Lincoln Child: Der Luna-Effekt

Ein scharrendes Geräusch, ein fauliger Geruch. Das ist das Letzte, was David Palmer in der hellen Vollmondnacht wahrnimmt. Wenig später wird seine brutal zerfetzte Leiche am Fuß des Desolation Mountain gefunden. Und sie bleibe nicht die letzte. Ein Fall für den Enigmatologen Jeremy Logan?

luna-effektJeremy Logan hat es in die abgelegenen Wälder der kanadischen Provinz verschlagen. Hier erhofft er sich die nötige Ruhe, um sein Buch zu Ende bringen zu können. Doch sein Ruf als Experte für Enigmatologie, der Erforschung unerklärlicher Phänomene eilt ihm voraus.

Als nach einer Vollmondnacht die völlig zerfetzte Leiche eines Wanderers in den Wäldern gefunden wird, hofft man auf Logans Hilfe. Denn der Mann ist nicht das einzige Opfer. Und alle wurden bei Vollmond getötet. Widerstrebend stimmt Jeremy Logan zu, eine kurze Einschätzung der Situation aus seiner Sicht abzugeben. In die weiteren Ermittlungen will er sich nicht hineinziehen lassen.

Was fremd ist, macht Angst

Vorsichtig hört er sich im Dorf um. Dort sind die Schuldigen bereits gefunden: Ein Familienclan, der seit Jahrzehnten völlig zurückgezogen im Wald lebt und nach Möglichkeiten jeden Kontakt zu den Dorfbewohnern vermeidet. Doch Logan ist nicht überzeugt. Was hat es mit dem Forschungsinstitut auf der versteckten Waldlichtung auf sich?

Beim nächsten Vollmond wird ein weiterer Mensch bestialisch ermordet. Ein Mensch, den Jeremy Logan gekannt und geschätzt hat. Jetzt kann er sich den Nachforschungen nicht mehr entziehen. Er muss dem Gefühl unsäglicher Gewalt, das er im Wald hatte, nachgehen und bringt sich dabei selbst in Lebensgefahr.

Ob das was für mich ist?

Zugegeben, ich habe gezweifelt, ob Der Luna-Effekt das richtige Buch für mich ist. Beschrieben wird es als Science-Mystery-Thriller. Science ist definitiv meins, aber Mystery? Eher nicht. Mit entsprechenden Vorbehalten begann ich zu lesen. Und war sehr sehr angetan! Ein wirklich spannender Thriller. Etwas spooky aber das wiederum so gut wissenschaftlich verpackt, dass es für mich als, ursprünglich mal, Biochemikerin durchaus irgendwie vorstellbar.

Spannend fand ich auch die Herangehensweise von Jeremy Logan an die Ermittlungen. Als Empath hat er immer wieder seine Fähigkeit, Gefühle anderer intensiv aufgreifen zu können, betont und genutzt. Ich selbst halte viel von “Bauchgefühl” und konnte deshalb auch hier gut mitgehen.

Und die Story als solche ist eindeutig spannend und stellenweise etwas gruselig.

Von mit gibt es deshalb eine Empfehlung für Der Luna-Effekt von Lincoln Child.

Lincoln Child

Lincoln Child studierte Literatur und arbeitete viele Jahre als Lektor bei St. Martin’s Press. Gemeinsam mit seinem Freund Douglas Preston schrieb er mehrere Romane, die ein Millionenpublikum begeisterten. Auch mit seinen Soloprojekten „Wächter der Tiefe“, „Nullpunkt“, „Hüter des Todes“ und „Frequenz“ feierte Child große Erfolge. Er lebt mit Frau und Tochter in New Jersey.

Übersetzung: Axel Merz

Buchinfo: Der Luna-Effekt von Lincoln Child, erschienen bei Wunderlich, 18.12.2018, 320 Seiten, gebunden, € 19,95, ISBN: 978-3-8052-0018-9. Danke für das Leseexemplar.

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Simon Beckett: Der Hof

Südfrankreich im Sommer. In der brütenden Hitze ist Sean, ein junger Engländer, auf der Flucht vor seiner Vergangenheit. Ein Unfall zwingt ihn zu einem unfreiwilligen Stopp auf einem einsamen Hof. Sean spürt schnell, dass etwas mit dem Anwesen und seinen Bewohnern nicht in Ordnung ist, doch es dauert Wochen, bis er hinter die wahren Abgründe blickt.

(Cover: rowohlt.de)
(Cover: rowohlt.de)

Auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit tappt Sean in Südfrankreich im wahrsten Sinne des Wortes in die Falle. Eine Falle, die ein Hofbesitzer auf seinem Gelände ausgelegt hat, um sich vor unliebsamen Besuchern zu schützen. Seine Verletzung ist so schwer, dass er sich auf einen längeren Aufenthalt einrichten muss. Während er anfangs versucht, den unfreiwilligen Aufenthalt so weit wie möglich zu verkürzen, gerät er mehr und mehr in den Bann der seltsamen Atmosphäre auf dem Hof.

