Julia Corbin: Die Bestimmung des Bösen

In einem Waldstück bei Mannheim werden zwei tote Frauen aufgefunden. Die Leichen sind sehr entstellt und wurden vom Mörder bizarr inszeniert. Und sie sind erst der Auftakt einer unfassbar brutalen Mordserie. Kommissarin Alexis Hall arbeitet gegen die Zeit. Kann sie den Mörder stoppen?

Die Bestimmung des Boesen von Julia CorbinKriminalkommissarin Alexis Hall weiß, wenn das Handy sonntags in aller Frühe klingelt, bedeutet das nichts Gutes. “Ich bin in zehn Minuten bei dir. Keine Stöckelschuhe, es wird matschig”, ruft ihr Kollege Oliver Zagorny gut gelaunt ins Telefon und legt auf.

Als sie kurze Zeit später gemeinsam die Reißinsel bei Mannheim erreichen, ist der Matsch das kleinste Übel, das sie erwartet. Unter einem Baum sind zwei Frauenleichen bizarr arrangiert: Nackt bis auf den Slip, die Beine ineinander verschränkt, die Köpfe aneinander gelehnt.

Maden und Puppen sollen die Lösung bringen

Offensichtlich waren die Leichen bereits einige Tage den Kräften der Natur ausgesetzt. In Augen, Mundhöhle und Nase tummeln sich unzählige Maden. Besonders schlimm sind die Hälse der beiden Frauen zugerichtet. Auch hier waren die offenen Wunden ein willkommenes Fressen für allerlei Getier.

Ein Fall für Kriminalbiologin Karen Hellstern, die sich auf die Besiedelung von Leichen durch Aasfresser spezialisiert hat. Akribisch sammelt sie Tiere in allen Entwicklungsstadien ein und wertet ihren Fund unter Hochdruck aus. Tatsächlich findet sie erste Hinweise auf den Tatort, denn der ist eindeutig ein anderer als die jeweiligen Auffindeorte.

Doch dann ändert der Täter scheinbar sein Vorgehen und stürzt Kommissarin Alexis Hall damit in eine tiefe Krise. Offensichtlich weiß er um ihr gut gehütetes Geheimnis.

Julia Corbin hat mich gleich zweimal gepackt

Die Bestimmung des Bösen habe ich verschlungen, kaum dass sie im Haus war. Aber irgendwie habe ich die Rezension vergessen. Letzte Woche habe ich diese nachholen wollen und etwas hin und her geblättert. Und was soll ich sagen: Ich habe es nochmal lesen müssen. Weil dieses Buch so spannend ist. Und überraschenderweise hat es auch wieder einen aktuellen Bezug.

Ich habe mit Alexis Hall mitgelitten, um ihren Kater gebangt, an ihr gezweifelt. Ich stand gefühlt neben Karen Hellstern und habe DNA isoliert, wie in meiner Studienzeit. Ich habe mit den Opfern mitgelitten, die von ihrem Peiniger maßlos kaltblütig gequält wurden. Und ich war mir bis zum Ende nicht sicher, wer dieser Peiniger ist.

Mit Die Bestimmung des Bösen hat Julia Corbin einen Thriller abgeliefert, der diesen Namen wirklich verdient. Von mit ein klares Daumen hoch!

Julia Corbin

Julia Corbin, geboren 1980, studierte Biologie in Heidelberg. Die Arbeit als Biologin inspirierte sie auch zu ihren Thrillern „Die Bestimmung des Bösen“ und „Das Gift der Wahrheit“ mit dem Team Hall & Hellstern. Ihre Leidenschaft für Nervenkitzel lebt die Autorin nicht nur in ihren Büchern, sondern auch bei Sportarten wie Kite- und Windsurfen oder Extrem-Hindernisläufen aus. Sie wohnt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn und gibt Kurse in Kreativem Schreiben.

