Jens Spahn: Wir werden einander viel verzeihen müssen

Wir haben den 1. Januar 2023 und es könnte tatsächlich der Anfang vom Ende dieser Corona-Plage sein. Der perfekte Zeitpunkt, über Wir werden einander viel verzeihen müssen von Jens Spahn zu sprechen!

Die Corona-Maßnahmen hatten in der Bevölkerung viele Befürworter:innen, aber auch einige sehr laute Kritiker:innen. Ich war beruflich sehr nahe an dem Thema dran und kann sagen: Ich hätte die Entscheidungen nicht treffen mögen. Kaum eine Situation war so unsicher, hat sich so schnell verändert, wie die Begleitumstände der Pandemie. Was heute noch passte, konnte morgen schon falsch sein. Weil neue Forschungsergebnisse veröffentlicht wurden. Weil langjährige Handelspartner:innen ihre Richtlinien ändern und nicht mehr liefern.

Diese Situationen beschreibt Jens Spahn mehr oder weniger ausführlich und mehr oder weniger persönlich. Wer die politische Bühne einigermaßen regelmäßig im Blick hat, wird nicht viel Neues erfahren, aber möglicherweise den ein oder anderen Aspekt aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Von außen betrachtet sieht vieles einfach aus

Politiker:innen müssen vielen Anforderungen gerecht werden. Abstimmungswege sind sehr komplex und bürokratisch. Schon ohne Pandemie schwierig genug. Ex-Gesundheitsminister steht dazu, dass er zwischendurch immer wieder von den Entwicklungen überrollt wurde. Und er bedauert sich auch an mehreren Stellen ausgiebig. Um dann an anderen wieder zu betonen, was wir seinen Entscheidungen zu verdanken haben beziehungsweise zu verdanken hätten, hätte die Opposition oder der Koalitionspartner sich nicht quer gestellt..

Um es kurz zu machen: Mir war Wir werden einander viel verzeihen müssen von Jens Spahn an vielen Stellen zu wehleidig, an anderen zu parteipolitisch. Ich habe mir tiefere Einblicke erwartet, was aber vermutlich in einer noch laufenden Pandemie schwierig ist. Ehe nicht alle Details offiziell aufgearbeitet sind, kann er mit den “Innenansichten einer Krise” nicht hausieren gehen.

Ich fand ja, dass er in der Corona-Pandemie einen guten Job gemacht hat. Viele seiner Kritiker:innen müssten da erst mal in seine Fußstapfen treten.

Gerade Jens Spahn müsste doch Verständnis haben

Leider habe ich das Buch genau zu dem Zeitpunkt gelesen, als er der Nachfolgeregierung, insbesondere Minister Habeck, vorwarf, seine Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung seien zwar gut gemeint aber nicht gut gemacht. Gerade Jens Spahn müsste es doch verstehen, dass Pläne unter Hochdruck entwickelt werden müssen, während die Situation äußerst dynamisch ist. Und dass sich sich die Dinge während der Umsetzung erneut sehr schnell ändern. Und dass natürlich nicht jeder Einzelfall perfekt berücksichtigt werden kann. Genau dafür bittet er doch in seinem Buch immer wieder um Verständnis. Weil er es nicht anders handhaben konnte. Genau wie Robert Habeck jetzt.

Fazit: Ich habe mir von Wir werden uns viel verzeihen müssen mehr erwartet. Und ich hätte mir von Jens Spahn mehr Größe erwartet, nachdem er selbst so im Kreuzfeuer stand.

Jens Spahn

Jens Spahn, Jahrgang 1980, ist Mitglied im CDU-Präsidium und als Fraktionsvize zuständig für Wirtschaft, Klima und Energie. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Politikwissenschaft. Seit 2002 ist er Bundestagsabgeordneter. In seinem münsterländischen Wahlkreis hat er bereits sechsmal in Folge das Direktmandat errungen. Von 2009 bis 2015 war er gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, anschließend Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen. Als Bundesminister für Gesundheit von März 2018 bis Ende 2021 galt es in der Zeit der Corona-Pandemie schwere Entscheidungen zu treffen und auch unkonventionelle Wege zu gehen, um möglichst viel Schaden abzuwenden und das Land gut durch die Krise zu führen. Spahn lebt mit seinem Ehemann in Berlin.

Olaf Köhne, Peter Käfferlein

Die Journalisten Olaf Köhne und Peter Käfferlein entwickeln und realisieren mit ihrer Hamburger Agentur Projekte in den Bereichen Buch, TV und Management. Ihre Bücher mit Dirk Roßmann, Hardy Krüger und Liselotte Pulver wurden SPIEGEL-Bestseller. Buchinfo

Wir werden einander viel verzeihen müssen von Jens Spahn, erschienen bei Heyne, 28. September 2022, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 22,00, ISBN: 978-3-453-21844-4. Danke für das Leseexemplar.


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