Stina Jackson: Dunkelsommer

Als Lelles Tochter Lina spurlos verschwindet, bricht für den Lehrer eine Welt zusammen. Drei Jahre lang durchstreift er jeden Sommer Nacht für Nacht die Gegend in der Hoffnung, das Mädchen doch noch zu finden. Dann verschwindet ein weiteres Mädchen, das Lina sehr ähnlich sieht. Lelle glaubt nicht an einen Zufall.

Dunkelsommer von Stina Jackson

Die Mitternachtssonne erleuchtet den Asphalt vor Lelles Auto. Wieder hat er einen abgelegenen Hof durchsucht. Voller Hoffnung jede Tür geöffnet und sie enttäuscht wieder geschlossen, wenn Lina, seine vor drei Jahren verschwundene Tochter, nicht dahinter war. Auch wenn kaum noch wer daran glaubt, das Mädchen je wiederzufinden, kann Lelle die Suche nicht beenden. Schuldgefühle treiben ihn an. Hätte er so lange gewartet, bis seine Tochter in den Bus eingestiegen war, würde sie vielleicht heute noch friedlich daheim schlafen. Glaubt er. Wirft er sich vor.

Zur gleichen Zeit nicht weit entfernt. Die siebzehnjährige Meja zieht mit ihrer Mutter Silje auf dem heruntergekommenen Hof von Torbjörn ein. Beide haben sich über das Internet kennengelernt und Silje nutzt jetzt die Chance, einen neuen Versorger für sich und Ihre Tochter zu finden. Alleine kann und will die manisch-depressive, alkoholkranke Frau nicht für ihren Unterhalt sorgen.

Meja wünscht sich Sicherheit

Schnell entwickelt sich Torbjörn zu einer Art Ersatzvater für Meja. Endlich kann er sich um ein Kind kümmern. So lange hat er sich das gewünscht. Doch Meja traut dem Frieden nicht. Schon zu oft hat sie gehofft, endlich zur Ruhe kommen zu dürfen, ein Zuhause zu haben. Sein zu dürfen, wie andere Kinder. Als Silje in einem manischen Schub ihre Medikamente wegwirft, weiß Meja, dass es wieder so weit ist. Die Lage wird sich sukzessive zuspitzen und über kurz oder lang werden sie wieder ihre Sachen packen und weiterwandern müssen. In ihrer Verzweiflung flieht sie zu Carl-Johan und seiner Familie. In ihn hat sie sich Hals über Kopf verliebt und hier wird sie mit offenen Armen aufgenommen.

Als sich Lelles und Mejas Wege kreuzen, geraten die Dinge in Bewegung. Und außer Kontrolle.

Wenn das Kind plötzlich verschwindet

Die Vorstellung, dass das eigene Kind von heute auf morgen spurlos verschwindet, ist wohl so ziemlich das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Nicht zu wissen, ob die Tochter oder der Sohn noch lebt, ob man sie oder ihn je finden wird, ist grausam. Wenn man sich dann auch noch fragt, ob man die Situation hätte vermeiden können, wenn man dies oder jenes anders gemacht hätte, kann einen Menschen in den Wahnsinn treiben. Viele Paare überstehen diese Zeit nicht gemeinsam.

Aber es gibt auch andere Situationen, die das Familienleben auf eine Zerreißprobe stellen können. Davon kann Meja aus Dunkelsommer von Stina Jackson ein Lied singen. Kinder sollten in einem geschützten und unbeschwerten Umfeld aufwachsen dürfen und sollten sich nicht um Mutter oder Vater kümmern müssen, weil die oder der sich der Verantwortung entzieht. Das lässt sie vor der Zeit altern und nimmt ihnen Sicherheit und Vertrauen.

Ausgezeichnet als bester schwedischer Spannungsroman?

Stina Jackson verwebt beide Szenarien zu einer düsteren Story, die für meinen Geschmack deutlich zu viele Längen hat. Auch wenn ich gegen Ende froh war, dass ich das Buch nicht früher zur Seite gelegt habe, denn das war wirklich überraschend. Und es war brutal, also nicht unbedingt für zarte Seelen geeignet. Trotzdem hätte ich mir von einem Buch, das den Titel “Ausgezeichnet als bester schwedischer Spannungsroman” mehr erwartet. Mehr Spannung, mehr Tempo.

Da aber Geschmäcker unterschiedlich sind, hilft vielleicht nur: Selber lesen!

