Michael Tsokos: Abgeschlagen

In einem Kieler Park werden zwei bizarr inszenierte Leichen gefunden. Bei der Obduktion kommt es zum Eklat zwischen Rechtsmediziner Paul Herzfeld und seinem Vorgesetzten Professor Schneider. Dass der Fall eine viel größere Tragweite hat, als ursprünglich vermutet, erfährt Herzfeld wenig später am eigenen Leib.

AbgeschlagenKiel im Winter. Es ist ein eiskalter Morgen, als Rechtsmediziner Paul Herzfeld in den Brook, einen Kieler Park, gerufen wird. Was sich ihm bietet, ist mehr als bizarr. In einem Zelt umklammert eine nackte männliche Leiche einen Arm. Vor dem Zelt stehen zwei große Rollkoffer. In ihnen weitere Leichenteile.Von einer Tatwaffe keine Spur. Die Obduktion soll schnellstmöglich Licht ins Dunkel bringen.

Getötet und postmortal zerstückelt

Stunden später im Sektionssaal der Rechtsmedizin. Dottore Lucia Tattoli, eine Rechtsmedizinerin aus Italien, die gerade bei Paul Herzfeld hospitiert, unterstützt ihn bei der Arbeit. Schnell ist klar, dass die Leiche aus den beiden Koffern, eine junge Frau, postmortal zerstückelt wurde. Aber woran ist sie gestorben?

Gleiches gilt für den Mann aus dem Zelt. Auch bei ihm lässt sich nach der Leichenschau keine eindeutigen Angaben machen. Herzfeld hofft auf die Toxikologie und gerät prompt mit seinem Vorgesetzten in Konfrontation. Denn Professor Schneider ist sich sicher, sowohl den Toten als auch die Tatwaffe zu kennen.

Als besagte Waffe tatsächlich plötzlich unweit des Leichenfundortes auftaucht, kann Paul Herzfeld sein Misstrauen nicht mehr zur Seite wischen. Gemeinsam mit Dottore Tattoli ermittelt er auf eigene Faust.

Michael Tsokos gehört zu den Besten!

Ich liebe Thriller. Und ja, es darf dabei auch ruhig blutig zugehen. Und es darf bizarr sein. Naheliegend also, dass ich Bücher von Michael Tsokos mag. Egal ob als alleiniger Autor oder in Kombination mit zum Beispiel Sebastian Fitzek. Zusammen übrigens auch bei Lesungen ein geniales Duo. Es lohnt sich, mal eine zu genießen. Zwei Verrückte auf einer Bühne. 😉 Aber sorry, Sebastian Fitzek, ich persönlich finde Michael Tsokos noch etwas cooler.

Doch zurück zu Abgeschlagen von Michael Tsokos. Ich habe das Buch quasi eingesaugt und die Fachkompetenz des Autors genossen. Sie ist meist Garant für temporeiche Storys, nicht nur im Thriller-Bereich. Indem er zwei weitere Morde aus seinem Arbeitsleben in die Geschichte integrierte, hat er mich ins Grübeln gebracht, wie denn die Zusammenhänge zur Hauptstory aussehen könnten.

Die Art und Weise, wie perfide und skrupellos der wirkliche Mörder sein Vorgehen plant, hat mich sprachlos gemacht und mich wieder mal vor die Frage gestellt: Was geht eigentlich in Menschen vor, die solche Storys erfinden?! 🙂

Abgeschlagen von Michael Tsokos ist einfach geil. Kaufen, lesen, staunen. Und dann nach Abgeschnitten von Fitzek/Tsokos greifen. Lohnt sich auch. Habe ich schon vor längerer Zeit für euch getestet.

So und jetzt muss ich mir die andere true-crime-Reihe von Dr. Tsokos, die Fred Abel Reihe, näher ansehen. Vielleicht berichte ich ja. Mal sehen.

Michael Tsokos

Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.

Buchinfo: Abgeschlagen von Michael Tsokos, erschienen bei KNAUR, 1. März 2019, 416 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-426-52438-1. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Lincoln Child: Der Luna-Effekt

Ein scharrendes Geräusch, ein fauliger Geruch. Das ist das Letzte, was David Palmer in der hellen Vollmondnacht wahrnimmt. Wenig später wird seine brutal zerfetzte Leiche am Fuß des Desolation Mountain gefunden. Und sie bleibe nicht die letzte. Ein Fall für den Enigmatologen Jeremy Logan?

luna-effektJeremy Logan hat es in die abgelegenen Wälder der kanadischen Provinz verschlagen. Hier erhofft er sich die nötige Ruhe, um sein Buch zu Ende bringen zu können. Doch sein Ruf als Experte für Enigmatologie, der Erforschung unerklärlicher Phänomene eilt ihm voraus.

