Grätz/Kupfer: Die fabelhafte Welt der Ameisen

Ameisen sind arbeitssam, sozial, organisiert. Wie ausgeprägt diese Fähigkeiten sind, erklärt Ameisenumsiedlerin Christina Grätz in ihrem Buch Die fabelhafte Welt der Ameisen. Mich hat sie damit überrascht und begeistert.

Vor zwei oder drei Jahren hatte ich Ameisen auf meinem Balkon im dritten Stock. Winzig kleine aber extrem lästige Tierchen, die es vor allem auf die arme Katze abgesehen hatten. Ich war angemessen genervt, habe versucht, die Ursache für ihren Einzug auf meinem Balkon zu finden und zu entfernen. Habe ihnen gut zugesprochen, dass wir uns doch am besten im Guten trennen sollten. Alles umsonst. Erst die Köderdose hat geholfen, so ungern ich das sage. Hätte ich damals bereits Die fabelhafte Welt der Ameisen von Christina Grätz gelesen, hätte ich mir die Tierchen und ihre Aktivitäten vermutlich mit anderen Augen angesehen.

Mit Ameisen habe ich mich bislang nie wirklich befasst. Wenn sie mich in Ruhe lassen, lasse ich sie in Ruhe. Sehe ich irgendwo ein Ameisenstraße, wie zum Beispiel vor Jahren bei meinen Vermietern in der Wohnung, als sie im Urlaub waren, suche ich das Ziel, in diesem Fall eine Dose mit Bonbons, und bringe es in den Garten. Spätestens nach zwei Tagen waren die Ameisen aus der Wohnung. Eben weil sie so prima organisiert sind und sich gegenseitig informieren, dass die leckere Futterstelle verschwunden ist.

Berufswunsch: Ameisenumsiedlerin

Ob ich allerdings auf die Idee gekommen wäre, eine Ameisenumsiedlerin wie Christina Grätz zu rufen, wenn ich im Garten ein Ameisennest gefunden hätte, bezweifele ich. Bis ich Die fabelhafte Welt der Ameisen gelesen habe, wusste ich nicht mal, dass es sowas gibt. Mit ihrer Arbeit hat mir Christina Grätz einen neuen Blick auf die Tierchen eröffnet.

Die Vielfalt, die individuellen Besonderheiten jeder einzelnen Art, alles beschreibt Christina Grätz liebevoll und kompetent.

  • Da gibt es die Stämme, die einem Käfer Unterschlupf in ihrem Nest gewähren, weil der Sekrete absondert, die die Ameisen süchtig machen. Droht dem Nest Gefahr, werden die “Drogendealer” noch vor der Königin gerettet.
  • Andere Stämme haben “Ambulanzen”, die nach einem Gefecht mit einem anderen Stamm ausziehen, die eigenen Verletzten im Sinne der Triage sichten und leicht bis mittelschwer verletzte Schwestern ins Nest tragen. Dort werden sie gesund gepflegt. Mit überzeugendem Erfolg, wie die Wissenschaft inzwischen gezeigt hat. Die Opferzahlen sinken drastisch im Vergleich zu anderen Stämmen, die dieses Verhalten nicht zeigen.

Christina Grätz hat mich mit Die fabelhafte Welt der Ameisen berührt und begeistert. Auf jeder Seite spürt man die Leidenschaft, mit der sie ihren Traumberuf ausübt. Gleichzeitig vermittelt sie wissenschaftlich fundiertes Wissen aus der Welt der Ameisen. Die entsprechenden Abschnitte sind besonders gekennzeichnet.

Danke für dieses Buch, Frau Grätz. Ich finde es toll!

Christina Grätz

Christina Grätz, geboren 1974, ist Diplom-Biologin und dreifache Mutter. Sie lebt in einem kleinen Dorf in der Niederlausitz, ist Unternehmerin und hat bereits über 1.300 Ameisennester in ihrer Laufbahn als Ameisenhegerin umgesiedelt, eines davon sogar auf ihren Hof. Ihre Tätigkeit als Ameisenumsiedlerin erregte im Jahr 2017 besondere mediale Aufmerksamkeit. Beiträge über die Umsiedlung von fast 200 Nestern am Berliner Ring waren deutschlandweit in den Printmedien und im Radio, aber auch in großen Fernsehsendern (ARD-Morgenmagazin, ZDF-Mittagsmagazin, ProSieben Galileo, RTL Aktuell) vertreten.

