Claire Askew: Todesschweigen

Edinburgh im Mai. Ein Blutbad am Three Rivers College erschüttert die Stadt. Detective Inspector Helen Birch versucht, die Hintergründe der Tat aufzuklären und kämpft dabei gegen öffentliche Hetze und Spekulationen.

todesschweigenAlles sieht aus, wie ein ganz normaler Morgen am Three Rivers College. Der Gänge füllen sich langsam mit Studierenden, als plötzlich Schüsse durch das Gebäude hallen. Schreie gellen durch die Flure, Schüler und Lehrkräfte versuchen, sich in abschließbaren Räumen in Sicherheit zu bringen oder rennen auf den Hof. Bloß nicht dem Schützen in die Quere kommen.

Detective Inspector Helen Birch ist als eine der ersten am Einsatzort, wo sie nur zwei völlig überforderte Streifenpolizisten vorfindet. Während sie auf das Sondereinsatzkommando warten, dröhnen weitere Schüsse durch das Gebäude, gefolgt von Schreien und Rennen auf den Gängen. Dann ist Ruhe.

Als das SEK das Gebäude stürmt, sind dreizehn junge Frauen tot. Der Amokschütze hat sich mit seiner letzten Kugel selbst gerichtet.

2009 – Amoklauf in Winnenden

Todesschweigen hat mich auf ganz besondere Weise gepackt. Im März 2009 habe ich als Social Media Managerin einer großen süddeutschen Online-Community den Amoklauf in Winnenden hautnah miterlebt. Sowohl Opfer als auch Täter waren Mitglieder der Community.

In kürzester Zeit stürmte die Boulevardpresse die Plattform und bot öffentlich Geld für Bilder der Toten und Hintergründe zum Täter. Fotos der Opfer wurden ungehemmt verbreitet und schockten die Eltern der Getöteten am nächsten Morgen. Boulevardzeitungen hatten keine Hemmung, mit diesen Bildern aufzumachen.

In den Folgetagen wurden Gerüchte in die Welt gesetzt und eine Hexenjagd auf die Eltern des Amokläufers eröffnet. Selbst bei der nichtöffentlichen Beisetzung schreckte die Journaille vor nichts zurück. Menschen, von deren Häusern man freie Sicht auf den Friedhof hatte, wurde viel Geld geboten, wenn die Boulevardpresse während der Beerdigung von dort aus berichten und fotografieren durfte.

Die Polizei musste also nicht nur versuchen, die Hintergründe der Tat aufzudecken, um solche Situationen künftig besser vermeiden zu können. Sie musste dazu auch noch trauernde und schwer traumatisierte Schüler und Angehörige vor der Hemmungslosigkeit der Boulevardpresse schützen und so wertvolle Zeit und Energie “verschwenden”, die besser hätte verwendet werden können.

Todesschweigen ist harte Kost

Claire Askew lässt uns in Todesschweigen die Polizistin Helen Birch bei den Ermittlungen zu dem Amoklauf an dem Edinburgher College “begleiten”. Sie schildert die Ängste der Angehörigen, aber auch die Vorwürfe und Zweifel, die sie plagen. Hätten sie irgendwas tun können was ihren Kindern das Leben gerettet hätte? Diese Frage stellt sich nicht nur die Mutter des Täters. Und nicht alle übersteht eine solche Zeit. Ehen zerbrechen, Menschen sehen keinen Sinn mehr im Leben, weil sie ihre Kinder nicht schützen konnten.

Todesschweigen ist keine leichte Kost und gerade deswegen empfehle ich sie allen Leserinnen und Lesern. Denn dieses Buch kann dabei helfen, nichts zu bereuen, was man nicht getan oder gesagt hat, sollte ein Kind oder ein Elternteil plötzlich versterben.

Claire Askew hat mit Todesschweigen einen ganz besonderen Krimi abgeliefert.

Claire Askew

Claire Askew studierte an der University of Edinburgh Kreatives Schreiben und arbeitet neben der Schriftstellerei im Bildungsbereich. Sie wurde u.a. mit dem New Writers Award des Scottish Book Trust ausgezeichnet und für ihren Debütroman »Todesschweigen« mit dem Lucy Cavendish Prize. Claire Askew lebt in Edinburgh.

