Ali Land: Ich bin böse

Vererbt sich das Böse? Milly ist die Tochter eine Serienmörderin. Steckt deshalb das Böse auch in ihr oder hat sie die Wahl? Kann ein liebevolles Umfeld erlittene Verletzungen auslöschen?

Ich bin boese von Ali LandMilly ist 15 als die Familie das Psychiaters Mike Newmont sie aufnimmt. Vorübergehend, bis der Prozess gegen ihre Mutter, eine pädophile Serienmörderin, vorbei ist. Milly wird aussagen, als Kronzeugin gegen die Frau, die ihr das Leben zur Hölle gemacht hat. Doch nichts läuft, wie es soll. Milly fasst nicht richtig Fuß. Weder bei den Newmonts noch in der Schule, beim Sport oder in der sozialen Interaktion mit anderen Jugendlichen.

Verhaltensauffällige Kinder als Forschungsobjekt?

Die Situation eskaliert, als in Newmonts leiblicher Tochter die Eifersucht wächst. Seit Jahren muss sie sich mit verhaltensauffälligen Jungen und Mädchen arrangieren, die bei ihren Eltern Unterschlupf finden. Kinder, denen ihr Vater sehr viel Aufmerksamkeit widmet, weil sie seinen Forschungsarbeit voran bringen.

Ali Land hat mit “Ich bin böse” ein sehr spezielles Buch abgeliefert. Nicht nur, weil die perverse Grausamkeit von Millys Mutter für normale Menschen unvorstellbar ist, sondern auch, weil es immer wieder Situationen gibt, deren wirklicher Ablauf der Phantasie der Leser überlassen bleibt.

Kann man Vertrauen lernen?

Damit spielt die Autorin mit dem Stigma des Bösen. Kann man sich ihm entziehen, wenn es seit der Kindheit Teil des Lebens ist? Oder haben diese Kinder keine Chance auf eine glückliche, unbeschwerte Zukunft? Und wie ist es mit dem beiderseitigen Vertrauen, wenn sie in eine neue Familie kommen?

Ein sehr spannendes und besonderes, manchmal auch gruseliges Buch.

Ali Land

Ali Land hat Psychologie studiert, ihr Hauptforschungsgebiet war die Psyche von Heranwachsenden, und ihre Doktorarbeit trägt den Titel „Children Who Kill“. Für ihren ersten Roman „Ich bin böse“ hat sie sich von „Der Herr der Fliegen“, „Die Wespenfabrik“ und dem wahren Fall der britischen Serienmörderin Rosemary West inspirieren lassen.

Buchinfo: Ich bin böse von Ali Land, erschienen bei Goldmann, Februar 2017, 352 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48456-0

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Dünengrab: Serienmord an der friesischen Küste

Im idyllischen Fischerdorf Werlesiel verschwindet nachts im dichten Seenebel ein junges Mädchen. Femke Folkmer, Polizei-Chefin vor Ort, zweifelt an einem normalen Vermisstenfall. Sie bittet die Kripo um Unterstützung und steht unversehends Tjark Wolf, ihrem heimlichen Vorbild, gegenüber. Wird er ihr glauben, oder wird er ihre Ahnung als Überreaktion abtun?

Mord, pervers, Frauen, schänden, Killer, vergewaltigen, Friesland, Nordsee
(Cover: Knaur)

Femke Folkmer hat in Werlesiel “Karriere” gemacht. Als Leiterin der örtlichen Polizeistation ist sie respektiert und angesehen. Doch sie will mehr als nur Parksünder und Taschendiebe zur Rechenschaft ziehen. Ihr großes Vorbild ist Tjark Wolf, ein Kriminalkommissar, der nicht nur ein begnadeter Ermittler ist, sondern als Autor auch seine spannendsten Fälle publiziert hat. Das Buch wurde zum Kassenschlager und zu Femkes Bibel.

Kein Wunder, dass Femke wie vom Donner gerührt ist, als genau dieser Tjark Wolf leibhaftig vor ihr steht, um mit ihr gemeinsam das mysteriöse Verschwinden der jungen Vikki Rickmers aufzuklären.

Auf der Suche nach dem Serienmörder

Was als – wenn auch mysteriöse – Vermisstenmeldung beginnt, endet in der Suche nach einem perversen und psychopathischen Serienkiller, der über Jahre hinweg Frauen auf brutalste Art und Weise gequält, getötet und dann in den Dünen verscharrt hat. Und Femke ist mittendrin in ihrem ersten großen Kriminalfall.

“Dünengrab” ist kurzweilige Krimiunterhaltung mit durchaus hohem Spannungsfaktor. Was wie ein weiterer Krimi mit Lokalkolorit beginnt – meine Meinung hierzu ist ja gespalten, wie an anderer Stelle berichtet – entpuppt sich zu einem Thriller um Leben und Tod. Auch wenn ich recht früh vermutet habe, wer der Täter sein könnte, habe ich mich von der Handlung aufs Glatteis führen lassen.

