Ellen Sandberg: Der Verrat

Pia hat in dem renommierten Winzer Thomas von Manthey ihren Traumpartner gefunden. Auf seinem Gut in den Weinbergen an der Saar lebt sie glücklich und zufrieden, bis ihre Schwester Nane plötzlich wieder auftaucht. Nach zwanzig Jahren im Gefängnis.

Der VerratVor zwanzig Jahren wurde das kleine Weindorf an der Saar von einer Tragödie überschattet. Ein Wagen kam von der Straße ab und stürzte dreißig Meter tief in die Weinberge. Am Steuer Henning von Manthey, der Sohn des bedeutendsten Winzers der Region. Er war sofort tot.

Was wie ein Unfall aussah, entpuppte sich schnell als Mord. Nane, Pias Schwester, hatte aus Eifersucht den Wagen ihrer Schwester manipuliert. Ihr galt der Anschlag. Nane wird der Prozess gemacht. Das Urteil lautet lebenslänglich.

Zwanzig Jahre später. Nane wird auf Bewährung entlassen. In ihrer Schwester Birgit findet sie Halt und Trost, doch die Schuldfrage lässt sie nicht los. Verzweifelt versucht sie, sich an den Unfallabend zu erinnern. Ist sie wirklich schuld an Hennings Tod? Nane ahnt, wenn sie ihren Frieden finden will, muss sie nochmals tief in ihre Vergangenheit eintauchen.

Zwanzig Jahre unschuldig weggesperrt?

Es muss grausam sein, für eine Tat verurteilt zu werden und sich nicht mehr erinnern zu können, ob man wirklich schuldig ist. Ellen Sandberg ist es mit Der Verrat gelungen, diese Verzweiflung sehr eindringlich in Worte zu fassen. Das Auf und Ab aus Hoffnung und Verzweiflung ist beim Lesen greifbar, geht an die Nieren.

Zwar hätte ich mir die Erklärung, was in jener Nacht passiert ist, etwas früher gewünscht, ich bin kein Fan unzähliger Andeutungen, die dann nicht aufgelöst werden. Zum Ausgleich war ja die Auflösung auch etliche Seiten vor Schluss nur noch wenig überraschend. Dennoch hat mich das Familiendrama der beiden Familien, Nanes und Hennings, gefesselt.

Der Verrat von Ellen Sandberg zeigt, welche Tragödien ein Schweigen zur falschen Zeit auslösen kann. Es zerstört im schlimmsten Fall Leben.

Ich freue mich auf mehr von Ellen Sandberg.

[Als geborene Saarländerin muss ich noch eines klarstellen: Gefillde im Hochsommer im Biergarten, das isst kein Mensch. :-D]

Ellen Sandberg

Ellen Sandberg ist das Pseudonym einer erfolgreichen Münchner Autorin, deren Kriminalromane regelmäßig auf der Bestsellerliste stehen. Sie arbeitete zunächst in der Werbebranche, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit dem groß angelegten Spannungs- und Familienroman »Die Vergessenen« schlägt sie einen neuen schriftstellerischen Weg ein und widmet sich dabei einem Thema, das ihr ein persönliches Anliegen ist: den Verbrechen der jüngeren Vergangenheit und der Notwendigkeit, diese nicht zu vergessen.

Buchinfo: Der Verrat von Ellen Sandberg, erschienen bei Penguin, 27.12.2018, 480 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-328-10090-4. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Weihnachten im Saarland: Von Burgweynacht bis Flugshow

Der Lebkuchen liegt längst wieder in den Ladenregalen. In München hat der erste Schnee das übliche Chaos verursacht. Und auf Saarzoom kann es auch nicht mehr lange dauern, bis über geröstete Kastanien und den besten Glühwein diskutiert wird. Höchste Zeit also, sich mit Weihnachten zu befassen. Oder genauer gesagt: Weihnachten im Saarland.

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Weihnachtsmarkt auf dem Schlossplatz in Saarbrücken (Foto: Iris Maurer / TZS)

Ich gestehe, ich bin nicht mehr wirklich auf dem Laufenden, was sich im Saarland so tut. Dazu bin ich schon zu lange weg. Umso erstaunter war ich über die Auswahl an Weihnachtsmärkten, die mich diese Woche erreicht hat.