Buchinfo: Todesschweigen von Claire Askew, erschienen bei Goldmann, 19.11.2018, 528 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-442-48842-1

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Susanne Saygin: Feinde

Köln. Can und Simone von der Mordkommission werden zu einem mysteriösen Leichenfund gerufen. Die Spur führt ins Roma-Milieu. Zumindest auf den ersten Blick. Aber die Drahtzieher haben noch viel mehr Leichen im Keller. Ein politisch brisanter Wettlauf mit der Zeit beginnt.

9783453438897_CoverDer Tag fängt für die Polizisten Can und Simone gut an. Vor dem Wertstoffhof wurden zwei Tote gefunden, mit Paketband zu einer obszönen Inszenierung verbunden.

Schnell führen die Ermittlungen zum bulgarischen “Arbeiterstrich”, Menschen, die – häufig mit unklarem Bleibestatus – händeringend nach jeder Arbeit greifen. Tag für Tag.

Lohndumping, Zwangsprostitution, Gewalt

In der Stadt ist längst eine Dumpinglohn-Szene entstanden. Rumänen, Bulgaren, viele Sinti und Roma, die in Köln auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien hoffen und dafür Armut, Verachtung und Einschüchterung erdulden. In Zusammenhang mit dieser Szene fallen immer wieder die gleichen Namen prominenter Kölner. Anhaben konnte man ihnen bisher nichts. Offensichtlich haben sie in der Stadt einflussreiche Freunde.

Doch Can lässt sich nicht abschütteln. Entgegen aller Anweisungen und Drohungen macht er sich auf die Suche nach Beweisen und geht damit ein hohes Risiko ein, das ihn nicht nur seinen Job sondern auch sein Leben kosten kann.

Ein tiefer Blick in menschenverachtende Netzwerke

Vermutlich hat jede und jeder von uns schon mal etwas vom sogenannten Arbeitsstrich gehört oder eine Reportage dazu gesehen. Gleiches gilt für die Zwangsprostitution von Kindern und Erwachsenen. Auch die Tatsache, dass die Opfer dieser Ausbeutung in den ärmsten Ländern rekrutiert, dass ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben gnadenlos ausgenutzt werden, dürfte nicht neu sein.

Susanne Saygin hat all diese Informationsbrocken nach mehrjähriger Recherche zu einem beeindruckenden und beängstigenden Bild verwoben. Zwar betont Susanne Saygin, dass Handlungen und Personen frei erfunden sind und dass sie kein Sachbuch geschrieben hat, aber vieles aus Feinde kann ich mir erschreckend problemlos genau so vorstellen. Auch, dass prominente Verbrecher politisch gedeckt werden.

Diese Realität macht Angst

Feinde von Susanne Saygin hat mich abwechselnd traurig und wütend gemacht. Die Story hat mich frustriert und mir Angst gemacht. Weil sie so realistisch ist, weil sie Abgründe zeigt, für die ich mich im Alltag blind stellen kann, wenn ich es möchte. In diesem Buch werden sie so grell ausgeleuchtet, dass die Leserinnen und Leser sich ihnen stellen müssen. Was ich sehr gut und sehr wichtig finde, was aber empfindsame Gemüter vielleicht überfordern könnte.

Dafür bekommt Feinde von Susanne Saygin eine absolute Leseempfehlung von mir, auch wenn ich gegen Ende etwas irritiert war. Die Beziehung zwischen Can und Isa, seiner Mitbewohnerin wird erst sehr spät aufgerollt und das an einer Stelle, wo es den “Lauf” der Story für mein Empfinden unterbrochen hat.

Susanne Saygin

Susanne Saygin, geboren 1967, aufgewachsen im Rheinland, Geschichtsstudium in Köln und Cambridge, Promotion in Oxford. Danach Tätigkeit im akademischen Projektmanagement und in der freien Wirtschaft (u.a. im Umfeld der ersten deutschen Bundesliga). Die Autorin mit deutsch-türkischen Wurzeln hatte ihren Lebensmittelpunkt knapp zwanzig Jahre lang in Köln. Seit 2010 lebt und arbeitet sie in Berlin. Für ihren Debütroman »Feinde« hat die Autorin über fünf Jahre lang recherchiert.

