Rudolf – Der Kaffee aus Schorndorf

Ich gestehe: Ein Morgen ohne meine heißgeliebte Latte Macchiato ist ein schlechter Morgen. Ehe das Notebook aufgeklappt wird, muss der erste Schluck genüsslich geschlürft sein. Das ist der große Luxus, den man als Cloudworkerin von daheim aus arbeitet.

Foto 1Mein Vollautomat mahlt die frisch geröstete Bohne meiner Wahl im perfekten Mahlgrad und der für mich passenden Stärke. Die Milch für die Latte Macchiato wird frisch aufgeschäumt. Dann fließt der Kaffee langsam auf auf den fluffigen Schaum und hinterlässt ein appetitliches Muster auf der Oberfläche (ok, das ist gelogen, ich bin keine Barista, aber es klingt lecker). Langsam bilden sich die typischen drei Schichten aus:

  • warme Milche
  • leckerer Kaffee
  • reichlich luftiger Milchschaum

Als überzeugter Fan regionaler Produkte bin ich im Winter 2015 über den Kaffee der Firma Rudolf in Schorndorf gestolpert. Klar können auch die in unseren Breiten keinen Kaffee anbauen, aber sie rösten ihn besonders schonend im Langzeitröstverfahren. Dann wird jede Bohne doppelt handverlesen. Eine Arbeit, die ich mir vor einigen Tagen anschauen konnte.

Die Guten in Töpfchen, die Schlechten in Kröpfchen

In atemberaubender Geschwindigkeit wandern die frisch gerösteten Bohnen über ein Band und genauso flink sortiert Herr Rudolf kleine Steinchen und zu schwach oder zu stark geröstete Bohnen aus. Wichtig dabei: Gleichbleibendes Licht. An einem wolkigen Tag wie bei meinem Besuch muss der Arbeitsraum abgedunkelt und mit künstlichem Licht gearbeitet werden, um gleichbleibende Qualität zu garantieren.

Auf meine Frage, wie lange man braucht, bis man beim Sortieren eine solche Geschwindigkeit erreicht, schmunzelt Herr Rudolf

Ich habe den Beruf richtig gelernt und mache das jetzt seit rund 45 Jahren…

Beim Zusehen genieße ich einen der besten Espressi, die ich seit langer Zeit getrunken habe. So richtig voll und rund im Mund. Samtig, schwer zu beschreiben. Da kratzt nichts, da ist keine bittere Note, keine Säure. Einfach nur guter Espresso. Und das von der Hausmarke, also eigentlich ein Allrounder für den Vollautomaten. Den nehme ich auf jeden Fall mit. Er sollte perfekt sein, wenn Besuch kommt. Stark genug für meine Latte Macchiato, weich und vollmundig genug für die klassische Tasse Kaffee.

Foto 3

 

 

In meinen Einkaufskorb wandert auch ein Espresso Oro Nero, ein feiner, kräftiger Espresso mit sehr dunkler Röstung. Darauf bin ich auch schon sehr gespannt.

Die Auswahl ist groß

Wer in die schlichte Halle kommt, die neben der Produktion auch dem Verkauf auch die Fertigung beherbergt, sollte sich vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen. Schlichte Ausstattung bedeutet in diesem Fall die Reduktion auf das Maximum. Das Maximum an gutem Geschmack.

Hier ein Überlick:

  • Arabica: Aus Zentralamerika und Ostafrika, absoluter Spitzenkaffee ohne Säure
  • Schorndorfer Kaffee: Milder Filterkaffee ohne Säure, harmonisch und weich
  • Exquisit: Rudolfs bester Filterkaffee, sehr fein, elegant und weich, feiner Arabica
  • Café Creme: Kräftiger, würziger Kaffee für Vollautomaten und Filter, Arabica und Robusta
  • Schümli: Feiner, milder Einsteiger für den Vollautomaten, Arabica und Robusta
  • Hausmarke: Allrounder für den Vollautomaten, dunkle Röstung, feine Schoko-Note
  • Spezialmischung: Milder, feiner Filterkaffee, Arabica und Robusta
  • Mexiko: Kräftiger, würziger Filterkaffee mit leichter Hasenussnote, Arabica aus Mexico, Honduras und Ostafrika
  • Entcoff: Sehr weich und mild
  • Italienischer Espresso: Typisch italienisch, sehr kräftig
  • Espresso Oro: kräftigster Espresso für DEN Espressoliebhaber, leicht herb, Geschmack nach Bitterschokolade
  • Espresso Oro Nero: feiner, kräftiger Espresso, fein abgestimmt aus Arabica und Robusta
  • Maragogype: auch Elefanten- oder Riesenbohne, mild, samtig, nussig im Geschmack
  • Jamaica Blue Mountains: Sehr edler, voller Geschmack, weicher Charakter mit feinem Schokoduft

Saisonal gibt es auch noch kleine Extras, z.B. Rudolfs Weihnachtsmischung, die ich letztes Jahr verschenkt habe. Auch fair gehandelte Produkte werden angeboten.

