Max Bentow: Das Dornenkind

Drei Leichen, in deren Haut geheimnisvolle Botschaften eingeritzt sind, geben der Mordkommission Rätsel auf. Als Ermittler Nils Trojan einen merkwürdigen Anruf einer jungen Frau bekommt, spitzt sich die Lage zu. Ist der Federmann wirklich zurückgekehrt?

Das Dornenkind von Max BentowDer Federmann ist tot, dessen ist sich der Berliner Kommissar Nils Trojan sicher. Der Federmann, das perverse Scheusal, das junge Frauen tötet, ihnen ihre langen blonden Haare abschneidet um sich daraus einen Mantel zu knüpfen. Ein Widersacher, der Trojan noch Jahre nach ihrer letzten Auseinandersetzung in seinen Träumen heimsucht. Er muss tot sein, er kann seine schweren Verletzungen nicht überlebt haben. Das versucht sich Trojan bei jedem neuen Leichenfund einzureden, denn die Auffindesituation der Opfer erinnert fatal an den Federmann.

Ist der Federmann wirklich zurück?

Ein mysteriöser Anruf wirft ihn völlig aus der Bahn. Die junge Frau behauptet, Wendy, die Tochter des Federmanns zu sein. Und sie ist sich sicher: Ihr Vater lebt. Gemeinsam mit Trojan will sie ihm endgültig das Handwerk legen. Doch kann Trojan ihr wirklich glauben?

Das Dornenkind von Max Bentow und ich, das war aus unerklärlichen Gründen keine Liebe auf den ersten Blick. Etwas, was mir bei der Auswahl von Thrillern sehr selten passiert. Als das Buch vor gut einem Jahr im Briefkasten lag, fand ich auch nach mehreren Anläufen keinen Zugang. Und trotzdem hat es mich nicht in Ruhe gelassen, ich habe es nicht ungelesen ins Regal gestellt, sondern bei den ungelesenen deponiert.

Liebe auf den zweiten Blick, aber dafür umso heftiger

Kürzlich hatte ich es wieder in der Hand und sieh an, da war sie, die Lust es nochmals zu wagen. Was war ich froh, dass ich Urlaub hatte! Am liebsten hätte ich Das Dornenkind nämlich nicht mehr aus der Hand gelegt.

Max Bentow hält die Spannung durchgehend hoch und sorgt immer wieder für unerwartete Wendungen. Bis zum Schluss kann man über Wendys wahre Beweggründe und ihre Glaubhaftigkeit zur spekulieren. Trotzdem spürt man auf jeder Seite das aufziehende Unheil. Man kann sich nicht entziehen.

Große Thrillerkunst eben!

Max Bentow

Max Bentow wurde in Berlin geboren. Nach seinem Schauspielstudium war er an verschiedenen Bühnen als Schauspieler tätig. Für seine Arbeit als Dramatiker wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Mit den bisher erschienenen Kriminalromanen um den Berliner Kommissar Nils Trojan gelang Max Bentow ein großer Erfolg, alle Bücher standen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Buchinfo: Dornenkind von Max Bentow, erschienen bei Goldmann, 2015, 448 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-442-20432-8. Danke für das Leseexemplar.

Esther Blum: Paleo Power für Frauen

Ist Paleo eigentlich noch in? Oder schon wieder out? Egal, jedenfalls orientiert sich diese Ernährungsform an der Altsteinzeit. Vermutet man. Denn so genau weiß man ja nicht, was damals auf den Teller kam. Esther Blum verspricht jedenfalls, dass mit der gluten- und laktosefreien Ernährung jede Frau überflüssige Pfunde verlieren und sich rundum fit und gesund fühlen kann.

9783442175222_coverEine Diät nur für Frauen, ist das nicht normal? Wenn man sich in den einschlägigen Medien umschaut, wurden Diäten doch sowieso nur für Frauen erfunden. „In nur einer Woche zur Bikini-Figur“ heißt es da. „In nur einer Woche zur Badehosenfigur“ habe ich noch nie gelesen, kann es aber auch nicht ausschließen, weil weder Bild der Frau noch Bild des Mannes oder wie die aus dem Boden sprießenden Männermagazine heißen. Übrigens, wenn wir bei dem Thema sind: Lest ihr die auch nur beim Friseur oder beim Zahnarzt, liebe Männer?

