Greser& Lenz: Made in Germany – 2016 war doch witzig?!

2016 war ein seltsames Jahr. Rückwirkend sind bei den meisten von uns wohl primär die unschönen Ereignisse hängen geblieben:

  • bildschirmfoto-2017-02-26-um-19-43-24Grenze dicht oder nicht
  • Deutschland hat nen rechten Rand
  • Papers aus Panama, sowas war noch nie da
  • Aus Schmähkritik wird große Politik
  • Ist der Trump wirklich so plump?
  • Petry und Meuthen wollen den Kanzlerstuhl erbeuten
  • Pokémon Go – So, so, so

Ich könnte noch eine Weile weitermachen, aber ich fürchte, meine Reimkünste werden nicht besser.

Made in Germany – Nichts für Weicheier

Wesentlich kreativer sind die Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz mit den Themen des Jahres umgegangen. Mit spitzer Feder und messerscharfen Pointen nehmen sie die kleinen und großen Aufreger ins Visier. Und wie es sich für Zeichner von Ruhm und Ehre gehört, gehen sie dabei nicht gerade zimperlich mit ihrem Gegenüber um.

Der Erfolg gibt den beiden recht. Seit 1996 findet man ihre Karikaturen regelmäßig in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Davor konnten sie ihren schwarzen Humor beim Satiremagazin Titanic ausleben.

Humor nach meinem Geschmack

Ein Humor, der sich sehr gut mit meinem eigenen deckt. Kein Wunder also, dass ich mich köstlich amüsiert habe. Einerseits weil manche Ereignisse einfach im Rückblick noch lächerlicher wirken, als sie es eh schon waren. Andererseits weil schwarzer Humor für mich ein Weg ist, Bedrohliches nicht zu nahe an mich heran zu lassen.

Meine Lieblingskarikatur ist übrigens „Der Wutgärtner von Schwerin“. Warum? Das müsst ihr selbst herausfinden. 😀 Lohnt sich. Versprochen!

Achim Greser und Heribert Lenz

Achim Greser und Heribert Lenz lernten sich beim Grafikstudium an der Fachhochschule Würzburg kennen. Seit 1996 zeichnen sie regelmäßig für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Made in Germany ist das zwölfte „Jahrbuch“ der beiden Karikaturisten. Wie die Vorgänger enthält es die besten Karikaturen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Jasper von Altenbockum, dem Innenpolitikchef der F.A.Z, sorgt mit kurzen Kommentaren für den gesellschaftspolitischen Kontext.

Buchinfo: Made in Germany von Achim Greser und Heribert Lenz, erschienen bei Frankfurter Allgemeine Buch, Dezember 2016, gebunden, 182 Seiten, € 17,90, ISBN 978-3-95601-176-4 Vielen Dank für das Leseexemplar.

Blogger schenken Lesefreude: Meine Kur hat einen Schatten von Oliver Pötzsch

Die Zeit verfliegt und so spät war ich mit meinen Beiträgen zur Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ zum Welttag des Buches noch nie dran. Aber das kann euch egal sein. Hauptsache es gibt was zu gewinnen!

Und das gibt es natürlich bei mir auch 2016 wieder.

Den ersten Titel, den ich ins Rennen schicke, ist

Meine Kur hat einen Schatten von Oliver Pötzsch

Oliver Pötzsch, Oliver Pötzsch? Den kenne ich doch!

Meine Kur hat einen Schatten

Ja, davon gehe ich aus. Zumindest bei allen, die historische Romane mögen. Denn mit der Serie um den Schongauer Henker Jakob Kuisl und seine Tochter hat Oliver Pötzsch den Durchbruch als Autor geschafft.

In „Meine Kur hat einen Schatten“ widmet er sich einem sehr viel ernsteren Thema, nämlich seinem Herzinfarkt, der ihn mitten aus dem Erfolg reißt. Dabei zeigt er, dass er nicht nur „historisch“ kann, sondern mit einem herzerfrischend morbiden Humor auch „komisch“.

Mich hat genau dieser Spagat zwischen lebensbedrohlicher Erkrankung und selbstironischem Umgang damit beeindruckt. Deshalb möchte ich dieses Buch auch euch ans Herz legen.

Will ich haben!

Du willst “Meine Kur hat einen Schatten” haben? Kannst du. Indem du mir im Kommentar unter diesem Beitrag – und nur da! – Folgendes verrätst:

Gab es in deinem Leben schon mal eine Situation, die dein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat. Und falls ja, magst du kurz beschreiben, was es war? Du musst es nicht, um an der Verlosung teilnehmen zu können.

Bitte beachte dabei folgende Punkte:

  • Hinterlasse ab sofort bis spätestens 30.04.2015 unter diesem Blogpost einen Kommentar. Beantworte darin die oben gestellte Frage.
  • Verlost wird ein Exemplar des o.g. Buches. Danke dafür an die Münchner Verlagsgruppe (mvg), die das Buch für die Verlosung zur Verfügung stellt.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 04.05.2015.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail- und Versandadresse werden von mir ausschließlich zum Versand des Buches verwendet.
  • Gib keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Und jetzt viel Glück und viel Spaß mit dem Buch!