Saarbrücker Christkindl-Markt – 25.11.- 23.12.2013

Los geht es in der Landeshauptstadt Saarbrücken. Vom 25. November bis 23. Dezember erstrahlt die Bahnhofsstraße, Saarbrückens Einkaufsmeile, in weihnachtlichem Glanz. Vermutlich einer der wenigen Märkte mit integrierter Flugshow. Denn in Saarbrücken fliegt der Weihnachtsmann mit seinem Rentier live über den St. Johanner Markt. Und vom 01. bis 24. Dezember öffnet sich jeden Tag ein neues Türchen des großen Saarland-Adventskalenders.

Klar, dass auch die kleinen Besucher nicht zu kurz kommen. Neben diversen Fahrgeschäften – mit Kinderermäßigung am Nachmittag – freuen sich Geschichtenerzähler, Puppentheater und natürlich der Nikolaus mit süßen Leckereien auf staunende Kinderaugen.

39. Weihnachtsmarkt Alt-Saarbrücken – 30.11. und 01.12.2013

Er gehört zu den beliebtesten Weihnachtsmärkten im süddeutschen Raum: Der Weihnachtsmarkt Alt-Saarbrücken rund ums Schloss. Wer ihn besuchen will: Am ersten Advent ist es wo weit. Mehr als 200 Stände bieten in den historischen Gassen der Altstadt links der Saar alles, was zu Weihnachten gehört. Das Besondere daran: Die Mehrzahl der Stände werden von privaten Anbietern oder gemeinnützigen Vereinen und Organisationen betrieben. So lässt sich mit einem Einkauf ganz nebenbei noch etwas Gutes tun.

Weihnachtsmarkt Losheim am See – 30.11. und 01.12.2013

Die Herzen von Eisenbahnfans erfreut der Losheimer Weihnachtsmarkt. Nicht nur, dass der Markt in den Eisenbahnhallen statt findet. Nein auch die Museumseisenbahn Losheim startet ihre beliebten Nikolausfahrten. Und wenn der Nikolaus schon mal an Bord ist, kommen natürlich auch die kleinen Fahrgäste nicht zu kurz. Kleine Geschenke lassen ihre Augen strahlen.

Auch Mittelalterfans kommen an Weihnachten im Saarland voll auf ihre Kosten.

St.Wendeler Weihnachts- und Mittelaltermarkt – 07. – 15.12.2013

Ausgefallenes Kunsthandwerk, kreative Bastelarbeiten und regionale Leckereien gehören ebenso zum St. Wendeler Weihnachtsmarkt wie ein Besuch des Nikolaus mit seine Rentieren Rudolf und Malenki. Neu in diesem Jahr: Der große Mittelaltermarkt mit Lagerwesen und buntem Aktionsprogramm, das die Besucher mitnimmt in vergangene Zeiten.

Kirkeler Burgweynacht – 14. und 15.12.2013

Nostalgisch geht es Jahr für Jahr bei der Kirkeler Burgweynacht zu. Vor der historischen Kulisse der Kirkeler Burg findet einer der schönsten Weihnachtsmärkte des Saarlandes statt. Fackeln und Kerzen erleuchten die Szenerie. Trommler, Turmbläser, Flötenspieler und Lautenspieler führen die Besucher in die Vergangenheit. Hingebungsvoll lauschen – nicht nur – die Kinder den Märchenerzählern und nehmen begeistert am Lampionumzug teil. Nach Einbruch der Dunkelheit verzaubert dann ein Feuerspektakel die Besucher.

Noch Wünsche offen? Dann hilft sicher ein Brief an den Nikolaus. Er wohnt in St. Nikolaus im Warndt und hat dort sogar sein eigenes Postamt. Ihr erreicht ihn vom 05. bis 24. Dezember unter der Anschrift:

An den Nikolaus
66351 St. Nikolaus

Und nicht vergessen, ihm Grüße von mir zu bestellen. 😉

Mehr Saarland Geschichten:

Nicht ohne meinen Schwenker

Kleine Hommage an das Saarland

Nicht ohne meinen Schwenker: DLRG Landesverband Saar e.V. im Hochwassereinsatz

Fünf Tage waren die Notfallhelfer der Wasserrettung des DLRG Landesverbandes Saar e.V.  im Juni in Magdeburg im Hochwassereinsatz. Sie schleppten Sandsäcke, evakuierten eingeschlossene Bewohner und retteten Tiere aus der Flut. Fünf Tage, in denen sich den Helfern vor allem eines eingeprägt hat: Der Zusammenhalt der Bevölkerung und die Dankbarkeit für die Hilfe. 