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Stina Jackson

Stina Jackson stammt aus Skellefteå in Nordschweden. Vor mehr als einem Jahrzehnt zog sie nach Denver, Colorado. Hier schrieb sie auch ihren Debütroman »Dunkelsommer», mit dem sie sich sofort als aufstrebender neuer Stern am Himmel der nordischen Spannung etablierte.

Buchinfo: Dunkelsommer von Stina Jackson, erschienen bei Goldmann, 22. Juli 2019, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-442-20578-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Sylvia Schaab: Es geht auch ohne Plastik

Plastik ist praktisch. Keine Frage. Aber es ist eben leider auch sehr langlebig und zerfällt unter Witterungseinflüssen langsam aber sicher bis zu seinem kleinsten Baustein, der uns dann als Mikroplastik ewig erhalten bleibt. Es liegt an uns, dies zu ändern. Sylvia Schaab zeigt in Es geht auch ohne Plastik wie es an vielen Stellen ganz einfach anders geht.

Praktische Tipps statt erhobenem Zeigefinger

Seien wir ehrlich, wir haben es an vielen Stellen in der Hand, wie viel Abfall wir produzieren und was davon dauerhaft unsere Umwelt belasten wird. Wir müssen uns nur beim Einkauf überall da, wo es geht, ganz bewusst gegen langlebige, schwer oder nicht recyclebare und gesundheitlich problematische Stoffe entscheiden. Auch wenn die in der Vergangenheit das Allheilmittel im Alltag zu sein schienen.

Das bedeutet natürlich nicht, alles, was Kunststoff im Haus ist, wegzuwerfen. Das wäre sinnlose Verschwendung. Aber wir sollten beim Neukauf darauf achten, was wir uns ins Haus holen:

  • Messer gibt es auch mit Holz- oder Metallgriff
  • Schneidbretter aus Holz sind weniger anfällig für Bakterien als Kunststoffbretter
  • Putzeimer und Kehrgarnituren gibt es auch aus emailliertem Blech, ist schwerer aber auch schöner
  • Brotdosen aus Edelstahl sind leicht und stabil

um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Zum Einkauf den Korb oder die eigene Tasche mitzunehmen, wurde vor wenigen Jahren noch als Zumutung empfunden. Seit die Plastiktüten Geld kosten, sehe ich überwiegend Menschen, die ihre eigenen Behältnisse mitbringen.

Tausendsassa Wäschenetz

In vielen Läden gibt es inzwischen einigermaßen transparente Beutel, in die ich Obst, Gemüse, Brot, Brötchen packen kann. Leider fehlen vielerorts noch die offenen Paprika, Tomaten, Orangen dazu. Die sind dann in Folie oder Netze gezwängt. Oder ihr nehmt Wäschenetze, wie ich das teilweise mache. Das wandert sowieso regelmäßig in die Wäsche. Wer nähtechnisch geschickt ist, kann sich die Beutel auch selbst nähen, zum Beispiel aus alten Gardinen. Auch das eine Anregung von Sylvia Schaab.

Generell ist die Autorin nicht dogmatisch. Sie will nicht bekehren sondern informieren. Deshalb startet sie mit einer ausführlichen Beschreibung der unterschiedlichsten Kunststoffe, erläutert ihre Vor- und Nachteile und gegebenenfalls die gesundheitliche Bedenklichkeit.

Für alle Situationen rund um Haus und Garten zeigt sie Alternativen auf. Dabei unterscheidet sie zwischen Lösungen für:

  • Eilige
  • Motivierte
  • Selbermacher

Die Eiligen verweist sie zum Beispiel auf Milchprodukte aus Gläsern, die Motivierten auf Abfüllstationen beim Bauern und den Selbermacherinnen gibt sie Rezepte an die Hand, wie aus Sahne, Joghurt beziehungsweise Zitrone mit einem Schraubglas und etwas Zeit Sauerrahm oder Crème fraîche wird. Zusätzlich gibt es noch Upcycling-Tipps.