Dünengrab: Ein Krimi mit Herz, Humor und viel Spannung!

Sven Koch

Sven Koch, geboren 1969, arbeitet als Redakteur bei einer Tageszeitung. Auch als Fotograf und Rockmusiker hat er sich einen Namen gemacht. Sven Koch lebt mit seiner Familie in Detmold.
Mehr Infos über den Autor unter: http://www.sven-koch.com

Buchinfo: Dünengrab von Sven Koch, erschienen bei Knaur, August 2013, 416 Seiten, € 8,99, ISBN: 978-3-426-51322-4

Petra Hammesfahr: Hörig

Für Patrizia war es die erste große Liebe. Daran konnten auch die Gerichtsverhandlung und die Medien nichts ändern, die Heiko Schramm zum Monster hoch stilisiert haben. Als er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird, bricht für die 17-Jährige eine Welt zusammen. Sieben Jahre später steht Heiko erneut vor Patrizia und sie kann nicht anders, als ihm zu folgen.

(Cover: rororo)
(Cover: rororo)

Sie treffen sich in der Disco. Patrizia wird Zeugin eines Gespräches, das der Dealer Heiko Schramm mit einem seiner Kunden führt. Für sie kein Grund, sich seiner Annäherung zu entziehen. Wie verzaubert ist sie von der Aufmerksamkeit, die ihr der deutlich ältere Mann zukommen lässt, ohne sie je wirklich zu berühren.

In kürzester Zeit ist Patrizia abhängig von Schramm abhängig. Gegen den Willen ihres Vaters, der alles versucht, sie von Schramm fern zu halten, findet sie immer wieder Wege, sich heimlich mit Heiko zu treffen. Nächtelang steht der junge Mann an ihrer Straßenecke und schaut zu ihrem Fenster hoch. Längst hat der Vater verboten, den Rolladen hoch zu ziehen und sich am Fenster zu zeigen.

Abhängig von einem Psychopathen

Doch das braucht sie gar nicht. Sie ist Schramm längst mit Haut und Haaren verfallen und schnell überzeugt, als er ihr eine gemeinsame Flucht vorschlägt. Bereitwillig händigt sie ihm den Schlüssel zur Villa ihre Arbeitgebers, eines wohlhabenden Juweliers aus, der seine Werkstatt im Haus hat. Der Überfall läuft aus dem Ruder. Heiko Schramm schlägt den alten Herrn brutal zusammen und wird zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Patrizia bricht zusammen. Zwei Jahre dauert es, bis Ed, ihr Therapeut, sie wieder so weit aufgebaut hat, dass sie mit Schramm abschließen kann. Eine Zeit, die zwischen Therapeut und Patientin eines tiefes Vertrauen entstehen lässt, das sich nach und nach in Liebe wandelt. Patrizia und Ed heiraten.

Sieben Jahre später

Sieben Jahre später. Ed ist am Vormittag wie üblich in seiner Praxis, als es an der Tür klingelt. Patrizia öffnet. Vor ihr steht Heiko, der Mann, der fast ihr Leben ruiniert hat. Er beteuert, dass er sie unverändert liebt und mit ihr eine neue Zukunft beginnen will. Und Patrizia geht mit ihm.

Hat sie wirklich nichts gelernt? Glaubt sie immer noch, Heiko Schramm sei an ihr interessiert und nicht nur an der Beute, die nie aufgetaucht ist. Während Ed alles tut, um seine Frau zu finden, erkennt Patrizia die entsetzliche Wahrheit.

Spannung pur!

Petra Hammesfahr ist immer für einen spannenden Thriller gut. Hörig ist faszinierend, weil die extremen Gefühlswelten so eindrücklich geschildert werden. Sehr gut: Über eine sehr weite Strecke lässt sie ihre Leser im Ungewissen, wie es genau in Patrizias Innenleben aussieht. Sehr gut geschrieben und eine überraschend komplexe Story.

Leseempfehlung!

Petra Hammesfahr

Petra Hammesfahr schrieb mit 17 ihren ersten Roman. Mit ihrem Buch „Der stille Herr Genardy“ kam der große Erfolg. Seitdem schreibt sie einen Bestseller nach dem anderen, u.a. „Die Sünderin“, „Die Mutter“ und „Erinnerungen an einen Mörder“. Die Autorin lebt in der Nähe von Köln.

Buchinfo: Hörig von Petra Hammesfahr, erschienen bei rororo, Oktober 2013, 320 Seiten, € 9.99, ISBN 978-3-499-26683-6