Aber ich schweife ab. Es geht um die Paleo-Diät für Frauen mit der wir gesund, schnell und dauerhaft abnehmen können. Klingt ja nicht schlecht, haben wir aber auch schon öfter mal gehört. So geht es auch der Autorin. Sie hasst das Wort Diät, weil sie keine kennt, die wirklich nachhaltig ist. Ihre Empfehlung:

Wir verpassen allen Diätkonzepten einen kräftigen Tritt und ernähren uns endlich auf die Weise, auf die der menschliche Körper seit Urzeiten programmiert ist! Denn das ist das ganze Geheimnis.

Konkret bedeutet das bei Frau Blum:

  • Phase 1 – Detox
  • Phase 2 – Reset
  • Phase 3 – Paleo
Phase 1 – Detox

Die ersten 14 Tage wird entgiftet, also der Körper von Umweltgiften befreit. Schritt für Schritt wird die Kohlenhydratzufuhr reduziert. Dadurch wird die Insulinsensitivität erhöht, die Hormone sollen sich wieder auf den „natürlichen Wechsel zwischen Hunger und Sättigungsgefühl“ einstellen. Der Körper baut sein in den Muskeln gespeichertes Glykogen ab.

Wichtig dabei: Die Regeln müssen streng eingehalten werden.

Das Ergebnis: Bis zu dreieinhalb Kilogramm Gewicht können auf die Schnelle abgebaut werden. Der Körper ist jetzt entgiftet und bereit für die Reset-Phase.

Phase 2 – Reset

Gute Nachricht für alle, die sich bis jetzt zwei Wochen lang gequält haben: Ab sofort werden die Zügel etwas lockerer angezogen. Kohlenhydrate sind wieder begrenzt erlaubt und trotzdem sinkt das Gewicht. Sagt die Autorin. Auch ein Schlemmertag, allerdings unter klaren Beschränkungen, wird versprochen. Er soll sogar unerlässlich für den Erfolg sein.

In der Reset-Phase pendeln sich die Hormone neu ein, der eigentliche Fettabbau beginnt.

Die Dauer dieser Phase hängt ab von:

  • dem gewünschten Körperfettanteil
  • der individuellen Körperchemie
  • der Selbstdisziplin

Also von den Punkte, die über Erfolg oder Misserfolg jeder Diät entscheiden.

Phase 3 – Paleo

Jetzt geht es darum, die individuelle Kohlenhydrattoleranz herauszufinden. Dazu die Autorin:

Die Paleo-Ernährungsform können Sie auf Dauer beibehalten, solange Sie den Idealbereich für den Körperfettanteil um nicht mehr als fünf Prozent überschreiten. Sollten Sie diese kritische Marke einmal erreichen, kehren Sie vorübergehend in die Reset-Phase zurück.

Sie weißt auch darauf hin, dass es für den Körper keinen Status Quo gibt. Stress, körperliche Belastung, die Schlafqualität, das alles beeinflusst den Stoffwechsel und macht gegebenenfalls Nachjustierungen erforderlich.

Und nicht zu vergessen: Gute Ergebnisse erzielt, wer nebenbei seine Bewegung nicht vernachlässigt.

Paleo – Was soll ich dazu sagen?!

Ich habe schon viele Diät-Hypes erlebt. Mehr Kohlenhydrate, weniger Kohlenhydrate. Möglichst viel Eiweiß. Eiweiß nur zu bestimmten Tageszeiten und nur getrennt von anderen Nahrungsbestandteilen, die je nach Diät wechseln. Möglichst viele kleine Mahlzeit, möglichst definierte Pausen zwischen den Mahlzeiten. Mehr oder weniger einseitig beziehungsweise ausgewogen. Also ein genialer Markt für clevere Autoren und Vermarkter.

Mir persönlich setzt die Paleo Diät zu sehr auf tierisches Eiweiß, also auch Fleisch und Wurst. Klar, in grauer Vorzeit gab es kein Bäckerei und erst recht kein lecker belegtes Käsebrötchen. Aber genau das würde mir fehlen.

