Weingut Ellwanger, Großheppach: 500 Jahre Weintradition im Remstal #PlaceToBW

Wo Wein wächst, scheint die Sonne meist ein paar Stunden länger im Jahr. Und rund um die Gemeinde Weinstadt wächst – wie der Name schon vermuten lässt – viel davon. Im Ortsteil Weinstadt-Großheppach lebt und arbeitet Familie Ellwanger. Winzerdynastie seit nunmehr 500 Jahren.

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Die Ellwanger-Reben bei Großheppach, nicht nur im Herbst eine Reise wert. (Foto: Johannes Schlörp)

Wer das Remstal östlich von Stuttgart kennt, weiß, dass es im Oktober ein ganz besonderes Flair entwickelt. Weinlese und Obsternte sind in vollem Gang und in der Luft liegt ein leichter Duft nach Trauben und Äpfeln. Die Weinberge leuchten vor dem häufig noch strahlend blauen Himmel in allen Gelb-, Rot- und Brauntönen. Sicher eine der schönsten Zeiten für einen Besuch in der Region.

In Weinstadt-Großheppach baut die Winzerfamilie Ellwanger bereits seit 1514 Wein an, doch erst seit 1975 werden die Trauben auch auf dem eigenen Gut verarbeitet. Damals stieg Weinbautechniker Bernd Ellwanger mit seiner Frau Ingrid in die Selbstvermarktung ein. Seither ist viel passiert. Die Anbaufläche wuchs von 50 Ar (1 a = 100 qm) auf 27 Hektar (1 ha = 100 a) mit insgesamt 20 Rebsorten. Seit 1985 wird ausgebildet und Sohn Sven und Tochter Yvonne mischen nach abgeschlossenem Weinbaustudium inzwischen kräftig mit.

Mit #PlaceToBW zu Gast beim Weingut Ellwanger
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Auf das #PlaceToBW Team wartet bereits ein prickelnder Tropfen. (Foto: Johannes Schlörp)

Yvonne Ellwanger ist es, die uns bei unserem Besuch mit dem #PlaceToBW Team im Oktober 2014 mit einem Glas 2012 Schorndorfer Grafenberg Muskat-Trollinger Rosé brut, einem Rosé Sekt, herzlich in Empfang nimmt. In Anbetracht der Weinlese, die gerade in vollem Gang ist, durchaus nicht selbstverständlich. Übrigens ist auch die Lese bei den Ellwangers Familiensache. Verwandte und Freunde planen sie Jahr für Jahr fest in ihren Kalender ein. Yvonne Ellwanger selbst mag das “Herbsten”, wie die Lese in der Region genannt wird. In Zweierreihen werden die Trauben vom Stock geschnitten. Eine gute Gelegenheit für ein Schwätzchen nebenbei.

Auf der Führung durch den laufenden Betrieb gibt es reichlich Fachwissen zum Weinbau im Allgemeinen und bei Ellwangers im Besondern. Hier setzt man bei der Verarbeitung der Trauben auf die Schwerkraft. Die gerade erst frisch geernteten Früchte werden über ein Förderband zum höchsten Punkt des Weinkellers transportiert, von wo sie – je nach Rebsorte – entweder erst vom Gerüst, also den Stielen, befreit oder komplett in die Presse eine Etage tiefer fallen.

Die Rieslingtrauben wandern mit Stumpf und Stiel in die Presse

Letzteres ist zum Beispiel beim Riesling der Fall, erklärte Sven Ellwanger, der inzwischen auch zu uns gestoßen ist. Entfernt man bei dieser Traube die Beeren maschinell vom Gerüst, reißen oft eher die Stiele ab, als die Trauben vom Stiel. Dadurch entstehen am Stiel sehr große Oberflächen. Es gelangt mehr Gerbsäure in den Wein, als den Ellwangers recht ist.

Deshalb werden die Rieslingtrauben komplett gepresst. Auch dabei steht die schonende Verarbeitung im Vordergrund. 24 Stunden dauert es, bis der letzte Saft den Trauben abgerungen und im darunter liegenden Fass angekommen ist.

Beim Riesling, wie bei allen Weißweinen, setzt Familie Ellwanger auf die spontane Gärung. So blubbert es denn bei unserer Führung durch das Heiligtum – den Keller – in den Gärröhrchen der Holzfässer munter vor sich hin. Während der erste Raum, in dem sich Holzfass an Holzfass reiht, voll und ganz das Klischee der romantischen Winzertradition bedient, geht es eine Tür weiter deutlich technischer zu. Hier steht ein Stahlfass neben dem nächsten. Frei bleibt nur ein silbern glänzender Ganz in einem futuristisch anmutenden Ambiente. Tradition und Moderne, Tür an Tür.

Tradition und Moderne gehen bei Ellwangers Hand in Hand

Tradition und Moderne, das ist aber auch genau das, was das Weingut Ellwanger ausmacht. Nicht nur, dass die Generationen Hand in Hand arbeiten, auch für Experimente bleibt genügend Raum. Da wird schon mal ein Kerner im Barrique Fass ausgebaut und laut Etikett als “King” deklariert. Bei der Verkostung freut sich Sven Ellwanger dann über die irritierten Gesichter seiner Gäste.

Doch der “King” ist nicht die einzige Besonderheit des Hauses. Da man von jeher experimentierfreudig war, finden sich im Keller zahlreiche, vielversprechende kleine Gebinde. Die vielversprechendsten davon werden der nächsten Generation Ellwanger gewidmet: Den Kindern von Yvonne und Swen. Vielleicht die beste Voraussetzung, damit der Name Ellwanger auch 2114 noch ein Begriff ist. Wer weiß.

Das Weingut Ellwanger in Großheppach war eine Station der #PlaceToBW Genusstour vom 07. bis 09. Oktober 2014.

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen.

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

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