Hendrik Berg: Schwarzes Watt

Ina freut sich auf den geplanten Familienurlaub an der Nordsee. Raus aus dem stickigen Köln und sich den Seewind um die Nase wehen lassen. Doch ihr ganz persönliches Grauen holt sie ein: Vor einem Café sieht sie den Mörder ihrer Schwester. Und dieses Mal will sie ihn wirklich hinter Schloss und Riegel sehen.

Schwarzes Watt von Hendrik BergVor zwanzig Jahren wurde Inas Schwester Nelly in Hamburg brutal erschlagen. Gemeinsam wollten sie den Sommerabend mit einem Cocktail in der Strandbar genießen. Auf der Suche nach Ruhe haben sie sich ein Plätzchen etwas abseits vom großen Rummel ausgesucht. Als Ina mit den Getränken zurück ist, reagiert Nelly nicht auf ihre Rufe, denn Nelly ist tot. Mit einem Stein erschlagen, während Ina sich an der Theke kurz verplaudert hat. Noch heute, zwanzig Jahre später, gibt sich Ina die Schuld am Tod ihrer Schwester.

Ausgerechnet im heiß ersehnten Urlaub glaubt Ina, den Mörder von damals vor einem Café zu erkennen. Dieses Mal ist sie sich ganz sicher. Wie die vielen Male vorher auch. Geduldig und behutsam versucht ihr Mann sie zu beruhigen. Aber Ina gibt nicht nach. Nicht dieses Mal. Die Polizei muss sie unterstützen, muss den Mann, den sie vor zwanzige Jahren kurz in einem aufzuckenden Blitz gesehen und seither nie wieder vergessen hat, dingfest machen. Mord verjährt nicht.

Warum glaubt mir niemand?

Aber kann sie die Polizei überzeugen, ihr zu helfen? Schließlich ist es nicht ihr erstes, vermeintliches Déjà Vu. Und tatsächlich wird ihr Anliegen schnell als Spinnerei einer Frau abgetan, die mit der Vergangenheit nie abschließen konnte. Vor allem, weil es sich bei dem angeblichen Mörder um ein angesehenes Mitglied der Gemeinde handelt.

Ehe Ina auf eigene Faust Nachforschungen startet, beschließt Kriminalkommissar Theo Krumme, der Sache nachzugehen. Und sei es nur, damit Ina wieder zur Ruhe kommt.

Spinnt sie oder hat sie den Mörder wirklich wiedererkannt?

Schwarzes Watt von Hendrik Berg hat mich gefesselt. Beim Lesen war ich hin- und hergerissen, ob ich Ina glauben soll oder nicht. Wer den Mord eines Familienmitglieds hautnah erlebt hat und sich selbst die Schuld daran gibt, trägt ein enormes Paket mit sich herum. Es wäre also durchaus vorstellbar, dass ihre Erinnerung sie narrt.

Die Auflösung ist sehr überraschend und etwas spooky. Aber so ist es nun mal bei den Küstenbewohnern. Da gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich nicht ganz einfach erklären lassen.

Von mir bekommt Schwarzes Watt eine Leseempfehlung.

Hendrik Berg

Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitet er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

Buchinfo: Schwarzes Watt von Hendrik Berg, erschienen bei Goldmann, 19.03.2018, 368 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-442-48728-8

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Ali Land: Ich bin böse

Vererbt sich das Böse? Milly ist die Tochter eine Serienmörderin. Steckt deshalb das Böse auch in ihr oder hat sie die Wahl? Kann ein liebevolles Umfeld erlittene Verletzungen auslöschen?

Ich bin boese von Ali LandMilly ist 15 als die Familie das Psychiaters Mike Newmont sie aufnimmt. Vorübergehend, bis der Prozess gegen ihre Mutter, eine pädophile Serienmörderin, vorbei ist. Milly wird aussagen, als Kronzeugin gegen die Frau, die ihr das Leben zur Hölle gemacht hat. Doch nichts läuft, wie es soll. Milly fasst nicht richtig Fuß. Weder bei den Newmonts noch in der Schule, beim Sport oder in der sozialen Interaktion mit anderen Jugendlichen.