Manuela Kupfer

Manuela Kupfer, geboren 1968, ist Diplom-Biologin. Sie studierte an den Universitäten Würzburg und Marburg und arbeitet seit 20 Jahren freiberuflich als Lektorin und Fachredakteurin im Bereich Naturwissenschaften und Gesundheit. Ihr Interesse an sozialen Insekten hat sprunghaft zugenommen, seit sie selber Honigbienen hält. Und nachdem sie mehrere Ameisenumsiedlungen begleiten konnte, haben es ihr die emsigen Krabbeltiere ebenfalls angetan.

Buchinfo: Die fabelhafte Welt der Ameisen von Christina Grätz und Manuela Kupfer, erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 20. März 2019, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 20,00 Euro, ISBN 978-3579087283. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Werbeanzeigen

Ist Stuttgart auf die Katze gekommen?

Seit dem Wochenende treibt sich in Stuttgart eine bislang nicht näher identifizierte Katze herum. Der Streuner wurde zuletzt im Dorotheen-Quatier gesehen.

Zu übersehen ist der samtpfötige Riese mit seinen rund vier Metern Höhe und der markanten Farbe nicht. Trotzdem konnte bislang kein Herrchen oder Frauchen ausgemacht werden.

Zwischenzeitlich befasst sich die Polizei bereits mit dem geheimnisvollen Tier. Auf Facebook bittet sie die Menschen um Mithilfe.

https://www.facebook.com/PolizeiStuttgart/?__tn__=%2Cd%2CP-R&eid=ARBrXkkkD7H4ODbOBcRw7mbD0ljtzPzO52wZgYyV1UXrSG26HcC8sRflUI4Vv-3Ducd9RBCL1UCYC5x3

Weiß jemand von euch Näheres dazu? Ich bin neugierig!

#catcontent #Polizei #ausgesetzt

Teresa Simon: Die Fliedertochter

Berlin 2018. Stellvertretend für Ihre mütterliche Freundin Antonia reist die junge Paulina nach Wien. Sie soll ein Erbstück anholen, das überraschend aufgetaucht ist. Wie vorausschauend das Schicksal war, merkt Paulina erst, als sie sich eingehend mit dem Nachlass, dem Tagebuch von Luzie Kühn, auseinandersetzt.

Die Fliedertochter von Teresa SimonBerlin 1936. Luzie Kühn ist mit Leib und Seele Revue-Sängerin. Hier hat sie ihre offenen, toleranten und humorvollen Freunde gefunden. Ihre Großeltern, die sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgezogen haben, lesen ihr jeden Wunsch von den Augen ab.

Auf der Flucht vor den Nazis

Eigentlich ist alles perfekt, gäbe es die Nazis nicht. Immer offener zeigen sie ihren Hass. Eine Gefahr für Luzie und ihre Familie und Freunde. Denn Luzie ist Halbjüdin, ihre Großeltern, wenn auch nicht religiös so doch jüdischen Glaubens. Schweren Herzens beschließt sie, dem Rat ihrer geliebten Großeltern zu folgen und Zuflucht in bei Verwandten in Österreich zu suchen.

Dass sie damit ihr Schicksal nur hinauszögern aber nicht aufhalten kann, ahnt die junge Frau bei ihrer Abreise noch nicht.

Bewegend und mit perfektem Timing

Besser hätte ich den Zeitpunkt, dieses Buch zu lesen nicht wählen können. Eben erst hat Vizekanzler und FPÖ-Chef Österreich in eine tiefe politische Krise manövriert. Ein Ergebnis des beständigen Rechtsrucks unserer Nachbarn. Morgen, am 27.05.2019, muss sich Bundeskanzler Sebastian Kurz die Vertrauensfrage stellen lassen. Wie es dann weitergehen wird, muss sich zeigen. Hoffen wir, dass der Skandal viele Menschen zum Umdenken und zum Festhalten an einer demokratischen Grundordnung bringen wird.

Setzt sich der Rechtsdrall fort, kann das, was Luzie in den 30er und 40er Jahren erlebt hat erlebt, wieder zum Alltag werden. Nicht nur in Österreich. Diese Woche warnte der deutsche Antisemitismusbeauftragte Juden davor, überall Kippa zu tragen. So weit sind wir schon wieder. Würde Luzie noch leben, es würde sie schütteln.

