Yvonne Schwegler/July Sjöberg: Eiskalt weggewischt

Das Kind geht ins Ausland! Unvorstellbar für ihre Mutter Elvira Schäufele. Hätte das Mädle denn nicht im Ländle studieren können? Muss es Heidelberg, die Kurpfalz, sein?! Kein Wunder, dass es hier nur Schwierigkeiten auf sie warten. Aber nicht mit Frau Schäufele. Die räumt auf.

eiskalt weggewischtFrau Schäufele erfüllt jedes Klischee, das man einer Schwäbin zuschreiben kann:

  • sie begluckt ihre erwachsene Tochter Jessica
  • sie ist der Inbegriff von pingelig
  • sie hat einen Putzfimmel
  • sie hat eine “Schwertgosch”

Also verkauft sie das Haus und zieht ihrer Tochter hinterher. Ausgerechnet in Heidelberg muss Jessica studieren. In der Kurpfalz. Praktisch im Ausland. Da kommt das Mädchen doch überhaupt nicht alleine zurecht. Es muss doch jemand nach der Wäsche schauen und nach der Wohnung. Sie musste ja unbedingt eine eigene Wohnung haben. Und wer soll für das Töchterlein kochen? Wo sie doch so einen Stress in der Uni hat. Nein, alleine kann sie das nicht.

Schwäbisch-Kurpfälzerische Connection

Als Jessicas Professor tot aufgefunden wird, gerät die Studentin ins Visier der Polizei. Dass beide ein Verhältnis hatten, macht sie nicht unverdächtiger. Zum Glück weiß Theres Fugger Rat. Sie Reinigungskraft bei der Polizeidirektion Heidelberg und damit Elviras Vorgesetzte. Und ganz nebenbei ist Theres auch noch die Tante des leitenden Kommissars.

Elvira Schäufele beschließt, Theres’ Herkunft, sie ist KURPFÄLZERIN!, und ihre seltsame Aufmachung zu ignorieren und mit ihr zusammen Jessica vor dem drohenden Gefängnis zu retten.

Kittelschürzig trifft resolut

Regionale Krimis erleben seit einigen Jahren einen Höhenflug. Dabei gerät oft aus dem Fokus, dass nicht alles, was mit Dialekt und regionalen Klischees daher kommt, auch automatisch witzig und/oder spannend ist.

Eiskalt weggewischt hat mich jedoch über weite Strecken amüsiert. Großen Anteil daran hat der Charakter der Elvira Schäufele. Vom ersten Augenblick hatte ich das Bild der kittelschürzigen, ständig leicht verkniffen schauenden Schwäbin im mittleren Alter vor Augen. Vermutlich ein Zeichen dafür, dass ich als Zugezogene (vor etwa 25 Jahren) immer noch nicht integriert bin.

Auch die resoluten Theres Fugger kann ich mir so gut vorstellen. Egal, ob sie ihren Neffen blamiert oder nicht, die Theres sagt dem Kommissar wo es lang geht.

Bei diesem Klamauk bleibt natürlich die Spannung auf der Strecke. Aber die erwartet bei einem “Putzfrauen-Krimi” vermutlich auch niemand wirklich.

Yvonne Schwegler

Yvonne Schwegler wurde 1973 geboren. Sie arbeitet seit ihrem Studium (Geschichte und Politologie) für die Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembrg. Sie ist Autorin mehrerer Kriminalstücke und -spiele. Außerdem hat sie als Co-Autorin eine Sammlung geschichtlicher Anekdoten zu Heidelberg (Mit ganz viel Herz) verfasst.

July Sjöberg

Juliy Sjöberg wurde 1966 geboren. Sie hat einen Magister in Kunstgeschichte und Volkswirtschaftslehre, entwickelt und inszeniert historische Veranstaltungen, unter anderem für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die Halbschwedin hat ihre Kindheit in Schwaben verbracht. Bereits seit der Schulzeit lebt sie als Wahlkurpfälzerin in der Umgebung des romantischen Heidelbergs.

