Horst Eckert: Nacht der Verräter – Drogenhandel im Polizei-Umfeld

Polizist Max Bauer ist zwischen Julia, seiner großen Liebe und seinen beiden Stiefbrüdern – Polizisten im Streifendienst – hin und her gerissen. Er kann nicht verstehen, wieso seine Frau so eine Aversion gegen die beiden hat. Während eines Grillfests verschwindet Julia spurlos.

Bei einem Einsatz, der total aus dem Ruder gelaufen ist, wurde Max Bauers Kollegin getötet. Eine Situation, die ihm komplett den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Er konnte das Haus kaum noch verlassen und hat soziale Kontakte gemieden.

Als er Julia kennenlernt, wendet sich das Blatt. Max verliebt sich Hals über Kopf in die geheimnisvolle junge Frau, die nichts über ihre Vergangenheit erzählen will. Auch wer der Vater ihrer kleinen Tochter ist, weiß Max nicht. Aber all das ist ihm egal. Mit Julia fängt sein Leben wieder an und das ist es, was zählt.

Einziger Wermutstropfen: Julia versteht sich überhaupt nicht mit seinen beiden Stiefbrüdern. Immer wieder versucht sie, den Kontakt möglichst zu unterbinden. Warum weiß er nicht. Auf Fragen reagiert sie ausweichend. Ja, beide sind Heißsporne und lassen gerne mal Fünfe gerade sein. Und auch kleinen Nebengeschäften gegenüber sind die beiden Polizisten wohl offen. So genau will er das überhaupt nicht wissen, wenn er ehrlich ist.

Wohin ist Julia verschwunden?

Umso mehr freut sich Max, dass Julia mit zur Geburtstagsparty seines Bruders kommen will. Zwar ist nicht zu übersehen, dass sie sich nicht besonders wohl fühlt, aber sie haben ja vereinbart, nicht sehr lange zu bleiben. Doch plötzlich ist Julia weg.

Wen Max auch fragt, niemand hat gesehen, wohin sie verschwunden ist. Klar lässt er auch seine alten Beziehungen bei der Polizei spielen, um seine große Liebe zu finden. Er kann es einfach nicht fassen, dass sie ohne ein Wort verschwunden ist und sogar ihre Tochter zurückgelassen hat.

Als seine Nachbarin erzählt, dass sie am Tag der Party gesehen hat, wie Julia aus einem Auto stieg und ins Haus lief, ist er vollends ratlos. Denn kurze Zeit später kam sie mit einem kleinen Koffer wieder heraus und der junge Mann, der im Auto auf sie wartete, fuhr mit quietschenden Reifen davon.

Hat Julia eine Affäre? Und würde sie dafür ihre Tochter im Stich lassen?

Alle korrupt oder was?

Horst Eckert gilt als “Großmeister des Polit-Thrillers“ und ich muss sagen, er hat mich schwer daran zweifeln lassen, dass es überhaupt Polizisten und Polizistinnen gibt, die nicht korrupt sind. Dabei sind meine Erfahrungen mit der Polizei durchaus positiv.

Und auch ins Drogengeschäft einzusteigen, scheint in diesem Buch total easy zu sein, zumindest stellen es sich Max’ Onkel und seine Stiefbrüder so vor. Bis es Tote gibt. Was ich schon deutlich realistischer finde. Also dass es Organisationen gibt, die sich nicht einfach von Hinz und Kunz in ihr Geschäft pfuschen lassen wollen.

Das waren aber schon die einzigen Punkte, die mich an Nacht der Verräter von Horst Eckert gestört hat. Und obwohl die Story selbst spannend und abseits der bekannten Schemata war, haben sie dazu geführt, dass ich mich immer mal wieder gegen die Schilderungen gesträubt habe.

Für mich gehört Nacht der Verräter zu den schwächeren Thrillern von Horst Eckert.

Horst Eckert

Horst Eckert, 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, lebt seit vielen Jahren in Düsseldorf. Er arbeitete fünfzehn Jahre als Fernsehjournalist, u.a. für die “Tagesschau”. 1995 erschien sein Debüt “Annas Erbe”. Seine Romane gelten als “im besten Sinne komplexe Polizeithriller, die man nicht nur als spannenden Kriminalstoff lesen kann, sondern auch als einen Kommentar zur Zeit” (Deutschlandfunk). Sie wurden unter anderem mit dem Marlowe-Preis und dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet und ins Französische, Niederländische und Tschechische übersetzt.

Buchinfo: Nacht der Verräter von Horst Eckert, erschienen bei Heyne, 11.09.2024, 400 Seiten, Klappenbroschur, € 17,00, ISBN 978-3-453-42941-3. Danke für das Leseexemplar.


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