Sebastian Fitzek: Achtnacht

Stell dir vor, du kannst eine Nacht im Jahr einen Menschen völlig legal töten. Als Prämie winken dir zehn Millionen Euro. Wer das Opfer ist, entscheiden die Teilnehmer einer Online-Kampagne. Jeder kann einen Menschen zum Abschuss vorschlagen. Wen würdest du nominieren?

978-3-426-52108-3_DruckBenjamin Rühmann ist nicht gerade vom Glück verfolgt. Seine Ehe mit Jennifer ist gescheitert. An der Querschnittslähmung seiner Tochter gibt es sich die Schuld. Und gerade eben ist er aus seiner Band geflogen.

Frustriert macht er sich auf den Heimweg. Plötzlich begegnet ihm sein überlebensgroßes Porträt auf sämtlichen interaktiven Werbeflächen der Stadt. Irgendjemand hat ihn für die Aktion “Achtnacht” nominiert. Zwölf Stunden lang können ihn 80 Millionen jagen, foltern und dann töten. Wer nachweisen kann, dass er beziehungsweise sie ihn getötet hat, kann sich über zehn Millionen Euro auf einem Konto auf den Caymans freuen.

Kann Ben die Nacht überstehen? Kann er seine Verfolger abschütteln? Und wer wird ihm helfen?

Die kranke Phantasie des Sebastian F.

Sebastian Fitzek hat einfach eine kranke Phantasie! Und ich liebe diese Phantasie! Mit Achtnacht hat er mich mitgenommen in eine Welt, die ich absolut nicht unvorstellbar finde. Menschen können alle Hemmungen verlieren, wenn sie sich in Sicherheit wähnen, der Menge folgen können und außerdem noch die Aussicht auf viel Geld haben.

Wieder einmal zeigt Fitzek uns, wie sehr Traumata Menschen verletzen und nachhaltig in ihren Grundfesten erschüttern können. So sehr, dass sie unbewusst Katastrophen heraufbeschwören. Sich auf Experimente einlassen, die komplett aus dem Ruder laufen.

Gleichzeitig macht Fitzek Mut. Auch in noch so aussichtslosen Situationen kann man auf Menschen stoßen, die nicht einfach nur mit der Horde mitlaufen. Die ihre Menschlichkeit bewahrt haben und sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen.

Die dunkle Seite der Online-Welt

Achtnacht ist brutal, schonungslos und dabei über weite Strecken nicht mal völlig unrealistisch. Der Thriller lässt uns in Abgründe schauen, die wir hoffentlich nie selbst erleben müssen.

Und typisch für Sebastian Fitzek: Immer, wenn man denkt, man weiß, wer für all das verantwortlich ist, hat er noch einen weiteren Schlenker parat, der alle Überlegungen Makulatur sein lässt.

Achtnacht ist einfach ein geiler Thriller!

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Achtnacht von Sebastian Fitzek, erschienen bei KNAUR, März 2017, 416 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-426-52108-3

Candice Fox: Hades

Marcus und Morgan sollten sterben. Sie waren “nur” ein Kollateralschaden, den Hades Archer, das kriminelle Mastermind von Sidney, ausbügeln sollte. Zwanzig Jahre später tauchen sie als Eric und Eden wieder auf der Bildfläche auf. Als Cops. Cops mit dem gewissen Extra.

HadesHades Archer ist die graue Eminenz der australischen Unterwelt. Auf seiner privaten Mülldeponie verschwindet nicht nur der Wohlstandsmüll der Umgebung. Sie ist auch das Ziel zwielichtiger Gestalten, die die “Opfer” ihrer Aktivitäten auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen wollen. Gegen entsprechende Bezahlung kümmert sich Hades darum. Und er macht seinen Job so gut, dass ihm die Polizei nichts nachweisen kann. Mörder, Vergewaltiger, Kinderschänder sind von heute auf morgen wie vom Erdboden verschluckt.

Hades vernichtet das Böse

An einem regnerischen Abend legt ihm ein Unbekannter ein blutiges Bündel vor die Füße. Der Größe nach kann es sich nur um ein Kind handeln. Er habe gehört, dass Hades Spuren verwischen könne. Sicher könne er doch auch ihm helfen. Ein Überfall sei aus dem Ruder gelaufen, der Kollege haben die Eltern, stadtbekannte Millionäre, in Panik erschossen. Die beiden Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, hätten sie erst an Pädophile verkaufen wollen, dann aber eingesehen, dass das wegen der Prominenz der Eltern vermutlich nicht klappen würde. Also hätten sie die Kinder erschlagen. Hades solle sie nun “entsorgen”.