Wer jetzt denkt, Die Fliedertochter sei eine Kriegsgeschichte mit erhobenem Zeigefinger, der irrt. Teresa Simon hat ein ruhiges, äußerst liebenswertes Buch geschrieben, in dem sie Vergangenheit und Gegenwart leichtfüßig miteinander verknüpft.

Ich bin begeistert!

Die Fliedertochter hat mich ebenso in seinen Bann gezogen wie Luzies blaues Tagebuch Paulina. Ich habe mitgeschmunzelt und mitgelitten. Hätte es bei mir je Zweifel gegeben, dass Nazis nie wieder das Sagen haben dürfen, wäre ich nach der Lektüre dieses Buches geläutert.

Die Fliedertochter von Teresa Simon ist einfach ein bezauberndes Buch. Egal, ob man es mit oder ohne politischen Hintergrund liest. Ich empfehle es sehr gern weiter!

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Teresa Simon

Teresa Simon ist das Pseudonym einer bekannten deutschen Autorin. Sie reist gerne (auch in die Vergangenheit), ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale, hat ein Faible für Katzen, bewundert alles, was grünt und blüht, und lässt sich immer wieder von stimmungsvollen historischen Schauplätzen inspirieren.

Buchinfo: Die Fliedertochter von Teresa Simon, erschienen bei Heyne, 11. Februar 2019, 496 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN 978-3-453-42145-5. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Marc Elsberg: Gier

Sparpakete, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise – die Welt leidet unter den Folgen der Digitalisierung. Zeit, dass sich das Volk zu Wehr setzt und um mehr Gerechtigkeit kämpft. Marc Elsberg hat mit Gier wieder Szenarien konsequent weiter gedacht und spannend verpackt.

GIERWie weit wuerdest du gehen von Marc ElsbergBerlin. Bei einem Sondergipfel treffen sich die Reichen und Einflussreichen der Welt, um die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten abzuwenden. Oder zumindest für sich selbst den größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen.

Vor dem Veranstaltungsgelände organisiert sich der Widerstand. Die Menschen haben es satt, von einer Wirtschaftskrise in die andere getrieben zu werden. Ein Leben zu leben, das zunehmend weniger Sicherheit bietet. Aus aller Welt sind sie angereist, um ihre Meinung zu äußern.

Wohlstand für alle ist möglich

Auch der renommierte Nobelpreisträger Herbert Thompson hat sich seine Gedanken gemacht, wie sich die Zukunft entwickeln kann. Dabei ist er auf einen Fehler in den Grundlagen gängiger Wirtschaftsanalysen gestoßen und hat eine Formel gefunden, die Wohlstand für alle ermöglicht. Ein Wohlstand der dann automatisch mit Machtverlust der “Führungselite” einhergehen würde.

Thompson überlebt den Tag nicht. Seinen Vortrag wird er nicht mehr halten können. Aber sichert das die Macht der Tagungsteilnehmerinnen?

Mit Gier hat Marc Elsberg genau das getan, was er am besten kann: Früh das Potenzial neuer Bewegungen erkennen, intensiv und sauber recherchieren und den “worst case” als Thriller aufarbeiten.

Weltweite Entwicklungen, gut recherchiert

Zero, Blackout, Helix, ich habe alle Vorgänger von Gier gelesen und mehr oder weniger gut gefunden. Blackout hat mich dazu gebracht, mir einen kleinen Notvorrat im Keller anzulegen, sollte es zu einem längerfristigen Stromausfall kommen. Sehr stilecht übrigens, denn als ich im Drogeriemarkt feuchte Toilettentücher, Klopapier, Müllbeutel und so weiter in meinen Einkaufswagen gepackt habe, fiel mit einem dramatischen “Plopp” der Strom aus. Der ganze Laden nur noch schummrig erhellt durch die Notbeleuchtung. Tatsächlich war nur in dem kleinen Einkaufsgebiet der Strom weg. Überall sonst war alles in Ordnung. Ich fühlte mich überwacht. Woher wussten “die”, dass ich vorsorgen wollte?!