Verhaltensauffällige Kinder als Forschungsobjekt?

Die Situation eskaliert, als in Newmonts leiblicher Tochter die Eifersucht wächst. Seit Jahren muss sie sich mit verhaltensauffälligen Jungen und Mädchen arrangieren, die bei ihren Eltern Unterschlupf finden. Kinder, denen ihr Vater sehr viel Aufmerksamkeit widmet, weil sie seinen Forschungsarbeit voran bringen.

Ali Land hat mit “Ich bin böse” ein sehr spezielles Buch abgeliefert. Nicht nur, weil die perverse Grausamkeit von Millys Mutter für normale Menschen unvorstellbar ist, sondern auch, weil es immer wieder Situationen gibt, deren wirklicher Ablauf der Phantasie der Leser überlassen bleibt.

Kann man Vertrauen lernen?

Damit spielt die Autorin mit dem Stigma des Bösen. Kann man sich ihm entziehen, wenn es seit der Kindheit Teil des Lebens ist? Oder haben diese Kinder keine Chance auf eine glückliche, unbeschwerte Zukunft? Und wie ist es mit dem beiderseitigen Vertrauen, wenn sie in eine neue Familie kommen?

Ein sehr spannendes und besonderes, manchmal auch gruseliges Buch.

Ali Land

Ali Land hat Psychologie studiert, ihr Hauptforschungsgebiet war die Psyche von Heranwachsenden, und ihre Doktorarbeit trägt den Titel „Children Who Kill“. Für ihren ersten Roman „Ich bin böse“ hat sie sich von „Der Herr der Fliegen“, „Die Wespenfabrik“ und dem wahren Fall der britischen Serienmörderin Rosemary West inspirieren lassen.

Buchinfo: Ich bin böse von Ali Land, erschienen bei Goldmann, Februar 2017, 352 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48456-0

Daniel Wolf: Die Gabe des Himmels

Varennes im Jahre 1346. Adrien Fleury, Kaufmannssohn aus Varennes, studiert in Montpellier Medizin. Arzt will er werden. Den Menschen helfen. Bei seiner Rückkehr erkennt er seine Heimatstadt kaum wieder. Überall herrscht Aufruhr und Unruhe. Das einfache Volk geht auf die Barrikaden gegen Unterdrückung und Armut. Noch ahnen sie nicht, dass Ihnen das Schlimmste noch bevorsteht.

Die Gabe des Himmels von Daniel WolfAdrien Fleury will Arzt werden und den Menschen helfen. Als erster der Familie hat er es zum Studium gebracht. Doch ist die theoretische und in seinen Augen veraltete Ausbildung an der Universität Montpellier wirklich das, was ihn seinem Ziel näher bringt? Adrien opponiert und wird von der Hochschule verwiesen.

Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, verdingt er sich bei einem erfahrenen Wundarzt. Und tatsächlich findet er hier seine Berufung. Im direkten Einsatz am Menschen, nicht im bedeutungsvollen Salbadern aus sicherer Entfernung, wie das bei den Doctores der Universität üblich ist.

Wer wird der Seuche Herr?

Oktober 1346. Adrien ist zurück in Varennes. Fast erkennt er die Stadt nicht wieder. Wut und Unzufriedenheit hat sich breit gemacht. Die Zünfte wehren sich gegen die Ausbeutung durch die Patrizier. Täglich machen neue Berichte über blutige Auseinandersetzungen die Runde.

Als erste Berichte über eine tödliche Seuche namens Pest die Runde machen, suchen die Bewohner von Varennes nach einem Sündenbock. Sie finden ihn – vermeintlich – in der jüdischen Gemeinde der Stadt. Nur durch eine List können sich die Bewohner, darunter auch Léa, Tochter des Apothekers und erfahrene Heilerin, retten.

Gemeinsam mit Adrien und den verbliebenen Wundärzten der Stadt nimmt Léa den Kampf gegen die neue Krankheit auf. Es wird auch ein Kampf um ihre Liebe. Einer Liebe zwischen einer Jüdin und einem Christen.

Wolfs Erzähltalent – Eine Gabe des Himmels!