Jetzt in die 30-Tage-Challenge starten

Und zum Abschluss wartet die 30-Tage-Challenge auf die ganze Familie. Für folgende Bereiche hat Sylvia Schaab Listen für mehr Nachhaltigkeit im Alltag vorbereitet:

  1. Bewusstsein schärfen – Dinge besorgen
  2. Küche / Haushalt
  3. Bad / Kosmetik
  4. Wohnung / Kinderzimmer / Büro
  5. Kleidung / Abschluss

Es geht auch ohne Plastik von Sylvia Schaab ist ein tolles Buch mit vielen sofort umsetzbaren Praxistipps statt erhobenem Zeigefinger. Die Sorte Ratgeber, die ich mag. Hier habe ich auch endlich die Lösung für feste Seife in meinem Bad gefunden. Bislang habe ich mich ja immer an der Seifenbrühe gestört, die ich früher, als das Seifenstück Alltag war, schon gehasst habe. Man lege die Seife auf die Borsten einer Holz- oder Kokosbürste. Ist die Seife trocken, kann man die eingeseifte Bürste gleich nutzen, um Waschbecken, Badewanne oder was auch immer zu reinigen.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Sylvia Schaab

Sylvia Schaab, Autorin und Journalistin für nachhaltige Verbraucherthemen, lebt mit Mann und drei Kindern in Augsburg – und seit mehr als drei Jahren nahezu plastikfrei. Darüber schreibt sie in ihrem Blog „Grüner wird’s (n)immer“. Sie engagiert sich in diversen Netzwerken und Vereinen für umweltpolitische Themen, hält Vorträge und gibt Workshops. Außerdem verhilft sie zukunftsweisenden, regional verwurzelten Unternehmen und Organisationen zu mehr Öffentlichkeit.

Buchinfo: Es geht auch ohne Plastik von Sylvia Schaab, erschienen bei Goldmann, 20. Mai 2019, 288 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, € 12,00, ISBN: 978-3-442-22280-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Claire Askew: Todesschweigen

Edinburgh im Mai. Ein Blutbad am Three Rivers College erschüttert die Stadt. Detective Inspector Helen Birch versucht, die Hintergründe der Tat aufzuklären und kämpft dabei gegen öffentliche Hetze und Spekulationen.

todesschweigenAlles sieht aus, wie ein ganz normaler Morgen am Three Rivers College. Der Gänge füllen sich langsam mit Studierenden, als plötzlich Schüsse durch das Gebäude hallen. Schreie gellen durch die Flure, Schüler und Lehrkräfte versuchen, sich in abschließbaren Räumen in Sicherheit zu bringen oder rennen auf den Hof. Bloß nicht dem Schützen in die Quere kommen.

Detective Inspector Helen Birch ist als eine der ersten am Einsatzort, wo sie nur zwei völlig überforderte Streifenpolizisten vorfindet. Während sie auf das Sondereinsatzkommando warten, dröhnen weitere Schüsse durch das Gebäude, gefolgt von Schreien und Rennen auf den Gängen. Dann ist Ruhe.

Als das SEK das Gebäude stürmt, sind dreizehn junge Frauen tot. Der Amokschütze hat sich mit seiner letzten Kugel selbst gerichtet.

2009 – Amoklauf in Winnenden

Todesschweigen hat mich auf ganz besondere Weise gepackt. Im März 2009 habe ich als Social Media Managerin einer großen süddeutschen Online-Community den Amoklauf in Winnenden hautnah miterlebt. Sowohl Opfer als auch Täter waren Mitglieder der Community.

In kürzester Zeit stürmte die Boulevardpresse die Plattform und bot öffentlich Geld für Bilder der Toten und Hintergründe zum Täter. Fotos der Opfer wurden ungehemmt verbreitet und schockten die Eltern der Getöteten am nächsten Morgen. Boulevardzeitungen hatten keine Hemmung, mit diesen Bildern aufzumachen.

In den Folgetagen wurden Gerüchte in die Welt gesetzt und eine Hexenjagd auf die Eltern des Amokläufers eröffnet. Selbst bei der nichtöffentlichen Beisetzung schreckte die Journaille vor nichts zurück. Menschen, von deren Häusern man freie Sicht auf den Friedhof hatte, wurde viel Geld geboten, wenn die Boulevardpresse während der Beerdigung von dort aus berichten und fotografieren durfte.

Die Polizei musste also nicht nur versuchen, die Hintergründe der Tat aufzudecken, um solche Situationen künftig besser vermeiden zu können. Sie musste dazu auch noch trauernde und schwer traumatisierte Schüler und Angehörige vor der Hemmungslosigkeit der Boulevardpresse schützen und so wertvolle Zeit und Energie “verschwenden”, die besser hätte verwendet werden können.

