Oliver Hilmes: Berlin 1936

Berlin im August 1936. Die Olympischen Spiele rücken die Stadt ins Zentrum der Weltöffentlichkeit. Die Nazi-Diktatur schaltet in den Pausenmodus, zumindest nach außen. Die Bundestagswahl am 24. September 2017 ist ein passender Anlass, sich die minutiös durchdachte Strategie der Nazis nochmals vor Augen zu führen.

9783827500595_CoverSamstag, 1. August 1936. Bericht des Reichswetterdienstes für Berlin:

Stark wolkig und zeitweise bedeckt mit Regenfällen. Mäßige Südwest- bis Westwinde. Etwas kühler: 19 Grad.

Berlin hat sich für die Olympischen Spiele herausgeputzt. Schließlich will man sich den Gästen und den Medien in aller Welt von der besten Seite zeigen. Das Nazi-Regime will nichts dem Zufall überlassen. Die “Juden verboten”-Schilder sind verschwunden, in Clubs und Restaurants gibt man sich vorübergehend wieder weltoffen. Gleichzeitig entsteht vor den Toren der Stadt das Konzentrationslager Sachsenhausen.

Nie wieder Nazis!

Oliver Hilmes beschreibt in Berlin 1936 ganz nüchtern und distanziert die Wahrnehmungen der unterschiedlichsten Protagonisten. Alteingesessene Berliner, Besucher der Olympischen Spiele, Parteimitglieder, Verfolgte. Und genau das hat mich an diesem Buch unglaublich fasziniert. Wie perfekt die Nazis das Ereignis für ihre Propaganda missbraucht haben.

Für mich hat es die Kaltschnäuzigkeit und die perfide Inszenierung dieses Regimes perfekt auf den Punkt gebracht und der Zeitpunkt, dieses Buch zu empfehlen, könnte nicht besser passen. Am 24.09.2017 wählen wir einen neuen Bundestag und ich wünsche mir, dass sich alle wirklich Gedanken darüber machen, wem sie zum Einzug verhelfen. Niemals möchte ich in einer Gesellschaft leben, in der Menschen aufgrund ihres Glaubens, der Menschen, die sie lieben oder warum auch immer, verfolgt und ausgegrenzt werden.

Ich möchte mir keine Gedanken machen müssen, was ich sagen darf und was nicht. Mir nicht vorschreiben lassen, wen ich mögen darf und wen nicht. Und vor allem möchte ich mir nicht irgendwann selbst vorwerfen müssen, ich hätte nichts dagegen unternommen.

Gebt extremen Rechten keine Stimme im Bundestag. Niemals!

Oliver Hilmes

Oliver Hilmes, 1971 geboren, studierte Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris und Potsdam. Er wurde in Zeitgeschichte promoviert und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker. Seine Bücher über widersprüchliche und faszinierende Frauen „Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Mahler-Werfel“ (2004) und „Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner“ (2007) wurden zu Bestsellern. Zuletzt erschienen „Liszt. Biographie eines Superstars” (2011) und „Ludwig II. Der unzeitgemäße König” (2013).

Buchinfo: Berlin 1936 von Oliver Hilmes, erschienen bei Siedler, Mai 2016, 340 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-8275-0059-5, danke für das Leseexemplar.

Herbarium – 100 Kräuter, Geschichte, Wirkung, Verwendung

Traditionelle Kräuter treffen auf modernes Design. Das Ergebnis: Herbarium von Caz Hildebrand. Altes Kräuterwissen neu verpackt.

HerbariumWoran denkt ihr bei dem Begriff Herbarium? An hölzerne Blumenpressen, die lieblich duftene Blüten zu seidenzarten, fast transparenten Kunstwerken pressen. An getrocknete Pflanzen, von der Blütenspitze bis zum Wurzelende fein säuberlich auf weißen Blättern arrangiert und mit transparenter Folie konserviert wurden? An alte Bücher, in denen mit feinsten Strichen jedes Detail festgehalten und beschrieben wurde?

Ja? Dann geht es euch wie mir. Ich hätte an vieles gedacht, aber nicht an moderne, kreative Designer. Umso neugieriger war ich auf Herbarium von Caz Hildebrand.