Eine Gabe des Himmels ist auch Daniel Wolfs neuer Roman. Spannend und packend von der ersten Seite an. 960 Seiten, die mir nie langweilig oder zu langatmig waren.

Aus wechselnden Perspektiven wird das Leben im Mittelalter geschildert:

  • Adrien Fleury nimmt uns mit in seine Vorlesungen in Montpellier, zeigt uns das blasierte Auftreten der Gelehrten und ihr hilfloses Gestammel im medizinischen Alltag. Mit Neugier und Mut begegnet er dem Schrecken der Pest und überschreitet bei der Versorgung der Kranken immer wieder neue Grenzen. Dass er damit Leben rettet, ist nicht für alle ein ausreichendes Argument.
  • Léa übernimmt in der Apotheke ihres Vaters früh Verantwortung. Ihre verstorbene Mutter war eine begnadete Heilerin und hat ihr Wissen früh an sie weitergegeben. Dass sie Jüdin ist, lassen sie vor allem die Reichen der Stadt bei jeder Gelegenheit spüren. Doch Léa lässt sich nicht unterkriegen. Während der Pestepidemie kämpft sie an Adriens Seite um jedes Leben, egal welchen Glaubens es ist. Und sie kämpft um ihre Liebe.
  • César Fleury, Adriens Bruder, ist erfolgreicher Kaufmann. Das Familienunternehmen ist unter seiner Leitung aufgeblüht. Gelitten haben darunter die Weber und Färber der Stadt, die er gnadenlos ausbeutet, bis es zum Aufstand kommt. Als ihm die Pest Frau und Kinder nimmt, besinnt er sich auf die wichtigen Dinge des Lebens: Seine verbleibende Familie und endlich wieder Frieden in Varennes.
  • Bénédicte Marcel ist Bürgermeister in Varennes. Mit aller Kraft versucht er zwischen Zünften und Patriziern zu vermitteln, doch vergebens. Einer der Räte rottet sich mit dem Pöbel zusammen, gemeinsam lynchen sie Bénédicte und geben damit die Stadt zur Plünderung frei.
  • Luc Duchamps ist Zunftmeister der Knochenhauer und Kürschner. Für seine dunklen Machenschaften wird er mit der Acht belegt. Ein Jahr und einen Tag darf er die Stadtmauern nicht betreten. Als die Pest in Varennes wütet, taucht er wieder auf. Angeblich geläutert und als Kopf einer Gruppe von Flagellanten, die ihr weltliches Leben hinter sich gelassen haben. Seine Intrigen kosten die Juden von Varennes fast das Leben.

Das sind nur einige der wichtigsten Charaktere aus fast 1000 Seiten grandiosem Mittelalter-Epos. Damit man beim Lesen immer den Überblick behält, hat Daniel Wolf seinem Buch eine Übersicht der Protagonisten, einen Stadtplan von Varennes, sowie eine Karte des Heiligen Römischen Reiches im 14. Jahrhundert vorangestellt.

An dieses Buch “verschwendet” man gerne ein Wochenende

Ihr könnt es euch schon denken, Die Gabe des Himmels von Daniel Wolf bekommt von mir ein klares Daumen hoch! Ein wirklich toller historischer Roman, den ich jedem nur ans Herz legen kann. Lasst euch nicht vom Umfang abschrecken, das Buch liest sich prima und ist nie langweilig.

Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch die Leseprobe an.

Daniel Wolf

Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen “Das Salz der Erde”, “Das Licht der Welt” und “Das Gold des Meeres” gelang ihm der Sprung auf die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Speyer.

Buchinfo: Die Gabe des Himmels von Daniel Wolf, erschienen bei Goldmann, 19.03.2018, 960 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48319-8. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Andreas Gruber: Die schwarze Dame

Alexandra Schelling wird von ihrem Auftraggeber, einer großen Versicherungsgesellschaft, mit der Aufklärung eines Brandfalls in Prag betraut. Dem Brand sollen wertvolle Gemälde zum Opfer gefallen sein. Ging alles mit rechten Dingen zu, muss die Versicherung eine enorme Summe auszahlen.

