Die Bauernfamilie Manogg ist in Südbaden tief verwurzelt. Bislang war es auch kein Problem, mit den Erträgen aus Ackerbau und Viehwirtschaft die Familie zu versorgen. Nach Missernten und dem Tod des Bauern, gerät das Leben der Großfamilie aus den Fugen.

Zwischen Bodensee, Oberschwaben und den Vulkanhügeln des Hegaus hat sich die Bauernfamilie Manogg einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet. Die Erträge des Hofes ernähren die Großfamilie und sorgen für ein bescheidenes Auskommen. Das geht so lange gut, bis eine Pechsträhne alles durcheinander würfelt.
Katharina Manogg, die Bäuerin, verliert mehrere Kinder kurz nach der Geburt. Von der letzten Geburt erholt sie sich nicht mehr. Nach langem Dahinsiechen stirbt sie und lässt Caspar, den Bauern, mit dem Hof und den überlebenden Kindern allein. Der versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Für die ältesten Kinder bedeutet das, früh erwachsen zu werden. Die Älteren müssen sich um die Jüngsten kümmern und alle müssen bei der Hofarbeit mit anpacken.
Franz, der Älteste, möchte gerne Luise, eine Bauerntochter aus einem Nachbarort heiraten. Ihre Mitgift würde dem Manogg-Hof gut tun. Doch Luises Eltern sind gegen die Pläne. Enttäuscht meldet sich Franz daraufhin zu den Soldaten. Als sich die Situation verschärft, beschließt Caspar, auf die Mitgift von Luise zu verzichten, den Hof den beiden zu übergeben und sich selbst aufs Altenteil zurückzuziehen. Nicht lange danach verstirbt auch Caspar. Danach bricht die Familie nach und nach auseinander, auch weil Luise die Arbeit zu viel ist und die hungrigen Mäuler auch.
Friedrich geht ins Saarland und beginnt bei der Völklinger Hütte in der Stahlgießerei. Johann geht zu einem Vetter nach Holzach. Nur Sidon und Emilia können bleiben. Sidon, weil Franz den Hof nicht alleine bewirtschaften kann, und Emilia, weil sie als Nesthäkchen noch zu jung ist.
Wenn der Zufall entscheidet
Während Johann sich mit einem bescheidenen Leben abfinden muss, war der Weg ins Saarland für Friedrich ein Weg in Wohlstand. In Saarlouis lernt er seine Frau Carla, eine Tochter aus wohlhabendem Haus kennen. Gegen den Willen ihrer Eltern heiratet sie Friedrich und baut mit ihm zusammen einen gut gehenden Feinkostladen auf. Doch auch dieses Glück währt nicht lange. Carla stirbt nach langer Krankheit an Schwindsucht.
Auch Emilia ist vom Pech verfolgt. Sie verdingt sich als Kindermädchen bei einer Fabrikantenfamilie an der Schweizer Grenze. In einer Silvesternacht wird sie von ihrem Vorgesetzten vergewaltigt. Mit Konsequenzen. Emilia ist schwanger. Weil es ihr peinlich ist, in diesem Zustand zu ihrer Familie zurückzukommen, legt sie ihr Baby nach der Geburt in einer Kapelle ab und geht ins Wasser. Viele Jahre versucht die Familie in Erfahrung zu bringen, was mit Emilia passiert ist. Aber vergebens. Sie bleibt verschollen.
Spannendes Zeitzeugnis
Es ist schwierig, diesem vielseitigen und spannenden Buch in einer Rezension gerecht zu werden, ohne ebenfalls eine Roman zu schreiben. Flüsterzeit begleitet die Familie Manogg über drei Generationen und 60 Jahre. Dabei hat Petra Palumbo viele gut ermittelte geschichtliche Hintergründe und regionale Besonderheiten einfließen lassen, zum Beispiel die fortschreitende Industrialisierung, der Aufstieg von Gewerkschaften und letztlich auch das Erstarken der Nazis vor dem zweiten Weltkrieg.
Ich fand Flüsterzeit von Petra Polumbo total spannend und das nicht nur, weil ich im Saarland geboren bin und seit vielen Jahren in Schwaben wohne. Mich hätte auch interessiert, wie es mit den Manoggs während des Zweiten Weltkrieges weiterging. Aber wer weiß, vielleicht erfahre ich das ja in Flüsterzeit II.
Ich würde mich darüber freuen!
Petra Palumbo
Petra Palumbo, geboren 1973 in Singen am Hohentwiel, schreibt seit ihrer frühesten Kindheit und veröffentlichte unter dem Pseudonym Luzi van Gisteren zahlreiche Krimikomödien. Sie ist Herausgeberin der italienischen »Super-Nonna-Serie«, arbeitet im Marketing und unterrichtet »Kreatives Schreiben« für Jugendliche und Erwachsene.
Mehr als sieben Jahre arbeitete sie an der Entstehung ihres ersten historischen Romans »Flüsterzeit«. Das Werk, durchzogen von autobiografischen Bezügen, versteht die Autorin als Hommage an ihre Bodenseeheimat. Nach vielen Jahren in München lebt sie heute mit ihrer Familie in Radolfzell am Bodensee.
Buchinfo: Flüsterzeit von Petra Palumbo, erschienen bei Verlag Stadler, 02. Mai 2026, 560 Seiten, gebunden mit Leseband und Schutzumschlag, € 30, ISBN 978-3-7977-0797-0. Danke für das Leseexemplar.

Hinterlasse einen Kommentar