Wandern mit Hund – 40 Routen rund um Stuttgart

Wandern mit dem Hund setzt einiges an Planung voraus. Im Großraum Stuttgart hat Martin Kuhnle wanderfreudigen Hunderbesitzern viel Arbeit abgenommen. 40 Touren hat er auf Praxistauglichkeit für Mensch und Hund getestet und dabei auch Notfalladressen wie die nächste Tierarztpraxis nicht vergessen.

Rother Wanderbuch_Wandern mit Hund Stuttgart_CoverWarum empfehle ich als ausgewiesene Katzenfrau ein Hundebuch? Ganz einfach, weil ich es toll finde. Martin Kuhnle hat 40 Routen rund um Stuttgart mit seinem eigenen Vierbeiner getestet und für gut befunden. “Rund um Stuttgart” hat er dabei ziemlich weit gefasst:

  • Es geht von Welzheim nach Reichenbach/Fils.
  • Vom Hohenneuffen in den Schönbuch.
  • Von Mühlacker ins Zabergäu.
Blauer Fuß und blaue Pfote – easy going!

Fuß- und Pfotenabdrücke geben den Schweregrad jeder Tour an. Blau ist leicht, rot anspruchsvoll und schwarz für die Profis. Auch das eine wertvolle Hilfe, denn nicht jede Strecke ist für Mensch und Hund gleich gut geeignet.

Höhenprofile und Rundenlänge erleichtern die Wahl der passenden Strecke. Auch für mich ohne Hund habe ich mindestens zwei Strecken gefunden, die ich mir demnächst näher ansehe.

Essen und Trinken und so

Wandern macht hungrig und durstig, nicht nur den Menschen. Deshalb fehlt auch der Hinweis auf Wasserstellen, Einkehrmöglichkeiten und Übernachtungen nicht. An dieser Stelle hätte ich mir die Information gewünscht, ob in den Hotels oder Pensionen Hunde erlaubt sind. Wobei sich das mit Pächterwechsel ja wieder ändern kann. Vielleicht hat Martin Kuhnle deshalb “nur” darauf hingewiesen, dass man vorher anrufen soll.

Wenn es mal nicht rund läuft

Auch an den Dorn in der Pfote oder die vergessene Decke für den Hund hat der Autor gedacht und die Adresse der nächstgelegenen Tierarztpraxis und des Tierbedarfsladens recherchiert.

Wandern mit Hund – Rund um Stuttgart finde ich sehr durchdacht und eine tolle Idee für alle, die die Natur gemeinsam mit ihrem Hund genießen wollen.

Ja, aber ich wohne doch nicht in Stuttgart

Du wohnst nicht in Stuttgart, sondern im Elbsandsteingebirge, in Südtirol, im Schwarzwald, in den Bayerischen Alpen? Kein Problem. Auch dafür hat der Bergverlag Rother den passenden tierischen Wanderführer. Und die Liste wächst weiter, lässt sich aber leider nicht direkt verlinken. Einfach “Wandern mit Hund” in die Suche eingeben und ihr findet alle.

Und wem das alles nicht reicht, der sollte sich mal auf vawidoo.com umschauen. Da dreht sich alles um Urlaub im Rudel.

Martin Kuhnle

Der anerkannte private Musikerzieher und ausgebildete Wanderführer Martin Kuhnle ist grenzenlos naturverbunden. Er lebt am Schwarzwald-Nordrand und ist, ausgestattet mit Diktiergerät und GPS-Empfänger, fast ständig im Schwarzwald unterwegs – gerne auf mehrtägigen Trekkingtouren. Outdoor schöpft er stets neue Energien. Im Schwarzwald ebenso wie in den Alpen findet er den idealen Ausgleich zu seinen übrigen Tätigkeiten. Mit seinen Wanderführern lädt er dazu ein, das höchste deutsche Mittelgebirge zu entdecken und auf teils abenteuerlich verschlungenen Pfaden durch eine grandiose Naturlandschaft zu wandern. Außer den Wanderführern sind von Martin Kuhnle bereits mehrere Musikbücher erschienen.