Buchinfo: Feinde von Susanne Saygin, erschienen bei Heyne, 10.09.2018, 352 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-453-43889-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Nicole Neubauer: Scherbennacht

Brütend heißer Sommer in München. Ein Polizistenmord erschüttert die Münchner Mordkommission. Der erfahrene Drogenfahnder Leo Thalhammer wurde mit seiner eigenen Dienstwaffe erschossen. Die Kommissare Waechter und Brandl ermitteln und stoßen auf eine Mauer des Schweigens innerhalb der eigenen Reihen. War Thalhammer wirklich einem großen Skandal auf der Spur?

Scherbennacht von Nicole NeubauerErmittlungen in den eigenen Reihen sind für Polizisten immer eine besondere Herausforderung. Ausgerechnet Kommissar Waechters Team wird mit den Ermittlungen zum Mord an Drogenfahnder Leo Thalhammer gerufen. Er wurde tot in seinem Wagen aufgefunden. Erschossen mit seiner eigenen Dienstwaffe. War Thalhammer in der Drogenszene jemandem auf die Füße getreten und wurde dafür bestraft?

Wurde Thalhammer hingerichtet?

Oder gibt es andere Motive. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, der Drogenfahnder sei einem großen Skandal auf der Spur gewesen. Und tatsächlich scheint er ein Doppelleben geführt zu haben. Waechter und sein Team nehmen die Fährte auf und geraten damit selbst ins Visier der Täter. Die Spuren führen immer wieder in die eigenen Reihen und stellen die Ermittler damit vor die Frage, wem sie überhaupt noch trauen können.

Eines vorweg, Scherbennacht ist der dritte Teil der Kommissar Waechter Reihe. Man muss die vorherigen Bände nicht gelesen haben, um sich schnell die aktuelle Story einzufinden. Allerdings hilft es, um den ein oder anderen Hinweis und die Eigenheiten der Charaktere Waechter und Brandl zu verstehen.

Skurrile Charaktere, ungewöhnliche Methoden

Diese sind alles andere als glatt gebügelt. Hier ermitteln richtige Originale mit reichlich Ecken und Kanten. Dass sie sich dabei nicht immer an den Dienstweg halten, versteht sich bei der Beschreibung eigentlich von selbst. Vermutlich gelingt es ihnen genau deshalb, den Fall aufzuklären, denn so kann ihnen innerhalb der eigenen Reihen niemand dazwischenfunken.

Und natürlich sorgen solche Charaktere für den nötigen Spaß beim Lesen. Durch ein Schmunzeln zwischendurch wird kein Krimi weniger spannend.

Von mir bekommt Scherbennacht von Nicole Neubauer deshalb eine Leseempfehlung!

Nicole Neubauer

Nicole Neubauer ist 1972 in Ingolstadt geboren und studierte englische Literaturwissenschaft und Jura in München und London. Nach zehn Jahren in einer Wirtschaftskanzlei arbeitet sie freiberuflich als Autorin, Rechtsanwältin und Lektorin. Sie ist Mitglied der »Mörderischen Schwestern e.V.« und der »Autorinnenvereinigung e.V.«.

Nicole Neubauer lebt mit ihrer Familie in München im Herzen Schwabings.

Buchinfo: Scherbennacht von Nicole Neubauer, erschienen bei blanvalet, 18.09.2018, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0451-0. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Jill McGown: Mord im alten Pfarrhaus

Heiligabend im englischen Byford. Der Pfarrer besucht heimlich eine junge Frau. Seine Tochter wird von ihrem Ehemann verprügelt und ihre Mutter gesteht einen Mord, den sie nicht begangen hat. Also alles sehr besinnlich. Chiefinspector Lloyd und Sergeant Hill ermitteln.