Die schwarze Dame von Andreas GruberAls die Detektivin in Prag spurlos verschwindet, soll Peter Hogart die Hintergründe aufklären. Umgehend fliegt er in die tschechische Hauptstadt. Seine Aufgabe: Alexandras Verbleib klären und den Versicherungsfall lösen. Doch wo er auch nachfragt, er bekommt keine Antworten. Dafür hat er in kürzester Zeit sowohl die Kripo als auch den bekanntesten Mafia-Boss der Stadt im Nacken.

Setzt Peter Hogart aufs falsche Pferd?

Hilfe findet er nur bei der jungen Privatdetektivin Ivona Markovic, die in einer Reihe bizarrer Morde ermittelt. Als beide zusammen nur knapp einem Mordanschlag entgehen, ahnen sie, dass ihre Fälle zusammenhängen. Gemeinsam machen sie sich auf die Spur des Attentäters.

Die schwarze Dame kommt zugegebenermaßen etwas zäh in die Gänge. Aber es lohnt sich definitiv, dran zu bleiben, denn die Story ist wirklich spannend und speziell. Klug führt Andreas Gruber durch die zweigleisigen Verstrickungen, einerseits die Suche Hogarts nach seiner Kollegin, andererseits Ivonas Mordermittlungen.

Der Auslöser: Brutaler als vermutet

Obwohl mir recht früh klar war, wer als Attentäter in Frage kam, war mir das “warum” bis zum Ende unklar. Die Aufklärung übertrifft dann doch alles, was ich mir hätte vorstellen können. Und sie bringt eine unerwartete Wendung in den Fall.

Von mir bekommt Die schwarze Dame von Andreas Gruber eine ganz klare Leseempfehlung. Ein ideales Buch für alle, die gerne auch jenseits des Mainstreams lesen.

Andreas Gruber

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Er hat bereits mehrere äußerst erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und Romane verfasst.

Buchinfo: Die Schwarze Dame von Andreas Gruber, erschienen bei Goldmann, 18.12.2017, 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48026-5

Max Bentow: Das Dornenkind

Drei Leichen, in deren Haut geheimnisvolle Botschaften eingeritzt sind, geben der Mordkommission Rätsel auf. Als Ermittler Nils Trojan einen merkwürdigen Anruf einer jungen Frau bekommt, spitzt sich die Lage zu. Ist der Federmann wirklich zurückgekehrt?

Das Dornenkind von Max BentowDer Federmann ist tot, dessen ist sich der Berliner Kommissar Nils Trojan sicher. Der Federmann, das perverse Scheusal, das junge Frauen tötet, ihnen ihre langen blonden Haare abschneidet um sich daraus einen Mantel zu knüpfen. Ein Widersacher, der Trojan noch Jahre nach ihrer letzten Auseinandersetzung in seinen Träumen heimsucht. Er muss tot sein, er kann seine schweren Verletzungen nicht überlebt haben. Das versucht sich Trojan bei jedem neuen Leichenfund einzureden, denn die Auffindesituation der Opfer erinnert fatal an den Federmann.

Ist der Federmann wirklich zurück?

Ein mysteriöser Anruf wirft ihn völlig aus der Bahn. Die junge Frau behauptet, Wendy, die Tochter des Federmanns zu sein. Und sie ist sich sicher: Ihr Vater lebt. Gemeinsam mit Trojan will sie ihm endgültig das Handwerk legen. Doch kann Trojan ihr wirklich glauben?

Das Dornenkind von Max Bentow und ich, das war aus unerklärlichen Gründen keine Liebe auf den ersten Blick. Etwas, was mir bei der Auswahl von Thrillern sehr selten passiert. Als das Buch vor gut einem Jahr im Briefkasten lag, fand ich auch nach mehreren Anläufen keinen Zugang. Und trotzdem hat es mich nicht in Ruhe gelassen, ich habe es nicht ungelesen ins Regal gestellt, sondern bei den ungelesenen deponiert.