Todesschweigen ist harte Kost

Claire Askew lässt uns in Todesschweigen die Polizistin Helen Birch bei den Ermittlungen zu dem Amoklauf an dem Edinburgher College “begleiten”. Sie schildert die Ängste der Angehörigen, aber auch die Vorwürfe und Zweifel, die sie plagen. Hätten sie irgendwas tun können was ihren Kindern das Leben gerettet hätte? Diese Frage stellt sich nicht nur die Mutter des Täters. Und nicht alle übersteht eine solche Zeit. Ehen zerbrechen, Menschen sehen keinen Sinn mehr im Leben, weil sie ihre Kinder nicht schützen konnten.

Todesschweigen ist keine leichte Kost und gerade deswegen empfehle ich sie allen Leserinnen und Lesern. Denn dieses Buch kann dabei helfen, nichts zu bereuen, was man nicht getan oder gesagt hat, sollte ein Kind oder ein Elternteil plötzlich versterben.

Claire Askew hat mit Todesschweigen einen ganz besonderen Krimi abgeliefert.

Claire Askew

Claire Askew studierte an der University of Edinburgh Kreatives Schreiben und arbeitet neben der Schriftstellerei im Bildungsbereich. Sie wurde u.a. mit dem New Writers Award des Scottish Book Trust ausgezeichnet und für ihren Debütroman »Todesschweigen« mit dem Lucy Cavendish Prize. Claire Askew lebt in Edinburgh.

Buchinfo: Todesschweigen von Claire Askew, erschienen bei Goldmann, 19.11.2018, 528 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-442-48842-1

Andreas Gruber: Rachewinter

Unmittelbar hintereinander sterben mehrere Menschen einen mysteriösen Tod. Alle waren vermögend, erfolgreich und völlig unauffällig. Und alle wurden kurz vor ihrem Tod mit einer aufregenden jungen Frau im roten Kleid gesehen. Ist sie die Mörderin? Kommissar Walter Pulaski aus Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers aus Wien ermitteln.

Rachewinter von Andreas GruberLeipzig. Ausgerechnet den mysteriösen Tod von Klaus Hinze muss Kommissar Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst aufnehmen. Der Tote liegt in einem heruntergekommenen Motel und hat eine lange, spitze Schere im Ohr. Auf den ersten Blick ein Unfall, doch Pulaski glaubt nicht daran. Er kennt den Toten. Hinze ist der Vater der besten Freundin seiner Tochter Jasmin.

Wien. Bei Dacharbeiten werden zwei junge Handwerker Zeugen eines brutalen Mordes im Nachbarhaus. Mit dem Handy nehmen sie die grausame Tat live auf. Ideale Voraussetzungen für die Polizei, sollte man meinen. Doch leider sieht man den Täter nur von hinten. Ein sehr schlanker junger Mann mit langem, dunklem Haar.

Verteidigt Evelyn Meyers einen Mörder?

Wien, am Tag danach. In der Kanzlei von Rechtsanwältin Evelyn Meyers meldet sich ein junger Mann. Schlank, mit langem, dunklem Haar. Die Polizei verdächtigt ihn, den Mord begangen zu haben. Evelyn Meyers soll seine Verteidigung übernehmen.

In den folgenden Tagen sterben auf mysteriöse Weise weitere Menschen. Alle waren beruflich erfolgreich und hatten auf den ersten Blick nur eines gemeinsam: Zum letzten Mal hat man sie in Begleitung einer großen, schlanken, jungen Frau im roten Kleid gesehen.

Erst als bei einem der Toten eine nicht natürliche Todesursache festgestellt wird, fügen sich die einzelnen Steine zu einem Bild zusammen. Pulaski und Meyers gehen gemeinsam auf die Jagd nach einem extrem kaltblütigen Täter.

Wenn Familiengeheimnisse den Tod bringen

Rachewinter von Andreas Gruber ist ein perfektes Buch für ein Wochenende auf der Couch. Vorausgesetzt, man ist nicht zu empfindsam. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mit dem Buch und dem eher störrischen Kommissar Pulaski warm zu werden, aber spätestens in Wien wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Rachewinter ist einer der Thriller, bei denen man schon früh weiß, wer der Täter oder die Täterin ist. Aber bis zum Schluss bleibt das “warum” unklar.

