Frédéric Lenormand: Schöner sterben in Paris

Paris 1914. Kommissar Raymond Février hat seine Einberufung erhalten. Längst ist klar, dass in den Schützengräben nur Tod und Verstümmelung warten. Wenig verlockende Aussichten. Aus Kommissar Raymond wird Madame Loulou, eine beherzte Privatdetektivin.

Paris befindet sich im Ausnahmezustand. Die kampffähigen Männer werden eingezogen, die Frauen übernehmen alle möglichen Alltagsarbeiten und werden immer präsenter im Stadtbild. Als Kommissar Février seinen Einberufungsbefehl in den Händen hält, ist guter Rat teuer. Auf keinen Fall will der gewiefte Ermittler als Kanonenfutter enden. Kreative Ideen sind gefragt.

Einige Tage später. Cecily Barnett, Juniorchefin der Privatdetektei Barnett, braucht dringend Hilfe, will sie die Agentur ihres Vaters am Leben erhalten. Seit er eingezogen wurde, laufen die Geschäfte schlecht. Ihr als Frau trauen die Kunden nicht zu, verschwundene Hunde oder Katzen wiederzufinden oder Ehepartner beim Fremdgehen zu stellen. Kein Wunder, zweifelt die junge Cecily doch selbst daran, dass sie das schaffen kann.

Madame Loulou ermittelt

Die Lösung scheint Madame Loulou Chandeleur zu sein, die plötzlich im Wartezimmer der Detektei auftaucht. Und tatsächlich kann die pragmatische Loulou Cecily überzeugen, mit ihr gemeinsam die Agentur wieder zu eröffnen. Ganz zufällig bringt Madame Loulou auch gleich den ersten Auftrag mit einer perfekten Auftraggeberin mit: Einer reichen Adeligen, die alles tun würde, um das Leben ihres Sohnes zu retten. Cecily und Loulou nehmen die Spur der Erpresser auf und geraten dabei ins Visier skrupelloser Gangster.

Ich war sehr neugierig auf Schöner sterben in Paris von Frédéric Lenormand. Das Spiel mit den Geschlechtern konnte eigentlich nur amüsant sein. War es auch tatsächlich. Wenn Madame Loulou feststellt, dass es nicht so leicht ist, mit schmalen Stiefelchen und Korsett die Verfolgung von Flüchtigen aufzunehmen. Oder sich unverhohlener Anzüglichkeiten erwehren zu müssen, obwohl man dem Gegenüber nicht den geringsten Anlass zu einer Annäherung geboten hat.

Irgendwas hat mir gefehlt

Auch der Erpressungsfall mit seinen überraschenden Wendungen, den die beiden Damen erfolgreich aufklären, ist durchaus interessant. Trotzdem hat mich das Buch nicht so richtig gepackt, ohne dass ich sagen könnte, weshalb. Das Tempo hätte für meinen Geschmack etwas höher sein können, aber das war auch schon das Einzige.

Schöner sterben in Paris ist ein amüsanter Krimi aus der Zeit des ersten Weltkriegs. Und vielleicht ein Aha-Moment für den ein der anderen männlichen Leser, der dank Madame Loulou einen Blick hinter die Kulissen des weiblichen Geschlechts werfen kann.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.|

Frédéric Lenormand

Frédéric Lenormand wurde 1964 in Paris geboren und studierte Politik. Seit 1988 hat er zahlreiche historische Kriminalromanreihen veröffentlicht, bei denen mal Voltaire, mal ein chinesischer Richter die Hauptrolle spielt. Er wurde u. a. mit dem renommierten Prix Arsène Lupin du roman policier 2011 ausgezeichnet.

Übersetzung: Jörn Pinnow

Buchinfo: Schöner sterben in Paris von Frédéric Lenormand, erschienen bei Dumont, 19.08.2019, 304 Seiten, € 10,00, ISBN 978-3-8321-8378-3. Danke für das Leseexemplar.

Werbeanzeigen

Hilkje Hänel: Letzter Ausweg Tempelhof

Was bringt eine Mutter dazu, erst ihr eigenes Kind und dann sich selbst zu töten? Diese Frage stellt sich das Team um die Polizistin Alexandra Gode, als sie im Auffanglager für Geflüchtet auf dem Tempelhofer Feld vor den Leichen stehen. Doch was sie sehen, ist erst die Spitze des Eisberges.