Zudem bezweifele ich, dass man sich an den Gegebenheiten der Menschen damals orientieren sollte und kann, denn unsere Lebensbedingungen weichen zu sehr ab. Wir sitzen in geheizten Räumen, sind warm gekleidet, verwenden für längere Strecken Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Auto. Die Anforderungen an uns sind komplett andere. Symbolisch dafür sehe ich zum Beispiel folgende Bestandteile der Paleo Power für Frauen von Esther Blum:

  • Smoothies
  • Aceto Balsamico
  • Proteinshakes
Eine Diät nur für Frauen?

Sinnvoll hingegen finde ich eine Diät, die sich speziell an Frauen richtet, denn Stoffwechsel und Körperstruktur von Mann und Frau unterscheiden sich nun mal.

Dennoch käme für mich die Paleo Diät nicht in Frage. Dazu bin ich zu wenig von einseitigen Ernährungsmodellen zur Gewichtsreduktion überzeugt. Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, kenne ich niemanden, der oder die den Umstieg zurück auf die „normale“ Mischkost erfolgreich überstanden hätte.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, erhält mit Paleo Power für Frauen von Esther Blum ein Buch, das den Schwerpunkt nicht auf aufwändige Bebilderung, sondern viele Hintergrundinformationen zu Ernährung, Einkauf, Fitness und Co. legt.

Esther Blum

Esther Blum ist Ernährungs- und Gesundheitsexpertin und als solche häufig im amerikanischen Fernsehen und Radio. Außerdem schreibt sie für verschiedene Zeitschriften oder Magazine wie das Time. Sie lebt in Connecticut, wo sie ihre eigene Privatpraxis führt.

Buchinfo: Paleo Power für Frauen von Esther Blum, erschienen bei Goldmann, August 2015, Taschenbuch, ISBN: 978-3-442-17522-2, € 9,99

 

 

Der Mädchensucher

Was empfinden Eltern, wenn ihre zwölfjährige Tochter plötzlich spurlos verschwindet. Und wie geht man als beste Freundin der Mutter mit seinen Schuldgefühlen um, wenn man glaubt, an diesem Verschwinden nicht ganz unschuldig zu sein? Paula Daly hat um dieses Thema herum einen spannenden Thriller entwickelt.

Der Mädchensucher, ThrillerLucinda ist weg. Und du bist Schuld. Denn bei deiner Tochter hätte sie übernachten sollen. Niemand von euch hat Lucindas Eltern informiert, dass sie nicht aufgetaucht ist. Niemand von euch hat sich Gedanken gemacht. Und jetzt seid ihr hilflos. Fühlt euch schuldig. Setzt alles daran, das Mädchen wiederzufinden. Hofft, dass sie nicht dem Vergewaltiger in die Hände gefallen ist, der seit einigen Tage sein Unwesen in eurer Gegend treibt. Der es auf Mädchen zwischen zwölf und dreizehn abgesehen hat. Knabenhafte Mädchen, die noch nichts Frauliches haben.

Und plötzlich bist du schuld

Lisa Kallisto ist die beste Freundin von Lucindas Mutter und sie gibt sich die Schuld, dass das Mädchen verschwunden ist. Wäre sie nicht immer so chaotisch, hätte ihr auffallen müssen, dass mit den Übernachtungsplänen von Sally, ihrer eigenen Tochter und Lucinda etwas schief läuft. Verzweifelt versucht sie, ihren vermeintlichen Fehler wieder gut zu machen. Nicht ahnend, dass sie Opfer eines kaltblütigen Planes geworden ist.

Paula Daly hat in ihrem Buch “Der Mädchensucher” bewegendes Thema aufgenommen. Für Eltern ist das plötzliche Verschwinden ihres Kindes eine grausame Vorstellung. Doch wie schlimm muss es für jemanden sein, der/die selbst Mutter oder Vater ist und glaubt, für das Verschwinden des Kindes von anderen verantwortlich zu sein?

Um diese Situation zu überstehen, muss man sehr stark sein, denn zu den Schuldgefühlen kommen noch die Anfeindungen Außenstehender. Lisa Kallisto zieht diese Stärke aus der Liebe zu ihrer Familie. Mit ihrer Hilfe schafft sie es nicht nur, der Polizei die entscheidenden Hinweise zum Auffinden von Lucinda zu geben. Nein, sie übersteht auch die hinterhältige Intrige, in die sie geraden ist.

