Stina Jackson: Dunkelsommer

Als Lelles Tochter Lina spurlos verschwindet, bricht für den Lehrer eine Welt zusammen. Drei Jahre lang durchstreift er jeden Sommer Nacht für Nacht die Gegend in der Hoffnung, das Mädchen doch noch zu finden. Dann verschwindet ein weiteres Mädchen, das Lina sehr ähnlich sieht. Lelle glaubt nicht an einen Zufall.

Dunkelsommer von Stina Jackson

Die Mitternachtssonne erleuchtet den Asphalt vor Lelles Auto. Wieder hat er einen abgelegenen Hof durchsucht. Voller Hoffnung jede Tür geöffnet und sie enttäuscht wieder geschlossen, wenn Lina, seine vor drei Jahren verschwundene Tochter, nicht dahinter war. Auch wenn kaum noch wer daran glaubt, das Mädchen je wiederzufinden, kann Lelle die Suche nicht beenden. Schuldgefühle treiben ihn an. Hätte er so lange gewartet, bis seine Tochter in den Bus eingestiegen war, würde sie vielleicht heute noch friedlich daheim schlafen. Glaubt er. Wirft er sich vor.

Zur gleichen Zeit nicht weit entfernt. Die siebzehnjährige Meja zieht mit ihrer Mutter Silje auf dem heruntergekommenen Hof von Torbjörn ein. Beide haben sich über das Internet kennengelernt und Silje nutzt jetzt die Chance, einen neuen Versorger für sich und Ihre Tochter zu finden. Alleine kann und will die manisch-depressive, alkoholkranke Frau nicht für ihren Unterhalt sorgen.

Meja wünscht sich Sicherheit

Schnell entwickelt sich Torbjörn zu einer Art Ersatzvater für Meja. Endlich kann er sich um ein Kind kümmern. So lange hat er sich das gewünscht. Doch Meja traut dem Frieden nicht. Schon zu oft hat sie gehofft, endlich zur Ruhe kommen zu dürfen, ein Zuhause zu haben. Sein zu dürfen, wie andere Kinder. Als Silje in einem manischen Schub ihre Medikamente wegwirft, weiß Meja, dass es wieder so weit ist. Die Lage wird sich sukzessive zuspitzen und über kurz oder lang werden sie wieder ihre Sachen packen und weiterwandern müssen. In ihrer Verzweiflung flieht sie zu Carl-Johan und seiner Familie. In ihn hat sie sich Hals über Kopf verliebt und hier wird sie mit offenen Armen aufgenommen.

Als sich Lelles und Mejas Wege kreuzen, geraten die Dinge in Bewegung. Und außer Kontrolle.

Wenn das Kind plötzlich verschwindet

Die Vorstellung, dass das eigene Kind von heute auf morgen spurlos verschwindet, ist wohl so ziemlich das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Nicht zu wissen, ob die Tochter oder der Sohn noch lebt, ob man sie oder ihn je finden wird, ist grausam. Wenn man sich dann auch noch fragt, ob man die Situation hätte vermeiden können, wenn man dies oder jenes anders gemacht hätte, kann einen Menschen in den Wahnsinn treiben. Viele Paare überstehen diese Zeit nicht gemeinsam.

Aber es gibt auch andere Situationen, die das Familienleben auf eine Zerreißprobe stellen können. Davon kann Meja aus Dunkelsommer von Stina Jackson ein Lied singen. Kinder sollten in einem geschützten und unbeschwerten Umfeld aufwachsen dürfen und sollten sich nicht um Mutter oder Vater kümmern müssen, weil die oder der sich der Verantwortung entzieht. Das lässt sie vor der Zeit altern und nimmt ihnen Sicherheit und Vertrauen.

Ausgezeichnet als bester schwedischer Spannungsroman?

Stina Jackson verwebt beide Szenarien zu einer düsteren Story, die für meinen Geschmack deutlich zu viele Längen hat. Auch wenn ich gegen Ende froh war, dass ich das Buch nicht früher zur Seite gelegt habe, denn das war wirklich überraschend. Und es war brutal, also nicht unbedingt für zarte Seelen geeignet. Trotzdem hätte ich mir von einem Buch, das den Titel “Ausgezeichnet als bester schwedischer Spannungsroman” mehr erwartet. Mehr Spannung, mehr Tempo.

