Linda Louis: Wilde Waldküche

Es lässt sich nicht leugnen, der Herbst ist da! So richtig bewusst wurde mir das gestern auf dem Heimweg von meiner Friseurin. Die Strecke führt durch mehrere Waldstücke und fast handtellergroße Pilze haben mich daran erinnert, dass ich euch längst ein tolles Buch vom Hädecke Verlag vorstellen wollte: Wilde Waldküche von Linda Louis.

wilde-waldkucheIch erinnere mich noch gut, wie ich als Kind und auch noch als Teenager mit meiner Großtante im Spätsommer auf der Suche nach wilden Brombeeren durch den Wald gestreift bin. Erbeutet haben wir nicht nur saftige Beeren sondern auch unzählige Schrammen durch die Dornen. Aber der Geschmack der köstlich-fruchtigen Marmelade hat später alles wett gemacht. Gleiches gilt für den Holunder, nur ohne Schrammen. Dafür aber mit einer blau verspritzen Küche, bis die Dolden zu herbem Saft für leckeres Holundergelee verarbeitet war.

Heute wandelt meine Nichte auf diesen alten Pfaden. Im Frühjahr, wenn der Bärlauch den Wald satt grün färbt. Und überraschend viele Bekannte sammeln Pilze.

Dabei hält der Wald noch viel mehr bereit:

  • Brennnessel und Knoblauchrauke
  • Walderdbeeren und Waldmeister
  • Hagebutte und Haselnuss
  • Birke und Esskastanie
  • Wildkirsche und Walnuss
  • Rotkappen und Pfifferlinge

Linda Louis zeigt, wie, wann und wo man die Schätze des Waldes findet, wie man sie richtig erntet und zu man die Beute verarbeiten kann.

  • Exotische Frühlingsrollen mit Knoblauchrauke setzen die Frische der Produkte lecker in Szene
  • Hagebutten wandern in den Waldketchup
  • Junge Fichtentriebe werden zu Sirup  und Robinienblüten zu Likör verarbeitet
  • Und die heimischen Pilze landen in Suppen, Aufstrichen oder Aufläufen

Ein wirklich tolles Buch, das zeigt, wie viel unsere Natur zu bieten hat. Aber auch, was wir verlernt haben, zu nutzen.

Ich empfehle es allen, die sich intensiv mit einer sinnvollen Ernährung auseinandersetzen, denn wenn man in der Waldküche „einkauft“, gibt es die Bewegung als Kalorienausgleich frei Haus dazu.

Linda Louis

Seit vielen Jahren sammelt Linda Louis Wildpflanzen in den Wäldern ihrer französischen Heimat. An den Wochenenden streift sie durch den Forst, der weit entfernt von städtischen Gebieten oder bewirtschafteten Agrarflächen Bäume, Sträucher, Kräuter, Blumen und Pilze bietet, die eine wilde Küche im wahrsten Sinne des Wortes erlauben.

Buchinfo: Wilde Waldküche von Linda Louis, erschienen bei Hädecke, 320 Seiten, gebunden, € 29,90, ISBN 978-3-7750-0628-6

 

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Gottlieb Daimler und das Kesselhaus: Zwei Schorndorfer, die gut zueinander passen #PlaceToBW

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Mercedes Benz trifft Kesselhaus. (Foto: Johannes Schlörb)

Schorndorf, 17. März 1834. In der beschaulichen Höllgasse 7, unweit des Marktplatzes, kommt Gottlieb Daimler zur Welt. Dass der Bäcker-Junge aus der Höllgasse zum berühmtesten Sohn der Stadt werden und unzählige Autofahrer im siebten Himmel schweben lassen würde, ahnte noch niemand.