Mord im alten PfarrhausRechtzeitig zu Weihnachten versinkt das Dörfchen Byford im Schnee. Doch der dichte weiße Schleier kann nicht verbergen, dass es in dem romantischen Dörfchen alles andere als beschaulich zugeht. Vor dem tief verschneiten Pfarrhaus blinkt das Blaulicht der Polizei mit der Weihnachtsbeleuchtung um die Wette. Ausgerechnet an Heiligabend wurde ein Mann ermordet. Für Chiefinspector Lloyd und Sergeant Hill kommt der Fall nicht ungelegen, können sie doch dadurch einem trostlosen Weihnachtsfest entfliehen.

Die Pfarrersfrau war’s! Oder doch nicht?

Die Ermittlungen gestalten sich unerwartet schwierig. Niemand weiß etwas, keiner hat etwas gesehen und wenn doch, passen die gesammelten Informationen hinten und vorne nicht zusammen. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Die Pfarrersfrau gesteht den Mord. Gleich in zwei Versionen. Eine schöne Bescherung!

Eines vorweg für alle Weihnachtshasserinnen und -hasser: Auch wenn Mord im alten Pfarrhaus mit “Ein Weihnachtskrimi” untertitelt ist, ist der einzige Bezug zum Fest der Todestag des Opfers. Ihr könnt also ohne Angst vor Feiertagsdepressionen lesen.

Nichts ist wie es scheint

Jill McGown verwebt geschickt die mysteriösen Vorgänge im Pfarrhaus mit der tiefen Glaubenskrise des Pfarrers und der Liebeskrise zwischen Lloyd und Hill. Nichts ist so einfach wie es scheint und die Ermittlungen geraten mehr als einmal aufs Glatteis.

Dennoch schafft es die Autorin, die Spannung bis zum Ende zu halten und macht das Buch zu einer klaren Leseempfehlung.

Jill McGown

Jill McGown, 1947 im schottischen Campbeltown geboren, arbeitete als Sekretärin, bevor sie sich ganz der Spannungsliteratur verschrieb. Ihre Kriminalromane wurden von Presse und Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen. Jill McGown starb 2007 im englischen Kettering.

Übersetzung: Barbara Först

Buchinfo: Mord im alten Pfarrhaus von Jill McGown, erschienen bei DUMONT, 13.09.2018, 318 Seiten, gebunden, € 18,00, ISBN 978-3-8321-9884-8. Danke für das Leseexemplar.

Christian v. Ditfurth: Böse Schatten

In Hamburg wird die Leiche eines Mannes gefunden, der seit mindestens 25 Jahren tot sein muss. In seinem Mund steckt ein Papierfetzen, der den Ermittlern Rätsel aufgibt. Die Ermittlungen stocken. Zeit für Professor Josef Maria Stachelmann. Kann er Licht ins Dunkel bringen?

Boese Schatten von Christian Ditfurth

Professor Josef Maria Stachelmann ist frisch an die Universität berufen worden. Eigentlich sollte er seine Antrittsvorlesung und ein Gespräch mit Drittmittelanbietern vorbereiten.

Nur mühsam kann er sich motivieren. Da kommt die Anfrage von Oberkommissarin Rebekka Kranz gerade recht.

Ermitteln macht einfach mehr Spaß

Mit seiner wissenschaftlichen Expertise soll Stachelmann Licht in ihren neuesten Fall bringen. Eine Leiche wurde mit einem Papierfetzen im Mund gefunden, dessen Aufdruck der Professor entschlüsseln soll. Schließlich hat er mit seinem Spezialwissen und seiner Leidenschaft für kriminalistische Ermittlungen bereits einem anderen Fall zur Aufklärung verholfen.

Dass sie mit diesem Fall auch ein Stück deutsch-deutsche Geschichte aufarbeiten, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Christian v. Ditfurth – Der Mann für intelligente Krimis

Böse Schatten ist das dritte Buch von Christian v. Ditfurth, das ich lese und mein erster “Stachelmann”.