Kommen wir erst zu den Gemeinsamkeiten mit einem klassischen Herbarium. Wie gewohnt beginnt auch Caz Hildebrand mit

  • der Herleitung des lateinischen Namens
  • die Herkunft
  • die Standortanforderungen
  • der Wirkungsweise
  • dem Anwendungsbereich
Kräuterkunde 2.0

Anders als herkömmlich Herbarien verpackt die Autorin diese Informationen aber zeitgemäß. So erklärt sie die Giftigkeit der Schneeglöckchen am Beispiel der TV-Serie Breaking Bad, in der der Chemielehrer Walt den kleinen Brock vergiftet, um den Drogenbaron Gustavo Fring zu treffen.

Auch der Einsatz in der Küche wird nicht vernachlässigt und macht das Buch zu einer echten Fundgrube der kreativen Küche.

Mit Herbarium von Caz Hildebrand eine Pflanze zu bestimmen, wird hingegen nur schwer gelingen. Dazu ist die Bebilderung dann doch zu künstlerisch. Aber mal ehrlich, heute macht man das sowieso mit dem Smartphone.

Ich finde, mit Herbarium hat es ein wirklich schönes und spannendes neues Buch in meine Wohnung geschafft, in dem ich gerne Blättern und mich inspirieren lassen werde.

Von mir also ein klares “Daumen hoch”!.

Caz Hildebrand

Caz Hildebrand ist Creative Partner bei Here Design. Sie gestaltete u. a. Kochbuch-Bestseller von Nigella Lawson und Yotam Ottolenghi.

Übersetzung: Heinrich Degen

Bildquelle: Illustrationen © Here Design, Druck DUMONT

Buchinfo: Herbarium von Caz Hildebrand, erschienen bei DUMONT, 19.09.2017, 224 Seiten, 100 farbige Abbildungen, bedruckter und geprägter Einband mit Farbschnitt, farbigem Vorsatz und Lesebändchen, € 30,00, ISBN 978-3-8321-9927-2, Danke für das schöne Leseexemplar

Anschlag von rechts – Eine Leseempfehlung für alle, die verunsichert sind

“Unbekannte haben einen Brandsatz in einen Raum eines ehemaligen Schulgebäudes geworfen, das als Unterkunft für Flüchtlinge dient.” heißt es am 28. August 2015 in den Medien. Reiner Engelmann hat in seinem Buch Anschlag von rechts die Hintergründe sorgfältig rekonstruiert. Eine wertvolle Hilfe für alle, die durch die Flüchtlingspolitik im Land verunsichert sind.

Anschlag von rechts von Reiner Engelmann
Anschlag von rechts von Reiner Engelmann

Feierabend in einer deutschen Kleinstadt. Drei Freunde, zwei Männer und eine Frau, treffen sich zum Feierabendbier. Zu vielen Feierabendbieren. Die Veränderungen in “ihrem” Land gefallen Ihnen nicht. Überall diese Flüchtlinge. Und die Deutschen müssen zurückstecken. Ihrem Unmut darüber haben sie auch schon in sozialen Netzwerken Luft gemacht. Zwischen einem der Männer und der Frau läuft ein Wettbewerb, wessen Kleinkind mehr neue Wörter lernt. Zum Wortschatz gehören Hitler und weiteres Vokabular der NS-Zeit. Als ausländerfeindlich würden sie selbst sich nicht bezeichnen.

Wie immer bei ihren Treffen läuft lautstark Musik. Bands wie Störkraft, Kategorie C oder Landser geben den Ton an. Bei “Hurra, das Asylheim brennt” grölen sie lauthals mit. Bis einer der Männer plötzlich innehält, sein Handy greift und Molotow-Cocktail in die Suchmaschine eingibt.

Eine Flasche, Benzin, ein Lappen – fertig ist der Cocktail

Ehe den anderen beiden klar ist, was er tut, sucht er in der zum Club 18 umfunktionierten Werkstatt eine Flasche, Sägespäne, einen vollen Benzinkanister und einen Lappen zusammen. Die Flasche füllt er mit Sägespänen und gießt sie mit Benzin auf. Mit dem Lappen verschließt er den Flaschenhals. Dann fahren sie in den Nachbarort.

Im Nachbarort, wenige Kilometer weiter. Die alte Schule ist zu einer Unterkunft für Asylsuchende umgebaut worden. Menschen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe leben friedlich unter einem Dach. Darunter auch einige Kinder. Sie alle sind froh, Krieg, Verfolgung und Gewalt entkommen zu sein. Endlich können die Kinder wieder draußen spielen. Wie schnell sie die fremde Sprach lernen und neue Freunde finden! Die Eltern macht das glücklich. Ihre Entscheidung, alles zurück zu lassen war richtig.