Als er sieht, dass das Bündel sich noch bewegt, greift Hades tatsächlich ein. Allerdings anders, als der kleine Ganove es sich erhofft hat. Die Müllkippe wird das letzte sein, was er in seinem Leben sieht.

Wenn man Mörder versteht

Es gibt Bücher, die packen mich von der allerersten Seite. Hades von Candice Fox gehört ganz eindeutig dazu. Gerne hätte ich es bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand gelegt, aber ich musste mich gedulden und wurde auf ganzer Länge belohnt.

Bücher, in denen mehrere Handlungsstränge von Anfang bis Ende parallel laufen, sind eigentlich nicht so mein Ding. In diesem Fall war das anders. Die drei Hauptstränge waren von Anfang an so transparent, dass ich bei keinem Perspektivwechsel grübeln musste, wo ich gerade bin. Candice Fox hat die Übergänge sehr fließend eingebaut.

Aber sie hat noch etwas anderes erreicht. Etwas, was mir bislang erst zwei- oder dreimal passiert ist. Sie hat erreicht, dass ich mich in Eden hineinversetzen, ihr Verhalten verstehen konnte. Selbst dann noch, wenn es darum geht, einen Menschen zu töten.

Diese Bücher hatten alle eines gemeinsam: Sie haben die Entwicklung der Protagonisten sehr schonungslos geschildert. Mit aller Härte, aber auch mit aller Verunsicherung und Verletzlichkeit. Und sie lassen mich immer verwirrt zurück. Wie kann ich Selbstjustiz und eiskalten Mord nachvollziehbar finden? Ganz einfach, weil Autoren wie Candice Fox in Hades es hervorragend verstehen, Emotionen wertfrei zu transportieren.

Ich bin angefixt

Candice Fox hat mich angefixt. Ich bin super neugierig auf die Fortsetzung der Hades-Trilogie. “Eden”, Teil zwei, erscheint im September 2016 ebenfalls bei Suhrkamp. Teil drei, “Fall”, ist für Frühjahr 2017 angekündigt.

Edit: Inzwischen ist „Eden“ erschienen und ich habe das Buch „inhaliert“! Meine Meinung dazu gibt es natürlich hier im Blog.

Candice Fox

Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Hades ist der erste Teil einer Trilogie, Eden und Fall folgen in den nächsten Monaten.

Buchinfo: Hades von Candice Fox, erschienen bei Suhrkamp, Mai 2016, 341 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-518-46673-5. Auch als eBook erhältlich. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil

Max Rhode ist ein sogenanntes “One-Hit-Wonder”. Sein Roman “Die Blutschule” sorgte für großes Medieninteresse und eine kurzzeitige Berühmtheit. Seither sucht er nach dem passenden Stoff für einen neuen Bestseller. “Nebenbei” kümmert er sich liebevoll um seine 10-jährige Pflegetochter Yola und hält damit seiner Frau, einer Pilotin, den Rücken frei. Insgesamt also ein sehr unspektakuläres Leben. Bis Yola plötzlich spurlos verschwindet.

Fitzek, Das Joshua-Profil, Thriller, Pädophilie, Big DataEigentlich ist Max Rhode mit seinem Leben nicht unzufrieden. Klar, könnte mal wieder ein neuer Bucherfolg her. Und die Beziehung zu seiner Frau könnte ebenfalls besser sein. Durch ihren Beruf sehen sie sich viel zu selten. Dafür ist Pflegetochter Yola ein Glücksfall. Intelligent, aufgeweckt, lebhaft, der Traum aller Eltern. Keine Selbstverständlichkeit nach ihrem schweren Start ins Leben. Für sie würde Max Rhode alles tun.

Und plötzlich bist du ein Straftäter und keiner glaubt dir

Das ruhige Leben ändert sich schlagartig, als Max ins Visier von Menschen gerät, die glauben, eine Programm entwickelt zu haben, dass potenzielle Straftäter aufgrund ihrer Aktivitäten im Netz aufspüren kann, bevor sie ihre Straftat begehen können. Sie setzen alles daran, Max Rhode aus dem Verkehr zu ziehen. Ihr “Köder” ist Yola, die plötzlich verschwunden ist. Max macht sich auf die Suche.