Wieder bin ich angetan von Ditfurths Schreibstil. Mit kurzen Sätzen geht es temporeich durch die Story. Ganz “nebenbei” gibt es auf spannende Art und Weise Nachhilfe in Geschichte. Dennoch hat mich Böse Schatten nicht ganz so gepackt wie die Vorgänger. Ob das an Professor Stachelmann lag, kann ich nicht behaupten. De Bodt aus einer anderen Ditfurth-Reihe ist auch nicht unbedingt leicht verdaulich. Ich vermute eher, dass sich das inhaltlich komplexere Thema in Kombination mit der kurzen Angebundenheit, die den Stil des Autors ausmacht, nicht ganz so gut vertragen.

Dennoch bekommt das Buch von mir eine Leseempfehlung. Das Thema ist einfach spannend.

Christian v. Ditfurth

Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in der Bretagne. Neben Sachbüchern und Thrillern hat er bislang sechs Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht. Zuletzt erschienen seine Thriller »Zwei Sekunden« und »Giftflut«.

Buchinfo: Böse Schatten von Christian v. Ditfurth, erschienen bei Penguin, März 2018, 416 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-328-10177-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse

Hochsommer in München. In der Isar schwimmt eine männliche Leiche. Kurz darauf verschwinden drei Frauen spurlos. Während der Polizeiapparat heiß läuft, behält Dr. Sofie Rosenhuth, besser bekannt unter dem Namen “Die kalte Sofie” einen kühlen Kopf und ermittelt.

Gschlamperte Verhaeltnisse von Felicitas GruberFestlich soll es sein am Isarstrand. Schließlich wird die kleine Tochter von Sofies Freunden dort frei getauft. Doch just als die Feierlichkeiten beginnen sollen, treibt auf der Isar eine männliche Leiche und damit Arbeit für Sofie daher. Denn in erster Linie ist Dr. Sofie Rosenhuth Rechtsmedizinerin. Da muss man eben Prioritäten setzen. Gerade an heißen Sommertagen.

Als wäre das nicht genug, tauchen plötzlich auch noch kunstvoll verzierte Schädel unter filigranen Glasstürzen auf. Die Polizei tippt auf Reliquien aus einem Kirchendiebstahl Doch genauere Analysen ergeben, dass die drei Schädel neu sind. Sehr neu. Bleibt die Frage nach den zugehörigen Torsi. Und ob weitere “Reliquien” folgen werden.

Wo ist Dr. Iglu?

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, als plötzlich Sofies Chefin, Dr. Elke Falk, wegen ihrer empathischen Art auch Dr. Iglu genannt, spurlos verschwindet. Die letzten Hinweise führen zur Dating-Plattform “Mein Hund & Du”. Hängt ihr Verschwinden womöglich mit den grausigen Funden zusammen?

Meist greife ich mit gemischten Gefühlen nach den in Mode gekommenen Regionalkrimis mit humoristischem Einschlag. Einerseits freue ich mich auf leichte und entspannte Unterhaltung ohne wahnsinnig große Überraschungen, dafür mich einer guten Portion Lokalkolorit. Andererseits hoffe ich, dass der Autor oder die Autorin den schmalen Grad zwischen regional-gesellig und plump klischeehaft nicht überschritten hat.

Ganz schön hot, die kalte Sofie!

Felicitas Gruber, also Brigitte Riebe und Gesine Hirsch ist das mit ihrer Hauptperson Dr. Sofie Rosenhuth gelungen. Bei aller bajuwarischen Herbheit bleibt “Die kalte Sofie” herzerwärmend frisch und immer leicht chaotisch. Auch ihr Verhältnis zu Männern macht da keine Ausnahme.

Gschlamperte Verhältnisse ist schönes Sonntagsnachmittagslesefutter. Das Buch passt genauso gut zum herrlichen Altweitersommer 2018 wie zu tristen Herbst- oder Wintertagen mit Kakao und Decke auf der Couch.

Viel Spaß beim Lesen!

Felicitas Gruber

Felicitas Gruber ist das Pseudonym der Autorinnen Brigitte Riebe und Gesine Hirsch. Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und begeistert seit vielen Jahren mit ihren historischen Romanen ihre zahlreichen Leserinnen und Leser. Gesine Hirsch ist Kunsthistorikerin und entwickelte die erfolgreiche Serie »Dahoam is Dahoam« für das Bayerische Fernsehen mit. Beide Autorinnen leben in München, wo auch ihre Krimireihe mit der sympathischen Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth spielt.

