Andreas Gruber: Die Engelsmühle

Wien. Eine Reihe brutaler Morde beunruhigt die Stadt. Eigentlich wollte sich Privatdetektiv Peter Hogart nicht einmischen, aber sein neuer Auftrag scheint irgendwie mit den Morden zusammen zu hängen. Hogart muss sich leider einmischen.

Die Engelsmuehle von Andreas GruberPrivatdetektiv Peter Hogart hat einen neuen Auftrag. Im Archiv einer Klinik ist ein Brand ausgebrochen und hat sowohl die analogen als auch alle digitalen Aufzeichnungen und hochwertige technische Ausrüstung zerstört. Für einen großen Versicherungsgesellschaft soll Peter Hogart klären, ob Brandstiftung wirklich ausgeschlossen werden kann.

Ist Hogarts Bruder ein Mörder?

Ausgerechnet jetzt bittet Kurt, Hogarts Bruder, dringend um Hilfe. Bei den Ermittlungen im Mordfall Dr. Abel Ostrovsky ist er in den Fokus der Polizei geraten. Und tatsächlich war Kurt Hogart vermutlich der letzte, der mit dem Opfer gesprochen hat. Jetzt muss das Duo die Polizei überzeugen, dass er dennoch nichts mit dem Mord zu tun hat.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Die Engelsmühle ist mein zweites Buch aus der Peter Hogart Reihe. Und wie schon bei Die schwarze Dame war mir recht früh ziemlich sicher, den wesentlichen Punkt im Spiel der Hauptverdächtigen zu erkennen. Was mir aber wieder nicht gelang, war, das warum zu durchschauen. Deshalb blieb auch Die Engelsmühle bis zur letzten Seite spannend.

Ein Meister der speziellen Szenarien

Was mir weniger gefallen hat, war die zwanghaft herbei geschriebene Verquickung der Fälle auf allen möglichen Ebenen. Da wäre für meinen Geschmack weniger mehr gewesen.

Trotzdem bekommt bekommt Die Engelsmühle von mir eine Leseempfehlung, weil Andreas Gruber es meisterhaft versteht, sehr spezielle Szenarien zu entwerfen, die einfach fesseln.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Er hat bereits mehrere äußerst erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und Romane verfasst.

Buchinfo: Die Engelsmühle von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 16.04.2018, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48123-1

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Jan-Christoph Nüse: Operation Bird Dog

Deutschland 1948. Reichsmark und Rentenmark sind zur Farce verkommen. Ihre Kaufkraft sinkt von Tag zu Tag. Der Schwarzmarkt boomt. Die Währungsreform soll den Verfall stoppen und das Land wieder geschäftsfähig machen. Doch nicht alles läuft wie geplant.

Operation Bird DogWeihnachten 1948. Sanitäter finden den 14-jährigen Carl Wrede bewusstlos im Wohnzimmer. Daneben seine Eltern, beide tot. Alles sieht nach Selbstmord aus. Aber was soll den erfolgreichen Bankier Dr. Victor Wrede dazu bewogen haben? Nur wenige Monate zuvor war er doch maßgeblich an der Umsetzung der Währungsreform beteiligt.

Zehn Jahre später beschließt Carl, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Von Anfang an hat er einen Selbstmord seiner Eltern bezweifelt. Wegbegleiter seines Vaters, darunter der renommierte Journalist Jennings, raten ihm ab. Doch Carl lässt sich nicht aufhalten und stößt auf einen Sumpf aus Korruption, Einschüchterung und Gewalt, der unzählige Alt-Nazis zu neuem Reichtum verholfen hat.

Geschichte kann so spannend sein

Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse verbindet geschickt reale Vergangenheit und Fantasie. Damit lud er mich ein, mich eingehender mit diesem Teil deutscher Geschichte zu befassen. So wirklich detailliert habe ich mich mit der Währungsreform nie auseinander gesetzt.

Allerdings kannte ich noch einiges aus den Erzählungen meiner Großeltern und war deshalb von den unsauberen Verwicklungen im Hintergrund nur teilweise überrascht. Die Skrupellosigkeit mit der sich verdeckt lebende Nazis bereichert und unbehelligt neuen Wohlstand “erarbeitet” haben, hat mich dennoch überrascht. Auch die Art und Weise, wie an der Meinung der Bevölkerung vorbei agiert wurde, ist heute nur noch schwer nachvollziehbar.