Okay, die Geschichte mit dem Programm, dass Verbrecher identifizieren kann, ehe sie ein geplantes Verbrechen begehen, ist nicht neu. Und zwischenzeitlich ist wohl den meisten Menschen bewusst und bekannt, dass wir alle überall digitale Fingerabdrücke hinterlassen. Sei es durch unser Suchverhalten im Netz, durch Einkaufen mit Kundenkarten, durch die Teilnahme an Gewinnspielen, oder, oder, oder.

Real oder virtuell – es geht um Leben und Tod

Doch was passiert, wenn wir für unsere Arbeit recherchieren? Themen, die uns privat nicht betreffen, die aber unserem Profil zugeordnet werden. Wenn wir mit unserer Kundenkarte für andere einkaufen gehen? Wenn neue Steinchen plötzlich ein komplett anderes Puzzle entstehen lassen? Wie unterscheidet man dann zwischen realem und virtuellem Leben?

Insofern hat sich Sebastian Fitzek ein spannendes, zeitgemäßes, heiß diskutiertes Thema vorgenommen und gut und ausführlich beleuchtet. Auch wenn ich an einigen Stellen ein etwas strafferes Tempo bevorzugt hätte, hat mir die Story insgesamt gut gefallen.

Doch Fitzek wäre nicht Fitzek, würde er es bei einem Handlungsstrang belassen. Mit dem Thema Pädophilie packt er gleich noch ein zweites, kontrovers diskutiertes Thema in “Das Joshua-Profil”. Und hier gefällt mir sehr gut, wie er sich mit dem Thema auseinander setzt.

Pädophilie in unüblichem Thriller-Kontext

Ich persönlich habe, wie wohl die meisten Menschen, eine absolute Null-Toleranz für Gewalt gegen Kinder, egal ob physisch, psychisch oder sexuell (also sowohl physisch als auch psychisch). Aber ebenso wie Sebastian Fitzek habe ich großen Respekt vor Menschen, die sich zu ihrer Pädophilie bekennen und Hilfe suchen, bevor sie straffällig werden. Dazu gehört viel Selbstreflektion und noch mehr Mut. Einen Vergewaltiger von Kindern, der seine Strafe abgesessen hat und als einer der Hauptcharaktere der Story auftaucht, so positiv zu besetzen, dazu gehört auch Mut. Sebastian Fitzek hat diesen Mut.

Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, bekommt auch noch dem Thema Pflegefamilien eine exponierte Rolle zu. Wie ich aus einer befreundeten Familie selbst erfahren habe, ist es in der Tat keine Seltenheit, dass schwer misshandelte Kinder auf Antrag der leiblichen Eltern wieder in ihre Ursprungsfamilie zurück müssen, auch wenn die Verhältnisse dort keinesfalls gesichert bzw. gebessert sind. Eine Tatsache, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann, wie übrigens vieles, was zwischen Jugendämtern und Pflegefamilien abläuft.

Das Nachwort ist ein Muss!

Drei Themen, die für meinen Geschmack das Nachwort zu “Das Joshua-Profil” fast wichtiger machen als die eigentliche Story selbst. Denn nach gepflegter Thriller-Unterhaltung kann man sich ruhig ein paar ernsthafte Gedanken zu den Hintergründen der aufgegriffenen Thematik machen. Ich danke Sebastian Fitzek für seine offen und kritischen Worte an dieser Stelle.

Kurzum: Ich bin froh, dass Fitzek nach Passagier 23 nicht mehr ganz so abstrus weiter arbeitet und freue mich schon auf sein nächstes Buch. Vielleicht werde ich mir auch ”Die Blutschule” ansehen, dass Fitzek als Max Rhode geschrieben hat. Mal schauen.

Ihr jedenfalls solltet “Das Joshua-Profil” lesen, wenn ihr an aktuellen Themen in Thrillerform interessiert seid.

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, Jahrgang 1971, geboren in Berlin, entschied sich nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion zum Dr. jur. gegen einen juristischen Beruf und für eine kreative Tätigkeit in den Medien. Nach dem Volontariat bei einem privaten Hörfunksender wechselte er als Unterhaltungschef und später als Chefredakteur zur Konkurrenz und machte sich danach als Unternehmensberater und Formatentwickler für zahlreiche Medienunternehmen in Europa selbständig. Er lebt in Berlin, wo er derzeit in der Programmdirektion eines großen Hauptstadtsenders tätig ist.

Buchinfo: Das Joshua-Profil von Sebastian Fitzek, erschienen bei Bastei Lübbe, 26.10.2015, 430 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-7857-2545-0, 19,99 Euro

Gotteslüge – Ein Berlin-Thriller

Berlin. Alles sieht nach einer klassischen Geiselnahme aus. Doch als ausdrücklich Faris Iskander vom Berliner LKA angefordert wird, ist klar: Hier geht es um eine persönliche Rechnung. Iskander kennt den mit einem Sprengstoffgürtel bewaffnete Attentäter. Und der hat eine mysteriöse Botschaft für ihn: “Das nächste Mal wirst du auf den Auslöser drücken!”

Thriller, Berlin, religiös, Bomben, AttentatRückblick: Sechs Monate zuvor. Paul, Faris’ bester Freund und Kollege bei der Sondereinheit für die Ermittlung bei religiös motivierten Verbrechen, SERV, kommt bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben. Faris selbst überlebt nur knapp. Zurück bleiben tiefe Wunden, nicht nur körperlich.

Wer hat es auf Iskander abgesehen?

Schnell ist klar, dass die Drohung, er würde beim nächsten Mal der sein, der auf den Auslöser drückt, mit diesem früheren Fall zusammenhängt. Aber wer hat es auf ihn abgesehen? Kann Iskander den Drahtzieher rechtzeitig aufstöbern oder müssen noch mehr Menschen sterben?

Kathrin Lange hat in “Gotteslüge” ein spannendes und hochaktuelles Thema aufgegriffen. Auch die Story, die sie daraus entwickelt hat, ist vorstellbar. Und trotzdem hat mich das Buch persönlich überhaupt nicht gepackt.

Was mich ganz persönlich gestört hat

Woran das lag? Zum einen daran, dass Kathrin Langes Schreibstil nicht so ganz meines ist. Aber auch an den sehr häufigen Hinweisen auf das Vorgängerwerk der Autorin. Das hat mich wirklich gestört. Da ich das nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, ob “Gotteslüge” weniger “sperrig” auf mich gewirkt hätte. Um die Handlung nachvollziehen zu können, muss man es jedenfalls nicht gelesen haben.

Trotzdem empfehle ich das Buch allen Lesern, die – wie ich auch – deutsche Krimilektüre zu schätzen wissen. Denn die Punkte, die mich gestört haben, sind sehr persönlich. Andere Leser müssen das nicht zwingend ebenso empfinden.

Kathrin Lange

Kathrin Lange wurde 1969 in Goslar am Harz geboren. Obwohl sie sich beruflich der Hundestaffel der Polizei anschließen wollte, siegte am Ende ihre Liebe zu Büchern, und sie wurde zuerst Buchhändlerin und dann Schriftstellerin. Heute ist sie Mitglied bei den International Thriller Writers und schreibt sehr erfolgreich Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem kleinen Dorf bei Hildesheim in Niedersachsen.

Buchinfo: Gotteslüge von Kathrin Lange, erschienen bei blanvalet, März 2015, 416 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-38346-7 Danke an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplares.

Der Turm der toten Seelen

Bereits in jungen Jahren hat Polizist Leo Junker eine ansehnliche Karriere gemacht. Ein zwielichtiger Einsatz stoppt seinen Aufstieg abrupt. Hatte jemand die Hände im Spiel? Und wer will ihn jetzt in einen Mordfall hineinziehen?

Thriller, SchwedenPolizist Leo Junker erwacht mitten in der Nacht. Vor dem Fenster blinkt ein zuckendes blaues Licht. Ein Licht, das er kennt. Irgendetwas ist passiert. Vor dem Haus ein Krankenwagen und zwei Polizeiautos. Das übliche Absperrband, das er selbst so oft gespannt hat um einen Tatort zu sichern. Junker zieht sich an. Instinktiv ahnt er, dass das nächtliche Treiben auch etwas mit ihm zu tun hat.

