Andreas Gruber: Rachewinter

Unmittelbar hintereinander sterben mehrere Menschen einen mysteriösen Tod. Alle waren vermögend, erfolgreich und völlig unauffällig. Und alle wurden kurz vor ihrem Tod mit einer aufregenden jungen Frau im roten Kleid gesehen. Ist sie die Mörderin? Kommissar Walter Pulaski aus Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers aus Wien ermitteln.

Rachewinter von Andreas GruberLeipzig. Ausgerechnet den mysteriösen Tod von Klaus Hinze muss Kommissar Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst aufnehmen. Der Tote liegt in einem heruntergekommenen Motel und hat eine lange, spitze Schere im Ohr. Auf den ersten Blick ein Unfall, doch Pulaski glaubt nicht daran. Er kennt den Toten. Hinze ist der Vater der besten Freundin seiner Tochter Jasmin.

Wien. Bei Dacharbeiten werden zwei junge Handwerker Zeugen eines brutalen Mordes im Nachbarhaus. Mit dem Handy nehmen sie die grausame Tat live auf. Ideale Voraussetzungen für die Polizei, sollte man meinen. Doch leider sieht man den Täter nur von hinten. Ein sehr schlanker junger Mann mit langem, dunklem Haar.

Verteidigt Evelyn Meyers einen Mörder?

Wien, am Tag danach. In der Kanzlei von Rechtsanwältin Evelyn Meyers meldet sich ein junger Mann. Schlank, mit langem, dunklem Haar. Die Polizei verdächtigt ihn, den Mord begangen zu haben. Evelyn Meyers soll seine Verteidigung übernehmen.

In den folgenden Tagen sterben auf mysteriöse Weise weitere Menschen. Alle waren beruflich erfolgreich und hatten auf den ersten Blick nur eines gemeinsam: Zum letzten Mal hat man sie in Begleitung einer großen, schlanken, jungen Frau im roten Kleid gesehen.

Erst als bei einem der Toten eine nicht natürliche Todesursache festgestellt wird, fügen sich die einzelnen Steine zu einem Bild zusammen. Pulaski und Meyers gehen gemeinsam auf die Jagd nach einem extrem kaltblütigen Täter.

Wenn Familiengeheimnisse den Tod bringen

Rachewinter von Andreas Gruber ist ein perfektes Buch für ein Wochenende auf der Couch. Vorausgesetzt, man ist nicht zu empfindsam. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mit dem Buch und dem eher störrischen Kommissar Pulaski warm zu werden, aber spätestens in Wien wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Rachewinter ist einer der Thriller, bei denen man schon früh weiß, wer der Täter oder die Täterin ist. Aber bis zum Schluss bleibt das “warum” unklar.

Ganz nebenbei gibt uns Andreas Gruber noch zwei Dinge mit auf den Weg:

  • Unterschätze nie Jugendliche, nur weil sie anders vorgehen als Erwachsene.
  • Eine schwarze Vergangenheit, die über Jahrzehnte hinweg totgeschwiegen wird, rächt sich irgendwann doch und dann meist auf sehr brutale Art und Weise.

Rachewinter war mein viertes Buch von Andreas Gruber und das erste aus der Pulaski/Meyers Reihe. Und wieder war ich gefesselt. Mir gefällt der Schreibstil und mir gefallen die überraschenden Wendungen. Und natürlich, dass ich miträtseln kann, was den Täter zu seiner Tat getrieben hat. Deshalb empfehle ich nicht nur dieses Buch sondern Andreas Gruber generell allen Krimi- und Thrillerfans.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Mit seinen bereits mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Buchinfo: Rachewinter von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 17.09.2018, Taschenbuch, 592 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48655-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Ule Hansen: Neuntöter

Berlin, Potsdamer Platz. Beim Klettern in einem Baugerüst macht ein Junge einen grausamen Fund. An den Gerüststangen hängen drei silbrig glänzende Kokons. Drei Menschen, von Kopf bis Fuß in Panzertape gewickelt. Emma Carow macht sich auf die Jagd nach dem Täter.

Neuntoeter von Ule HansenWas ist das für ein Mensch, der so kaltschnäuzig ist, seine Opfer an einem der belebtesten Plätze Berlins aufwendig zu installieren?

Diese Frage muss sich Emma Carow, Fallanalystin stellen. Ihr Aufgabe ist es, in den Kopf des Täters zu kriechen und ein möglichst genaues Profil seiner Beweggründe zu erstellen.

Schnell ahnt sie, dass es sich unmöglich um einen Einzeltäter handeln kann.

