Alyson Richman: Abschied in Prag

Lenka und Josef treffen sich in den 1930-er Jahren in Prag zum ersten Mal. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Als die Kriegsgefahr steigt, beschließen sie zu heiraten. Nichts soll sie trennen. Doch es kommt anders. Der Krieg nimmt auf ihre Liebe keine Rücksicht. Erst sechzig Jahre später sehen sie sich wieder.

Abschied in Prag von Alyson RichmanLenka studiert in Prag an der Kunstakademie. Als sie Josef, den Bruder ihrer Studienkollegin Veruska, kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch die Repressalien gegen jüdische Familien, Josef und Lenka sind Juden, nehmen von Tag zu Tag zu und machen Lenkas Herz schwer.

1939. Die Nazi-Herrschaft lässt sich auch in Prag nicht mehr leugnen. Trotz oder gerade wegen des nahenden Krieges beschließen Lenka und Josef, der Welt zu zeigen, dass sie für immer zusammengehören. Sie heiraten.

Zur gleichen Zeit. Josefs Vater sucht auf dem Schwarzmarkt Visa für Amerika. Er will sich und seine Familie vor den Nazis in Sicherheit bringen. Verzweifelt versucht Josef, ihn zu überzeugen, auch Lenkas Familie mit den entsprechenden Papieren zu versorgen. Vergebens.

Der Krieg trennt das junge Paar. Während Josef sich in Amerika als Arzt niederlässt, überlebt Lenka nur knapp das Lager Theresienstadt. Jeder denkt, der andere sei tot.

Nach sechzig Jahren treffen Sie sich per Zufall in New York wieder.

Eine bezaubernde, eine brutale Liebesgeschichte

Abschied in Prag von Alyson Richman ist ein bezauberndes Buch. Durch die konsequente Trennung der Erzählperspektiven von Lenka und Josef hat mich das Schicksal der beiden Menschen tief berührt. Aber es hat mir auch gezeigt, dass man die Hoffnung niemals aufgeben sollte. Dass es sich immer lohnt, für das zu kämpfen, was einem wirklich wichtig ist.

Alyson Richman kommt bei ihrem Buch völlig ohne Schuldzuweisungen und übertriebene Rührseligkeit aus. Genau das macht Abschied von Prag so authentisch.

Meine Empfehlung: Kaufen, lesen und mit Lenka und Josef von der großen Liebe träumen.

Alyson Richman

Die amerikanische Bestsellerautorin Alyson Richman hat bereits mehrere Romane verfasst, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Zuletzt erschien Ein italienischer Garten im Diana Verlag. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern auf Long Island, New York.

Buchinfo: Abschied in Prag von Alyson Richman, erschienen bei Diana, 11.12.2017, 384 Seiten, €10,99, ISBN: 978-3-453-35959-8

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Jan-Christoph Nüse: Operation Bird Dog

Deutschland 1948. Reichsmark und Rentenmark sind zur Farce verkommen. Ihre Kaufkraft sinkt von Tag zu Tag. Der Schwarzmarkt boomt. Die Währungsreform soll den Verfall stoppen und das Land wieder geschäftsfähig machen. Doch nicht alles läuft wie geplant.

Operation Bird DogWeihnachten 1948. Sanitäter finden den 14-jährigen Carl Wrede bewusstlos im Wohnzimmer. Daneben seine Eltern, beide tot. Alles sieht nach Selbstmord aus. Aber was soll den erfolgreichen Bankier Dr. Victor Wrede dazu bewogen haben? Nur wenige Monate zuvor war er doch maßgeblich an der Umsetzung der Währungsreform beteiligt.

Zehn Jahre später beschließt Carl, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Von Anfang an hat er einen Selbstmord seiner Eltern bezweifelt. Wegbegleiter seines Vaters, darunter der renommierte Journalist Jennings, raten ihm ab. Doch Carl lässt sich nicht aufhalten und stößt auf einen Sumpf aus Korruption, Einschüchterung und Gewalt, der unzählige Alt-Nazis zu neuem Reichtum verholfen hat.

Geschichte kann so spannend sein

Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse verbindet geschickt reale Vergangenheit und Fantasie. Damit lud er mich ein, mich eingehender mit diesem Teil deutscher Geschichte zu befassen. So wirklich detailliert habe ich mich mit der Währungsreform nie auseinander gesetzt.

Allerdings kannte ich noch einiges aus den Erzählungen meiner Großeltern und war deshalb von den unsauberen Verwicklungen im Hintergrund nur teilweise überrascht. Die Skrupellosigkeit mit der sich verdeckt lebende Nazis bereichert und unbehelligt neuen Wohlstand “erarbeitet” haben, hat mich dennoch überrascht. Auch die Art und Weise, wie an der Meinung der Bevölkerung vorbei agiert wurde, ist heute nur noch schwer nachvollziehbar.

Deshalb danke ich Jan-Christoph Nüse für diesen Krimi, der nicht nur für Carl Wrede, die Hauptperson des Buches, Licht in das Dunkel eines spannenden Teils unserer Vergangenheit bringt. Operation Bird Dog lohnt sich wirklich.

