Prag 1910. Eine Mordserie erschüttert die Stadt. Reporter Egon Kisch ist überzeugt, dass es sich nicht um Zufälle handelt. Gemeinsam mit der Medizinstudentin Lenka Weißbach nimmt er die Ermittlungen auf.

Prag ist in Aufruhr. Der Halleysche Komet rast auf die Erde zu. Sein giftiger Schweif soll Tod und Verderben bringen. Unzählige Bürgerinnen und Bürger glauben der Panikmache, die gezielt verbreitet wird. Die Straßen werden zunehmend unsicherer. Vor allem in der Nacht.
Ausgerechnet jetzt kommt die junge Medizinstudentin Lenka Weißbach aus Berlin zurück. Der Gesundheitszustand ihrer Mutter verschlechtert sich zusehends. Jana, ihre Haushälterin, kann die alte Dame nicht rund um die Uhr betreuen. Lenka ist hin und her gerissen. Einerseits hat sie sich in Berlin sehr wohl gefühlt, hatte eine Freundin. Andererseits war sie schon lange nicht mehr an der Uni. War sich nicht einmal mehr sicher, ob sie das Studium nicht nur begonnen hat, weil es der Wunsch ihres inzwischen verstorbenen Vaters war.
Lenka und Kisch ermitteln gemeinsam
Als sie in der Stadt zufällig Egon Erwin Kisch begegnet – sie kennen sich aus Berlin – scheint sich ein Ausweg aufzutun. Kisch ist Reporter bei der “Bohemia”. Sein Fachbereich: Kriminalfälle. Um als Erster an Tatorten zu sein, ist ihm jedes Mittel recht. Regelmäßig schlägt er sich in den Kneipen die Nacht um die Ohren, damit ihm nichts entgeht. Schnell hat er auch eine Lösung für Lenkas Problem parat:. Lenka soll eine Stelle als Schreibkraft bei der “Bohemia” annehmen.. Aktuell streift sie tagsüber ziellos durch die Stadt. Ihre Mutter soll nicht mitkriegen, dass sie nicht mehr zur Uni geht.
Zusammen machen sich Kisch und Lenka auf die Jagd nach den Mördern. Hat die Frau mit dem großen Smaragdring etwas damit zu tun? Sie hat Lenka in ihrer ersten Nacht in Prag ein dubioses Fläschchen angeboten. Solche Fläschchen wurden bei mehreren Toten gefunden.
Die Schatten von Prag schildern die wilden Jahre der tschechischen Hauptstadt und sind eine gelungene Mischung aus Historie und Fiktion. Zu keiner anderen Zeit hätte der “rasende Reporter” Egon Erwin Kisch seine Launen so hemmungslos ausleben können. Und die intelligente, selbstbewusste Lenka steht ihm in nichts nach.
Mir hat die detaillierte Schilderung der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts gut gefallen. Genauso wie die Vermischung historisch belegter mit fiktiven Protagonisten. Und letztlich hat der Schreibstil das Buch für mich zu einer runden Sache gemacht.
Für mich ein durch und durch gelungenes Buch.
Martin Becker
Martin Becker wurde 1982 geboren. Er schreibt Romane sowie Reportagen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er hat in Prag gelebt und die „Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien“ geschrieben. Martin Becker lebt mit seiner Familie in Halle (Saale). Gemeinsam mit Tabea Soergel wurde er 2016 mit dem deutsch-tschechischen Journalistenpreis ausgezeichnet.
Tabea Soergel
Tabea Soergel, geboren 1983, ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig. Sie schreibt Rezensionen und Radiofeatures, auch immer wieder zu tschechischen Themen. Sie lebt umgeben von viel zu vielen Büchern in Köln. Gemeinsam mit Martin Becker wurde sie 2016 mit dem Deutsch-tschechischen Journalistenpreis ausgezeichnet.
Buchinfo: Die Schatten von Prag von Martin Becker und Tabea Soergel, erschienen bei kanon verlag, 16.10.2024, 240 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 24,00, ISBN 978-3-98568-124-2. Danke für das Leseexemplar.

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