Morde als Gruppen-Event

Aber wie bringt man eine Gruppe dazu, Menschen einzufangen, in lebende Mumien zu verwandeln, um sie dann irgendwo aufzuhängen und elendig verhungern zu lassen? Welche Macht, welche Druckmittel muss der Anführer haben, damit das funktioniert? Ist das wirklich vorstellbar? Selbst in ihrem eigenen Team stößt sie mit ihrer Analyse auf Zweifler. Also ermittelt sie auf eigene Faust und bringt sich damit in Lebensgefahr.

Neuntöter ist mein zweites Buch von Ule Hansen. Nachdem ich Blutbuche, ein weiterer Thriller des Autorenduos, gelesen hatte, war ich von Emma Carow begeistert. Eine eigenbrötlerische, verschlossene, junge Frau, die so viel Schweres hat erleben müssen, gefällt mir. Schweres, das Fluch und Segen zugleich ist.

Einerseits haben ihre eigenen Erfahrungen sie zur perfekten Fallanalystin werden lassen, sie kann den Tätern förmlich in die Köpfe kriechen. Andererseits haben sie Emma misstrauisch gegen alle Zuwendung werden lassen und ihren Instinkt, wem sie vertrauen soll und wem nicht, empfindlich gestört. In Neuntöter bezahlt sie ihre Neugier deshalb beinahe mit dem Leben.

Emma Carow, eine schräge Heldin

Neuntöter, nach Blutbuche der zweite Thriller von Ule Hansen, den ich der Hand hatte, wird sicher nicht das letzte Buch des Autorenduos sein, das ich lese.

Falls ich euch jetzt angesteckt habe und ihr neugierig auf Emma Carow seid, fangt mit Neuntöter an. Dann wisst ihr, worum es geht, wenn in Blutbuche zurück geblickt wird. Kein Muss, aber auch kein Fehler.

Astrid Ule und Eric T. Hansen

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt.

Buchinfo: Neuntöter von Ule Hansen, erschienen bei HEYNE, 12.02.2018, 496 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-42185-1

Candice Fox: Fall

In Sydney ist Jagdsaison. Den Opfern, durchtrainierte, attraktive Joggerinnen, ist eines gemeinsam: Ihr Gesicht wurde brutal zertrümmert. Während alle Welt nach dem ominösen Parkmörder sucht, glaubt Eden Archer von der Mordkommission an eine Frau als Täterin und macht sich auf ihre Art an die Arbeit.

FallWas habe ich ihn herbeigesehnt, Band drei der Trilogie um Eden Archer und Frank Bennett. Band eins, Hades, hat mich sofort gefesselt. Klar, dass ich Teil zwei, Eden, lesen musste. Und wieder war ich begeistert. Unglaublich wie selbstverständlich Candice Fox das Böse skizziert und dafür sorgt, dass man Mörder verstehen und ihr Taten nachvollziehen kann.

Gegen den Keim des Bösen kommst du nicht an

Mit Fall, dem letzten Band der Trilogie, geht Candice Fox einen Schritt weiter. Widerfährt einem jungen Menschen wirklich Schlimmes, geht etwas in ihm unwiederbringlich kaputt. Die Hemmschwelle, andere Menschen sich in den Abgrund zu ziehen, sinkt. Das Leuchten in den Augen erlischt, wie Hades Archer es beschreibt.

So geht es Tara, die von ihrer coolen, attraktiven Mutter so lange gedemütigt wurde, bis sie ihr Leben in die eigene Hand genommen hat. Mit verhängnisvollen Konsequenzen. So ging es Amy, die mit ansehen musste, wie ihre Schwester die Eltern tötete. Doch während Amy einen Beschützer findet, der sie vor dem letzten Schritt bewahrt, zahlt Tara ihre dunkle Vergangenheit mit dem Leben und reißt dabei noch weitere Unschuldige mit sich.

Und kaum denkst du, das war’s jetzt, hat Candice Fox die nächste Überraschung parat

Auch wenn ich Fall als schwächsten der drei Thriller um Eden Archer und Frank Bennett empfunden habe, ist er immer noch hervorragend. Spannend bis zur letzten Seite auch wenn sich ziemlich früh abzeichnet, wer die Joggerinnen auf dem Gewissen hat. Candice Fox’ Gespür für unerwartete Wendungen an der exakt passenden Stelle tut das keinen Abbruch. Sie hat es wieder geschafft, mich so tief in ihren Bann zu ziehen, dass ich froh über das lange Wochenende war, an dem ich das Buch nicht so schnell aus der Hand legen musste.

Liebe Candice Fox, sag, dass das nicht das Ende war!

Im Gegensatz zu Hades und Eden war mir das Ende von Fall aber zu abrupt. Zu viele neue Wege wurden angedeutet, die nach Fortsetzung schreien und ich möchte wetten, dass Candice Fox sie wieder aufgreifen wird. Und seid euch sicher: Ich werde jeden Band davon lesen!