Da aber Geschmäcker unterschiedlich sind, hilft vielleicht nur: Selber lesen!

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Stina Jackson

Stina Jackson stammt aus Skellefteå in Nordschweden. Vor mehr als einem Jahrzehnt zog sie nach Denver, Colorado. Hier schrieb sie auch ihren Debütroman »Dunkelsommer», mit dem sie sich sofort als aufstrebender neuer Stern am Himmel der nordischen Spannung etablierte.

Buchinfo: Dunkelsommer von Stina Jackson, erschienen bei Goldmann, 22. Juli 2019, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-442-20578-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Julia Corbin: Nadelherz

Tessa war über ein Jahr in den Händen eines perversen Entführers. Ihr Befreiung bezahlten zwei andere Frauen mit dem Leben. Jetzt ist sie wieder daheim und hüllt sich in Schweigen. Das Grauen kehrt zurück, als ihr ein Unbekannter ein Paket schickt. Der Inhalt: Ein mit Nadeln gespicktes menschliches Herz.

Seit Tessa den Fängen ihres sadistischen Peinigers entkommen ist, gleicht ihre Wohnung einer Festung. Fenster und Türen sind verriegelt, die Wohnung kameraüberwacht. Ein intensiver Selbstverteidigungskurs soll ihr helfen, sich nach der langen Gefangenschaft in einem Keller auf der Schwäbischen Alb wie frei zu fühlen. Wie fragil ihr Schutzwall ist, spürt Tessa, als sie ein grausiges Paket erhält. Der Inhalt: Ein menschliches Herz, das mit Nadeln gespickt ist.

Eine blutige Inszenierung

Es dauert nicht lange bis die zugehörige Leiche gefunden wird. Ein Frauenkörper mit unzähligen Schnittwunden, aufgespießt auf Stangen, im geöffneten Brustkorb fehlt das Herz. Als wäre das nicht genug, leuchtet die Leiche auch noch in einem schwachen Grün. Kommissarin Alexis Hall und ihre Kollegen stehen vor einem Rätsel. Von Karen Hellstern, der Kriminalbiologin, erhoffen sie sich die Aufklärung des Phänomens.

Während das Team noch dabei ist, sich einen ersten Überblick zu verschaffen, wird die zweite Leiche gemeldet. Wieder die gleiche Inszenierung. Ein grünlich leuchtendes, makabres Kunstwerk. Zur gleichen Zeit bekommt Tessa erneut ein Paket mit blutigem Inhalt. Alexis Hall ahnt, dass die Zeit knapp wird. Mit Hochdruck sucht sie nach Fehlern bei der Aufklärung von Tessas Entführung. Hatte der Täter einen Komplizen? Oder hat der Medienrummel um die Befreiung einen Nachahmer auf den Plan gerufen?

Schon wieder mitten ins Herz!

Nadelherz ist das dritte Buch von Julia Corbin, das mich fesselt. Thriller dürfen für mich ja durchaus blutig sein. Julia Corbin trifft mit ihren Büchern bei mir ins Schwarze, weil sie nicht nur für den notwendigen Thrill sorgen, sondern auch meine naturwissenschaftlich geprägt Seele streicheln.

Ich freue mich jetzt schon auf Fortsetzung!

Übrigens, auch wenn die Geschichte um Alexis Hall und Karen Hellstern fortgeschrieben wird, muss man nicht die Vorgänger gelesen haben, um das aktuelle Buch flüssig lesen zu können.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Julia Corbin

Julia Corbin, geboren 1980, studierte Biologie in Heidelberg. Die Arbeit als Biologin inspiriert sie zu ihren Thrillern um das erfolgreiche Ermittlerteam Hall & Hellstern. Ihre Leidenschaft für Nervenkitzel lebt die Autorin nicht nur in ihren Büchern, sondern auch bei Sportarten wie Kite- und Windsurfen oder Extrem-Hindernisläufen aus. Sie wohnt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn und gibt Kurse in Kreativem Schreiben.