Richtig beeindruckt hat mich Helix, unter anderem, weil sich die Bevölkerung kaum für so was wie CRISPR, die neue Wunderwaffe der Gentechnik, interessiert.

Im Vergleich dazu ist Gier von Marc Elsberg deutlich schwächer. Zwar klopft das hier Beschriebene auch schon lange an die Tür, aber mir hat das Tempo gefehlt. Die Überraschung. Gelegentlich war mir nach Anschubsen zumute. Womit ich die Story als solche nicht herunterreden möchte. Weltweit eskalieren Konflikte und lassen unser Leben und unseren Wohlstand immer unsicherer werden. Und an den Verschwörungen und der Kaltschnäuzigkeit derer, die in unserer Welt die Strippen ziehen, zweifele ich auch keine Minute. Trotzdem hat mich Gier nicht wie gewohnt gepackt.

Marc Elsberg

Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg sowie Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard«. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Mit seinen internationalen Bestsellern BLACKOUT, ZERO und HELIX etablierte er sich auch als Meister des Science-Thrillers. BLACKOUT und ZERO wurden von »Bild der Wissenschaft« als Wissensbuch des Jahres in der Rubrik Unterhaltung ausgezeichnet und machten ihn zu einem gefragten Gesprächspartner von Politik und Wirtschaft.

Buchinfo: Gier von Marc Elsberg, erschienen bei Blanvalet, 25.02.2019, 448 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, €24,00, ISBN 978-3-7645-0632-2. Danke für das Leseexemplar.

Nariman Hammouti-Reinke: Ich diene Deutschland

In den letzten Monaten machte die Bundeswehr überwiegend durch Skandale auf sich aufmerksam. Neonazis und unnötige Quälereien in der Truppe, nicht funktionierendes Material. Nariman Hammouti-Reinke nimmt dazu Stellung und schildert als Soldatin ihre Sicht der Dinge.

Ich diene DeutschlandNariman Hammouti-Reinke ist Berufssoldatin und kämpft mit aller Entschlossenheit gegen Rassismus und für die Vielfalt unserer Gesellschaft. Sie will dieses Land und seine Demokratie gegen Angriffe von außen verteidigen. Wenn es sein muss, auch mit ihrem Leben. Für sie ist das selbstverständlich. Für viele Beobachter noch lange nicht. Denn Nariman Hammouti-Reinke ist Muslima mit marokkanischen Wurzeln.

Eigentlich scheint sie prädestiniert um über die Missstände, mit denen die Bundeswehr in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten ist, zu berichten. Genau deshalb hat mich “Ich diene Deutschland” angesprochen.

Nariman Hammouti-Reinke liebt ihr Heimatland

Was ich bekommen habe, ist leider etwas völlig anderes. Nariman Hammouti-Reinke liebt ihr Heimatland. Sie ist stolz, ihm zu dienen. Auch wenn dazu gehört, nicht immer alles hinterfragen zu können, einfach den Anweisungen zu folgen. Auch wenn man sie nicht richtig findet.

Als geborene „warum-Fragerin“ könnte ich mich schon alleine wegen des letzten Grundes nicht in der Bundeswehr zurechtfinden. Und stolz auf mein Land? Ich lebe gerne in Deutschland und finde, dass es uns hier sehr gut geht. Aber ich weiß nicht, ob ich gut damit umgehen könnte, wenn jemand sein Leben verlieren würde, um meinen Wohlstand zu schützen. Deshalb kann ich selbst mit diesem “stolz auf mein Land” wenig anfangen. Und ja, es ist mir klar, dass sich das aus der Sicherheit heraus gut sagen lässt.

Es gibt zwar Missstände, aber…

Zwar geht Nariman Hammouti-Reinke auf die Missstände in der Bundeswehr ein, Rassismus, übertriebene Brutalität gegenüber Soldatinnen und Soldaten, marode Ausrüstung und ein Verwaltungsüberhang, und beschönigt die auch nicht. Und sie hat recht, das ist nicht der Alltag, das sind Ausnahmen. Für meinen Geschmack aber zu viele Ausnahmen, denen man ganz entschieden entgegenwirken muss. Die ich nicht tolerieren kann und die durch die von Nariman Hammouti-Reinke beschworene Kameradschaft noch verstärkt werden können. Wenn es darauf ankommt, schützt jeder den anderen oder die andere. Im Guten wie im Schlechten.