Noch liegt Hauptkommissarin Alexandra Gode im Krankenhaus. Sie wurde entführt, brutal gefoltert und ist nur knapp dem Tod entkommen. Kaum aus dem Koma erwacht, hält sie nichts mehr im Bett. Sie will aufklären, wer ihr das angetan hat. Auch wenn sie dazu tief in ihre Vergangenheit eintauchen muss.

Es sieht aus wie Selbstmord

Halbherzig und gegen den Willen ihres Vorgesetzten steigt sie in einen mysteriösen Fall ein, der die Kolleginnen und Kollegen gerade beschäftigt. Im Auffanglager am Tempelhofer Feld hat eine Geflüchtete erst ihre Tochter und dann sich selbst umgebracht. Eigentlich kein Fall für Alexandra und ihren Kollegen Markus Lepke. Wäre da nicht eine weitere Kindstötung, für die es kein klares Motiv gibt.

Und dann ist da noch das merkwürdig intensive Interesse des Innensenators für den Fall. Wieso interessieren sich plötzlich so viele wichtige Männer Berlins für das Schicksal geflüchteter Frauen und Kinder. Wobei, interessieren sie sich wirklich dafür oder wollen sie nur unter allen Umständen, dass der Fall geschlossen wird. Je mehr sie sich bemühen, den Mantel des Schweigens über die Vorfälle zu ziehen, umso neugieriger werden Alexandra und Markus. Und decken dabei Abgründe auf.

Pflichtlektüre für mehr Menschlichkeit

Hilkje Hänel hat mit Letzter Ausweg Tempelhof einen sehr düsteren, zu Herzen gehenden Krimi abgeliefert, der zur Pflichtlektüre werden sollte, wenn es um ein menschenwürdiges Miteinander geht. Aktueller könnte der Bezug nicht sein, was zu Beginn jedes Kapitels durch Auszüge aus der Tagespresse noch eindrücklich verdeutlicht wird. Wir alle kennen die meisten Schlagzeilen, die sie aufführt.

Und wir kennen auch die Schlagzeilen, die sich um die Auffanglager für geflüchtete Menschen drehen. Schlagzeilen über Willkür und Rechtslastigkeit des Wachpersonals. Schlagzeilen über überzogene Gewaltanwendung. Gemunkel über Zwangsprostitution und Kinderhandel. Schlagzeilen, die schnell wieder durch andere Themen verdrängt und vergessen werden. Letzter Ausweg Tempelhof hilft gegen das Vergessen und ist dabei trotzdem spannend.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Hilkje Hänel

Hilkje Charlotte Hänel, geboren 1987, hat ihr Psychologiestudium nach nur 14 Tagen abgebrochen und stattdessen begonnen, Texte fürs Theater zu schreiben. Später hat sie Englische Literatur und Philosophie in Göttingen, Berlin, Sheffield und Boston studiert. Heute lebt sie wieder in Berlin. Mit ihrem Kriminalroman »Engel der Erlösung« hat sie die Reihe um die junge Berliner Hauptkommissarin Alexandra Gode begonnen.

Buchinfo: Letzter Ausweg Tempelhof von Hilkje Hänel, erschienen bei Goldmann, 15. April 2019, 352 Seiten, ISBN: 978-3-442-48608-3. Danke für das Leseexemplar.

Karsten Dusse: Achtsam morden

Anwalt Björn Diemel muss zum Achtsamkeits-Coach. Sein Work-Life-Balance wiederherstellen. Ordnet seine Frau an. Brav folgt Björn Anweisung. Mit unerwarteten Konsequenzen für seine Kunden.

Björn Diemel ist erfolgreicher Anwalt. Und er ist der Bäh-Anwalt der Kanzlei, denn gleich sein erster Kunde ist Clanoberhaupt eines großen Verbrechersyndikats. Ein Kunde, der zwar sehr viel Geld einbringt, mit dem man sich als renommierte Kanzlei nach außen aber nicht schmücken möchte. Deshalb wird Björn auch nie Partner werden. Bäh-Anwälte werden keine Partner.

Im Grunde könnte Björn mit seiner Situation zufrieden sein. Sein Kunde sorgt für viel Arbeit und damit für gutes Geld. Den ein oder anderen Bonus gibt es noch obendrauf, wenn die Hintergründe gar so zwielichtig sind. Finanziell geht es Familie Diemel, Björn, seiner Frau Katharina und seiner vergötterten Tochter Emily gut.

