Christian v. Ditfurth: Ultimatum

Deutschland im Herbst 2019. Terroristen entführen den Mann der deutschen Kanzlerin. Kurz darauf verschwindet die Frau des französischen Präsidenten spurlos. Die Forderung der Entführer in beiden Fällen: Deutschland soll die Schulden der südlichen EU-Länder übernehmen. Noch ehe die Regierungen eine Entscheidung fällen können, gehen neue Forderungen ein.

Im Kanzleramt herrscht der Ausnahmezustand. Professor Süß, der Gatte der Kanzlerin wurde entführt. Die Forderung: Deutschland soll die Schulden von Italien übernehmen und einen Schwerverbrecher freilassen, der als perfekter Stratege gilt.

Kurze Zeit später in Paris. Die Frau des Präsidenten verschwindet ebenfalls spurlos. Auch hier werden Forderungen gestellt. Deutschland soll jetzt nicht nur die Schulden Italiens übernehmen, sondern aller südeuropäischen Länder. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Rettet Kommissar de Bodt Deutschland?

Wie schon beim letzten Angriff auf die Regierung, beschließt die Kanzlerin, Hauptkommissar Eugen de Bodt als Externen zu ihrem Beraterstab hinzuzuziehen. Sein Rat: Die Kanzlerin soll auf die Forderungen nicht eingehen. Wenn sie es tut, wird ihr Mann sterben, denn die Erpresser gehen nicht davon aus, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Ihnen geht es darum, Unfrieden zu stiften. Wie zu erwarten, stößt de Bodts Handlungsempfehlung im Ministerstab auf Entrüstung, doch erneut schlägt sich die Kanzlerin auf seine Seite.

Da geht die nächste Drohung ein. Ein deutsches Atomkraftwerk soll in die Luft fliegen. Für Eugen de Bodt und sein Team beginnt ein Rennen mit der Zeit. Und die Hoffnung, dass sie mit ihren Vermutungen richtig liegen.

Was weiß der Autor, was ich nicht weiß?!

Wieder perfekt recherchiert und so gut weitergesponnen, dass ich mir nicht sicher bin, ob das Ende von Ultimatum fiktiv ist oder ob Christian v. Ditfurth nur mehr weiß, als ich. Jedenfalls bin ich einige Tage mit einem mulmigen Gefühl durch die Gegend gelaufen, weil auch ich von hochintelligenten, perfekt organisierten, finanziell potenten Drahtziehern ausgehe, die für die Entwicklungen der letzten Jahre verantwortlich sind.

Dieses flaue Gefühl im Magen habe ich nicht zum ersten Mal nach der Lektüre von Ditfurths Büchern. Ursache dafür ist die sehr enge Orientierung der Story an der Zeitgeschichte. Auch ohne Namen zu nennen, weiß ich beim Lesen genau, wer gemeint ist und bei dem ein oder anderen Seitenhieb konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verbergen.

Klar gibt es auch Schwächen, zum Beispiel was die Folgen des Atomunfalls angeht, aber dennoch ist Ultimatum von Christian v. Ditfurth ein sehr intelligenter Thriller, der ob seines Bezuges zur Zeitgeschicht auf ganz spezielle Art unter die Haut geht.

Erneut ein klares Daumen hoch für Christian v. Ditfurth! Inhaltlich und stilistisch kein Alltagsbrei.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Christian v. Ditfurth

Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in Berlin und in der Bretagne. Neben Sachbüchern und Thrillern wie »Der 21. Juli« und »Das Moskau-Spiel« hat er Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht; zuletzt »Böse Schatten«. Seit 2014 ermittelt Eugen de Bodt erfolgreich – sein zweiter Fall »Zwei Sekunden« wurde mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet, zuletzt erschien »Schattenmänner«.

Buchinfo: Ultimatum von Christian v. Ditfurth, erschienen bei C. Bertelsmann, 26.08.2019, 448 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-570-10342-5. Danke für das Leseexemplar.

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Paul McNeive: Resistent

In New York häufen sich Erkrankungen, die nicht auf die üblichen Antibiotika ansprechen. Die Behörden suchen mit Hochdruck nach der Infektionsquelle. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass Detective John Wyse der Ursache auf die Spur kommt und die verheerende Epidemie stoppen kann.