Als nach einer Vollmondnacht die völlig zerfetzte Leiche eines Wanderers in den Wäldern gefunden wird, hofft man auf Logans Hilfe. Denn der Mann ist nicht das einzige Opfer. Und alle wurden bei Vollmond getötet. Widerstrebend stimmt Jeremy Logan zu, eine kurze Einschätzung der Situation aus seiner Sicht abzugeben. In die weiteren Ermittlungen will er sich nicht hineinziehen lassen.

Was fremd ist, macht Angst

Vorsichtig hört er sich im Dorf um. Dort sind die Schuldigen bereits gefunden: Ein Familienclan, der seit Jahrzehnten völlig zurückgezogen im Wald lebt und nach Möglichkeiten jeden Kontakt zu den Dorfbewohnern vermeidet. Doch Logan ist nicht überzeugt. Was hat es mit dem Forschungsinstitut auf der versteckten Waldlichtung auf sich?

Beim nächsten Vollmond wird ein weiterer Mensch bestialisch ermordet. Ein Mensch, den Jeremy Logan gekannt und geschätzt hat. Jetzt kann er sich den Nachforschungen nicht mehr entziehen. Er muss dem Gefühl unsäglicher Gewalt, das er im Wald hatte, nachgehen und bringt sich dabei selbst in Lebensgefahr.

Ob das was für mich ist?

Zugegeben, ich habe gezweifelt, ob Der Luna-Effekt das richtige Buch für mich ist. Beschrieben wird es als Science-Mystery-Thriller. Science ist definitiv meins, aber Mystery? Eher nicht. Mit entsprechenden Vorbehalten begann ich zu lesen. Und war sehr sehr angetan! Ein wirklich spannender Thriller. Etwas spooky aber das wiederum so gut wissenschaftlich verpackt, dass es für mich als, ursprünglich mal, Biochemikerin durchaus irgendwie vorstellbar.

Spannend fand ich auch die Herangehensweise von Jeremy Logan an die Ermittlungen. Als Empath hat er immer wieder seine Fähigkeit, Gefühle anderer intensiv aufgreifen zu können, betont und genutzt. Ich selbst halte viel von “Bauchgefühl” und konnte deshalb auch hier gut mitgehen.

Und die Story als solche ist eindeutig spannend und stellenweise etwas gruselig.

Von mit gibt es deshalb eine Empfehlung für Der Luna-Effekt von Lincoln Child.

Lincoln Child

Lincoln Child studierte Literatur und arbeitete viele Jahre als Lektor bei St. Martin’s Press. Gemeinsam mit seinem Freund Douglas Preston schrieb er mehrere Romane, die ein Millionenpublikum begeisterten. Auch mit seinen Soloprojekten „Wächter der Tiefe“, „Nullpunkt“, „Hüter des Todes“ und „Frequenz“ feierte Child große Erfolge. Er lebt mit Frau und Tochter in New Jersey.

Übersetzung: Axel Merz

Buchinfo: Der Luna-Effekt von Lincoln Child, erschienen bei Wunderlich, 18.12.2018, 320 Seiten, gebunden, € 19,95, ISBN: 978-3-8052-0018-9. Danke für das Leseexemplar.

Susanne Saygin: Feinde

Köln. Can und Simone von der Mordkommission werden zu einem mysteriösen Leichenfund gerufen. Die Spur führt ins Roma-Milieu. Zumindest auf den ersten Blick. Aber die Drahtzieher haben noch viel mehr Leichen im Keller. Ein politisch brisanter Wettlauf mit der Zeit beginnt.

9783453438897_CoverDer Tag fängt für die Polizisten Can und Simone gut an. Vor dem Wertstoffhof wurden zwei Tote gefunden, mit Paketband zu einer obszönen Inszenierung verbunden.

Schnell führen die Ermittlungen zum bulgarischen “Arbeiterstrich”, Menschen, die – häufig mit unklarem Bleibestatus – händeringend nach jeder Arbeit greifen. Tag für Tag.