Ab zum Achtsamkeits-Coach

Aber der Preis für diesen Wohlstand ist hoch. Katharina und Emily sehen Björn kaum noch. Selbst spät am Abend oder am Wochenende erwartet das Clanoberhaupt sofortige Erreichbarkeit. Katharina zieht die Reißleine und verdonnert ihren Mann zu mehr Gelassenheit und mehr Zeit für die Familie. Er soll zum Achtsamkeits-Coach oder sie verlässt ihn. Natürlich mit Emily! Sicherheitshalber macht sie gleich Nägel mit Köpfen und vereinbart für Björn einen Termin bei dem Therapeuten Joschka Breitner.

Und tatsächlich verändern Breitners Ratschläge für ein achtsames Leben Björns Alltag nachhaltig. Bewusst atmend und sorgfältig auf seine Emily-Zeitinseln achtend, räumt Björn aus dem Weg, was ihn nervt. Konsequent und todsicher!

Achtsam über Leichen gehen

Ich liebe schwarzen Humor und davon gibt es bei Karsten Dusse reichlich. Völlig emotionslos geht er über Leichen und das sehr kreativ. Beim Lesen dachte ich des Öfteren: “Warum grinse ich eigentlich gerade. Hier wird jemand auf ziemlich brutale Weise aus dem Weg geräumt.” Und grinste weiter. Herrlich.

Achtsamkeit ist ja seit einigen Jahren in aller Munde. allerdings wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Konzept so auszulegen, wie Anwalt Björn Diemel es in Achtsam Morden tut. Aber vielleicht sollte ich das nochmal durchdenken. Es scheint ja zielführend zu sein. Und ein bisschen Schwund ist eh immer. 😀

Wer Sinn für bösen Humor hat, wird Achtsam Morden von Karsten Dusse lieben! Alle anderen atmen bewusst und tief durch und lesen das Buch dann trotzdem.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Karsten Dusse

Karsten Dusse ist Rechtsanwalt und seit Jahren als Autor für Fernsehformate tätig. Seine Arbeit wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet sowie für den Grimmepreis nominiert. Achtsam morden ist sein erster Roman.

Buchinfo: Achtsam morden von Karsten Dusse, erschienen bei Heyne, 10. Juni 2019, 416 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN: 978-3-453-43968-9. Danke für das Leseexemplar.

Yvonne Schwegler/July Sjöberg: Eiskalt weggewischt

Das Kind geht ins Ausland! Unvorstellbar für ihre Mutter Elvira Schäufele. Hätte das Mädle denn nicht im Ländle studieren können? Muss es Heidelberg, die Kurpfalz, sein?! Kein Wunder, dass es hier nur Schwierigkeiten auf sie warten. Aber nicht mit Frau Schäufele. Die räumt auf.

eiskalt weggewischtFrau Schäufele erfüllt jedes Klischee, das man einer Schwäbin zuschreiben kann:

  • sie begluckt ihre erwachsene Tochter Jessica
  • sie ist der Inbegriff von pingelig
  • sie hat einen Putzfimmel
  • sie hat eine “Schwertgosch”

Also verkauft sie das Haus und zieht ihrer Tochter hinterher. Ausgerechnet in Heidelberg muss Jessica studieren. In der Kurpfalz. Praktisch im Ausland. Da kommt das Mädchen doch überhaupt nicht alleine zurecht. Es muss doch jemand nach der Wäsche schauen und nach der Wohnung. Sie musste ja unbedingt eine eigene Wohnung haben. Und wer soll für das Töchterlein kochen? Wo sie doch so einen Stress in der Uni hat. Nein, alleine kann sie das nicht.

Schwäbisch-Kurpfälzerische Connection

Als Jessicas Professor tot aufgefunden wird, gerät die Studentin ins Visier der Polizei. Dass beide ein Verhältnis hatten, macht sie nicht unverdächtiger. Zum Glück weiß Theres Fugger Rat. Sie Reinigungskraft bei der Polizeidirektion Heidelberg und damit Elviras Vorgesetzte. Und ganz nebenbei ist Theres auch noch die Tante des leitenden Kommissars.

Elvira Schäufele beschließt, Theres’ Herkunft, sie ist KURPFÄLZERIN!, und ihre seltsame Aufmachung zu ignorieren und mit ihr zusammen Jessica vor dem drohenden Gefängnis zu retten.

