München 1962. Die Drogistentochter Marie Graf soll den Traum ihres Vaters wahr werden lassen. Sie soll Pharmazie studieren, was ihm durch den Krieg verwehrt blieb. Doch Maries Herz schlägt für das Schreiben.

Die zwanzigjährige Marie Graf scheint der Traum aller Eltern zu sein. Höflich, freundlich, zurückhaltend und hilfsbereit. Ohne Murren steht sie Stunden in der Drogerie der Eltern, verkauft Anti-Falten-Cremes an zahlungskräftige Damen und die vom Vater selbst entworfene Pickeltinktur des Vaters an Teenager, auf die er so stolz ist. Noch immer hängt er seinem Traum von der eigenen Apotheke nach. Der Traum, den der Krieg und seine Verletzung zerstört hat. Der Traum, den Marie jetzt stellvertretend verwirklichen soll. Gemeinsam wollen sie Cremes und Tinkturen entwickeln und sich im aufstrebenden München einen Namen machen. So seine Vorstellung.
Wir müssen unsere eigenen Träume leben
Blöd nur, dass Marie ganz andere Träume hat. Schnell hat sie gemerkt, dass Pharmazie für sie nicht das Richtige ist. Immer öfter schwänzt sie die Vorlesungen und Praktika, denn ihre Liebe gehört dem Schreiben. Heimlich bewirbt sie sich für die Journalist:innenschule. Die Eltern will sie erst informieren, wenn sie eine Zusage hat. Weil sie Angst vor der Reaktion hat. Sie werden maßlos enttäuscht sein, aber sie kann nicht das Leben ihrer Eltern leben. Sie muss ihre eigenen Wege gehen. Unterstützt wird sie nur von ihrem Onkel Julius, der im Pflegeheim lebt.
Tatsächlich gelingt es Marie, einen Fuß in die Tür einer renommierten Münchener Zeitung zu setzen. Aber dafür zahlt sie einen hohen Preis!
Die schwere Last der Nachkriegskinder
Ich habe schon viele Bücher über das Leben junger Frauen der Nachkriegsgeneration gelesen und so oft haben sie mich leicht aggressiv zurückgelassen. Für mich ist es nur schwer zu ertragen, wie sehr man diesen Frauen in ihr Leben gepfuscht hat. Wie sehr sie das leben mussten, was ihre Eltern wegen des Krieges nicht konnten. Und wie unfassbar groß die Unterschiede waren, die zwischen Jungen und Mädchen gemacht wurden. Auch Marie erlebt das, weil sie ihren Traum leben will. Vor allem bei der Mutter stößt sie auf völliges Unverständnis. Doch Marie weiß: Wenn sie je glücklich werden will, muss sie ihre Ziele unbeirrt verfolgen.
Teresa Simon hat Band eins der Reihe um Marie Graf mit einem fulminanten Cliffhanger abgeschlossen. Band zwei erscheint im August. Ich bin gespannt!
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Edit: Inzwischen ist Band zwei der Reihe erschienen. Die Reporterin – Worte der Wahrheit bekommt von mir auch wieder eine Leseempfehlung.
Teresa Simon
Teresa Simon ist das Pseudonym der promovierten Historikerin und Autorin Brigitte Riebe. Sie ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale und lässt sich immer wieder von historischen Ereignissen und stimmungsvollen Schauplätzen inspirieren. Die SPIEGEL-Bestsellerautorin ist bekannt für ihre intensiv recherchierten und spannenden Romane, die tiefe Emotionen wecken. Ihre Romane »Die Frauen der Rosenvilla«, “Die Holunderschwestern”, “Die Oleanderfrauen” und “Glückskinder” wurden alle zu Bestsellern.
Buchinfo: Die Reporterin von Teresa Simon, erschienen bei Heyne, 15. März 2023, 416 Seiten, Taschenbuch, ISBN: 978-3-453-42407-4, € 12,00. Danke für das Leseexemplar.

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