Lohndumping, Zwangsprostitution, Gewalt

In der Stadt ist längst eine Dumpinglohn-Szene entstanden. Rumänen, Bulgaren, viele Sinti und Roma, die in Köln auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien hoffen und dafür Armut, Verachtung und Einschüchterung erdulden. In Zusammenhang mit dieser Szene fallen immer wieder die gleichen Namen prominenter Kölner. Anhaben konnte man ihnen bisher nichts. Offensichtlich haben sie in der Stadt einflussreiche Freunde.

Doch Can lässt sich nicht abschütteln. Entgegen aller Anweisungen und Drohungen macht er sich auf die Suche nach Beweisen und geht damit ein hohes Risiko ein, das ihn nicht nur seinen Job sondern auch sein Leben kosten kann.

Ein tiefer Blick in menschenverachtende Netzwerke

Vermutlich hat jede und jeder von uns schon mal etwas vom sogenannten Arbeitsstrich gehört oder eine Reportage dazu gesehen. Gleiches gilt für die Zwangsprostitution von Kindern und Erwachsenen. Auch die Tatsache, dass die Opfer dieser Ausbeutung in den ärmsten Ländern rekrutiert, dass ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben gnadenlos ausgenutzt werden, dürfte nicht neu sein.

Susanne Saygin hat all diese Informationsbrocken nach mehrjähriger Recherche zu einem beeindruckenden und beängstigenden Bild verwoben. Zwar betont Susanne Saygin, dass Handlungen und Personen frei erfunden sind und dass sie kein Sachbuch geschrieben hat, aber vieles aus Feinde kann ich mir erschreckend problemlos genau so vorstellen. Auch, dass prominente Verbrecher politisch gedeckt werden.

Diese Realität macht Angst

Feinde von Susanne Saygin hat mich abwechselnd traurig und wütend gemacht. Die Story hat mich frustriert und mir Angst gemacht. Weil sie so realistisch ist, weil sie Abgründe zeigt, für die ich mich im Alltag blind stellen kann, wenn ich es möchte. In diesem Buch werden sie so grell ausgeleuchtet, dass die Leserinnen und Leser sich ihnen stellen müssen. Was ich sehr gut und sehr wichtig finde, was aber empfindsame Gemüter vielleicht überfordern könnte.

Dafür bekommt Feinde von Susanne Saygin eine absolute Leseempfehlung von mir, auch wenn ich gegen Ende etwas irritiert war. Die Beziehung zwischen Can und Isa, seiner Mitbewohnerin wird erst sehr spät aufgerollt und das an einer Stelle, wo es den “Lauf” der Story für mein Empfinden unterbrochen hat.

Susanne Saygin

Susanne Saygin, geboren 1967, aufgewachsen im Rheinland, Geschichtsstudium in Köln und Cambridge, Promotion in Oxford. Danach Tätigkeit im akademischen Projektmanagement und in der freien Wirtschaft (u.a. im Umfeld der ersten deutschen Bundesliga). Die Autorin mit deutsch-türkischen Wurzeln hatte ihren Lebensmittelpunkt knapp zwanzig Jahre lang in Köln. Seit 2010 lebt und arbeitet sie in Berlin. Für ihren Debütroman »Feinde« hat die Autorin über fünf Jahre lang recherchiert.

Buchinfo: Feinde von Susanne Saygin, erschienen bei Heyne, 10.09.2018, 352 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-453-43889-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Julia Corbin: Die Bestimmung des Bösen

In einem Waldstück bei Mannheim werden zwei tote Frauen aufgefunden. Die Leichen sind sehr entstellt und wurden vom Mörder bizarr inszeniert. Und sie sind erst der Auftakt einer unfassbar brutalen Mordserie. Kommissarin Alexis Hall arbeitet gegen die Zeit. Kann sie den Mörder stoppen?

Die Bestimmung des Boesen von Julia CorbinKriminalkommissarin Alexis Hall weiß, wenn das Handy sonntags in aller Frühe klingelt, bedeutet das nichts Gutes. “Ich bin in zehn Minuten bei dir. Keine Stöckelschuhe, es wird matschig”, ruft ihr Kollege Oliver Zagorny gut gelaunt ins Telefon und legt auf.

Als sie kurze Zeit später gemeinsam die Reißinsel bei Mannheim erreichen, ist der Matsch das kleinste Übel, das sie erwartet. Unter einem Baum sind zwei Frauenleichen bizarr arrangiert: Nackt bis auf den Slip, die Beine ineinander verschränkt, die Köpfe aneinander gelehnt.