Buchinfo: Nadelherz von Julia Corbin, erschienen bei DIANA, 10. Juni 2019, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35988-8

Prof. Dr. Achim Gruber: Das Kuscheltierdrama

Dackellähme, Bandscheibenvorfall, Atemnot, Blindheit, dauerhaft entzündetes Augen und stark verkürzte Lebensdauer, um den Menschen zu gefallen, müssen Haustiere viel Leid ertragen. Professor Dr. Achim Gruber, Tierpathologe an der Freien Universität in Berlin, gibt uns einen Einblick in das stille Leiden unserer Haustiere.

Eines der ersten Bilder, das sich mir im Bezug auf angezüchtetes Tierleid eingeprägt hat, war der Schäferhund. Schön war die stark abfallende Hinterhand. Dass damit ein hohes Risiko für Arthrose und Bandscheibenvorfälle einher ging, sickerte nur langsam durch. Inzwischen hat man zum Glück auf das Problem reagiert und in vielen Ländern gegengesteuert. Leider noch nicht in allen, was es einer speziellen Klientel ermöglicht, sich ihre Qualzuchten im Ausland zu besorgen.

Der Todeskuss für Chinchilla und Kaninchen

Als Tierpathologe sieht Professor Gruber noch mehr. Da ist das Chinchilla-Mädchen, das sterben musste, weil seine Besitzerin ihm den Todeskuss gab. Sie litt akut an Lippenherpes, den sie ahnungslos auf das kleine Tier übertrug. Ein Erreger, der für Chinchillas und auch für Kaninchen tödlich ist.

Neu war mir zum Beispiel auch das Merlesyndrom, eine Fellfärbung, die aktuell sehr in Mode ist und mit Fehlentwicklungen von Augen und Ohren einher geht. Und mit einer stark verkürzten Lebensdauer.

Zwischenzeitlich haben sich sogar Spezialpraxen etabliert, die die angezüchteten Probleme für viel Geld soweit beheben, dass die Tiere überhaupt lebensfähig sind. Häufige Kunden sind hier die Brachyzephalen, also die kurznasigen Hunde und Katzen wie Mops, Bulldogge, Perserkatzen. Diese Tiere haben in der Regel nicht nur massive Atemprobleme, durch die unverhältnismäßig großen Köpfe sind auch normale Geburten oft ein Risiko.

Zum Glück steuern auch hier die ersten Länder gegen. Gerade erst hat Niederlande die Mopszucht verboten. Hoffen wir, dass das auch bei uns zum Umdenken führt.

Tauben zur Hochzeit? Bitte nicht!

Es müssen aber nicht immer Zuchtperversionen sein, die unsere tierischen Mitbewohner quälen. Oft reicht auch der Wunsch der Halter nach Anerkennung. Ein gute Beispiel dafür sind Taubenzüchter, die mit ihren Tieren an Flug-Wettbewerben teilnehmen oder Tiere für Hochzeiten “vermieten”. Hier wird die Monogamie und Treue der Tiere hemmungslos ausgenutzt. Tauben gehen lebenslange Partnerschaften ein. Trennt man die Paare, zum Beispiel weil ein Partner einen Preis als schnellste “Langstreckenfliegerin” gewinnen soll, macht man sich den Instinkt der Tiere zunutze, schnellstmöglich wieder vereint zu sein. Die Tiere verausgaben sich rücksichtslos, um heim zu kommen. Übrigens auch zu ihrem Nachwuchs, denn auch der Mutter- bzw. Elterninstinkt wird hemmungslos für solche Ziele ausgenutzt.

Bücher wie Das Kuscheltierdrama von Professor Dr. Achim Gruber sollte es sehr viel mehr geben. Vielleicht sollten sie auch Bestandteil des Lehrplans in Schulen sein, denn ich denke, manch ein Halter oder eine Halterin macht sich überhaupt nicht bewusst, was sie ihrem tierischen Mitbewohner antun.