Liebe auf den zweiten Blick, aber dafür umso heftiger

Kürzlich hatte ich es wieder in der Hand und sieh an, da war sie, die Lust es nochmals zu wagen. Was war ich froh, dass ich Urlaub hatte! Am liebsten hätte ich Das Dornenkind nämlich nicht mehr aus der Hand gelegt.

Max Bentow hält die Spannung durchgehend hoch und sorgt immer wieder für unerwartete Wendungen. Bis zum Schluss kann man über Wendys wahre Beweggründe und ihre Glaubhaftigkeit zur spekulieren. Trotzdem spürt man auf jeder Seite das aufziehende Unheil. Man kann sich nicht entziehen.

Große Thrillerkunst eben!

Max Bentow

Max Bentow wurde in Berlin geboren. Nach seinem Schauspielstudium war er an verschiedenen Bühnen als Schauspieler tätig. Für seine Arbeit als Dramatiker wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Mit den bisher erschienenen Kriminalromanen um den Berliner Kommissar Nils Trojan gelang Max Bentow ein großer Erfolg, alle Bücher standen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Buchinfo: Dornenkind von Max Bentow, erschienen bei Goldmann, 2015, 448 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-442-20432-8. Danke für das Leseexemplar.

Esther Blum: Paleo Power für Frauen

Ist Paleo eigentlich noch in? Oder schon wieder out? Egal, jedenfalls orientiert sich diese Ernährungsform an der Altsteinzeit. Vermutet man. Denn so genau weiß man ja nicht, was damals auf den Teller kam. Esther Blum verspricht jedenfalls, dass mit der gluten- und laktosefreien Ernährung jede Frau überflüssige Pfunde verlieren und sich rundum fit und gesund fühlen kann.

9783442175222_coverEine Diät nur für Frauen, ist das nicht normal? Wenn man sich in den einschlägigen Medien umschaut, wurden Diäten doch sowieso nur für Frauen erfunden. „In nur einer Woche zur Bikini-Figur“ heißt es da. „In nur einer Woche zur Badehosenfigur“ habe ich noch nie gelesen, kann es aber auch nicht ausschließen, weil weder Bild der Frau noch Bild des Mannes oder wie die aus dem Boden sprießenden Männermagazine heißen. Übrigens, wenn wir bei dem Thema sind: Lest ihr die auch nur beim Friseur oder beim Zahnarzt, liebe Männer?

Aber ich schweife ab. Es geht um die Paleo-Diät für Frauen mit der wir gesund, schnell und dauerhaft abnehmen können. Klingt ja nicht schlecht, haben wir aber auch schon öfter mal gehört. So geht es auch der Autorin. Sie hasst das Wort Diät, weil sie keine kennt, die wirklich nachhaltig ist. Ihre Empfehlung:

Wir verpassen allen Diätkonzepten einen kräftigen Tritt und ernähren uns endlich auf die Weise, auf die der menschliche Körper seit Urzeiten programmiert ist! Denn das ist das ganze Geheimnis.

Konkret bedeutet das bei Frau Blum:

  • Phase 1 – Detox
  • Phase 2 – Reset
  • Phase 3 – Paleo
Phase 1 – Detox

Die ersten 14 Tage wird entgiftet, also der Körper von Umweltgiften befreit. Schritt für Schritt wird die Kohlenhydratzufuhr reduziert. Dadurch wird die Insulinsensitivität erhöht, die Hormone sollen sich wieder auf den „natürlichen Wechsel zwischen Hunger und Sättigungsgefühl“ einstellen. Der Körper baut sein in den Muskeln gespeichertes Glykogen ab.

Wichtig dabei: Die Regeln müssen streng eingehalten werden.

Das Ergebnis: Bis zu dreieinhalb Kilogramm Gewicht können auf die Schnelle abgebaut werden. Der Körper ist jetzt entgiftet und bereit für die Reset-Phase.

Phase 2 – Reset

Gute Nachricht für alle, die sich bis jetzt zwei Wochen lang gequält haben: Ab sofort werden die Zügel etwas lockerer angezogen. Kohlenhydrate sind wieder begrenzt erlaubt und trotzdem sinkt das Gewicht. Sagt die Autorin. Auch ein Schlemmertag, allerdings unter klaren Beschränkungen, wird versprochen. Er soll sogar unerlässlich für den Erfolg sein.