Maden und Puppen sollen die Lösung bringen

Offensichtlich waren die Leichen bereits einige Tage den Kräften der Natur ausgesetzt. In Augen, Mundhöhle und Nase tummeln sich unzählige Maden. Besonders schlimm sind die Hälse der beiden Frauen zugerichtet. Auch hier waren die offenen Wunden ein willkommenes Fressen für allerlei Getier.

Ein Fall für Kriminalbiologin Karen Hellstern, die sich auf die Besiedelung von Leichen durch Aasfresser spezialisiert hat. Akribisch sammelt sie Tiere in allen Entwicklungsstadien ein und wertet ihren Fund unter Hochdruck aus. Tatsächlich findet sie erste Hinweise auf den Tatort, denn der ist eindeutig ein anderer als die jeweiligen Auffindeorte.

Doch dann ändert der Täter scheinbar sein Vorgehen und stürzt Kommissarin Alexis Hall damit in eine tiefe Krise. Offensichtlich weiß er um ihr gut gehütetes Geheimnis.

Julia Corbin hat mich gleich zweimal gepackt

Die Bestimmung des Bösen habe ich verschlungen, kaum dass sie im Haus war. Aber irgendwie habe ich die Rezension vergessen. Letzte Woche habe ich diese nachholen wollen und etwas hin und her geblättert. Und was soll ich sagen: Ich habe es nochmal lesen müssen. Weil dieses Buch so spannend ist. Und überraschenderweise hat es auch wieder einen aktuellen Bezug.

Ich habe mit Alexis Hall mitgelitten, um ihren Kater gebangt, an ihr gezweifelt. Ich stand gefühlt neben Karen Hellstern und habe DNA isoliert, wie in meiner Studienzeit. Ich habe mit den Opfern mitgelitten, die von ihrem Peiniger maßlos kaltblütig gequält wurden. Und ich war mir bis zum Ende nicht sicher, wer dieser Peiniger ist.

Mit Die Bestimmung des Bösen hat Julia Corbin einen Thriller abgeliefert, der diesen Namen wirklich verdient. Von mit ein klares Daumen hoch!

Julia Corbin

Julia Corbin, geboren 1980, studierte Biologie in Heidelberg. Die Arbeit als Biologin inspirierte sie auch zu ihren Thrillern „Die Bestimmung des Bösen“ und „Das Gift der Wahrheit“ mit dem Team Hall & Hellstern. Ihre Leidenschaft für Nervenkitzel lebt die Autorin nicht nur in ihren Büchern, sondern auch bei Sportarten wie Kite- und Windsurfen oder Extrem-Hindernisläufen aus. Sie wohnt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn und gibt Kurse in Kreativem Schreiben.

Buchinfo: Die Bestimmung des Bösen von Julia Corbin, erschienen bei DIANA, Mai 2017, 416 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35934-5. Vielen Dank für das Leseexemplar.Die Bestimmung des Boesen von Julia Corbin

Andreas Gruber: Rachewinter

Unmittelbar hintereinander sterben mehrere Menschen einen mysteriösen Tod. Alle waren vermögend, erfolgreich und völlig unauffällig. Und alle wurden kurz vor ihrem Tod mit einer aufregenden jungen Frau im roten Kleid gesehen. Ist sie die Mörderin? Kommissar Walter Pulaski aus Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers aus Wien ermitteln.

Rachewinter von Andreas GruberLeipzig. Ausgerechnet den mysteriösen Tod von Klaus Hinze muss Kommissar Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst aufnehmen. Der Tote liegt in einem heruntergekommenen Motel und hat eine lange, spitze Schere im Ohr. Auf den ersten Blick ein Unfall, doch Pulaski glaubt nicht daran. Er kennt den Toten. Hinze ist der Vater der besten Freundin seiner Tochter Jasmin.

Wien. Bei Dacharbeiten werden zwei junge Handwerker Zeugen eines brutalen Mordes im Nachbarhaus. Mit dem Handy nehmen sie die grausame Tat live auf. Ideale Voraussetzungen für die Polizei, sollte man meinen. Doch leider sieht man den Täter nur von hinten. Ein sehr schlanker junger Mann mit langem, dunklem Haar.

Verteidigt Evelyn Meyers einen Mörder?

Wien, am Tag danach. In der Kanzlei von Rechtsanwältin Evelyn Meyers meldet sich ein junger Mann. Schlank, mit langem, dunklem Haar. Die Polizei verdächtigt ihn, den Mord begangen zu haben. Evelyn Meyers soll seine Verteidigung übernehmen.