Auch wenn man dem Schreibstil anmerkt, dass Schreiben für Professor Gruber nicht die erste Priorität hat, hat mich das Buch sehr berührt und gleichzeitig informiert. Ich denke, er könnte noch sehr viel mehr berichten und Tier und Halter vor Leid bewahren.

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Achim Gruber

Prof. Dr. Achim Gruber, Jahrgang 1966, leitet das Institut für Tierpathologie, ist Forschungsdekan des Fachbereichs Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin und der einzige aktive Tiermediziner der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er hat mehr als 300 Fachpublikationen veröffentlicht und ist Mitherausgeber der beiden Standardwerke zur Haustierpathologie. »Das Kuscheltierdrama« ist sein erstes populäres Sachbuch. Achim Gruber ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Zur Familie gehört auch ein Mischlingshund aus dem Tierheim.

Buchinfo: Das Kuscheltierdrama von Achim Gruber, erschienen bei Droemer, März 2019, 312 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 19,99, ISBN: 978-3-426-27781-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Sylvia Schaab: Es geht auch ohne Plastik

Plastik ist praktisch. Keine Frage. Aber es ist eben leider auch sehr langlebig und zerfällt unter Witterungseinflüssen langsam aber sicher bis zu seinem kleinsten Baustein, der uns dann als Mikroplastik ewig erhalten bleibt. Es liegt an uns, dies zu ändern. Sylvia Schaab zeigt in Es geht auch ohne Plastik wie es an vielen Stellen ganz einfach anders geht.

Praktische Tipps statt erhobenem Zeigefinger

Seien wir ehrlich, wir haben es an vielen Stellen in der Hand, wie viel Abfall wir produzieren und was davon dauerhaft unsere Umwelt belasten wird. Wir müssen uns nur beim Einkauf überall da, wo es geht, ganz bewusst gegen langlebige, schwer oder nicht recyclebare und gesundheitlich problematische Stoffe entscheiden. Auch wenn die in der Vergangenheit das Allheilmittel im Alltag zu sein schienen.

Das bedeutet natürlich nicht, alles, was Kunststoff im Haus ist, wegzuwerfen. Das wäre sinnlose Verschwendung. Aber wir sollten beim Neukauf darauf achten, was wir uns ins Haus holen:

  • Messer gibt es auch mit Holz- oder Metallgriff
  • Schneidbretter aus Holz sind weniger anfällig für Bakterien als Kunststoffbretter
  • Putzeimer und Kehrgarnituren gibt es auch aus emailliertem Blech, ist schwerer aber auch schöner
  • Brotdosen aus Edelstahl sind leicht und stabil

um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Zum Einkauf den Korb oder die eigene Tasche mitzunehmen, wurde vor wenigen Jahren noch als Zumutung empfunden. Seit die Plastiktüten Geld kosten, sehe ich überwiegend Menschen, die ihre eigenen Behältnisse mitbringen.

Tausendsassa Wäschenetz

In vielen Läden gibt es inzwischen einigermaßen transparente Beutel, in die ich Obst, Gemüse, Brot, Brötchen packen kann. Leider fehlen vielerorts noch die offenen Paprika, Tomaten, Orangen dazu. Die sind dann in Folie oder Netze gezwängt. Oder ihr nehmt Wäschenetze, wie ich das teilweise mache. Das wandert sowieso regelmäßig in die Wäsche. Wer nähtechnisch geschickt ist, kann sich die Beutel auch selbst nähen, zum Beispiel aus alten Gardinen. Auch das eine Anregung von Sylvia Schaab.

Generell ist die Autorin nicht dogmatisch. Sie will nicht bekehren sondern informieren. Deshalb startet sie mit einer ausführlichen Beschreibung der unterschiedlichsten Kunststoffe, erläutert ihre Vor- und Nachteile und gegebenenfalls die gesundheitliche Bedenklichkeit.

Für alle Situationen rund um Haus und Garten zeigt sie Alternativen auf. Dabei unterscheidet sie zwischen Lösungen für:

  • Eilige
  • Motivierte
  • Selbermacher

Die Eiligen verweist sie zum Beispiel auf Milchprodukte aus Gläsern, die Motivierten auf Abfüllstationen beim Bauern und den Selbermacherinnen gibt sie Rezepte an die Hand, wie aus Sahne, Joghurt beziehungsweise Zitrone mit einem Schraubglas und etwas Zeit Sauerrahm oder Crème fraîche wird. Zusätzlich gibt es noch Upcycling-Tipps.