Ganz nebenbei gibt uns Andreas Gruber noch zwei Dinge mit auf den Weg:

  • Unterschätze nie Jugendliche, nur weil sie anders vorgehen als Erwachsene.
  • Eine schwarze Vergangenheit, die über Jahrzehnte hinweg totgeschwiegen wird, rächt sich irgendwann doch und dann meist auf sehr brutale Art und Weise.

Rachewinter war mein viertes Buch von Andreas Gruber und das erste aus der Pulaski/Meyers Reihe. Und wieder war ich gefesselt. Mir gefällt der Schreibstil und mir gefallen die überraschenden Wendungen. Und natürlich, dass ich miträtseln kann, was den Täter zu seiner Tat getrieben hat. Deshalb empfehle ich nicht nur dieses Buch sondern Andreas Gruber generell allen Krimi- und Thrillerfans.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Mit seinen bereits mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Buchinfo: Rachewinter von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 17.09.2018, Taschenbuch, 592 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48655-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Andreas Gruber: Die Engelsmühle

Wien. Eine Reihe brutaler Morde beunruhigt die Stadt. Eigentlich wollte sich Privatdetektiv Peter Hogart nicht einmischen, aber sein neuer Auftrag scheint irgendwie mit den Morden zusammen zu hängen. Hogart muss sich leider einmischen.

Die Engelsmuehle von Andreas GruberPrivatdetektiv Peter Hogart hat einen neuen Auftrag. Im Archiv einer Klinik ist ein Brand ausgebrochen und hat sowohl die analogen als auch alle digitalen Aufzeichnungen und hochwertige technische Ausrüstung zerstört. Für einen großen Versicherungsgesellschaft soll Peter Hogart klären, ob Brandstiftung wirklich ausgeschlossen werden kann.

Ist Hogarts Bruder ein Mörder?

Ausgerechnet jetzt bittet Kurt, Hogarts Bruder, dringend um Hilfe. Bei den Ermittlungen im Mordfall Dr. Abel Ostrovsky ist er in den Fokus der Polizei geraten. Und tatsächlich war Kurt Hogart vermutlich der letzte, der mit dem Opfer gesprochen hat. Jetzt muss das Duo die Polizei überzeugen, dass er dennoch nichts mit dem Mord zu tun hat.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Die Engelsmühle ist mein zweites Buch aus der Peter Hogart Reihe. Und wie schon bei Die schwarze Dame war mir recht früh ziemlich sicher, den wesentlichen Punkt im Spiel der Hauptverdächtigen zu erkennen. Was mir aber wieder nicht gelang, war, das warum zu durchschauen. Deshalb blieb auch Die Engelsmühle bis zur letzten Seite spannend.

Ein Meister der speziellen Szenarien

Was mir weniger gefallen hat, war die zwanghaft herbei geschriebene Verquickung der Fälle auf allen möglichen Ebenen. Da wäre für meinen Geschmack weniger mehr gewesen.

Trotzdem bekommt bekommt Die Engelsmühle von mir eine Leseempfehlung, weil Andreas Gruber es meisterhaft versteht, sehr spezielle Szenarien zu entwerfen, die einfach fesseln.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Er hat bereits mehrere äußerst erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und Romane verfasst.

Buchinfo: Die Engelsmühle von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 16.04.2018, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48123-1

Andreas Gruber: Todesreigen

Sabine Nemez, Kommissarin beim BKA steht vor einer schwierigen Entscheidung. Mehrere Kollegen haben auf brutale Weise Selbstmord begangen. Sie glaubt nicht an Zufall, aber soll und darf sie sich wirklich einmischen?

Todesreigen von Andreas GruberBKA-Profiler Maarten S. Snejder ist vom Dienst suspendiert. Seither ist Sabine Nemez, seine Schülerin, auf sich allein gestellt. Als eine Reihe mysteriöser Selbstmorde das BKA erschüttert, braucht Sabine Snejders Hilfe. Doch seine Reaktion fällt anders aus als erwartet. Maarten S. Snejder verweigert nicht nur die Zusammenarbeit sondern rät Sabine auch dringend davon ab, in dieser Sache zu ermitteln. Erst als Sabine Nemez spurlos verschwindet, greift Maarten S. Snejder ein und zieht sich damit nicht nur den Ärger seiner früheren Kollegen zu. Auch ein skrupelloser und hasserfüllter Mörder ist mit dieser Wendung überhaupt nicht einverstanden.