John schießt auf Vögel, einfach so

Salem in der Nähe von Stockholm. Der junge Leo ist auf dem Weg zum Wasserturm, einem beliebten Treffpunkt für die Jugendlichen der Siedlung. Plötzlich knallt es hoch über ihm. Etwas plumpst nicht weit von ihm zu Boden. Ein Vogel. Die weißen Federn blutverschmiert, das eine Auge nur noch ein blutiges Loch. John macht es Spaß, auf Vögel zu schießen. Warum? Weil er es kann. Einfach so.

Es dauert, bis Leo Junker beide Vorfälle in Verbindung bringt. Und es kostet ihn fast das Leben.

Ein spezielles Buch, das sich lohnt

Der Turm der toten Seelen ist ein sehr spezielles Buch. Anfangs verwirrend, bis der Zusammenhang zwischen den Charakteren auflöst wird. Ein Buch, das nie wirklich laut ist und das mich vielleicht genau deshalb gefesselt hat. Und das obwohl ich im ersten Drittel kurz davor war, es zur Seite zu legen. Die Sprünge der Story haben mich genervt.

Ich kann allen Lesern, denen es ebenso geht, nur empfehlen, nicht aus zu steigen. Es lohnt sich. Christoffer Carlsson hat keinen Einheitsthriller geschrieben, sondern ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber Bücher, die jedermanns Geschmack sind, sind auch nicht immer mein Geschmack.

Von mir eine Kaufempfehlung, für alle, die Lust auf besondere Bücher haben.

Christoffer Carlsson

Christoffer Carlsson, geboren 1986, ist der jüngste Star am schwedischen Krimihimmel. Mit 28 Jahren hat er nicht nur bereits vier hoch gelobte, international erfolgreiche Thriller geschrieben, sondern nebenher auch noch sein Kriminologie-Studium mit Promotion abgeschlossen. „Der Turm der toten Seelen“, der erste Band einer neuen Serie mit dem Polizisten Leo Junker, wurde 2013 mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet. Mit dieser Serie wird Christoffer Carlsson erstmals in Deutschland vorgestellt.

Buchinfo: Der Turm der toten Seelen von Christoffer Carlsson, erschienen bei C.Bertelsmann, März 2015, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-570-10232-9

Sebastian Fitzek: Passagier 23

Kreuzfahrten liegen im Trend und das obwohl jedes Jahr rund 20 Menschen auf hoher See spurlos verschwinden. Ein gefundenes Fressen für Thriller Autor Sebastian Fitzek und seine “kriminelle Fantasie”.

Fitzek, Thriller, KreuzfahrtMartin Schwartz ist Polizeipsychologe. Doch seit seine Frau und sein kleiner Sohn auf einer Kreuzfahrt spurlos verschwunden sind, ist sein Leben aus den Fugen geraten. Wie besessen stürzt er sich bei der Polizeiarbeit in ein Himmelfahrtskommando nach dem nächsten. Nichts ist ihm zu riskant, denn Martin Schwartz hat nichts mehr zu verlieren.

Mitten in einem dieser Einsätze klingelt sein Telefon. Eine mysteriöse ältere Dame bittet ihn, umgehend auf die Sultan of the Seas zu kommen. Ausgerechnet auf das Schiff, auf dem seine Familie verschwunden ist.

Passagier 23 – Der Bauchplatscher unter Fitzeks Titeln

Eins vorweg: Ich bin ein Fan von Sebastian Fitzek. Nicht nur von seinen Thrillern, sondern auch auch von seinen Lesungen, die ich allen Lesern nur empfehlen kann. Trotzdem wurde ich mit Passagier 23 nicht richtig warm.

Dabei hat das Buch alles, was einen guten Fitzek ausmacht:

  • Neugier weckende Werbung im Vorfeld mit einem aufwändigen interaktiven Gewinnspiel
  • eine an sich sehr spannende, weil real existierende Problematik
  • verqueeren Charaktere, die spannende Verwicklungen versprechen
  • emotionale Verwicklungen
  • grausame Details
  • plötzliche Wendungen

Aber für mich gab es zu viele Nebenschauplätze, zu viele “Zufälle”, zu viele Längen und ein mehr als abstruses Ende. Kurz: Passagier 23 war eher ein Bauchplatscher denn ein elegantes Eintauchen in die Thrillerfluten. Ich hoffe, dies ist nicht der hohen Schreibfrequenz geschuldet.

Bis zum nächsten Mal, Herr Fitzek. Das können Sie besser!

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seine Bücher werden in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Sebastian Fitzek lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Passagier 23 von Sebastian Fitzek, erschienen bei Droemer, Oktober 2014, 432 Seiten, Hardcover, € 19,99, ISBN: 978-3-426-19919-0

Petra Hammesfahr: Hörig

Für Patrizia war es die erste große Liebe. Daran konnten auch die Gerichtsverhandlung und die Medien nichts ändern, die Heiko Schramm zum Monster hoch stilisiert haben. Als er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird, bricht für die 17-Jährige eine Welt zusammen. Sieben Jahre später steht Heiko erneut vor Patrizia und sie kann nicht anders, als ihm zu folgen.

(Cover: rororo)
(Cover: rororo)

Sie treffen sich in der Disco. Patrizia wird Zeugin eines Gespräches, das der Dealer Heiko Schramm mit einem seiner Kunden führt. Für sie kein Grund, sich seiner Annäherung zu entziehen. Wie verzaubert ist sie von der Aufmerksamkeit, die ihr der deutlich ältere Mann zukommen lässt, ohne sie je wirklich zu berühren.

In kürzester Zeit ist Patrizia abhängig von Schramm abhängig. Gegen den Willen ihres Vaters, der alles versucht, sie von Schramm fern zu halten, findet sie immer wieder Wege, sich heimlich mit Heiko zu treffen. Nächtelang steht der junge Mann an ihrer Straßenecke und schaut zu ihrem Fenster hoch. Längst hat der Vater verboten, den Rolladen hoch zu ziehen und sich am Fenster zu zeigen.

Abhängig von einem Psychopathen

Doch das braucht sie gar nicht. Sie ist Schramm längst mit Haut und Haaren verfallen und schnell überzeugt, als er ihr eine gemeinsame Flucht vorschlägt. Bereitwillig händigt sie ihm den Schlüssel zur Villa ihre Arbeitgebers, eines wohlhabenden Juweliers aus, der seine Werkstatt im Haus hat. Der Überfall läuft aus dem Ruder. Heiko Schramm schlägt den alten Herrn brutal zusammen und wird zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Patrizia bricht zusammen. Zwei Jahre dauert es, bis Ed, ihr Therapeut, sie wieder so weit aufgebaut hat, dass sie mit Schramm abschließen kann. Eine Zeit, die zwischen Therapeut und Patientin eines tiefes Vertrauen entstehen lässt, das sich nach und nach in Liebe wandelt. Patrizia und Ed heiraten.

Sieben Jahre später

Sieben Jahre später. Ed ist am Vormittag wie üblich in seiner Praxis, als es an der Tür klingelt. Patrizia öffnet. Vor ihr steht Heiko, der Mann, der fast ihr Leben ruiniert hat. Er beteuert, dass er sie unverändert liebt und mit ihr eine neue Zukunft beginnen will. Und Patrizia geht mit ihm.

Hat sie wirklich nichts gelernt? Glaubt sie immer noch, Heiko Schramm sei an ihr interessiert und nicht nur an der Beute, die nie aufgetaucht ist. Während Ed alles tut, um seine Frau zu finden, erkennt Patrizia die entsetzliche Wahrheit.

Spannung pur!

Petra Hammesfahr ist immer für einen spannenden Thriller gut. Hörig ist faszinierend, weil die extremen Gefühlswelten so eindrücklich geschildert werden. Sehr gut: Über eine sehr weite Strecke lässt sie ihre Leser im Ungewissen, wie es genau in Patrizias Innenleben aussieht. Sehr gut geschrieben und eine überraschend komplexe Story.

Leseempfehlung!

Petra Hammesfahr

Petra Hammesfahr schrieb mit 17 ihren ersten Roman. Mit ihrem Buch „Der stille Herr Genardy“ kam der große Erfolg. Seitdem schreibt sie einen Bestseller nach dem anderen, u.a. „Die Sünderin“, „Die Mutter“ und „Erinnerungen an einen Mörder“. Die Autorin lebt in der Nähe von Köln.

Buchinfo: Hörig von Petra Hammesfahr, erschienen bei rororo, Oktober 2013, 320 Seiten, € 9.99, ISBN 978-3-499-26683-6