Jetzt in die 30-Tage-Challenge starten

Und zum Abschluss wartet die 30-Tage-Challenge auf die ganze Familie. Für folgende Bereiche hat Sylvia Schaab Listen für mehr Nachhaltigkeit im Alltag vorbereitet:

  1. Bewusstsein schärfen – Dinge besorgen
  2. Küche / Haushalt
  3. Bad / Kosmetik
  4. Wohnung / Kinderzimmer / Büro
  5. Kleidung / Abschluss

Es geht auch ohne Plastik von Sylvia Schaab ist ein tolles Buch mit vielen sofort umsetzbaren Praxistipps statt erhobenem Zeigefinger. Die Sorte Ratgeber, die ich mag. Hier habe ich auch endlich die Lösung für feste Seife in meinem Bad gefunden. Bislang habe ich mich ja immer an der Seifenbrühe gestört, die ich früher, als das Seifenstück Alltag war, schon gehasst habe. Man lege die Seife auf die Borsten einer Holz- oder Kokosbürste. Ist die Seife trocken, kann man die eingeseifte Bürste gleich nutzen, um Waschbecken, Badewanne oder was auch immer zu reinigen.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Sylvia Schaab

Sylvia Schaab, Autorin und Journalistin für nachhaltige Verbraucherthemen, lebt mit Mann und drei Kindern in Augsburg – und seit mehr als drei Jahren nahezu plastikfrei. Darüber schreibt sie in ihrem Blog „Grüner wird’s (n)immer“. Sie engagiert sich in diversen Netzwerken und Vereinen für umweltpolitische Themen, hält Vorträge und gibt Workshops. Außerdem verhilft sie zukunftsweisenden, regional verwurzelten Unternehmen und Organisationen zu mehr Öffentlichkeit.

Buchinfo: Es geht auch ohne Plastik von Sylvia Schaab, erschienen bei Goldmann, 20. Mai 2019, 288 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, € 12,00, ISBN: 978-3-442-22280-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Grätz/Kupfer: Die fabelhafte Welt der Ameisen

Ameisen sind arbeitssam, sozial, organisiert. Wie ausgeprägt diese Fähigkeiten sind, erklärt Ameisenumsiedlerin Christina Grätz in ihrem Buch Die fabelhafte Welt der Ameisen. Mich hat sie damit überrascht und begeistert.

Vor zwei oder drei Jahren hatte ich Ameisen auf meinem Balkon im dritten Stock. Winzig kleine aber extrem lästige Tierchen, die es vor allem auf die arme Katze abgesehen hatten. Ich war angemessen genervt, habe versucht, die Ursache für ihren Einzug auf meinem Balkon zu finden und zu entfernen. Habe ihnen gut zugesprochen, dass wir uns doch am besten im Guten trennen sollten. Alles umsonst. Erst die Köderdose hat geholfen, so ungern ich das sage. Hätte ich damals bereits Die fabelhafte Welt der Ameisen von Christina Grätz gelesen, hätte ich mir die Tierchen und ihre Aktivitäten vermutlich mit anderen Augen angesehen.

Mit Ameisen habe ich mich bislang nie wirklich befasst. Wenn sie mich in Ruhe lassen, lasse ich sie in Ruhe. Sehe ich irgendwo ein Ameisenstraße, wie zum Beispiel vor Jahren bei meinen Vermietern in der Wohnung, als sie im Urlaub waren, suche ich das Ziel, in diesem Fall eine Dose mit Bonbons, und bringe es in den Garten. Spätestens nach zwei Tagen waren die Ameisen aus der Wohnung. Eben weil sie so prima organisiert sind und sich gegenseitig informieren, dass die leckere Futterstelle verschwunden ist.