Buchinfo: Die Bestimmung des Bösen von Julia Corbin, erschienen bei DIANA, Mai 2017, 416 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35934-5. Vielen Dank für das Leseexemplar.Die Bestimmung des Boesen von Julia Corbin

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Andreas Gruber: Rachewinter

Unmittelbar hintereinander sterben mehrere Menschen einen mysteriösen Tod. Alle waren vermögend, erfolgreich und völlig unauffällig. Und alle wurden kurz vor ihrem Tod mit einer aufregenden jungen Frau im roten Kleid gesehen. Ist sie die Mörderin? Kommissar Walter Pulaski aus Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers aus Wien ermitteln.

Rachewinter von Andreas GruberLeipzig. Ausgerechnet den mysteriösen Tod von Klaus Hinze muss Kommissar Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst aufnehmen. Der Tote liegt in einem heruntergekommenen Motel und hat eine lange, spitze Schere im Ohr. Auf den ersten Blick ein Unfall, doch Pulaski glaubt nicht daran. Er kennt den Toten. Hinze ist der Vater der besten Freundin seiner Tochter Jasmin.

Wien. Bei Dacharbeiten werden zwei junge Handwerker Zeugen eines brutalen Mordes im Nachbarhaus. Mit dem Handy nehmen sie die grausame Tat live auf. Ideale Voraussetzungen für die Polizei, sollte man meinen. Doch leider sieht man den Täter nur von hinten. Ein sehr schlanker junger Mann mit langem, dunklem Haar.

Verteidigt Evelyn Meyers einen Mörder?

Wien, am Tag danach. In der Kanzlei von Rechtsanwältin Evelyn Meyers meldet sich ein junger Mann. Schlank, mit langem, dunklem Haar. Die Polizei verdächtigt ihn, den Mord begangen zu haben. Evelyn Meyers soll seine Verteidigung übernehmen.

In den folgenden Tagen sterben auf mysteriöse Weise weitere Menschen. Alle waren beruflich erfolgreich und hatten auf den ersten Blick nur eines gemeinsam: Zum letzten Mal hat man sie in Begleitung einer großen, schlanken, jungen Frau im roten Kleid gesehen.

Erst als bei einem der Toten eine nicht natürliche Todesursache festgestellt wird, fügen sich die einzelnen Steine zu einem Bild zusammen. Pulaski und Meyers gehen gemeinsam auf die Jagd nach einem extrem kaltblütigen Täter.

Wenn Familiengeheimnisse den Tod bringen

Rachewinter von Andreas Gruber ist ein perfektes Buch für ein Wochenende auf der Couch. Vorausgesetzt, man ist nicht zu empfindsam. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mit dem Buch und dem eher störrischen Kommissar Pulaski warm zu werden, aber spätestens in Wien wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Rachewinter ist einer der Thriller, bei denen man schon früh weiß, wer der Täter oder die Täterin ist. Aber bis zum Schluss bleibt das “warum” unklar.

Ganz nebenbei gibt uns Andreas Gruber noch zwei Dinge mit auf den Weg:

  • Unterschätze nie Jugendliche, nur weil sie anders vorgehen als Erwachsene.
  • Eine schwarze Vergangenheit, die über Jahrzehnte hinweg totgeschwiegen wird, rächt sich irgendwann doch und dann meist auf sehr brutale Art und Weise.

Rachewinter war mein viertes Buch von Andreas Gruber und das erste aus der Pulaski/Meyers Reihe. Und wieder war ich gefesselt. Mir gefällt der Schreibstil und mir gefallen die überraschenden Wendungen. Und natürlich, dass ich miträtseln kann, was den Täter zu seiner Tat getrieben hat. Deshalb empfehle ich nicht nur dieses Buch sondern Andreas Gruber generell allen Krimi- und Thrillerfans.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Mit seinen bereits mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Buchinfo: Rachewinter von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 17.09.2018, Taschenbuch, 592 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48655-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Uwe Wilhelm: Die 7 Kreise der Hölle

Endlich kann Staatsanwältin Helena Faber aufatmen. Dionysos ist tot. Der schwierigste Fall ihrer Karriere liegt hinter ihr. Dass sie mit dieser Annahme falsch liegt, wird Helena Faber klar, als ihre beiden Töchter vor ihren Augen entführt werden. Um sie zu retten, setzt die Staatsanwältin nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Die sieben Kreise der Hoelle von Uwe WilhelmEndlich hat sich Helena Faber so weit von ihrem letzten Fall erholt, dass sie mit Familie und Freunden ihre Rückkehr in den Alltag feiern kann. Die einzigen, die bei Tisch noch fehlen, sind ihre beiden Töchter. Haben sie wieder einmal beim Spielen die Zeit vergessen?

“Du bist Kunst”

Helena macht sich auf die Suche und sieht gerade noch, wie beide Mädchen einem Transporter folgen, der um die Ecke biegt. Alarmiert nimmt sie die Verfolgung auf. Zu Fuß. Als der Wagen anhält, kann sie zwar aufholen, muss aber hilflos mit ansehen, wie beide in den Laderaum einsteigen. Sofort gewinnt das Auto wieder an Fahrt und entkommt mit seiner wertvollen Fracht. Was Helena bleibt, sind Kennzeichen, Automarke und der Schriftzug “Du bist Kunst”.

Reicht das aus um die Kinder zu retten? Hängt die Entführung mit dem Kinderschänderring zusammen, der durch ihre Arbeit aufgeflogen ist? Helena Faber ahnt, dass ihr nicht viel Zeit bleiben wird, ihre Töchter zu finden. Und dass sie es mit einem mächtigen Gegner zu tun hat.

Auch Band zwei der Reihe fesselt

Nach Die 7 Farben des Blutes ist Die 7 Kreise der Hölle das zweite Buch aus der Helena Faber Reihe von Uwe Wilhelm, das ich lese. Und wieder war ich begeistert. Als Drehbuchautor ist er es offensichtlich gewohnt, schnelle Storys zu entwerfen. Es fällt mir schwer, seine Bücher wieder aus der Hand zu legen.

Manche Szenen ließen mich zwar an amerikanische Actionfilme denken:

  • wer stört, wird abgeknallt
  • Konsequenzen hat das nicht
  • Helena als Staatsanwältin und ihr Mann Robert, Polizist, setzen sich konsequent über alle Regeln hinweg (was man vielleicht auch automatisch tut, wenn es um die Kinder geht)

Aber wirklichen Abbruch hat das meinem Lesevergnügen nicht getan.

Manchmal könnte ich kotzen

Fassungslos machte mich wieder die Kaltschnäuzigkeit, mit der manche Menschen mit anderen Menschen, insbesondere Kindern, umgehen. Auch wenn oder gerade weil ich weiß, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder, Kleinkinder oder gar Babys in manchen Kreisen kein Tabu sind. Ebenso wie die Versteigerung selbiger zur “freien Nutzung”.

Wenn ich mir vorstelle, ich weiß, dass dieses Schicksal für meine Kinder erwartet, wenn ich sie nicht rechtzeitig finde, könnte ich kotzen. Dieses Gefühl beim Lesen zu vermitteln, hat Uwe Wilhelm mit Die 7 Kreise der Hölle meisterhaft geschafft.

Deshalb die klare Leseempfehlung, zumindest für alle nicht ganz so zart besaiteten Seelen.

Uwe Wilhelm

Uwe Wilhelm, geboren 1957 in Hanau, hat Germanistik und Schauspiel studiert. Seit 1987 arbeitet er als Autor für Drehbücher, Theaterstücke und Sachbücher. Er hat mehr als 120 Drehbücher u.a. für Bernd Eichinger, Katja von Garnier und Til Schweiger verfasst. Uwe Wilhelm ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Die 7 Kreise der Hölle von Uwe Wilhelm, erschienen bei blanvalet, 21.05.2018, 448 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0345-2. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Ule Hansen: Neuntöter

Berlin, Potsdamer Platz. Beim Klettern in einem Baugerüst macht ein Junge einen grausamen Fund. An den Gerüststangen hängen drei silbrig glänzende Kokons. Drei Menschen, von Kopf bis Fuß in Panzertape gewickelt. Emma Carow macht sich auf die Jagd nach dem Täter.

Neuntoeter von Ule HansenWas ist das für ein Mensch, der so kaltschnäuzig ist, seine Opfer an einem der belebtesten Plätze Berlins aufwendig zu installieren?

Diese Frage muss sich Emma Carow, Fallanalystin stellen. Ihr Aufgabe ist es, in den Kopf des Täters zu kriechen und ein möglichst genaues Profil seiner Beweggründe zu erstellen.

Schnell ahnt sie, dass es sich unmöglich um einen Einzeltäter handeln kann.

Morde als Gruppen-Event

Aber wie bringt man eine Gruppe dazu, Menschen einzufangen, in lebende Mumien zu verwandeln, um sie dann irgendwo aufzuhängen und elendig verhungern zu lassen? Welche Macht, welche Druckmittel muss der Anführer haben, damit das funktioniert? Ist das wirklich vorstellbar? Selbst in ihrem eigenen Team stößt sie mit ihrer Analyse auf Zweifler. Also ermittelt sie auf eigene Faust und bringt sich damit in Lebensgefahr.

Neuntöter ist mein zweites Buch von Ule Hansen. Nachdem ich Blutbuche, ein weiterer Thriller des Autorenduos, gelesen hatte, war ich von Emma Carow begeistert. Eine eigenbrötlerische, verschlossene, junge Frau, die so viel Schweres hat erleben müssen, gefällt mir. Schweres, das Fluch und Segen zugleich ist.

Einerseits haben ihre eigenen Erfahrungen sie zur perfekten Fallanalystin werden lassen, sie kann den Tätern förmlich in die Köpfe kriechen. Andererseits haben sie Emma misstrauisch gegen alle Zuwendung werden lassen und ihren Instinkt, wem sie vertrauen soll und wem nicht, empfindlich gestört. In Neuntöter bezahlt sie ihre Neugier deshalb beinahe mit dem Leben.

Emma Carow, eine schräge Heldin

Neuntöter, nach Blutbuche der zweite Thriller von Ule Hansen, den ich der Hand hatte, wird sicher nicht das letzte Buch des Autorenduos sein, das ich lese.

Falls ich euch jetzt angesteckt habe und ihr neugierig auf Emma Carow seid, fangt mit Neuntöter an. Dann wisst ihr, worum es geht, wenn in Blutbuche zurück geblickt wird. Kein Muss, aber auch kein Fehler.

Astrid Ule und Eric T. Hansen

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt.

Buchinfo: Neuntöter von Ule Hansen, erschienen bei HEYNE, 12.02.2018, 496 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-42185-1

Andreas Gruber: Die Engelsmühle

Wien. Eine Reihe brutaler Morde beunruhigt die Stadt. Eigentlich wollte sich Privatdetektiv Peter Hogart nicht einmischen, aber sein neuer Auftrag scheint irgendwie mit den Morden zusammen zu hängen. Hogart muss sich leider einmischen.

Die Engelsmuehle von Andreas GruberPrivatdetektiv Peter Hogart hat einen neuen Auftrag. Im Archiv einer Klinik ist ein Brand ausgebrochen und hat sowohl die analogen als auch alle digitalen Aufzeichnungen und hochwertige technische Ausrüstung zerstört. Für einen großen Versicherungsgesellschaft soll Peter Hogart klären, ob Brandstiftung wirklich ausgeschlossen werden kann.

Ist Hogarts Bruder ein Mörder?

Ausgerechnet jetzt bittet Kurt, Hogarts Bruder, dringend um Hilfe. Bei den Ermittlungen im Mordfall Dr. Abel Ostrovsky ist er in den Fokus der Polizei geraten. Und tatsächlich war Kurt Hogart vermutlich der letzte, der mit dem Opfer gesprochen hat. Jetzt muss das Duo die Polizei überzeugen, dass er dennoch nichts mit dem Mord zu tun hat.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Die Engelsmühle ist mein zweites Buch aus der Peter Hogart Reihe. Und wie schon bei Die schwarze Dame war mir recht früh ziemlich sicher, den wesentlichen Punkt im Spiel der Hauptverdächtigen zu erkennen. Was mir aber wieder nicht gelang, war, das warum zu durchschauen. Deshalb blieb auch Die Engelsmühle bis zur letzten Seite spannend.

Ein Meister der speziellen Szenarien

Was mir weniger gefallen hat, war die zwanghaft herbei geschriebene Verquickung der Fälle auf allen möglichen Ebenen. Da wäre für meinen Geschmack weniger mehr gewesen.

Trotzdem bekommt bekommt Die Engelsmühle von mir eine Leseempfehlung, weil Andreas Gruber es meisterhaft versteht, sehr spezielle Szenarien zu entwerfen, die einfach fesseln.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Er hat bereits mehrere äußerst erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und Romane verfasst.

Buchinfo: Die Engelsmühle von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 16.04.2018, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48123-1

Ule Hansen: Blutbuche

Bei der polnischen Polizei gehen verstörende Briefe ein: “Bitte helft mir! Er sagt, er reißt mich in Stücke.”, heißt es da in deutscher Sprache. Alle Schreiben sind verbunden mit der Aufforderung, sie umgehend auf der Polizei-Website zu veröffentlichen, wenn die Absenderinnen nicht sterben sollen. Ein Gutachten der Berliner Fallanalystin Emma Carow sorgt für eine überraschende Wendung. Können die Frauen rechtzeitig gerettet werden?

Blutbuche von Ule Hansen
Blutbuche von Ule Hansen

Emma Carow ist Fallanalystin bei der Berliner Polizei. Ihre Spezialität sind Serientäter. Niemand versetzt sich so schnell in das Denken und Handeln dieser Monster wie Emma. Aus gutem Grund, wurde sie doch selbst bereits zum Opfer eines solchen Psychopathen. Ein Trauma, das sie bis in die Gegenwart verfolgt. Das ihr Vertrauen in Menschen nachhaltig zerstört und sie zur eigenbrötlerischen Einzelgängerin hat werden lassen.

Ausgerechnet als sie im Begriff ist, sich von ihren Altlasten zu befreien, soll Emma der polnischen Kripo dabei helfen, einen Kidnapper zu stellen, der offensichtlich deutsche Prostituierte aus Berlin nach Polen verschleppt und sie dort unter erniedrigenden Bedingungen in einem Hundekäfig gefangen hält. Zumindest lassen die Briefe, die er der Polizei zukommen lässt, das vermuten. Emma Carow soll im Rahmen einer Amtshilfe ihre Einschätzung zu diesen Schriftstücken abgeben. Sind sie echt, sind die Frauen wirklich in Gefahr? Und warum lässt der Entführer es zu, dass die Briefe die Polizei erreichen?

Fesselndes Katz- und Maus-Spiel

Blutbuche von Ule Hansen hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich mag Charaktere wie Emma Carow. Scheue, introvertierte und dabei hochintelligente, sensible und mutige Menschen. Auch das psychologische Katz- und Maus-Spiel zwischen Täter und Ermittlerin ist faszinierend. Zwar hatte ich recht früh eine Ahnung, wer die Frauen verschleppt haben könnte, aber die kluge Dramaturgie der Story hat mich immer wieder auf jede neue Spur mitgenommen. Astrid Ule und Eric T. Hansen verstehen ihr Handwerk.

Vielleicht ist das verstörende, perverse Vorgehen des Entführers ja einer der exzentrischen Halloweenpartys (siehe Vita) geschuldet, jedenfalls wundere ich mich immer wieder, wie man sich in so kranke Hirne wie das des Täters hineindenken kann. Und ich bin froh, dass es Menschen gibt, die das können, sonst hätte ich nicht so viel geniales Thrillervergnügen!

Blutbuche bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Aber Vorsicht, nichts für Zartbesaitete! Man braucht übrigens Neuntöter, Band eins der Emma Carow Reihe, nicht gelesen zu haben, um sich in Band zwei einzufinden. Mir hat es aber Lust auf mehr gemacht.

Ule Hansen

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt.

Buchinfo: Blutbuche von Ule Hansen, erschienen bei Heyne, 21.05.2018, 480 Seiten, Klappenbroschur, 17,00 €, ISBN: 978-3-453-43805-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

B. C. Schiller: Immer wenn du tötest

In einem Berliner Schlachthaus findet die Polizei die bizarr inszenierten Leichen von drei jungen Menschen. Was sie verbindet: Alle sind blond, blauäugig und haben keinen Tropfen Blut mehr in sich. Der Verdacht fällt auf die umstrittene Künstlerin Freya von Rittberg. Targa Hendricks ermittelt undercover.