Inzwischen ist es schon einige Wochen her, dass die Wasserretter des DLRG Landesverbandes Saar e.V. in Magdeburg den Hochwasseropfern zur Hilfe eilten. Aber vergessen ist der Einsatz noch längst nicht. Weder bei den Helfern, noch bei deren Angehörigen und schon gar nicht bei den Betroffenen in den Hochwasserregionen. Sie werden noch Wochen und Monate mit den Aufräum- und Renovierungsarbeiten beschäftigt sein.

Man weiß, dass jederzeit ein Einsatz kommen kann

Als der Voralarm kam, hoffte sicher manch einer – vor allem bei den Angehörigen – dass es dabei bleiben würde. Auch wenn der Sohn oder die Tochter, der Mann, die Frau oder der Vater schon seit Jahren bei der DLRG aktiv ist. Auch wenn die Ausbildung zum Rettungstaucher schon vor Jahren abgeschlossen wurde. Ebenso die Ausbildung zum Strömungsretter. Alles Qualifikationen die unter anderem genau zu diesem Zweck, einem Hochwassereinsatz, erworben und regelmäßig geübt werden.

Doch es war ernst mit dem Einsatz.  Mitten in der Nacht – für die meisten nach einem langen Tag im Job oder an der Uni -ging es von Saarbrücken im Konvoi Richtung Magdeburg. Dort sollten die Kollegen abgelöst werden, die bis zum Umfallen gegen die Flut gekämpft hatten.

DLRG,. Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.
DLRG,. Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.

Was sie dort erwartete, übertraf alle Vorstellungen. Klar kannte man die Bilder aus Hochwassergebieten aus dem Fernsehen. Doch die Ausmaße der Katastrophe für die Bewohner lassen sich allerdings erst dann erfassen, wenn man sie mit eigenen Augen sieht.

DLRG, Flut, Hochwasser, 2013
Bild: DLRG Landesverband Saar e.V.
DLRG, Saarland, Flut, Hochwasser, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.

Fünf Tage sollte der EInsatz der 34 Hilfskräfte aus dem Saarland dem Saarland dauern. Menschen mussten aus ihren Wohnungen evakuiert, Menschen und Tiere gerettet werden. Letzteres übrigens nicht Bestandteil der Strömungsretter-Ausbildung, aber Lebensrettung ist Lebensrettung. Egal ob Mensch oder Tier. 

DLRG, Flut, Hochwasser, 2013
Bild: DLRG Landesverband Saar e.V.
DLRG, Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.

Am stärksten an die körperliche Substanz ging vermutlich die Deichsicherung. Unzählige Sandsäcke wurden geschleppt. Jeder rund zwanzig Kilogramm schwer. Im strömenden Wasser. Nur wenn die Deiche halten, ist an einige Stunden Ruhe zu denken. Einer der Ernstfälle, die unzählige Male geübt worden waren.

DLRG. Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.
DLRG, Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.

Was motiviert Menschen, sich solchen Aufgaben ehrenamtlich zu stellen? Unter anderem die Freude der betroffenen Bewohner über die Hilfe. Die Mutter, die mit ihrem Kind zu den Helfern kommt, ein Stück Melone hinhält und sich von Herzen bedankt.

DLRG, Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.

Die Kinder, die ihr Dankeschön in Bilder packen, die sie den Helfern überreichen. Und die trotz aller Hektik und Müdigkeit herzlich willkommen sind. So viel Zeit muss sein. 

DLRG, Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.

Und dann war da noch das, was die Saarländer so sympathisch macht. Egal wie schwierig eine Situation auch ist, sie sehen auch die guten Seiten. Deshalb durfte im Gepäck nicht fehlen, was zum Anschalten in den Ruhepausen dazu gehört: Ein ordentlicher Schwenker!

DLRG, Flut, Hochwasser, Saarland, 2013
Foto: DLRG Landesverband Saar e.V.