Hiroshima, 6. August 1945. Auf einem Spielplatz stößt Saina Yohoto zwei ihrer drei Kinder auf den Schaukeln an. Nicht hoch genug kann es den kleinen gehen. Dann plötzlich der Schock. Das jüngste Kind, der fünfjährige Tsan rutscht unter der Sitzsicherung hindurch und stürzt schwer auf den Betonboden. Als Saina nach vorne rennt um den Kleinen zu trösten, wird sie von einem gleißenden Licht erfasst, dem rasch ein warmer, dann immer heißer werdender Wind folgt. Als ein Feuerball über den Platz fegt, wirft Saina sich schützend über ihren Jüngsten.

Rache, die über Leichen geht

Manhattan. Gegenwart. Ein alter Mann wird in seiner Fabrikhalle ermordet. Weder seine Familie noch die Polizei hat eine Idee, was die Ursache dafür sein könnte. Niemand wollte ihm bisher etwas Böses. Gegen einen Mord im Affekt, vielleicht durch Drogensüchtige auf der Suche nach Geld, spricht der gezielte Kopfschuss und die Tatsache, dass nichts gestohlen wurde.

Und tatsächlich hat der alte Mann nichts verbrochen. Sein Tod war einfach nur Mittel zum Zweck für einen perfiden, über Jahrzehnte hinaus geplanten Angriff auf die Vereinigten Staaten. Ein Plan, der Tausende Tote fordern und das Land in eine tiefe Krise stürzen soll.

Der Plan ist durchaus realistisch

Ich liebe Thriller, die mit realen geschichtlichen Begebenheiten spielen. Und ich bin immer wieder fassungslos, auf welch perverse Plots manche Autoren und Autorinnen kommen. Sie spielen virtuos mit aktuellen Bedrohungen und sorgen so für das flaue Gefühl im Magen ihrer Leserinnen. Tatsächlich kann ich mir das beschriebene Szenario vorstellen. Eigentlich ist der Plan perfekt, wenn auch nur mit großen Aufwand umsetzbar. Zum Glück!

Gewünscht hätte ich mir einen strafferen Schreibstil. Mehr Tempo. Das hätte die innere Unruhe beim Lesen nochmal verstärkt und Resistent von Paul McNeive noch spannender gemacht.

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Paul McNeive

Paul McNeive verlor im Alter von 20 Jahren beide Beine. Die Erfahrungen mit Antibiotika während seines Genesungsprozesses bilden die Grundlage für die Idee zu «Resistent». McNeive arbeitete bereits als Immobilienmakler und als Motivationstrainer und schreibt für den Irish Independent. Er ist der erste Hubschrauberpilot ohne Beine und setzt sich als Botschafter der Douglas Bader Foundation für Amputationspatienten ein. Nebenbei komponiert und singt er.

Übersetzung: Axel Merz

Buchinfo: Resistent von Paul McNeive, erschienen bei rororo, 18.06.2019, 480 Seiten, € 11,00, ISBN: 978-3-499-27617-0. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Karen Sander: Wenn ich tot bin

Als Susan McFarlands 9-jährigen Tochter Madelin spurlos verschwindet, bricht für sie eine Welt zusammen. Zehn Jahre später hat sie sich wieder so etwas wie Normalität erarbeitet. Plötzlich steht Madelin vor der Tür. Das Drama geht in die nächste Runde.

Susan McFarland ist verheiratet. Harper, ihre Tochter, ist acht Jahre alt. Wer sie nicht kennt, ahnt nicht, welche schwere Bürde die besonnene Frau mit sich herumträgt. Zehn Jahre ist es her, dass Sie Madelin, ihre erste Tochter, verloren hat. Von einem Tag auf den anderen war sie plötzlich weg. Trotz intensivster Suche wurde nie eine Spur von ihr gefunden. Eine Situation, mit der Eltern vermutlich nie ihren Frieden schließen können. Auch dann nicht, wenn eigentlich keine Chance mehr bestehen kann, dass das Kind noch lebt.