Reiner Engelmann rekonstruiert einen hinterhältigen Anschlag

“Unbekannte haben … einen Brandsatz in einen Raum eines ehemaligen Schulgebäudes geworfen, das als Unterkunft für Flüchtlinge dient.” heißt es am 28. August 2015, dem Tag nach dem vorerst letzten Feierabendbier im Club 18, in den Medien. Weitere Ermittlungen ergeben, dass einer der drei “Club-Besucher” Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ist und nach dem Anschlag bei den Löscharbeiten half, als sei nichts geschehen. Anschließend geht er noch mit dem Hund Gassi und legt sich dann ins Bett.

Reiner Engelmann hat in Anschlag von rechts ausführlich recherchiert und viele Gespräche geführt. Detailliert rekonstruiert er den Abend vor dem Anschlag und die anschließende Verhandlung.

Ich habe die Attentäter nur gefahren, ich bin unschuldig!

Kopfschüttelnd habe ich die Argumentationen der drei Attentäter gelesen:

  • Wie kann es sein, dass sie ernsthaft meinen, sie seien nicht ausländerfeindlich? Dass nur der Alkohol schuld gewesen sei.
  • Wie kann es sein, dass sich die Frau, die keinen Alkohol getrunken hat, nicht schuldig fühlt, obwohl sie die beiden Männer zum Tatort gebracht hat?
  • Was ist in den Köpfen dieser Menschen los? Und was bedeutet das für unsere Gesellschaft?

So eindringlich Reiner Engelmann den Abend und die nachfolgende Zeit auch schildert, zwischendurch dachte ich immer wieder: “Wem sagt er das? Wen will er erreichen?” Denn seien wir ehrlich, wer tickt wie die drei Attentäter, der wird dieses Buch nicht lesen und auch nicht verstehen. Und wer sich näher mit der Thematik befasst hat, weiß es.

Eine Empfehlung für besorgte und verunsicherte Menschen

Aber das ist wohl mein Filterblasendenken. Beruflich bin ich fast täglich mit der Flüchtlingsthematik befasst, privat war ich hier in meiner Gemeinde aktiv. Und zwischen mir und den klassischen Hetzern gibt es eben noch eine große Masse an verunsicherten Menschen und natürlich auch viele Jugendliche, die nicht so recht wissen, wie sie die Geschehen der vergangenen beiden Jahre bewerten sollen. Die nicht wissen, wem sie glauben und vertrauen können. Ihnen kann ein “Blick” in die Köpfe von Geflüchteten und Attentätern helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Auch wenn die Vita der zitierten Menschen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe nicht stellvertretend für die Mehrzahl derjenigen ist, die bei uns auf ein Leben in Frieden und Freiheit hoffen.

Ich empfehle deshalb Anschlag von rechts von Reiner Engelmann allen, die sich noch unsicher sind, wo sie sich positionieren sollen. Und das quer durch alle Altersklassen. Nicht nur aber gerade auch im aktuellen Wahlkampfgeschehen.

Reiner Engelmann

Reiner Engelmann wurde 1952 in Völkenroth geboren. Nach dem Studium der Sozialpädagogik war er im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Anthologien zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen. Für Schulklassen und Erwachsene organisiert Reiner Engelmann regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz. Bei cbj sind bereits erschienen: „Der Fotograf von Auschwitz“ und „Wir haben das KZ überlebt“.

Buchinfo: Anschlag von rechts von Reiner Engelmann, erschienen bei cbj, 22.05.2017, 192 Seiten, € 14,99, ISBN: 978-3-570-17437-1

Superheldin 21 – Mein Leben mit Down-Syndrom.

Verena Turin möchte mit Vorurteilen aufräumen. Selbstbewusst erzählt sie uns von ihrem Leben mit Down-Syndrom, denn sie fühlt sich ganz normal. Anders ist sie nur für die Anderen. Verena träumt davon, Superheldin zu sein. Oder Sängerin. Oder Schauspielerin. Träume, die wir alle schon mal geträumt haben.

978-3-499-63269-3 (1)Als der Rowohlt-Newsletter mit der Ankündigung von Superheldin 21 – Mein Leben mit Down-Sydrom kam, war für mich sofort klar: Dieses Buch muss ich haben!

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Bücher über Down-Syndrom gibt es viele, mir war aber bislang bewusst noch keines untergekommen, dass von einem Menschen mit Down-Syndrom geschrieben wurde. Wobei ich nicht abstreiten will, dass es die gibt.
  • Down-Syndrom und Journalistin, wie geht das zusammen?
  • Den Ohrenkuss, ein Magazin für Menschen mit Down-Syndrom, kannte ich nicht, er hat mich neugierig gemacht.
  • Und schließlich gibt es da noch die Tochter von Freunden. Auch sie wurde mit einem zusätzlichen Chromosom geboren und mit sehr starken Auswirkungen auf ihre Selbstständigkeit.

Ich war also neugierig und nach der Einleitung kurz etwas enttäuscht: Verena Turin hat auf Fragen geantwortet, die man ihr gestellt hat! Aber die Enttäuschung hielt nur sehr kurz an, denn erklärt ausführlich, wie die Zusammenarbeit abgelaufen war. Superheldin 21 ist ganz eindeutig IHR Buch.

Schicht und einfach gut

Gewöhnungsbedürftig war anfangs auch der Schreibstil. Als Vielleserin und Medienschaffende musste ich mich an den schlichten Stil gewöhnen. Doch wieder wurde ich nach wenigen Seiten überrascht. Schnell fand ich es sehr entspannend, Superheldin 21 zu lesen. Alles war echt. Keine aufwändige Story mit Tausend mehr oder weniger gelungenen Schlenkern. Kein Egoshooting sondern ein tiefer offener Einblick in Verenas Herz.

Dieser Einblick hat mich tief beeindruckt. Verena Turin nimmt uns mit in ihren Alltag. Erzählt von ihrer Arbeit im Seniorenheim, von den schönen und den weniger schönen Momenten dabei. Von ihrer Freude an Musik, ihre Liebe zu ihrer Familie. Sie nimmt uns mit auf Ausflüge und erzählt von ihrem Freund. Offen, ehrlich und immer freundlich. Selbst dann, wenn sie klare Grenzen setzt, weil ihr ein Thema zu persönlich wird.

LIebe Verena Turin,

Ihr Buch hat mich sehr berührt. Es ist schön, Menschen zu begegnen, die anderen Menschen nichts Böses wollen. Die mit offenem Herz und reiner Seele auf ihre Mitmenschen zugehen, ihnen positiv begegnen, egal wer sie sind und was sie tun. An dieser Unvoreingenommenheit kann ich mir ein Beispiel nehmen.

Und ich kann von Ihnen lernen, weniger streng mit mir selbst und meinen persönlichen Schwächen zu sein, denn sie haben Recht. Wenn man mit einer Sache nicht so gut klar kommt, bei Ihnen sind es die Zahlen, gibt es viele andere, auf die man stolz sein kann. Ich wünsche mir mehr Menschen, die so unvoreingenommen auf andere zugehen, wie Sie das tun.

Danke für dieses Buch! Sie haben mir damit eine große Freude gemacht.

Wer sich jetzt noch fragt, ob das Buch von mir eine Leseempfehlung bekommt, sollte vielleicht einfach nochmal von vorne anfangen zu lesen. 😉

Verena Elisabeth Turin

Verena Elisabeth Turin, geboren 1979 in Tirol, arbeitet in einem Pflegeheim und als Journalistin für den Ohrenkuss, Magazin von Menschen mit Down Syndrom. Turin ist fasziniert von Mischpulten, macht auch selbst Musik in einer Band, liebt Wasser, Schwimmen, Himbeersaft und Filme von Walt Disney. Negative Gedanken und Diskriminierung hingegen kann sie nicht ausstehen. Verena Turin hat zwei Nichten und wohnt bei ihren Eltern.

Daniela Chmelik

Daniela Chmelik, geboren 1980 in Hamburg, studierte Literaturwissenschaften und leitet derzeit bei barner 16 (inklusives Netzwerk von Künstlern mit und ohne Handicaps) das Labor für Literarische Experimente. Seit 2008 arbeitet sie als Schreibassistentin und Koordinatorin der Hamburger Redaktion für den Ohrenkuss.

