Raphael Montes: Sag kein Wort

Téo Avelar ist ein Einzelgänger. Seine größte Leidenschaft: Der Seziersaal der medizinischen Fakultät. Voller Hingabe und mit tiefer Zuneigung zu den Leichen widmet sich der Student seinen Aufgaben. Als das Partygirl Clarice in sein Leben tritt, empfindet er zum ersten Mal im Leben die gleiche Leidenschaft für einen lebenden Menschen. Téo setzt alles daran, das Mädchen für sich zu gewinnen.

Sag kein Wort von Raphael MontesTéos Obsession gilt den Leichen. Hier sucht er Zuflucht, wenn ihm seine kranke Mutter und die beengten Verhältnisse zu viel werden. Zu ihnen baut er Beziehungen auf, die ihn zum Einzelgänger machen. Kontakte zu lebenden Menschen hat er kaum. Hier fehlt ihm einfach der Zugang.

Als seine Mutter ihn nötigt, sie auf eine Party zu begleiten, stimmt er deshalb nur widerwillig zu. Doch Clarice, ein umschwärmtes Partygirl, macht seine Pläne, sich schnell wieder zu verabschieden, zunichte. Téo fühlt sich magisch zu ihr hingezogen. Dabei passen sie auf den ersten Blick so überhaupt nicht zueinander. Clarice, das lebenshungrige, fröhliche junge Mädchen. Téo, der introvertierte, verschrobene Einzelgänger.

Auf Schritt und Tritt verfolgt

Fortan folgt Téo Clarice wann immer er Zeit hat. Er beobachtet sie, beurteilt alles, was sie tut und ist regelrecht besessen von ihr. Als sie seine Gefühle nicht erwidert und ihn in die Schranken weisen will, überwältigt Téo das Mädchen, betäubt und versteckt es in der Wohnung seiner Mutter. Bald wird diese misstrauisch. Téo flüchtet mit Clarice in ein abgelegenes Ferienhaus. Für ihn sind sie das perfekte Paar. Dass er Clarice betäuben und fesseln muss, wenn er das Haus verlässt, irritiert ihn nicht.

Eine Weile kann Téo Clarices Mutter und ihre Freunde in ihren Telefonaten hinhalten. Clarice schläft gerade. Clarice ist gerade so in die Arbeit an ihrem Drehbuch vertieft. Clarice ist einkaufen. Doch dann nimmt Clarices Ex-Freund die Suche auf.

Spannend und atmosphärisch dicht erzählter Thrill

Sag kein Wort von Raphael Montes hat mich von der ersten Seite an fasziniert auch wenn ich kurz auf der falschen Fährte war und dachte, es gehe “nur” um Nekrophilie. Für sich schon ein überaus spannendes Thema, wie ich finde.

Aber der Wechsel hin zu Stalking, Obsession und emotionsloser Kaltschnäuzigkeit war nicht weniger spannend. Zu sehen, dass sich Téo nicht einen Moment seines Unrechts bewusst ist, lässt sich mit normalem Verstand kaum nachvollziehen. Wie weit er in seiner vermeintlichen Liebe zu Clarice geht, ebenso wenig.

Ich empfehle Sag kein Wort allen, die auf psychologisch fein erzählten Thrill stehen!

Raphael Montes

Raphael Montes, geboren 1990 in Rio de Janeiro, ist Jurist und Autor. Er schrieb Short Storys für verschiedene Krimianthologien und Magazine. Sein Debütroman wurde u.a. für den São Paulo Literaturpreis nominiert, und in seiner Heimat wird Raphael Montes als »Stephen King Brasiliens« gefeiert. Mit seinem zweiten Spannungsroman sorgt Montes auch international für Furore. Sag kein Wort erscheint in siebzehn Ländern.

Buchinfo: Sag kein Wort von Raphael Montes, erschienen bei Limes, Juni 2017, 320 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-8090-2678-5. Danke für das Leseexemplar.

 

 

 

Susanne Kliem: Das Scherbenhaus

Stell dir vor, du hast einen Stalker. Einen Menschen, der dir Angst macht und sich weigert, deine Privatsphäre zu respektieren. Schweren Herzens beschließt du, deine gewohnte Umgebung zu verlassen und dich in der Anonymität der Großstadt zu verstecken. Doch dort wartet die Hölle auf dich.