Kittelschürzig trifft resolut

Regionale Krimis erleben seit einigen Jahren einen Höhenflug. Dabei gerät oft aus dem Fokus, dass nicht alles, was mit Dialekt und regionalen Klischees daher kommt, auch automatisch witzig und/oder spannend ist.

Eiskalt weggewischt hat mich jedoch über weite Strecken amüsiert. Großen Anteil daran hat der Charakter der Elvira Schäufele. Vom ersten Augenblick hatte ich das Bild der kittelschürzigen, ständig leicht verkniffen schauenden Schwäbin im mittleren Alter vor Augen. Vermutlich ein Zeichen dafür, dass ich als Zugezogene (vor etwa 25 Jahren) immer noch nicht integriert bin.

Auch die resoluten Theres Fugger kann ich mir so gut vorstellen. Egal, ob sie ihren Neffen blamiert oder nicht, die Theres sagt dem Kommissar wo es lang geht.

Bei diesem Klamauk bleibt natürlich die Spannung auf der Strecke. Aber die erwartet bei einem “Putzfrauen-Krimi” vermutlich auch niemand wirklich.

Yvonne Schwegler

Yvonne Schwegler wurde 1973 geboren. Sie arbeitet seit ihrem Studium (Geschichte und Politologie) für die Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembrg. Sie ist Autorin mehrerer Kriminalstücke und -spiele. Außerdem hat sie als Co-Autorin eine Sammlung geschichtlicher Anekdoten zu Heidelberg (Mit ganz viel Herz) verfasst.

July Sjöberg

Juliy Sjöberg wurde 1966 geboren. Sie hat einen Magister in Kunstgeschichte und Volkswirtschaftslehre, entwickelt und inszeniert historische Veranstaltungen, unter anderem für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die Halbschwedin hat ihre Kindheit in Schwaben verbracht. Bereits seit der Schulzeit lebt sie als Wahlkurpfälzerin in der Umgebung des romantischen Heidelbergs.

Buchinfo: Eiskalt weggewischt von Yvonne Schwegler und July Sjöberg, erschienen bei Pfefferkorn, 14.03.2019, 284 Seiten, Taschenbuch, € 9,99, ISBN 9783944160276. Danke für das Leseexemplar.

Alex Pohl: Eisige Tage

Leipzig im Winter. Kommissarin Hanna Seiler und ihr Kollege Milo Novic werden zu einem Mordfall gerufen. Was auf den ersten Blick wenig spektakulär aussieht, zieht das Ermittlerteam tief in die Abgründe von Menschenhandel und Pädophilie.

Eisige TageAm Elster-Saale-Kanal wird ein Mann erschossen in seinem Auto aufgefunden. Die Waffe: eine alte, russische Makarow. Der Tote war in der Vergangenheit als Anwalt für die Russenmafia aktiv. Ist er hier in Ungnade gefallen? Aber was hat es dann mit den Fotos leichtbekleideter, minderjähriger Mädchen in eindeutigen Posen auf sich, die in seinem Nachlass gefunden werden? Eines der Mädchen wurde erst wenigen Tagen zuvor vermisst gemeldet.

Kann die Russenmafia helfen?

Hanna Seiler beschließt, ihre Kontakte zu Iwanow, dem Chef der Russenmafia, zu nutzen, um schnellstmöglich Licht ins Dunkel zu bringen. Doch was sie erfahren, macht den Fall nur noch komplizierter. Und verwirrt Milo Novic, der spürt, dass Iwanow und Seiler ein ganz besonderes Verhältnis zueinander haben.

Eisige Tage von Alex Pohl ist ein klug konstruierter Krimi, der die Aufmerksamkeit seiner Leserinnen und Leser fordert. Im Wechsel zwischen Rückblick und Gegenwart erzählt er nicht nur eine Geschichte, sondern mindestens zwei. Denn nicht nur der Mord bleibt bis kurz vor Schluss mysteriös, auch im Leben von Milo Novic scheint es dunkle Geheimnisse zu geben, von denen seine Kollegin nichts weiß.

Mich haben diese Wechsel in den beiden Erzählsträngen nur ganz zu Beginn kurz irritiert.

Auch die Ermittlungen im eigentlichen Mordfall verlaufen nicht streng chronologisch. Ab und an musste ich kurz zurückblättern und nach dem Datum schauen, mit dem jeder neue Gedankengang startet. Das fand ich aber nicht schlimm.

Verstörend emotionslos

Schlimm sind die Hintergründe der Geschichte. Auf welche perfide Art und Weise das Vertrauen junger Mädchen oder kleiner Jungs erschlichen wird, um sie dann an reiche, skrupellose Russen zu verschachern, ist erschreckend. Wie aussichtslos muss die Lage der Menschen sein, die sowas unterstützen und sich daran beteiligen? Oder wie emotionslos müssen sie sein?

Egal, wie oft ich Krimis, Thriller oder Sachbücher zu dieser Thematik lese, ich bin immer wieder fassungslos. Fassungslos, wie viele Menschen wegschauen und schweigen. Fassungslos, wie sehr viele Kinder leiden müssen.

Eisige Tage von Alex Pohl hat mich gefesselt aber nicht verschlungen. Von mir gibt es dennoch eine Leseempfehlung für die komplexe Story.

Alex Pohl

Alex Pohl hatte jede Menge Jobs, bevor er mit seinen Bestsellern das große Publikum eroberte. Heute erreichen seine unter dem Pseudonym L.C. Frey verfassten Thriller regelmäßig Auflagen in sechsstelliger Höhe. Nun tritt Alex Pohl zum ersten Mal unter seinem Klarnamen als Autor in Erscheinung: »Eisige Tage« ist der Auftakt einer neuen Krimireihe rund um den Tatort Leipzig – seiner Heimatstadt.

Buchinfo: Eisige Tage von Alex Pohl, erschienen bei Penguin, 11. Februar 2019, Taschenbuch mit Klappenbroschur, 432 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-328-10323-3

Lorenz Stassen: Blutacker

Für Nicholas Meller entwickelt sich alles nach Wunsch. Nachdem der junge Anwalt in einem spektakulären Prozess um den sogenannten Angstmörder viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, kann er sich vor Aufträgen solventer Kunden kaum noch retten. Doch schnell lernt er auch die Schattenseiten seiner Karriere kennen.

blutackerNicholas Meller ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Noch vor wenigen Monaten musste der junge Anwalt um jeden Mandanten ringen, jetzt laufen sie ihm die Tür seiner schicken neuen Kanzlei ein. Dem Medienrummel um seinen letzten Fall sei Dank.

Auch privat hat sich viel getan. Mit Nina, seiner ehemaligen Referentin lebt er jetzt in einer luxuriösen Wohnung. Nina kann ohne finanzielle Sorgen ihr Studium vorantreiben, die gemeinsame Zeit genießen beide.

Mit dem Geld kommt die Gefahr

Das alles ändert sich schlagartig, als Hauptkommissar Rongen plötzlich vor der Tür steht. Ein Paketbote wurde brutal ermordet, ein einziges Paket entwendet. Der Empfänger: Rechtsanwalt Nicholas Meller. Im Gegensatz zur Polizei nimmt Nicholas die Sache vorerst auf die leichte Schulter. Doch das ändert sich bald. So langsam dämmern ihm die Risiken, die mit seiner neuen Popularität einher gehen. Kann er für Nina und sich rechtzeitig die Reißleine ziehen?

Blutacker – wie im wahren Leben

Lorenz Stassen verschafft seinen Lesern mit Blutacker einen spannenden Einblick in die Welt von Macht, Gier und Korruption. Und wie leicht man sich davon gefangen nehmen lässt, wenn man sich neu und arglos in diesem Umfeld bewegt.

Erst nach und nach wird klar, wie schnell dieses Geflecht aus Skrupellosigkeit und Egoismus zur Lebensgefahr werden kann. Ein Geflecht, das sehr realistisch geschildert wird und in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist und viele Entscheidungen, die uns alle betreffen, beeinflusst. Eine traurige aber wohl realistische Wahrheit.

Von mir bekommt Blutacker von Lorenz Stassen deshalb eine Leseempfehlung.

Lorenz Stassen

Lorenz Stassen, geboren 1969, wuchs in Solingen auf und wurde zunächst Chemielaborant. Er wechselte ins Film- und Fernsehgeschäft und arbeitet seit 1997 als freischaffender Drehbuchautor, u. a. für »Alarm für Cobra 11« und »Soko Köln / Soko Stuttgart«. »Angstmörder« ist sein erster Roman. Lorenz Stassen lebt in Köln.