Buchinfo: Superheldin 21 – Mein Leben mit Down-Syndrom von Verena Turin, Daniela Chmelik, erschienen bei rororo, 21.07.2017, 160 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-499-63269-3

Petra Durst-Benning: Kräuter der Provinz

Theresa liebt ihr Maierhofen, idyllisch gelegen mitten in grünen Wiesen und sanften Hügeln. Trotzdem macht Sie sich als Bürgermeisterin sorgen um ihr Dorf. Die jungen Leute ziehen in die Stadt, Läden schließen. Es gibt einfach zu wenig attraktive Arbeitsplätze. Und auch touristisch ist Maierhofen nicht so außergewöhnlich, dass der Ort davon leben könnte. Das muss sich ändern.

Kräuter der ProvinzTherese ist als Wirtin der Goldenen Rose eine Instanz im malerisch gelegenen Maierhofen. Freundlich, hilfsbereit und engagiert. Aber sie ist auch die Bürgermeisterin und in dieser Funktion alles andere als glücklich was die Entwicklung des Dorfes angeht.

Maierhofen ist nicht attraktiv genug für interessante und interessierte Arbeitgeber und gesellschaftlich ist auch nicht viel geboten. Zumindest nichts, was die jungen Leute davon abhalten würde, ihr Glück in der Stadt zu suchen.

Maierhofen stirbt

Sie braucht sich nur in ihrem eigenen Gasthaus umzusehen, schon hat sie vor Augen, wie sehr die Zeit in Maierhofen stehen geblieben ist. Überall leuchtet ihr noch der 70er Jahre Schick entgegen. Es hilft alles nicht, eine Lösung muss her!

Therese wäre nicht Therese, wenn sie sich nicht zu helfen wüsste. Ein Marktetingprofi muss her. Jemand, der Maierhofen so richtig gut ins rechte Licht setzt.. Auch wenn Therese keine Ahnung hat, wie sie den Auftrag finanzieren soll, die Kassen von Maierhofen sind leer.

Wie so oft in scheinbar ausweglosen Situationen hilft der Zufall auf die Sprünge. Thereses ehemalige Mitschülerin ist eine gefeierte Fachfrau für Imagekampagnen. Sie muss helfen!

Maierhofen ist überall

Mit Maierhofen hat sich Petra Durst-Benning ein Dorf ausgewählt, das überall in Deutschland sein könnte. Läden schließen, Kneipen machen dicht. Senioren wissen nicht mehr, wo sie einkaufen sollen. Junge Leute ziehen den attraktiven Arbeitsplätzen hinterher.

Dabei hat fast jeder Ort seinen ganz eigenen Liebreiz. Seine Besonderheiten, die es hervorzuheben gilt. Maierhofen und seine Bewohner schaffen das auf eine ganz individuelle Art und Weise. So, dass jeder sich und seine Stärken einbringen und Besucher verzaubern kann.

Überall ist Hoffnung

Petra Durst-Benning zeichnet mit “Kräuter der Provinz” ein liebesvolles Portrait eines schwäbischen Dorfes, das sich mit Kreativität, Mut und Engagement aus der Verödungsmisere zieht. Eventuell eine Blaupause für den ein oder anderen Ort? Eine Anregung auf jeden Fall.

Ich habe mich ein bisschen in Maierhofen und seine Einwohner verliebt. Und das liegt nicht nur an den verlockenden Rezepten, die Petra Durst-Benning gleich mitliefert.

Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning wurde 1965 in Baden-Württemberg geboren. Seit über zwanzig Jahren schreibt sie historische und zeitgenössische Romane. Fast all ihre Bücher sind SPIEGEL-Bestseller und wurden in verschiedenen Sprachen übersetzt. In Amerika ist Petra Durst-Benning ebenfalls eine gefeierte Bestsellerautorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Hunden südlich von Stuttgart auf dem Land.

Buchinfo: Kräuter der Provinz von Petra Durst-Benning, erschienen bei blanvalet, September 2016, 509 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0011-6

Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.

“Wenn ich die Wahl zwischen zwei Übeln habe, wähle ich immer beide.” So fasst Herbert Feuerstein seine Autobiographie zusammen. Und tatsächlich scheint er ein Talent dafür zu haben, sich in schwierige Situationen zu bringen. “Die neun Leben des Herrn F.” – einfach erfrischend offen.

Herbert FeuersteinIch glaube, so richtig bewusst wurde mir Herbert Feuerstein als intelligenter und schlagfertiger Gegenspieler von Harald Schmidt. Ehrlich gesagt, habe ich die Sendung damals wegen Feuerstein geschaut. Ich mag einfach wortgewandten schwarzen Humor. Beeindruckt hat mich außerdem, dass sich “der kleine Mann” für keinen Scherz zu schade war. Selbst als lebende Kanonenkugel: Feuerstein war nie peinlich.

Autobiographie statt Schlammschlacht

Umso spannender liest sich seine Biografie, in der er überraschend offen über seine persönlichen Probleme schreibt. Und sich über seine Lebenspartnerinnen erfreulich bedeckt hält. Das kennen wir zur Genüge anders.

Doch zurück zu Feuerstein. 1937 wird er in Österreich geboren. Für Kinder keine gute Zeit. Sie müssen viel entbehren und leiden oft unter schwierigen Familiensituationen. Der Krieg fordert auch von ihnen ihren Tribut.

Feuerstein lernt früh, dass man sich im Leben behaupten muss und dieses Wissen verhilft ihm letztendlich zum Durchbruch. Geschickt und im passenden Augenblick nutzt er seine Chancen und entwickelt sich mit seinen Aufgaben.

Vom “Theaterdirektor” zum Mozarteum Studenten.
Vom Wiener Kaffeehausliterat und Musikkritiker zum New Yorker Redakteur.
Vom Buchverlagsleiter in Frankfurt zum MAD Macher.

Und ganz nebenbei Film, Fernsehen uns sonstige Trallala wie Theater und Oper.

Ein großartiger “kleiner Mann”

Herbert Feuersteins Autobiographie ist beeindruckend und das ist nicht nur dem abwechslungsreichen Werdegang geschuldet. Ohne sein ausgeprägtes Gefühl für Sprache und seinen manchmal feinen, machmal bissigen Humor und seiner herrlichen Selbstironie würde das Lesen nur den halben Spaß bereiten.

Mich hat “Die neun Leben des Herrn F.” berührt. Manchmal fast zu Tränen, öfter zum Grinsen. Ich habe hinter viele Fassaden blicken und einen Herbert F. fernab von Scheinwerfern und Perfektionismus kennenlernen dürfen. Ein Mensch mit vielen Ängsten und Unsicherheiten und gleichzeitig so viel Mut.

Herr F., ich bin beeindruckt. Meine Hochachtung!

Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein, geboren 1937 in Zell am See (Österreich), ist Journalist, Schauspieler und Entertainer. Für seine Mitgestaltung der TV-Reihe „Schmidteinander“ wurde er 1994 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Er lebt in Erftstadt und in Berlin.

Buchinfo: Die neun Leben des Herrn F. von Herbert Feuerstein, erschienen bei Ullstein, Oktober 2014, 384 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-550-08087-6, € 19,99

Blogger schenken Lesefreude: Ich bin gleich da von Anne Köhler

Dieses Jahr steht die Aktion Blogger schenken Lesefreude zum Welttag des Buches hier auf Leselustich unter einem neuen Motto: Bücher, die mich in den letzten Wochen besonders berührt haben.

Eines davon war

Ich bin gleich da von Anne Köhler (Rezension)

„Ich bin gleich da“ gehört zu den stillen Büchern, die beim Lesen irgendwie das Herz berühren. Und inhaltlich macht es einfach Mut. Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Mut, etwas zu wagen.

Anne Köhler, Ich bin gleich da

WILL ICH HABEN!

Du willst “Ich bin gleich da” haben? Kannst du. Indem du mir im Kommentar unter diesem Beitrag – und nur da! – Folgendes verrätst:

Gibt es in deinem Leben einen Traum, den du gerne verwirklichen möchtest und der dein Leben komplett auf den Kopf stellen würde? Und falls ja, magst du kurz beschreiben, was es ist? Du musst es nicht, um an der Verlosung teilnehmen zu können.

Bitte beachte dabei folgende Punkte:

  • Hinterlasse ab sofort bis spätestens 30.04.2015 unter diesem Blogpost einen Kommentar. Beantworte darin die oben gestellte Frage.
  • Verlost wird ein Exemplar des o.g. Buches. Danke dafür an Dumont, die das Buch für die Verlosung zur Verfügung stellt.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 04.05.2015.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail- und Versandadresse werden von mir ausschließlich zum Versand des Buches verwendet.
  • Gib keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Und jetzt viel Glück und viel Spaß mit dem Buch!

Nicht dein Geschmack? Kein Problem. Vielleicht ist ja Oliver Pötzsch was für dich. Und auf Ulrike kommuniziert gibt es noch mehr. Einfach gleich nachsehen.