Die junge Journalistin Toni Papin lebt mit ihrem Freund in München. Geboren und aufgewachsen ist sie in der Schuh-Metropole Pirmasens, mitten im Pfälzer Wald. Seit einigen Tagen versucht ihr Vater, sie telefonisch zu erreichen. Erst als die Klinik anruft und sie über den schlechten Zustand des Vaters informiert, macht sie sich auf den Weg.

Toni lebt mit Paul in einer offenen Beziehung. Eine Konstellation, der sie zugestimmt hat, weil sie es cool fand. In Wahrheit kommt sie aber nicht gut damit zurecht. Sie selbst nutzt die Option, andere Partner zu daten, überhaupt nicht. Paul dafür umso ausgiebiger. Noch dazu läuft es im Job nicht so, wie die motivierte Journalistin es sich wünscht. Auf ihre Bewerbungen hagelt es eine Absage nach der anderen. Und das alles nur, weil sie kurz nach ihrem Abschluss eine Demo gegen Rechts organisiert hat, die etwas aus dem Ruder gelaufen ist.
Immer öfter grübelt Toni, ob sie ihr Leben in München so weiterführen will. Dass ihr Vater jetzt auch noch ständig versucht, sie telefonisch zu erreichen, nervt zusätzlich. Seit dem Tod der Mutter ist er offensichtlich einsam in seinem großen Haus in Pirmasens. Regelmäßig drückt sie seine Anrufe weg. Auch wenn sie dabei ein schlechtes Gewissen hat.
Kommt Toni noch rechtzeitig nach Pirmasens?
Halb zwölf Uhr nachts. Das Handy reißt Toni aus ihrem Dämmerschlaf. “Kirchner, Städtisches Krankenhaus Pirmasens. Ich rufe an, weil es ihrem Vater leider nicht gut geht.” Sofort ist Toni hellwach. Sie wusste nicht mal, dass ihr Vater krank ist. Klar, dass er schneller kurzatmig wurde als früher, ist ihr schon aufgefallen. Aber er hat das immer verharmlost, wollte sich nicht untersuchen lassen. Schnell packt die junge Journalistin ein paar Sachen zusammen, setzt sich ins Auto und rast los. Als sie in Pirmasens ankommt, ist es schon zu spät. Ihr Vater ist bereits kurz nach dem Anruf in München verstorben.
Völlig übermüdet und am Boden zerstört, beschließt Toni, zu ihrem Elternhaus zu fahren und erst ein paar Stunden zu schlafen, ehe sie sich Gedanken über das weitere Vorgehen macht. Sie wird eine Weile bleiben und sich um Beerdigung und Nachlass kümmern müssen, die Unterlagen ihres Vaters durchsehen und ordnen. Als sie nach den erforderlichen Unterlagen für das Bestattungsinstitut sucht, stellt Toni fest, dass ihr Vater seinen Tod minutiös vorgeplant hat. Das Grab ausgesucht und bezahlt, mit den Bestattern alles arrangiert und sogar mit dem Pfarrer abgesprochen, wie die Grabrede lauten soll.
Aber das ist längst nicht alles. Offensichtlich wollte sich ihr Vater auch mit ihr aussprechen. Ein angefangener Brief an sie weist auf ein dunkles Geheimnis hin. Irgendwas war in der Vergangenheit, das er nie erwähnt hat. Mit den vielen Anrufen in den letzten Tagen wollte ihr Vater wohl sein Gewissen erleichtern. Toni wäre keine Journalistin, würde sie nicht alles daran setzen, das Geheimnis ihres Vaters aufzuklären. Dabei setzt sie sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel.
Ruhig und trotzdem spannend
Am hellichten Tag von Peter Probst ist ein erstaunlich unaufgeregter Krimi. Trotzdem hatte er mich von Anfang an im Griff. Wann immer es möglich war, habe ich schnell ein paar Seiten zwischendurch gelesen. Mag sein, dass das auch an der Location lag. Ich bin im Saarland geboren und lebe jetzt schon lange in der Nähe von Stuttgart. Pirmasens lag auf halber Strecke. Wenn die Zeit gereicht hat, habe ich in einem großen Schuhgeschäft außerhalb der Stadt Halt gemacht. Manchmal mit Erfolg.
Doch zurück zum Buch. In den Sechziger Jahren sind in Pirmasens drei Kinder spurlos verschwunden. Ein Mädchen und zwei Jungen. Einer davon war ein enger Freund von Tonis Vater und er hat sich wohl all die Jahre Vorwürfe gemacht, weil sie den Jungen beim Versteckspiel einfach zurückgelassen haben. Offensichtlich hatte er nach dem Tod von Tonis Mutter sein Leben darauf ausgerichtet, Licht ins Dunkel zu bringen.
Als sich Toni eingehend mit den alten Unterlagen beschäftigt, erkennt sie, wie sehr diese Ungewissheit auch ihre Kindheit und das Familienleben belastet hat. Insofern ist Am hellichten Tag nicht nur ein Krimi, sondern auch ein Lehrstück, wie sehr Geheimnisse aus der Vergangenheit die Gegenwart und die Zukunft belasten.
Am hellichten Tag von Peter Probst hat mir sehr gut gefallen.
Peter Probst
Peter Probst, geboren 1957, schrieb Theaterstücke und Fernsehfilme, darunter zahlreiche Krimis. Außerdem verfasste er die Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Amelie Fried, mit der er seit 1990 verheiratet ist. Das Paar hat zwei Kinder.
Buchinfo: Am hellichten Tag von Peter Probst, erschienen bei Heyne, 25. Februar 2026, Paperback, Klappenbroschur (auch als E-Book verfügbar), 336 Seiten, € 18,00, ISBN 978-3-453-27564-5. Danke für das Leseexemplar.

Hinterlasse einen Kommentar