Jan-Christoph Nüse

Jan-Christoph Nüse wurde 1958 in Dortmund geboren, ging in Würzburg zur Grundschule und studierte Sozialwissenschaften, Germanistik und Politikwissenschaften in Bochum und Hagen. Er arbeitet als Redakteur und Reporter beim Fernsehsender Phoenix in Bonn und Brüssel. Für seine Berichterstattung über Wirtschaft und Politik wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er hat einen Sohn und lebt seit zehn Jahren wieder in seiner Heimatstadt Dortmund. Operation Bird Dog ist sein erster Kriminalroman.

Buchinfo: Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse, erschienen bei Gmeiner, März 2018, 420 Seiten, Klappenbroschur Premium, € 15,00, ISBN 978-3-8392-2283-6. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Karl Olsberg: Die achte Offenbarung

Dem Historiker Paulus Brenner fällt ein uraltes verschlüsseltes Manuskript in die Hände. Angeblich stammt es aus dem Nachlass seiner Familie. Mit großer Begeisterung macht er sich daran, den Geheimcode zu knacken. Doch je weiter er kommt, umso mysteriöser wird die Geschichte. Kann es sein, dass es wirklich so etwas wie Vorhersagen gibt oder spielt jemand ein böses Spiel mit ihm?

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(Cover: aufbau-verlag.de)

Paulus Brenner führt ein unspektakuläres Leben als Historiker an der Universität Hamburg. Als sein Vorgesetzter ihm ein Seminar für mittelalterliche Kryptologie für Laien aufs Auge drückt, ist er überhaupt nicht begeistert. Kein Wunder also , das er wenig motiviert ist, als nach der Veranstaltung ein Teilnehmer auf ihn zu kommt und ihn in ein Gespräch verwickeln will. Erst als dieser seine Großmutter anspricht, die im zweiten Weltkrieg gestorben ist, weckt er Paulus’ Interesse.

Was hat es mit dem Manuskript auf sich?

Beim gemeinsamen Abendessen übergibt der Fremde Paulus ein sehr altes verschlüsseltes Manuskript, das sich angeblich bereits seit mehreren Generationen im Besitz von Paulus’ Familie befindet. Seine Großmutter habe es dem Vater des Fremden mitgegeben, als dieser nach Amerika auswanderte um sich und damit das Buch vor den Nazis in Sicherheit zu bringen.

Kaum daheim angekommen, stürzt sich Paulus in die Decodierung des Manuskripts. Was er anfangs für eine Scharlatanerie hält, entpuppt sich mehr und mehr als Bedrohung für sein Leben und für die gesamte Welt. Doch weder die Polizei noch sein Umfeld glauben ihm.

Zur gleichen Zeit verschwindet aus einem US-Labor hoch gefährliches genetisches Material. Gibt es zwischen beiden Vorfällen Verbindungen?

Fundiert recherchiert – Olsberg eben!

Bücher von Karl Olsberg stehen immer für gute Unterhaltung. Das steht außer Frage. Die Szenarien sind meist so gewählt, dass man sie sich tatsächlich real vorstellen kann. Deshalb bin ich ein Olsberg-Fan.

“Die achte Offenbarung” hat mich allerdings nicht so richtig gepackt. Mir war die Entschlüsselungsgeschichte zu langwierig, auch wenn man dabei tatsächlich einen guten Einblick in die Techniken bekommt und miträtseln kann.

Ähnlich ging es mir mit den Verwicklungen mit der Studentin Mele und ihrem Mitbewohner Dirk. Etwas weniger Dirk wäre durchaus in Ordnung gewesen.

“Die achte Offenbarung” glänzt durch Einblicke in die Geschichte, in den Umgang mit alten Codierungen und in die Genetik und ist durchaus spannend. Aber Karl Olsberg hat solche Einblicke schon besser verpackt. Vielleicht ist genau das das Problem: Wenn man sonst sehr gut ist, provoziert ein wirklich gutes Buch bereits Kritik.

Von mir gibt es trotzdem oder gerade deswegen eine Leseempfehlung.

Karl Olsberg

Karl Olsberg (geb. 1960) promovierte über Anwendungen Künstlicher Intelligenz, war Unternehmensberater, Marketingdirektor eines TV-Senders, Geschäftsführer und erfolgreicher Gründer zweier Unternehmen in der „New Economy“. Er wurde unter anderem mit dem „eConomy Award“ der Wirtschaftswoche für das beste Start Up 2000 ausgezeichnet. Heute arbeitet er als Unternehmensberater und lebt mit seiner Familie in Hamburg. Bislang erschienen seine Thriller „Das System“, „Der Duft“, „Schwarzer Regen“, „Glanz“ sowie das Sachbuch „Schöpfung außer Kontrolle“. Mehr vom und zum Autor unter: http://www.karlolsberg.de.

Buchinfo: Die achte Offenbarung von Karl Olsberg, erschienen bei Aufbau Taschenbuch, März 2013, 464 Seiten, € 9.99, ISBN 978-3-7466-2917-9

Mehr Spannung gibt es hier:

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