
  • Phase 3 – Paleo
Phase 1 – Detox

Die ersten 14 Tage wird entgiftet, also der Körper von Umweltgiften befreit. Schritt für Schritt wird die Kohlenhydratzufuhr reduziert. Dadurch wird die Insulinsensitivität erhöht, die Hormone sollen sich wieder auf den „natürlichen Wechsel zwischen Hunger und Sättigungsgefühl“ einstellen. Der Körper baut sein in den Muskeln gespeichertes Glykogen ab.

Wichtig dabei: Die Regeln müssen streng eingehalten werden.

Das Ergebnis: Bis zu dreieinhalb Kilogramm Gewicht können auf die Schnelle abgebaut werden. Der Körper ist jetzt entgiftet und bereit für die Reset-Phase.

Phase 2 – Reset

Gute Nachricht für alle, die sich bis jetzt zwei Wochen lang gequält haben: Ab sofort werden die Zügel etwas lockerer angezogen. Kohlenhydrate sind wieder begrenzt erlaubt und trotzdem sinkt das Gewicht. Sagt die Autorin. Auch ein Schlemmertag, allerdings unter klaren Beschränkungen, wird versprochen. Er soll sogar unerlässlich für den Erfolg sein.

In der Reset-Phase pendeln sich die Hormone neu ein, der eigentliche Fettabbau beginnt.

Die Dauer dieser Phase hängt ab von:

  • dem gewünschten Körperfettanteil
  • der individuellen Körperchemie
  • der Selbstdisziplin

Also von den Punkte, die über Erfolg oder Misserfolg jeder Diät entscheiden.

Phase 3 – Paleo

Jetzt geht es darum, die individuelle Kohlenhydrattoleranz herauszufinden. Dazu die Autorin:

Die Paleo-Ernährungsform können Sie auf Dauer beibehalten, solange Sie den Idealbereich für den Körperfettanteil um nicht mehr als fünf Prozent überschreiten. Sollten Sie diese kritische Marke einmal erreichen, kehren Sie vorübergehend in die Reset-Phase zurück.

Sie weißt auch darauf hin, dass es für den Körper keinen Status Quo gibt. Stress, körperliche Belastung, die Schlafqualität, das alles beeinflusst den Stoffwechsel und macht gegebenenfalls Nachjustierungen erforderlich.

Und nicht zu vergessen: Gute Ergebnisse erzielt, wer nebenbei seine Bewegung nicht vernachlässigt.

Paleo – Was soll ich dazu sagen?!

Ich habe schon viele Diät-Hypes erlebt. Mehr Kohlenhydrate, weniger Kohlenhydrate. Möglichst viel Eiweiß. Eiweiß nur zu bestimmten Tageszeiten und nur getrennt von anderen Nahrungsbestandteilen, die je nach Diät wechseln. Möglichst viele kleine Mahlzeit, möglichst definierte Pausen zwischen den Mahlzeiten. Mehr oder weniger einseitig beziehungsweise ausgewogen. Also ein genialer Markt für clevere Autoren und Vermarkter.

Mir persönlich setzt die Paleo Diät zu sehr auf tierisches Eiweiß, also auch Fleisch und Wurst. Klar, in grauer Vorzeit gab es kein Bäckerei und erst recht kein lecker belegtes Käsebrötchen. Aber genau das würde mir fehlen.

Zudem bezweifele ich, dass man sich an den Gegebenheiten der Menschen damals orientieren sollte und kann, denn unsere Lebensbedingungen weichen zu sehr ab. Wir sitzen in geheizten Räumen, sind warm gekleidet, verwenden für längere Strecken Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Auto. Die Anforderungen an uns sind komplett andere. Symbolisch dafür sehe ich zum Beispiel folgende Bestandteile der Paleo Power für Frauen von Esther Blum:

  • Smoothies
  • Aceto Balsamico
  • Proteinshakes
Eine Diät nur für Frauen?

Sinnvoll hingegen finde ich eine Diät, die sich speziell an Frauen richtet, denn Stoffwechsel und Körperstruktur von Mann und Frau unterscheiden sich nun mal.

Dennoch käme für mich die Paleo Diät nicht in Frage. Dazu bin ich zu wenig von einseitigen Ernährungsmodellen zur Gewichtsreduktion überzeugt. Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, kenne ich niemanden, der oder die den Umstieg zurück auf die „normale“ Mischkost erfolgreich überstanden hätte.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, erhält mit Paleo Power für Frauen von Esther Blum ein Buch, das den Schwerpunkt nicht auf aufwändige Bebilderung, sondern viele Hintergrundinformationen zu Ernährung, Einkauf, Fitness und Co. legt.

Esther Blum

Esther Blum ist Ernährungs- und Gesundheitsexpertin und als solche häufig im amerikanischen Fernsehen und Radio. Außerdem schreibt sie für verschiedene Zeitschriften oder Magazine wie das Time. Sie lebt in Connecticut, wo sie ihre eigene Privatpraxis führt.

Buchinfo: Paleo Power für Frauen von Esther Blum, erschienen bei Goldmann, August 2015, Taschenbuch, ISBN: 978-3-442-17522-2, € 9,99