Spannend, reizvoll, Andreas Gruber

Andreas Gruber gehört für mich mit zu den besten Krimiautoren, die ich je gelesen habe. Auch wenn ich die vorherigen drei Bände aus der Maarten S. Snejder nicht gelesen habe, konnte ich mich problemlos auf die Charaktere einlassen. Grubers grandiose Führung durch seine Story macht es der Leserin oder dem Leser gnadenlos einfach, sich einzulassen. Wie genial Andreas Gruber schreibt, hat mir auch Die schwarze Dame gezeigt.

Gefallen hat auch der Gegensatz zwischen dem rotzigen Maarten und der toughen aber empathischen Sabine. Zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Charaktere, die aber letztlich gar nicht so unterschiedlich ticken. Sehr reizvoll.

Todesreigen und Die schwarze Dame sind bestimmt die nicht die letzten Bücher von Andreas Gruber, die ich lese. Testet es selbst!

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Er hat bereits mehrere äußerst erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und Romane verfasst.

Buchinfo: Todesreigen von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, August 2017, 576 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48313-6. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Hendrik Berg: Schwarzes Watt

Ina freut sich auf den geplanten Familienurlaub an der Nordsee. Raus aus dem stickigen Köln und sich den Seewind um die Nase wehen lassen. Doch ihr ganz persönliches Grauen holt sie ein: Vor einem Café sieht sie den Mörder ihrer Schwester. Und dieses Mal will sie ihn wirklich hinter Schloss und Riegel sehen.

Schwarzes Watt von Hendrik BergVor zwanzig Jahren wurde Inas Schwester Nelly in Hamburg brutal erschlagen. Gemeinsam wollten sie den Sommerabend mit einem Cocktail in der Strandbar genießen. Auf der Suche nach Ruhe haben sie sich ein Plätzchen etwas abseits vom großen Rummel ausgesucht. Als Ina mit den Getränken zurück ist, reagiert Nelly nicht auf ihre Rufe, denn Nelly ist tot. Mit einem Stein erschlagen, während Ina sich an der Theke kurz verplaudert hat. Noch heute, zwanzig Jahre später, gibt sich Ina die Schuld am Tod ihrer Schwester.

Ausgerechnet im heiß ersehnten Urlaub glaubt Ina, den Mörder von damals vor einem Café zu erkennen. Dieses Mal ist sie sich ganz sicher. Wie die vielen Male vorher auch. Geduldig und behutsam versucht ihr Mann sie zu beruhigen. Aber Ina gibt nicht nach. Nicht dieses Mal. Die Polizei muss sie unterstützen, muss den Mann, den sie vor zwanzige Jahren kurz in einem aufzuckenden Blitz gesehen und seither nie wieder vergessen hat, dingfest machen. Mord verjährt nicht.

Warum glaubt mir niemand?

Aber kann sie die Polizei überzeugen, ihr zu helfen? Schließlich ist es nicht ihr erstes, vermeintliches Déjà Vu. Und tatsächlich wird ihr Anliegen schnell als Spinnerei einer Frau abgetan, die mit der Vergangenheit nie abschließen konnte. Vor allem, weil es sich bei dem angeblichen Mörder um ein angesehenes Mitglied der Gemeinde handelt.

Ehe Ina auf eigene Faust Nachforschungen startet, beschließt Kriminalkommissar Theo Krumme, der Sache nachzugehen. Und sei es nur, damit Ina wieder zur Ruhe kommt.

Spinnt sie oder hat sie den Mörder wirklich wiedererkannt?

Schwarzes Watt von Hendrik Berg hat mich gefesselt. Beim Lesen war ich hin- und hergerissen, ob ich Ina glauben soll oder nicht. Wer den Mord eines Familienmitglieds hautnah erlebt hat und sich selbst die Schuld daran gibt, trägt ein enormes Paket mit sich herum. Es wäre also durchaus vorstellbar, dass ihre Erinnerung sie narrt.

Die Auflösung ist sehr überraschend und etwas spooky. Aber so ist es nun mal bei den Küstenbewohnern. Da gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich nicht ganz einfach erklären lassen.

Von mir bekommt Schwarzes Watt eine Leseempfehlung.

Hendrik Berg

Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitet er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

Buchinfo: Schwarzes Watt von Hendrik Berg, erschienen bei Goldmann, 19.03.2018, 368 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-442-48728-8