Stefan Ahnhem: Herzsammler

Eigentlich wollte Kommissar Fabian Risk endlich mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Die Entführung des Justizministers macht einen Strich durch seine Rechnung. Risk stürzt sich in die Ermittlungen und wird in einen Sumpf aus Verschwörung und Rache hinein gezogen.

Krimi, Organspende, Mord, Herzsammler, AhnhemStockholm, kurz vor Weihnachten. Fabian Risk hat sich fest vorgenommen, seine Ehe zu retten und mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Ausgerechnet jetzt verschwindet der Justizminister. Kommissar Risk wird mit der Suche beauftragt und ist erfolgreich. Doch leider zu spät. Der Minister wurde brutal niedergemetzelt. Und er ist erst der Anfang eine Mordreihe, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang zu haben scheint. Bis man erkennt, dass jedem der Opfer ein Organ fehlt.

Zur gleichen Zeit in Kopenhagen. Eine junge Frau wird ermordet. Wie die Gerichtsmedizin festellt, fehlt eines ihrer Organe. Dunja Hougaard ermittelt und stößt bald auf die nächste Leiche. Die einzige Übereinstimmung mit dem ersten Fall: Wieder fehlt ein Organ.

Spannend und blutrünstig

Eines vorweg: Für sehr zart besaitete Leserinnen und Leser ist “Herzsammler” vermutlich nicht das passende Buch. Es geht schon recht derb zu.

Doch zur Story. Ein Brief, in den 90ern im Nahen Osten auf den Weg geschickt, löst in Dänemark und Schweden eine Reihe unerklärlicher Morde aus. Da die Ermittlungen unabhängig voneinander laufen, dauert es unnötig lange, bis ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann. Ein Versäumnis, das Risks Kollegin beinahe das Leben kostet.

Aber auch verwirrend

Ich habe “Und morgen du” von Stefan Ahnhem verschlungen. Die Story war zwar sehr speziell und voller Wendungen, aber irgendwie vorstellbar. Neugierig war ich allerdings auf die Vorgeschichte, die zu Fabian Risks Umzug geführt hat und auf die immer wieder angespielt wurde.

Diese liefert Ahnhem jetzt mit Herzsammler. Ein cleverer Schachzug von Autor und Verlag, die Bücher in dieser Reihenfolge zu verlegen. Ich weiß nämlich nicht, ob man mich mit “Und morgen du” noch so stark hätte locken können, hätte ich Herzsammler zuerst gelesen. Dazu war mir die Story etwas zu abstrus und die parallelen Handlungsstränge in Schweden und Dänemark etwas zu verwirrend. Dazu noch die Entführung von Risks schwangerer Kollegin… genug Stoff für zwei Bücher.

Komplexe Stories? Kann Ahnhem!

Was aber nicht heißen soll, dass “Herzsammler” nicht spannend war. Schließlich leben Bücher davon, dass sie nicht unseren Alltag abbilden, sondern komplexe Geschichten. Und das kann Stefan Ahnhem definitiv. Unglaublich fantasiereich konstruiert er seine Stories bis ins kleinste Detail. Dazu noch ein angenehmer Schreibstil. Eine Kombination, die Lust auf mehr macht. Ich jedenfalls freue mich auf den nächsten Ahnhem!

Deshalb: Leseempfehlung! Ob vor oder nach “Und morgen du” bleibt jedem selbst überlassen.

Stefan Ahnhem

Stefan Ahnhem, geboren 1966, ist ein bekannter schwedischer Drehbuchautor, unter anderem für die Filme der Wallander-Reihe. Er lebt mit seiner Familie in Stockholm. Mit seinem DebütUnd morgen du schaffte er auf Anhieb den Sprung auf die Bestsellerliste.

Buchinfo: Herzsammler von Stefan Ahnhem, erschienen bei List, 10.07.2015, 576 Seiten, Klappenbroschur, €14,99, ISBN 978-3-471-35111-6.

 

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Nele Neuhaus: Ein Krimi, der ganz real an die Nieren geht

Kurz vor Weihnachten ermitteln Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in einer brutalen Mordserie. Ein Profischütze tötet scheinbar wahllos Menschen. Die Lösung des Falles führt sie tief in die Problematik der Organspende hinein. Können sie weitere Opfer vermeiden?