Ein tiefer Blick in die Kaffeewelt

Ab 20 Personen kann man sich von Gerhard Rudolf auch ganz individuell in die Geheimnisse der Kaffeewelt einführen lassen. Oder man wartet einfach auf die Umstellung der Uhr auf die Winter- bzw. Sommerzeit. Dann ist bei Kaffee Rudolf Tag der offenen Tür und man kann einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Übrigens, die Rösterei Rudolf gehört zu den wenigen verbliebenen Unternehmen, die noch selbst rösten. Nicht nur für den eigenen Verkauf, sondern auch für diverse Kaffeehändler, die zwar ihre individuelle Hausmarken verkaufen, aber eben nicht selbst rösten.

Wer jetzt Lust auf guten Kaffee aus dem Remstal bekommen hat, der kann entweder Montag bis Freitag von 07:30 Uhr bis 18:00 Uhr, samstags von 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr beim Röstereiverkauf vorbei kommen, im Online-Shop bestellen oder sich in den regionalen Supermärkten umsehen.

Ich verspreche: Es lohnt sich!

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Regional und saisonal kochen und essen im Remstal

Seit 5 Jahren ist das Remstal meine Wahlheimat. Und genauso lange ist der Sommer essenstechnisch meine liebste Jahreszeit.  Schuld daran sind die unzähligen Obst- und Gartenbaubetriebe, die ganzjährig ihre regionalen und saisonalen Produkte anbieten. Zu einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis, denn weder für Zwischenhändler noch für lange Transportwege entstehen viele Kosten. Das Ergebnis: Sensationell frische Ware und eine schier unendliche Vielfalt – zumindest von Sommer bis Herbst. Was ja normal ist, schließlich haben wir in Deutschland bislang nur eine Vegetationsperiode.

Einkaufen kann man entweder in diversen Hofläden oder per „Drive-in“, also an Ständen vor den Häusern, an denen man sich wegnehmen kann, was man möchte. Das Geld wirft man in eine Kasse.

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Sommervielfalt aus dem Hofladen (CC: by-nc-sa)

Mein Lieblings-Frische-„Dealer“ ist dabei der Hofladen der Familie Frank. Weinbau, Obstbau, Brennerei, alles in einer Hand. Und was nicht selbst angebaut wird, wird – soweit möglich – in der „Nachbarschaft“ zugekauft. Eier aus dem Nachbarort, handgemachte Nudeln gleich dazu (sehr zu empfehlen!). Ein Imker „vermarktet“ einen Teil seines Honigs im Laden. Gurken kommen im Sommer von der Schwester der Ladeninhaberin und an den eigenen Tomaten läuft man vorbei, wenn man den Hof überquert. Annabelle, die Frühkartoffel für den perfekten schwäbischen Kartoffelsalat, ist so lecker, dass ich schon Care-Pakete zu meiner Mutter ins Saarland schicken musste. Und dann ist da noch der Schnaps… Herrlich!

Sommerzeit ist Beerenzeit

Aktuell überwiegen bei Familie Frank die leuchtenden Farben der Beerensaison. Dunkelrote Erdbeeren, nachtschwarze Brombeeren, dunkelrosé Himbeeren, rötlichbraune Süßkirschen, rote Sauerkirschen, dunkelblaue und feuerwehrrote Johannisbeeren, saftiggrüne Stachelbeeren. Die Auswahl fiel wirklich schwer, klar war nur, die rotwangigen Aprikosen aus eigenem Anbau mussten auf jeden Fall mit.

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Obstausbeute (CC: by-nc-sa)

Nicht mehr lange, dann gibt es wieder Mirabellen

In ein paar Wochen folgen dann Mirabellen, Pflaumen, Zwetschgen, Birnen, Äpfel. Äpfel esse ich übrigens erst wieder, seit ich im Remstal wohne und den Hofverkauf der Familie Frank entdeckt habe. Obwohl er nur wenige Minuten von mir entfernt ist, liegt er doch etwas versteckt in einer schmalen Seitenstraße. Aber zurück zu den Äpfeln. Lange Zeit hatte ich keine Lust mehr, so richtig herzhaft in einem Apfel zu beißen. Irgendwie hat sich das komisch angefühlt, anders als früher daheim. Der Grund dafür war die Vorbehandlung des Obstes, ehe es in die Supermärkte und Läden kommt. Im Remstal bekomme ich Äpfel frisch vom Baum, die schon im Auto richtig lecker duften und denen ich nie lange widerstehen kann. Meist ist der erste schon gegessen, ehe ich daheim bin. Diese Äpfel schmecken wieder so, wie ich es schon als Kind kannte.

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Mit den Hofläden ist einfach gut Kirschenessen! (CC: by-nc-sa)