Ulrika Rolfsdotter: Beutetanz

An einem See nahe der schwedischen Kleinstadt Kramfors werden zwei Teenagerinnen erstochen aufgefunden. Ein drittes Mädchen liegt schwer verletzt im Koma. Tatverdächtig: Der 14-jährige Eddie Bylund. Doch Annie Ljung vom Jugendamt glaubt an seine Unschuld.

Annie Ljung, Mitarbeiterin beim schwedischen Jugendamt, kommt nach langer Zeit wieder zurück in ihre alte Heimat Kramfors. Nach dem Tod ihres Vaters fühlt sie sich verpflichtet, sich um ihre demente Mutter zu kümmern, die in einem Pflegeheim lebt und die meiste Zeit in ihrer eigenen Welt lebt. Dabei würde Annie so gerne mit ihr über die Vergangenheit reden. So viele Dinge sind unausgesprochen, so viele Dinge aus Annies Jugend unklar. Wie wichtig es ist, mit ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen, haben ihr die Gespräche mit ihrer Therapeutin gezeigt. Bei ihr hofft sie, ihre Ängste nach einem Brandanschlag auflösen und wieder Vertrauen in andere Menschen gewinnen zu können

Doch ihr Neustart verläuft ganz anders als geplant. An einem See werden zwei erstochene Mädchen gefunden. Ein drittes liegt schwer verletzt im Koma. Der Tat verdächtigt wird der 14-jährige Eddie Bylund, der dem Jugendamt bereits ein Begriff ist. Neben seiner Schule hat auch die Pfarrersfrau das Jugendamt informiert. Alle machen sich Sorgen um den Jungen, der mit seiner Mutter alleine lebt. Er ist sehr zurückgezogen und wurde von den Mädchen regelmäßig gemobbt. Aber hat er sie deshalb kaltblütig erstochen und sich dann in einem Erdloch versteckt? Annie glaubt es nicht. Es gelingt er, Eddies Vertrauen zu gewinnen und damit den entscheidenden Hinweis zur Lösung der Morde.

Gesellschaftlich brisante Themen in Krimiform

Drei junge Mädchen verletzen sich regelmäßig selbst. In einer therapeutischen Klinik lernen sie sich kennen, schließen Freundschaft. Mit verhängnisvollen Konsequenzen. Immer bedrohlicher werden die Mutproben, die sie sich selbst stellen. Ein Thema, das in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt, nicht zuletzt durch den Druck, dem junge Menschen durch Social Media ausgesetzt sind.

Auch Jugendliche wie Eddie sind überall präsent. Vernachlässigt, mit mangelndem Selbstwert und fehlendem Grundvertrauen. Schnell werden sie zum willkommenen Opfer, wenn Schuldige gesucht werden. Schublade auf, Schuldiger rein, Schublade zu. Es ist ja so einfach.

Insofern ist Beutetanz von Ulrika Rolfsdotter nicht nur ein spannender und komplexer Krimi, sondern behandelt auch gesellschaftlich brisante Themen. Genau deshalb haben mich die unzähligen Nebenschauplätz gestört. Annies Vergangenheit mit vielen nachvollziehbaren Problemen, die vermutlich nur dann gut verständlich sind, wenn man Band eins der Annie Ljung Reihe gelesen hat. Gleiches gilt für die Vergangenheit der jungen Kommissarin Sara, die den Fall betreut. Für den Psychiater der Klinik, in der die Mädchen sich kennengelernt haben. Für die Eltern der toten Mädchen. Und, und, und.

Kurz gesagt: Auch wenn das Hauptthema spannend war und einige falsche Fährten gelegt wurden, waren mir persönlich die Nebenschauplätze in Beutetanz zu viel. Für mich haben sie der Story den Schwung genommen.

Ulrika Rolfsdotter

Ulrika Rolfsdotter wurde 1977 in Ådalen in Nordschweden geboren, wo auch ihre Krimis spielen. Als Sozialpädagogin und kognitive Verhaltenstherapeutin hat sie sich um misshandelte Frauen und Suchtkranke gekümmert. Die Krimireihe um Sozialarbeiterin Annie Ljung ist von realen Fällen aus der Region inspiriert sind. Heute lebt die Autorin mit ihren beiden Kindern in Gävle.

Übersetzung aus dem Schwedischen durch Sabine Thiele.

Buchinfo: Beutetanz von Ulrika Rolfsdotter, erschienen bei Heyne, 11.12.2024, 480 Seiten, Klappenbroschur, € 16,00, ISBN 978-3-453-42903-1. Danke für das Leseexemplar.


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