Deshalb danke ich Jan-Christoph Nüse für diesen Krimi, der nicht nur für Carl Wrede, die Hauptperson des Buches, Licht in das Dunkel eines spannenden Teils unserer Vergangenheit bringt. Operation Bird Dog lohnt sich wirklich.

Jan-Christoph Nüse

Jan-Christoph Nüse wurde 1958 in Dortmund geboren, ging in Würzburg zur Grundschule und studierte Sozialwissenschaften, Germanistik und Politikwissenschaften in Bochum und Hagen. Er arbeitet als Redakteur und Reporter beim Fernsehsender Phoenix in Bonn und Brüssel. Für seine Berichterstattung über Wirtschaft und Politik wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er hat einen Sohn und lebt seit zehn Jahren wieder in seiner Heimatstadt Dortmund. Operation Bird Dog ist sein erster Kriminalroman.

Buchinfo: Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse, erschienen bei Gmeiner, März 2018, 420 Seiten, Klappenbroschur Premium, € 15,00, ISBN 978-3-8392-2283-6. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Cilla und Rolf Börjlind: Schlaflied

Gemeinsam mit ihrem Schützling, der jungen Folami aus Nigeria, versteckt sich die obdachlose Muriel in einer Hütte im Wald von Smaland. Sie will Folami helfen, ihre Brüder, die sie auf der Flucht verloren hat, wiederzufinden. Aber damit sind nicht alle einverstanden. Ein Wettrennen um Leben und Tod beginnt.

Schlaflied von Cilla BoerjlindIm Wald von Smaland wird die grausam zugerichtete Leiche eines Jungen gefunden. Die Polizei vermutet einen einen Pädophilenring, der die Notlage der zahlreichen jungen Menschen, die aus Syrien, Afghanistan, Nigeria und vielen anderen Ländern nach Schweden geflüchtet sind, ausnutzt und die Jugendlichen anschließend im Wald entsorgt.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Polizisten Tom Stilton nimmt Ermittlerin Olivia Rönning die Spur auf. Wichtige Hinweise bekommen sie dabei von Muriel, einer obdachlosen Drogenkranken, die zu Stilton Vertrauen gefasst hat. Sie hat Folami, die aus Nigeria geflohen ist und in Schweden ihre Brüder sucht, unter ihre Fittiche genommen.

Ausgerechnet Folamis Brüder bringen die Polizei auf die richtige Spur. Diese führt nach Rumänien und zu einem perfekt organisierten Organhändlerring.

Wie die Ärmsten der Armen ausgebeutet werden

Mit Schlaflied haben Cilla und Rolf Börjlind einen Krimi abgeliefert, der ans Herz geht. Immer wieder liest man von unbegleiteten Jugendlichen, die auf der Flucht nach Europa verschwinden. Häufig wird dabei über Kinderhändlerringe spekuliert. Aber auch über organisierte Organhändlerringe wird immer wieder berichtet. Für sie sind junge, verzweifelte Menschen leichte Opfer.

Insofern greifen die Autoren ein sehr aktuelles Thema auf, das sie spannend und gleichzeitig bewegend umgesetzt haben. Begeistert haben mich vor allem die kantigen Charaktere. Eine gelungene Abwechslung zu vielen weichgespülten Protagonisten in anderen Büchern. Gewünscht hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Drive. Vor allem die Entwicklung in Rumänien war mir etwas langatmig. Aber das ist eine Kleinigkeit.

Von mir bekommt Schlaflied von Cilla und Rolf Börjlind eine Leseempfehlung und ich werde mich gerne wieder in neue Abenteuer mit Tom Stilton und Olivia Rönning stürzen.

Cilla und Rolf Börjlind

Cilla und Rolf Börjlind gelten als Schwedens wichtigste und bekannteste Drehbuchautoren. Sie sind unter anderem verantwortlich für zahlreiche Martin-Beck-Folgen sowie für die viel gepriesene Arne-Dahl-Serie. Ihr Markenzeichen sind starke Charaktere und eine stringente Handlung. Die Romane um die junge Polizistin Olivia Rönning und den ehemaligen Kriminalkommissar Tom Stilton wurden in 30 Länder verkauft und erfolgreich verfilmt. Die Serie läuft mit hohen Einschaltquoten auch im deutschen Fernsehen.

Buchinfo: Schlaflied von Cilla und Rolf Börjlind, erschienen bei btb, Februar 2017, 576 Seiten, € 15,00, ISBN: 978-3-442-75716-9

Oliver Kern: Eiskalter Hund

Im China-Restaurant hängt ein toter Hund Haken! Grund genug für Hobby-Ermittler Fellinger, hauptberuflich Lebensmittelkontrolleur, eine große Verschwörung zu vermuten. Umgehend nimmt er die Fährte auf und nervt nicht nur die Polizei mit seiner Beharrlichkeit.

Eiskalter Hund von Oliver KernDie Story ist schnell erzählt. Der Fellinger wäre für sein Leben gern Polizist geworden. Ging aber nicht, weil sein Knie kaputt ist. Dafür ist er jetzt Lebensmittelkontrolleur und mischt sich ab und an in die Ermittlungen der Polizei ein. Als er im Kühlhaus eines chinesischen Restaurants einen toten Hund am Haken findet, sieht er seine große Stunde gekommen. Wem Beaver, so heißt beziehungsweise so hieß der Hund, gehört, ist schnell ermittelt. Steht ja auf dem Halsband. Aber wieso war das Tier alleine unterwegs, wo er doch sonst nur gemeinsam mit seinem Frauchen gesehen wurde. Ist ihr etwa auch etwas zugestoßen? Fellinger nimmt die Fährte auf.

Regionale Krimis sind seit einigen Jahren stark im Aufwind. Besonders oft vertreten: Bajuwarische Hauptdarsteller. Entsprechend häufig treffen wir deshalb eher derbe, poltrige Charaktere.

Der schmale Grad zwischen noch witzig und schon peinlich

Und genau hier liegt das Risiko. Überschreitet ein Autor den schmalen Grad zwischen noch witzigem Lokalkolorit und schon peinlichen Klischees, macht mir das Lesen keine rechte Freude mehr. Egal wie witzig oder charmant die Story ist.

Mit Eiskalter Hund von Oliver Kern ist mir genau das passiert. Kein Stereotyp wird ausgelassen. Ob Chinese, Polizist, Tscheche oder Frau, alle bekommen den Klischeestempel aufgedrückt. Mein Lesevergnügen wurde dadurch beträchtlich eingeschränkt.

Da mir auch die vielen Andeutungen, Verwicklungen und Verschwörungstheorien irgendwann den Durchblick genommen habe, war mein Gesamteindruck von Eiskalter Hund eher schwach. Mich persönlich hat das Fellinger-Debüt nicht überzeugt. Ich schließe aber nicht aus, dass andere Leser hier weniger empfindlich sind als ich und sich bereits auf den zweiten Band der Serie freuen, der für 2019 angekündigt ist.

Oliver Kern

Oliver Kern, 1968 in Esslingen am Neckar geboren, wuchs in der beschaulichen Idylle des Bayerischen Waldes auf. Er liebt gutes Essen, hält sich bei schwarzer Soße aber zurück. Kern lebt mit seiner Familie in der Region Stuttgart.

Buchinfo: Eiskalter Hund von Oliver Kern, erschienen bei Heyne, 12.03.2018, 304 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-43869-9

Hendrik Berg: Schwarzes Watt

Ina freut sich auf den geplanten Familienurlaub an der Nordsee. Raus aus dem stickigen Köln und sich den Seewind um die Nase wehen lassen. Doch ihr ganz persönliches Grauen holt sie ein: Vor einem Café sieht sie den Mörder ihrer Schwester. Und dieses Mal will sie ihn wirklich hinter Schloss und Riegel sehen.

Schwarzes Watt von Hendrik BergVor zwanzig Jahren wurde Inas Schwester Nelly in Hamburg brutal erschlagen. Gemeinsam wollten sie den Sommerabend mit einem Cocktail in der Strandbar genießen. Auf der Suche nach Ruhe haben sie sich ein Plätzchen etwas abseits vom großen Rummel ausgesucht. Als Ina mit den Getränken zurück ist, reagiert Nelly nicht auf ihre Rufe, denn Nelly ist tot. Mit einem Stein erschlagen, während Ina sich an der Theke kurz verplaudert hat. Noch heute, zwanzig Jahre später, gibt sich Ina die Schuld am Tod ihrer Schwester.

Ausgerechnet im heiß ersehnten Urlaub glaubt Ina, den Mörder von damals vor einem Café zu erkennen. Dieses Mal ist sie sich ganz sicher. Wie die vielen Male vorher auch. Geduldig und behutsam versucht ihr Mann sie zu beruhigen. Aber Ina gibt nicht nach. Nicht dieses Mal. Die Polizei muss sie unterstützen, muss den Mann, den sie vor zwanzige Jahren kurz in einem aufzuckenden Blitz gesehen und seither nie wieder vergessen hat, dingfest machen. Mord verjährt nicht.

