O du Schreckliche – Ein garstiger Weihnachtskanon

An Weihnachten scheiden sich die Geister. Die einen können es kaum abwarten, bis nach den Sommerferien die ersten Lebkuchen in den Läden stehen. Die anderen flüchten rechtzeitig vor den Feiertage in Regionen, in denen wenig an Weihnachten erinnert. Die einen halten sich entsetzt die Ohren zu, wenn Last Christmas zum ersten Mal aus dem Radio dudelt, die anderen drehen die Lautstärke so weit auf, dass die Boxen vibrieren.

Kurz gesagt, es gibt Menschen, denen alles rund um Weihnachten eigentlich zutiefst zuwider ist, die aber trotzdem den wohligen Schauer brauchen, den die Konfrontation bei ihnen auslöst. Für sie ist O du Schreckliche – Ein garstiger Weihnachtskanon gedacht.

Weihnachten – eine Hassliebe

O du Schreckliche ist eine Sammlung an Erzählungen und Gedichten von Autorinnen und Autoren, die darin – sagen wir es vorsichtig – ein gespaltenes Verhältnis zu den Feiertagen demonstrieren:

  • Mein Favorit war Ihr Kinderlein kokset von Marcel Huwyler. Herrlich durchgeknallter Blödsinn.
  • Dafür möchte ich Weihnachten heißt Schenken von David Sedaris überhaupt nicht. Bis zu dem Punkt, wo im Nebensatz der Missbrauch der Söhne erwähnt wird, ging es noch irgendwie. Danach nicht mehr. Und ja, ich weiß, dass hier sehr schwarz der Kommerz von Weihnachten überzeichnet werden sollte.
  • Der Nikolaus war da! von Jan Weiler hat mich dann wieder etwas versöhnt. Wie gesagt, ich mag es durchgeknallt.

Insgesamt hat mir O du Schreckliche aber eher selten ein entzücktes Leuchten in die Augen gezaubert. Mit diesem Hintergrund – garstige Weihnachten – habe ich schon garstigere Bücher gelesen und dabei ziemlich viel gelacht. Aber die Geschmäcker sind ja verschieden.

Vielleicht ist O du Schreckliche ja genau deins!

Buchinfo:O du Schreckliche, herausgegeben von Felix Jácob, mit Erzählungen von T. C. Boyle, Martin Suter, Virginia Woolf, Hans Fallada, Daniel Glattauer, John Updike, Axel Hacke u.v.m., Kanon Verlag, 16.10.2024, 160 Seiten, gebunden, € 18,00, ISBN 978-3-98568-145-7. Danke für das Leseexemplar.


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