In den folgenden Tagen sterben auf mysteriöse Weise weitere Menschen. Alle waren beruflich erfolgreich und hatten auf den ersten Blick nur eines gemeinsam: Zum letzten Mal hat man sie in Begleitung einer großen, schlanken, jungen Frau im roten Kleid gesehen.

Erst als bei einem der Toten eine nicht natürliche Todesursache festgestellt wird, fügen sich die einzelnen Steine zu einem Bild zusammen. Pulaski und Meyers gehen gemeinsam auf die Jagd nach einem extrem kaltblütigen Täter.

Wenn Familiengeheimnisse den Tod bringen

Rachewinter von Andreas Gruber ist ein perfektes Buch für ein Wochenende auf der Couch. Vorausgesetzt, man ist nicht zu empfindsam. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mit dem Buch und dem eher störrischen Kommissar Pulaski warm zu werden, aber spätestens in Wien wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Rachewinter ist einer der Thriller, bei denen man schon früh weiß, wer der Täter oder die Täterin ist. Aber bis zum Schluss bleibt das “warum” unklar.

Ganz nebenbei gibt uns Andreas Gruber noch zwei Dinge mit auf den Weg:

  • Unterschätze nie Jugendliche, nur weil sie anders vorgehen als Erwachsene.
  • Eine schwarze Vergangenheit, die über Jahrzehnte hinweg totgeschwiegen wird, rächt sich irgendwann doch und dann meist auf sehr brutale Art und Weise.

Rachewinter war mein viertes Buch von Andreas Gruber und das erste aus der Pulaski/Meyers Reihe. Und wieder war ich gefesselt. Mir gefällt der Schreibstil und mir gefallen die überraschenden Wendungen. Und natürlich, dass ich miträtseln kann, was den Täter zu seiner Tat getrieben hat. Deshalb empfehle ich nicht nur dieses Buch sondern Andreas Gruber generell allen Krimi- und Thrillerfans.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Mit seinen bereits mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Buchinfo: Rachewinter von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 17.09.2018, Taschenbuch, 592 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48655-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Uwe Wilhelm: Die 7 Kreise der Hölle

Endlich kann Staatsanwältin Helena Faber aufatmen. Dionysos ist tot. Der schwierigste Fall ihrer Karriere liegt hinter ihr. Dass sie mit dieser Annahme falsch liegt, wird Helena Faber klar, als ihre beiden Töchter vor ihren Augen entführt werden. Um sie zu retten, setzt die Staatsanwältin nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Die sieben Kreise der Hoelle von Uwe WilhelmEndlich hat sich Helena Faber so weit von ihrem letzten Fall erholt, dass sie mit Familie und Freunden ihre Rückkehr in den Alltag feiern kann. Die einzigen, die bei Tisch noch fehlen, sind ihre beiden Töchter. Haben sie wieder einmal beim Spielen die Zeit vergessen?

“Du bist Kunst”

Helena macht sich auf die Suche und sieht gerade noch, wie beide Mädchen einem Transporter folgen, der um die Ecke biegt. Alarmiert nimmt sie die Verfolgung auf. Zu Fuß. Als der Wagen anhält, kann sie zwar aufholen, muss aber hilflos mit ansehen, wie beide in den Laderaum einsteigen. Sofort gewinnt das Auto wieder an Fahrt und entkommt mit seiner wertvollen Fracht. Was Helena bleibt, sind Kennzeichen, Automarke und der Schriftzug “Du bist Kunst”.

Reicht das aus um die Kinder zu retten? Hängt die Entführung mit dem Kinderschänderring zusammen, der durch ihre Arbeit aufgeflogen ist? Helena Faber ahnt, dass ihr nicht viel Zeit bleiben wird, ihre Töchter zu finden. Und dass sie es mit einem mächtigen Gegner zu tun hat.

Auch Band zwei der Reihe fesselt

Nach Die 7 Farben des Blutes ist Die 7 Kreise der Hölle das zweite Buch aus der Helena Faber Reihe von Uwe Wilhelm, das ich lese. Und wieder war ich begeistert. Als Drehbuchautor ist er es offensichtlich gewohnt, schnelle Storys zu entwerfen. Es fällt mir schwer, seine Bücher wieder aus der Hand zu legen.

Manche Szenen ließen mich zwar an amerikanische Actionfilme denken:

  • wer stört, wird abgeknallt
  • Konsequenzen hat das nicht
  • Helena als Staatsanwältin und ihr Mann Robert, Polizist, setzen sich konsequent über alle Regeln hinweg (was man vielleicht auch automatisch tut, wenn es um die Kinder geht)

Aber wirklichen Abbruch hat das meinem Lesevergnügen nicht getan.

Manchmal könnte ich kotzen

Fassungslos machte mich wieder die Kaltschnäuzigkeit, mit der manche Menschen mit anderen Menschen, insbesondere Kindern, umgehen. Auch wenn oder gerade weil ich weiß, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder, Kleinkinder oder gar Babys in manchen Kreisen kein Tabu sind. Ebenso wie die Versteigerung selbiger zur “freien Nutzung”.

Wenn ich mir vorstelle, ich weiß, dass dieses Schicksal für meine Kinder erwartet, wenn ich sie nicht rechtzeitig finde, könnte ich kotzen. Dieses Gefühl beim Lesen zu vermitteln, hat Uwe Wilhelm mit Die 7 Kreise der Hölle meisterhaft geschafft.

Deshalb die klare Leseempfehlung, zumindest für alle nicht ganz so zart besaiteten Seelen.

Uwe Wilhelm

Uwe Wilhelm, geboren 1957 in Hanau, hat Germanistik und Schauspiel studiert. Seit 1987 arbeitet er als Autor für Drehbücher, Theaterstücke und Sachbücher. Er hat mehr als 120 Drehbücher u.a. für Bernd Eichinger, Katja von Garnier und Til Schweiger verfasst. Uwe Wilhelm ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Die 7 Kreise der Hölle von Uwe Wilhelm, erschienen bei blanvalet, 21.05.2018, 448 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0345-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Ule Hansen: Neuntöter

Berlin, Potsdamer Platz. Beim Klettern in einem Baugerüst macht ein Junge einen grausamen Fund. An den Gerüststangen hängen drei silbrig glänzende Kokons. Drei Menschen, von Kopf bis Fuß in Panzertape gewickelt. Emma Carow macht sich auf die Jagd nach dem Täter.

Neuntoeter von Ule HansenWas ist das für ein Mensch, der so kaltschnäuzig ist, seine Opfer an einem der belebtesten Plätze Berlins aufwendig zu installieren?

Diese Frage muss sich Emma Carow, Fallanalystin stellen. Ihr Aufgabe ist es, in den Kopf des Täters zu kriechen und ein möglichst genaues Profil seiner Beweggründe zu erstellen.

Schnell ahnt sie, dass es sich unmöglich um einen Einzeltäter handeln kann.

Morde als Gruppen-Event

Aber wie bringt man eine Gruppe dazu, Menschen einzufangen, in lebende Mumien zu verwandeln, um sie dann irgendwo aufzuhängen und elendig verhungern zu lassen? Welche Macht, welche Druckmittel muss der Anführer haben, damit das funktioniert? Ist das wirklich vorstellbar? Selbst in ihrem eigenen Team stößt sie mit ihrer Analyse auf Zweifler. Also ermittelt sie auf eigene Faust und bringt sich damit in Lebensgefahr.

Neuntöter ist mein zweites Buch von Ule Hansen. Nachdem ich Blutbuche, ein weiterer Thriller des Autorenduos, gelesen hatte, war ich von Emma Carow begeistert. Eine eigenbrötlerische, verschlossene, junge Frau, die so viel Schweres hat erleben müssen, gefällt mir. Schweres, das Fluch und Segen zugleich ist.

Einerseits haben ihre eigenen Erfahrungen sie zur perfekten Fallanalystin werden lassen, sie kann den Tätern förmlich in die Köpfe kriechen. Andererseits haben sie Emma misstrauisch gegen alle Zuwendung werden lassen und ihren Instinkt, wem sie vertrauen soll und wem nicht, empfindlich gestört. In Neuntöter bezahlt sie ihre Neugier deshalb beinahe mit dem Leben.

Emma Carow, eine schräge Heldin

Neuntöter, nach Blutbuche der zweite Thriller von Ule Hansen, den ich der Hand hatte, wird sicher nicht das letzte Buch des Autorenduos sein, das ich lese.

Falls ich euch jetzt angesteckt habe und ihr neugierig auf Emma Carow seid, fangt mit Neuntöter an. Dann wisst ihr, worum es geht, wenn in Blutbuche zurück geblickt wird. Kein Muss, aber auch kein Fehler.

Astrid Ule und Eric T. Hansen

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt.

Buchinfo: Neuntöter von Ule Hansen, erschienen bei HEYNE, 12.02.2018, 496 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-42185-1