Spannende Story, dramatische Wendung

“Der Mädchensammler” ist wirklich ein spannender Thriller geworden. Allerdings war ich weit von dem Hypnosezustand entfernt, den Tess Gerritsen in der Beurteilung des Buches ankündigt. Teilweise liegt das sicher auch daran, dass ich keine eigenen Kinder habe, mich also in viele Situationen hineindenken aber nicht hineinfühlen kann. An manchen Stellen hätte das Buch für mich aber mehr Tempo haben dürfen.

Fasziniert hat mich die dramatische Wendung zum Schluss, die mir aber noch viel besser gefallen hätte, wenn sie sich früher subtil angekündigt und mich als Leserin ins Zweifeln hätte kommen lassen.

Von mir gibt es für “Der Mädchensucher” eine klare Leseempfehlung. Ein außergewöhnliches Thema mit dramatischer Wendung!

Paula Daly

Paula Daly wurde in Lancashire geboren und lebt heute mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und Hund Skippy im englischen Lake District. Sie arbeitet freiberuflich als Physiotherapeutin, lebte für kurze Zeit in Frankreich, vermisste aber bald den gewohnten Trubel und kehrte nach Großbritannien zurück. „Der Mädchensucher“ – in Deutschland zunächst unter dem Titel „Die Schuld einer Mutter“ erschienen – ist ihr von Presse und Lesern begeistert gefeierter Debütroman. Derzeit schreibt Paula Daly bereits an ihrem nächsten Thriller.

Der Mädchensucher von Paula Daly, erschienen bei Goldmann, 22. Juni 2015, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48271-9. Danke für die Bereitstellung des Leseexemplares.

Elisabeth Herrmann: Versunkene Gräber

Schlechte Nachrichten für Joachim Vernau aus Berlin: Jazek, ein alter Freund des Anwalts, sitzt unter Mordverdacht in Polen im Gefängnis und beteuert seine Unschuld. Gleichzeitig verschwindet Marie-Louise, Vernaus Ex-Partnerin, spurlos. So wie es aussieht, war sie in der Mordnacht mit Jazek zusammen. Joachim Vernau macht sich auf den Weg nach Polen. Kann er seinen Freunden helfen?

Elisabeth, Herrmann, Krimi, Polen, Schlesien, Mord, Zwangsumsiedlung, Wein, Auktion
Cover: randomhouse

Johannishagen im März 1945. Ein Mann schreibt Liebesbriefe. Seitenweise. In seinem dunklen Versteck im ehemaligen Weinkeller seines Gutshauses. Sie sind seine letzte Hoffnung und zugleich der Abschied an seine Familie, die nach Deutschland geflohen ist. Ob die Briefe jemanden erreichen, weiß er nicht. Er kann nur auf Magda, seine frühere Angestellte hoffen. Bis er verraten und hingerichtet wird.

Jacek, der Herumtreiber, der nie lange irgendwo bleiben kann, hat sein Herz verloren. An das heruntergekommene Anwesen seiner Eltern, das er liebevoll in kleinen Schritten renoviert. Und an den zugehörigen Weinberg, den er mühsam wieder aufleben lässt und der die Zukunft von Jacek und seinem Vaters sichern soll.

Liegt auf dem Anwesen wirklich ein Fluch?

Doch auf dem Anwesen scheint ein Fluch zu liegen. Ein Mann wird brutal erschlagen aufgefunden, Jacek des Mordes verdächtigt und festgenommen. Er bittet Suzanna, seine polnische Anwältin, Kontakt zu Marie-Louise, einer alten Freundin, die in der Mordnacht bei ihm war, aufzunehmen. Doch Marie-Louise ist seit jener Nacht verschwunden.

Joachim Vernau ist sich sicher, dass Beides zusammenhängt. Alarmiert durch Suzannas Nachfragen macht er sich auf die Suche nach Marie-Louise. Er findet sie schwer verletzt und ohne Erinnerung an die Mordnacht in einer polnischen Klinik. Auch sie steht unter Mordverdacht. Ein Haftbefehl liegt vor.

