Sebastian Fitzek: Achtnacht

Stell dir vor, du kannst eine Nacht im Jahr einen Menschen völlig legal töten. Als Prämie winken dir zehn Millionen Euro. Wer das Opfer ist, entscheiden die Teilnehmer einer Online-Kampagne. Jeder kann einen Menschen zum Abschuss vorschlagen. Wen würdest du nominieren?

978-3-426-52108-3_DruckBenjamin Rühmann ist nicht gerade vom Glück verfolgt. Seine Ehe mit Jennifer ist gescheitert. An der Querschnittslähmung seiner Tochter gibt es sich die Schuld. Und gerade eben ist er aus seiner Band geflogen.

Frustriert macht er sich auf den Heimweg. Plötzlich begegnet ihm sein überlebensgroßes Porträt auf sämtlichen interaktiven Werbeflächen der Stadt. Irgendjemand hat ihn für die Aktion “Achtnacht” nominiert. Zwölf Stunden lang können ihn 80 Millionen jagen, foltern und dann töten. Wer nachweisen kann, dass er beziehungsweise sie ihn getötet hat, kann sich über zehn Millionen Euro auf einem Konto auf den Caymans freuen.

Kann Ben die Nacht überstehen? Kann er seine Verfolger abschütteln? Und wer wird ihm helfen?

Die kranke Phantasie des Sebastian F.

Sebastian Fitzek hat einfach eine kranke Phantasie! Und ich liebe diese Phantasie! Mit Achtnacht hat er mich mitgenommen in eine Welt, die ich absolut nicht unvorstellbar finde. Menschen können alle Hemmungen verlieren, wenn sie sich in Sicherheit wähnen, der Menge folgen können und außerdem noch die Aussicht auf viel Geld haben.

Wieder einmal zeigt Fitzek uns, wie sehr Traumata Menschen verletzen und nachhaltig in ihren Grundfesten erschüttern können. So sehr, dass sie unbewusst Katastrophen heraufbeschwören. Sich auf Experimente einlassen, die komplett aus dem Ruder laufen.

Gleichzeitig macht Fitzek Mut. Auch in noch so aussichtslosen Situationen kann man auf Menschen stoßen, die nicht einfach nur mit der Horde mitlaufen. Die ihre Menschlichkeit bewahrt haben und sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen.

Die dunkle Seite der Online-Welt

Achtnacht ist brutal, schonungslos und dabei über weite Strecken nicht mal völlig unrealistisch. Der Thriller lässt uns in Abgründe schauen, die wir hoffentlich nie selbst erleben müssen.

Und typisch für Sebastian Fitzek: Immer, wenn man denkt, man weiß, wer für all das verantwortlich ist, hat er noch einen weiteren Schlenker parat, der alle Überlegungen Makulatur sein lässt.

Achtnacht ist einfach ein geiler Thriller!

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Achtnacht von Sebastian Fitzek, erschienen bei KNAUR, März 2017, 416 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-426-52108-3

Max Rhode: Die Blutschule

Was passiert, wenn ein Mensch seine Wesenzüge von heute auf morgen komplett umdreht? Was böse an ihm war, wird gut. Was gut war, wird böse. Die Brüder Simon und Mark erfahren es. Denn ihr Vater hat diesen Wandel vollzogen. Ihr ursprünglich sehr guter Vater.

978-3-404-17267-2-Rhode-Die-Blutschule-orgAus dem pulsierenden Berlin raus aufs flache Brandenburger Land. Für die beiden Teenager Simon und Mark Zambrowski ist das Horror pur. Doch sie haben keine Wahl. Die Geschäfte des Vaters laufen schlecht, das Geld ist mehr als knapp. Der Umzug in das ererbte Haus des Großvaters kommt da gerade recht.

Ein Umzug mit Folgen, denn die brandenburgische Idylle birgt ein düsteres Geheimnis. Ein Geheimnis, das eng mit der Familiengeschichte der Zambrowskis verbunden ist. Ein Geheimnis, das die Brüder lehrt, was Horror wirklich bedeutet.

Buch-Marketing der anderen Art

Sebastian Fitzek schreibt als Max Rhode und bereitet so den Boden für seinen Thriller “Das Joshua-Profil”.

Ich selbst habe “Die Blutschule” erst nach dem “Das Joshua-Profil” gelesen. Weil ich neugierig war, obwohl mir das “Das Joshua-Profil” nicht so hundertprozentig zugesagt hat. Insofern ist zumindest die Marketingstrategie schon mal völlig aufgegangen.

Und im Gegensatz zum eigentlichen “Hauptwerk” hat sich “Die Blutschule” für mich deutlich flüssiger gelesen, obwohl ich überhaupt nicht auf solchen Mysterykram stehe, wie er darin ebenfalls vorkommt. Es ist ein schneller und spannender Thriller, der allerdings am Ende deutlich schwächelt. Vor allem, wenn man nicht weiß, dass es einen Bezug zwischen beiden Fitzek Büchern gibt.