Fall bekommt also von mir eine ganz klare Leseempfehlung! Allerdings würde ich allen Interessierten die gesamte Trilogie ans Herz legen. Aber Vorsicht! Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt, dass ihr ab Band eins angefixt sein werdet!

Candice Fox

Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Für den ersten und zweiten Teil ihrer Trilogie, Hades und Eden, wurde sie 2014 und 2015 mit dem Ned Kelly Award ausgezeichnet.

Buchinfo: Fall von Candice Eden, erschienen bei Suhrkamp, 10.04.2017, 470 Seiten, Klappenbroschur, 15,95, ISBN: 978-3-518-46765-7

Killerinstinkt: Serienmördern auf der Spur

Was macht einen fürsorglichen Vater und Ehemann zum unbarmherzigen Killer. Warum beginnt ein Krankenpfleger, Patienten umzubringen? Stephan Harbort, Deutschlands bekanntester Experte für Serienmorde, setzt sich mit Tätern, Opfern und Angehörigen zusammen. In Killerinstinkt veröffentlicht er seine Aufzeichnungen zu einigen der spektakulärsten Mordfälle.

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(Cover: Ullsteinbuchverlage.de)

In den 90er Jahren geisterte der “Maskenmann” lange Zeit durch die Presse. Immer wieder tauchte er in Schullandheimen, Ferienfreizeit und sogar in Privathäusern auf, erschreckte, missbrauchte und tötete kleine Jungen. Jugendherbergen wurden zum Hochsicherheitstrakt umgerüstet, Freizeiten nicht mehr gebucht, Eltern hatten Angst um ihre Söhne.

Im Frühjahr 2011 wird der Täter endlich festgenommen. Drei Morde können ihm eindeutig nachgewiesen werden. Darunter auch der an Tobias Mohn, dessen Vater nie aufgegeben hat, die Tathergänge zu rekonstruieren und für den das Urteil – lebenslänglich mit anschließender sicherheitsverwahrung – alles im Leben war, worauf er noch hingearbeitet hat. Neun Tage nach der Urteilsverkündung stirbt der Vater. Plötzlich und unerwartet.

Sterbehilfe wider Willen

Thomas Bracht ist Krankenpfleger aus Berufung. Er will kranken Menschen helfen. Als ein seltsames Phänomen – der “Morbus Freitag” –  im Krankenhaus um sich greift, wird Thomas’ seelisches Gleichgewicht außer Kraft gesetzt. Er gibt den Patienten anderer Stationen, die übers Wochenende auf seine Station abgeschoben werden, weil sie “austherapiert” sind, ungefragt “aktive Sterbehilfe”. Sprich: Er bringt sie um, um – nach eigener Aussage – ihr Leiden zu verkürzen.

Diese und drei weitere Fälle aus seiner Tätigkeit als Serienmordexperte bei der Kriminalpolizei schildert Stephan Harbort in “Killerinstinkt”. Dabei befasst er sich nicht nur mit der “Karriere” der Mörder. Nein, er lässt auch tiefe Einblicke in die Leiden der Angehörigen und vor allem in die mühsame Kleinarbeit der Ermittler zu. Viele vermeintlich gute Spuren enden im Nichts. Immer wieder muss neu motiviert und von vorne begonnen werden. Gleichzeitig nimmt der Druck der Öffentlichkeit zu. Schließlich geht nichts über handfeste Beweise.

Stephan Harbort ist es gelungen, ein Buch über Serienmörder zu schreiben, dass auf keiner Seite die voyeuristische Ader, die uns allen gemein ist, anspricht. Durch die detaillierte Beschreibung der Polizeiarbeit und die tiefen Einblicke in das Leben der Angehörigen, zu deren Lebensinhalt es geworden ist, den Tod ihres Kindes aufzuklären, bleibt “Killerinstinkt” sachlich und neutral. Auch einer Wertung über die Täter enthält sich Harbort weitesgehend.

Für mich eine interessante Kombination, die mir mit etwas mehr “Fallgeschichte” und etwas weniger Detailverliebtheit was die Polizeiarbeit angeht, noch besser gefallen hätte.

Stephan Harbort

Stephan Harbort, geboren 1964 in Düsseldorf, ist Kriminalhauptkommissar und Deutschlands bekanntester Serienmord-Experte. Er entwickelte international angewandte Fahndungsmethoden zur Überführung von Serienmördern und ist als Fachberater für TV-Beiträge tätig.

Buchinfo: Killerinstinkt von Stephan Harbort, erschienen bei Ullstein, Dezember 2012, 298 Seiten, € 8,99, ISBN 9-783-548-37477.2
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