Zehn Jahre später steht Madelin plötzlich wieder vor Susan. Eine junge Frau hat sie orientierungslos auf der Straße gefunden und sie zu der Adresse gebracht, die sie vor sich hin gemurmelt hat. Wieder zieht es Susan den Boden unter den Füßen weg. Ist die junge Frau wirklich ihre kleine Madelin? Kann sie sie in die Arme schließen, ohne ein böses Erwachen? Susan schaltet die Polizei ein.

Wie oft kann eine Mutter innerlich sterben?

Doch bevor abschließend geklärt werden kann, ob es sich wirklich um die verschollene Madelin handelt, ist das Mädchen erneut spurlos verschwunden. Und als wäre das nicht schon genug, liegt Susans Mann schwer verletzt in der Küche. Was ist passiert? Hat Madelin auf ihn eingestochen? Hat er womöglich etwas mit ihrer Entführung zu tun?

Harper, die Einzige, die die Antwort darauf kennen könnte, ist zutiefst verstört und spricht kein Wort mehr. Detective Sergeant Kate Fincher setzt alles daran, Madelin zu finden und den Fall aufzuklären.

Überraschender Showdown

Wenn ich tot bin von Karen Sanders hat mich in seinen Bann gezogen und ziemlich schnell verwirrt. Es dauert, bis der Grund für das Verwirrspiel klar wird, aber die Lektüre ist bis dahin nie langweilig. Im Gegenteil. Ich habe munter spekuliert, mich auf clever ausgelegte Fährten locken lassen und beim Showdown den Atem angehalten.

Ich lege euch Wenn ich tot bin von Karen Sanders definitiv ans Herz. Ein spannender Thriller mit überraschender Wendung.

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Karen Sander

Karen Sander arbeitete viele Jahre als Übersetzerin und unterrichtete an der Universität, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt mit ihrem Mann im Rheinland und hat über die britische Thriller-Autorin Val McDermid promoviert. Unter ihrem wahren Namen Sabine Klewe hat sie bereits zahlreiche Krimis und Thriller geschrieben, bei rororo erscheint außerdem ihre Reihe um Kommissar Georg Stadler und die Psychologin Liz Montario.

Buchinfo: Wenn ich tot bin von Karen Sander, erschienen bei rororo, 18.06.2019, 288 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-499-29159-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Sophie Kendrick: Mein Tod in deinen Augen

Seit einem Überfall ist Kunsttherapeutin Jennifer erblindet. Körperliche Ursachen gibt es dafür nicht, der Schock reichte aus. Trotzdem lässt sie sich auf eine Reise an die Ostsee ein, um einem bekannten Kinderpsychologen bei seinem Fall zu helfen. Für Jennifer wird es eine dramatische Reise in ihre Vergangenheit.

Jennifer ist auf dem Weg an die Ostsee. Wer sie im Zug sieht, Kopfhörer in den Ohren, das Smartphone in der Hand, glaubt nicht, dass sie stark eingeschränkt ist. Denn nach dem Überfall durch einen Stalker hat Jennifer ihr Sehvermögen verloren. Nur langsam kämpft sie sich wieder zurück ins Leben. Deshalb hat sie auch die Einladung des Kinderpsychologen Gideon an die Ostsee angenommen. Vielleicht kann sie ihm ja trotz ihrer Erblindung bei einem besonders brisanten Fall helfen.

Jennifer auf der Fahrt ins Glück?

Und tatsächlich scheint diese Reise für Jennifer eine Fahrt ins Glück zu werden, denn im Zug trifft sie auf den charmanten Computerspezialisten Marc, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Da Marc ebenfalls nach Rügen unterwegs ist, beschließen Sie, in Kontakt zu bleiben.

Bei Gideon angekommen, entwickelt sich die Situation völlig anders, als erwartet. Tatsächlich handelt es sich bei dem Fall, zu dem der Kinderpsychologe sie hinzugezogen hat, um ein offensichtlich schwer traumatisiertes Kind. Der Haken daran: Gideon weiß nicht, um wen es sich handelt. Ihre gemeinsamen Recherchen bringen Jennifer in Lebensgefahr. Und näher an ihre eigene Vergangenheit, als sie sich je hätte vorstellen können.

Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick hielt mich gefangen. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. Anfangs war ich etwas genervt von dieser perfekt funktionierenden blinden Frau, doch das hat sich bald erledigt und am liebsten hätte ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt.