Schorndorf ist die Daimlerstadt. Da führt kein Weg dran vorbei. Zwar gibt es mit Barbara Künkelin auch eine berühmte Tocher. 1688 verhinderte sie gemeinsam mit den “Schorndorfer Weibern” die Besetzung der Stadt durch die Franzosen. Aber wie so oft, sind es die technischen Errungenschaften, die der Nachwelt nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Willkommen im Daimler-Museum

Das Geburtshaus Gottlieb Daimlers kann noch heute besichtigt werden. Es liegt nur wenige Schritte vom historischen Marktplatz und damit dem Denkmal, das die Stadt dem Erfindert gesetzt hat, entfernt. 1979 erwarb Daimler Benz das Fachwerkhaus und restaurierte es aufwändig. Heute dient es als Museum.

Wer nach dem Museumsbesuch hungrig ist, dem sei ein Besuch im Kesselhaus empfohlen. Es liegt unweit von Altstadt und Bahnhof im “Arnold-Areal”, dem ehemaligen Industriegelände der “Arnoldschen Eisenmöbelfabrik”.

Wer die schwäbische Küche genießen will, ist hier richtig
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Der Rostbraten darf auf keiner schwäbischen Karte fehlen. (Foto: Johannes Schlörb)

Im strahlenden Oktober-Sonnenschein leuchtet das Backsteingebäude in heimeligen rot-orange Tönen. Bei knapp über 20 Grad können wir unser Mittagessen sogar noch im Biergarten genießen. Eigentlich ein Sakrileg bei dem speziellen Ambiente der Inneneinrichtung. Aber das lässt sich auch noch würdigen, wenn uns die Sonne nicht mehr verwöhnt.

Mit zwei Nichtschwaben im Team – einer davon hatte noch NIE Maultaschen gegessen – passt die Speisekarte perfekt. Käsespätzle, Maultaschen, Schweinelendchen in Rahmsauce, Rostbraten, Wurstsalat. Alles, was in der schwäbischen Küche Rang und Namen hat, ist vertreten. Ideal also, wenn man Besuch von “Außerhalb” hat oder sich als “Rei’g’schmeckter” (= in Baden-Württemberg neu zugezogen) eine Überblick über die lukullischen Besonderheiten der Region verschaffen will.

Für diejenigen, die auf Fleisch verzichten, gibt es eine kleine Auswahl an vegetarischen Gerichten. Veganer werden sich schwer tun, wie meist bei der klassisch schwäbischen Küche.

Backstein – eine Reminesszenz an die industrielle Vergangenheit
Das Bier wird selbst gebraut

Eine weitere Besonderheit des Hauses ist das frisch gebraute Bier. Nicht wirklich verwunderlich bei einem Kesselhaus. Sehr spannend: Die wechselnden Aktionsbiere, die es in allen möglichen Größen gibt. Auch zum Mitnehmen. Für die Weinliebhaber stehen unter anderem ein paar Klassiker vom Schorndorfer Grafenberg auf der Karte.

Baden-Württemberg – ein #PlaceToBW

Die Daimlerstadt war eine Station der #PlaceToBW Genusstour vom 07. bis 09. Oktober 2014.

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen.

Rundum lecker: Schneebällchen mit Milchsoße und Birnenspalten

Schneebällchen beziehungsweise gekochte Klöße werden üblicherweise mit Sauerbraten und Rotkohl serviert. Die im Saarland verbreitete Variante mit einer Milchsoße und süßer Beilage sind aber mindestens genauso gut. Hier die Zutaten für das traditionell saarländische Gericht.

Küche, Saarland
Typisch saarländisch: Fruchtig süß ergänzt herzhaft-deftig. (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA)

Die Entscheidung, alte saarländische Gerichte in meinen Blog aufzunehmen, gefällt mir immer von Mahl zu Mahl besser.  Schließlich kommen dadurch öfter als sonst leckere Sachen auf den Tisch, die ich schon länger nicht mehr gegessen habe. So zum Beispiel Schneebällcher med Millichsoß unn Biereschnitz.

