Susanne Kliem: Das Scherbenhaus

Stell dir vor, du hast einen Stalker. Einen Menschen, der dir Angst macht und sich weigert, deine Privatsphäre zu respektieren. Schweren Herzens beschließt du, deine gewohnte Umgebung zu verlassen und dich in der Anonymität der Großstadt zu verstecken. Doch dort wartet die Hölle auf dich.

Das Scherbenhaus von Susanne KliemDu läufst auf der Straße und hast das Gefühl, du wirst verfolgt. Du sitzt im Café und fühlst dich beobachtet, In deinem Briefkasten liegen Drohbriefe ohne Absender. Und dann kommst du eines Tages heim und spürst: Er war da! Dein Stalker ist in deiner Abwesenheit in deinen privatesten Bereich eingedrungen, hat deine Wäsche durchstöbert, dein Bad benutzt, aus deiner Tasse getrunken, Das ist der Moment, in dem Carla beschließt, die Flucht zu ergreifen.

Wenn die Flucht misslingt

Der Wunsch ihrer Schwester, einer erfolgreichen Berliner Architektin, kommt da gerade richtig. In der Hauptstadt hat sie sich ihr Traumhaus erbaut: Einen Palast aus Glas und Stahl, ultramodern, mit technischer Highend-Ausstattung und handverlesenen Mietern. In der Anonymität der Großstadt hofft Carla, ihren Frieden zu finden. Doch sie landet in einer Hölle aus Angst und Misstrauen.

Scherbenhaus von Susanne Kliem spielt mit der Psyche seiner Leser. Ziemlich früh hat man den Verdacht, welcher der Akteure wirklich böse ist. Was fehlt, ist ein Missing Link, der alle Ereignisse und Entwicklungen plausibel werden lässt.

Home, smart Home

Außerdem thematisiert Susanne Kliem ein sehr aktuelles Thema: Die smarte Wohnumgebung. So bequem es sein mag, wenn der Kühlschrank die Milch selbst bestellt und Alexa mit Siri aushandelt, wer den den Termin beim Zahnarzt vereinbart. Wenn sich aber jemand diese Form der Vernetzung zu Nutze macht und damit das Leben seiner Umgebung manipuliert, ist das alles andere als “smart”.

Von mir bekommt Das Scherbenhaus eine Leseempfehlung.

Susanne Kliem

Susanne Kliem wurde 1965 am Niederrhein geboren. Sie arbeitete als Pressereferentin für Fernsehserien von ARD und ZDF und für das größte deutsche Theaterfestival »Theater der Welt«. Seit 2009 schreibt sie Krimis, für die sie bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien von ihr der Roman „Trügerische Nähe“.

Buchinfo: Das Scherbenhaus von Susanne Kliem, erschienen bei carl’s books, Februar 2017, € 9,99, ISBN: 978-3-641-19743-8. Danke für das Lesesexemplar.

Christian V. Ditfurth: Giftflut

Europa befindet sich im Krieg. Anschlag folgt auf Anschlag. Dass sie zusammenhängen, ist offensichtlich. Doch wer steckt dahinter? Auf unorthodoxe Art und Weise nimmt Kriminalkommissar Eugen de Bodt die Ermittlungen auf. Findet er die Verantwortlichen, ehe Europa im Chaos versinkt?

Giftflut von Christian DitfurthIn Berlin wird der Leiter der Wasserwerke tot in seiner Badewanne aufgefunden. Fast zeitgleich sind weite Teile der Stadt kurzzeitig ohne Wasser. Fremde haben sich Zutritt verschafft und die Haupthähne abgedreht.

Vier Tage später. Spätabends in Berlin. Ein dumpfer Schlag ist zu hören. Dann vibriert der Boden. Wie bei einem Erdbeben. Kurz darauf zerreißt Sirenengeheul die abendliche Stille. De Bodt folgt den Einsatzwagen. Die Oberbaumstraße ist gesperrt, alles voller Blinklichter. Polizei, Feuerwehr, Ambulanzen. Von der Oberbaumbrücke ist nur noch ein Gewirr aus Steinen und Metall zu sehen. Dazwischen bunte Flecken. Die U1 und unzählige Autos, die sich gerade auf der Brücke befanden, als sie von irgendwem gesprengt wurde.

Die Rache der Inselstaaten?

Es folgen weitere Anschläge. In Berlin, in London, in Paris. Alle haben mit Wasser zu tun und alle fordern unzählige Todesopfer. Die Börsenkurse rauschen in den Keller, die Menschen sind verunsichert, die Politik sucht händeringend nach Erklärungen.

Klar ist: Wer diese Verbrechen begangen hat, verfügt über unendliche finanzielle Ressourcen. Und er arbeitet nur mit Profis. Was die Gruppe der Verursacher sehr stark eingeschränkt. Kriminalkommissar Eugen de Bodt nimmt mit seinem Team die Spur auf und schreckt dabei – wie üblich – vor unorthodoxen Methoden nicht zurück.

Giftflut ist das zweite Buch von Christian v. Ditfurth, das ich lese. Und wie bei Zwei Sekunden bin ich wieder begeistert.

Ich mag Storys, die mit kurzen Sätzen und direkter, schnörkelloser Sprache erzählt werden. Sie sorgen für Tempo und Spannung, was für mich einen harten Thriller ausmacht.

Themen, die die Welt aktuell bewegen

Auch mit der Themenwahl hat Christian v. Ditfurth mit Giftflut bei mir einen Volltreffer gelandet. Wie schon bei Zwei Sekunden ist sie top aktuell:

  • Klimawandel
  • Terrorismus
  • Bankenkrise
  • Korruption
  • Flüchtlingsbewegungen

Alle Szenarien, die v. Ditfurth in Giftflut skizziert, sind vorstellbar aber nicht vorhersehbar. Ich konnte mich problemlos darauf einlassen und mitgrübeln. Trotzdem war mir Kommissar de Bodt immer eine Nasenspitze voraus. Er ist eben doch der bessere Ermittler von uns beiden. 😉

Und dass mir seine unorthodoxe Arbeitsweise und sein unangepasster Charakter gefällt, wundert vermutlich keinen der mich kennt.

Kaufen, lesen, sich über die Welt Gedanken machen

Ich empfehle Giftflut von Christian v. Ditfurth allen, die auf temporeiche, detailliert erzählte und real vorstellbare Thriller stehen und freue mich schon auf sein nächstes Buch. Mir fallen da noch einige aktuelle Themen ein, die man auf diese Art an politisch uninteressierte Menschen bringen können.

Christian v. Ditfurth

Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in Berlin und in der Bretagne. Er hat zahlreiche Sachbücher geschrieben, zuletzt Deutsche Geschichte für Dummies. Neben Thrillern wie Der 21. Juli und Das Moskau-Spiel hat er Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht, die auch in den USA, in England, Australien, Frankreich, Spanien und Israel veröffentlicht wurden. Bei carl’s books erschien zuletzt »Zwei Sekunden. Kommissar de Bodts zweiter Fall«.

Buchinfo: Giftflut von Christian v. Ditfurth, erschienen bei carl’s books, 04.September 2017, 480 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, 15.00 Euro, ISBN: 978-3-570-58565-8, vielen Dank für das Leseexemplar.