Buchinfo: Wandern mit Hund – Rund um Stuttgart von Martin Kuhnle, erschieben bei Bergverlag Rother, März 2018, 176 Seiten mit 154 Farbabbildungen, GPS-Tracks zum Download, € 16,90, ISBN 978-3-7633-3180-2

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300 x Karlsruhe – Gesichter einer Stadt

Karlsruhe, die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs, hat was. Das spürt man, wenn man sich Zeit nimmt und an warmen Tagen durchs Stadtzentrum spaziert. Davon gibt es übrigens reichlich, denn die barocke Planstadt am Rhein gehört zu den wärmsten Städten Deutschlands. Sicher mit ein Grund für die entspannte Atmosphäre.

300 x Karlsruhe

Doch es ist nicht nur die spezielle Bauweise oder das Klima, was den Reiz der Stadt ausmacht. Es ist auch nicht der Bundesgerichtshof (BGH), das Karlsruher Institut für Technik (KIT) oder die Bedeutung als Raffinerie-Standort. Es sind die Menschen. Und die haben Gustavo Alàbiso und Benno Stieber im Jubiläumsjahr (1715-2015) unter die Lupe genommen.

300 x Karlsruhe, 300 x  lebendige Charaktere

Ottmar Möhler vom KIT greift nach den Wolken. Oder sollte man besser sagen, er begreift die Wolken? Die bauschigen Gebilde am Himmel haben ihn, den Sohn eines Landwirtes, schon immer interessiert. Heute stellt der “Vater der Wolkenforschung” diese im Labor selbst her und verhalf damit seinem Forschungsgebiet zu weltweiter Aufmerksamkeit.

Götz Kohn legt im Rhein seine Netze aus. Ja, richtig gelesen. In Karlsruhe gibt es noch Fischer. Hauptberufliche Fischer. Und er kennt seinen Fluss: “Der Rhein ist heute so sauber wie vor hundert Jahren.” Das ist Männern wie ihm zu verdanken, die nicht nur Fische aus dem Rhein ziehen, sondern sich für den Erhalt der Arten engagieren. Vielleicht verarbeitet ja Sven Hemman in seiner Karlsruher Sterneküche die Fänge von Götz Kohn, denn “Rheinfisch” ist längst wieder zum Qualitätskennzeichen geworden.

Edelgard Huber von Gernsdorff hat den Wandel miterlebt und gut ein Drittel der 300-jährigen Stadtgeschichte gleich dazu. Als einzige Frau studierte sie damals Chemie und war später eine der wenigen weiblichen Jura-Studentinnen. Mit 109 Jahren ist sie derzeit die ältestes Bürgerin der Stadt. Was sie antreibt und wach hält? “Gebt mir was zu lernen”, denn Lernen macht ihr Leben bis heute lebenswert.

Raimund Sinn ist der Mann mit dem Knall. Er macht aus Tinkturen Heilmittel und weiß dabei selbst nicht so genau, wie das geht. Dabei geht es mit “roher Gewalt” zu. Zugegeben, etwas mysteriös, aber wenn es hilft?!

Cao Panya Varo ist “Chef” im Ruhepol der Stadt am Kolpingplatz. Der Raum wird beherrscht von Dutzenden Buddha-Statuen aus Gold und Marmor. Dazwischen, Cao Panya Varo, der Mönch. Die Menschen kommen zu ihm um zu beten, um sich Rat zu holen. Und Cao Panya Varo nimmt sich Zeit. Immer und für jeden. Eine Seltenheit in unserer hektischen Zeit. Wovon er lebt? Von dem, was ihm die Menschen geben.

Das sind nur ein paar der Charaktere, die uns Einblick in ihr Leben in Karlsruhe gewähren. Und sie sind völlig willkürlich ausgewählt. Ohne Wertung. Denn alle haben etwas zu sagen, viele haben interessante und unerwartete Geschichten oder tun Dinge, die man so nicht erwartet hätte. Sie sind Karlsruhe. Mehr oder weniger lange und mehr oder weniger intensiv. Wobei: Eher mehr.

Spannend, informativ und warmherzig

Ich fand “300 x Karlruhe” von “Der Kleine Buch Verlag” total spannend und bereichernd. Vor mir aus hätten sich die Autoren nicht auf 300 Menschen beschränken müssen. Ich hätte auch noch mehr verdauen können, denn ihnen ist ein warmherziges, informatives und gleichzeitig liebenswertes Werk gelungen.

300 x Karlsruhe sollte jeder und jede lesen, der oder die einen Bezug zur Stadt hat. Ein tolles Weihnachtsgeschenk auch für alle Neu-Karlsruher oder Exil-Karlsruher.