Warum glaubt mir niemand?

Aber kann sie die Polizei überzeugen, ihr zu helfen? Schließlich ist es nicht ihr erstes, vermeintliches Déjà Vu. Und tatsächlich wird ihr Anliegen schnell als Spinnerei einer Frau abgetan, die mit der Vergangenheit nie abschließen konnte. Vor allem, weil es sich bei dem angeblichen Mörder um ein angesehenes Mitglied der Gemeinde handelt.

Ehe Ina auf eigene Faust Nachforschungen startet, beschließt Kriminalkommissar Theo Krumme, der Sache nachzugehen. Und sei es nur, damit Ina wieder zur Ruhe kommt.

Spinnt sie oder hat sie den Mörder wirklich wiedererkannt?

Schwarzes Watt von Hendrik Berg hat mich gefesselt. Beim Lesen war ich hin- und hergerissen, ob ich Ina glauben soll oder nicht. Wer den Mord eines Familienmitglieds hautnah erlebt hat und sich selbst die Schuld daran gibt, trägt ein enormes Paket mit sich herum. Es wäre also durchaus vorstellbar, dass ihre Erinnerung sie narrt.

Die Auflösung ist sehr überraschend und etwas spooky. Aber so ist es nun mal bei den Küstenbewohnern. Da gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich nicht ganz einfach erklären lassen.

Von mir bekommt Schwarzes Watt eine Leseempfehlung.

Hendrik Berg

Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitet er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

Buchinfo: Schwarzes Watt von Hendrik Berg, erschienen bei Goldmann, 19.03.2018, 368 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-442-48728-8

Sascha Berst-Frediani: Reue

Sabine ist mit Dieter verheiratet. Während er Montag bis Freitag als Berufssoldat in der Kaserne lebt, kümmert sich Sabine um ihre berufliche Karriere. Man hat sich arrangiert. Wäre da nicht der attraktive Untermieter.

ReueSabine ist mit ihrem Leben zufrieden. Dass ihr Mann Dieter während der Woche in der Kaserne lebt, gibt ihr den Freiraum, ihre berufliche Karriere voran zu bringen.

Auch sonst kann Sabine tun und lassen was sie will. Dieter vertraut ihr blind.

Im Ehebett läuft nichts mehr

Auch Dieter hat sich mit seinem Leben arrangiert. In der Kaserne ist sein Leben klar geregelt. Die Langeweile der Abende versüßt er sich mit Alkohol und dem nahe gelegenen Bordell. Im heimischen Ehebett läuft sowieso nicht mehr viel. Und überhaupt, was Sabine nicht weiß…

Alles scheint perfekt organisiert, wäre da nicht Thomas, der attraktive Mieter der Einliegerwohnung. Aus zufälligen Treffen im Treppenhaus wird hin und wieder die gemeinsame Tasse Kaffee auf der sonnigen Terrasse. Zufällige Treffen werden zu geplanten. Die lockere Freundschaft wird zum gut gehüteten Verhältnis. Dieters Abwesenheit während der Woche und die Tatsache, dass sonst niemand im Haus wohnt, macht es dem Paar einfach. Bis Thomas mehr will.

Ein voyeuristische Blick durch fremde Schlüssellöcher

Ich gestehe, die ersten Seiten von Reue haben mich irritiert. Die verschiedenen Erzählperspektiven waren nicht selbsterklärend. das “vorweggenommene” Ende nicht intuitiv verständlich. Wer ist der Mann, den die Polizei im Morgengrauen abführt? Doch genau dieser Einstieg sorgt für die Spannung im Buch. Was ist genau passiert? Wer hat wem etwas angetan und aus welchem Anlass?

Durch den nüchternen Erzählstil und die wechselnden, strikt voneinander getrennten Perspektiven hatte ich das Gefühl, voyeuristische Blicke durch fremde Schlüssellöcher zu werfen. Es war klar, dass die Situation eskalieren würde. Von außen betrachtet war es klar. Den Protagonisten selbst fehlt dafür der Blick ins jeweils andere Leben, denn Sabine und Dieter reden schon längst nicht mehr über das, was sie bewegt.

Nach dem nicht ganz so geglückten Start wollte ich Reue von Sascha Berst-Frediani nicht mehr aus der Hand legen. Es war faszinierend, das Unheil kommen zu sehen, durch den distanzierten Schreibstil dabei aber völlig außen vor zu bleiben.

Ein wirklich spannendes Buch!