Das Scherbenhaus von Susanne KliemDu läufst auf der Straße und hast das Gefühl, du wirst verfolgt. Du sitzt im Café und fühlst dich beobachtet, In deinem Briefkasten liegen Drohbriefe ohne Absender. Und dann kommst du eines Tages heim und spürst: Er war da! Dein Stalker ist in deiner Abwesenheit in deinen privatesten Bereich eingedrungen, hat deine Wäsche durchstöbert, dein Bad benutzt, aus deiner Tasse getrunken, Das ist der Moment, in dem Carla beschließt, die Flucht zu ergreifen.

Wenn die Flucht misslingt

Der Wunsch ihrer Schwester, einer erfolgreichen Berliner Architektin, kommt da gerade richtig. In der Hauptstadt hat sie sich ihr Traumhaus erbaut: Einen Palast aus Glas und Stahl, ultramodern, mit technischer Highend-Ausstattung und handverlesenen Mietern. In der Anonymität der Großstadt hofft Carla, ihren Frieden zu finden. Doch sie landet in einer Hölle aus Angst und Misstrauen.

Scherbenhaus von Susanne Kliem spielt mit der Psyche seiner Leser. Ziemlich früh hat man den Verdacht, welcher der Akteure wirklich böse ist. Was fehlt, ist ein Missing Link, der alle Ereignisse und Entwicklungen plausibel werden lässt.

Home, smart Home

Außerdem thematisiert Susanne Kliem ein sehr aktuelles Thema: Die smarte Wohnumgebung. So bequem es sein mag, wenn der Kühlschrank die Milch selbst bestellt und Alexa mit Siri aushandelt, wer den den Termin beim Zahnarzt vereinbart. Wenn sich aber jemand diese Form der Vernetzung zu Nutze macht und damit das Leben seiner Umgebung manipuliert, ist das alles andere als “smart”.

Von mir bekommt Das Scherbenhaus eine Leseempfehlung.

Susanne Kliem

Susanne Kliem wurde 1965 am Niederrhein geboren. Sie arbeitete als Pressereferentin für Fernsehserien von ARD und ZDF und für das größte deutsche Theaterfestival »Theater der Welt«. Seit 2009 schreibt sie Krimis, für die sie bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien von ihr der Roman „Trügerische Nähe“.

Buchinfo: Das Scherbenhaus von Susanne Kliem, erschienen bei carl’s books, Februar 2017, € 9,99, ISBN: 978-3-641-19743-8. Danke für das Lesesexemplar.

Sebastian Fitzek: Achtnacht

Stell dir vor, du kannst eine Nacht im Jahr einen Menschen völlig legal töten. Als Prämie winken dir zehn Millionen Euro. Wer das Opfer ist, entscheiden die Teilnehmer einer Online-Kampagne. Jeder kann einen Menschen zum Abschuss vorschlagen. Wen würdest du nominieren?

978-3-426-52108-3_DruckBenjamin Rühmann ist nicht gerade vom Glück verfolgt. Seine Ehe mit Jennifer ist gescheitert. An der Querschnittslähmung seiner Tochter gibt es sich die Schuld. Und gerade eben ist er aus seiner Band geflogen.

Frustriert macht er sich auf den Heimweg. Plötzlich begegnet ihm sein überlebensgroßes Porträt auf sämtlichen interaktiven Werbeflächen der Stadt. Irgendjemand hat ihn für die Aktion “Achtnacht” nominiert. Zwölf Stunden lang können ihn 80 Millionen jagen, foltern und dann töten. Wer nachweisen kann, dass er beziehungsweise sie ihn getötet hat, kann sich über zehn Millionen Euro auf einem Konto auf den Caymans freuen.

Kann Ben die Nacht überstehen? Kann er seine Verfolger abschütteln? Und wer wird ihm helfen?

Die kranke Phantasie des Sebastian F.

Sebastian Fitzek hat einfach eine kranke Phantasie! Und ich liebe diese Phantasie! Mit Achtnacht hat er mich mitgenommen in eine Welt, die ich absolut nicht unvorstellbar finde. Menschen können alle Hemmungen verlieren, wenn sie sich in Sicherheit wähnen, der Menge folgen können und außerdem noch die Aussicht auf viel Geld haben.