Zwischenzeitlich sind die Hilfskräfte – nicht nur vom DLRG, sondern von allen Hilfsorganisationen – längst wieder wohlbehalten daheim. Dass sie diesen Einsatz, den ersten dieser Art außerhalb des Saarlandes je vergessen werden, wage ich zu bezweifeln.

Ich bin froh, dass es solche Menschen gibt, die anderen ohne großes Tamtam helfen, wenn sie in Not geraten und ich möchte mich mit diesem Blogbeitrag bei allen Helfern herzlich bedanken. Aber auch bei den Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter für solche Einsätze freistellen und stolz darauf sind, dass jemand aus ihrem Unternehmen so großes Engagement zeigt.  Nicht zu vergessen natürlich alle, die im Hintergrund die Einsätze koordinieren.

Ihr seid die Besten!

Was die DLRG sonst noch so tut
Mehr aus dem Saarland

 

Kleine Hommage an das Saarland

Für alle, die sich gerade nicht so sicher sind: Ja, das Saarland gehört zu Deutschland. Schon ziemlich lange jetzt sogar. Auch wenn es aufgrund seiner wechselvollen Geschichte immer mal wieder in Frankreich verortet wird. Die französischen Einflüsse sind ja nicht zu verleugnen, denn das „savoir vivre“ und „laisser faire“ der östlichen Nachbarn hat seine Spuren hinterlassen. Gepaart mit saarländischer Herzlichkeit führt dies zu einer Atmosphäre, in der Fremde schnell integriert werden.

Saarland
Die Saarschleife gehört wohl zu den bekanntesten Motiven des Saarlandes (www.tourismus.saarland.de)

25 Jahre ist es her, dass ich vom Saarland nach Baden-Württemberg gezogen bin. Und bei jedem Besuch in der alten Heimat fällt mir wieder auf: Die Saarländer sind irgendwie entspannter. Ob an dem Spruch „Im Saarland lebt man nicht, um zu arbeiten, sondern man arbeitet um zu leben“ liegt, weiß ich nicht.

Vielleich liegt es ja daran, dass auch unangenehme Themen ziemlich unverblümt auf den Tisch kommen und so zu einer schnelleren Klärung der Situation beitragen.Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall aber mag ich die Kreativität und die Unkompliziertheit der Saarländer.

Saar-Bob

Da ist zum Beispiel die Aktion Saar-Bob. Die hat nichts mit dem gleichnamigen Baumeister oder mit der Frisur zu tun. Zum Saar-Bob wird, wer beim Feiern mit Freunden auf alkoholische Getränke verzichtet und den Fahrer oder die Fahrerin für die Freunde spielt. Mit großflächigen Werbeaktion hat wurde aktuell eine Kampagne für Wirte gestartet, die das Netz für Bob weiter ausbauen soll.

Saarland, Saar-Bob, SaarZoom
Saar-Bob wirbt für verantwortlichen Umgang mit Alkohol

Als Dankeschön für das Verantwortungsbewusstsein, darf „Bob“ sich dann in Kneipen oder Diskotheken auf kostenlose Freigetränke freuen. Natürlich nur nichtalkoholische. Initiiert wird die Aktion durch das Landesinstitut für präventives Handeln, das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie und die Arbeitsgemeinschaft für Verkehrssicherheit.

Eine prima Idee, die ruhig Schule machen kann.

Saarzoom

Dem „Volk aufs Maul“ schaut saarzoom.de. Auf der noch jungen Plattform darf die Meinung gesagt werden. Entsprechend lautet das Credo:

SaarZoom ist eine Community-Plattform zum Meinungsaustausch – von Saarländern für Saarländer:

Dein Land. Deine Meinung!

Wir finden, die Meinung der Saarländerinnen und Saarländer ist zu wichtig, um nicht gehört zu werden:

Meinung muss öffentlich werden, wenn sie etwas bewirken soll.

Egal ob „politische Behäbigkeit, kulturelle Merkwürdigkeit, gesellschaftliche Rückständigkeit“, im Forum wird es diskutiert. Von Saarländern für Saarländer. Offen und ehrlich. Für die Zukunft sind auch Umfragen zu relevanten oder kontrovers diskutierten Saarland-Themen geplant. So können Verantwortlich ganz konkret mit Stimmungsbildern der Bevölkerung konfrontiert werden.