Nicht dein Geschmack? Kein Problem. Vielleicht ist ja „Ich bin gleich da“ von Anne Köhler was für dich. Sowohl hier als auch auf Ulrike kommuniziert. Einfach mal nachsehen.

Sozialsatire: Der Zwerg reinigt den Kittel

“Frau mit Rentenschock und echten Zähnen sucht Gleichgesinnte(n). Bin Kettenraucherin und depressiv. Leide seit vierzig Jahren unter einer schweren Schlafstörung. Hobby: Gewaltphantasien. Zuschriften unter…” So könnte sie aussehen, die Anzeige, die Almut Block nach ihrer Pensionierung aufgeben würde. Doch dazu kommt es nicht. Der überraschende Anruf einer alten Freundin verspricht Spiel, Spaß und Spannung pur – zumindest auf den ersten Blick.

Sitzen vier Omas im Knast. Ok, klingt irgendwie komisch, ist es aber nicht. Zumindest nicht für Almut Block. Nach Jahrzehnten täglicher Maloche sorgt der Ruhestand bei ihr erst einmal für eine ausgewachsene Depression. Da helfen auch die Broschüren der Bundesfamilienministerin wenig, die nicht müde wird, zu betonen, welchen Stellenwert Ruheständler in der Gesellschaft haben und – dank Alterspyramide – künftig noch haben werden. Und wie wichtig es sei, sich als Best Ager weiterhin für die Gesellschaft einzubringen.

Auf zum “Happy Aging”

Doch zum Glück gibt es wirklich gute Freundinnen, die auch nach jahrelanger Funkstille genau dann für einen da sind, wenn man sie am nötigsten braucht. Gemeinsam starten sie das Projekt “Happy Aging”: Vier rüstigen Rentnerinnen beschließen, sich von ihren Krankenkassen Dauerurlaub all inklusive im Seniorenwohnheim spendieren zu lassen. Klar, ganz einfach wird das nicht werden, aber ein ausgekügelter Plan mit intensiver Einarbeitung in die Krankheitsbilder der Pflegestufe II sollte es schon richten.

So gut die Idee auch war, die Wirklichkeit ist es leider nicht. Zwar hatte niemand Ballermann Partys und Sangria aus Eimern erwartet, eine Endlagerstätte für senile Altlasten aber auch nicht. Und dann kommt diese Familienministerin noch mit ihrem dämlichen Pilotprojekt “Leuchtturm” daher. Das darf doch alles nicht wahr sein!

Doch was ist überhaupt Wirklichkeit im Leben von Almut Block? Die Freundinnen? Die Schlaflosigkeit? Oder das menschliche Versuchslabor, in dem sie gelandet ist?

Generation Altersheim: Versuchskaninchen wider Willen?

“Der Zwerg reinigt den Kittel” ist Sozialsatire der bösesten Art. Was als witzig-skurriles Seniorenstück beginnt, endet in einer durchaus vorstellbaren Lösung für den demographischen Wandel in unserer Gesellschaft. Warum sollen die ausgemusterten Senioren nicht als Versuchskaninchen ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung leisten? Schließlich steigt die Zahl der Alten kontinuierlich und die möchten gerne gesund und munter ihren Lebensabend genießen. Da könnte die heutige Generation Altersheim doch ruhig ihr Scherflein dazu beitragen. Aber vielleicht tut sie das ja längst. Vielleicht sind Personalknappheit und mangelnde Zuwendung ja Mittel zum Zweck? Wer von uns weiß schon so genau, was sich hinter so mancher Heimmauer abspielt? Dass die Wissenschaft hingegen bereit ist, auch große Opfer für ihre Erfolge in Kauf zu nehmen, das wissen wir.

Anita Augustins Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht. Vielleicht deshalb, weil ich mich kurz (aber nur ganz kurz) dabei ertappt habe, ein “Leuchtturmprojekt” als etwas andere Lösung für den demographischen Wandel unserer Gesellschaft gar nicht so doof zu finden. Schließlich wäre es sehr beruhigend, wenn man ohne die heute bekannten Zipperlein und ernsten Erkrankungen altern könnte. Und Tierversuche dafür wären dann auch überflüssig…

Anita Augustin
Geboren 1970 in Klagenfurt, hat in Wien Philosophie und Theaterwissenschaft studiert und an der Ersten Österreichischen Barkeeperschule ihr Diplom gemacht. Nach Stationen in New York und London lebt sie heute als freie Dramaturgin in Berlin.

Buchinfo: Der Zwerg reinigt den Kittel von Anita Augustin, erschienen bei Ullstein, August 2012, 336 Seiten, € 14,99, ISBN-13: 9783550080050