Wieder einmal zeigt Fitzek uns, wie sehr Traumata Menschen verletzen und nachhaltig in ihren Grundfesten erschüttern können. So sehr, dass sie unbewusst Katastrophen heraufbeschwören. Sich auf Experimente einlassen, die komplett aus dem Ruder laufen.

Gleichzeitig macht Fitzek Mut. Auch in noch so aussichtslosen Situationen kann man auf Menschen stoßen, die nicht einfach nur mit der Horde mitlaufen. Die ihre Menschlichkeit bewahrt haben und sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen.

Die dunkle Seite der Online-Welt

Achtnacht ist brutal, schonungslos und dabei über weite Strecken nicht mal völlig unrealistisch. Der Thriller lässt uns in Abgründe schauen, die wir hoffentlich nie selbst erleben müssen.

Und typisch für Sebastian Fitzek: Immer, wenn man denkt, man weiß, wer für all das verantwortlich ist, hat er noch einen weiteren Schlenker parat, der alle Überlegungen Makulatur sein lässt.

Achtnacht ist einfach ein geiler Thriller!

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Achtnacht von Sebastian Fitzek, erschienen bei KNAUR, März 2017, 416 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-426-52108-3

Wulf Dorn: Die Kinder

Ein Unfall. Eine Verletzte. Eine grausam entstellte Tote im Kofferraum. So weit sieht alles nach einem brutalen aber nicht ungewöhnlichen Mord aus. Wären da nicht unzählige weitere Menschen, die plötzlich spurlos verschwinden. Und natürlich die unglaubliche Geschichte der verletzten Frau.

9783453270947_CoverAufgeschreckt durch einen wirren Anruf seiner Exfrau Su, ist Kinderarzt Patrick Landers auf dem Weg in ein abgelegenes Dorf. Dort hofft Su die nötige Ruhe für ihre Tochter Mia zu finden, deren Verhalten in letzter Zeit zunehmend auffällig ist. Stundenlang schaut sie nur vor sich hin, spricht keine Wort und folgt keiner Anweisung. Sind andere Kinder in ihrer Nähe, starren sie sich unverwandt an und scheinen auf eine nur für sie wahrnehmbare Art und Weise zu kommunizieren. Irgendetwas geht in Mia vor. Etwas, das ihrer Mutter Angst macht.

Mehr Respekt. Weltweit!

Mit Die Kinder von Wulf Dorn habe ich wieder einen dieser tollen Thriller deutscher Autorenn in der Hand, die nicht nur Spannung versprechen sondern auch zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig ist es sehr schwierig, diese Gedanken niederzuschreiben ohne gleich zu spoilern.

Aber was wäre, wenn sich die Kinder der Welt zusammenschlössen und uns Erwachsenen das zurückgäben, was wir ihnen aus Egoismus, Geldgier oder einfach nur Gedankenlosigkeit Tag für Tag zumuten und antun? Ist so etwas vorstellbar und wenn ja, wie können wir es verhindern?

Macht Platz für die Jugend

Ich denke, wir müssen wieder einen respektvolleren Umgang lernen. Miteinander. Mit unserer näheren Umgebung. Mit der Welt. Uns Gedanken machen, wer für den Luxus in unserem Leben zahlt und ob dieser Luxus einen solchen Preis wert ist. Und wir müssen schnellstens die Jugend in alle Entscheidungen über die Welt von morgen einbinden. Diese Entscheidungen dürfen nicht nur von “uns Alten” getroffen werden, denn vielen von uns fehlt die Weitsicht und das Interesse an den langfristigen Konsequenzen dieser Entscheidungen.

Und wir müssen dringend beginnen, global zu denken. Nicht mehr nur für unsere Region, für unser Land, für unseren Kontinent. Wir haben keine Zeit für alte Rivalitäten, Erbsenzählereien und permanenter Nabelschau.