Saarzoom: Digitaler Leserbrief und mehr

Die Macher von Saarzoom  Bürgern wollen mit ihrer Plattform das Thema „Öffentlichkeit und Meinung“ in die „moderne“ digitale Welt integrieren. Interessierte und engagierte Menschen sollten gehört werden. Dabei politisch unabhängig zu bleiben und keiner Partei oder Organisation verpflichtet zu sein, ist für die Betreiber dabei eine wichtige Voraussetzung, um neutral mit Meinungen umgehen zu können.

logo_saarzoom

Für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Warum sollen sich nur Unternehmen dem direkten Kundenfeedback stellen? Es wird höchste Zeit, dass Social Media in allen öffentlichen Bereichen ankommt. Ich jedenfalls habe die Seite bereits weiterempfohlen.

SaarCamp

Hach ja, das Saarland. Ich mag es. Auch wenn ich sehr gerne in Baden-Württemberg lebe. Es ist so einfach, mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen. Außerdem lebt meine Familie noch da und das Essen ist auch nicht zu verachten. Deshalb war die Entscheidung, zum SaarCamp 2013 nach Saarbrücken zu fahren, schnell gefällt.

Hauptsach gudd gess

Abgesehen davon, dass die Sessions prima waren und ich viele spannende Kontakte knüpfen und Gespräche führen konnte, hat mich auch das Essen an früher daheim erinnert. Zu Mittag gab es butterzarten Rinderbraten mit Mini-Kartoffelklößen, Salat und natürlich soße. Bemerkenswert dabei das Mischungsverhältnis: Drei niedliche Knödelchen wurden von drei ordentlichen Scheiben Rinderbraten begleitet. Und auch der Hinweis „Ihr Leit, wenner ned satt werre, kommener nochemol vorbei unn hole Nohschlach“. Ein Satz, der nicht von allen „Ausländern“ verstanden worden war. Es waren tatsächlich welche in Sorge, sie könnten nicht satt werden.

Abends gab es dann eines der saarländischen Nationalgerichte: Schwenkbraten. Und da Schweinehals nicht jedermanns Sache ist, gab es dazu noch Putensteak und Rostwurst und Merguez. Der Alibi-Gemüsespieß wirkte daneben recht bescheiden auf dem Teller. Ok, kein wirklich gutes Pflaster für Vegetarier_innen.

Auch sonst war das SaarCamp eine gelungene Veranstaltung. Die Mischung war für meine Bedürfnisse ideal. Sicher lag das auch an der – im Vergleich zu sonstigen BarCamps, an denen ich teilnehme – eher geringen Teilnehmerzahl. Aber eben nicht nur. Die unkomplizierte Art der Saarländer hat sicher auch dazu beigetragen. Und natürlich die großzügig gemischten Cocktails von Sponsor Villeroy & Boch.

Näschdes Johr komm ich widder. Vasproch!

Saarland – Es kann nur eines geben!

Mehr Saarland gibt es hier:

Rundum lecker: Schneebällchen mit Milchsoße und Birnenspalten

Schneebällchen beziehungsweise gekochte Klöße werden üblicherweise mit Sauerbraten und Rotkohl serviert. Die im Saarland verbreitete Variante mit einer Milchsoße und süßer Beilage sind aber mindestens genauso gut. Hier die Zutaten für das traditionell saarländische Gericht.

Küche, Saarland
Typisch saarländisch: Fruchtig süß ergänzt herzhaft-deftig. (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA)

Die Entscheidung, alte saarländische Gerichte in meinen Blog aufzunehmen, gefällt mir immer von Mahl zu Mahl besser.  Schließlich kommen dadurch öfter als sonst leckere Sachen auf den Tisch, die ich schon länger nicht mehr gegessen habe. So zum Beispiel Schneebällcher med Millichsoß unn Biereschnitz.

Deftig trifft süß

Die Kombination aus deftigen Knödeln, salziger Soße und süßer Beilage ist für viele sicher ungewohnt. In der saarländischen Küche ist sie gar nicht so selten. Hier werden süße Pfannkuchen oder Obstkuchen zum Beispiel gerne mit Gemüseeintöpfen serviert. Klassisch: Schnibbelchesbohnesupp mit Quetschekuche. Das Rezept folgt dann irgendwann im Herbst, wenn es frische Bohnen und Zwetschgen gibt.