Viel Zeit widmet Nariman Hammouti-Reinke den religiösen Minderheiten in der Bundeswehr und hier hat sie meine volle Unterstützung. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum man Essen nicht so zubereiten kann, dass es alle essen können. Egal ob Allesesserin oder Veganer, Muslima, Jude oder Katholik. Zumindest im Alltag sollte es da keinerlei Probleme geben. Selbst im Einsatz müsste das möglich sein.

Wo bleibt die Seelsorge für alle?

Schwierig scheint auch die religiöse Versorgung zu sein. Katholische und evangelische Seelsorger sind selbstverständlich. Wie ich kürzlich im Radio hörte, sollen sich Soldaten und Soldatinnen jüdischen Glaubens künftig auch an einen Rabbiner wenden können. Nicht versorgt sind jedoch Muslime.

Ich selbst bin nicht religiös und schon vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten. Aber ich kann mir vorstellen, dass sich viele mit ähnlicher Einstellung anders entscheiden, wenn es um gefährliche Einsätze oder schlimme Erlebnisse geht. Da kann ein Seelsorger der passenden Religion sicher Erleichterung bringen.

Nicht überzeugt

Mir fällt es sehr schwer, für dieses Buch ein finales Urteil abzugeben. Einerseits ist es wichtig, sich näher über der Bundeswehr zu beschäftigen, wenn man die Missstände beurteilen will. Andererseits war meine Erwartungshaltung eine völlig andere und mir ging die ständige Forderung nach Toleranz und Verständnis der Autorin für ihre Leistungen für Deutschland gewaltig auf die Nerven. Ich kann auch mit dem ausgeprägten Obrigkeitsdenken nichts anfangen. Aber jeder wie er will. Meins ist es nicht.

Der einzige Aspekt, den ich völlig nachvollziehen konnte, war die Bereitstellung von Freiräumen für alle Glaubensrichtungen. In meinen Augen ein berechtigter Anspruch dem mehr Öffentlichkeit zuteil werden sollte. Aber dafür müsste der Titel anders lauten, klarer auf dieses Ziel hinweisen.

Wer sich wirklich für das Innenleben der Bundeswehr interessiert, findet vielleicht auch andere Bücher, die den Schwerpunkt anders legen.

Nariman Hammouti-Reinke

Nariman Hammouti-Reinke wurde 1979 als Kind marokkanischer Eltern bei Hannover geboren. Sie ist seit 2005 bei der Bundeswehr, war zwei Mal im Afghanistan-Einsatz und ist heute Leutnant zur See. Als Vorsitzende des Vereins Deutscher.Soldat.e.V in der «Kommission für Migration und Teilhabe des Niedersächsischen Landtags» engagiert sie sich sehr aktiv für eine moderne Integrationspolitik in Deutschland.

Buchinfo: Ich diene Deutschland von Nariman Hammouti-Reinke, erschienen bei rororo, 22.01.2019, 256 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-499-63396-6, € 14,99

Yvonne Schwegler/July Sjöberg: Eiskalt weggewischt

Das Kind geht ins Ausland! Unvorstellbar für ihre Mutter Elvira Schäufele. Hätte das Mädle denn nicht im Ländle studieren können? Muss es Heidelberg, die Kurpfalz, sein?! Kein Wunder, dass es hier nur Schwierigkeiten auf sie warten. Aber nicht mit Frau Schäufele. Die räumt auf.

eiskalt weggewischtFrau Schäufele erfüllt jedes Klischee, das man einer Schwäbin zuschreiben kann:

  • sie begluckt ihre erwachsene Tochter Jessica
  • sie ist der Inbegriff von pingelig
  • sie hat einen Putzfimmel
  • sie hat eine “Schwertgosch”

Also verkauft sie das Haus und zieht ihrer Tochter hinterher. Ausgerechnet in Heidelberg muss Jessica studieren. In der Kurpfalz. Praktisch im Ausland. Da kommt das Mädchen doch überhaupt nicht alleine zurecht. Es muss doch jemand nach der Wäsche schauen und nach der Wohnung. Sie musste ja unbedingt eine eigene Wohnung haben. Und wer soll für das Töchterlein kochen? Wo sie doch so einen Stress in der Uni hat. Nein, alleine kann sie das nicht.