Kann Joachim seine Freunde vor der Justiz retten und den mysteriösen Mord aufklären?

So spannend kann Geschichte sein

Ich habe “Versunkene Gräber” von Elisabeth Herrmann von Anfang bis Ende verschlungen. Zwar ahnt man schon recht früh, wer seine Finger im Spiel haben könnte, aber der Lösung des Falles bringt einen das nicht näher. Dazu schlägt die Story zu viele Haken. Es bleibt also spannend.

Ganz nebenbei bringt Elisabeth Herrmann ihren Lesern das Grauen des Zweiten Weltkrieges und die Geschichte der polnischen Zwangsumsiedlungen zu Kriegsende nahe. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Story.

Alles in allem wieder ein sehr gelungener, intelligenter Krimi von Elisabeth Herrmann!

Elisabeth Herrmann

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman „Das Kindermädchen“ ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Buchinfo: Versunkene Gräber von Elisabeth Herrmann, erschienen bei Goldmann, Dezember 2013, 448 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-47995-5

Mehr von Elisabeth Herrmann:

Elisabeth Herrmann: Das Dorf der Mörder

Im Berliner Tierpark geschieht ein grausamer Mord. Ein Mann wird – vermutlich bei lebendigem Leibe – von Pekaris, einer Schweineart, gefressen. Eine Schuldige ist schnell gefasst. Zu schnell, wie Sanela Beara, eine junge Streifenpolizistin, die zufällig als Erste am Tatort ist, glaubt. Sie lässt nicht locker, ermittelt auf eigene Verantwortung in einem fast verlassenen Dorf in Brandenburg. Und löst dabei das Rätsel, das die Bewohner für immer verborgen halten wollten.

Cover: Goldmann Verlag
Cover: Goldmann Verlag

Eine grausame Meldung versetzt die Berliner Polizei in Alarm. Am hellichten Tag werden im Gehege der Pekaris, einer Schweineart mit dolchartig ausgeprägten Eckzähnen, tauchen Leichenteile auf. Ausgerechnet eine Kindergartengruppe wurde Zeuge, wie die Tiere an einer menschlichen Hand genagt haben.

Was haben die Kinder gesehen?

Die junge Polizistin Sanela Beara trifft als erste am Tatort ein. Sie führt die Kinder aus der Gefahrenzone und versucht, behutsam in Erfahrung zu bringen, was sie gesehen haben. Da sei ein seltsamer Clown gewesen, der ihnen einen Luftballon gegeben habe. Und es sei nicht der gleiche gewesen, der weiter vorne im Park Kunststücke vorführen würde.

Weiter kann Sanela nicht in sie dringen. Sie muss sich gemeinsam mit ihren Kollegen um weitere Zeugen und die Bergung der Leichenteile kümmern.

Schnell wird der Öffentlichkeit mit Charlie Rubin eine Schuldige präsentiert. Die zurückgezogen lebende Frau hat im Tierpark Mäuse und Ratten für Raubvögel und andere Fleischfresser gezüchtet und eignet sich schon alleine wegen ihres Jobs als willkommene Beute für die Masse. Zudem hat sie Sanela hinterrücks überfallen und niedergeschlagen, als diese dem Tathergang auf die Spur zu kommen schien.

Doch nicht nur Sanela zweifelt an der Schuld der Frau. Auch der Psychologe, der ihre Schuldfähigkeit prüfen soll, hat Bedenken. Als sich Charlie Rubin umbringt, eskaliert die Situation. Unabhängig voneinander machen sich beide auf eigene Faust auf, die Hintergründe des bizarren Mordes zu erforschen. In einem Dorf in Brandenburg stoßen sie eine unvorstellbar grausame Vergangenheit.

Faszinierend und beklemmend gleichermaßen

Nach „Zeugin der Toten“ das zweite Buch von Elisabeth Herrmann, das mich unwiderstehlich in seinen Bann gezogen hat. Von Anfang an hatte ich als Leserin das Gefühl, in die Story hineingezogen zu werden. Und bis zum Ende ließ mich die dunkle Wolke, die zu einem guten Thriller gehört, nicht los. Das meine ich absolut positiv. Ein guter Thriller muss fesseln.