Kleine Vorarbeiten

Schneebällchen mit Milchsoße und Birnenschnitzen können unterschiedlich viel Aufwand bereiten. Macht man die gekochten Klöße komplett selbst, muss man die Kartoffeln dafür z.B. am Vortag kochen. Rezepte hierfür gibt es überall im Netz.

Ich persönlich bevorzuge die schnelle Variante. Es gibt inzwischen sehr leckere Fertigteige in der Kühltheke. Vorarbeiten adé und Gelingen-Garantie inklusive. Angeboten werden sie als „Gekochte Klöße“ oder auch „Seidenknödel“. Also nicht zu verwechseln mit rohen, halb und halb, bayrischen oder Thüringer Klößen, die ganz bzw. überwiegend aus rohen Kartoffeln bestehen.

Den Kompott bereite ich auch am Abend vorher zu (dauert nur ein paar Minuten), damit er über Nacht durchziehen kann.

Die Zutaten (für zwei Personen)
  • 1 Paket Seidenknödel (beim Durchkneten erklärt sich der Name von selbst)
  • 1 altbackenes Brötchen (Brot geht natürlich auch) in kleinen Würfeln
  • etwas Butter
  • ca. 250 ml Milch
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 2 Birnen (nicht zu weich)
  • Dörrpflaumen (Menge nach Belieben)
  • Wasser oder Weißwein oder beides gemischt
  • Vanille
  • 1 Zimtstange
Los geht’s am Vorabend mit dem Kompott
  • Birnen schälen und in Spalten schneiden
  • Wasser/Wein in einem kleinen Topf erhitzen
  • etwas Vanille und die Zimtstange dazugeben
  • wenn die Flüssigkeit kocht, die Birnen einlegen und bei geringer Hitze einige Minuten dünsten. Sie sollten noch gut „bissig“ bleiben
  • Dörrpflaumen dazu

Herdplatte abschalten und das Obst über Nacht bei Raumtemperatur ziehen lassen. Durch die Pflaumen und den Zimt wird der Sud leicht sirupös und sehr lecker.

Saarland, Essen
Birnenschnitz mit Dörrpflaumen – super lecker im Winter. (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA

Reste des Kompotts schmecken übrigens prima mit Joghurt oder im Müsli.

Und jetzt zu den Schneebällchen

Wie bereits erwähnt, heißen gekochte Klöße im Saarland Schneebällchen. Sie sind auch etwas kleiner als normale Knödel, etwa Mandarinengröße. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Der Teig ist sehr viel zarter als bei rohen Klößen und neigt – laut meiner Mutter – mehr dazu, auseinander zu fallen, wenn die Knödel zu lange im Wasser bleiben.

  • Knödel nach Rezept bzw. Packungsbeschreibung zubereiten
  • Butter (das Stück sollte nicht zu klein sein) in einer Pfanne schmelzen lassen
  • Brotwürfel darin anrösten
  • sind die Würfel rundum schön knusprig, aus der Pfanne nehmen und beiseite stellen
  • Milch in die Pfanne gießen, in der vorher die gerösteten Brotwürfel (auf saarländisch übrigens Kerschdcher) waren
  • mit Salz, Pfeffer und etwas Muskat abschmecken.
  • Knödel in eine Schüssel geben, Milchsoße darüber und Kerschdcher on top
  • Kompott dazu reichen
Tipp für misstrauische Esser

Wem die Kombination aus deftig und süß suspekt ist, der tastet sich einfach mal vorsichtig heran und serviert das Obst auf einem Extra-Teller.

Welche Einflüsse die saarländische Küche u.a. geprägt haben, ist unter Kochlust nachzulesen.
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Saarländisch deftig: Gerschdsupp (Graupeneintopf)

Graupeneintopf, oder auf gut Saarländisch „Gerschdsupp“, ist ein klassisches Wintergericht. Der gehaltvolle Eintopf  besteht aus saisonalen Produkten, ist günstig und zudem vegetarisch bzw. vegan. 