Wieso ist Arnaud, der Hofbesitzer, so brutal und gleichgültig? Wieso behandelt er seine älteste Tochter, Mathilda, wie eine Dienstmagd, während er ihrer jüngeren Schwester Gretchen gegenüber so viel nachgiebiger ist? Und wer ist der Vater von Mathildas Tochter, die Arnaud abgöttisch zu lieben scheint?

Seans Fragen stoßen auf eine Mauer des Schweigens

Als Sean versucht, hinter die Geheimnisse der Familie zu kommen, stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Im nahegelegenen Dorf reagiert man äußerst aggressiv auf seine vorsichtigen Nachfragen. Warum, versteht er, als er die wahren Abgründe der Familie aufdeckt. Denn die sind grausamer als alles, was er sich vorgestellt hat.

Ich gestehe, ich war anfangs enttäuscht von “Der Hof”. Von Simon Beckett hatte ich zwei Hunter-Bände gelesen und war gedanklich auf etwas anderes eingestellt. Doch dann hat mich die Geschichte von Sean oder vielmehr die von Mathilda in ihren Bann gezogen. Trotz einiger – für meinen Geschmack – Längen, hat mich die von Seite zu Seite ansteigende Spannung gepackt, die in unvorstellbarer Grausamkeit gipfelt.

Von mir also eine klare Leseempfehlung für diesen “leisen” Simon Beckett.

Simon Beckett

Simon Beckett arbeitete als Hausmeister, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Als Journalist bekam er Einblick in die Polizeiarbeit, und dieses Wissen verarbeitet er in seinen Romanen.

Allein in Deutschland wurden bereits 7 Millionen Bücher des Autors verkauft. Für einige seiner Thriller hat er auf der “Body Farm” in Tennessee recherchiert. Der Autor ist verheiratet und lebt in Sheffield.

Buchinfo: Der Hof von Simon Beckett, erschienen bei Wunderlich, Februar 2014, 464 Seiten, gebunden, €19,95, ISBN 978-3-8052-5068-9

Jilliane Hoffman: Argus

“No risk, no fun” denkt die hübsche Gabriella und folgt ihrem gutaussehenden Bar-Flirt Reid in seine Kellerwohnung. Viel zu spät bemerkt sie dort die Kamera und dass sie nicht allein sind. Unzählige hungrige Augen verfolgen, wie sie bestialisch gefoltert und ermordet wird.

Was hat es mit dem Snuff-Club auf sich? (Bildquelle: rowohlt.de)
Was hat es mit dem Snuff-Club auf sich? (Bildquelle: rowohlt.de)

Jahre später. Miami wird erschüttert durch eine Serie grausamster Frauenmorde. Erinnerungen an William Bantling alias Cupido werden wach. Doch der sitzt im Todestrakt des Florida State Prison und wartet auf seine Hinrichtung. Sollte doch etwas dran sein an dem ominösen Snuff-Club, der ihm angeblich die Cupido-Morde in die Schuhe geschoben hat? Bantling ist bereit mit Staatsanwältin Daria zu reden. Doch die zahlt einen hohen Preis für die Aufklärung der Morde.

Will Bantling sich erneut an C. J. rächen?

Mit im bösen Spiel sind auch Ex-Staatsanwältin C. J. Townsend und Detective Alvarez. Beide kennen Bantling aus den Ermittlungen zu den Cupido-Morden und haben ihre ganz persönliche Rechnung mit dem Inhaftierten offen. Wird die Scharte jetzt ausgewetzt?

Wie von Jilliane Hoffman nicht anders zu erwarten, liefert sie auch mit Argus wieder einen packenden Thriller ab. Und wie immer sind die Schilderungen der Opfer bzw. der Morde nichts für sanfte Gemüter. Aber die gehören auch mit Sicherheit nicht zur Zielgruppe der Thriller-Autorin.

Gute Story, gebremst durch zu viele Rückblicke

Was mir allerdings überhaupt nicht gefallen hat, waren die vielen Rückblicke auf “Cupido” und “Morpheus”, die Vorgänger von Argus. Sicher war es nötig, die Charaktere vorzustellen und ihr Verhältnis zueinander zu klären. Aber ich behaupte, hier wäre weniger mehr gewesen. An diesen Stellen war ich immer wieder versucht, einige Seiten zu überblättern, weil mich der Fortgang der eigentlichen Story einfach mehr gefesselt hat. Trotzdem ist Argus in meinen Augen ein Muss für Jillian Hoffman Fans.

Über die Autorin

Jilliane Hoffman war Staatsanwältin in Florida und unterrichtete jahrelang im Auftrag des Bundesstaates die Spezialeinheiten der Polizei – von Drogenfahndern bis zur Abteilung für Organisiertes Verbrechen – in allen juristischen Belangen. Mit ihren Romanen „Cupido“, Morpheus“ und „Vater unser“, gelang ihr auf Anhieb der Durchbruch an die Spitze der internationalen Bestsellerlisten.

Buchinfo: Argus von Jilliane Hoffman, erschienen beim Wunderlich Verlag, Oktober 2012, Hardcover, 496 Seiten, € 19,95, ISBN 978-3-8052-0893-2