Krimi, Ullstein, Nele NeuhausKriminalkommissarin Pia Kirchhoff ist gedanklich schon auf dem Weg in die Flitterwochen, als sie kurz vor Weihnachten ein Notruf erreicht. In der Nähe von Eschborn wurde eine alte Dame kaltblütig erschossen. Alles deutet auf einen Profi hin, doch warum gerade dieses Opfer? Eine von allen geschätzte, freundliche Frau?

Kurze Zeit später wird die zweite Frau erschossen. Durch das Fenster ihrer Küche. Auch hier weit und breit kein Anhaltspunkt für das Motiv. Keines der beiden Opfer hatte Feinde. Die einberufene Sonderkommission unter der Leitung von Oliver von Bodenstein steht vor einem Rätsel. Erst die anonymen Todesanzeigen, die der Täter der Polizei zukommen lässt, bringen das Ermittlerteam auf die richtige Fährte. Eine Fährte, die ihren Ursprung in einem tragischen Familienschicksal hat.

Gute Krimiunterhaltung in heiklem Kontext

Wieder ist Nele Neuhaus ein fesselnder Krimi gelungen, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit schafft sie es, die Spannung bis zur letzten Seite zu halten. Dabei bleibt immer noch Zeit für eine Priese Humor und viele “Menscheln”. Also wirklich gute Krimikost – wie immer bei Nele Neuhaus.

Besonders ist in diesem Buch das Thema, das die Autorin ins Visier nimmt. Sehr eingehend und durchaus kontrovers beschäftigt sie sich mit Organspende.

Wie wir alle wissen, gibt es mehr Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, als Spender. Die diversen Skandale in der Vergangenheit haben diese Situation nicht gerade verbessert. Und genau hier setzt auch Nele Neuhaus an:

  • Wie zuverlässig ist die Feststellung des Hirntodes?
  • Wie das Auswahlverfahren?
  • Können Auswahlprozesse “mit Schmiergeld optimiert” werden?
  • Was wird überhaupt entnommen?
  • Wie erleben Angehörige, die Situation, ihre Unterschrift unter die Zustimmung setzen zu sollen?
  • Wie geht es den Koordinatorinnen und Koordinatoren, die unter Zeitrdruck stehen?
  • Wo sind die Grenzen?
Entscheidungen zu Lebzeiten fällen

Dabei geht es ihr – wie sie im Nachwort schreibt – nicht um ein Pro oder Contra Organspende, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema zu Lebzeiten. Angehörige sind mit der Situation meist überfordert. Maschinen sorgen dafür, dass das Familienmitglied, der Freund oder die Freundin lebendig aussieht, dass Hoffnungen geweckt werden. So gesehen finde ich das Thema gut gewählt. Allerdings denke ich, dass die Umsetzung bei einigen Lesern zu einem Contra Organspende führen wird, weil auf 530 Seiten doch viele Zweifel gesät und Klischees bedient werden.

Trotzdem oder gerade deswegen: Von mir eine Kaufempfehlung!

Da ich finde, dass ihr die neutrale Betrachtung der Organspende nicht wirklich gelungen ist, hier der Link zu weiteren Informationen: http://www.bmg.bund.de/themen/praevention/organspende/regelung-der-organspende.html

Nele Neuhaus

Nele Neuhaus, geboren 1967 in Münster / Westfalen, lebt seit ihrer Kindheit im Taunus und schreibt bereits ebenso lange. Ihr 2010 erschienener Kriminalroman Schneewittchen muss sterben brachte ihr den großen Durchbruch, seitdem gehört sie zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen Deutschlands. Außerdem schreibt die passionierte Reiterin Pferde-Jugendbücher und, unter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg, Unterhaltungsliteratur. Ihre Bücher erscheinen in über 20 Ländern.

Buchinfo: Die Lebenden und die Toten von Nele Neuhaus, erschienen bei Ullstein, Oktober 2014, 560 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN-13 9783550080548. Vielen Dank für die Bereitstellung des Leseexemplares.