Schwäbisch-Kurpfälzerische Connection

Als Jessicas Professor tot aufgefunden wird, gerät die Studentin ins Visier der Polizei. Dass beide ein Verhältnis hatten, macht sie nicht unverdächtiger. Zum Glück weiß Theres Fugger Rat. Sie Reinigungskraft bei der Polizeidirektion Heidelberg und damit Elviras Vorgesetzte. Und ganz nebenbei ist Theres auch noch die Tante des leitenden Kommissars.

Elvira Schäufele beschließt, Theres’ Herkunft, sie ist KURPFÄLZERIN!, und ihre seltsame Aufmachung zu ignorieren und mit ihr zusammen Jessica vor dem drohenden Gefängnis zu retten.

Kittelschürzig trifft resolut

Regionale Krimis erleben seit einigen Jahren einen Höhenflug. Dabei gerät oft aus dem Fokus, dass nicht alles, was mit Dialekt und regionalen Klischees daher kommt, auch automatisch witzig und/oder spannend ist.

Eiskalt weggewischt hat mich jedoch über weite Strecken amüsiert. Großen Anteil daran hat der Charakter der Elvira Schäufele. Vom ersten Augenblick hatte ich das Bild der kittelschürzigen, ständig leicht verkniffen schauenden Schwäbin im mittleren Alter vor Augen. Vermutlich ein Zeichen dafür, dass ich als Zugezogene (vor etwa 25 Jahren) immer noch nicht integriert bin.

Auch die resoluten Theres Fugger kann ich mir so gut vorstellen. Egal, ob sie ihren Neffen blamiert oder nicht, die Theres sagt dem Kommissar wo es lang geht.

Bei diesem Klamauk bleibt natürlich die Spannung auf der Strecke. Aber die erwartet bei einem “Putzfrauen-Krimi” vermutlich auch niemand wirklich.

Yvonne Schwegler

Yvonne Schwegler wurde 1973 geboren. Sie arbeitet seit ihrem Studium (Geschichte und Politologie) für die Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembrg. Sie ist Autorin mehrerer Kriminalstücke und -spiele. Außerdem hat sie als Co-Autorin eine Sammlung geschichtlicher Anekdoten zu Heidelberg (Mit ganz viel Herz) verfasst.

July Sjöberg

Juliy Sjöberg wurde 1966 geboren. Sie hat einen Magister in Kunstgeschichte und Volkswirtschaftslehre, entwickelt und inszeniert historische Veranstaltungen, unter anderem für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die Halbschwedin hat ihre Kindheit in Schwaben verbracht. Bereits seit der Schulzeit lebt sie als Wahlkurpfälzerin in der Umgebung des romantischen Heidelbergs.

Buchinfo: Eiskalt weggewischt von Yvonne Schwegler und July Sjöberg, erschienen bei Pfefferkorn, 14.03.2019, 284 Seiten, Taschenbuch, € 9,99, ISBN 9783944160276. Danke für das Leseexemplar.

Hertzberg/François: Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot

Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot? Sowas kann nicht schmecken, oder? Als Liebhaberin von selbstgebackenem Brot, bevorzugt Roggen-Sauerteig-Brot, war ich in und her gerissen und musste es einfach probieren. Und es hat sich gelohnt. Ich war sehr positiv überrascht.

Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mein eigenes Brot zu backen. Ahnungslos, wie ich war, habe ich gleich mit Sauerteigbroten begonnen und nicht mit so “einfachem Hefekram”. Und was soll ich sagen? Gleich der erste Versuch hat prima geklappt und mich vermutlich für den Rest meines Lebens für Industriebrot verdorben hat. Klar braucht ein gutes Brot seine Zeit, aber die meiste davon arbeitet es ja ohne mich.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Glutenfreies Brot war für mich eine neue Herausforderung. Ich kann mich nicht erinnern, es jemals probiert zu haben, war also komplett offen. Was ich darüber gehört hatte, war aber nicht berauschend.

Die Mischung macht’s

Tatsächlich stellte sich nur die Beschaffung der Zutaten als Herausforderung dar. Hertzberg und François arbeiten mit zwei unterschiedlichen Mehlmischungen. Einer hellen und einer Vollkornmischung. Je nach Brotart werden beide in unterschiedlichen Verhältnissen kombiniert.

