Simon van Booy: Die Illusion des Getrenntseins

Martin ist schon fast alt genug für die Schule, als ihm seine Eltern erzählen, dass ihnen in den Kriegswirren ein Fremder ein Baby in den Arm gedrückt hat: ihn selbst. Es dauert Jahre, bis es Martin gelingt, seine Herkunft zu verstehen und es dauert fast sein ganzes Leben, bis er den Mann findet, der ihn damals vor dem sicheren Tod gerettet hat.

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(Cover: Insel Verlag)
Martin, Los Angeles 2010

Im Starlight Retirement Home ist Martin der Mann für alle Fälle. Früh morgens, wenn alle noch schlafen, füllt er seinen Eimer und wischt er mit Kiefernseife über die Flure. Dabei kann er in aller Ruhe über sein Leben nachdenken. Die Bewohner, viele davon ursprünglich aus der Filmbranche, nennen ihn Monsieur Martin, wegen seines französischen Akzentes. Manchmal fährt er zum Santa Monica Pier. Vor sehr langer Zeit hat er dort einer Frau einen Heiratsantrag gemacht.

Mr. Hugo, Frankreich, 1944

Am Nachmittag fliegt ein Bombergeschwader über ihn hinweg. A läuft weiter und kommt zu einer brennenden Scheune. Auf dem Boden die verkohlten Überreste einer Frau, den Eimer noch in den Händen. Im Haus ist es kühl und schattig. Er findet ein paar Zwiebeln, einen Korb und einige welke Selleriestängel. Außerdem einen Krug Milch mit einer dicken Sahneschicht, einige rechteckige Stoffstücke, ein paar große Sicherheitsnadeln. Im Schlafzimmer dann die Überraschung: aus einem Haufen Decken blinzeln ihn kleine Äuglein an.

Wie eng Martins und Mr. Hugos Leben miteinander verbunden sind, ahnt keiner der beiden, als sie zufällig im Starlight Seniorenheim aufeinander treffen. Der Tod lässt ihnen auch keine Zeit, es herauszufinden, denn Mr. Hugo stirbt noch am Tag seines Einzuges.

Unser Leben – nur ein Zufall?

Welchen Einfluss hat das, was unsere Vorfahren getan und erlebt haben, auf unser eigenes Leben? Wie sehr beschäftigt uns die Frage nach der Vergangenheit? Simon Van Booy macht uns am Schicksal seiner Charaktere in “Die Illusion des Getrenntseins” deutlich, wie häufig Zufälle über unser Schicksal entscheiden. Und er zeigt, dass man auch in der größten Grausamkeit noch auf Menschlichkeit hoffen kann. Dabei gelingt es Simon Van Booy auch größte Brutalität aus der neutralen Beobachterperspektive zu betrachten. Effekthascherei oder Stimmungsmache sucht man in seinem Buch vergeblich. Gerade dieser ruhige, elegante Schreibstil nimmt uns mit in die Welt der Protagonisten, die alle auf mehr oder weniger direkten Wegen miteinander verbunden sind.

Ein wunderschönes Buch für alle Leser, die sich einlassen können und wollen. Es lohnt sich!

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Im Rahmen der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” verlose ich ein Exemplar dieses wunderschönen Buches. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Danke an den Insel Verlag, die mir das Buch zur Verlosung zur Verfügung gestellt haben. Diese Tatsache steht nicht im Zusammenhang mit der positiven Rezension. Diese ist ausschließlich dem Können Simon Van Booys “geschuldet”.

Simon Van Booy

Simon van Booy, geboren und aufgewachsen in Wales, lebt mit seiner Frau und Tochter in Brooklyn. Er ist der Autor von zwei Erzählungsbänden und zwei Romanen sowie drei Philosophiebüchern und schreibt u. a. für die New York Times, den Guardian und die BBC. Sein Werk wurde in vierzehn Sprachen übersetzt.

Buchinfo: “Die Illusion des Getrenntseins” von Simon Van Booy, erschienen beim Insel Verlag, 14.04.2014, 207 Seiten, gebunden, € 18,95, ISBN: 978-3-458-17592-6 | Deutsche Übersetzung: Claudia Feldmann

 

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

4 Gedanken zu „Simon van Booy: Die Illusion des Getrenntseins“

  1. Oh, was würde ich mich freuen, das liest sich wirklich so gut. Ich mache gerne mit.

    Frohe Ostern und alles Liebe,
    Petra

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