Einen kleinen Minuspunkt gibt es: Die Art der Bindung ist ziemlich scharfkantig. Ich fand sie unangenehm beim Halten des Buches. Aber das war auch schon alles.

Sascha Berst-Frediani

Sascha Berst-Frediani genoss seine Schulbildung in Deutschland sowie Italien. In Freiburg und Paris studierte er Germanistik und Rechtswissenschaften. Inzwischen ist der promovierte Jurist in Freiburg als Rechtsanwalt niedergelassen. Im Jahr 2013 gewann der Autor den Freiburger Krimipreis und im Mai 2015 die »Herzogenrather Handschelle«, den Krimipreis der Stadt Herzogenrath. “Reue” ist nach “Fehlurteil” sein zweiter Krimi im Gmeiner-Verlag.

Buchinfo: Reue von Sascha Berst-Frediani, erschienen bei Gmeiner, Februar 2018, 247 Seiten, gebunden, € 18,00, ISBN 978-3-8392-2249-2

Ulrich Ritzel: Nadjas Katze

In einem Antiquariat findet die pensionierte Lehrerin Nadja eine Erzählung über das Ende des zweiten Weltkriegs. Ort der Handlung ist ein kleines Dorf auf der Schwäbischen Alb. Als von einer schwarzen Stoffkatze mit rosa Tatzen die Rede ist, nimmt Nadja die Spur auf. Genau so eine Katze hat sie seit ihrer Kindheit.

Nadjas Katze von Ulrich RitzelNadja Schwertfeger hat ein seltsames Hobby. Voller Leidenschaft durchstöbert sie Antiquariate, ständig auf der Suche nach vergessenen Autoren. Bei einem der Streifzüge gerät eine Erzählung über das Kriegsende 1945 in ihre Hände. Sehr lebendig schildert der Verfasser, wie die Bewohner des kleinen Dorfes den Einmarsch der US-Armee erlebt haben. Was in den Stunden davor passiert ist. Ist die Geschichte Fiktion oder hat sich alles wirklich so abgespielt? Gibt es das Dorf wirklich?

Die schwarze Katze mit den rosa Tatzen

Bei ihrer Recherche stößt sie auf einen merkwürdigen Bezug zu ihrer eigenen Vergangenheit. Die schwarze Stoffkatze mit den rosa Tatzen, die der Autor beschreibt, liegt seit Jahren in ihrem Keller. Sie ist das Einzige, was sie von ihrer Mutter hat. Gab es das Stofftier öfter, oder hat die Geschichte wirklich mit ihr zu tun?

Nadja macht sich auf den Weg und stößt anfangs auf eine Mauer des Schweigens. Erst als der ehemalige Kriminalkommissar Hans Berndorf mit ihr auf Zeitreise geht, gelingt es, das Geheimnis Stück für Stück zu lüften. Mit einer überraschenden Erkenntnis.

Nadjas Katze konnte ich kaum wieder aus der Hand legen, nachdem ich die ersten Seiten hinter mich gebracht habe. Denn was etwas zäh begann, war plötzlich total spannend nach dem Motto: Geschichtsunterricht trifft auf kriminalistische Ermittlungsarbeit.

Ein Stück Nachkriegsgeschichte in Romanform

Das Ganze spielt sich noch dazu in meinem weiteren regionalen Umfeld ab, was meine Neugier beträchtlich gesteigert hat. Ich habe viel über Zeit um 45 in Baden-Württemberg gelernt. Und über das Leben der Nachkriegsgeneration. Die Nachkriegszeit war vor allem für Frauen nicht einfach, was nicht selten zu verworrenen Familienkonstellationen geführt hat über die nie gesprochen wurde.

Ein wirklich spannendes Buch!

Ulrich Ritzel

Ulrich Ritzel, geboren 1940, gilt als einer der besten Kriminalautoren Deutschlands. Nach seinem Jurastudium arbeitete er jahrelang für verschiedene Zeitungen, 1981 erhielt er für seine Gerichtsreportagen den renommierten Wächter-Preis. Seine Kommissar-Berndorf-Krimis “Schwemmholz” und “Der Hund des Propheten” waren preisgekrönt, “Beifang” wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2010 ausgezeichnet, „Schlangenkopf“ und „Trotzkis Narr“ standen monatelang auf der Krimizeit-Bestenliste. Ulrich Ritzel lebt seit 2008 in der Schweiz.

Buchinfo: Nadjas Katze von Ulrich Ritzel, erschienen bei btb, November 2018, 448 Seiten, ISBN 978-3-442-71581-7, € 10,00