Simon Beckett: Der Hof

Südfrankreich im Sommer. In der brütenden Hitze ist Sean, ein junger Engländer, auf der Flucht vor seiner Vergangenheit. Ein Unfall zwingt ihn zu einem unfreiwilligen Stopp auf einem einsamen Hof. Sean spürt schnell, dass etwas mit dem Anwesen und seinen Bewohnern nicht in Ordnung ist, doch es dauert Wochen, bis er hinter die wahren Abgründe blickt.

(Cover: rowohlt.de)
(Cover: rowohlt.de)

Auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit tappt Sean in Südfrankreich im wahrsten Sinne des Wortes in die Falle. Eine Falle, die ein Hofbesitzer auf seinem Gelände ausgelegt hat, um sich vor unliebsamen Besuchern zu schützen. Seine Verletzung ist so schwer, dass er sich auf einen längeren Aufenthalt einrichten muss. Während er anfangs versucht, den unfreiwilligen Aufenthalt so weit wie möglich zu verkürzen, gerät er mehr und mehr in den Bann der seltsamen Atmosphäre auf dem Hof.

Wieso ist Arnaud, der Hofbesitzer, so brutal und gleichgültig? Wieso behandelt er seine älteste Tochter, Mathilda, wie eine Dienstmagd, während er ihrer jüngeren Schwester Gretchen gegenüber so viel nachgiebiger ist? Und wer ist der Vater von Mathildas Tochter, die Arnaud abgöttisch zu lieben scheint?

Seans Fragen stoßen auf eine Mauer des Schweigens

Als Sean versucht, hinter die Geheimnisse der Familie zu kommen, stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Im nahegelegenen Dorf reagiert man äußerst aggressiv auf seine vorsichtigen Nachfragen. Warum, versteht er, als er die wahren Abgründe der Familie aufdeckt. Denn die sind grausamer als alles, was er sich vorgestellt hat.

Ich gestehe, ich war anfangs enttäuscht von “Der Hof”. Von Simon Beckett hatte ich zwei Hunter-Bände gelesen und war gedanklich auf etwas anderes eingestellt. Doch dann hat mich die Geschichte von Sean oder vielmehr die von Mathilda in ihren Bann gezogen. Trotz einiger – für meinen Geschmack – Längen, hat mich die von Seite zu Seite ansteigende Spannung gepackt, die in unvorstellbarer Grausamkeit gipfelt.

Von mir also eine klare Leseempfehlung für diesen “leisen” Simon Beckett.

Simon Beckett

Simon Beckett arbeitete als Hausmeister, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Als Journalist bekam er Einblick in die Polizeiarbeit, und dieses Wissen verarbeitet er in seinen Romanen.

Allein in Deutschland wurden bereits 7 Millionen Bücher des Autors verkauft. Für einige seiner Thriller hat er auf der “Body Farm” in Tennessee recherchiert. Der Autor ist verheiratet und lebt in Sheffield.

Buchinfo: Der Hof von Simon Beckett, erschienen bei Wunderlich, Februar 2014, 464 Seiten, gebunden, €19,95, ISBN 978-3-8052-5068-9

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Simon van Booy: Die Illusion des Getrenntseins

Martin ist schon fast alt genug für die Schule, als ihm seine Eltern erzählen, dass ihnen in den Kriegswirren ein Fremder ein Baby in den Arm gedrückt hat: ihn selbst. Es dauert Jahre, bis es Martin gelingt, seine Herkunft zu verstehen und es dauert fast sein ganzes Leben, bis er den Mann findet, der ihn damals vor dem sicheren Tod gerettet hat.

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(Cover: Insel Verlag)
Martin, Los Angeles 2010

Im Starlight Retirement Home ist Martin der Mann für alle Fälle. Früh morgens, wenn alle noch schlafen, füllt er seinen Eimer und wischt er mit Kiefernseife über die Flure. Dabei kann er in aller Ruhe über sein Leben nachdenken. Die Bewohner, viele davon ursprünglich aus der Filmbranche, nennen ihn Monsieur Martin, wegen seines französischen Akzentes. Manchmal fährt er zum Santa Monica Pier. Vor sehr langer Zeit hat er dort einer Frau einen Heiratsantrag gemacht.

Mr. Hugo, Frankreich, 1944

Am Nachmittag fliegt ein Bombergeschwader über ihn hinweg. A läuft weiter und kommt zu einer brennenden Scheune. Auf dem Boden die verkohlten Überreste einer Frau, den Eimer noch in den Händen. Im Haus ist es kühl und schattig. Er findet ein paar Zwiebeln, einen Korb und einige welke Selleriestängel. Außerdem einen Krug Milch mit einer dicken Sahneschicht, einige rechteckige Stoffstücke, ein paar große Sicherheitsnadeln. Im Schlafzimmer dann die Überraschung: aus einem Haufen Decken blinzeln ihn kleine Äuglein an.

Wie eng Martins und Mr. Hugos Leben miteinander verbunden sind, ahnt keiner der beiden, als sie zufällig im Starlight Seniorenheim aufeinander treffen. Der Tod lässt ihnen auch keine Zeit, es herauszufinden, denn Mr. Hugo stirbt noch am Tag seines Einzuges.

Unser Leben – nur ein Zufall?

Welchen Einfluss hat das, was unsere Vorfahren getan und erlebt haben, auf unser eigenes Leben? Wie sehr beschäftigt uns die Frage nach der Vergangenheit? Simon Van Booy macht uns am Schicksal seiner Charaktere in “Die Illusion des Getrenntseins” deutlich, wie häufig Zufälle über unser Schicksal entscheiden. Und er zeigt, dass man auch in der größten Grausamkeit noch auf Menschlichkeit hoffen kann. Dabei gelingt es Simon Van Booy auch größte Brutalität aus der neutralen Beobachterperspektive zu betrachten. Effekthascherei oder Stimmungsmache sucht man in seinem Buch vergeblich. Gerade dieser ruhige, elegante Schreibstil nimmt uns mit in die Welt der Protagonisten, die alle auf mehr oder weniger direkten Wegen miteinander verbunden sind.

Ein wunderschönes Buch für alle Leser, die sich einlassen können und wollen. Es lohnt sich!

Hol’ Dir “Die Illusion des Getrenntseins”

Im Rahmen der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” verlose ich ein Exemplar dieses wunderschönen Buches. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Danke an den Insel Verlag, die mir das Buch zur Verlosung zur Verfügung gestellt haben. Diese Tatsache steht nicht im Zusammenhang mit der positiven Rezension. Diese ist ausschließlich dem Können Simon Van Booys “geschuldet”.

Simon Van Booy

Simon van Booy, geboren und aufgewachsen in Wales, lebt mit seiner Frau und Tochter in Brooklyn. Er ist der Autor von zwei Erzählungsbänden und zwei Romanen sowie drei Philosophiebüchern und schreibt u. a. für die New York Times, den Guardian und die BBC. Sein Werk wurde in vierzehn Sprachen übersetzt.

Buchinfo: “Die Illusion des Getrenntseins” von Simon Van Booy, erschienen beim Insel Verlag, 14.04.2014, 207 Seiten, gebunden, € 18,95, ISBN: 978-3-458-17592-6 | Deutsche Übersetzung: Claudia Feldmann