Immer wenn du toetest von BC SchillerFreya von Rittberg liebt die Exzentrik. Mit legendären Mut-Challenges hat sie sich einen Namen als Künstlerin gemacht. In ihnen bringt sie ihre Fans dazu, bis an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen.

Immer sind damit Blutopfer verbunden. Blutopfer ihrer Fans mit denen Freya ihre Bilder malt und ihre Fans unsterblich macht.

Der Fluch der Nazis

Dass alle Teilnehmer der Challenges blond und blauäugig sind, kommt nicht von ungefähr. Freyas Familie hat eine dunkle Nazi-Vergangenheit, die das Leben der jungen Frau verhängnisvoll geprägt und zutiefst zerstört hat. Eine Vergangenheit, die sie bis in die Gegenwart eisern im Griff hält.

Als in einem stillgelegten Schlachthaus die völlig ausgebluteten Leichen dreier junger Menschen entdeckt werden, nimmt die Polizei Freya von Rittberg ins Visier. Doch ihr ist nicht beizukommen. Dazu fehlen einfach die Beweise. Ein Fall für Targa Hendricks, die “Geheimwaffe” des BKA. Die furchtlose Ermittlerin verdingt sich bei Freya von Rittberg als Bodyguard. Ein Spiel um Leben und Tod beginnt.

Targa Hendricks, die Frau fürs Grobe

Wer Targa Hendricks, die (fast) neue Protagonistin in B. C. Schiller Thrillern noch nicht kennt, sollte das schnellstens nachholen. Gleich nach der Geburt ausgesetzt, die Zwillingsschwester in der kalten Winternacht erfroren, hat sie nur ein Ziel: ihren Erzeuger für ihren verkorksten Start ins Leben bluten lassen. Empathie, Sozialkompetenz und Angst kennt sie nicht. Damit hat sie sich für besonders heikle und gefährliche Spezialermittlungen beim BKA qualifiziert. Als Bodyguard wird Targa, blond und blauäugig, bei Freya von Rittberg eingeschleust. Was sie mit der Künstlerin erlebt, ist verstörend und faszinierend zugleich. Zwei ebenbürtige Gegnerinnen scheinen sich gefunden zu haben.

Immer wenn du tötest ist nach Targa das zweite Buch aus der Targa Hendricks Reihe von B.C. Schiller, das mich in seinen Bann zog. Besonders spannend war für mich die Entwicklung der Beziehung zwischen Targa und Freya. Zwei zutiefst gestörte Frauen, die der morbiden Anziehungskraft der jeweils anderen nur schwer widerstehen können und die fast zu ihrem Tod führt.

Nette Menschen gibt’s im Waschsalon

Immer wenn du tötest ist nichts für Zartbesaitete. Hier geht es blutig und brutal zur Sache. Aber auch die Schmunzler kommen nicht zu kurz, zum Beispiel, wenn Targa sich bemüht, ein “normales Leben zu lernen”. Orientierung bietet ihr dabei ein Ratgeberbuch, das sagt: Nette Menschen lernst du im Waschsalon kennen.

Von mir bekommt Targa erneut eine klare Leseempfehlung. Immer wenn du tötest ist solide Kost für Thrillerfans. Um darin versinken zu können, muss man übrigens Targa nicht gelesen haben. Viel Spaß!

B. C. Schiller

Barbara und Christian Schiller gehören zu den erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum. Ihre Thriller – darunter mehrere Nr.1-E-Book-Bestseller – haben sich bereits mehr als eine Million Mal verkauft und viele Hunderttausend Leser begeistert. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmeten, betrieben sie gemeinsam eine Werbeagentur. Sie leben auf Mallorca und in Wien.

Buchinfo: Immer wenn du tötest von B. C. Schiller, erschienen bei Penguin, 14. Mai 2018, 400 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-328-10163-5. Vielen Dank für das Leseexemplar.