Gustavo Alabiso

geboren 1962 in Pomaretto, Italien. Ausbildung als Fotograf in Rom und seit 1990 in Deutschland, verheiratet und Vater von drei Kindern. Als selbstständiger Bildjournalist arbeitet er für die BNN, Bildagenturen wie Visum, Imago, epd-bild. Auch im PR-Bereich für Behörden und Unternehmen der Region hat er sich einen Namen gemacht.

Benno Stieber

geboren1972 in Freiburg, lebt seit zwölf Jahren als freier Korrespondent in Karlsruhe. Er ist Autor von Cicero, Brandeins und Merian. Mehrere seiner Texte wurden mit Preisen ausgezeichnet. Benno Stieber ist Mitbegründer und Vorsitzender von Freischreiber.

Buchinfo: 300 x Karlsruhe von Gustavon Alabiso, erschienen bei Der kleine Buch Verlag, März 2015, 256 Seiten, € 30,00, ISBN: 978-3-7650-0300-4

#PlaceToBW: Altdeutscher Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen

Wer einen außergewöhnlichen Weihnachtsmarkt erleben möchte, muss sich beeilen. Noch bis zum 14. Dezember lädt Bad Wimpfen zum Altdeutschen Weihnachtsmarkt in seine malerischen Gassen und Winkel. Einfach wunderschön!

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Blick vom Blauen Turm (Foto: Ulrike Rosina)

An Nikolaus über Weihnachtsmärkte schlendern, eine bessere Beschäftigung kann es für diesen Tag eigentlich nicht geben. Deshalb war ich begeistert dabei, als es auf die #PlaceToBW Weihnachtstour ging. Und prompt habe ich als “Rei’g’schmeckte”, die ursprünglich wegen des Studiums nach Baden-Württemberg kam und inzwischen länger hier lebt, als im Saarland, meiner alten Heimat, wieder ein Kleinod kennengelernt, das ich sicher nicht zum letzten Mal besucht habe: Bad Wimpfen.

Wie Heidelberg wurde das Städtchen von den Bomben des zweiten Weltkrieges verschont. Von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) wurde Bad Wimpfen zur wehrhaften Pfalz ausgebaut. Hier wurde Recht gesprochen, getagt, regiert und sich der Minne hingegeben.

Bad Wimpfen lebt seine Geschichte

Diese Bedeutsamkeit spürt man auch heute noch, wenn man das gut erhaltene Stadttor am Roten Turm Richtung Altstadt passiert. Und dann vereint sich Moderne mit Geschichte. Auch wenn die historischen architektonischen Kleinode – wunderschön gepflegte Fachwerkhäuser und -häuschen – einem das Gefühl geben, in eine andere Zeit einzutauchen, spürt man gleichzeitig auch das Junge, das Moderne, was die Altstadt durchweht. Denn hier wird gelebt, geliebt und genossen. Gerade für junge Familien sind die historischen, verkehrsarmen Gassen besonders reizvoll. Sie können ihre Kinder hier unbesorgt spielen, toben und in den schmalen Gassen und Winkeln ständig neue Abenteuer erleben lassen.

Genau diese Gassen und Winkel sind es auch, die den Reiz des Altdeutschen Weihnachtsmarktes ausmachen. Schnurgerade Einkaufsmeilen auf denen sich Stand an Stand reiht, sucht men in Bad Wimpfen vergeblich. Dafür überrascht einen hinter jeder Kurve etwas Neues. Ein Karussel, ein Stand, an dem man bei der Weihnachtsbäckerei zusehen kann oder gewandete Stadtführer, der seiner Folgschaft stolz die Stadtgeschichte erklärt.

527 Jahre Weihnachtsmarkt

Bereits im Jahr 1487 verlieh Kaiser Friedrich III. der Stadt das Privileg, vor Weihnachten einen Markt abhalten zu dürfen. Und vermutlich hat es schon damals nicht sehr viel anders ausgesehen als heute, denn die gewohnte Aneinanderreihung von Buden in schnurgeraden Hauptgeschäftsstraßen, bei denen man oft den Eindruck gewinnt, die Läden hätten ihr Angebot einfach nur von innen nach außen verlagert, sucht man hier vergeblich. In Bad Wimpfen bestimmen ausgesuchtes Kunsthandwerk und regionale und winterliche Köstlichkeiten das Stadtbild. Und die geschmückten Fachwerkhäuser bieten die passende Kulisse, um sich so richtig auf Weihnachten einzustimmen.