Gute Thrillerkost

Fazit: Beide Bücher in Kombination finde ich gut, aber nicht mehr. Wer, wie gesagt, auf etwas Mystery steht, wird die Bücher noch besser finden.

Wie bereits in “Das Joshua-Profil” erwähnt, waren frühere Fitzek-Bücher mehr nach meinem Geschmack. “Passagier 23” war mein persönlicher Tiefpunkt bislang. Ich bin immer noch der Meinung, dass weniger oft mehr ist und hätte lieber seltener einen Fitzek, dafür aber einen astreinen Thriller, der mich vom Hocker haut. Darauf freue ich mich jetzt schon.

Max Rhode

Der Berliner Autor hat als Gerichtsreporter gearbeitet, bevor er mit „Die Blutschule“ seinen ersten Roman schrieb. Er lebt sehr zurückgezogen im Südwesten der Hauptstadt. Da er der digital vernetzten Welt kritisch gegenübersteht, findet man ihn weder auf Facebook noch Twitter. 😉

Buchinfo: Die Blutschule von Max Rhode (aka Sebastian Fitzek), erschienen bei Lübbe, 08.10.2015, 272 Seiten, Paperback, € 12,99, ISBN 978-3-404-17267-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil

Max Rhode ist ein sogenanntes “One-Hit-Wonder”. Sein Roman “Die Blutschule” sorgte für großes Medieninteresse und eine kurzzeitige Berühmtheit. Seither sucht er nach dem passenden Stoff für einen neuen Bestseller. “Nebenbei” kümmert er sich liebevoll um seine 10-jährige Pflegetochter Yola und hält damit seiner Frau, einer Pilotin, den Rücken frei. Insgesamt also ein sehr unspektakuläres Leben. Bis Yola plötzlich spurlos verschwindet.

Fitzek, Das Joshua-Profil, Thriller, Pädophilie, Big DataEigentlich ist Max Rhode mit seinem Leben nicht unzufrieden. Klar, könnte mal wieder ein neuer Bucherfolg her. Und die Beziehung zu seiner Frau könnte ebenfalls besser sein. Durch ihren Beruf sehen sie sich viel zu selten. Dafür ist Pflegetochter Yola ein Glücksfall. Intelligent, aufgeweckt, lebhaft, der Traum aller Eltern. Keine Selbstverständlichkeit nach ihrem schweren Start ins Leben. Für sie würde Max Rhode alles tun.

Und plötzlich bist du ein Straftäter und keiner glaubt dir

Das ruhige Leben ändert sich schlagartig, als Max ins Visier von Menschen gerät, die glauben, eine Programm entwickelt zu haben, dass potenzielle Straftäter aufgrund ihrer Aktivitäten im Netz aufspüren kann, bevor sie ihre Straftat begehen können. Sie setzen alles daran, Max Rhode aus dem Verkehr zu ziehen. Ihr “Köder” ist Yola, die plötzlich verschwunden ist. Max macht sich auf die Suche.

Okay, die Geschichte mit dem Programm, dass Verbrecher identifizieren kann, ehe sie ein geplantes Verbrechen begehen, ist nicht neu. Und zwischenzeitlich ist wohl den meisten Menschen bewusst und bekannt, dass wir alle überall digitale Fingerabdrücke hinterlassen. Sei es durch unser Suchverhalten im Netz, durch Einkaufen mit Kundenkarten, durch die Teilnahme an Gewinnspielen, oder, oder, oder.

Real oder virtuell – es geht um Leben und Tod

Doch was passiert, wenn wir für unsere Arbeit recherchieren? Themen, die uns privat nicht betreffen, die aber unserem Profil zugeordnet werden. Wenn wir mit unserer Kundenkarte für andere einkaufen gehen? Wenn neue Steinchen plötzlich ein komplett anderes Puzzle entstehen lassen? Wie unterscheidet man dann zwischen realem und virtuellem Leben?

Insofern hat sich Sebastian Fitzek ein spannendes, zeitgemäßes, heiß diskutiertes Thema vorgenommen und gut und ausführlich beleuchtet. Auch wenn ich an einigen Stellen ein etwas strafferes Tempo bevorzugt hätte, hat mir die Story insgesamt gut gefallen.

Doch Fitzek wäre nicht Fitzek, würde er es bei einem Handlungsstrang belassen. Mit dem Thema Pädophilie packt er gleich noch ein zweites, kontrovers diskutiertes Thema in “Das Joshua-Profil”. Und hier gefällt mir sehr gut, wie er sich mit dem Thema auseinander setzt.

Pädophilie in unüblichem Thriller-Kontext

Ich persönlich habe, wie wohl die meisten Menschen, eine absolute Null-Toleranz für Gewalt gegen Kinder, egal ob physisch, psychisch oder sexuell (also sowohl physisch als auch psychisch). Aber ebenso wie Sebastian Fitzek habe ich großen Respekt vor Menschen, die sich zu ihrer Pädophilie bekennen und Hilfe suchen, bevor sie straffällig werden. Dazu gehört viel Selbstreflektion und noch mehr Mut. Einen Vergewaltiger von Kindern, der seine Strafe abgesessen hat und als einer der Hauptcharaktere der Story auftaucht, so positiv zu besetzen, dazu gehört auch Mut. Sebastian Fitzek hat diesen Mut.

Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, bekommt auch noch dem Thema Pflegefamilien eine exponierte Rolle zu. Wie ich aus einer befreundeten Familie selbst erfahren habe, ist es in der Tat keine Seltenheit, dass schwer misshandelte Kinder auf Antrag der leiblichen Eltern wieder in ihre Ursprungsfamilie zurück müssen, auch wenn die Verhältnisse dort keinesfalls gesichert bzw. gebessert sind. Eine Tatsache, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann, wie übrigens vieles, was zwischen Jugendämtern und Pflegefamilien abläuft.

Das Nachwort ist ein Muss!

Drei Themen, die für meinen Geschmack das Nachwort zu “Das Joshua-Profil” fast wichtiger machen als die eigentliche Story selbst. Denn nach gepflegter Thriller-Unterhaltung kann man sich ruhig ein paar ernsthafte Gedanken zu den Hintergründen der aufgegriffenen Thematik machen. Ich danke Sebastian Fitzek für seine offen und kritischen Worte an dieser Stelle.

Kurzum: Ich bin froh, dass Fitzek nach Passagier 23 nicht mehr ganz so abstrus weiter arbeitet und freue mich schon auf sein nächstes Buch. Vielleicht werde ich mir auch ”Die Blutschule” ansehen, dass Fitzek als Max Rhode geschrieben hat. Mal schauen.

Ihr jedenfalls solltet “Das Joshua-Profil” lesen, wenn ihr an aktuellen Themen in Thrillerform interessiert seid.

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, Jahrgang 1971, geboren in Berlin, entschied sich nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion zum Dr. jur. gegen einen juristischen Beruf und für eine kreative Tätigkeit in den Medien. Nach dem Volontariat bei einem privaten Hörfunksender wechselte er als Unterhaltungschef und später als Chefredakteur zur Konkurrenz und machte sich danach als Unternehmensberater und Formatentwickler für zahlreiche Medienunternehmen in Europa selbständig. Er lebt in Berlin, wo er derzeit in der Programmdirektion eines großen Hauptstadtsenders tätig ist.

Buchinfo: Das Joshua-Profil von Sebastian Fitzek, erschienen bei Bastei Lübbe, 26.10.2015, 430 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-7857-2545-0, 19,99 Euro

Sebastian Fitzek: Passagier 23

Kreuzfahrten liegen im Trend und das obwohl jedes Jahr rund 20 Menschen auf hoher See spurlos verschwinden. Ein gefundenes Fressen für Thriller Autor Sebastian Fitzek und seine “kriminelle Fantasie”.

Fitzek, Thriller, KreuzfahrtMartin Schwartz ist Polizeipsychologe. Doch seit seine Frau und sein kleiner Sohn auf einer Kreuzfahrt spurlos verschwunden sind, ist sein Leben aus den Fugen geraten. Wie besessen stürzt er sich bei der Polizeiarbeit in ein Himmelfahrtskommando nach dem nächsten. Nichts ist ihm zu riskant, denn Martin Schwartz hat nichts mehr zu verlieren.

Mitten in einem dieser Einsätze klingelt sein Telefon. Eine mysteriöse ältere Dame bittet ihn, umgehend auf die Sultan of the Seas zu kommen. Ausgerechnet auf das Schiff, auf dem seine Familie verschwunden ist.

Passagier 23 – Der Bauchplatscher unter Fitzeks Titeln

Eins vorweg: Ich bin ein Fan von Sebastian Fitzek. Nicht nur von seinen Thrillern, sondern auch auch von seinen Lesungen, die ich allen Lesern nur empfehlen kann. Trotzdem wurde ich mit Passagier 23 nicht richtig warm.

Dabei hat das Buch alles, was einen guten Fitzek ausmacht:

  • Neugier weckende Werbung im Vorfeld mit einem aufwändigen interaktiven Gewinnspiel
  • eine an sich sehr spannende, weil real existierende Problematik
  • verqueeren Charaktere, die spannende Verwicklungen versprechen
  • emotionale Verwicklungen
  • grausame Details
  • plötzliche Wendungen

Aber für mich gab es zu viele Nebenschauplätze, zu viele “Zufälle”, zu viele Längen und ein mehr als abstruses Ende. Kurz: Passagier 23 war eher ein Bauchplatscher denn ein elegantes Eintauchen in die Thrillerfluten. Ich hoffe, dies ist nicht der hohen Schreibfrequenz geschuldet.

Bis zum nächsten Mal, Herr Fitzek. Das können Sie besser!

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seine Bücher werden in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Sebastian Fitzek lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Passagier 23 von Sebastian Fitzek, erschienen bei Droemer, Oktober 2014, 432 Seiten, Hardcover, € 19,99, ISBN: 978-3-426-19919-0