Bis zur letzten Seite spannend

Ich war mir relativ früh sicher, wer der Bösewicht in Kendricks Story ist. Allerdings konnte ich mir die Zusammenhänge überhaupt nicht erklären und kam deshalb regelmäßig wieder ins Grübeln. Genau das hat die Spannung bei mir hoch gehalten. Und ganz ehrlich, auf die “Auflösung” wäre ich nie gekommen. Die war absolut nicht vorhersehbar. Aber lest am besten selbst!

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Sophie Kendrick

Sophie Kendrick lebte in verschiedenen europäischen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wo sie englische Literatur studierte und über die Schwestern Brontë forschte. Sie arbeitete in einer Agentur für Buchprojekte und als Ghostwriterin, bevor sie ihren ersten eigenen Roman schrieb.

Buchinfo: Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick, erschienen bei rororo, 19.02.2019, 336 Seiten, ISBN: 978-3-499-29160-9, € 10,00. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Julia Corbin: Nadelherz

Tessa war über ein Jahr in den Händen eines perversen Entführers. Ihr Befreiung bezahlten zwei andere Frauen mit dem Leben. Jetzt ist sie wieder daheim und hüllt sich in Schweigen. Das Grauen kehrt zurück, als ihr ein Unbekannter ein Paket schickt. Der Inhalt: Ein mit Nadeln gespicktes menschliches Herz.

Seit Tessa den Fängen ihres sadistischen Peinigers entkommen ist, gleicht ihre Wohnung einer Festung. Fenster und Türen sind verriegelt, die Wohnung kameraüberwacht. Ein intensiver Selbstverteidigungskurs soll ihr helfen, sich nach der langen Gefangenschaft in einem Keller auf der Schwäbischen Alb wie frei zu fühlen. Wie fragil ihr Schutzwall ist, spürt Tessa, als sie ein grausiges Paket erhält. Der Inhalt: Ein menschliches Herz, das mit Nadeln gespickt ist.

Eine blutige Inszenierung

Es dauert nicht lange bis die zugehörige Leiche gefunden wird. Ein Frauenkörper mit unzähligen Schnittwunden, aufgespießt auf Stangen, im geöffneten Brustkorb fehlt das Herz. Als wäre das nicht genug, leuchtet die Leiche auch noch in einem schwachen Grün. Kommissarin Alexis Hall und ihre Kollegen stehen vor einem Rätsel. Von Karen Hellstern, der Kriminalbiologin, erhoffen sie sich die Aufklärung des Phänomens.

Während das Team noch dabei ist, sich einen ersten Überblick zu verschaffen, wird die zweite Leiche gemeldet. Wieder die gleiche Inszenierung. Ein grünlich leuchtendes, makabres Kunstwerk. Zur gleichen Zeit bekommt Tessa erneut ein Paket mit blutigem Inhalt. Alexis Hall ahnt, dass die Zeit knapp wird. Mit Hochdruck sucht sie nach Fehlern bei der Aufklärung von Tessas Entführung. Hatte der Täter einen Komplizen? Oder hat der Medienrummel um die Befreiung einen Nachahmer auf den Plan gerufen?

Schon wieder mitten ins Herz!

Nadelherz ist das dritte Buch von Julia Corbin, das mich fesselt. Thriller dürfen für mich ja durchaus blutig sein. Julia Corbin trifft mit ihren Büchern bei mir ins Schwarze, weil sie nicht nur für den notwendigen Thrill sorgen, sondern auch meine naturwissenschaftlich geprägt Seele streicheln.

Ich freue mich jetzt schon auf Fortsetzung!

Übrigens, auch wenn die Geschichte um Alexis Hall und Karen Hellstern fortgeschrieben wird, muss man nicht die Vorgänger gelesen haben, um das aktuelle Buch flüssig lesen zu können.

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Julia Corbin

Julia Corbin, geboren 1980, studierte Biologie in Heidelberg. Die Arbeit als Biologin inspiriert sie zu ihren Thrillern um das erfolgreiche Ermittlerteam Hall & Hellstern. Ihre Leidenschaft für Nervenkitzel lebt die Autorin nicht nur in ihren Büchern, sondern auch bei Sportarten wie Kite- und Windsurfen oder Extrem-Hindernisläufen aus. Sie wohnt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn und gibt Kurse in Kreativem Schreiben.