Genau dabei kann die Jugend uns helfen. Sie haben alte, verhärtete Strukturen nicht erlebt. Ihre Hemmschwelle, mit Menschen anderer Nationalitäten Kontakt aufzunehmen und zusammenzuarbeiten, ist gering. Gemeinsam mit ihnen können wir eine Welt schaffen, die von Respekt und Nachhaltigkeit geprägt ist.

Lesen, gruseln, grübeln

Von mir bekommt Die Kinder von Wulf Dorn eine Leseempfehlung. Wie bereits erwähnt schätze ich die Kombination aus Spannung und Denkanstoß.

Allerdings sehe ich auch Schwächen, vor allem am Ende des Buches. Wenn niemand mehr da ist, der weiß, wie Zuckerstangen produziert werden, kann man auch keine mehr essen. Und dann ist da noch die Sache mit dem Nachwuchs, Herr Dorn. Wie wollen sie die denn lösen? Erfahren wir das womöglich in Band zwei? Ich würde mich freuen.

Wulf Dorn

Wulf Dorn, Jahrgang 1969, arbeitete zwanzig Jahre in einer psychiatrischen Klinik, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit seinem 2009 erschienenen Debütroman »Trigger« gelang ihm ein Sensationserfolg. Seitdem stehen seine Bücher auf internationalen Bestsellerlisten und haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den französischen »Prix Polar«.

Buchinfo: Die Kinder von Wulf Dorn, erschienen bei Heyne, September 2017, 320 Seiten, € 16,99, ISBN 978-3-453-27094-7

Christian V. Ditfurth: Giftflut

Europa befindet sich im Krieg. Anschlag folgt auf Anschlag. Dass sie zusammenhängen, ist offensichtlich. Doch wer steckt dahinter? Auf unorthodoxe Art und Weise nimmt Kriminalkommissar Eugen de Bodt die Ermittlungen auf. Findet er die Verantwortlichen, ehe Europa im Chaos versinkt?

Giftflut von Christian DitfurthIn Berlin wird der Leiter der Wasserwerke tot in seiner Badewanne aufgefunden. Fast zeitgleich sind weite Teile der Stadt kurzzeitig ohne Wasser. Fremde haben sich Zutritt verschafft und die Haupthähne abgedreht.

Vier Tage später. Spätabends in Berlin. Ein dumpfer Schlag ist zu hören. Dann vibriert der Boden. Wie bei einem Erdbeben. Kurz darauf zerreißt Sirenengeheul die abendliche Stille. De Bodt folgt den Einsatzwagen. Die Oberbaumstraße ist gesperrt, alles voller Blinklichter. Polizei, Feuerwehr, Ambulanzen. Von der Oberbaumbrücke ist nur noch ein Gewirr aus Steinen und Metall zu sehen. Dazwischen bunte Flecken. Die U1 und unzählige Autos, die sich gerade auf der Brücke befanden, als sie von irgendwem gesprengt wurde.

Die Rache der Inselstaaten?

Es folgen weitere Anschläge. In Berlin, in London, in Paris. Alle haben mit Wasser zu tun und alle fordern unzählige Todesopfer. Die Börsenkurse rauschen in den Keller, die Menschen sind verunsichert, die Politik sucht händeringend nach Erklärungen.

Klar ist: Wer diese Verbrechen begangen hat, verfügt über unendliche finanzielle Ressourcen. Und er arbeitet nur mit Profis. Was die Gruppe der Verursacher sehr stark eingeschränkt. Kriminalkommissar Eugen de Bodt nimmt mit seinem Team die Spur auf und schreckt dabei – wie üblich – vor unorthodoxen Methoden nicht zurück.

Giftflut ist das zweite Buch von Christian v. Ditfurth, das ich lese. Und wie bei Zwei Sekunden bin ich wieder begeistert.

Ich mag Storys, die mit kurzen Sätzen und direkter, schnörkelloser Sprache erzählt werden. Sie sorgen für Tempo und Spannung, was für mich einen harten Thriller ausmacht.