Buchinfo: Eiskalt weggewischt von Yvonne Schwegler und July Sjöberg, erschienen bei Pfefferkorn, 14.03.2019, 284 Seiten, Taschenbuch, € 9,99, ISBN 9783944160276. Danke für das Leseexemplar.

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Gottlieb Daimler und das Kesselhaus: Zwei Schorndorfer, die gut zueinander passen #PlaceToBW

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Mercedes Benz trifft Kesselhaus. (Foto: Johannes Schlörb)

Schorndorf, 17. März 1834. In der beschaulichen Höllgasse 7, unweit des Marktplatzes, kommt Gottlieb Daimler zur Welt. Dass der Bäcker-Junge aus der Höllgasse zum berühmtesten Sohn der Stadt werden und unzählige Autofahrer im siebten Himmel schweben lassen würde, ahnte noch niemand.

Schorndorf ist die Daimlerstadt. Da führt kein Weg dran vorbei. Zwar gibt es mit Barbara Künkelin auch eine berühmte Tocher. 1688 verhinderte sie gemeinsam mit den “Schorndorfer Weibern” die Besetzung der Stadt durch die Franzosen. Aber wie so oft, sind es die technischen Errungenschaften, die der Nachwelt nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Willkommen im Daimler-Museum

Das Geburtshaus Gottlieb Daimlers kann noch heute besichtigt werden. Es liegt nur wenige Schritte vom historischen Marktplatz und damit dem Denkmal, das die Stadt dem Erfindert gesetzt hat, entfernt. 1979 erwarb Daimler Benz das Fachwerkhaus und restaurierte es aufwändig. Heute dient es als Museum.

Wer nach dem Museumsbesuch hungrig ist, dem sei ein Besuch im Kesselhaus empfohlen. Es liegt unweit von Altstadt und Bahnhof im “Arnold-Areal”, dem ehemaligen Industriegelände der “Arnoldschen Eisenmöbelfabrik”.

Wer die schwäbische Küche genießen will, ist hier richtig
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Der Rostbraten darf auf keiner schwäbischen Karte fehlen. (Foto: Johannes Schlörb)

Im strahlenden Oktober-Sonnenschein leuchtet das Backsteingebäude in heimeligen rot-orange Tönen. Bei knapp über 20 Grad können wir unser Mittagessen sogar noch im Biergarten genießen. Eigentlich ein Sakrileg bei dem speziellen Ambiente der Inneneinrichtung. Aber das lässt sich auch noch würdigen, wenn uns die Sonne nicht mehr verwöhnt.

Mit zwei Nichtschwaben im Team – einer davon hatte noch NIE Maultaschen gegessen – passt die Speisekarte perfekt. Käsespätzle, Maultaschen, Schweinelendchen in Rahmsauce, Rostbraten, Wurstsalat. Alles, was in der schwäbischen Küche Rang und Namen hat, ist vertreten. Ideal also, wenn man Besuch von “Außerhalb” hat oder sich als “Rei’g’schmeckter” (= in Baden-Württemberg neu zugezogen) eine Überblick über die lukullischen Besonderheiten der Region verschaffen will.

Für diejenigen, die auf Fleisch verzichten, gibt es eine kleine Auswahl an vegetarischen Gerichten. Veganer werden sich schwer tun, wie meist bei der klassisch schwäbischen Küche.

Backstein – eine Reminesszenz an die industrielle Vergangenheit
Das Bier wird selbst gebraut

Eine weitere Besonderheit des Hauses ist das frisch gebraute Bier. Nicht wirklich verwunderlich bei einem Kesselhaus. Sehr spannend: Die wechselnden Aktionsbiere, die es in allen möglichen Größen gibt. Auch zum Mitnehmen. Für die Weinliebhaber stehen unter anderem ein paar Klassiker vom Schorndorfer Grafenberg auf der Karte.

Baden-Württemberg – ein #PlaceToBW

Die Daimlerstadt war eine Station der #PlaceToBW Genusstour vom 07. bis 09. Oktober 2014.

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen.