Christian v. Ditfurth: Ultimatum

Deutschland im Herbst 2019. Terroristen entführen den Mann der deutschen Kanzlerin. Kurz darauf verschwindet die Frau des französischen Präsidenten spurlos. Die Forderung der Entführer in beiden Fällen: Deutschland soll die Schulden der südlichen EU-Länder übernehmen. Noch ehe die Regierungen eine Entscheidung fällen können, gehen neue Forderungen ein.

Im Kanzleramt herrscht der Ausnahmezustand. Professor Süß, der Gatte der Kanzlerin wurde entführt. Die Forderung: Deutschland soll die Schulden von Italien übernehmen und einen Schwerverbrecher freilassen, der als perfekter Stratege gilt.

Kurze Zeit später in Paris. Die Frau des Präsidenten verschwindet ebenfalls spurlos. Auch hier werden Forderungen gestellt. Deutschland soll jetzt nicht nur die Schulden Italiens übernehmen, sondern aller südeuropäischen Länder. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Rettet Kommissar de Bodt Deutschland?

Wie schon beim letzten Angriff auf die Regierung, beschließt die Kanzlerin, Hauptkommissar Eugen de Bodt als Externen zu ihrem Beraterstab hinzuzuziehen. Sein Rat: Die Kanzlerin soll auf die Forderungen nicht eingehen. Wenn sie es tut, wird ihr Mann sterben, denn die Erpresser gehen nicht davon aus, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Ihnen geht es darum, Unfrieden zu stiften. Wie zu erwarten, stößt de Bodts Handlungsempfehlung im Ministerstab auf Entrüstung, doch erneut schlägt sich die Kanzlerin auf seine Seite.

Da geht die nächste Drohung ein. Ein deutsches Atomkraftwerk soll in die Luft fliegen. Für Eugen de Bodt und sein Team beginnt ein Rennen mit der Zeit. Und die Hoffnung, dass sie mit ihren Vermutungen richtig liegen.

Was weiß der Autor, was ich nicht weiß?!

Wieder perfekt recherchiert und so gut weitergesponnen, dass ich mir nicht sicher bin, ob das Ende von Ultimatum fiktiv ist oder ob Christian v. Ditfurth nur mehr weiß, als ich. Jedenfalls bin ich einige Tage mit einem mulmigen Gefühl durch die Gegend gelaufen, weil auch ich von hochintelligenten, perfekt organisierten, finanziell potenten Drahtziehern ausgehe, die für die Entwicklungen der letzten Jahre verantwortlich sind.

Dieses flaue Gefühl im Magen habe ich nicht zum ersten Mal nach der Lektüre von Ditfurths Büchern. Ursache dafür ist die sehr enge Orientierung der Story an der Zeitgeschichte. Auch ohne Namen zu nennen, weiß ich beim Lesen genau, wer gemeint ist und bei dem ein oder anderen Seitenhieb konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verbergen.

Klar gibt es auch Schwächen, zum Beispiel was die Folgen des Atomunfalls angeht, aber dennoch ist Ultimatum von Christian v. Ditfurth ein sehr intelligenter Thriller, der ob seines Bezuges zur Zeitgeschicht auf ganz spezielle Art unter die Haut geht.

Erneut ein klares Daumen hoch für Christian v. Ditfurth! Inhaltlich und stilistisch kein Alltagsbrei.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Christian v. Ditfurth

Christian v. Ditfurth, geboren 1953, ist Historiker und lebt als freier Autor in Berlin und in der Bretagne. Neben Sachbüchern und Thrillern wie »Der 21. Juli« und »Das Moskau-Spiel« hat er Kriminalromane um den Historiker Josef Maria Stachelmann veröffentlicht; zuletzt »Böse Schatten«. Seit 2014 ermittelt Eugen de Bodt erfolgreich – sein zweiter Fall »Zwei Sekunden« wurde mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet, zuletzt erschien »Schattenmänner«.

Buchinfo: Ultimatum von Christian v. Ditfurth, erschienen bei C. Bertelsmann, 26.08.2019, 448 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-570-10342-5. Danke für das Leseexemplar.

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Der Turm der toten Seelen

Bereits in jungen Jahren hat Polizist Leo Junker eine ansehnliche Karriere gemacht. Ein zwielichtiger Einsatz stoppt seinen Aufstieg abrupt. Hatte jemand die Hände im Spiel? Und wer will ihn jetzt in einen Mordfall hineinziehen?

Thriller, SchwedenPolizist Leo Junker erwacht mitten in der Nacht. Vor dem Fenster blinkt ein zuckendes blaues Licht. Ein Licht, das er kennt. Irgendetwas ist passiert. Vor dem Haus ein Krankenwagen und zwei Polizeiautos. Das übliche Absperrband, das er selbst so oft gespannt hat um einen Tatort zu sichern. Junker zieht sich an. Instinktiv ahnt er, dass das nächtliche Treiben auch etwas mit ihm zu tun hat.

John schießt auf Vögel, einfach so

Salem in der Nähe von Stockholm. Der junge Leo ist auf dem Weg zum Wasserturm, einem beliebten Treffpunkt für die Jugendlichen der Siedlung. Plötzlich knallt es hoch über ihm. Etwas plumpst nicht weit von ihm zu Boden. Ein Vogel. Die weißen Federn blutverschmiert, das eine Auge nur noch ein blutiges Loch. John macht es Spaß, auf Vögel zu schießen. Warum? Weil er es kann. Einfach so.

Es dauert, bis Leo Junker beide Vorfälle in Verbindung bringt. Und es kostet ihn fast das Leben.

Ein spezielles Buch, das sich lohnt

Der Turm der toten Seelen ist ein sehr spezielles Buch. Anfangs verwirrend, bis der Zusammenhang zwischen den Charakteren auflöst wird. Ein Buch, das nie wirklich laut ist und das mich vielleicht genau deshalb gefesselt hat. Und das obwohl ich im ersten Drittel kurz davor war, es zur Seite zu legen. Die Sprünge der Story haben mich genervt.

Ich kann allen Lesern, denen es ebenso geht, nur empfehlen, nicht aus zu steigen. Es lohnt sich. Christoffer Carlsson hat keinen Einheitsthriller geschrieben, sondern ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber Bücher, die jedermanns Geschmack sind, sind auch nicht immer mein Geschmack.

Von mir eine Kaufempfehlung, für alle, die Lust auf besondere Bücher haben.

Christoffer Carlsson

Christoffer Carlsson, geboren 1986, ist der jüngste Star am schwedischen Krimihimmel. Mit 28 Jahren hat er nicht nur bereits vier hoch gelobte, international erfolgreiche Thriller geschrieben, sondern nebenher auch noch sein Kriminologie-Studium mit Promotion abgeschlossen. „Der Turm der toten Seelen“, der erste Band einer neuen Serie mit dem Polizisten Leo Junker, wurde 2013 mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet. Mit dieser Serie wird Christoffer Carlsson erstmals in Deutschland vorgestellt.

Buchinfo: Der Turm der toten Seelen von Christoffer Carlsson, erschienen bei C.Bertelsmann, März 2015, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-570-10232-9