Wer dieses ganz besondere Weihnachtsambiente genießen will, muss sich beeilen. Vom 12. – 14. Dezember sind die Stände noch aufgebaut. Dann heißt es wieder ein Jahr warten, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Bad Wimpfen hat das ganze Jahr über für Groß und Klein viel zu bieten.

Hoch hinaus: Der Blaue Turm

Ein besonderes Highlight der Stadt, im wahrsten Sinne des Wortes, ist der Blaue Turm mit seiner Türmerin Blanca Knodel. Sie ist nicht nur die einzige Frau, die den Job des Türmers ausübt, sie ist auch unbestritten ein sehr herzliches Original. Wir haben sie besucht, ihren Whirlpool in luftiger Höhe bewundert, versucht, ihren Kater Tom-Tom zu becircen und natürlich ihren Geschichten gelauscht. Mit ihren drei Kindern hat sie sich vor 19 Jahren in der 53 Quadratmeter großen Wohnung eingerichtet und genießt ihr Leben hoch über der Stadt in vollen Zügen. Sogar ihr eigenes Sektlabel schenkt sie aus. Und sie will noch sehr sehr lange auf ihrem Blauen Turm bleiben, länger als jeder andere Türmer bisher. Ich halte ihr die Daumen, dass sie dieses Ziel erreicht.

Kinder sind herzlich willkommen
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Herzlich willkommen fühlte ich mich in Bad Wimpfen (Foto: Ulrike Rosina)

Spannend für Kinder: Kinder führen Kinder durch die Stadt. Denn wer weiß schließlich besser, was Kinder interessiert, als Kinder selbst. Überhaupt ist das Angebot für Kinder in Bad Wimpfen beachtlich. Sie werden ins Märchenland entführt, folgen den Spuren von Kaiser, Bürger und Bettelmann, suchen die Schatztruhe der Neckarpiraten oder üben sich ganz modern in Geo-Caching.

Erwachsene kommen natürlich auch nicht zu kurz. Egal ob sie wandern, sich ein Hausboot mieten oder die kulinarische Vielfalt der Stadt genießen wollen. Die Tourist-Information im Herzen der Altstadt hilft hier gerne weiter. Sicher auch, wenn man plant, sein Leben künftig in Bad Wimpfen zu verbringen, weil man z.B. bei Südzucker einen süßen Job ergattert hat.

Ich sage Danke!

Ich war nur gute zwei Stunden in Bad Wimpfen, aber Dank Frau Jung, die Bad Wimpfen nicht nur vertritt sondern lebt, habe ich das Gefühl, tief in die Geschichte der Stadt eingetaucht zu sein. Und ich bin neugierig auf das Frühjahr, wenn es grünt und blüht in den alten Stadtmauern.

Kleine Anmerkung noch zum Schluss: Ich habe bei meinem Besuch meinen Geldbeutel liegen lassen und ihn wiederbekommen. Mit allem drin und dran. Vielen Dank dafür an den ehrlichen Finder, an die evangelische Kirche in Bad Wimpfen und an Frau Jung. Ohne gute, hilfsbereite Menschen wäre die Welt so viel ärmer.

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Bad Wimpfen verabschiedet seine Gäste (Foto: Ulrike Rosina)

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen. Und Impressionen gibt es auf #PlaceToBW.

Gottlieb Daimler und das Kesselhaus: Zwei Schorndorfer, die gut zueinander passen #PlaceToBW

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Mercedes Benz trifft Kesselhaus. (Foto: Johannes Schlörb)

Schorndorf, 17. März 1834. In der beschaulichen Höllgasse 7, unweit des Marktplatzes, kommt Gottlieb Daimler zur Welt. Dass der Bäcker-Junge aus der Höllgasse zum berühmtesten Sohn der Stadt werden und unzählige Autofahrer im siebten Himmel schweben lassen würde, ahnte noch niemand.