IMG_20190408_161912_resized_20190414_041957008
Die Zutaten sind da. Es kann losgehen.

Ich habe mich nur für die helle Variante entschieden. Reismehl und gemahlene Flohsamenschalen waren einfach zu bekommen. Kartoffelstärke sowieso. Schwieriger war es mit Sorghum-Mehl und Tapiokastärke, also die Stärke aus der Maniokwurzel, die man übrigens auch durch Maisstärke ersetzen kann. Das war aber auch schon die einzige Schwierigkeit.

Die Mischung war schnell hergestellt. Ich habe übrigens mit den kleinen Mengen begonnen und diese erst sehr gut vermischt. Danach kam mit dem Reismehl die Hauptkomponente darunter. So habe ich eine wirklich gute Durchmischung erreicht.

Hertzberg und François stellen die Mischungen immer in großen Mengen her und haben so einen Vorrat, mit dem sie schnell starten können. Mein Tipp: Testet mit einer kleineren Menge – ich habe von Mischung eins nur die Hälfte genommen – und wenn es euch schmeckt, plant im zweiten Ansatz mit größeren Mengen. Das lohnt auf jeden Fall. Schon allein wegen der Beschaffung der Zutaten.

Fertig in drei, zwei, eins

Salz, Wasser und Hefe dazu – ich persönlich mag lieber frische Hefe und habe auf das knappe Kilo Mehlmischung gut einen halben Würfel genommen – und den Rest macht der Teig praktisch selbst.

IMG_20190408_183158_resized_20190414_041955558
Der Teig ist sehr schön aufgegangen. Zum Glück reichte die Schüssel aus.

Nach zwei Stunden abgedeckt in der warmen Küche hat sich der Teig ordentlich aufgeplustert, der Ofen inklusive Backstein (siehe dazu die ausführlichen Hinweise im Buch) ist vorgeheizt. Der Teig darf jetzt nicht geknetet werden. Erstens macht die Luft, die durch die Hefegärung entstanden ist, das Brot locker. Zweitens wollen und bekommen wir ja kein Gluten, was sich bei “normalen” Mehlen durch das Kneten entwickelt und für Lockerung des Backwerks sorgt. Also habe ich einfach etwa ein Drittel des Teiges vorsichtig zu einem Brotlaib geformt und ab damit in den Ofen. Der Rest wandert in einer Dose mit Deckel in den Kühlschrank.

Dieser “Reserveteig” ist das eigentliche Geheimnis des glutenfreien Fünf-Minuten-Brotes. Er hält sich gut zehn Tage im Kühlschrank und kann täglich entnommen und verbacken werden. Allerdings muss er vor dem Backen eine Stunde gehen und auf Temperatur kommen.

Sieht aus wie gutes Brot, schmeckt wie gutes Brot

IMG_20190408_183420_resized_20190414_041955181
Der „Erstling“ ist im Ofen. Ich bin gespannt.

Nach 45 Minuten Backzeit, kommt mein Erstlingswerk aus dem Ofen. Es ist knusprig, riecht lecker und die Einschnitte auf der Oberfläche sind schön auseinander gegangen. Das mit dem Ofentrieb, dem Aufgehen des Teiges im Ofen, hat also auch geklappt.

Während Hertzberg und François empfehlen, das Brot mindestens zwei bis drei Stunden auskühlen zu lassen, damit sich die Struktur bildet, habe ich das natürlich nicht geschafft. Noch warmes Brot ist einfach zu verlockend. Und tatsächlich muss ich sagen, ich fand es sehr sehr lecker. Lauwarm schmeckte es ähnlich wie frisches französisches Baguette. Nur deutlich kompakter in der Struktur.

Nach dem Abkühlen fand ich die Kruste zwar knusprig, aber auch sehr fest. Beim nächsten Test werde ich, wie bei meinen glutenhaltigen Broten, nach zehn bis fünfzehn Minuten die Temperatur etwas herunter drehen.

Auch die Konsistenz beim Kauen ist für “Normalbrotesserinnen” etwas ungewohnt. Bröseliger ist vielleicht das richtige Wort. Aber das ist wirklich nur Gewohnheit. Und der Geschmack zählt. Der war gut.