Buchinfo: Gschlamperte Verhältnisse von Felicitas Gruber, erschienen bei DIANA, 10.09.2018, 304 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35957-4. Vielen Dank für das Lesesexemplar.

Andreas Gruber: Rachewinter

Unmittelbar hintereinander sterben mehrere Menschen einen mysteriösen Tod. Alle waren vermögend, erfolgreich und völlig unauffällig. Und alle wurden kurz vor ihrem Tod mit einer aufregenden jungen Frau im roten Kleid gesehen. Ist sie die Mörderin? Kommissar Walter Pulaski aus Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers aus Wien ermitteln.

Rachewinter von Andreas GruberLeipzig. Ausgerechnet den mysteriösen Tod von Klaus Hinze muss Kommissar Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst aufnehmen. Der Tote liegt in einem heruntergekommenen Motel und hat eine lange, spitze Schere im Ohr. Auf den ersten Blick ein Unfall, doch Pulaski glaubt nicht daran. Er kennt den Toten. Hinze ist der Vater der besten Freundin seiner Tochter Jasmin.

Wien. Bei Dacharbeiten werden zwei junge Handwerker Zeugen eines brutalen Mordes im Nachbarhaus. Mit dem Handy nehmen sie die grausame Tat live auf. Ideale Voraussetzungen für die Polizei, sollte man meinen. Doch leider sieht man den Täter nur von hinten. Ein sehr schlanker junger Mann mit langem, dunklem Haar.

Verteidigt Evelyn Meyers einen Mörder?

Wien, am Tag danach. In der Kanzlei von Rechtsanwältin Evelyn Meyers meldet sich ein junger Mann. Schlank, mit langem, dunklem Haar. Die Polizei verdächtigt ihn, den Mord begangen zu haben. Evelyn Meyers soll seine Verteidigung übernehmen.

In den folgenden Tagen sterben auf mysteriöse Weise weitere Menschen. Alle waren beruflich erfolgreich und hatten auf den ersten Blick nur eines gemeinsam: Zum letzten Mal hat man sie in Begleitung einer großen, schlanken, jungen Frau im roten Kleid gesehen.

Erst als bei einem der Toten eine nicht natürliche Todesursache festgestellt wird, fügen sich die einzelnen Steine zu einem Bild zusammen. Pulaski und Meyers gehen gemeinsam auf die Jagd nach einem extrem kaltblütigen Täter.

Wenn Familiengeheimnisse den Tod bringen

Rachewinter von Andreas Gruber ist ein perfektes Buch für ein Wochenende auf der Couch. Vorausgesetzt, man ist nicht zu empfindsam. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mit dem Buch und dem eher störrischen Kommissar Pulaski warm zu werden, aber spätestens in Wien wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Rachewinter ist einer der Thriller, bei denen man schon früh weiß, wer der Täter oder die Täterin ist. Aber bis zum Schluss bleibt das “warum” unklar.

Ganz nebenbei gibt uns Andreas Gruber noch zwei Dinge mit auf den Weg:

  • Unterschätze nie Jugendliche, nur weil sie anders vorgehen als Erwachsene.
  • Eine schwarze Vergangenheit, die über Jahrzehnte hinweg totgeschwiegen wird, rächt sich irgendwann doch und dann meist auf sehr brutale Art und Weise.

Rachewinter war mein viertes Buch von Andreas Gruber und das erste aus der Pulaski/Meyers Reihe. Und wieder war ich gefesselt. Mir gefällt der Schreibstil und mir gefallen die überraschenden Wendungen. Und natürlich, dass ich miträtseln kann, was den Täter zu seiner Tat getrieben hat. Deshalb empfehle ich nicht nur dieses Buch sondern Andreas Gruber generell allen Krimi- und Thrillerfans.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Mit seinen bereits mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Buchinfo: Rachewinter von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 17.09.2018, Taschenbuch, 592 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48655-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.