Schorndorf ist die Daimlerstadt. Da führt kein Weg dran vorbei. Zwar gibt es mit Barbara Künkelin auch eine berühmte Tocher. 1688 verhinderte sie gemeinsam mit den “Schorndorfer Weibern” die Besetzung der Stadt durch die Franzosen. Aber wie so oft, sind es die technischen Errungenschaften, die der Nachwelt nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Willkommen im Daimler-Museum

Das Geburtshaus Gottlieb Daimlers kann noch heute besichtigt werden. Es liegt nur wenige Schritte vom historischen Marktplatz und damit dem Denkmal, das die Stadt dem Erfindert gesetzt hat, entfernt. 1979 erwarb Daimler Benz das Fachwerkhaus und restaurierte es aufwändig. Heute dient es als Museum.

Wer nach dem Museumsbesuch hungrig ist, dem sei ein Besuch im Kesselhaus empfohlen. Es liegt unweit von Altstadt und Bahnhof im “Arnold-Areal”, dem ehemaligen Industriegelände der “Arnoldschen Eisenmöbelfabrik”.

Wer die schwäbische Küche genießen will, ist hier richtig
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Der Rostbraten darf auf keiner schwäbischen Karte fehlen. (Foto: Johannes Schlörb)

Im strahlenden Oktober-Sonnenschein leuchtet das Backsteingebäude in heimeligen rot-orange Tönen. Bei knapp über 20 Grad können wir unser Mittagessen sogar noch im Biergarten genießen. Eigentlich ein Sakrileg bei dem speziellen Ambiente der Inneneinrichtung. Aber das lässt sich auch noch würdigen, wenn uns die Sonne nicht mehr verwöhnt.

Mit zwei Nichtschwaben im Team – einer davon hatte noch NIE Maultaschen gegessen – passt die Speisekarte perfekt. Käsespätzle, Maultaschen, Schweinelendchen in Rahmsauce, Rostbraten, Wurstsalat. Alles, was in der schwäbischen Küche Rang und Namen hat, ist vertreten. Ideal also, wenn man Besuch von “Außerhalb” hat oder sich als “Rei’g’schmeckter” (= in Baden-Württemberg neu zugezogen) eine Überblick über die lukullischen Besonderheiten der Region verschaffen will.

Für diejenigen, die auf Fleisch verzichten, gibt es eine kleine Auswahl an vegetarischen Gerichten. Veganer werden sich schwer tun, wie meist bei der klassisch schwäbischen Küche.

Backstein – eine Reminesszenz an die industrielle Vergangenheit
Das Bier wird selbst gebraut

Eine weitere Besonderheit des Hauses ist das frisch gebraute Bier. Nicht wirklich verwunderlich bei einem Kesselhaus. Sehr spannend: Die wechselnden Aktionsbiere, die es in allen möglichen Größen gibt. Auch zum Mitnehmen. Für die Weinliebhaber stehen unter anderem ein paar Klassiker vom Schorndorfer Grafenberg auf der Karte.

Baden-Württemberg – ein #PlaceToBW

Die Daimlerstadt war eine Station der #PlaceToBW Genusstour vom 07. bis 09. Oktober 2014.

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen.

Weingut Ellwanger, Großheppach: 500 Jahre Weintradition im Remstal #PlaceToBW

Wo Wein wächst, scheint die Sonne meist ein paar Stunden länger im Jahr. Und rund um die Gemeinde Weinstadt wächst – wie der Name schon vermuten lässt – viel davon. Im Ortsteil Weinstadt-Großheppach lebt und arbeitet Familie Ellwanger. Winzerdynastie seit nunmehr 500 Jahren.

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Die Ellwanger-Reben bei Großheppach, nicht nur im Herbst eine Reise wert. (Foto: Johannes Schlörp)

Wer das Remstal östlich von Stuttgart kennt, weiß, dass es im Oktober ein ganz besonderes Flair entwickelt. Weinlese und Obsternte sind in vollem Gang und in der Luft liegt ein leichter Duft nach Trauben und Äpfeln. Die Weinberge leuchten vor dem häufig noch strahlend blauen Himmel in allen Gelb-, Rot- und Brauntönen. Sicher eine der schönsten Zeiten für einen Besuch in der Region.

In Weinstadt-Großheppach baut die Winzerfamilie Ellwanger bereits seit 1514 Wein an, doch erst seit 1975 werden die Trauben auch auf dem eigenen Gut verarbeitet. Damals stieg Weinbautechniker Bernd Ellwanger mit seiner Frau Ingrid in die Selbstvermarktung ein. Seither ist viel passiert. Die Anbaufläche wuchs von 50 Ar (1 a = 100 qm) auf 27 Hektar (1 ha = 100 a) mit insgesamt 20 Rebsorten. Seit 1985 wird ausgebildet und Sohn Sven und Tochter Yvonne mischen nach abgeschlossenem Weinbaustudium inzwischen kräftig mit.