Themen, die die Welt aktuell bewegen

Auch mit der Themenwahl hat Christian v. Ditfurth mit Giftflut bei mir einen Volltreffer gelandet. Wie schon bei Zwei Sekunden ist sie top aktuell:

  • Klimawandel
  • Terrorismus
  • Bankenkrise
  • Korruption
  • Flüchtlingsbewegungen

Alle Szenarien, die v. Ditfurth in Giftflut skizziert, sind vorstellbar aber nicht vorhersehbar. Ich konnte mich problemlos darauf einlassen und mitgrübeln. Trotzdem war mir Kommissar de Bodt immer eine Nasenspitze voraus. Er ist eben doch der bessere Ermittler von uns beiden. 😉

Und dass mir seine unorthodoxe Arbeitsweise und sein unangepasster Charakter gefällt, wundert vermutlich keinen der mich kennt.

Kaufen, lesen, sich über die Welt Gedanken machen

Ich empfehle Giftflut von Christian v. Ditfurth allen, die auf temporeiche, detailliert erzählte und real vorstellbare Thriller stehen und freue mich schon auf sein nächstes Buch. Mir fallen da noch einige aktuelle Themen ein, die man auf diese Art an politisch uninteressierte Menschen bringen können.

Christian v. Ditfurth

Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in Berlin und in der Bretagne. Er hat zahlreiche Sachbücher geschrieben, zuletzt Deutsche Geschichte für Dummies. Neben Thrillern wie Der 21. Juli und Das Moskau-Spiel hat er Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht, die auch in den USA, in England, Australien, Frankreich, Spanien und Israel veröffentlicht wurden. Bei carl’s books erschien zuletzt »Zwei Sekunden. Kommissar de Bodts zweiter Fall«.

Buchinfo: Giftflut von Christian v. Ditfurth, erschienen bei carl’s books, 04.September 2017, 480 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, 15.00 Euro, ISBN: 978-3-570-58565-8, vielen Dank für das Leseexemplar.

B. C. Schiller – Targa

Eine eiskalte Winternacht. Auf den Stufen einer Klinik werden zwei Babys abgelegt. Nur eines der Mädchen überlebt. Dreißig Jahre später. Targa Hendricks wird als Undercover-Ermittlerin auf einen Serienkiller angesetzt. Kann sie ihn überzeugen, dass sie seine kranken Träume teilt?

Targa Der Moment bevor du stirbst von BC SchillerSie hat keine Freunde, keine richtige Familie, keinen Partner und vor allem keine Angst. Dazu war Targas Start ins Leben zu brutal. So brutal, dass Ihre Gefühlswelt zu Eis erstarrt ist. Ein Zustand, der sie zur unerbittlichen Jägerin werden lässt.

Hochschuldozent Falk Sandman ist clever, hat Charisma und einen tödlichen Fetisch: Er ist besessen von den letzten Worten Sterbender. Und er verfällt der geheimnisvollen Targa. Der Frau, die so ganz anders ist als alle anderen.

Ein gefährliches Spiel beginnt. Kann Targa es gewinnen?

Spannende Charaktere, hohes Tempo

Targa war ein Buch so richtig nach meinem Geschmack. Dunkel, böse, schwer einzuschätzen. Ich habe es inhaliert.

Fasziniert hat mich Targas Charakter. Die unterkühlte Schönheit, die mit menschlichen Emotionen nichts anfangen kann, ihren Hund aber bis aufs Blut verteidigen würde. Die den Dingen auf den Grund gehen muss, um sie wirklich zu verstehen und damit ihre Umgebung zutiefst irritiert.

Gleichzeitig habe ich mitgelitten, wenn sie durch ihren fehlende Angst sehenden Auges in gefährliche Fallen getappt ist. Ein Hoch an dieser Stelle auf unsere Schutzreflexe! Ich möchte nicht sehen, wie unsere Welt wäre, gäbe es sie nicht.

Fortsetzung folgt! Fortsetzung folgt??

Frustriert hat mich der abrupte Schluss. Ok, Fortsetzung folgt. Aber das war nicht das, was ich lesen wollte. Ich wollte gleich wissen, wie es weiter geht. Jetzt! Sofort!

Das spricht für B. C. Schillers packenden Thriller. Ich wollte ihn nicht aus der Hand legen und warte gespannt auf die Fortsetzung.