Buchinfo: Nadelherz von Julia Corbin, erschienen bei DIANA, 10. Juni 2019, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35988-8

Marc Elsberg: Gier

Sparpakete, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise – die Welt leidet unter den Folgen der Digitalisierung. Zeit, dass sich das Volk zu Wehr setzt und um mehr Gerechtigkeit kämpft. Marc Elsberg hat mit Gier wieder Szenarien konsequent weiter gedacht und spannend verpackt.

GIERWie weit wuerdest du gehen von Marc ElsbergBerlin. Bei einem Sondergipfel treffen sich die Reichen und Einflussreichen der Welt, um die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten abzuwenden. Oder zumindest für sich selbst den größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen.

Vor dem Veranstaltungsgelände organisiert sich der Widerstand. Die Menschen haben es satt, von einer Wirtschaftskrise in die andere getrieben zu werden. Ein Leben zu leben, das zunehmend weniger Sicherheit bietet. Aus aller Welt sind sie angereist, um ihre Meinung zu äußern.

Wohlstand für alle ist möglich

Auch der renommierte Nobelpreisträger Herbert Thompson hat sich seine Gedanken gemacht, wie sich die Zukunft entwickeln kann. Dabei ist er auf einen Fehler in den Grundlagen gängiger Wirtschaftsanalysen gestoßen und hat eine Formel gefunden, die Wohlstand für alle ermöglicht. Ein Wohlstand der dann automatisch mit Machtverlust der “Führungselite” einhergehen würde.

Thompson überlebt den Tag nicht. Seinen Vortrag wird er nicht mehr halten können. Aber sichert das die Macht der Tagungsteilnehmerinnen?

Mit Gier hat Marc Elsberg genau das getan, was er am besten kann: Früh das Potenzial neuer Bewegungen erkennen, intensiv und sauber recherchieren und den “worst case” als Thriller aufarbeiten.

Weltweite Entwicklungen, gut recherchiert

Zero, Blackout, Helix, ich habe alle Vorgänger von Gier gelesen und mehr oder weniger gut gefunden. Blackout hat mich dazu gebracht, mir einen kleinen Notvorrat im Keller anzulegen, sollte es zu einem längerfristigen Stromausfall kommen. Sehr stilecht übrigens, denn als ich im Drogeriemarkt feuchte Toilettentücher, Klopapier, Müllbeutel und so weiter in meinen Einkaufswagen gepackt habe, fiel mit einem dramatischen “Plopp” der Strom aus. Der ganze Laden nur noch schummrig erhellt durch die Notbeleuchtung. Tatsächlich war nur in dem kleinen Einkaufsgebiet der Strom weg. Überall sonst war alles in Ordnung. Ich fühlte mich überwacht. Woher wussten “die”, dass ich vorsorgen wollte?!

Richtig beeindruckt hat mich Helix, unter anderem, weil sich die Bevölkerung kaum für so was wie CRISPR, die neue Wunderwaffe der Gentechnik, interessiert.

Im Vergleich dazu ist Gier von Marc Elsberg deutlich schwächer. Zwar klopft das hier Beschriebene auch schon lange an die Tür, aber mir hat das Tempo gefehlt. Die Überraschung. Gelegentlich war mir nach Anschubsen zumute. Womit ich die Story als solche nicht herunterreden möchte. Weltweit eskalieren Konflikte und lassen unser Leben und unseren Wohlstand immer unsicherer werden. Und an den Verschwörungen und der Kaltschnäuzigkeit derer, die in unserer Welt die Strippen ziehen, zweifele ich auch keine Minute. Trotzdem hat mich Gier nicht wie gewohnt gepackt.

Marc Elsberg

Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg sowie Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard«. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Mit seinen internationalen Bestsellern BLACKOUT, ZERO und HELIX etablierte er sich auch als Meister des Science-Thrillers. BLACKOUT und ZERO wurden von »Bild der Wissenschaft« als Wissensbuch des Jahres in der Rubrik Unterhaltung ausgezeichnet und machten ihn zu einem gefragten Gesprächspartner von Politik und Wirtschaft.

Buchinfo: Gier von Marc Elsberg, erschienen bei Blanvalet, 25.02.2019, 448 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, €24,00, ISBN 978-3-7645-0632-2. Danke für das Leseexemplar.

Michael Tsokos: Abgeschlagen

In einem Kieler Park werden zwei bizarr inszenierte Leichen gefunden. Bei der Obduktion kommt es zum Eklat zwischen Rechtsmediziner Paul Herzfeld und seinem Vorgesetzten Professor Schneider. Dass der Fall eine viel größere Tragweite hat, als ursprünglich vermutet, erfährt Herzfeld wenig später am eigenen Leib.

AbgeschlagenKiel im Winter. Es ist ein eiskalter Morgen, als Rechtsmediziner Paul Herzfeld in den Brook, einen Kieler Park, gerufen wird. Was sich ihm bietet, ist mehr als bizarr. In einem Zelt umklammert eine nackte männliche Leiche einen Arm. Vor dem Zelt stehen zwei große Rollkoffer. In ihnen weitere Leichenteile.Von einer Tatwaffe keine Spur. Die Obduktion soll schnellstmöglich Licht ins Dunkel bringen.

Getötet und postmortal zerstückelt

Stunden später im Sektionssaal der Rechtsmedizin. Dottore Lucia Tattoli, eine Rechtsmedizinerin aus Italien, die gerade bei Paul Herzfeld hospitiert, unterstützt ihn bei der Arbeit. Schnell ist klar, dass die Leiche aus den beiden Koffern, eine junge Frau, postmortal zerstückelt wurde. Aber woran ist sie gestorben?

Gleiches gilt für den Mann aus dem Zelt. Auch bei ihm lässt sich nach der Leichenschau keine eindeutigen Angaben machen. Herzfeld hofft auf die Toxikologie und gerät prompt mit seinem Vorgesetzten in Konfrontation. Denn Professor Schneider ist sich sicher, sowohl den Toten als auch die Tatwaffe zu kennen.

Als besagte Waffe tatsächlich plötzlich unweit des Leichenfundortes auftaucht, kann Paul Herzfeld sein Misstrauen nicht mehr zur Seite wischen. Gemeinsam mit Dottore Tattoli ermittelt er auf eigene Faust.

Michael Tsokos gehört zu den Besten!

Ich liebe Thriller. Und ja, es darf dabei auch ruhig blutig zugehen. Und es darf bizarr sein. Naheliegend also, dass ich Bücher von Michael Tsokos mag. Egal ob als alleiniger Autor oder in Kombination mit zum Beispiel Sebastian Fitzek. Zusammen übrigens auch bei Lesungen ein geniales Duo. Es lohnt sich, mal eine zu genießen. Zwei Verrückte auf einer Bühne. 😉 Aber sorry, Sebastian Fitzek, ich persönlich finde Michael Tsokos noch etwas cooler.

Doch zurück zu Abgeschlagen von Michael Tsokos. Ich habe das Buch quasi eingesaugt und die Fachkompetenz des Autors genossen. Sie ist meist Garant für temporeiche Storys, nicht nur im Thriller-Bereich. Indem er zwei weitere Morde aus seinem Arbeitsleben in die Geschichte integrierte, hat er mich ins Grübeln gebracht, wie denn die Zusammenhänge zur Hauptstory aussehen könnten.

Die Art und Weise, wie perfide und skrupellos der wirkliche Mörder sein Vorgehen plant, hat mich sprachlos gemacht und mich wieder mal vor die Frage gestellt: Was geht eigentlich in Menschen vor, die solche Storys erfinden?! 🙂

Abgeschlagen von Michael Tsokos ist einfach geil. Kaufen, lesen, staunen. Und dann nach Abgeschnitten von Fitzek/Tsokos greifen. Lohnt sich auch. Habe ich schon vor längerer Zeit für euch getestet.

So und jetzt muss ich mir die andere true-crime-Reihe von Dr. Tsokos, die Fred Abel Reihe, näher ansehen. Vielleicht berichte ich ja. Mal sehen.

Michael Tsokos

Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.

Buchinfo: Abgeschlagen von Michael Tsokos, erschienen bei KNAUR, 1. März 2019, 416 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-426-52438-1. Vielen Dank für das Leseexemplar.