Lottas Welt ist aus den Fugen geraten. Ruhe und einen Neustart erhofft sie sich am sichersten Ort ihrer Kindheit: Dem Haus hinter den Dünen, direkt am Meer. Doch statt der ersehnten Entspannung wartet dort das Grauen auf sie. Wer hat es auf ihr Leben abgesehen?

Lotta will nur noch weg aus Berlin. Sie erträgt den Mann, den sie eigentlich heiraten wollte, nicht mehr. Und auch die Bevormundung durch ihren Vater, einen Anwalt, bei dem sie arbeitet, wird immer schlimmer. Kurz entschlossen packt sie die notwendigsten Sachen zusammen und setzt sich in den Zug an die Küste. In Geelekow hofft sie, zur Ruhe zu kommen. Wie damals, als sie unbeschwerte Sommertage mit ihrem Vater und Helen, seiner Freundin, dort verbracht hat. Und tatsächlich existiert die Villa Standvogel immer noch, wenn auch stark saniert. Und der Türschlüssel ist immer noch in dem kleinen Gartenzwerg versteckt. Ganz wie früher.
Aber sehr schnell merkt Lotta, dass etwas völlig anders ist als damals. Schon in der ersten Nacht fühlt sie sich beobachtet. Das schiebt sie aber auf ihre gereizten Sinne nach den anstrengenden Wochen in Berlin und der chaotischen Fahrt nach Geelekow. Die Bahn hatte Stunden Verspätung und vom Bahnhof aus kam sie nur als Tramperin weiter. Mitten in der kalten Winternacht wirklich kein Vergnügen. Als sie hört, wie sich die Tür öffnet, ist sie aufs höchste alarmiert. Wer kann das sein und wird sie jetzt aus ihrer vermeintlich sicheren Unterkunft vertrieben? Doch es ist “nur” Justus, der Sohn der Vermietungsgesellschaft, und der reagiert erstaunlich konstruktiv. Tatsächlich darf Lotta bleiben und findet sogar einen neuen Job: Sie soll dabei helfen, die leerstehenden Mietobjekte regelmäßig zu kontrollieren.
VERSCHWINDE!
Alles könnte also gut sein, wären da nicht die dubiosen Geräusche, die sie jede Nacht hört. Unregelmäßige Klopfgeräusche und dann auch noch Kinderlachen. Woher die Geräusche genau kommen, kann sie nicht genau zuordnen. Und wenn sie nachts aus dem Schlaf aufschreckt, hatte sie mehrmals den Eindruck, einen Schatten durch das Zimmer huschen zu sehen. Resolut versucht sie, die Ängste zur Seite zu schieben. Das kann doch nur ihre überreizte Phantasie sein.
Erst als jemand nachts mit Farbe das Wort “VERSCHWINDE!” an die Haustür schmiert, versteht Lotta, dass ihre Wahrnehmungen nicht mit überreizter Phantasie zu tun hat. Irgendjemand will, dass sie die Villa verlässt. Warum? Darauf kann sich weder Lotta noch Nele, Bo oder Justus, mit denen sie sich inzwischen angefreundet hat, einen Reim machen. Zeit, sich näher mit der mysteriösen Geschichte des Hauses zu befassen. Lotta erfährt, dass ein Jahr zuvor bereits eine junge Frau in der Villa Sturmvogel gestorben ist. Angeblich hat sie sich selbst das Leben genommen. Aber war das wirklich so?
Spannend und teilweise gruselig
Carolin Frey hat mit Das Krähenzimmer für meinen Geschmack einen wirklich spannenden Thriller abgeliefert. Bis zum Schluss war ich mir unsicher, was es mit den seltsamen “Erscheinungen” zu tun hatte. War Lotta nur eine überspannte junge Frau oder trachtete ihr wirklich jemand nach dem Leben. Ok, als die ersten Mordanschläge folgten, habe ich die “überspannte junge Frau” zu den Akten gelegt. Geholfen hat es mir nicht.
Da waren die mega engagierten neuen Freunde. Unwahrscheinlich, dass eine oder einer von denen Lotta etwas antun möchte. Aber wie ist es mit den Typen, die Lotta im Restaurant angetrunken angepöbelt haben? Sie wirkten sehr unberechenbar. Und sie waren definitiv frustriert und sauer, weil Lotta eine Job bei der Hausvermittlung bekommen hat, sie aber nicht. Aber ist das wirklich ein Grund, ihr den Tod zu wünschen? Wohl kaum, oder?
Die Auflösung hat mich eindeutig überrascht. Carolin Frey hat die Story wirklich perfekt aufgebaut. Diverse Sackgassen haben mich grandios in die Irre geführt. Kompliment!
Carolin Frey
Carolin Frey absolvierte ein journalistisches Volontariat und studierte Geschichte sowie Amerikanistik in Berlin. Sie arbeitete als Redakteurin, Lektorin und Projektmanagerin in den Bereichen Nachrichten, Kultur, Politik und Wirtschaft, bevor sie sich ganz dem belletristischen Schreiben widmete. Ihr Faible für Spannungsliteratur und (True) Crime teilt sie als Moderatorin der Podcasts Krimi-Duett (mit Buchhändler Christian Koch) und Hollywood Kills (mit Moderator Steven Gätjen). Wenn sie nicht gerade schreibt, liest oder moderiert, besucht sie Rockkonzerte und lässt sich auf Reisen für neue Geschichten inspirieren. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Mecklenburg-Vorpommern. Das Krähenzimmer ist ihr Debüt.
Buchinfo: Das Krähenzimmer von Carolin Frey, erschienen bei rowohlt polaris, 14.08.2026, 432 Seiten, Paperback, € 18,00 (auch als E-Book erhältlich), ISBN: 978-3-499-01881-7. Danke für das Leseexemplar.

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