B.C. Schiller

B.C. Schiller sind Barbara und Christian Schiller, die zu den erfolgreichsten Selfpublishing-Autoren im deutschsprachigen Raum gehören. Ihre Thriller – darunter mehrere Nr.1-E-Book-Bestseller – haben sich bereits mehr als eine Million Mal verkauft und viele Hunderttausend Leser begeistert. Bevor Barbara und Christian Schiller sich ganz dem Schreiben widmeten, betrieben sie gemeinsam eine Werbeagentur. Sie leben auf Mallorca und in Wien.

Buchinfo: Targa von B. C. Schiller, erschienen bei Penguin, 10.07.2017, 400 Seiten, 10,00 €, ISBN: 978-3-328-10151-2

Uwe Wilhelm: Die 7 Farben des Blutes

Berlin. Drei Frauen werden in drei Monaten grausam ermordet. Nach jedem Mord veröffentlicht der Mörder über seine “Heilungen”, wie er es nennt, berichtet. Dabei zitiert er aus dem Buch eines bekannten und umstrittenen Berliner Professors. Die Polizei arbeitet gehen die Zeit. Kann sie die Morde stoppen?

Die sieben Farben des Blutes von Uwe WilhelmDrei Morde in drei Monaten. Dann ist plötzlich Ruhe. Doch Staatsanwältin Helena Faber glaubt nicht, dass der Mörder die Lust am Töten verloren hat. Für sie ist es nur eine Frage der Zeit, bis er wieder zuschlägt.

Aller Bedenken zum Trotz stellt ihr Vorgesetzter die Suche ein. Eine Entscheidung, die sich rächen wird.

Was hat die Geschichte des Frauenhasses mit den Morden zu tun?

Ein Jahr später. Wieder stehen Polizei und Staatsanwaltschaft vor einem Opfer, das eindeutig die Handschrift von Dionysos, wie der Serienmörder sich nennt, trägt. Mit unfassbarer Perversion inszeniert er seine Morde und wieder führt der Weg zu Professor Gibran. Sein Fachbereich: Die Geschichte des Frauenhasses.

Als sich Helena Faber näher mit Gibrans Buch beschäftigt, ist sie sicher: Es wird weitere Tote geben und eine davon heißt Helena.

Spannung am laufenden Band für Thrillerfans wie mich

Die 7 Farben des Blutes haben mein Wochenende komplett durcheinander gewirbelt. Bereits nach den ersten Seiten war alle Planung vergessen und Uwe Wilhelm hatte mich im Griff. Er hat ein schnelles, fesselndes Buch abgeliefert, das nichts für zarte Gemüter ist. Dazu sind die Schilderungen der Opfer zu detailliert. Aber für mich war es perfekt.

Dafür hat nicht nur das durchgehend hohe Tempo gesorgt sondern vor allem die spannenden psychologischen Hintergründe. Auch wenn mir ziemlich früh klar war, wer der Mörder sein könnte, hat es noch lange gedauert, bis mir die Zusammenhänge klar waren. Bis ich den ganzen Wahnsinn erfassen konnte.

Mit Helena Faber mitgelitten

Wer jetzt denkt: Ach ja, Serienmörder, Psychopathen, usw., das kennt man doch zur Genüge, irrt. Uwe Wilhelm hat für seine Leserinnen und Leser noch mehr in Petto. Ich habe mit Helena mitgelitten. Habe in den heikelsten Situationen gehofft, dass sie ihre Amnesie (Details im Buch, denn spoilern ist doof) nur vorspielt und im nächsten Moment gnadenlos zuschlagen wird. Vergebens.

Um es kurz zu machen: Ich war begeistert und nur ganz kurz über das abrupte Ende enttäuscht. Sagt es mir doch, dass ich noch mehr über Staatsanwältin Helena Faber lesen werde. Ich freue mich jetzt schon darauf!

Uwe Wilhelm

Uwe Wilhelm, geboren 1957 in Hanau, hat Germanistik und Schauspiel studiert. Seit 1987 arbeitet er als Autor für Drehbücher, Theaterstücke und Sachbücher. Er hat mehr als 120 Drehbücher u.a. für Bernd Eichinger, Katja von Garnier und Til Schweiger verfasst. Uwe Wilhelm ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Die 7 Farben des Blutes von Uwe Wilhelm, erschienen bei blanvalet, 17.07.2017, 480 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN: 978-3-7341-0344-5.