So bizarr die Auflösung der Story auch ist, sie ist leider vorstellbar. Immer wieder erschüttern ähnlich grausame Familiengeschichten wie die von Charlie Rubin die Öffentlichkeit und immer wieder wundert man sich, wieso diese Dramen niemandem in der Nachbarschaft aufgefallen sind.

Das Dorf der Mörder – eine klare Leseempfehlung von mir! Aber Vorsicht: nichts für sehr sanfte Gemüter.

Elisabeth Herrmann

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman „Das Kindermädchen“ ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau mit Jan Josef Liefers vom ZDF, „Zeugin der Toten“ mit Anna Loos in der Hauptrolle. Für dieses Buch erhielt sie den Radio-Bremen- Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Elisabeth Herrmann lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Buchinfo: Das Dorf der Mörder von Elisabeth Herrmann, erschienen bei Goldmann, Februar 2013, 480 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-442-31325-9

Öffne die Augen: Spannung bis zum Schluss

Ein mysteriöser Film, der den Betrachter erblinden lässt. Fünf Tote, vergraben am Ufer der Seine. Und eine Reise in die dunklen Gefilde des menschlichen Gehirns…

Lucie Hennebert, Kripobeamtin in Lille, ist nächtliche Anrufe gewohnt. In ihrem Job verheißen sie selten Gutes. Doch eines Nachts ist es ein alter Freund, der sie voller Panik aus dem Schlaf reißt. Der begeisterte Filmesammler hat sich einen alten Film aus dem Jahr 1955 angesehen und ist dabei schlagartig erblindet. Was hat es mit dem Streifen auf sich? Offensichtlich stellt er für einige Leute eine so große Bedrohung dar, dass sie selbst vor Mord nicht zurückschrecken.

Fünf Leichen ohne Augen und Gehirne

Zur gleichen Zeit werden am Ufer der Seine fünf Leichen entdeckt. Alle haben eines gemeinsam: Ihnen wurden fachmännisch die Augen und Gehirne entfernt. Kommissar Franck Sharko steht vor einem Rätsel. Seine Ermittlungen führen ihn zu Lucie Hennebert. Schnell erkennen sie, dass beide Fälle auf fatale Weise miteinander zu tun haben. Können sie gemeinsam das Rätsel lösen?

Franck Thilliez zählt zu Recht zu den bekanntesten und besten Thrillerautoren Frankreichs. “Öffne die Augen” ist spannend bis zur letzten Minute und hat starke Tendenz zum Schlafkiller. Einmal angefangen, möchte man das Buch am liebsten nicht mehr aus den Händen legen. “Schuld” daran ist der intelligente und anspruchsvolle Aufbau. Interesse an Neurophysiologie ist hilfreich aber keine Voraussetzung um von der vielschichtigen Story gepackt zu werden. Man fragt sich unweigerlich, wie man selbst eventuell unterschwellig durch Bilder beeinflusst wird, die nicht bewusst wahrnehmbar sind und weit über die Botschaft des Product Placements in herkömmlichen Filmen hinaus gehen.

Spannung für den Gabentisch

Nach “Sündentod” und “Roter Engel” wieder ein Kommissar Sharko Thriller, der mich fasziniert hat. Dieses Buch sollte bei Fans spannender Unterhaltung auf dem Gabentisch nicht fehlen.

Franck Thilliez wurde 1973 in Annecy geboren und gehört zu den renommiertesten Thrillerautoren Frankreichs. Für seine Romane erhielt er verschiedene Auszeichnungen, u.a. den “Quais du Polar” und den “Prix SNCF du polar français”, die Rechte an seinen Büchern wurden international in zahlreiche Länder verkauft, unter anderem nach Amerika. Franck Thilliez lebt mit seiner Familie im Département Pas-de-Calais in Nordfrankreich. Mehr zum Autor unter www.franckthilliez.fr.
Aus dem Französischen von Eliane Hagedorn und Bettina Runge.

Buchinfo: Öffne die Augen von Franck Thilliez, erschienen bei Goldmann Verlag, Juli 2012, gebunden, 480 Seiten, € 17,99, ISBN: 978-3-442-31293-1. Auch als eBook und Hörbuch erhältlich.