Sieben Tage später

Eine Woche später kam die zweite Charge aus dem Kühlschrank in den Ofen. Dieses Mal als Brötchen mit kürzerer Backzeit. Wieder vorsichtig ohne Kneten geformt und ab damit auf den vorgeheizten Backstein.

IMG_20190413_110314_resized_20190413_111037387
Antipasti mit glutenfreien Brötchen. Noch lauwarm. Ich konnte nicht widerstehen.

Auch sie fielen noch lauwarm meinem Hunger zum Opfer. Und sie waren lecker. Die Woche Parkzeit im Kühlen hatte keinen negativen Einfluss auf den Teig. Perfekt also für alle, die regelmäßig frisches, glutenfreies Brot haben möchten.

Gute Auswahl, tolle Anleitungen, üppige Bebilderung

Hertzberg und François haben ein tolles Buch erarbeitet. Nach einer Einführung in die glutenfreie Welt folgen sorgfältige Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die auch Backanfängern den schnelle Start ermöglichen.

Zu vielen Zutaten werden Alternativen vorgeschlagen, falls die Originale nicht auffindbar sind. Aber auch der Hinweis, was nicht ersetzt werden darf, fehlt nicht.

Neben den unterschiedlichen Broten steht auch anderes Backwerk auf dem Plan, Süßes und Herzhaftes. Damit habe ich mich allerdings nicht näher beschäftigt.

Entgegen der Empfehlung war ich bei den Mengenangaben nicht hundertprozentig strikt, größere Abweichungen würde ich aber nicht empfehlen. Ich würde beim nächsten Ansatz etwas mehr Wasser nehmen und mit nassen Händen die Oberfläche der Teiglinge “abwischen”. Dann wäre vermutlich die Bräunung auch besser. Und wie schon gesagt, ich werde die Temperatur nach zehn bis fünfzehn etwas absenken und nach der dritten und letzten Charge berichten, ob das Ergebnis mehr nach meinem Geschmack ist.

Und für alle, die Roggensauerteige kennen: Der glutenfreie Brotteig lässt sich spielend von den Händen abwaschen :D. Ihr wisst, wovon ich rede?!

Eine Investition, die sich lohnt

Ich denke, dass sich die Investition in Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot von Hertzberg und François sich auf jeden Fall für alle lohnt, die trotz Unverträglichkeit Lust auf leckeres, frisches Brot und Gebäck haben. Mit den klaren, detaillierten Anleitungen und der aufwendigen Bebilderung sollte dem nichts im Weg stehen.

Jeff Hertzberg

Jeff Hertzberg MD ist Allgemeinmediziner mit über 20 Jahren Berufserfahrung als Arzt, Autor und Berater. Er wuchs mit New Yorker Pizza auf und versuchte jahrelang einen Teig zu entwickeln, der so praktisch ist, dass er jeden Tag zu Pizza, Fladenbroten und Brotlaiben verarbeitet werden kann. In Wahrheit wollte er aber bloß lernen, wie man Pizzateig hoch in die Luft wirft. Sein persönliches Hobby – das Backen und eine gesunde Lebensweise – brachten ihn dazu, die beliebten Rezepte aus seinem Bestseller Artisan Bread in Five Minutes a Day an glutenfreie Zutaten anzupassen.

Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Minneapolis.

Zoë François

Zoë François ist Bäckerin und Konditormeisterin. Sie absolvierte ihre Ausbildung am renommierten Culinary Institute of America. Neben dem Verfassen von Bestseller-Kochbüchern kreiert sie köstliche Desserts. Ihre Rezepte präsentiert sie in ihrem Blog zoebakes.com, beim TV-Sender Cooking Channel, bei General Mills und in vielen US-Magazinen, doch im Innersten ist sie eine Pizzaiola.

Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Minneapolis. Die Autoren lernten sich 2003 beim Musikunterricht ihrer Kinder kennen und haben gemeinsam Selbstgebackenes Brot in fünf Minuten am Tag und Healthy Bread in Five Minutes a Day verfasst.

Buchinfo: Glutenfreies Fünf-Minuten-Brot von Jeff Hertzberg und Zoe Francois, erschienen bei Unimedica, 15.März 2019, 316 Seiten, gebunden mit Lesezeichen, € 29,80, ISBN 978-3-96257-069-9. Danke für das Leseexemplar.

Wer sich vegan ernährt, findet übrigens bei Leselustich auch zahlreiche Anregungen!