Graupeneintopf
Zwiebel, Möhren, Knollensellerie, Kartoffeln und Lauch sind ein Muss. (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA)

Als Kind fand ich den Graupeneintopf nicht sehr lecker, was wohl auch seiner „gräulichen“ Optik und der leicht „schleimigen“ Konsistenz (ähnlich einem guten Risotto) geschuldet war.

Aber ebenso wie beim Spinat hat sich das mit den Jahren geändert. Kein Winter, in dem nicht zwei bis drei Mal „Gerschdsupp“ auf den Tisch kommt. Manchmal mit Würfeln von geräuchertem Schinken oder Kassler darin, manchmal ohne.

Es gibt auch eine Variante, bei der kleine Rindfleischwürfel mitgekocht werden. Diese Variante mag ich persönlich weniger.

Man nimmt halt ein paar Kartoffeln, ein bisschen Möhre…

Wie so häufig bei alten Hausrezepten, gibt es keine klaren Mengenangaben. Was rein kommt, hängt im Wesentlichen davon ab, was ich gerade im Kühlschrank habe bzw. beim meinem bevorzugten Hofladen im Winterangebot ist. Zwiebel, Möhre, Knollensellerie, Lauch und Kartoffeln sind aber ein Muss.

Bevor es ans Kochen geht, noch ein paar Worte zu den Graupen an sich. Gerstengraupen sind durch Schleifen und Polieren abgerundete Gerstenkörner. Verkauft werden sie in drei Größen:

  • fein (dann auch Perlgraupen genannt)
  • mittel
  • grob
Die Graupen sorgen für den Biss

Ich selbst bevorzuge die mittleren, habe mich aber beim letzten Einkauf vergriffen. Deshalb im Bild oben die feineren Perlgraupen. Je dicker das Korn, desto „bissiger“ wird der Eintopf.

Zutaten (ca.-Angaben):

  • 1 mittlere Zwiebel geschält und in kleine Würfel geschnitten
  • 1 – 2 Möhren geschält und in Würfel geschnitten
  • 1 Stück Sellerie (etwa halb soviel wie Möhre) geschält und in Würfel geschnitten
  • 1 Stück Lauch
  • ein kleines Stück Petersilienwurzel (muss nicht sein)
  • 2 – 3 Kartoffeln geschält und gewürfelt
  • 1 Liter Wasser oder Gemüsebrühe
  • ca. 125 g Graupen (Packungshinweis beachten)
  • Salz, Pfeffer, Muskat und – im Saarland Hauptwürzmittel – Maggi
  • Petersilie gehackt
  • etwas Öl, z.B. Rapsöl

Zubereitung:

  • Zwiebelwürfel mit etwas Zucker im heißen Öl andünsten bis sie glasig sind
  • Möhren-, Sellerie- und Petersilienwurzelwürfel dazugeben, andünsten
  • mit der Brühe aufgießen, zum Kochen bringen
  • Graupen einrühren, auf kochen, Hitze reduzieren und Graupen quellen lassen (wie beim Reis)
  • Gelegentlich umrühren
  • nach ca. 20 – 30 Minuten (je nach Graupendicke) Kartoffelwürfel und Lauchringe dazu
  • weiterköcheln bis Kartoffeln und Graupen gar sind
  • mit Salz, Pfeffer, Muskat, gehackter Petersilie und – zumindest im Saarland ein Muss – Maggi abschmecken

Die Menge ergibt bei mir 2 – 3 Portionen und hält sich auch gut einen Tag im Kühlschrank.

Graupeneintopf
Gerschdsupp, ein deftiger Wintereintopf. (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA)
Der Eintopf, der mitwächst

Ein kleiner aber möglicherweise entscheidender Tipp: Man sollte den Topf immer eine Nummer größer nehmen, als eigentlich geplant. Auch nach Jahren habe ich den Mengenzuwachs bei den Graupen noch nicht im Griff. Ich muss eigentlich immer Flüssigkeit nachgießen und der Topf wird voller und voller und…

Und falls sich der ein oder andere wundert, weshalb da als Flüssigkeit Wasser und nicht Wein oder sonstwas steht, solchen Schnickschnack gab es früher daheim nicht. Gekocht wurde treu nach dem Motto: Wenn die Zutaten schmecken, schmeckt die Brühe daraus automatisch.