In der Reset-Phase pendeln sich die Hormone neu ein, der eigentliche Fettabbau beginnt.

Die Dauer dieser Phase hängt ab von:

  • dem gewünschten Körperfettanteil
  • der individuellen Körperchemie
  • der Selbstdisziplin

Also von den Punkte, die über Erfolg oder Misserfolg jeder Diät entscheiden.

Phase 3 – Paleo

Jetzt geht es darum, die individuelle Kohlenhydrattoleranz herauszufinden. Dazu die Autorin:

Die Paleo-Ernährungsform können Sie auf Dauer beibehalten, solange Sie den Idealbereich für den Körperfettanteil um nicht mehr als fünf Prozent überschreiten. Sollten Sie diese kritische Marke einmal erreichen, kehren Sie vorübergehend in die Reset-Phase zurück.

Sie weißt auch darauf hin, dass es für den Körper keinen Status Quo gibt. Stress, körperliche Belastung, die Schlafqualität, das alles beeinflusst den Stoffwechsel und macht gegebenenfalls Nachjustierungen erforderlich.

Und nicht zu vergessen: Gute Ergebnisse erzielt, wer nebenbei seine Bewegung nicht vernachlässigt.

Paleo – Was soll ich dazu sagen?!

Ich habe schon viele Diät-Hypes erlebt. Mehr Kohlenhydrate, weniger Kohlenhydrate. Möglichst viel Eiweiß. Eiweiß nur zu bestimmten Tageszeiten und nur getrennt von anderen Nahrungsbestandteilen, die je nach Diät wechseln. Möglichst viele kleine Mahlzeit, möglichst definierte Pausen zwischen den Mahlzeiten. Mehr oder weniger einseitig beziehungsweise ausgewogen. Also ein genialer Markt für clevere Autoren und Vermarkter.

Mir persönlich setzt die Paleo Diät zu sehr auf tierisches Eiweiß, also auch Fleisch und Wurst. Klar, in grauer Vorzeit gab es kein Bäckerei und erst recht kein lecker belegtes Käsebrötchen. Aber genau das würde mir fehlen.

Zudem bezweifele ich, dass man sich an den Gegebenheiten der Menschen damals orientieren sollte und kann, denn unsere Lebensbedingungen weichen zu sehr ab. Wir sitzen in geheizten Räumen, sind warm gekleidet, verwenden für längere Strecken Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Auto. Die Anforderungen an uns sind komplett andere. Symbolisch dafür sehe ich zum Beispiel folgende Bestandteile der Paleo Power für Frauen von Esther Blum:

  • Smoothies
  • Aceto Balsamico
  • Proteinshakes
Eine Diät nur für Frauen?

Sinnvoll hingegen finde ich eine Diät, die sich speziell an Frauen richtet, denn Stoffwechsel und Körperstruktur von Mann und Frau unterscheiden sich nun mal.

Dennoch käme für mich die Paleo Diät nicht in Frage. Dazu bin ich zu wenig von einseitigen Ernährungsmodellen zur Gewichtsreduktion überzeugt. Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, kenne ich niemanden, der oder die den Umstieg zurück auf die „normale“ Mischkost erfolgreich überstanden hätte.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, erhält mit Paleo Power für Frauen von Esther Blum ein Buch, das den Schwerpunkt nicht auf aufwändige Bebilderung, sondern viele Hintergrundinformationen zu Ernährung, Einkauf, Fitness und Co. legt.

Esther Blum

Esther Blum ist Ernährungs- und Gesundheitsexpertin und als solche häufig im amerikanischen Fernsehen und Radio. Außerdem schreibt sie für verschiedene Zeitschriften oder Magazine wie das Time. Sie lebt in Connecticut, wo sie ihre eigene Privatpraxis führt.

Buchinfo: Paleo Power für Frauen von Esther Blum, erschienen bei Goldmann, August 2015, Taschenbuch, ISBN: 978-3-442-17522-2, € 9,99

 

 

Der Mädchensucher

Was empfinden Eltern, wenn ihre zwölfjährige Tochter plötzlich spurlos verschwindet. Und wie geht man als beste Freundin der Mutter mit seinen Schuldgefühlen um, wenn man glaubt, an diesem Verschwinden nicht ganz unschuldig zu sein? Paula Daly hat um dieses Thema herum einen spannenden Thriller entwickelt.

Der Mädchensucher, ThrillerLucinda ist weg. Und du bist Schuld. Denn bei deiner Tochter hätte sie übernachten sollen. Niemand von euch hat Lucindas Eltern informiert, dass sie nicht aufgetaucht ist. Niemand von euch hat sich Gedanken gemacht. Und jetzt seid ihr hilflos. Fühlt euch schuldig. Setzt alles daran, das Mädchen wiederzufinden. Hofft, dass sie nicht dem Vergewaltiger in die Hände gefallen ist, der seit einigen Tage sein Unwesen in eurer Gegend treibt. Der es auf Mädchen zwischen zwölf und dreizehn abgesehen hat. Knabenhafte Mädchen, die noch nichts Frauliches haben.

Und plötzlich bist du schuld

Lisa Kallisto ist die beste Freundin von Lucindas Mutter und sie gibt sich die Schuld, dass das Mädchen verschwunden ist. Wäre sie nicht immer so chaotisch, hätte ihr auffallen müssen, dass mit den Übernachtungsplänen von Sally, ihrer eigenen Tochter und Lucinda etwas schief läuft. Verzweifelt versucht sie, ihren vermeintlichen Fehler wieder gut zu machen. Nicht ahnend, dass sie Opfer eines kaltblütigen Planes geworden ist.

Paula Daly hat in ihrem Buch “Der Mädchensucher” bewegendes Thema aufgenommen. Für Eltern ist das plötzliche Verschwinden ihres Kindes eine grausame Vorstellung. Doch wie schlimm muss es für jemanden sein, der/die selbst Mutter oder Vater ist und glaubt, für das Verschwinden des Kindes von anderen verantwortlich zu sein?

Um diese Situation zu überstehen, muss man sehr stark sein, denn zu den Schuldgefühlen kommen noch die Anfeindungen Außenstehender. Lisa Kallisto zieht diese Stärke aus der Liebe zu ihrer Familie. Mit ihrer Hilfe schafft sie es nicht nur, der Polizei die entscheidenden Hinweise zum Auffinden von Lucinda zu geben. Nein, sie übersteht auch die hinterhältige Intrige, in die sie geraden ist.

Spannende Story, dramatische Wendung

“Der Mädchensammler” ist wirklich ein spannender Thriller geworden. Allerdings war ich weit von dem Hypnosezustand entfernt, den Tess Gerritsen in der Beurteilung des Buches ankündigt. Teilweise liegt das sicher auch daran, dass ich keine eigenen Kinder habe, mich also in viele Situationen hineindenken aber nicht hineinfühlen kann. An manchen Stellen hätte das Buch für mich aber mehr Tempo haben dürfen.

Fasziniert hat mich die dramatische Wendung zum Schluss, die mir aber noch viel besser gefallen hätte, wenn sie sich früher subtil angekündigt und mich als Leserin ins Zweifeln hätte kommen lassen.

Von mir gibt es für “Der Mädchensucher” eine klare Leseempfehlung. Ein außergewöhnliches Thema mit dramatischer Wendung!

Paula Daly

Paula Daly wurde in Lancashire geboren und lebt heute mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und Hund Skippy im englischen Lake District. Sie arbeitet freiberuflich als Physiotherapeutin, lebte für kurze Zeit in Frankreich, vermisste aber bald den gewohnten Trubel und kehrte nach Großbritannien zurück. „Der Mädchensucher“ – in Deutschland zunächst unter dem Titel „Die Schuld einer Mutter“ erschienen – ist ihr von Presse und Lesern begeistert gefeierter Debütroman. Derzeit schreibt Paula Daly bereits an ihrem nächsten Thriller.

Der Mädchensucher von Paula Daly, erschienen bei Goldmann, 22. Juni 2015, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48271-9. Danke für die Bereitstellung des Leseexemplares.