Mit #PlaceToBW zu Gast beim Weingut Ellwanger
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Auf das #PlaceToBW Team wartet bereits ein prickelnder Tropfen. (Foto: Johannes Schlörp)

Yvonne Ellwanger ist es, die uns bei unserem Besuch mit dem #PlaceToBW Team im Oktober 2014 mit einem Glas 2012 Schorndorfer Grafenberg Muskat-Trollinger Rosé brut, einem Rosé Sekt, herzlich in Empfang nimmt. In Anbetracht der Weinlese, die gerade in vollem Gang ist, durchaus nicht selbstverständlich. Übrigens ist auch die Lese bei den Ellwangers Familiensache. Verwandte und Freunde planen sie Jahr für Jahr fest in ihren Kalender ein. Yvonne Ellwanger selbst mag das “Herbsten”, wie die Lese in der Region genannt wird. In Zweierreihen werden die Trauben vom Stock geschnitten. Eine gute Gelegenheit für ein Schwätzchen nebenbei.

Auf der Führung durch den laufenden Betrieb gibt es reichlich Fachwissen zum Weinbau im Allgemeinen und bei Ellwangers im Besondern. Hier setzt man bei der Verarbeitung der Trauben auf die Schwerkraft. Die gerade erst frisch geernteten Früchte werden über ein Förderband zum höchsten Punkt des Weinkellers transportiert, von wo sie – je nach Rebsorte – entweder erst vom Gerüst, also den Stielen, befreit oder komplett in die Presse eine Etage tiefer fallen.

Die Rieslingtrauben wandern mit Stumpf und Stiel in die Presse

Letzteres ist zum Beispiel beim Riesling der Fall, erklärte Sven Ellwanger, der inzwischen auch zu uns gestoßen ist. Entfernt man bei dieser Traube die Beeren maschinell vom Gerüst, reißen oft eher die Stiele ab, als die Trauben vom Stiel. Dadurch entstehen am Stiel sehr große Oberflächen. Es gelangt mehr Gerbsäure in den Wein, als den Ellwangers recht ist.

Deshalb werden die Rieslingtrauben komplett gepresst. Auch dabei steht die schonende Verarbeitung im Vordergrund. 24 Stunden dauert es, bis der letzte Saft den Trauben abgerungen und im darunter liegenden Fass angekommen ist.

Beim Riesling, wie bei allen Weißweinen, setzt Familie Ellwanger auf die spontane Gärung. So blubbert es denn bei unserer Führung durch das Heiligtum – den Keller – in den Gärröhrchen der Holzfässer munter vor sich hin. Während der erste Raum, in dem sich Holzfass an Holzfass reiht, voll und ganz das Klischee der romantischen Winzertradition bedient, geht es eine Tür weiter deutlich technischer zu. Hier steht ein Stahlfass neben dem nächsten. Frei bleibt nur ein silbern glänzender Ganz in einem futuristisch anmutenden Ambiente. Tradition und Moderne, Tür an Tür.

Tradition und Moderne gehen bei Ellwangers Hand in Hand

Tradition und Moderne, das ist aber auch genau das, was das Weingut Ellwanger ausmacht. Nicht nur, dass die Generationen Hand in Hand arbeiten, auch für Experimente bleibt genügend Raum. Da wird schon mal ein Kerner im Barrique Fass ausgebaut und laut Etikett als “King” deklariert. Bei der Verkostung freut sich Sven Ellwanger dann über die irritierten Gesichter seiner Gäste.

Doch der “King” ist nicht die einzige Besonderheit des Hauses. Da man von jeher experimentierfreudig war, finden sich im Keller zahlreiche, vielversprechende kleine Gebinde. Die vielversprechendsten davon werden der nächsten Generation Ellwanger gewidmet: Den Kindern von Yvonne und Swen. Vielleicht die beste Voraussetzung, damit der Name Ellwanger auch 2114 noch ein Begriff ist. Wer weiß.

Das Weingut Ellwanger in Großheppach war eine Station der #PlaceToBW Genusstour vom 07. bis 09. Oktober 2014.

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen.