Mutige Menschen – Männer und Frauen mit Zivilcourage

Mutige Menschen, das sind Menschen, die es gewagt haben, nein zu sagen. Selbst dann, wenn ihnen dadurch massive persönliche Beeinträchtigen drohen. Mutige Menschen von Ulrich Kühne hat den Werdegang einiger engagierter Frauen und Männer kurz skizziert und Menschen, die in einem besonderen Zusammenhang zu den Porträtierten standen, um Ihre Meinung gebeten. Das Ergebnis: 160 Seiten, die Mut machen.

Was ist eigentlich Zivilcourage? Wikipedia sagt dazu:
Zivilcourage, wörtlich Bürgermut, setzt sich aus den beiden Wörtern zivil (lateinisch civilis, 1. bürgerlich – nicht militärisch, 2. anständig, annehmbar) und courage (französisch „Mut“) zusammen.
Zivilcouragiert handelt, wer bereit ist, trotz drohender Nachteile für die eigene Person, als Einzelner (seltener als Mitglied einer Gruppe) einzutreten für die Wahrung humaner und demokratischer Werte, für die Integrität und die legitimen, kollektiven, primär nicht-materiellen Interessen vor allem anderer Personen, aber auch des Handelnden selbst. Zivilcourage wird oft mit Hilfe gleichgesetzt. Hilfe ist zwar meist in Zivilcourage enthalten aber nicht notwendig umgekehrt.

Suhrkamp, Insel, Bosch, Zetkin, Schwarzer, Mut Zivilcourage32 Menschen, die in besonderen Situationen Zivilcourage gezeigt haben, hat Ulrich Kühne in seinem Buch Mutige Menschen zusammgengefasst. Darunter viele bekannte Namen wie Clara Zetkin, Käthe Kollwitz, Peter Suhrkamp, Marlene Dietrich und die Geschwister Scholl. Aber auch Saithan und Sinan, zwei türkische Jungs, die ihre Gesichter für eine Kampagne gegen Zwangsheirat zur Verfügung stellen oder Alice Schwarzer, die wie kaum eine andere für die Frauenrechte gekämpft hat.

Auch heute gibt es mutige Menschen

32 Profile, von denen für meinen persönlichen Geschmack zu viele “gestrig” sind. Natürlich dürfen wir zum Beispiel die Hitler-Ära in Deutschland nie vergessen. Dazu ist zu viel Grausames passiert. Und natürlich ist unter solch extremen Lebenssituationen besonders viel Mut gefragt, wenn man nein sagen will. Aber auch heute passiert vieles, weil keiner NEIN sagt. Weil weggesehen wird. Hier hätte ich mir mehr “moderne” und damit auch für junge Menschen greifbare Beispiele gewünscht. Und auch einige der Einzelkämpfer, die sich für “kleine Dinge” stark machen. Sie sind für andere Menschen so viel leichter zu (be-)greifen als die großen “Helden”. Und ich glaube, sie bewegen mehr in den Köpfen aller.

Unabhängig davon sind alle Porträts gut geschrieben und bewegen durch die persönlichen Worte der individuellen Autoren. Für mich war Mutige Menschen eine Anregung, weiter mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen und Menschen mit Mut zumindest du mein Lob zu stärken.

Dr. Ulrich Kühne

Dr. Ulrich Kühne, Journalist und Autor, geboren 1966, hat am Balliol College in Oxford Physik und Philosophie studiert, an der Universität Bremen Wissenschaftsphilosophie unterrichtet und anschließend unter anderem in der Sachbuchredaktion der Süddeutschen Zeitung und in der Wissenschaftsredaktion des Freitag gearbeitet.

Buchinfo: Mutige Menschen – Frauen und Männer mit Zivilcourage, herausgegeben von Ulrich Kühne. Mit einem Vorwort von Joachim Gauck. Erschienen bei Insel Taschenbuch, November 2013, 160 Seiten, Broschur, ISBN: 978-3-458-35973-9, € 12,95

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Elisabeth Herrmann: Das Dorf der Mörder

Im Berliner Tierpark geschieht ein grausamer Mord. Ein Mann wird – vermutlich bei lebendigem Leibe – von Pekaris, einer Schweineart, gefressen. Eine Schuldige ist schnell gefasst. Zu schnell, wie Sanela Beara, eine junge Streifenpolizistin, die zufällig als Erste am Tatort ist, glaubt. Sie lässt nicht locker, ermittelt auf eigene Verantwortung in einem fast verlassenen Dorf in Brandenburg. Und löst dabei das Rätsel, das die Bewohner für immer verborgen halten wollten.

Cover: Goldmann Verlag
Cover: Goldmann Verlag

Eine grausame Meldung versetzt die Berliner Polizei in Alarm. Am hellichten Tag werden im Gehege der Pekaris, einer Schweineart mit dolchartig ausgeprägten Eckzähnen, tauchen Leichenteile auf. Ausgerechnet eine Kindergartengruppe wurde Zeuge, wie die Tiere an einer menschlichen Hand genagt haben.

Was haben die Kinder gesehen?

Die junge Polizistin Sanela Beara trifft als erste am Tatort ein. Sie führt die Kinder aus der Gefahrenzone und versucht, behutsam in Erfahrung zu bringen, was sie gesehen haben. Da sei ein seltsamer Clown gewesen, der ihnen einen Luftballon gegeben habe. Und es sei nicht der gleiche gewesen, der weiter vorne im Park Kunststücke vorführen würde.

Weiter kann Sanela nicht in sie dringen. Sie muss sich gemeinsam mit ihren Kollegen um weitere Zeugen und die Bergung der Leichenteile kümmern.

Schnell wird der Öffentlichkeit mit Charlie Rubin eine Schuldige präsentiert. Die zurückgezogen lebende Frau hat im Tierpark Mäuse und Ratten für Raubvögel und andere Fleischfresser gezüchtet und eignet sich schon alleine wegen ihres Jobs als willkommene Beute für die Masse. Zudem hat sie Sanela hinterrücks überfallen und niedergeschlagen, als diese dem Tathergang auf die Spur zu kommen schien.

Doch nicht nur Sanela zweifelt an der Schuld der Frau. Auch der Psychologe, der ihre Schuldfähigkeit prüfen soll, hat Bedenken. Als sich Charlie Rubin umbringt, eskaliert die Situation. Unabhängig voneinander machen sich beide auf eigene Faust auf, die Hintergründe des bizarren Mordes zu erforschen. In einem Dorf in Brandenburg stoßen sie eine unvorstellbar grausame Vergangenheit.

Faszinierend und beklemmend gleichermaßen

Nach „Zeugin der Toten“ das zweite Buch von Elisabeth Herrmann, das mich unwiderstehlich in seinen Bann gezogen hat. Von Anfang an hatte ich als Leserin das Gefühl, in die Story hineingezogen zu werden. Und bis zum Ende ließ mich die dunkle Wolke, die zu einem guten Thriller gehört, nicht los. Das meine ich absolut positiv. Ein guter Thriller muss fesseln.

So bizarr die Auflösung der Story auch ist, sie ist leider vorstellbar. Immer wieder erschüttern ähnlich grausame Familiengeschichten wie die von Charlie Rubin die Öffentlichkeit und immer wieder wundert man sich, wieso diese Dramen niemandem in der Nachbarschaft aufgefallen sind.

Das Dorf der Mörder – eine klare Leseempfehlung von mir! Aber Vorsicht: nichts für sehr sanfte Gemüter.

Elisabeth Herrmann

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman „Das Kindermädchen“ ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau mit Jan Josef Liefers vom ZDF, „Zeugin der Toten“ mit Anna Loos in der Hauptrolle. Für dieses Buch erhielt sie den Radio-Bremen- Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Elisabeth Herrmann lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Buchinfo: Das Dorf der Mörder von Elisabeth Herrmann, erschienen bei Goldmann, Februar 2013, 480 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-442-31325-9