Buchinfo: Blutacker von Lorenz Stassen, erschienen bei Heyne, 12.11.2018, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 12,99, ISBN 978-3-453-43944-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Johanna Trommer: Karl Kessel – Der Schneewittchen-Fall

Karl Kessel aus Stuttgart ist ein begeisterter Kriminalist. Gerade erst hat er mit seiner Partnerin Marlene ein Detektivbüro gegründet, schon stolpern sie über die erste Leiche. Der Haken daran: Karl und Marlene gehen noch zur Schule. Eigentlich dürfen sie nicht ermitteln. Eigentlich.

karl kessel schneewittchenEin Leben ohne Leiche ist uninteressant. Das denkt zumindest Karl Kessel. Der nerdige Schüler kriminalisiert für sein junges Leben gern und hat auch tatsächlich bereits bei zwei Fällen zu den Ermittlungen der Polizei beigetragen. In Marlene Monroe, die kürzlich mit ihren Eltern nach Bad Cannstatt gezogen ist, findet er eine verwandte Seele.

Schneewittchen in der Kiste

Da ihre Eltern zudem sehr großzügig sind, dürfen sich die beiden Jugendlichen auf dem Speicher ihr erstes Detektivbüro einrichten. Mit überraschenden Konsequenzen. In einer alten Truhe finden Sie eine Leiche, wunderschön erhalten wie Schneewittchen in ihrem Sarg.

Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Aber nicht ohne Karl und Marlene, die ihre eigenen Schlüsse ziehen und damit, wie Kommissar Schockenried zähneknirschend gestehen muss, gar nicht so falsch liegen. Als Marlene plötzlich verschwindet, spitzt sich die Situation zu. Schnelles Handeln ist gefragt.

Cooler Stuttgart-Krimi für Jugendliche

Auch wenn ich längst nicht mehr als Jugendliche durchgehe, lese ich ab und zu ganz gerne ein Jugendbuch. Als mir Der Schneewittchen-Fall angeboten wurde, fiel mir die Zusagen besonders leicht. Ein Stuttgart-Krimi für junge Leute, wie cool!

Und tatsächlich erleben Karl und Marlene unglaubliche Dinge. Nicht jeder findet schließlich eine Leiche auf dem Speicher und noch weniger Jugendliche dürfen, wenn auch inoffiziell, bei den Ermittlungen der Polizei mitmischen. Dass Karl Kessel ganz nebenbei auch noch ein Computerprofi ist, hilft natürlich nicht unwesentlich in dieser Situation.

Johanna Trommer hat mit Karl Kessel – Der Schneewittchen-Fall ein spannendes Jugendbuch abgeliefert, das sicherlich viele junge Freunde finden wird. Aber, liebe Eltern, wenn eure Kinder nach der Lektüre auf dem Dachboden ein Detektivbüro gründen wollen, schaut erst in alle Kisten, die da noch rumstehen. Nicht dass der Start ins detektivische Berufsleben turbulenter wird, als geplant. 😉

Hinweis: Karl Kessel ist für Kinder ab 10 gedacht. Ich vermute aber, dass auch 13- oder 14-Jährige die Reihe (Nerds und Drohnen und so) spannend finden.

Johanna Trommer

Johanna Trommer, geboren 1981, wuchs in Stuttgart auf und absolvierte dort nach einjährigem USA-Aufenthalt ihr Abitur an einem humanistischen Gymnasium. Nach Beendigung ihres interdisziplinären Design-Studiums an der staatlichen Hochschule in Köln begann ihre berufliche Laufbahn als Redakteurin und Kinder- und Jugendbuch-Autorin. Aus der Idee, eine Kriminalgeschichte für Jugendliche in Stuttgart spielen zu lassen, entstand ihr erster Roman um den Computer-Nerd und Hobbydetektiv Karl Kessel – „Mord im Opernhaus“. Mit “Karl Kessel-Eine Leiche für die Katz” ging es für den beliebten Stuttgarter Meisterdetektiv im März 2017 in die zweite Runde, ehe im November 2018 der dritte Fall “Karl Kessel-Der Schneewittchen-Fall” erscheint. Johanna Trommer lebt zusammen mit ihrer Familie in ihrer Heimatstadt Stuttgart.

Buchinfo: Karl Kessel – Der Schneewittchen-Fall von Johanna Trommer, erschienen beim Neckarufer-Verlag, 10. November 2018, 220 Seiten, € 9,95, ISBN 978-3-9818170-1-0.