Berufswunsch: Ameisenumsiedlerin

Ob ich allerdings auf die Idee gekommen wäre, eine Ameisenumsiedlerin wie Christina Grätz zu rufen, wenn ich im Garten ein Ameisennest gefunden hätte, bezweifele ich. Bis ich Die fabelhafte Welt der Ameisen gelesen habe, wusste ich nicht mal, dass es sowas gibt. Mit ihrer Arbeit hat mir Christina Grätz einen neuen Blick auf die Tierchen eröffnet.

Die Vielfalt, die individuellen Besonderheiten jeder einzelnen Art, alles beschreibt Christina Grätz liebevoll und kompetent.

  • Da gibt es die Stämme, die einem Käfer Unterschlupf in ihrem Nest gewähren, weil der Sekrete absondert, die die Ameisen süchtig machen. Droht dem Nest Gefahr, werden die “Drogendealer” noch vor der Königin gerettet.
  • Andere Stämme haben “Ambulanzen”, die nach einem Gefecht mit einem anderen Stamm ausziehen, die eigenen Verletzten im Sinne der Triage sichten und leicht bis mittelschwer verletzte Schwestern ins Nest tragen. Dort werden sie gesund gepflegt. Mit überzeugendem Erfolg, wie die Wissenschaft inzwischen gezeigt hat. Die Opferzahlen sinken drastisch im Vergleich zu anderen Stämmen, die dieses Verhalten nicht zeigen.

Christina Grätz hat mich mit Die fabelhafte Welt der Ameisen berührt und begeistert. Auf jeder Seite spürt man die Leidenschaft, mit der sie ihren Traumberuf ausübt. Gleichzeitig vermittelt sie wissenschaftlich fundiertes Wissen aus der Welt der Ameisen. Die entsprechenden Abschnitte sind besonders gekennzeichnet.

Danke für dieses Buch, Frau Grätz. Ich finde es toll!

Christina Grätz

Christina Grätz, geboren 1974, ist Diplom-Biologin und dreifache Mutter. Sie lebt in einem kleinen Dorf in der Niederlausitz, ist Unternehmerin und hat bereits über 1.300 Ameisennester in ihrer Laufbahn als Ameisenhegerin umgesiedelt, eines davon sogar auf ihren Hof. Ihre Tätigkeit als Ameisenumsiedlerin erregte im Jahr 2017 besondere mediale Aufmerksamkeit. Beiträge über die Umsiedlung von fast 200 Nestern am Berliner Ring waren deutschlandweit in den Printmedien und im Radio, aber auch in großen Fernsehsendern (ARD-Morgenmagazin, ZDF-Mittagsmagazin, ProSieben Galileo, RTL Aktuell) vertreten.

Manuela Kupfer

Manuela Kupfer, geboren 1968, ist Diplom-Biologin. Sie studierte an den Universitäten Würzburg und Marburg und arbeitet seit 20 Jahren freiberuflich als Lektorin und Fachredakteurin im Bereich Naturwissenschaften und Gesundheit. Ihr Interesse an sozialen Insekten hat sprunghaft zugenommen, seit sie selber Honigbienen hält. Und nachdem sie mehrere Ameisenumsiedlungen begleiten konnte, haben es ihr die emsigen Krabbeltiere ebenfalls angetan.

Buchinfo: Die fabelhafte Welt der Ameisen von Christina Grätz und Manuela Kupfer, erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 20. März 2019, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 20,00 Euro, ISBN 978-3579087283. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Ist Stuttgart auf die Katze gekommen?

Seit dem Wochenende treibt sich in Stuttgart eine bislang nicht näher identifizierte Katze herum. Der Streuner wurde zuletzt im Dorotheen-Quatier gesehen.

Zu übersehen ist der samtpfötige Riese mit seinen rund vier Metern Höhe und der markanten Farbe nicht. Trotzdem konnte bislang kein Herrchen oder Frauchen ausgemacht werden.

Zwischenzeitlich befasst sich die Polizei bereits mit dem geheimnisvollen Tier. Auf Facebook bittet sie die Menschen um Mithilfe.

https://www.facebook.com/PolizeiStuttgart/?__tn__=%2Cd%2CP-R&eid=ARBrXkkkD7H4ODbOBcRw7mbD0ljtzPzO52wZgYyV1UXrSG26HcC8sRflUI4Vv-3Ducd9RBCL1UCYC5x3

Weiß jemand von euch Näheres dazu? Ich bin neugierig!

#catcontent #Polizei #ausgesetzt

Teresa Simon: Die Fliedertochter

Berlin 2018. Stellvertretend für Ihre mütterliche Freundin Antonia reist die junge Paulina nach Wien. Sie soll ein Erbstück anholen, das überraschend aufgetaucht ist. Wie vorausschauend das Schicksal war, merkt Paulina erst, als sie sich eingehend mit dem Nachlass, dem Tagebuch von Luzie Kühn, auseinandersetzt.

Die Fliedertochter von Teresa SimonBerlin 1936. Luzie Kühn ist mit Leib und Seele Revue-Sängerin. Hier hat sie ihre offenen, toleranten und humorvollen Freunde gefunden. Ihre Großeltern, die sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgezogen haben, lesen ihr jeden Wunsch von den Augen ab.

Auf der Flucht vor den Nazis

Eigentlich ist alles perfekt, gäbe es die Nazis nicht. Immer offener zeigen sie ihren Hass. Eine Gefahr für Luzie und ihre Familie und Freunde. Denn Luzie ist Halbjüdin, ihre Großeltern, wenn auch nicht religiös so doch jüdischen Glaubens. Schweren Herzens beschließt sie, dem Rat ihrer geliebten Großeltern zu folgen und Zuflucht in bei Verwandten in Österreich zu suchen.

Dass sie damit ihr Schicksal nur hinauszögern aber nicht aufhalten kann, ahnt die junge Frau bei ihrer Abreise noch nicht.

Bewegend und mit perfektem Timing

Besser hätte ich den Zeitpunkt, dieses Buch zu lesen nicht wählen können. Eben erst hat Vizekanzler und FPÖ-Chef Österreich in eine tiefe politische Krise manövriert. Ein Ergebnis des beständigen Rechtsrucks unserer Nachbarn. Morgen, am 27.05.2019, muss sich Bundeskanzler Sebastian Kurz die Vertrauensfrage stellen lassen. Wie es dann weitergehen wird, muss sich zeigen. Hoffen wir, dass der Skandal viele Menschen zum Umdenken und zum Festhalten an einer demokratischen Grundordnung bringen wird.

Setzt sich der Rechtsdrall fort, kann das, was Luzie in den 30er und 40er Jahren erlebt hat erlebt, wieder zum Alltag werden. Nicht nur in Österreich. Diese Woche warnte der deutsche Antisemitismusbeauftragte Juden davor, überall Kippa zu tragen. So weit sind wir schon wieder. Würde Luzie noch leben, es würde sie schütteln.

Wer jetzt denkt, Die Fliedertochter sei eine Kriegsgeschichte mit erhobenem Zeigefinger, der irrt. Teresa Simon hat ein ruhiges, äußerst liebenswertes Buch geschrieben, in dem sie Vergangenheit und Gegenwart leichtfüßig miteinander verknüpft.

Ich bin begeistert!

Die Fliedertochter hat mich ebenso in seinen Bann gezogen wie Luzies blaues Tagebuch Paulina. Ich habe mitgeschmunzelt und mitgelitten. Hätte es bei mir je Zweifel gegeben, dass Nazis nie wieder das Sagen haben dürfen, wäre ich nach der Lektüre dieses Buches geläutert.

Die Fliedertochter von Teresa Simon ist einfach ein bezauberndes Buch. Egal, ob man es mit oder ohne politischen Hintergrund liest. Ich empfehle es sehr gern weiter!

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Teresa Simon

Teresa Simon ist das Pseudonym einer bekannten deutschen Autorin. Sie reist gerne (auch in die Vergangenheit), ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale, hat ein Faible für Katzen, bewundert alles, was grünt und blüht, und lässt sich immer wieder von stimmungsvollen historischen Schauplätzen inspirieren.

Buchinfo: Die Fliedertochter von Teresa Simon, erschienen bei Heyne, 11. Februar 2019, 496 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN 978-3-453-42145-5. Vielen Dank für das Leseexemplar.