Deftig trifft süß

Die Kombination aus deftigen Knödeln, salziger Soße und süßer Beilage ist für viele sicher ungewohnt. In der saarländischen Küche ist sie gar nicht so selten. Hier werden süße Pfannkuchen oder Obstkuchen zum Beispiel gerne mit Gemüseeintöpfen serviert. Klassisch: Schnibbelchesbohnesupp mit Quetschekuche. Das Rezept folgt dann irgendwann im Herbst, wenn es frische Bohnen und Zwetschgen gibt.

Kleine Vorarbeiten

Schneebällchen mit Milchsoße und Birnenschnitzen können unterschiedlich viel Aufwand bereiten. Macht man die gekochten Klöße komplett selbst, muss man die Kartoffeln dafür z.B. am Vortag kochen. Rezepte hierfür gibt es überall im Netz.

Ich persönlich bevorzuge die schnelle Variante. Es gibt inzwischen sehr leckere Fertigteige in der Kühltheke. Vorarbeiten adé und Gelingen-Garantie inklusive. Angeboten werden sie als „Gekochte Klöße“ oder auch „Seidenknödel“. Also nicht zu verwechseln mit rohen, halb und halb, bayrischen oder Thüringer Klößen, die ganz bzw. überwiegend aus rohen Kartoffeln bestehen.

Den Kompott bereite ich auch am Abend vorher zu (dauert nur ein paar Minuten), damit er über Nacht durchziehen kann.

Die Zutaten (für zwei Personen)
  • 1 Paket Seidenknödel (beim Durchkneten erklärt sich der Name von selbst)
  • 1 altbackenes Brötchen (Brot geht natürlich auch) in kleinen Würfeln
  • etwas Butter
  • ca. 250 ml Milch
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 2 Birnen (nicht zu weich)
  • Dörrpflaumen (Menge nach Belieben)
  • Wasser oder Weißwein oder beides gemischt
  • Vanille
  • 1 Zimtstange
Los geht’s am Vorabend mit dem Kompott
  • Birnen schälen und in Spalten schneiden
  • Wasser/Wein in einem kleinen Topf erhitzen
  • etwas Vanille und die Zimtstange dazugeben
  • wenn die Flüssigkeit kocht, die Birnen einlegen und bei geringer Hitze einige Minuten dünsten. Sie sollten noch gut „bissig“ bleiben
  • Dörrpflaumen dazu

Herdplatte abschalten und das Obst über Nacht bei Raumtemperatur ziehen lassen. Durch die Pflaumen und den Zimt wird der Sud leicht sirupös und sehr lecker.

Saarland, Essen
Birnenschnitz mit Dörrpflaumen – super lecker im Winter. (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA

Reste des Kompotts schmecken übrigens prima mit Joghurt oder im Müsli.

Und jetzt zu den Schneebällchen

Wie bereits erwähnt, heißen gekochte Klöße im Saarland Schneebällchen. Sie sind auch etwas kleiner als normale Knödel, etwa Mandarinengröße. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Der Teig ist sehr viel zarter als bei rohen Klößen und neigt – laut meiner Mutter – mehr dazu, auseinander zu fallen, wenn die Knödel zu lange im Wasser bleiben.

  • Knödel nach Rezept bzw. Packungsbeschreibung zubereiten
  • Butter (das Stück sollte nicht zu klein sein) in einer Pfanne schmelzen lassen
  • Brotwürfel darin anrösten
  • sind die Würfel rundum schön knusprig, aus der Pfanne nehmen und beiseite stellen
  • Milch in die Pfanne gießen, in der vorher die gerösteten Brotwürfel (auf saarländisch übrigens Kerschdcher) waren
  • mit Salz, Pfeffer und etwas Muskat abschmecken.
  • Knödel in eine Schüssel geben, Milchsoße darüber und Kerschdcher on top
  • Kompott dazu reichen
Tipp für misstrauische Esser

Wem die Kombination aus deftig und süß suspekt ist, der tastet sich einfach mal vorsichtig heran und serviert das Obst auf einem Extra-Teller.

Welche Einflüsse die saarländische Küche u.a. geprägt haben, ist unter Kochlust nachzulesen.
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